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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE BISCHÖFE DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA AUS DEN KIRCHENPROVINZEN DUBUQUE, KANSAS CITY IN KANSAS, OMAHA UND SAINT LOUIS

Freitag, 26. November 2004

 

Liebe Mitbrüder im Bischofsamt!

1. Mit herzlicher Zuneigung in Christus Jesus begrüße ich euch, meine Mitbrüder im Bischofsamt aus den Kirchenprovinzen Dubuque, Kansas City in Kansas, Omaha und Saint Louis, anläßlich eures Besuches »ad limina Apostolorum«. Heute, da ich mit meinen Reflexionen über die Ausübung der bischöflichen Leitungsgewalt fortfahre, möchte ich mit euch die Beziehung betrachten, die euch mit euren engsten Mitarbeitern im Apostolat, euren Brüdern im Priesteramt, verbindet.

Im Laufe dieser Ansprachen habe ich euch und eure Mitbrüder im Bischofsamt mehrfach gebeten, den Priestern in den Vereinigten Staaten meine persönliche Dankbarkeit und Anerkennung für ihren treuen Dienst am Evangelium zu übermitteln. In diesen Tagen, da ihr am Grab Petri, hier im Herzen der Kirche, kniet, bitte ich euch, sie und ihren Dienst dem Herrn anzuempfehlen und euch inständig zu bemühen, mit ihnen so zusammenzuarbeiten, daß ihr »eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig« (Phil 2,2).

2. »Hinc unitas sacerdotii exoritur.« Diese Worte, die über dem Hochaltar des Petersdoms eingemeißelt sind, erinnern in feierlicher Weise daran, daß die Gemeinschaft, die euch und eure Priester verbindet, letztendlich aus der Gnade des Weihesakraments und der einen Sendung, die der auferstandene Herr den Aposteln und ihren Nachfolgern in der Kirche auftrug, herrührt (vgl. Presbyterorum ordinis, 7). Insbesondere das Zweite Vatikanische Konzil hat auf dieses Verständnis der Einheit des Priestertums verwiesen, indem es lehrt, daß die Priester ein einziges Presbyterium mit ihrem Bischof bilden und mit ihm und unter seiner Autorität das Amt Christi ausüben, der Hirte und Haupt seiner Kirche ist (vgl. Lumen gentium, 28). Die tägliche Festigung dieser geistlichen und hierarchischen Gemeinschaft ist eine grundlegende und wesentliche Aufgabe eines jeden Bischofs. In der Tat hat das Konzil die Bischöfe aufgerufen, sich besonders um das Wohl ihrer Priester zu sorgen, sie als Söhne und Freunde zu behandeln und stets die übernatürliche Liebe zu pflegen, die eine Einheit des Willens der Priester mit dem Willen des Bischofs im Dienste am Volke Gottes hervorbringt (vgl. Christus Dominus, 16,28). Ich selbst bin davon überzeugt, daß die wirksamste Weise, diese Einheit zu fördern, in einem gemeinsamen und stets erneuerten Einsatz für das Leben und die Sendung der Teilkirche besteht. In einer vorbehaltlosen und aufopferungsvollen Liebe zur örtlichen christlichen Gemeinschaft werden Bischöfe wie Priester »eine Quelle für Sinngehalte, für Unterscheidungs- und Aktionskriterien « entdecken, »die sowohl ihrer pastoralen Sendung als auch ihrem geistlichen Leben Gestalt geben« (Pastores dabo vobis, 31). Indem der Bischof klar zeigt, daß er die seiner Obhut anvertraute Kirche mit ungeteiltem Herzen liebt, wird er unter seinen Brüdern im Priesteramt der erste sein, der das Wachstum in »der Gemeinschaft des Lebens, der Arbeit und der Liebe« (Lumen gentium, 28) fördert. Diese Gemeinschaft wiederum basiert auf der »einen Liebe«, die das Herz und die Seele des Apostolates ist.

3. In der Beziehung zu seinen Priestern ist der Bischof nicht nur verantwortlich für die Stärkung des gegenseitigen Vertrauens und Dialogs, des Geistes der Einheit und des gemeinsamen missionarischen Geistes, sondern auch für die Entwicklung eines Gefühls der Mitverantwortung für die Leitung der Ortskirche seitens des Presbyteriums. Das Konzil wies zurecht darauf hin, daß die Pfarrer einen eigenen Anteil am »munus regendi« haben (vgl. Christus Dominus, 30), während der Bischof berufen ist, seine Diözese »in Zusammenarbeit mit dem Presbyterium« zu leiten (ebd., 11; vgl. CIC, can. 369). Die konkrete Ausübung dieser Mitverantwortung verlangt von den Bischöfen vor allem eine gesunde kirchliche Sichtweise, die nötige Sorge für die legitimen Erfordernisse der Subsidiarität in der Kirche und Respekt für die Aufgaben und Rollen, die den verschiedenen Mitgliedern des diözesanen Klerus zueigen sind.

In Anbetracht der geschichtlichen Bedeutung der Pfarrgemeinde in der Kirche der Vereinigten Staaten sollte es ein grundlegendes Ziel eurer Leitungsgewalt sein, das Werk der Pastoral, das sich in dem großen, die Ortskirche bildenden Netzwerk von Pfarrgemeinden und mit ihnen in Verbindung stehenden Institutionen vollzieht, zu stärken und zu koordinieren. Tatsächlich ragt hier die Pfarrgemeinde, deren Hauptverantwortliche der Bischof ist, unter allen in einer Diözese vorhandenen Gemeinschaften hervor. »Ihr muß er daher vor allem seine Sorge zuwenden« (Pastores gregis, 45). Die Pfarrgemeinde ist der vorrangige Ort, an dem die Gläubigen dem Leben und der Sendung der Kirche begegnen. Hier sind sie eingeladen, vollen Anteil daran zu haben. Die Diözese sollte immer als in ihren und für ihre Pfarrgemeinden existierend verstanden werden.

Aus diesem Grund sollte die Erneuerung des kirchlichen Lebens im Dienste der Neuevangelisierung zu Recht mit der Wiederbelebung der Pfarrgemeinde beginnen, einer Gemeinschaft, die ihren Mittelpunkt in der Verkündigung des Evangeliums und in der Feier der Heiligen Eucharistie hat (vgl. Ecclesia in America, 41). Der Bischof spielt eine unentbehrliche Rolle für diese Wiederbelebung, indem er die kirchliche Lehre mit Autorität verkündet und einen umfassenden pastoralen Plan aufstellt, der es vermag, das Apostolat des Klerus und der Laien zugleich zu inspirieren und ihm Richtung zu geben.

Die Hirten brauchen nicht nur Hilfe beim »Aufbau der Gemeinschaft «, sondern auch bei der Klärung der Ziele, die ihre Leitung, stets in Gemeinschaft mit der Teil- und Universalkirche, anstreben sollte (vgl. CIC, can. 528–529). Die Laien wiederum sollten angeregt werden, das ihnen eigene »munus regale« besser zu verstehen und es im Dienste des Reiches Gottes auszuüben (vgl. Lumen gentium, 31). Kurzum, die gesamte christliche Gemeinschaft muß dazu ermutigt werden, im Streben nach Heiligkeit und im Dienst an der neuen Evangelisation »von der Messe zur Sendung« (Dies Domini, 45) zu gelangen.

4. Eine wesentliche Sorge verantwortlicher Leitungsgewalt muß es auch sein, für die Zukunft zu sorgen. Niemand kann leugnen, daß der Rückgang der Berufungen zum Priestertum eine drastische Herausforderung für die Kirche in den Vereinigten Staaten darstellt. Diese Herausforderung darf nicht ignoriert oder aufgeschoben werden. Vielmehr bedarf sie einer Antwort im beharrlichen Gebet, gemäß dem Gebot des Herrn (Mt 9,37–38), begleitet von einem Programm zur Förderung geistlicher Berufungen, das sich mit allen Aspekten des kirchlichen Lebens befaßt. Insofern »die Verantwortung, Priesterberufungen hervorzubringen,…dem ganzen Gottesvolk « obliegt, und da es dieser Verantwortung hauptsächlich »im ständigen und demütigen Gebet um Berufungen« gerecht wird (Ecclesia in America, 40), möchte ich euch einladen, die Einführung eines nationalen Gebetstages für Berufungen zum Priestertum zu erwägen.

Sorge um die Zukunft verlangt auch, der Seminarausbildung besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Die Seminare müssen den für das Priesteramt Studierenden nicht nur eine umfassende theologische Vision, sondern auch das Streben nach Heiligkeit und geistliche Weisheit vermitteln und sie zudem zu kluger Führerschaft und selbstloser Hingabe an die Herde anleiten. Diesbezüglich möchte ich euch ermutigen, keine Mühe zu scheuen, um für die gesunde und fortlaufende Ausbildung des Klerus zu sorgen und es insbesondere als einen wesentlichen Bestandteil eures Leitungsamtes zu betrachten, jungen Priestern weiterführende Studien in den kirchlichen Wissenschaften, besonders in der Theologie und im Kirchenrecht, zu ermöglichen.

Auch wenn diese Ausbildung Opfer mit sich bringen mag, so sollte sie doch als eine Quelle bleibender Bereicherung für das Leben der Ortskirche betrachtet werden.

5. Liebe Brüder, die Vision des Konzils, das geistliche Erbe des Großen Jubiläums und die heutigen pastoralen Bedürfnisse der Gläubigen in Amerika rufen auf zu einem erneuerten Einsatz für das, was die Herzmitte der kirchlichen Sendung darstellt: Es gilt, das Evangelium Jesu Christi in seiner Unverfälschtheit zu verkünden, die Menschen zum Glaubensgehorsam zu rufen, die wahre Heiligkeit zu fördern und an der Ausbreitung des Reiches Gottes in jedem Bereich des persönlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens zu arbeiten. Da ihr euch bemüht, dieses große Werk auszuführen, und zwar in Gemeinschaft mit euren Brüdern im Priesteramt, euren Diakonen, den geweihten Männern und Frauen, die zu euren Teilkirchen gehören, und mit allen Gläubigen in der Vielzahl ihrer Gaben und Berufungen, empfehle ich euch alle dem liebevollen Gebet Marias, der Mutter der Kirche, an und erteile euch als Unterpfand der bleibenden Freude und des Friedens im Herrn von Herzen meinen Apostolischen Segen.

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