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BOTSCHAFT VON JOHANNES
PAUL II. AN DIE NEUE BOTSCHAFTERIN GEORGIENS BEIM HL. STUHL, PRINZESSIN
KHÉTÉVANE BAGRATION DE MOUKHRANI
Hoheit!
1. Anläßlich der Überreichung des Schreibens, mit dem Sie zur
außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafterin von Georgien beim Heiligen
Stuhl ernannt worden sind, sende ich Ihnen meinen herzlichen Gruß. Es tut mir
sehr leid, daß es mir aufgrund meiner Rekonvaleszenz nicht möglich ist, Sie
persönlich zu empfangen, um Ihnen die besten Wünsche in dem Augenblick
auszusprechen, in dem Sie sich anschicken, Ihr Amt anzutreten. Ich bitte Sie,
dem Herrn Präsidenten Michail Saakaschwili meine guten Wünsche zu übermitteln
zusammen mit der Zusicherung meines Gebetes um Wohlergehen und Frieden für die
ganze georgische Nation.
Bei dieser Gelegenheit erinnere ich mich gern an die
Wertschätzung, die ich dem reichen christlichen Erbe in Georgien zu Beginn des
Pastoralbesuches bekundet habe, den ich Ihrem Land im Jahr 1999 abstattete. Ich
bringe meine feste Überzeugung zum Ausdruck, daß die in der Tradition des
georgischen Volkes vorhandenen geistlichen und kulturellen Werte ganz gewiß eine
wichtige Rolle spielen, indem sie aus den Wurzeln der christlichen Vergangenheit
Georgiens eine neue Blüte der Zivilisation erwachsen lassen und die Festigung
einer Gesellschaft fördern, die eurer edlen Nation entspricht (vgl. Tiflis,
Ansprache bei der Ankunft, 8. November 1999).
2. Seit es den Weg der Unabhängigkeit und des nationalen
Wiederaufbaus eingeschlagen hat, mußte Georgien viele und oft sehr harte
Herausforderungen bewältigen, die die Hochherzigkeit und den Opfergeist der
Bürger im Dienst am Gemeinwohl auf die Probe gestellt haben. Außer der
schwierigen Aufgabe, starke politische und wirtschaftliche Strukturen aufzubauen,
mußten die Georgier der Verpflichtung nachkommen, das Streben nach Einheit zu
wahren, aber mit der Öffnung auf die größere europäische und internationale
Gemeinschaft hin. Wie die Erfahrung vieler Nationen in den vergangenen 20 Jahren
gezeigt hat, können solche Herausforderungen nur dank eines klugen und
umsichtigen Gleichgewichts zwischen den Erfordernissen der Einheit und der
Achtung für die berechtigte Vielfalt angenommen werden.
Das, was am notwendigsten zu sein scheint, ist die Entwicklung
eines festen Modells der Einheit in der Vielfalt, das in der geschichtlichen
Erfahrung des Landes fest verankert, aber zugleich offen ist für die
Bereicherung, die aus dem Dialog und aus der Zusammenarbeit mit den anderen
erwächst. Denn »die Welt von heute fordert uns heraus…, einander in der Vielfalt
und durch die Vielfalt unserer Kulturen kennenzulernen und zu achten« (Tiflis,
Ansprache an die Vertreter der Wissenschaft und Kultur, 9. November
1999). Nur auf diese Weise wird der Weg für eine Zukunft in Solidarität,
Verständnis und Frieden auf allen Ebenen des sozialen, wirtschaftlichen und
kulturellen Lebens offen sein. Förderung des kulturellen Austauschs
3. Die katholische Kirche in Georgien will ihren eigenen Beitrag
zum geistlichen Wiedererstarken der Nation und zum Fortschritt des Gemeinwohls
leisten, aber nicht nur durch die Erfüllung ihrer besonderen religiösen Mission,
sondern auch durch ihren Einsatz in den karitativen Werken und in der Förderung
des kulturellen Austausches und der Bildungsmöglichkeiten zugunsten der
Jugendlichen, die die Zukunft Georgiens sind.
Obwohl die georgischen Katholiken eine Minderheit sind, möchte
ich Ihnen versichern, daß sie im Geist der Zusammenarbeit und vollen Achtung mit
ihren orthodoxen Brüdern und Schwestern sowie mit allen Menschen guten Willens
eifrig zusammenarbeiten wollen, um eine Zukunft in Freiheit, Gerechtigkeit und
sozialer Harmonie aufzubauen. Die Gläubigen sind heute mehr denn je aufgerufen,
die Kräfte zu vereinen und eine feste Basis zu schaffen für eine wahre
Erneuerung der Gesellschaft, indem sie zur Gewissensbildung auf den Wegen des
Friedens und der Achtung vor der unantastbaren Würde und den Rechten jeder
Person beitragen und mithelfen, jede Form von Feindseligkeit, Vorurteil und
Zwietracht an der Wurzel auszumerzen.
In diesem Kontext möchte ich die Hoffnung auf einen
konstruktiven Dialog zwischen der katholischen Kirche und den Autoritäten der
Regierung aussprechen, damit der katholischen Gemeinschaft ein angemessener
gesetzlicher Schutz in der Ausübung ihrer Sendung zugesichert werde.
4. Mit diesen Gefühlen entbiete ich Ihnen in dem Augenblick, in
dem Sie Ihre hohen Aufgaben übernehmen, meine besten Wünsche, begleitet von
meinem Gebet. Ich bin sicher, daß die Erfüllung Ihrer Aufgaben zu einer weiteren
Verstärkung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Georgien und dem
Heiligen Stuhl beitragen wird. In dieser Hinsicht versichere ich Sie der
ständigen Bereitschaft meiner Mitarbeiter, Ihnen jede gewünschte Hilfe in der
Ausführung Ihrer anspruchsvollen Mission anzubieten.
Von Herzen erbitte ich für Sie und für das georgische Volk den
reichen Segen des allmächtigen Gottes.
Aus der Gemelli-Klinik, am 9. März 2005
JOHANNES PAUL II.
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