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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DONALD SMITH,
BOTSCHAFTER KANADAS BEIM HL. STUHL*

Samstag, 4. September 2004 

Exzellenz!

Es ist mir eine Freude, Sie heute herzlich willkommen zu heißen, während ich das Beglaubigungsschreiben entgegennehme, mit dem Sie zum außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter von Kanada beim Heiligen Stuhl akkreditiert worden sind. Meine Pastoralbesuche in Ihrem Land, besonders der frohe Anlaß des Weltjugendtages 2002 in Toronto, sind mir noch sehr gut in Erinnerung. Ich danke Ihnen für die Grüße, die Sie mir vom Generalgouverneur und dem kanadischen Volk überbringen. Bitte teilen Sie ihnen meinen herzlichen Dank mit und versichern Sie sie meines Gebetes für das Wohlergehen der Nation. 

Kanadas großherzige und konkrete Beiträge zum Aufbau einer Welt des Friedens, der Gerechtigkeit und des Wohlstands werden von der internationalen Gemeinschaft allgemein anerkannt. Denn die Solidarität mit den Entwicklungsländern ist ein wohlbekannter und lobenswerter Zug Ihres Volkes und findet unter anderem Ausdruck in der bemerkenswerten Beteiligung Ihres Volkes an Friedensmissionen und in der Produktion von preiswerten Medikamenten für die ärmeren Völker. Angesichts der Leiden und Spaltungen, die so oft die Menschheitsfamilie belasten, wird die Notwendigkeit, dauerhafte Lösungen für menschliche Konflikte zu finden, immer dringlicher. In dieser Hinsicht haben, wie Eure Exzellenz betonten, der Heilige Stuhl und Kanada in den 35 Jahren der diplomatischen Beziehungen in einer Reihe von Projekten zusammengearbeitet, welche die Verbesserung der Situation der benachteiligten Völker und Gemeinschaften betreffen, einschließlich der Förderung und Anwendung der Konvention von Ottawa über Landminen und des WTO-Abkommens über geistiges Eigentum und öffentliche Gesundheit. In ähnlicher Weise haben sich Kanada und der Heilige Stuhl wie die anderen Länder bemüht, Stabilität, Frieden und Entwicklung in die afrikanische Region der Großen Seen zu bringen.

Solche Gesten der Solidarität sind mehr als nur einseitige Akte guten Willens. Sie entspringen vielmehr Werten und Überzeugungen, welche die kanadische Gesellschaft im Laufe ihrer Geschichte geformt haben und von denen jeder wahre soziale Fortschritt abhängt. Aus diesem Grund habe ich bei meinem jüngsten Besuch in Ihrem Land alle Kanadier ermutigt, den Kern ihres Erbes hochzuschätzen: die geistige Dimension des Lebens, inspiriert von dem Glauben, daß alle Menschen ihre wesentliche Würde von Gott erhalten und mit ihr die Fähigkeit, in der Wahrheit und im Guten zu wachsen (vgl. Homilie beim Abschlußgottesdienst, Toronto, 28. Juli 2002).

Eure Exzellenz hat hervorgehoben, daß Kanadas Offenheit für die Migration zu einer wachsenden Vielfalt und einer großen Bereicherung Ihrer Kultur geführt hat, indem eine gegenseitige Annäherung und Achtung zwischen den ethnischen Gruppen gepflegt wurden. Die Charaktereigenschaften der Toleranz und Gastfreundschaft haben viele Menschen in Ihr Land gezogen. Sie zeigen den anderen Nationen durch die jetzt in Ihrem Land in die Wege geleitete erfolgreiche Integration der vielen ethnischen Gemeinschaften, daß die jeder Person geschuldete Achtung im gemeinsamen Ursprung aller Männer und Frauen wurzelt und nicht in der Tatsache von Unterschieden zwischen den Völkern. Diese erhabene und grundlegende Wahrheit über die menschliche Person – geschaffen als Mann und Frau, als Abbild Gottes, ihm ähnlich (vgl. Gen 1,26–27) – bildet das unabänderliche Fundament für alle weiteren anthropologischen Wahrheiten. Von seiner Natur als göttliches Geschenk leiten sich die unantastbare und heilige Würde allen Lebens ab, die jedem Individuum geschuldete Achtung und die Forderung, daß Mann und Frau die natürliche und moralische Struktur, mit der sie von Gott ausgestattet wurden, respektieren müssen (vgl. Centesimus Annus, 38).

Die Kanadier haben über Generationen hinweg den Stellenwert der Ehe im Herzen Ihrer Gesellschaft anerkannt und hochgehalten. Vom Schöpfer mit ihrer eigenen Natur und ihrem Zweck errichtet und im Naturgesetz verankert, umfaßt sie die Komplementarität des Ehemanns und der Ehefrau, die durch das Aufziehen der Kinder am Schöpfungswerk Gottes teilhaben. Die Eheleute sichern dadurch den Fortbestand der Gesellschaft und Kultur und verdienen zu Recht die besondere und kategorische rechtliche Anerkennung von seiten des Staates. Jeder Versuch, die Bedeutung des Wortes »Ehemann« bzw. »Ehefrau « zu ändern, widerspricht der rechten Vernunft: Gesetzliche Garantien, ähnlich denen, die der Ehe zugestanden werden, können nicht auf Verbindungen zwischen Personen gleichen Geschlechtes angewandt werden, ohne daß ein falsches Verständnis vom Wesen der Ehe entsteht.

Herr Botschafter, Kanada ist nicht allein angesichts der schweren Herausforderungen, denen die einzelnen in der zeitgenössischen Kultur gegenüberstehen. Ich vertraue darauf, daß die herrliche Vision eines festgefügten Familienlebens, das dem kanadischen Volk so viel bedeutet, der Gesellschaft weiterhin die Grundlage bietet, auf der die Bestrebungen Ihrer Nation verwirklicht werden können. Die katholische Kirche in Kanada ist ihrerseits gewillt, Hilfe zu leisten bei der Erhaltung der wesentlichen sozialen Fundamente des zivilen Lebens. Sie ist vielfach einbezogen in die geistliche und intellektuelle Ausbildung der Jugend, besonders durch ihre Schulen. In ihrem sozialen Apostolat kümmert sie sich um jene, die in der modernen Gesellschaft schwere Probleme haben, einschließlich Alkoholismus und Drogenmißbrauch sowie verschiedene Formen der sozialen Ausgrenzung. Ich bin gewiß, daß die katholische Gemeinschaft den neuen sozialen Herausforderungen, wenn sie auftreten, großmütig begegnen wird.

Eure Exzellenz, ich weiß, daß Ihre Mission dazu dienen wird, die zwischen Kanada und dem Heiligen Stuhl schon bestehenden Bande der Freundschaft weiter zu verstärken. Wenn Sie nun Ihre neuen Aufgaben übernehmen, versichere ich Ihnen, daß die verschiedenen Ämter der Römischen Kurie bereit sind, Ihnen bei der Erfüllung Ihrer Pflichten zu helfen. Dazu rufe ich von Herzen auf Sie, Ihre Familie und Ihre Mitbürger den reichen Segen des allmächtigen Gottes herab.


*L'Osservatore Romano n. 39 p.7.

 

© Copyright 2004 - Libreria Editrice Vaticana

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