Liebe Brüder und Schwestern!
1. Wie jedes Jahr habt Ihr den heiligen Rosenkranz gebetet und
dabei besonders das Geheimnis der Heimsuchung Marias betrachtet, das wir in der
Liturgie des heutigen Tages feiern. Auf diese Weise habt Ihr vor der Grotte der
Muttergottes von Lourdes in den Vatikanischen Gärten den Monat Mai beschließen
wollen. Im Geiste schließe ich mich Euch an und begrüße Euch sehr herzlich. Ich
grüße Erzbischof Francesco Marchisano, meinen Generalvikar für die Vatikanstadt,
die Kardinäle und alle weiteren anwesenden Bischöfe, die Priester, die
Ordensmänner und Ordensfrauen, die Jugendlichen und alle Gläubigen. Mit einem
jeden von Euch halte ich vor der Grotte inne, gleichsam um der Unbefleckten
Jungfrau den gesamten geistlichen Weg dieses Marienmonats als Gabe darzubringen:
jeden Vorsatz, jede Sorge, jedes Anliegen der Kirche und der Welt. Die heilige
Jungfrau erhöre alle Eure Bitten.
2. Zu diesem Anlaß möchte ich gegenüber Euch allen die Einladung
zum häufigen Rosenkranzgebet wiederholen, wobei besonders auf die Qualität des
Betens geachtet werden soll. Ich denke in erster Linie an die Priester: Ihr
Vorbild und ihre Leitungsfunktion mögen die Gläubigen zur Wiederentdeckung des
Sinnes und Wertes dieses Gebets führen. Ich denke an die geweihten Menschen,
insbesondere an die Ordensfrauen, die, wie ich mir sehr gut vorstellen kann,
zahlreich unter Euch vertreten sind: Sie sind dazu aufgerufen, Maria, die die
Geheimnisse ihres göttlichen Sohnes im Herzen bewahrte, aus der Nähe zu folgen.
Ich denke an die Familien und fordere sie auf, sich oft, vor allem in den
Abendstunden, zum gemeinsamen Rosenkranzgebet zu versammeln: Dies ist eine der
schönsten und trostreichsten Erfahrungen der häuslichen Gemeinschaft!
3. Das Jahr des Rosenkranzes, das wir gegenwärtig begehen,
bietet uns ständig Gelegenheit, über die Rolle der Muttergottes in der
Heilsgeschichte und in unserem Leben nachzudenken. So wie sie an der Sendung
ihres göttlichen Sohnes Anteil hatte, so begleitet Maria auch weiterhin den Weg
der Kirche durch die Jahrhunderte.
Verharren wir mit ihr im Gebet, liebe Gläubige, wie dies die
Apostel im Abendmahlssaal in Erwartung des nun kurz bevorstehenden Pfingstfestes
taten. Die Liturgie dieser Tage läßt uns das geistige Klima, das diesem Ereignis
vorausging, aufs neue erleben, und obwohl das ganze Jahr des Rosenkranzes von
einem unermüdlichen Gebet mit Maria geprägt sein soll, so müssen wir uns doch
umso mehr in dieser Zeit der Novene mit ihr verbinden, um eine reiche Herabkunft
des Geistes auf die in der ganzen Welt verbreitete Kirche zu erbitten.
Am Ende des Monats Mai und zu Beginn des Monats Juni, der dem
Herzen Jesu gewidmet ist, spüren wir noch stärker, wie Maria uns zu Christus
führt. Sie ist der kürzeste Weg, um zum Herzen Christi zu gelangen, aus dem wir
die einzigartigen Gaben seiner Liebe und Barmherzigkeit schöpfen können.
"Magnificat anima mea Dominum!". Machen wir uns
den Gesang zu eigen, der im Hause der hl. Elisabet dem Herzen Marias entspringt:
Unser ganzes Leben sei ein Lobgesang auf den Herrn!
Dies, meine Lieben, ist mein Wunsch, den ich von Herzen mit
meinem Segen begleite, in den auch all Eure Angehörigen und Freunde
eingeschlossen seien
Aus dem Vatikan, 31. Mai 2003
IOANNES PAULUS II