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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE BISCHÖFE AUS ÄQUATORIALGUINEA 
ANLÄßLICH IHRES "AD-LIMINA"-BESUCHES

Samstag, 15. Februar 2003

 

Liebe Mitbrüder im Bischofsamt

1. Mit Freude empfange ich euch heute, die Oberhirten der pilgernden Kirche Gottes aus der Republik Äquatorialguinea, die ihr zu eurem »Ad-limina«-Besuch nach Rom gekommen seid. In diesen Tagen hattet ihr die Gelegenheit, euren Glauben an den Gräbern der heiligen Apostel Petrus und Paulus zu erneuern und durch die Bande der Einheit, der Liebe und des Friedens eure Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom zum Ausdruck zu bringen (vgl. Lumen gentium, 22), indem ihr euch mitverantwortlich fühlt in der Hirtenliebe gegenüber allen Kirchen (vgl. Christus Dominus, 6). Auch dienten euch die Kontakte mit den verschiedenen Dikasterien der Römischen Kurie zur Unterstützung und Orientierung in der euch anvertrauten Sendung. 

Zusammen mit Ihnen, Hochwürdigster Herr Ildefonso Obama Obono, Erzbischof von Malabo, und Ihnen, Hochwürdigster Herr Juan Matogo Oyana, Bischof von Bata, grüße ich auch die Priester und Ordensleute, die euch in der nicht immer einfachen Aufgabe unterstützen, das Reich Gottes in eurem Land zu vergegenwärtigen. Ein jeder in euren Ortskirchen und in der Diözese Abediyin, die derzeit ohne Bischof ist, soll wissen, daß er auf die Zuneigung und das Gebet des Papstes zählen und darauf vertrauen kann, daß seine hochherzige Arbeit in einem stets intensiveren Evangelisierungswerk - das die Herzen und den Geist der Menschen Äquatorialguineas durchdringen soll - Früchte tragen wird. Die drei im Geiste und im Herzen vereinten Diözesen bilden die Familie Gottes in eurem Land und sollen ein beständiges Zeugnis der Gemeinschaft und Brüderlichkeit geben. 

2. Über 20 Jahre sind seit meinem Besuch in eurem schönen Land vergangen, jener denkwürdigen Apostolischen Pilgerreise im Februar 1982, die mich an die Orte geführt hat, wo ihr heute als Diener des Evangeliums eure Aufgabe erfüllt. Heute möchte ich jenen Aufruf wiederholen, den ich damals auf der »Plaza de la Libertad de Bata« an euch gerichtet habe, nämlich daß jede kirchliche Gemeinschaft auf dem Festland wie auch auf den Inseln mit neuer Treue am Evangelisierungsauftrag festhalten möge (vgl. Predigt, 18.2.1982). 

Alle Gläubigen, und vor allem ihr, die ihr dem Volk Gottes vorsteht, müssen sich mit aller Kraft für die Verkündigung des Evangeliums einsetzen. In ihrem Verlangen nach Gott und ihrem berechtigten Wunsch, stets ihre Würde und ihre unveräußerlichen Rechte geachtet zu wissen, werden die Menschen Äquatorialguineas allein in Jesus Christus die endgültige Antwort auf die tiefgehenden Fragen über den Sinn des Lebens finden. Die Feier des Großen Jubiläums des Jahres 2000 hat mir die Notwendigkeit bewußt gemacht, daß der Blick der Kirche »mehr denn je auf das Antlitz des Herrn gerichtet« sein muß (Novo Millennio ineunte, 16). Dieses Bewußtsein muß auch im Leben und in der kirchlichen Sendung Äquatorialguineas vorrangig sein. All jene, die den Auftrag empfangen haben, das Volk zu führen und zu weiden, finden in Christus das erhabene Vorbild und die beste Orientierungshilfe für eine selbstlose und hochherzige pastorale Arbeit. Ihrerseits werden auch die Gläubigen, verwurzelt in Jesus Christus, dem einen Erlöser der Menschheit, die notwendige Kraft finden, Salz der Erde und Licht der Welt (vgl. Mt 5, 13) zu sein und in allen Situationen für jene Hoffnung Zeugnis zu geben, die sie erfüllt (vgl. 1 Petr 3, 15). 

3. Der Priestermangel gehört zu den größten Problemen eurer Teilkirchen. Notwendig ist daher nach wie vor die Förderung einer Berufungspastoral, die auch eure einheimischen Priester einbezieht, die mit den die verschiedenen Gemeinden betreuenden Missionaren zusammenarbeiten sollen. Die Berufungen zum Priesteramt und zum geweihten Leben sind ein Geschenk Gottes, das wir von ihm erflehen müssen; daher die Bedeutung des Gebets für die Berufungen, das im Einklang stehen muß mit dem Auftrag des Herrn (vgl. Mt 9, 38). Wichtig ist ferner, auf starke und gesunde Familien zählen zu können, die wahre Werte vermitteln, wie auch auf kirchliche Gemeinschaften, in denen die Person des Hirten angemessen anerkannt und geschätzt wird. In diesen Bereichen können die jungen Menschen klar und deutlich die Stimme des Meisters vernehmen, der zur Nachfolge aufruft (vgl. Mt 19, 21) und sie zur hochherzigen Selbstübereignung im Dienst an den Brüdern führt. 

Seit eurem letzten »Ad-limina«-Besuch habt ihr euch intensiv um die Förderung des Nationalen Seminars für die Ausbildung neuer Priester bemüht, ein Anliegen, in dem ich euch durchaus bestärken möchte. Von größter Wichtigkeit ist auch die Schaffung geeigneter Räumlichkeiten, in denen die Kandidaten auf angemessene Weise in den verschiedenen humanen und theologischen Wissenschaften ausgebildet werden können. Wichtig ist ferner, sie mit einem Lebensstil vertraut zu machen, in dem das Gebet und der häufige Empfang der Sakramente die künftigen Diener der Kirche auf eine stets größere Bindung an Jesus Christus hinführen durch die Förderung der Disziplin, des brüderlichen Zusammenlebens und die Annahme eines Verhaltens, das die Lebensweise der Priester und gottgeweihten Menschen unserer Zeit prägt. Die unausweichliche Verpflichtung des Bischofs und der Ausbilder ist es, nur wirklich geeignete Kandidaten für die Priesterweihe zu akzeptieren, die allein von dem Verlangen beseelt sind, Jesus Christus zu folgen, und nie durch zweifelhafte Ambitionen oder materielle Interessen motiviert sind. 

4. Viele der von der Kirche in Äquatorialguinea verwirklichten Hilfs- und Evangelisierungswerke werden von Ordensmännern und -frauen geleitet, die traditionsgemäß überwiegend aus Spanien stammen. Gemeinsam mit euch möchte ich ihnen daher für all das danken, was sie tun, damit der seit langer Zeit in eurem Land ausgesäte Samen des Evangeliums weiterhin reiche Früchte bringen kann. 

Die auf zahlreichen Gebieten tätigen Ordensleute bereichern eure Ortskirchen - gemäß dem besonderen Charisma ihres jeweiligen Instituts, angefangen vom direkten Apostolat in Pfarrgemeinden und Missionen bis zum Bereich der Erziehung und Ausbildung, des Gesundheitswesens, der sozialen und karitativen Unterstützung - nicht nur durch ihren wirksamen Dienst, sondern auch und vor allem durch ihr persönliches und gemeinschaftliches Zeugnis für das Evangelium. Für ihre Arbeit in enger Gemeinschaft mit den Oberhirten gebührt ihnen daher nicht nur deren Dankbarkeit, sondern auch die der gesamten Gemeinde; auch verdienen sie die besondere Achtung der zivilen Gesellschaft, damit sie ihre Hochherzigkeit und Hingabe aufrechterhalten und vertiefen können. 

5. Kraft ihres Taufversprechens spielen die Laiengläubigen im Hinblick auf die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen Äquatorialguineas eine wesentliche Rolle. Daher, liebe Mitbrüder im Bischofsamt, sollt ihr nie vergessen, wie wichtig es ist, ihnen eine ständige und gut organisierte Katechese zu bieten, die ihnen hilft, in ihrem Glauben heranzureifen und ihn immer mehr zu festigen, ihre Hoffnung zu stärken und ihre Liebe stets wirksamer zu üben. 

Die besondere Aufgabe der Laien ist das Zeugnis eines makellosen Lebens in der Welt, das Streben nach Heiligkeit in der Familie, bei der Arbeit und im gesellschaftlichen Leben, so wie das Bemühen, »Mentalität und Sitte, Gesetz und Strukturen der Gemeinschaft, in der jemand lebt, im Geist Christi zu gestalten« (Apostolicam actuositatem, 13). Daher sollen die Hirten alle Getauften auffordern, nicht nur ihre christliche Identität klar zum Ausdruck zu bringen, sondern auch überzeugende Protagonisten einer gerechten Gesellschaftsordnung zu sein, die nie von Feindseligkeiten, von Druck seitens der verschiedenen Volksgruppen oder von mangelnder Solidarität geprägt ist. 

Damit sie diesen Lebensstil annehmen können, muß ihnen außer einer menschlichen auch eine angemessene religiöse Formung zuteil werden, die ihnen hilft, falschen Formen von Religiosität oder den heute verbreiteten pseudoreligiösen Bewegungen entgegenzutreten. Als Sauerteig unter den Menschen müssen sie die der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Realität des Landes entsprechenden menschlichen und christlichen Werte fördern, um eine von immer größerer Gerechtigkeit und Gleichheit geprägte soziale Ordnung aufzubauen. In ihren Gemeinschaften sollen sie ein Vorbild für Rechtschaffenheit und Glaubwürdigkeit sein und sollen, als Einzelpersonen oder als legitime Vereinigungen, wenn möglich, auch im öffentlichen Leben wirken und es mit den Werten des Evangeliums und der Soziallehre der Kirche erleuchten. 

6. Eure unter einigen Aspekten traurige Geschichte des vergangenen Jahrhunderts hatte schmerzliche Folgen, deren negative Auswirkungen sowohl im kirchlichen wie im sozialen Bereich korrigiert werden müssen. Die Kirche, die der Erhöhung des Menschen in all seinen Dimensionen dienen und zu diesem Zweck den angemessenen Raum an Freiheit, Verständnis und Achtung genießen möchte, hält daher fest an ihrem Wunsch, weiterhin für die Aussaat des Guten zu arbeiten. 

In dieser Hinsicht ist es wichtig, daß ihr, liebe Mitbrüder, zusammen mit euren Mitarbeitern stets Diener der Versöhnung seid (vgl. 2 Kor 5, 18), damit das euch anvertraute Volk die Probleme der Vergangenheit überwindet und den Weg der Versöhnung gegenüber allen Menschen ohne Ausnahme weitergehen möge. Vergebung ist nicht unvereinbar mit Gerechtigkeit, und die beste Zukunft des Landes ist diejenige, die im Frieden aufgebaut wird und Frucht der Gerechtigkeit selbst wie der angebotenen und empfangenen Vergebung ist, so daß sich ein gerechtes und würdiges Zusammenleben festigen kann, in dem alle ein von Toleranz und gegenseitiger Achtung geprägtes Klima vorfinden. 

7. Die reiche Soziallehre der Kirche enthält eine ethische Auffassung, die die Würde des Menschen hervorhebt, der Geschöpf Gottes ist und somit Träger jener unveräußerlichen Rechte, die nicht verwehrt oder außer acht gelassen werden können. Diese Rechte müssen ohne Ausnahme berücksichtigt werden, das Recht des Menschen, auch des ungeborenen Menschen, auf Leben bis zu seinem natürlichen Tod, das Recht auf Religionsfreiheit sowie andere Rechte wie etwa das Recht auf Nahrung und Ausbildung oder das Recht auf Bewegungs-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit. 

Es trifft durchaus zu, daß die Menschenrechte noch nicht in vollem Maße verwirklicht sind, aber dies darf uns nicht davon abhalten, uns ernsthaft und entschlossen um ihre Einhaltung und Achtung zu bemühen. Wenn die Kirche sich der Würde der menschlichen Person und ihrer unveräußerlichen Rechte annimmt, dann geschieht dies, damit sie nicht von anderen Menschen, von eigenen oder von äußeren Obrigkeiten verletzt werden. Setzt daher eure geduldige Arbeit für Gerechtigkeit, wahre Freiheit und Versöhnung fort, nicht im Geist der Herausforderung, sondern in der Erfüllung eurer Sendung. 

8. Liebe Brüder, bei diesem Treffen habe ich mit euch über einige Aspekte eurer Pastoralarbeit nachgedacht. Bei meinem Abschied in Bata sagte ich euch: »In meinem Herzen bewahre ich die Erinnerung an euren christlichen Eifer und eure freundliche Aufnahme … Stets werde ich unseren gemeinsamen Vater im Himmel bitten, euch allen Frieden und innere Ruhe zu gewähren, damit ihr stets gute Christen und gute Bürger sein möget« (Ansprache, 19. Februar 1982). Das gleiche rufe ich euch auch heute zu, während ich euch, den Priestern, den Ordensleuten und allen Gläubigen der drei Diözesen Äquatorialguineas von Herzen meinen Apostolischen Segen erteile.

 

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