Liebe Mitbrüder im Bischofsamt!
1. »Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und
dem Herrn Jesus Christus« (Gal 1,3). Mit diesen Worten des Apostels
Paulus entbiete ich jedem von euch meinen herzlichen Gruß und versichere euch
meiner Nähe im Gebet, auf daß der Herr eure täglichen Anstrengungen als Hirten
im Dienst an der Kirche und der geliebten italienischen Nation erleuchte und
unterstütze.
Besonders begrüße ich euren Präsidenten, Kardinal Camillo Ruini,
und danke ihm für die Worte, die er im Namen aller an mich gerichtet hat. Mein
Gruß gilt außerdem allen weiteren Kardinälen, den Vizepräsidenten eures Treffens
und dem Generalsekretär.
2. Im Laufe dieser Vollversammlung habt ihr eure Überlegungen
über das Thema Pfarrei fortgesetzt, das ihr bereits bei der Tagung in Assisi im
November des vergangenen Jahres behandelt hattet. Ihr widmet euch dabei vor dem
Hintergrund der Neuevangelisierung der Erarbeitung gemeinsamer Vorschläge für
die notwendige Erneuerung dieser grundlegenden kirchlichen Struktur.
Insbesondere in Italien gewährleistet die Pfarrei die ständige und sorgsame Nähe
der Kirche zur gesamten Bevölkerung und kümmert sich um deren geistliche
Bedürfnisse; sie sorgt sich oft auch um viele andere Anliegen, um jedem Menschen
die Möglichkeit zu einem Glaubensweg zu geben, der ihn tiefer in das Leben der
Kirche einbeziehen und ihn an ihrem apostolischen Auftrag teilhaben lassen soll.
Diesbezüglich, liebe Mitbrüder im Bischofsamt, kenne und teile
ich aus tiefem Herzen eure Sorge um die Berufungen zum Priesteramt und zum
geweihten Leben. Ich möchte auch in eurem Namen eine herzliche Einladung an die
jungen Männer und Frauen Italiens richten, daß sie den Ruf, den der Herr an sie
richtet, aufmerksam und ruhig überdenken und ihn schließlich nicht ängstlich,
sondern freudig annehmen: Er ist ein einzigartiges Geschenk, das neue
Lebenshorizonte eröffnet sowohl für die Berufenen als auch für viele ihrer
Brüder und Schwestern.
Eben diese Einladung zur Bereitschaft und zum Vertrauen richte
ich auch an die Familien der Berufenen, die sich heutzutage oft Sorgen um die
Zukunft ihrer Kinder machen. Ihnen rufe ich zu: Bleibt nicht bei kurzfristigen
Überlegungen stehen. Ihr müßt wissen, daß die Großherzigkeit des Herrn
unüberbietbar ist und daß jeder seiner Rufe auch für die Familie des berufenen
Menschen ein großer Segen ist.
3. Ein weiteres Thema eurer Versammlung ist der wichtige Aspekt
der sozialen Kommunikationsmittel, was aus der Veröffentlichung und Besprechung
des Direktoriums mit dem Titel Kommunikation und Mission ersichtlich
wird.
Sehr gut kennen wir den starken Einfluß der heutigen Medien
auf die persönlichen und gemeinschaftlichen Denk- und Verhaltensweisen. Sie
verleiten zu einer Lebensauffassung, die leider oft dazu neigt, die
grundlegenden ethischen Werte zu zersetzen, insbesondere die Werte der Familie.
Die Kommunikationsmittel können jedoch auch für ganz andere
Zielsetzungen und Ergebnisse eingesetzt werden, und sie vermögen in beachtlichem
Umfang zur Durchsetzung positiver Lebensmodelle und zur Verbreitung des
Evangeliums beizutragen.
Daher, liebe italienische Bischöfe, steht der Papst an eurer
Seite bei eurem Einsatz, durch den ihr schon seit vielen Jahren die katholische
Tageszeitung und die diözesanen Wochenzeitschriften unterstützt und fördert. In
jüngster Zeit habt ihr euch außerdem um eine qualifizierte katholische Präsenz
im Bereich Rundfunk und Fernsehen bemüht. Es ist mein aufrichtiger Wunsch, daß
alle italienischen Katholiken die Bedeutung dieses Engagements verstehen und es
teilen, um so ihren Beitrag zu leisten für ein besseres und ausgewogeneres
kulturelles Klima, in dem wir alle leben.
4. Der Terrorismus, die kriegerischen Handlungen und die
Verletzungen der Menschenrechte, die die internationale Lage so schwierig und
gefährlich machen, lasten schwer auf unseren Herzen, liebe Bischöfe. Ich
schließe mich auch weiterhin euren Gebeten an, vor allem für die Geiseln im
Irak, für die Menschen, die ihr Leben riskieren oder es in Erfüllung ihres
Auftrags sogar verlieren.
Besonders schätze ich die Initiative, die ihr seit einem Jahr
zur Förderung von Friedenswallfahrten ins Heilige Land unternehmt, und
unterstütze sie von ganzem Herzen. Viele von euch sind persönlich an jene Orte
gereist und haben zahlreiche Pilger dorthin mitgenommen. Dies ist auch ein
deutliches Signal der Nähe und Solidarität für die dort ansässigen christlichen
Gemeinschaften, die unserer Hilfe so sehr bedürfen.
5. Liebe italienische Bischöfe! Aufrichtig teile ich die
Aufmerksamkeit, die ihr dem Leben dieser geliebten Nation widmet.
Vor allem ist es angezeigt, daß in Situationen von Konflikten
und Feindseligkeiten die ehrliche Suche nach dem Gemeinwohl die Oberhand
gewinnt, damit Italien auf seinem Weg vorankommen und eine neue Phase seiner
Entwicklung beginnen kann, nicht zuletzt durch die Schaffung weiterer
Arbeitsplätze, die vor allem in einigen Gegenden Süditaliens dringend nötig
sind.
Weitere entscheidende Anliegen, um die ihr euch immer mehr
bemühen sollt, bleiben die auf der Ehe gründende Familie, der Schutz und die
Annahme des Lebens und die vorrangige Verantwortung der Eltern für die
Erziehung. Heute wiederhole ich vor euch die Worte, die das Thema des
diesjährigen Tages für das Leben bildeten: »Ohne Kinder gibt es keine Zukunft!«
Das gemeinsame Handeln der Sozialpolitik, der kirchlichen Pastoral und aller
Menschen, die auf die allgemeine Gesinnung Einfluß nehmen können, ist für die
Zukunft Italiens wirklich dringend geboten, damit die jungen Paare wieder Freude
daran finden, Kinder zur Welt zu bringen und sie zu erziehen, um sich auf
einzigartige Weise am Werk des Schöpfers zu beteiligen.
6. Liebe Bischöfe Italiens, ich versichere euch meines täglichen
Gebets für euch, für eure Kirchen und für die gesamte Gemeinschaft, damit das
italienische Volk sein bedeutendes Erbe an Glauben und Kultur stets lebendig
halte und in den Dienst des zusammenwachsenden Europas stelle.
Mit diesen Empfindungen herzlicher Zuneigung erteile ich euch,
euren Priestern, jedem Bistum und jeder italienischen Pfarrgemeinde meinen
besonderen Apostolischen Segen.