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JUBILÄUMSPILGERREISE
VON PAPST JOHANNES PAUL II.
 INS HEILIGE LAND (20.-26. MÄRZ 2000)

ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
BEI DER ANKUNFT AUF DEM
FLUGHAFEN "QUEEN ALIA" VON AMMAN/JORDANIEN

        Montag, 20. März 2000

  

Eure Majestäten,
verehrte Mitglieder der Regierung!

1. In einem Geist tiefer Achtung und Freundschaft richte ich meine Grüße an alle, die im Haschemitischen Königreich Jordanien leben: die Mitglieder der katholischen Kirche und der anderen christlichen Kirchen, die Muslime, die wir Jünger Christi hochschätzen, und alle Männer und Frauen guten Willens.

Mein Besuch in Ihrem Land und die ganze Reise, die ich heute beginne, ist ein Teil der religiösen Wallfahrt zum Jubiläumsjahr, die ich zum Gedenken an den 2000. Jahrestag der Geburt Jesu Christi unternehme. Seit Beginn meines Dienstes als Bischof von Rom hatte ich den starken Wunsch, dieses Ereignis besonders zu kennzeichnen und an manchen der mit der Heilsgeschichte verbundenen Orten zu beten – Orte, die uns berichten von der langen Vorbereitung in biblischer Zeit auf jene Stunde; es sind die Orte, an denen unser Herr Jesus Christus wirklich gelebt hat oder die mit seinem Erlösungswerk verbunden sind. Mein Geist wendet sich zuerst nach Ur in Chaldäa, wo Abrahams Glaubensweg begann. Ich war schon in Ägypten und auf dem Berg Sinai, wo Gott Moses seinen Namen offenbarte und ihm die Tafeln mit dem Gesetz des Bundes anvertraute.

2. Heute bin ich in Jordanien, einem Land, das mir durch die Heilige Schrift vertraut ist: Es wurde geheiligt durch die Gegenwart Jesu selbst und durch die Präsenz von Moses, Elija und Johannes, dem Täufer, sowie von Heiligen und Märtyrern der frühen Kirche. Ihr Land ist bekannt für seine Gastlichkeit und Aufgeschlossenheit allen gegenüber. Diese Eigenschaften des jordanischen Volkes habe ich in meinen Gesprächen mit dem verstorbenen König Hussein oft er fahren, und sie wurden mir während meines Treffens mit Ihrer Majestät im Vatikan im September vergangenen Jahres erneut bestätigt.

Majestät, ich weiß, wie sehr Sie sich um den Frieden in Ihrem eigenen Land und in der ganzen Region bemühen und wie wichtig es für Sie ist, daß alle Jordanier – Muslime und Christen – sich als ein Volk und eine Familie betrachten. In dieser Gegend der Welt stellen sich schwere und dringende Probleme der Gerechtigkeit und der Rechte der Völker und Nationen, die zum Wohl aller Beteiligten und als Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden gelöst werden müssen. Der Prozeß der Friedenssuche muß weitergehen – wie schwierig und lang er auch sein mag. Ohne Frieden kann es keine echte Entwicklung für diese Region geben, kein besseres Leben für die hier ansässigen Völker und keine hellere Zukunft für ihre Kinder. Dies ist der Grund, warum das erwiesene Engagement Jordaniens zur Sicherung der für den Frieden nötigen Bedingungen so wichtig und lobenswert ist.

Der Aufbau einer friedvollen Zukunft erfordert ein immer reiferes Verständnis und eine konkretere Zusammenarbeit zwischen den Völkern, die den einen, wahren und unsichtbaren Gott, den Schöpfer alles Seienden, bekennen. Die drei historischen, monotheistischen Religionen zählen Frieden, Güte und Achtung des Menschen zu ihren höchsten Werten. Ich hoffe von ganzem Herzen, daß mein Besuch den schon jetzt fruchtbaren christlich-muslimischen Dialog weiter festigt, der in Jordanien insbesondere durch das »Royal Interfaith Institute« vorangebracht wird.

3. Ohne zu vergessen, daß ihre Sendung in erster Linie spiritueller Art ist, möchte die katholische Kirche immer mit einzelnen Nationen und Menschen guten Willens zusammenarbeiten, um die Würde des Menschen zu fördern und geltend zu machen. Sie tut dies besonders in ihren Schulen und in ihren Erziehungsprogrammen sowie durch ihre karitativen und sozialen Einrichtungen. Eure edle Tradition der Achtung aller Religionen gewährleistet die Religionsfreiheit, die dies ermöglicht und die in der Tat ein grundlegendes Menschenrecht ist. Wenn dies so ist, fühlen sich alle Bürger gleich, und jeder kann – von den eigenen geistlichen Überzeugungen angeregt – zum Aufbau der Gesellschaft als gemeinsames Haus aller beitragen.

4. Die herzliche Einladung, die Eure Majestäten, die Regierung und das jordanische Volk an mich gerichtet haben, ist Ausdruck unserer gemeinsamen Hoffnung für ein neues Zeitalter des Friedens und der Entwicklung in dieser Region. Ich bin aufrichtig dankbar dafür, und mit tiefer Wertschätzung für Ihre Liebenswürdigkeit versichere ich Sie meiner Gebete für Sie, für das ganze jordanische Volk, für die Flüchtlinge in Ihrer Mitte und für die jungen Leute, die einen so hohen Anteil an der Bevölkerung ausmachen.

Der allmächtige Gott gewähre Ihren Majestäten Glück und ein langes Leben! Er segne Jordanien mit Wohlstand und Frieden!

 

 

© Copyright 2000 - Libreria Editrice Vaticana

 

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