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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE MITGLIEDER DER APOSTOLISCHEN PÖNITENTIARIE UND DIE BEICHTVÄTER DER RÖMISCHEN PATRIARCHIALBASILIKEN

Freitag, 28. März 2003

  

1. Meine Lieben, der alljährlich von der Apostolischen Pönitentiarie veranstaltete Kurs über das »Forum internum« gibt mir Gelegenheit, euch in Sonderaudienz zu empfangen. Ich begrüße herzlich den Pro-Großpönitentiar Erzbischof Luigi De Magistris und danke ihm für die an mich gerichteten freundlichen Worte. Weiter begrüße ich die Prälaten und Offizialen dieses Gerichtshofes und die Beichtväter der römischen Patriarchalbasiliken sowie die jungen Priester und Priesteramtskandidaten, die an diesem traditionellen theologischen Weiterbildungskurs teilnehmen. 

Bei verschiedenen Gelegenheiten habe ich all denen, die sich dem Bußdienst in der Kirche widmen, meine Hochschätzung ausgesprochen: Denn der katholische Priester ist vor allem Diener des Erlösungsopfers Christi in der Eucharistie und Diener der göttlichen Vergebung im Sakrament der Buße. 

2. Gerne möchte ich bei dieser Gelegenheit vor allem über die besondere Beziehung nachdenken, die zwischen dem Priestertum und dem Sakrament der Versöhnung besteht, das vom Priester vor allem mit Glauben und Demut sowie mit überzeugter Häufigkeit empfangen werden muß. Denn das II. Vatikanische Konzil lehrt in bezug auf die Kleriker: »Die Diener der sakramentalen Gnade einen sich Christus, dem Erlöser und Hirten, aufs innigste durch den würdigen Empfang der Sakramente, vor allem durch die häufig geübte sakramentale Buße;durch die tägliche Gewissenserforschung vorbereitet, fördert diese die notwendige Hinwendung des Herzens zur Liebe des Vaters der Erbarmungen sehr« (Dekret Presbyterorum Ordinis, 18; CIC can. 276, §2, 5° und gleichfalls CCEO, can. 369, § 1)). 

Zur Bedeutung des Bußsakramentes – insofern es vom Priester als Pönitent empfangen wird – kommt seine asketische Wirksamkeit als Gelegenheit der Selbstprüfung und folglich der frohen oder schmerzlichen Kontrolle des eigenen Maßes an Treue gegenüber den Gelübden hinzu. Es ist außerdem der erhabene Augenblick der »Erfahrung« der ewigen Liebe, die der Herr für jeden von uns entsprechend seiner unwiederholbaren Individualität hegt; es bedeutet, sich von den vielleicht ungerechterweise erlittenen Enttäuschungen und Bitterkeiten zu lösen. Es ist tröstlicher Balsam für die vielfältigen Formen des Leidens, die das Leben mit sich bringt. 

3. Als Diener des Bußsakramentes muß der Priester im Bewußtsein des wertvollen, in seine Hände gelegten Gnadengeschenkes den Gläubigen die Liebe der fürsorglichen Aufnahme anbieten, ohne mit seiner Zeit zu geizen und ohne den geringsten Anflug von Härte oder Kälte in seinem Wesen zu zeigen. Zugleich muß er Liebe, ja Gerechtigkeit anwenden, indem er die reine Lehre der Kirche in bezug auf ihre Probleme mitteilt, ohne ideologische Abänderungen und ohne willkürliche Auslassungen, wobei er von den »profanas vocum novitates« Abstand nehmen soll. 

Ich möchte eure Aufmerksamkeit hier besonders auf die gebührende Zustimmung zum Lehramt der Kirche hinsichtlich der komplexen Probleme lenken, die sich im bioethischen Bereich und in bezug auf die moralischen und kanonischen Vorschriften im ehelichen Bereich stellen. In meinem Schreiben, das ich zum Gründonnerstag 2002 an die Priester gerichtet habe, betonte ich: »Bei aktuellen ethischen Fragestellungen kann es bisweilen vorkommen, daß die Gläubigen mit ziemlich wirren Ideen aus der Beichte kommen, weil sie bei den Beichtvätern nicht dieselbe Linie der Beurteilung finden. In der Tat unterliegen alle, die im Namen Gottes und der Kirche diesen anspruchsvollen Dienst ausüben, der klaren Verpflichtung, persönliche Meinungen, die der kirchlichen Lehre und Verkündigung nicht entsprechen, nicht zu pflegen und schon gar nicht während der Sakramentenspendung zu äußern. Aus einem mißverstandenen Sinn von Verständnis heraus darf die Liebe nicht mit der Vernachlässigung der Wahrheit verwechselt werden« (Schreiben an die Priester zum Gründonnerstag 2002, N. 10). 

4. Das Bußsakrament, wenn es gut gespendet und empfangen wird, erweist sich als das hauptsächliche Mittel zur Beurteilung der Berufung. Wer im »Forum internum« wirkt, muß die persönliche und moralische Gewißheit hinsichtlich der Eignung und Integrität derer, die seiner geistlichen Führung anvertraut sind, erlangen, um ihre Absichten zum Empfang der Weihen rechtmäßig befürworten und ermutigen zu können. Diese moralische Gewißheit kann man übrigens nur dann erhalten, wenn die Treue des Kandidaten gegenüber den Ansprüchen der Berufung durch anhaltende Erfahrung bewiesen worden ist. 

Der geistliche Leiter soll den Priesteramtskandidaten jedenfalls nicht nur das Urteilsvermögen, sondern auch das vorbildliche Zeugnis seines Lebens anbieten, während er in sich das Herz Christi nachzubilden sucht. 

5. Der rechte und fruchtbare Bußdienst und die Liebe zur persönlichen Nutzung des Bußsakramentes hängen vor allem von der Gnade des Herrn ab. Will der Priester dieses Geschenk erhalten, dann ist die Mittlerschaft Marias, der Mutter der Kirche und Mutter der Priester, weil sie Mutter Jesu, des ewigen Hohenpriesters, ist, von ganz besonderer Bedeutung. Möge sie von ihrem Sohn für jeden Priester das Geschenk der Heiligkeit durch das demütig empfangene und großherzig angebotene Sakrament der Buße erlangen. 

Auf eure Überzeugungen, eure Vorhaben, eure Hoffnungen komme als Unterpfand der Segnungen Gottes der Apostolische Segen herab, den ich euch allen in Liebe erteile.

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