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BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II.
ZUM BEGINN DER KAMPAGNE DER BRÜDERLICHKEIT
2004 IN BRASILIEN

 

An meinen Ehrwürdigen Bruder
im Bischofsamt
Kardinal Geraldo Majella Agnelo
Vorsitzender der CNBB
Erzbischof von São Salvador und
Primas von Brasilien

Anläßlich der Kampagne der Brüderlichkeit, die von der Nationalen Konferenz der Brasilianischen Bischöfe (CNBB) seit nunmehr 40 Jahren gefördert wird, möchte ich Ihnen meine Genugtuung darüber zum Ausdruck bringen, daß ich die Gelegenheit habe, mich an alle in Christus miteinander verbundenen Gläubigen zu wenden – erfüllt von neuer Hoffnung auf Umkehr und Versöhnung, wie sie die Fastenzeit in Vorbereitung auf das Ostern der Auferstehung in uns weckt. In dieser Zeit ist jeder Christ aufgefordert, in besonderer Weise über die unterschiedlichen sozialen Verhältnisse des brasilianischen Volkes nachzudenken, die größere Brüderlichkeit erfordern. Dieses Jahr wurde für die Kampagne das Leitwort gewählt: »Wasser, Quelle des Lebens.«

Das Wasser hat, wie wir alle wissen, eine sehr große Bedeutung für die Erde: Ohne dieses kostbare Element würde sich die Erde sehr schnell in eine dürre Wüste verwandeln, in einen Ort, wo Hunger und Durst herrschen, wo Menschen, Tiere und Pflanzen zum Tod verurteilt wären. Das Wasser ist aber nicht nur eine Voraussetzung für das Leben auf der Erde; es hat auch die kraftvolle Eigenschaft, zu waschen und zu reinigen, indem es die Unreinheiten verschwinden läßt.

Eben darum wird in der Heiligen Schrift das Wasser als Symbol sittlicher Läuterung angesehen: Gott »wäscht« alle Schuld vom Sünder ab (vgl. Ps 51,4). Beim Letzten Abendmahl wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße. Auf den Einspruch des Petrus antwortet Jesus: »Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir« (Joh 13,8). Seine volle spirituelle Bedeutung als Quelle übernatürlichen Lebens erhält das Wasser jedoch in der christlichen Taufe, wie Jesus selbst im Evangelium verkündet: »Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen« (Joh 3,5).

Die Taufe erweist sich daher als Weg, der zum Leben mit Gott führt. Der Neugetaufte, der vom Gnadenwirken des Geistes ergriffen wird, erhält Anteil am neuen Leben in Christus (vgl. Gal 3,27–28). Da der Getaufte zu einer neuen Kreatur geworden ist, kann und soll er die Beziehungen zu seinesgleichen und zur ganzen Schöpfung, die Gott der Sorge des Menschen anvertraut hat, im Einklang mit Gerechtigkeit, Liebe und Verantwortung gestalten (vgl. Gen 2,15). Daraus ergeben sich für jeden Menschen konkrete Verpflichtungen bezüglich des Umweltschutzes. Voraussetzung für die Erfüllung dieser Verpflichtungen ist die Offenheit für eine spirituelle und ethische Perspektive, um egoistische Verhaltensweisen und Lebensgewohnheiten zu überwinden, die zur Erschöpfung der natürlichen Rohstoffreserven führen.

Als Gabe Gottes ist das Wasser ein Lebenselement, das für das Überleben unverzichtbar ist und auf das daher alle ein Recht haben. Es ist deshalb dringend geboten, sich aufmerksam den Problemen zu widmen, die aus dem offensichtlichen Mangel an Wasser in vielen Teilen der Welt, nicht nur in Brasilien, entstehen. Das Wasser ist kein unbegrenzt vorhandener Rohstoff. Für die vernünftige und solidarische Nutzung dieses Elementes bedarf es einer Zusammenarbeit aller Menschen guten Willens mit den gesetzgebenden Instanzen der Regierung, um einen wirksamen Schutz dieser Umwelt zu erzielen, die als ein Geschenk Gottes betrachtet wird (vgl. Apostolisches Schreiben Ecclesia in America, 25). , n. 25). Dieses Problem muß daher so angegangen werden, daß man grundlegende moralische Kriterien über den Wert des Lebens und über die Achtung der Rechte und der Würde aller Menschen aufstellt.

Zur Eröffnung der Kampagne der Brüderlichkeit 2004 bringe ich erneut die Hoffnung zum Ausdruck, daß die verschiedenen Instanzen der bürgerlichen Gesellschaft, denen sich die Nationale Konferenz der Brasilianischen Bischöfe und die anderen Kirchen sowie einige religiöse und nichtreligiöse Organisationen anschließen, erwirken mögen, daß das Wasser tatsächlich zur reichen Lebensquelle für alle wird.

Mit diesen Wünschen rufe ich den Herrn, Spender aller Güter, um seinen Schutz an, damit er seine segnende Hand über die Felder, die Seen und die Flüsse dieser »Terra di Santa Cruz« halte. Er möge reichlich seine Gaben des Friedens und Gedeihens ausgießen und durch seine Gnade in jedem Herzen Gefühle der Brüderlichkeit und lebendigen Zusammenarbeit wecken. Mit einem besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 19. Januar 2004


JOHANNES PAUL II.

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