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BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II.
ANLÄßLICH DES 10. GRÜNDUNGSJUBILÄUMS DER STIFTUNG "CENTESIMUS ANNUS - PRO PONTIFICE"

 

Liebe Brüder und Schwestern!

1. Die heutige Begegnung erfolgt aus Anlaß des 10. Gründungsjubiläums der Vatikanischen Stiftung »Centesimus Annus – Pro Pontifice«, die eine einzigartige Antwort ist auf meine Einladung, die Kenntnis und Praxis der kirchlichen Soziallehre zu fördern und zu verbreiten. Diese Aufforderung habe ich in der Enzyklika zum Ausdruck gebracht, an der Ihr Euch ausrichtet.

Die großherzige Bereitschaft von qualifizierten Laien und Institutionen, an denen sich die bedeutsame Tradition der katholischen Bewegungen in Italien auf unterschiedliche Weise ablesen läßt, wurde begleitet von der tatkräftigen Initiative des damaligen Präsidenten der Verwaltung der Güter des Apostolischen Stuhls, Kardinal Rosalio Castillo Lara. Daraus ist Eure Einrichtung entstanden, die den Einsatz für die Verbreitung der kirchlichen Soziallehre vor allem in der Welt der freiberuflich Tätigen und der Unternehmer verbinden möchte mit einer konkreten, dem Papst angebotenen Unterstützung der karitativen Werke, um die er ohne Unterlaß aus allen Teilen der Welt gebeten wird, und für die Förderung der Mittel, die er für sein universales Amt einsetzt.

In den vergangenen zehn Jahren kam es zu einer Konsolidierung der Stiftung, zur Entwicklung von Initiativen im Studien- und Ausbildungsbereich – besonders schätzenswert ist in diesem Zusammenhang der Master-Studiengang in Soziallehre, der in Zusammenarbeit mit der Päpstlichen Lateranuniversität eingerichtet wurde –, zur Strukturierung von Mitgliedergruppen auf italienischem Staatsgebiet und zur verheißungsvollen Einrichtung von Vertretungen auch in anderen Ländern.

Über all dies freue ich mich aufrichtig und empfinde das Bedürfnis, all jenen meinen besonderen Dank auszusprechen, die dazu beigetragen haben, daß Jahr für Jahr wertvolle Ressourcen für die Ausübung meiner evangeliumsgemäßen Fürsorge für die ganze Welt zur Verfügung gestellt werden.

2. Daher ermutige ich Euch zur Fortsetzung Eures Engagements unter Berücksichtigung der folgenden drei hohen Grundsätze:

a) Die fortdauernde Aktualität der Soziallehre der Kirche. Die dramatischen Ereignisse, von denen die zeitgenössische Welt heimgesucht wird, und der beklagenswerte Zustand der Unterentwicklung, in dem sich noch allzu viele Länder befinden – mit schrecklichen Auswirkungen für ihre Einwohner, für ihre instabilen Institutionen sowie für Natur und Umwelt – zeigen uns, daß in der Tat wieder von einer richtigen Perspektive ausgegangen werden muß: nämlich von der Wahrheit über den Menschen, so wie sie von der Vernunft entdeckt und vom Evangelium Jesu Christi bestätigt worden ist. Sie verkündet und fördert die wahre Würde und die jeder Person wesenseigene Berufung.

Die Soziallehre der Kirche setzt sich schrittweise mit den verschiedenen Elementen dieser Wahrheit auseinander, auch hinsichtlich der Herausforderungen der jeweiligen Zeit und der sich wandelnden kulturellen und sozialen Gegebenheiten; sie bietet Anregungen und Orientierungshilfen für die Förderung der Menschenrechte, für den Schutz der Familie, für die Entwicklung von wahrhaft demokratischen und auf dem Mitwirkungsprinzip gründenden politischen Einrichtungen, für eine Wirtschaft, die im Dienst des Menschen steht, für eine neue internationale Ordnung, die Gerechtigkeit und Frieden zwischen den Völkern gewährleistet, für eine immer verantwortungsvollere Haltung gegenüber der Schöpfung auch im Hinblick auf die künftigen Generationen.

b) Die spezifische Verantwortung der christlichen Laien. Diese Verantwortung, die vom II. Vatikanischen Konzil mit großer Deutlichkeit neu aufgezeigt wurde, und die ich in den Dokumenten meines Lehramts oft und mit Überzeugung herausgestellt habe, findet gerade in der Soziallehre der Kirche einen notwendigen, fruchtbringenden und begeisternden Bezugspunkt. Das Konzil spricht von »Auftrag, Licht und Kraft, um der menschlichen Gemeinschaft zu Aufbau und Festigung nach göttlichem Gesetz behilflich zu sein« (Gaudium et spes, 42). Dieser Auftrag ist Kennzeichen der Laien, die aufgerufen sind, die vielfältigen sozialen Gegebenheiten mit dem Licht des Evangeliums zu erhellen und sich mit der von Christus geschenkten Kraft für eine »Humanisierung« der Welt einzusetzen. Es ist eine wahrhaft hohe Verantwortung, die von den christlichen Laien nicht als einschränkende Pflicht, sondern als hochherzige und kreative Leidenschaft gelebt werden soll.

c) Das Bewußtsein, daß nur neue Menschen alles neu machen können. Man darf von der Wirtschaft, von der Politik und von den sozialen Einrichtungen nicht etwas verlangen, was sie nicht zu geben vermögen. Jede wahre Neuheit entspringt dem Herzen, einem befreiten, erleuchteten Gewissen, das zur wahren Freiheit fähig ist durch die lebendige Begegnung mit Ihm, der gesagt hat: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben« (Joh 14,6), und: »Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen« (Joh 15,5).

Das soziale Engagement der Laienchristen kann also nur von einer tiefen Spiritualität genährt und konsequent, beharrlich und mutig gestaltet werden, das heißt von einem Leben in inniger Verbindung mit Christus, das diesen Gläubigen ermöglicht, die großen theologischen Tugenden – Glaube, Hoffnung und Liebe – durch die Ausübung ihrer schwierigen Verantwortung beim Aufbau einer Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen, die weniger weit vom großartigen, weisen Heilsplan Gottes entfernt ist.

3. Diese Richtlinien für Euren verstärkten Einsatz unterbreite ich Euch mit Hochachtung, Hoffnung und Zuneigung. Meinen aufrichtigen Dank bekunde ich von neuem Eurem Präsidenten, Graf Lorenzo Rossi di Montelera, den Mitgliedern des Verwaltungsrates, den Gründern, allen Förderern und den Geistlichen, die Euch auf Eurem Weg begleiten.

Mit diesen Empfindungen rufe ich von Herzen auf jeden von Euch und auf alle Menschen, die Euch nahestehen, reiche himmlische Gaben herab und erteile Euch allen als Unterpfand dessen meinen Segen.

Aus dem Vatikan, 5. Juli 2003

IOANNES PAULUS II

 

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