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BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE TEILNEHMER EINER KONFERENZ ZUM THEMA
"DER UNTERNEHMER - VERANTWORTUNG UND GLOBALSIERUNG"

   

An meinen verehrten Bruder
Kardinal RENATO RAFFAELE MARTINO
Präsident des Päpstlichen Rates »Iustitia et Pax«

Mit Freude erfahre ich von der Konferenz zum Thema »Der Unternehmer – Verantwortung und Globalisierung«, die in diesen Tagen unter der Schirmherrschaft des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden und des Internationalen Christlichen Unternehmerverbands stattfindet. Ich bitte Sie, allen Anwesenden meine herzlichen Grüße und meine besten Wünsche zu übermitteln.

Möge diese Konferenz zu einer Quelle der Inspiration und des neuen Einsatzes für die christlichen Unternehmer werden, die danach streben, die Werte des Reiches Gottes in der Welt des Handels zu bezeugen. Ihre Arbeit gründet in der Herrschaft und Sorge um die Erde, die Gott dem Menschen anvertraut hat (vgl. Gen 1,29), und zeigt sich vor allem in der Förderung kreativer Wirtschaftsinitiativen, die ein großes Potential der Unterstützung unserer Mitmenschen und der Verbesserung ihres materiellen Lebensstandards in sich bergen. Da »keine menschliche Tätigkeit, auch in weltlichen Dingen nicht, sich … der Herrschaft Gottes entziehen läßt« (Lumen gentium, 36), haben die in der Geschäftswelt Verantwortung tragenden Christen die Aufgabe, das legitime Gewinnstreben mit einer tieferen Sorge um die Förderung der Solidarität und die Beseitigung der Plage der Armut zu verbinden, unter der viele Mitglieder der Menschenfamilie weiterhin leiden.

Diese Konferenz findet in einer Zeit statt, in der sich der Finanz- und Handelssektor in zunehmendem Maße der Notwendigkeit gesunder ethischer Handlungsweisen bewußt wird. Dadurch soll gewährleistet werden, daß die unternehmerische Tätigkeit offen bleibt für ihre grundlegende menschliche und soziale Dimension. Da das Gewinnstreben nicht das alleinige Ziel dieser Aktivität ist, fordert das Evangelium die Unternehmer und Unternehmerinnen auf, für die Würde und die Kreativität ihrer Angestellten und Kunden sowie für die Belange des Gemeinwohls ihre Achtung zu bekunden. Auf persönlicher Ebene sind sie aufgefordert, wichtige Tugenden wie »Fleiß, Umsicht beim Eingehen zumutbarer Risiken, Zuverlässigkeit und Treue in den zwischenmenschlichen Beziehungen, Festigkeit bei der Durchführung von schwierigen und schmerzvollen…Entscheidungen« zu entwickeln (Centesimus annus, 32). In einer von konsumorientierten und materialistischen Sichtweisen geprägten Welt sind die christlichen Unternehmer aufgerufen, den Vorrang des »Seins« vor dem »Haben« zu bekräftigen.

Zu den wichtigen ethischen Fragen, denen die Gemeinschaft der Unternehmer gegenwärtig gegenübersteht, gehören jene, die sich auf die Auswirkungen des globalen Marktes und der globalen Werbung auf die Kulturen und Werte verschiedener Länder und Völker beziehen. Eine gesunde, die Werte unterschiedlicher Nationen und Volksgruppen achtende Globalisierung kann in hohem Maße zur Einheit der Menschheitsfamilie beitragen und Formen der Zusammenarbeit ermöglichen, die nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch sozialer und kultureller Art sind. Globalisierung muß mehr werden als lediglich ein anderer Name für die absolute Relativierung von Werten und die Homogenisierung von Lebensweisen und Kulturen. Um das zu erreichen, stehen die christlichen Verantwortlichen auch im geschäftlichen Bereich vor der Aufgabe, die freimachende und verwandelnde Kraft der christlichen Wahrheit zu bezeugen, die uns inspiriert, mit all unseren Talenten, unseren intellektuellen Fähigkeiten, unserer Überzeugungskraft, unseren Erfahrungen und Kenntnissen Gott, dem Nächsten und dem Gemeinwohl der menschlichen Familie zu dienen.

Mit diesen Empfindungen übermittle ich meine besten Wünsche für die Konferenzarbeiten und erbitte gerne für alle Teilnehmer den göttlichen Segen der Weisheit, der Freude und des Friedens.

Aus dem Vatikan, am 3. März 2004

JOHANNES PAUL II.

       

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