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XXV. PONTIFIKATSJUBILÄUM VON JOHANNES PAUL II.

UNTERZEICHNUNG
DES NACHSYNODALEN APOSTOLISCHEN SCHREIBENS
"PASTORES GREGIS"

ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.

Donnerstag, 16. Oktober 2003

Meine Herren Kardinäle,
verehrte Mitbrüder im Bischofsamt!

1. Mit großer Freude unterzeichne ich das Nachsynodale Apostolische Schreiben Pastores gregis, das ich der gesamten Kirche und in geistiger Weise einem jeden ihrer Bischöfe überreichen möchte. Ich habe es verfaßt unter Zugrundelegung der verschiedenen Beiträge der Väter der X. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode, die unter dem Thema stand: »Der Bischof – Diener des Evangeliums Jesu Christi für die Hoffnung der Welt

Meinen herzlichen und brüderlichen Gruß richte ich an die Herren Kardinäle – mit einem besonders dankbarem Gruß an Kardinal Jan Pieter Schotte, den Generalsekretär der Bischofssynode –, an die Patriarchen, die Präsidenten der Bischofskonferenzen und an die hier anwesenden Erzbischöfe und Bischöfe. Durch euch, verehrte Brüder, möge der Ausdruck meiner Wertschätzung dem gesamten Bischofskollegium zukommen. In ihm zeigt sich die Universalität und Einheit des Gottesvolkes auf seinem Pilgerweg in der Welt (vgl. Lumen gentium, 22). Auch gilt mein Gruß allen Teilkirchen und deren jeweiligen Mitgliedern: den Priestern und Diakonen, den Ordensleuten und Laien. Jeden einzelnen versichere ich meiner geistigen Nähe.

2. Die Synodenväter haben an die große Bedeutung des bischöflichen Dienstes für das Leben des Gottesvolkes erinnert. Eingehend haben sie über die kollegiale Natur des Episkopats nachgedacht; sie haben hervorgehoben, daß die Aufgaben des Lehrens, des Heiligens und des Leitens in der hierarchischen Gemeinschaft und in der brüderlichen Einheit mit dem Oberhaupt und den anderen Mitgliedern des Bischofskollegiums ausgeübt werden müssen.

Die im Evangelium vorkommende Figur des Guten Hirten war das Sinnbild, an dem sich die Synodenarbeit stets orientierte. Mit konkreten Worten erläuterte die Synodenversammlung den Geist, mit dem der Bischof seinen Dienst in der Kirche leisten soll: die Kenntnis seiner Herde, die Liebe gegenüber allen und die Aufmerksamkeit für jede Person, die Barmherzigkeit und die Suche nach dem verlorenen Schaf. Das sind einige Charakteristika, die den Dienst des Bischofs auszeichnen. Er ist berufen, gemäß dem Beispiel Christi Vater, Lehrer, Freund und Bruder jedes Menschen zu sein. Diesem Weg treu folgend kann er zur Heiligkeit gelangen, zu einer Heiligkeit, die nicht neben dem Dienstamt, sondern durch es wachsen muß.

3. Als Herold des Wortes Gottes, als Leiter und Lehrer des Glaubens hat der Bischof die Aufgabe, mit apostolischem Freimut den christlichen Glauben zu lehren und ihn auf authentische Weise wiederzugeben.

Als »Verwalter der Gnade des höchsten Priestertums« (Lumen gentium, 26) sorgt er dafür, daß die liturgischen Feiern zu einer Epiphanie des Geheimnisses werden, zum Ausdruck des wahren Wesens der Kirche, die Gott, durch Christus, im Heiligen Geist immerfort die Ehre erweist.

Als Leiter des christlichen Volkes muß sich der Bischof mit pastoraler und amtlicher Vollmacht darum kümmern, die Teilnahme aller Gläubigen am Aufbau der Kirche zu fördern. Diese besondere Aufgabe muß er mit jenem persönlichen Verantwortungsbewußtsein ausüben, das ihm durch seine Sendung im Dienst an der gesamten Gemeinschaft übertragen ist.

Aufmerksam gegenüber den Erfordernissen der Kirche und der Welt muß er sich den Herausforderungen der Gegenwart stellen. Er muß Prophet der Gerechtigkeit und des Friedens, Verteidiger der Rechte der Schwachen und Ausgeschlossenen sein. Allen soll er das Evangelium des Lebens, der Wahrheit und der Liebe verkündigen. Seine ganz besondere Sorge soll den zahlreichen Armen gelten, die auf der Welt leben.

Eingedenk des innigen Wunsches Christi »ut omnes unum sint« (Joh 1,21), soll er vor allem den ökumenischen Weg fördern, damit die Kirche unter den Völkern wie ein Banner der Einheit und Eintracht erstrahle. In der multiethnischen Gesellschaft zu Beginn des dritten Jahrtausends soll er auch zum Wegbereiter des interreligiösen Dialogs werden.

4. Meine Herren Kardinäle, verehrte Patriarchen und Brüder im Bischofsamt, wenn ich euch nun das Apostolische Schreiben Pastores gregis überreiche, bin ich mir der vielfältigen Aufgaben, die der Herr uns anvertraut hat, zutiefst bewußt. Das Amt, zu dem wir berufen sind, ist schwierig und vielfältig. Wo finden wir die Kraft, um es dem Willen Christi entsprechend auszuüben? Zweifellos allein in Ihm. Hirten seiner Herde zu sein ist heute ganz besonders mühsam und anspruchsvoll. Dennoch müssen wir Vertrauen haben »contra spem in spem« (Röm 4,18). Christus steht uns zur Seite und unterstützt uns mit seiner Gnade.

Die selige Jungfrau Maria möge uns in der Hoffnung stärken, sie, die zusammen mit den Aposteln im einmütigen und beharrlichen Gebet den Heiligen Geist erwartete. Durch ihre Fürsprache bei Gott möge das leuchtende Antlitz Christi immerfort in der Kirche erstrahlen.

Liebe Brüder im Bischofsamt! Der Papst teilt die Sorgen und Ängste, das Leid, die Hoffnungen und die Freuden eures Amtes. Im Geiste begleitet er einen jeden von euch und erteilt allen von Herzen seinen Segen.

      

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