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BOTSCHAFT VON PAUL VI.
ANLÄßLICH DES I. NORDISCHEN KATHOLIKENTAGES
Dienstag, 8. Juni
1965
Gern entsprechen Wir der Bitte, an den Nordischen
Katholikentag ein Grusswort zu richten. Es gilt zunächst den dort anwesenden
Mitbrüdern im bischöflichen Amt; es gilt den hohen Vertretern staatlicher und
städtischer Behörden; es gilt aber nicht zuletzt den geliebten Söhnen und
Töchtern, die aus Dänemark, Norwegen und Schweden, aus Finnland, aus Island un
den nord-deutschen Diözesen gekommen sind, um in Hamburg an diesem grossen
Familientreffen teilzunehmen.
Anlass eures Treffens ist der 1100. Todestag des heiligen
Ansgar, des ersten Boten christlichen Glaubens im Norden Europas. Die gastlichen
Bürger Hamburgs haben zu Ehren ihres grossen Mitbürgers und Bischofs die Tore
der ehrwürdigen Hansestadt weit geöffnet und auch Unsererseits, gilt Dank jeder
Hamburger Familie, die den Besuchern aus den skandinavischen Ländern ihre
gerühmte Gastfreundschaft schenken.
Thema eures Treffens sind die Worte der Heiligen Schrift
«Mitten unter uns» (Matth. 18, 20). Christus, den der mutige Missionar
Ansgar euren Vorvätern zu Beginn des 9. Jahrhunderts verkündet hat, ist auch
heute mitten unter euch.
Der Schwierigkeiten, die sich seiner Mission entgegenstellen
würden, war sich der junge Benediktinermönch aus Corvey wohl bewusst; jedoch gab
er dem Ruf Gottes willig sein Ja und blieb dieser Sendung treu sein Leben lang.
Rückschläge, ja Zerstörung des soeben Aufgebauten vermochten ihn nicht zu
entmutigen. Nach seiner Weihe zum Bischof von Hamburg wurde er im Jahre 832 in
Rom von Papst Gregor IV. zum Erzbishof und Legaten für Skandinavien wie für die
Slawen des Nordens bestellt. Kurz danach verlor er jedoch durch die
Reichsteilung das Kloster Turholt, seine einzige materielle Hilfe und Stätte der
Vorbereitung junger dänischer Missionare. Das Werk der Missionierung
Schleswig-Holsteins, dem er sich nach der Rückkehr aus Rom in besonderer Weise
widmete und wo sein Name bis auf den heutigen Tag hoch in Ansehen steht, erlitt
Rückschläge durch die Zerstörung Hamburg (845). Jedoch auch als Erzbischof von
Bremen und Hamburg setzte ed in den letzten Lebensjahren seine Missionierung
Dänemarks und Schwedens fort. Die ersten Kirchen, Gemeinden und Klöster, die er
im schwedischen Birke, im jütländischen Ribé, in Bremen und Hamburg gegründet,
schlugen Wurzel und tragen Frucht bis zu dieser Stunde.
Dieses ganz Gott verpflichtete Leben eures geistigen Vaters
im Glauben möchten Wir zunächst euch, geliebte Priester der nordischen Länder,
als Vorbild vor Augen halten. Ansgar war sich bewusst, dass sein Wirken nicht
vom Erfolg menschlicher Planungen abhing, denn «ein anderer ist, der sät, ein
anderer, der erntet» (Io. 4, 37). Auch euch ist von der Kirche ein
Auftrag anvertraut, den ihr in Treue erfüllt, beseelt vom Geiste des heiligen
Ansgar, der nach den Worten Adams von Bremen «nach aussen ein Apostel, im Herzen
ein Mönch war» (P.L. Migne 147, col. 484, Adam v. Bremen, Gesta Pont.
Hamburg. Eccl., cap. 26). Gesandt «den Armen die frohe Botschaft Christi zu
bringen, zu heilen die bedrückten Herzens sind» (Luk. 4, 18), «zu retten,
was verloren war» (Luk. 19, 10), schritt der heilige Ansgar wie die
Kirche selbst «zwischen Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes auf
seinem Pilgerweg dahin» (Augustinus, Civ. Dei XVIII, 51, 2, vgl. Conc. Vat. II.
Const. Dogm. De Ecclesia, Cap. II, 9), mit Christus litt er, um mit ihm
verherrlicht zu werden (vgl. Rom. 8, 17).
Ihr alle aber, geliebte Söhne und Töchter, die ihr in der
Zerstreuung der Diaspora immer wieder erfahrt, dass, wo zwei oder drei in
Christi Namen versammelt sind, er mitten unter ihnen ist, möget die ganze
Wirklichkeit dieses Wortes als starkes Glaubenserlebnis in diesen Hamburger
Tagen verkosten. Seid gewiss, die das Wort des Evangeliums im Glauben hören und
der kleinen Herde (Luc. 12, 32) beigezählt sind, haben das Reich Gottes
selbst angenommen; aus eigner Kraft sprosst num der Same und wächst bis zur Zeit
der Ernte (vgl. Matth. 4, 16-29). Wie Christus euch, geliebte Söhne und
Tochter, Anteil gab an seinem Geiste, so hat er euch, die er aus vielen Völkern
zusammenrief, in geheimnisvoller Weise zu einem einzigen Leib gemacht (vgl.1
Cor. 12, 13). Alle Menschen sind gerufen, Teile des einen Gottesvolkes zu
sein, das eines bleibt und sich über die ganze Welt, durch alle Zeiten
ausbreitet. Darin vollendet sich der Wille Gottes, der seine. Kinder aus der
Zerstreuung wieder zur Einheit versammelt (vgl. Io. 11, 52). Diese Gnade
ernster Umkehr und die Sehnsucht nach Einheit hat der Herr der Geschichte, der
seinen Gnadenplan in Weisheit und Langmut verfolgt, gerade in jüngster Zeit
reichlich über die gespaltene Christenheit ausgegossen. Ja, von ihr sind heute
viele Menschen ergriffen und auch unter unsern getrennten Brüdern ist unter der
Einwirkung der Gnade des Heiligen Geistes eine sich von Tag zu Tag weiter
ausbreitende Bewegung zur Wiederherstellung der Einheit aller Christen
entstanden. Freudigen Herzens erwägt diese trostvolle Tatsache das II.
Vatikanische Konzil, dem es ein besonderes Anliegen ist, die Einheit unter den
Jüngern Christi wiederherstellen zu helfen und allen Katholiken Mittel und Wege
aufzuzeigen, wie sie diesem göttlichen Ruf und dieser Gnade entsprechen können
(vgl. Conc. Vat. II, Decr. De Oecumenismo, Prooem.). Denn dazu hat ja Gott
seinen Sohn gesandt und zum Erben des Alls gemacht (vgl. Hebr. 1, 2),
damit er Lehrer, König und Priester aller sei, das Haupt des neuen
allumfassenden Volkes der Söhne Gottes (vgl. Conc. Vat. II, Const. Dogm. De
Ecclesia, cap. 1, 13).
«Mitten unter uns» - Christus in der Familie, am Arbeitsplatz
und in der Gemeinde. Diese Gewissheit, dass Christus mitten unter uns überall
auf der Welt lebt und wirkt, möge euch neue Kraft schenken und möge Brücken
bauen hin zu jeder noch so verlassen erscheinenden Diasporainsel. Ja, wo immer
ihr euch in seinem Namen versammelt, da steht ihr mit Christus vor Gott.
In dieser Gewissheit und mit der ganzen Freude, die uns als
Christen verbindet, grüssen Wir Sie, geliebter Mitbruder, wie die Uns teuren
Bischöfe und Priester, und alle geliebten Söhne und Töchter des Nordischen
Katholikentages, indem Wir einem jeden aus der Fülle des Herzens Unsern
Apostolischen Segen senden.
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