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APOSTOLISCHE REISE NACH RIO DE JANEIRO
ANLÄSSLICH DES WELTTREFFENS DER FAMILIEN (2.-6. OKTOBER 1997)

HL. MESSE ZUM ABSCHLUSS DES
PASTORALTHEOLOGISCHEN KONGRESSES ÜBER DIE FAMILIE
 

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Kathedrale São Sebastião (Rio de Janeiro ) - Samstag, 4. Oktober 1997


Gelobt sei Jesus Christus!

»In Kana in Galiläa fand eine Hochzeit statt« (vgl. Joh 2,1).

1. Heute führt uns die Liturgie nach Kana in Galiläa. Wieder einmal nehmen wir teil an der Hochzeit, die dort gefeiert wird und zu der auch Jesus zusammen mit seiner Mutter und seinen Jüngern eingeladen war. Dieses Detail läßt uns annehmen, daß das Hochzeitsmahl im Hause von Bekannten Jesu stattfand, denn auch er wuchs in Galiläa auf. Wer hätte aus menschlicher Sicht vorhersagen können, daß dieser Anlaß gewissermaßen den Beginn der messianischen Tätigkeit Christi anzeigen würde? Und doch war es so. Dort, in Kana, wirkte Jesus - auf Anregung seiner Mutter - das erste Wunder und verwandelte das Wasser in Wein.

Der Evangelist Johannes, Augenzeuge dieses Ereignisses, liefert eine präzise Beschreibung des Handlungsablaufs. In seinem Bericht erscheint alles voller tiefer Bedeutung. Und da wir uns hier versammelt haben, um am Welttreffen mit den Familien teilzunehmen, müssen wir diese Bedeutung nach und nach entdecken. Das Wunder von Kana in Galiläa stellt wie andere Wunder Jesu eigentlich ein Signal dar: Es zeigt das Wirken Gottes im Leben des Menschen. Wir müssen über dieses Wirken meditieren, um den tiefen Sinn des dort Geschehenen auszumachen.

Das Hochzeitsmahl in Kana bringt uns zum Nachdenken über die Ehe, deren Geheimnis die Präsenz Christi einschließt. Ist es etwa nicht angebracht, in der Anwesenheit des Gottessohnes bei jenem Hochzeitsfest ein Indiz für die Tatsache zu sehen, daß die Ehe ein wirksames Zeichen seiner Gegenwart sein sollte?

2. Mit dem Blick auf die Hochzeit von Kana und auf die dort anwesenden Gäste wende ich mich an euch, Vertreter der großen Völker Lateinamerikas und der ganzen restlichen Welt, während des heiligen Meßopfers, das ich zusammen mit euch, Bischöfen und Priestern, feiere. Dabei werden wir begleitet von der Präsenz der Ordensleute, der Vertreter des Pastoraltheologischen Kongresses - der im Laufe dieses 2. Welttreffens mit den Familien stattgefunden hat - und von den Gläubigen, die hier in diese Kathedrale des hl. Sebastian von Rio de Janeiro gekommen sind.

Zu Beginn möchte ich meinen ehrwürdigen Bruder, Kardinal Eugênio de Araújo Sales, Erzbischof dieser traditionsreichen und dynamischen Kirche, begrüßen, den ich seit vielen Jahren kenne und schätze; ich weiß, wie eng er sich mit dem Stuhl Petri verbunden fühlt. Der Segen der Apostel Petrus und Paulus möge sich ausdehnen auf diese ganze Stadt, auf ihre Gemeinden und seelsorgerischen Initiativen; auf die verschiedenen Schulungszentren für den Klerus, besonders auf das Erzdiözesanseminar São José, das so aktiv und reich an priesterlichen Berufungen ist und wo auch viele Seminaristen aus anderen Diözesen Aufnahme gefunden haben; auf die Päpstliche Katholische Universität; auf die zahlreichen Kongregationen, die Säkularinstitute und die apostolischen Bewegungen; auf die Abtei Nossa Senhora do Monserrate; auf die verdienten Bruderschaften und im allgemeinen - da ich nicht alle einzelnen aufzählen kann, aber niemand ausschließen möchte - auf die Hilfsorganisationen, die sich so selbstlos für den Schutz der Bedürftigen einsetzen.

Ich grüße euch, liebe Brüder im Bischofsamt, von Brasilien und aus der ganzen Welt, und euch, die ihr die Ordinariate für die Gläubigen der Ostkirchen vertretet; ich grüße auch euch, Priester, Ordensmänner, Ordensfrauen und Mitarbeiter der Volksmission dieser Diözese, und euch, Delegierte des Pastoraltheologischen Kongresses, sowie die hier anwesenden Vertreter der christlichen Kirchen verschiedener Denominationen und der jüdischen und muslimischen Religionsgemeinschaften. Ich möchte alle begrüßen mit dem Ausdruck meiner tiefen Zuneigung, mit meinen besten Wünschen und meinem Segen.

3. Kehren wir im Geiste zum Hochzeitsmahl von Kana in Galiläa zurück, dessen Beschreibung im Evangelium es uns erlaubt, die Ehe in sakramentaler Hinsicht zu betrachten. Laut dem, was wir im Buch Genesis lesen, verläßt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, um mit ihr gewissermaßen einen einzigen Leib zu bilden (vgl. Gen 2,24). Christus nahm diese Worte aus dem Alten Testament auf, als er zu den Pharisäern sprach, die ihm Fragen über die Unauflösbarkeit der Ehe stellten. Sie bezogen sich in Wirklichkeit auf die Vorschriften des mosaischen Gesetzes, die unter gewissen Umständen die Trennung der Eheleute, das heißt die Scheidung, erlaubten. Christus antwortete ihnen: »Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so« (Mt 19,8). Und er zitierte den Abschnitt aus dem Buch Genesis: »Habt ihr nicht gelesen, daß der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat . . . Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen« (Mt 19,4-6).

Grundlage der ganzen Sozialordnung ist also dieses Prinzip der Einheit und Unauflösbarkeit der Ehe, auf das die Einrichtung der Familie und des ganzen Familienlebens gründet. Dieser Grundsatz wird durch die Erhebung der Ehe zur Würde als Sakrament bestätigt und bekräftigt.

Und wie groß ist diese Würde, liebe Brüder und Schwestern! Es handelt sich um die Teilhabe am Leben Gottes, das heißt um die heiligmachende Gnade und um die zahllosen Gnaden, die der Berufung zur Ehe, zur Elternschaft und zur Familie entsprechen. Das Ereignis von Kana in Galiläa scheint uns gerade darauf hinzuführen. Diese wunderbare Verwandlung des Wassers in Wein: Das Wasser, unser einfachstes Getränk, erhält dank dem Wirken Christi eine neue Eigenschaft: Es wird zu Wein, also in einem gewissen Sinne zu einen wertvolleren Getränk. Die Bedeutung dieser Symbole des Wassers und des Weines findet ihren Ausdruck in der Messe. Während der Gabenbereitung, wenn wir ein wenig Wasser in den Wein mischen, bitten wir Gott durch Christus, an seinem Leben im Opfer der Eucharistie teilzunehmen. Ehe, Elternschaft, Mutterschaft, Vaterschaft, Familie: Das alles gehört zur Ordnung der Natur, seitdem Gott Mann und Frau erschaffen hat; und all das wird durch das Wirken Christi auf eine übernatürliche Ordnung erhoben. Das Sakrament der Ehe wird zur Art und Weise, am Leben Gottes teilzuhaben. Der Mann und die Frau, die an Christus glauben und sich im Ehebund vereinen, können ihrerseits bekennen: Unsere Leiber sind erlöst - die eheliche Verbindung ist erlöst. Die Elternschaft, die Mutter- und Vaterschaft und alles, was das Zeichen der Heiligkeit trägt, wird erlöst.

Diese Wahrheit erscheint in all ihrer Klarheit, wenn man zum Beispiel die Lebensbeschreibung der Eltern der hl. Therese vom Kinde Jesu liest; das ist aber nur eines von unzähligen Beispielen. In der Tat kennen viele die Früchte der sakramentalen Institution der Ehe. Durch dieses Treffen in Rio de Janeiro danken wir Gott für alle diese Früchte, für das ganze Werk der Heiligung der Ehepaare und der Familien, das wir Christus verdanken. Darum hört die Kirche nicht auf, die Lehre Christi über die Ehe in seiner Gesamtheit vorzustellen, vor allem hinsichtlich ihrer Einheit und Unauflösbarkeit.

4. In der ersten Lesung aus dem Buch Ester wird an die Rettung der Juden - während der Gefangenschaft in Babylon - dank der Intervention dieser Tochter Israels erinnert. Dieser Abschnitt aus der Schrift erlaubt es uns auch, die Berufung zur Ehe zu verstehen, insbesondere den unermeßlichen Dienst, den diese Berufung dem menschlichen Leben, dem Leben jedes Menschen und dem Leben aller Völker der Erde erweist. »Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr . . . Der König verlangt nach deiner Schönheit« (Ps 45,11-12). Der Papst möchte heute jeder Menschenfamilie das gleiche sagen: »Höre, schau: Gott will, daß du schön bist, daß du die Fülle der Menschenwürde und der Heiligkeit Christi lebst, daß du dich in den Dienst der Liebe und des Lebens stellst. Du hattest deinen Anfang im Schöpfer und wurdest vom Geist, dem Parakleten, geheiligt, um zur Hoffnung aller Nationen zu werden.«

Möge dieser Dienst an der Menschheit den Eheleuten offenbaren, daß gerade die Freude, mit der sie den Herrn um Berufungen unter ihren Kindern bitten und diese annehmen, ein klarer Ausdruck der Heiligkeit ihrer Ehe ist. Es sei mir deshalb erlaubt, an dieser Stelle hinzuzufügen, daß »eine Familie, die offen ist für die transzendenten Werte, die den Brüdern in Freude dient, die hochherzig und treu ihre Aufgaben erfüllt und sich ihrer täglichen Teilnahme am österlichen Geheimnis des Kreuzes Christi bewußt ist, ... zum ersten und besten Seminar für die Berufung zu einem dem Reiche Gottes geweihten Leben (wird)« (Familiaris consortio, 53). Es ist mir eine Freude, bei dieser Gelegenheit mit väterlicher Zuneigung alle brasilianischen Familien zu grüßen und zu segnen, deren Söhne sich auf das Priesteramt oder auf das geweihte Leben vorbereiten oder deren Töchter auf dem Weg zur Ganzhingabe an Gott sind. Diese jungen Männer und Frauen möchte ich dem Schutz der Heiligen Familie anvertrauen.

Maria, die Hoffnung der Christen, möge uns die notwendige Kraft und Sicherheit für unseren Weg auf Erden geben. Darum bitten wir sie: Sei du selbst unser Weg, denn du, gesegnete Mutter, kennst die Pfade und Wege, die durch deine Liebe zur Liebe und Herrlichkeit Gottes führen!

Gelobt sei Jesus Christus!

 

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