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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE TEILNEHMER DER VOLLVERSAMMLUNG DER KONGREGATION FÜR DEN KLERUS

Samstag, 10. Januar 2004

 

Meine Herren Kardinäle,
verehrte Mitbrüder im Bischofsund im Priesteramt,
liebe Brüder und Schwestern!

1. Mit Freude empfange ich euch zum Abschluß der Vollversammlung der Kongregation für den Klerus. Ich begrüße den Präfekten des Dikasteriums, Herrn Kardinal Darío Castrillón Hoyos, und ich danke ihm, daß er eure gemeinsamen Gefühle der Verehrung und Zuneigung zum Ausdruck gebracht hat. Ich begrüße die Herren Kardinäle, die hochwürdigsten Mitbrüder im Bischofsamt und all jene, die an diesem Treffen teilgenommen haben. Es wurden dabei zwei Themen von besonderem Interesse behandelt: »Die beratenden Gremien secundum legem und praeter legem« und »Pastoral in den Wallfahrtsorten«.

Ich möchte jedem einzelnen danken für seine anspruchsvolle Arbeit. Zugleich spreche ich die besten Wünsche aus, daß diesen Tagen der Reflexion nützliche Weisungen und Richtlinien für das Leben der Kirche entspringen mögen.

2. Die dogmatische Konstitution Lumen gentium stellt die Kirche als ein Volk dar, dessen Haupt Christus, dessen Stand die Würde und Freiheit der Kinder Gottes, dessen Gesetz das alte und immer neue Liebesgebot und dessen Bestimmung das Reich Gottes ist (vgl. Nr. 9). Zu diesem Volk gehören diejenigen, die durch die Taufe »als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufgebaut sind, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen« (1 Petr 2,5). Dieses Priestertum, das alle Gläubigen verbindet, unterscheidet sich wesentlich vom Amtspriestertum, auch hierarchisches Priestertum genannt. Aber beide sind eng miteinander verbunden und einander zugeordnet, denn »das eine wie das andere nimmt je auf besondere Weise am Priestertum Christi teil« (Lumen gentium, 10). Die Hirten haben die Aufgabe, das Volk Gottes heranzubilden, zu leiten und zu heiligen, während die gläubigen Laien zusammen mit ihnen aktiv an der Sendung der Kirche teilhaben in einer ständigen Synergie von Kräften und unter Achtung der Berufungen und der besonderen Charismen.

3. Diese nützliche Mitarbeit von seiten der Laien ist auch auf die verschiedenen Räte verteilt, die von der kanonischen Regelung auf Diözesanund Pfarrebene vorgesehen sind. Es handelt sich um Organe der Teilhabe, die die Mitwirkung am Wohl der Kirche ermöglichen, wobei Wissen und Zuständigkeit des einzelnen berücksichtigt werden (vgl. Can. 212, Par. 3 CIC).

Diese gemäß den Weisungen des Konzils entstandenen Strukturen müssen in ihren Handlungsweisen und Statuten gemäß den Normen des im Jahr 1983 veröffentlichen Codex des kanonischen Rechtes auf den heutigen Stand gebracht werden. Dabei muß eine ausgewogene Beziehung zwischen der dem Diözesanbischof oder Pfarrer zustehenden Rolle und der Rolle der Laien gewährleistet sein.

Die rechtmäßigen Hirten sind in der Ausübung ihres Amtes nie als bloße Ausführungsorgane von Beschlüssen zu betrachten, die sich in der kirchlichen Versammlung aus mehrheitlichen Meinungen ergeben haben. Die Struktur der Kirche darf nicht nach rein menschlichen politischen Modellen gemessen werden. Ihre hierarchische Verfassung beruht auf dem Willen Christi und gehört als solche zum »depositum fidei«, das im Laufe der Jahrhunderte unversehrt bewahrt und weitergegeben wird.

Euer Dikasterium, das eine besondere Aufgabe in der Anwendung der konziliaren Richtlinien auf diesem Gebiet hat, wird die Entwicklung dieser beratenden Gremien aufmerksam verfolgen. Ich bin sicher, daß auch die Zustimmungen und Beiträge, die aus eurem Treffen erwachsen, helfen werden, die Zusammenarbeit zwischen Laien und Hirten immer fruchtbarer und getreu den Richtlinien des Lehramtes zu gestalten.

4. Das zweite Thema, das ihr in dieser Vollversammlung behandelt habt, betrifft die Pastoral in den Wallfahrtsorten. Diese geweihten Stätten ziehen viele Gläubige an, die Gott suchen und folglich offen sind für eine unmißverständliche Verkündigung der Frohbotschaft und bereit, die Einladung zur Umkehr anzunehmen. Deshalb ist es wichtig, daß dort Priester mit ausgeprägter pastoraler Sensibilität wirken, beseelt von apostolischem Eifer, ausgestattet mit dem väterlichen Geist der Aufnahme und erfahren in der Kunst der Predigt und Katechese.

Was ist über das Sakrament der Buße zu sagen? Der Beichtvater ist vor allem in den Wallfahrtsorten gerufen, in jeder seiner Gesten und Worte die erbarmende Liebe Christi widerzuspiegeln. Deshalb ist eine angemessene Bildung in Lehre und Pastoral erforderlich.

Im Mittelpunkt jeder Wallfahrt stehen die liturgischen Feiern, an erster Stelle die heilige Messe. Sie sind mit Sorgfalt vorzubereiten und mit großer Andacht unter aktiver Beteiligung der Gläubigen zu gestalten.

Euer Dikasterium wird es nicht versäumen, angemessene Vorschläge auszuarbeiten, damit die Pastoral der Wallfahrtsstätten immer besser den Ansprüchen der Zeit gewachsen ist.

5. Liebe Brüder und Schwestern! Mit diesen Tagen des Studiums und Austausches habt ihr der Kirche einen lobenswerten Dienst erwiesen. Ich danke euch und versichere jeden einzelnen meines brüderlichen Gebetsgedenkens.

Die Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, die wir in der Weihnachtszeit neben dem Kind in der Krippe betrachten, stütze euch und lasse alle eure guten Vorsätze Frucht bringen. Für euch und für die Menschen, die euch lieb sind, spreche ich gerne meine besten Wünsche für das soeben begonnene neue Jahr aus und erteile von Herzen allen meinen besonderen Apostolischen Segen.

         

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