1. Anläßlich des in Polen stattfindenden Europäischen Jamboree der »Union
internationale des Guides et Scouts d’Europe« grüße ich Euch, liebe
Pfadfinder und Gruppenleiter Europas, von ganzem Herzen und versichere Euch
meiner tiefen Verbundenheit im Gebet. Das Thema dieses »Eurojam«: »Duc in
altum!« greift die an Petrus gerichteten Worte Jesu auf: »Fahr hinaus« (Lk
5,4). Es lädt Euch ein, jenen geistlichen Weg zu vertiefen, der zum Abschluß des
Großen Jubiläums des Jahres 2000 den Christen in aller Welt und im vergangenen
Jahr den Jugendlichen in Toronto vorgeschlagen worden ist.
2. Liebe Jugendliche, möget Ihr hochherzig und bereitwillig dem Ruf Christi
folgen, der Euch einlädt, »hinauszufahren«, seine Zeugen zu sein und Euch jenes
Vertrauens bewußt zu werden, das er in Euch setzt, die Ihr mit ihm gemeinsam die
Zukunft aufbauen sollt. Die Erfüllung dieses Auftrags, den die Kirche Euch
anvertraut, erfordert vor allem, daß Ihr ein authentisches Gebetsleben führt,
genährt von den Sakramenten, insbesondere denen der Eucharistie und der Beichte.
Wie ich in meiner jüngsten Enzyklika Ecclesia de Eucharistia betont habe, »muß
jedes Bemühen um Heiligkeit die notwendige Kraft aus dem eucharistischen
Mysterium beziehen und auf dieses Mysterium als ihren Höhepunkt hingeordnet sein«
(vgl. Nr. 60). Es ist daher wichtig, daß die heilige Messe der Mittel- und
Höhepunkt des derzeitigen Treffens und all Eurer Begegnungen ist. Dies gilt vor
allem für die Feier des dem Herrn geweihten Tages in all den Wochen, die Ihr
gemeinsam verbringt.
Als ein besonderer Weg der spirituellen Bereicherung ist die Erfahrung der
Pfadfinder von großem Wert, um die ganzheitliche Erziehung der Person zu
ermöglichen. Sie ermöglicht es, der Versuchung gleichgültiger und egoistischer
Verhaltensweisen zu widerstehen, um sich dem Nächsten und der Gesellschaft zu
öffnen. Auf wirksame Weise kann sie dazu beitragen, die Herausforderungen der
christlichen Berufung in Angriff zu nehmen, nämlich »Salz der Erde und Licht
der Welt« (vgl. Mt 5,13–16) zu sein. Haltet fest an der reichen
Tradition der Pfadfinderbewegung, die sich einsetzt für die Erziehung zur
Dialogfähigkeit, zum Gerechtigkeitssinn, zum Pflichtbewußtsein und zur
Brüderlichkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen! Ein solcher Lebensstil
kann Euer besonderer Beitrag zur Verwirklichung einer noch größeren und
authentischeren Brüderlichkeit zwischen den europäischen Völkern sein, ein
wertvoller Beitrag zum gesellschaftlichen Leben in Eurer Heimat.
3. Liebe Pfadfinder und Gruppenleiter Europas! Ihr seid ein wertvolles Geschenk
nicht nur für die Kirche, sondern auch für das neue Europa, das Ihr vor Euren
Augen entstehen seht, und Ihr seid gerufen, »mit jugendlichem Eifer am Aufbau
des Europas der Völker teilzunehmen, damit jedem Menschen die Würde eines von
Gott geliebten Sohnes zuerkannt und eine auf Solidarität und brüderlicher Liebe
gegründete Gesellschaft aufgebaut werde« (Audienz für die in der
Vatikanbasilika versammelten Pfadfinder und Gruppenleiter Europas, 3. August
1994).
4. Im Marienheiligtum von Jasna Góra, das mir besonders am Herzen liegt, werdet
Ihr vor der Jungfrau von Tschenstochau Euer Taufversprechen wie auch Eure
Pfadfindergelübde erneuern und Eure Bereitschaft bekräftigen, wahre Apostel der
Liebe des Herrn zu sein. Ihr werdet das Weihegebet zu Unserer Lieben Frau von
der Verkündigung wiederholen, das Ihr bereits vor fast 20 Jahren in der
Kathedrale Notre-Dame de Paris anläßlich Eures ersten europäischen Treffens
gesprochen habt. Seither ist das »fiat«, mit dem Maria den Willen Gottes
erfüllt hat, ein zentrales Element der Spiritualität der europäischen Pfadfinder
und Pfadfinderinnen geworden, insbesondere durch das Gebet des Engels des Herrn
und durch den Rosenkranz. Mögen diese Momente des marianischen Gebets in diesem
der Gottesmutter vom Rosenkranz geweihten Jahr weiterhin Eure Tage beseelen und
in Euren Herzen die Erinnerung an die Wunder des Erlösungswerkes beleben, das
Christus für uns gewirkt hat.
Laßt, wenn Ihr nun durch die Erfahrung dieser Tage bereichert nach Hause, zu
Euren Familien und in Eure Gemeinschaften zurückkehrt, die Worte Jesu in Euch
widerhallen: »Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt« (Mt
28,20). Bemüht Euch darum, gestärkt von seiner Gnade, mit neuem Eifer Eure
Aufgaben zu erfüllen; so wird die Pfadfinderbewegung für Euch »ein Weg der
Heiligung in der Kirche« sein, der »eine tiefere Einheit zwischen dem konkreten
Leben und Eurem Glauben« fördert (vgl. Statut, Art. 1,2,7). Das ist der
Wunsch, den ich in meinem Gebet für Euch zum Ausdruck bringe.
Von Herzen erbitte ich für Euer Europatreffen, für die Verantwortlichen der »Union
internationale des Guides et Scouts d’Europe« und für jeden von Euch die
Fürsprache der allerseligsten Jungfrau von Tschenstochau und erteile Euch voller
Zuneigung meinen Apostolischen Segen.
Castelgandolfo, am 2. August 2003