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BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II.
ANLÄSSLICH DES TAGES DES GEWEIHTEN LEBENS

 

 

Bei der Eucharistiefeier im Petersdom hat der Präfekt der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und die Gesellschaften apostolischen Lebens, Erzbischof Franc Rodé, die Botschaft von Papst Johannes Paul II. verlesen. Zuvor sagte er zur Einführung:

Am Fest der Darstellung des Herrn im Tempel, dem Tag, an dem der vor aller Zeit gezeugte Sohn Gottes vom Heiligen Geist als »Herrlichkeit für das Volk Israel« und als ein »Licht, das die Heiden erleuchtet«, verkündet wird, sind wir versammelt, um unsere Weihe an den Herrn zu erneuern. Euch allen, liebe Brüder und Schwestern, überbringe ich den persönlichen Gruß des Heiligen Vaters, der euch für die ihm bekundete Verbundenheit und für das eifrige Gebet dankt. Er ist in diesem Augenblick durch sein Gebet unter uns präsent und sendet uns seinen Segen. Hören wir mit dankbarem Herzen seine Botschaft an die gottgeweihten Personen in aller Welt.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

1. Heute wird der Tag des geweihten Lebens begangen. Das ist eine günstige Gelegenheit, um dem Herrn zusammen mit denen zu danken, die von Ihm zu einem Leben nach den evangelischen Räten berufen sind und »dieses aufrichtig geloben« und sich »in besonderer Weise dem Herrn [weihen], indem sie Christus nachfolgen, der selbst jungfräulich und arm gelebt (vgl. Mt 8,20; Lk 9,58) und durch seinen Gehorsam bis zum Tod am Kreuz (vgl. Phil 2,8) die Menschen erlöst und geheiligt hat« (Perfectae caritatis, 1). In diesem Jahr erhält diese Feier ganz besondere Bedeutung, denn es ist der 40. Jahrestag der Veröffentlichung des Dekretes Perfectae caritatis, mit dem das Zweite Ökumenische Vatikanische Konzil die Leitlinien für die Erneuerung des geweihten Lebens dargelegt hat.

Indem sie in den vergangenen 40 Jahren den Richtlinien des Lehramtes der Kirche gefolgt sind, haben die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften apostolischen Lebens einen fruchtbaren Weg der Erneuerung zurückgelegt. Er war einerseits beseelt von dem Wunsch, dem vom Heiligen Geist durch die Gründer und Gründerinnen empfangenen Geschenk treu zu bleiben, und anderseits von dem Bestreben, die Lebensweise, das Gebet und die Arbeit »den körperlichen und seelischen Voraussetzungen der Menschen von heute« anzupassen, »aber auch – soweit die Eigenart des Instituts es verlangt – den Erfordernissen des Apostolats, den Ansprüchen der Kultur, der sozialen und wirtschaftlichen Umwelt zu entsprechen« (Perfectae caritatis, 3).

Sollte man nicht danken für dieses angemessene »Aggiornamento« des geweihten Lebens? Ich bin sicher, daß sich auch dadurch die Früchte der Heiligkeit und des missionarischen Eifers vermehren werden, vorausgesetzt, daß die geweihten Personen ihren ungebrochenen asketischen Eifer bewahren und ihn in apostolische Werke umsetzen.

2. Das Geheimnis dieser spirituellen Leidenschaft ist die Eucharistie. In diesem Jahr, das ihr besonders gewidmet ist, möchte ich alle geweihten Männer und Frauen aufrufen, mit Christus eine immer tiefere Gemeinschaft herzustellen durch die tägliche Teilnahme am Sakrament, das Ihn im Opfer gegenwärtig werden läßt, wenn es das Liebesgeschenk auf Golgota aktuell macht, im Gastmahl, das das pilgernde Volk Gottes nährt und schützt. Im Apostolischen Schreiben Vita consecrata bekräftigte ich, daß »die Eucharistie aufgrund ihrer Natur im Zentrum des geweihten Lebens, des persönlichen und des kommunitären«, steht (Nr. 95).

Jesus schenkt sich als »gebrochenes« Brot und »vergossenes« Blut, damit alle »das Leben haben und es in Fülle haben« (vgl. Joh 10,10). Er opfert sich für das Heil der ganzen Menschheit. Die Teilnahme an seinem Opfermahl bedeutet nicht nur, die von Ihm vollzogene Geste zu wiederholen, sondern von dem gleichen Kelch zu trinken und an seinem Opfer teilzuhaben. Wie Christus sich zum »gebrochenen Brot« und »vergossenen Blut« macht, so ist jeder Christ – und noch mehr jede geweihte Person – berufen, für die Brüder das Leben in Einheit mit dem des Erlösers zu opfern.

3. Die Eucharistie ist die unversiegbare Quelle der Treue zum Evangelium, weil sich in diesem Sakrament, der Herzmitte des kirchlichen Lebens, die innere Eingliederung in Christus und die vollkommene Gleichgestaltung mit Ihm voll verwirklichen, zu denen die geweihten Personen berufen sind. »Hier treffen alle Formen des Gebets zusammen, hier wird das Wort Gottes verkündigt und angenommen, hier sind wir aufgerufen zu einer Beziehung zu Gott, zu den Brüdern und zu allen Menschen. Es ist das Sakrament der Kindschaft, der Geschwisterlichkeit und der Sendung. Als Sakrament der Einheit in Christus ist die Eucharistie gleichzeitig Sakrament der kirchlichen Einheit und der Einheit der Geweihten. Letztlich erscheint sie als die ›Quelle der Spiritualität für den Einzelnen und für das Institut‹« (Instruktion Neubeginn in Christus, 26). Durch die Eucharistie erlernen die geweihten Personen »in der Ausübung des Apostolats eine größere Freiheit, eine bewußtere Ausstrahlung, eine Solidarität, die es versteht, sich durch Nähe zu den Menschen auszudrücken, sich ihrer Probleme anzunehmen, um dann in großer Wachheit für die Zeichen der Zeit auf ihre Bedürfnisse zu antworten« (ebd., 36).

Liebe Brüder und Schwestern, von der seligen Jungfrau geführt und ihrem Beispiel folgend, treten wir in das Geheimnis der Eucharistie ein. Maria, die Frau der Eucharistie, helfe allen, die zu einer besonderen Vertrautheit mit Christus und zum häufigen Besuch der heiligen Messe berufen sind, und erwirke ihnen das Geschenk eines bereitwilligen Gehorsams, einer treuen Armut und einer fruchtbaren Jungfräulichkeit; sie mache sie zu heiligen Jüngern des eucharistischen Christus.

Mit diesen Gefühlen, während ich ein Gedenken im Gebet zusichere, segne ich alle geweihten Personen und die christlichen Gemeinschaften, in denen sie berufen sind, ihre Sendung zu erfüllen.

Aus dem Vatikan, am 2. Februar 2005

JOHANNES PAUL II.

 

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