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  ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE TEILNEHMER DES INTERNATIONALEN SYMPOSIUMS
DER PÄPSTLICHEN LATERANUNIVERSITÄT

Freitag, 9. März 2003

Meine Herren Kardinäle, 
verehrte Brüder im Bischofs- und Priesteramt, 
liebe Brüder und Schwestern! 

1. Es ist mir eine Freude, euch aus diesem willkommenen Anlaß zu begegnen, zu dem Lehrer und Studierende der »Universität des Papstes« versammelt sind. Ich grüße die hier anwesenden Kardinäle und Bischöfe, die Tagungsteilnehmer sowie die Professoren und Alumnen der verschiedenen Fakultäten. 

Darüber hinaus danke ich dem Rektor Magnifikus, Bischof Rino Fisichella, für die zum Ausdruck gebrachten Empfindungen und für das bedeutsame Geschenk der beiden Werke, mit denen die Universität diesen Moment in Erinnerung behalten möchte. 

2. Ich denke an die drei Besuche zurück, die ich durch Gottes Gunst eurer Universität im Laufe der vergangenen Jahre abstatten konnte. Jede derartige Begegnung weckt in meinem Herzen die Erinnerung an die Erfahrungen, die ich während meiner akademischen Lehrtätigkeit in Krakau und Lublin gesammelt habe. Es waren Jahre reich an Studium, Kontakten und Forschungen, verbunden mit dem Wunsch, neue Wege der Evangelisierung zu finden und zu beschreiten, die auf die Herausforderungen der modernen Zeit Rücksicht nehmen. Die damals erworbenen Kenntnisse nutzten mir zunächst für das in Krakau ausgeübte Hirtenamt und schließlich für den Dienst, den ich als Nachfolger Petri für das Volk Gottes leiste. 

Einer der Schwerpunkte in allen Phasen und Etappen meiner Universitätslaufbahn und des Hirtenamtes war für mich die Aufmerksamkeit für die menschliche Person, die in den Mittelpunkt von allem philosophischen und theologischen Forschen gestellt wurde. 

3. Ich habe deshalb mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, daß ihr zum Gedenken an die 25 Pontifikatsjahre dieses Symposion über ein äußerst aktuelles Thema einberufen wolltet: »Die Kirche im Dienst am Menschen.« Dazu habt ihr die qualifizierte und repräsentative Beteiligung von Vertretern der Römischen Kurie und der Welt der Kultur angeregt. 

In meiner ersten Enzyklika Redemptor hominis habe ich geschrieben: »Die Kirche darf am Menschen nicht vorbeigehen; denn sein ›Geschick‹, das heißt seine Erwählung, seine Berufung, seine Geburt und sein Tod, sein ewiges Heil oder Unheil sind auf so enge und unaufhebbare Weise mit Christus verbunden. […] Dieser Mensch ist der erste Weg, den die Kirche bei der Erfüllung ihres Auftrags beschreiten muß: er ist der erste und grundlegende Weg der Kirche, ein Weg, der von Christus selbst vorgezeichnet ist und unabänderlich durch das Geheimnis der Menschwerdung und der Erlösung führt« (Nr. 14). Immerwährender Dienst an der »Wahrheit«

4. Die Botschaft des Evangeliums ist für jeden Menschen jeder Rasse und Kultur bestimmt, damit sie ihm in der jeweiligen Lebenslage, in der er sich befindet, Licht und Rettung bringt. Dieser immerwährende Dienst an der »Wahrheit« des Menschen begeistert alle, denen es ein Anliegen ist, daß er sich selbst immer mehr erkennt und mit wachsendem Bewußtsein die Sehnsucht spürt, Christus, der vollen Verwirklichung des Menschen, zu begegnen. Ja, das ist ein weites Wirkungsfeld auch für euch, die ihr mit missionarischer Dynamik dazu beitragen wollt, neue Wege für die Evangelisierung der Kulturen zu entdecken.

Christus ist die Wahrheit, die alle frei macht, die ihn aufrichtig und beharrlich suchen. Er ist die Wahrheit, die die Kirche unermüdlich in vielfacher Weise verkündet, während sie die einzige Heilsbotschaft bis an die äußersten Grenzen der Erde verbreitet und sie in die Kulturen der verschiedenen Weltregionen einpflanzt.

Der hl. Irenäus kommentierte voll Weisheit: »So wie Gottes Sonne in der ganzen Welt eine und dieselbe ist, so dringt auch die Botschaft der Wahrheit überall hin und erleuchtet alle Menschen, die zur Erkenntnis der Wahrheit kommen wollen. Der größte Redner … kann nichts anderes verkünden, denn niemand geht über den Meister; und auch der Schwachbegabte wird nichts von der Überlieferung weglassen. Es ist nur ein und derselbe Glaube, ihn kann nicht vermehren, wer viel versteht zu reden, nicht vermindern, wer wenig spricht« (Gegen die Häresien, I,10,3).

5. Eure Universität ist wie die übrigen Studienzentren für den Klerus und die Ordensleute ein besonderer Übungsplatz, auf dem viele Generationen von »Aposteln« Christus persönlich erfahren, seine Bekanntschaft vertiefen und sich vorbereiten können, Zeugen seiner Liebe im Hirtenamt zu sein. Mögen eure theologischen, philosophischen und wissenschaftlichen Forschungen dem Menschen von heute helfen, die im tiefsten Innern verborgene Sehnsucht nach Gott besser wahrzunehmen.

Ich bitte Gott, eure ganze Arbeit mit seiner Gnade zu beseelen. Maria, »Sedes Sapientiae«, helfe euch mit ihrem mütterlichen Schutz. Ich meinerseits versichere euch meines ständigen Gebetsgedenkens, während ich euch allen und einem jeden einzelnen meinen besonderen Apostolischen Segen erteile.

 

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