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ANSPRACHE VON PAUL VI
AN DIE KATHOLISCHEN DEUTSCHEN STUDENTENVERBINDUNGEN


Freitag, 27. September1963

 

Hochgeehrte Herren!

Von herzen heissen wir Sie als Vertreter des Cartellverbands der katholischen deutschen Studentenverbindungen hier in unserm Hause willkommen. Dies umsomehr, da Sie gegenwärtig die grösste katholische Studenten und Akademikervereinigung darstellen, die dadurch am stärksten in der Verantwortung vor ihrer eigenen Heimat wie vor Gott steht.

Was Ihnen als Studentengemeinschaft zunächst eigen ist, das ist die Treue zu Universität und Hochschule. Als katholische Studentenvereinigung tritt hinzu die Treue dem katholischen Gedankengut gegenüber, einem Wert, der das Suchen nach Wahrheit nicht nur nicht verfälscht oder zunichte macht, sondern vielmehr anspornt, nährt und erleuchtet.

Eine der beklagenswertesten Lücken in der heutigen Allgemeinbildung ist bekanntlich die Unwissenheit auf religiösem Gebiet und damit die Trennung von Wissen und Glauben. Diese Lücke kann nur geschlossen werden durch tiefere Kenntnis der christlichen Lehre, damit die Religion wieder zum integrierenden Bestandteil des Universitätslebens werden kann.

Wir bitten Sie daher, als katholische Akademiker, alles daranzusetzen, die religiöse Haltung nicht nur in den eignen Reihen zu pflegen, sondern mehrnoch als bisher, wie es Wesensmerkmal Ihrer Vereinigung ist, das katholische Gedankengut im eignen Wirkungskreis, sei es in der Universität, sei es im offentlichen Leben zu vertreten und weiteren Kreisen zuzuführen. Sie werden das aber nur dann wirksam erreichen, wenn Sie selbst von der Wurzel her, das heisst von Jugend auf zu wahrhaft christlichen Männern geworden sind, die durch ihr ganzes Sein und Tun, durch Wort und Beispiel die katholische Wahrheit im eignen Leben verwirklichen.

Wir, der wir einst selbst Geistlicher Beirat der katholischen Studentenschaft Italiens gewesen sind, wir kennen Ihre Anliegen wie Ihre Möglichkeiten: Stehen Sie in Treue gegen Gott und gegen Ihr Volk fest zusammen, treu zu Ihren Grundsätzen und geistigen Traditionen, entschlossen in Ihrem Verband eine hohe Schule der Erziehung von Männern zu besitzen, denen alles Mittelmass abhold und denen letztes Ziel ist, «alter Christus» zu werden, ein in allen Anlagen erfüllter Christ, Mensch ganz für seine Zeit, bereit seiner Veranlagung nach auch dem Dienst im öffentlichen Leben gerecht zu werden, stark geworden, selbst zu formen und Beispiel für andere zu sein.

Mit diesem väterlichen Wunsch segnen wir Ihre Jugend, segnen wir den gesamten Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen.

 

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