Herr Ministerpräsident,
Herr Minister,
sehr geehrte Damen und Herren!
An Sie alle richte ich meinen herzlichen Willkommensgruß. Es
freut mich, Sie in einem für Polen und Europa so bedeutsamen Moment empfangen zu
können. Gestern hat der Festakt anläßlich der Unterzeichnung des
Verfassungsvertrags der Europäischen Union stattgefunden. Es ist ein Ereignis,
das in gewissem Sinn den Erweiterungsprozeß der Gemeinschaft für jene Staaten
abschließt, die von Anfang an am Aufbau der geistlichen und institutionellen
Fundamente des Alten Kontinents beteiligt waren und im Lauf der vergangenen
Jahrzehnte sozusagen an dessen Rand geblieben waren. Der Apostolische Stuhl und
ich persönlich haben stets versucht, den Prozeß zu unterstützen, damit Europa
ganz mit beiden Lungen atmen kann: mit dem Geist des Westens und dem des Ostens.
Wenn auch in der Europäischen Verfassung ein ausdrücklicher
Bezug auf die christlichen Wurzeln der Kultur aller Nationen, die heute die
Gemeinschaft bilden, fehlt, so vertraue ich darauf, daß die immerwährenden
Werte, die von den vorangegangenen Generationen auf der Basis des Evangeliums
geschaffen wurden, auch weiterhin die Bemühungen aller prägen, die die
Verantwortung für die Bildung des neuen Antlitzes unseres Kontinents tragen. Ich
hoffe, daß diese Struktur, die letztlich eine Gemeinschaft von freien Nationen
ist, alles in ihren Kräften Stehende tun wird, um der Union das geistliche Gut
nicht zu entziehen, sondern es vielmehr als Grundlage der Einheit zu bewahren.
In Gnesen betonte ich im Jahr 1997, daß es nicht gelingen wird, eine dauerhafte
Einheit zu schaffen, »wenn man sich von den Wurzeln, aus denen die Nationen und
Kulturen Europas gewachsen sind, trennt und vom großen Reichtum der geistigen
Kultur der vergangenen Jahrhunderte löst«. »In Europa wird es keine Einheit
geben, solange diese nicht auf der Einheit des Geistes beruht.«
In meinem Amt als Papst bin ich der Regierung und dem Parlament
von Polen dankbar für das Verständnis dieser Herausforderung und für deren
Annahme. Ich danke dem Herrn Ministerpräsidenten für die vorgetragene
Zusicherung, daß die polnische Regierung alles unternehmen wird, damit die neue
Konstitution der Europäischen Union mit dem Geist der europäischen Werte
übereinstimmt, die auf der christlichen Sicht des Menschen und der Politik als
Dienst am Menschen selbst und an allen Gemeinschaften gründen. Ich wünsche
Ihnen, Herr Ministerpräsident, daß der vollkommene Einsatz all jener Personen,
denen Sie Aufgaben in der Regierung der Republik Polen anvertraut haben, sowie
der Beitrag all derer, die die gesetzgebende und juridische Machtausübung
innehaben, es unter Einbeziehung der ganzen Gesellschaft ermöglichen werden, in
möglichst kurzer Zeit reiche Früchte hervorzubringen zum Wohlergehen aller
polnischen Bürger.
Gott führe unsere Heimat in eine glückliche Zukunft. Er schenke
allen die Gnade der Weisheit, auf denen die Verantwortung für das Schicksal des
Landes ruht und segne alle seine Bewohner!
Danke für Ihren Besuch und für Ihr Wohlwollen.
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Libreria Editrice Vaticana