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Via Crucis, Scuola Veneta - Sec. XVIII
Cattedrale - Padova
SECHSTE STATION
Jesus nimmt von Veronika das Schweißtuch
V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.
L. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.
Aus dem Buch des Propheten Jesaja.
53, 2-3
Er hatte keine schöne und edle Gestalt, so daß wir ihn anschauen mochten. Er sah
nicht so aus, daß wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den
Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer,
vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht.
Aus dem Buch der Psalmen. 27, 8-9
Mein Herz denkt an dein Wort: Sucht mein Angesicht! Dein Angesicht, Herr, will
ich suchen. Verbirg nicht dein Gesicht vor mir; weise deinen Knecht im Zorn
nicht ab! Du wurdest meine Hilfe. Verstoß mich nicht, verlaß mich nicht, du Gott
meines Heiles!
BETRACHTUNG
„Dein Angesicht, Herr, suche ich. Verbirg nicht dein Gesicht vor mir“ (Ps 27,
8-9). Veronika – Berenike nach der griechischen Tradition – verkörpert diese
Sehnsucht aller alttestamentlichen Frommen – die Sehnsucht aller glaubenden
Menschen, das Antlitz Gottes zu sehen. Am Kreuzweg Jesu tut sie freilich
zunächst nur einfach einen Dienst fraulicher Güte: Sie reicht Jesus ein
Schweißtuch. Sie läßt sich von der Brutalität der Soldaten nicht anstecken, von
der Angst der Jünger nicht lähmen. Sie ist das Bild der gütigen Frau, die in der
Verstörung und Verfinsterung der Herzen den Mut der Güte behält, ihr Herz nicht
verfinstern läßt. „Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott
schauen“, hatte der Herr in der Bergpredigt gesagt (Mt 5, 8). Veronika sieht
zunächst nur ein geschundenes, vom Schmerz gezeichnetes Menschengesicht. Aber
der Akt der Liebe prägt ihrem Herzen das wahre Bild Jesu ein: Im „Haupt voll
Blut und Wunden“ sieht sie das Gesicht Gottes und seiner Güte, die uns in die
tiefsten Schmerzen nachgeht. Nur mit dem Herzen können wir Jesus sehen. Nur die
Liebe ist es, die uns sehend und rein macht. Nur sie läßt uns Gott erkennen, der
selbst die Liebe ist.
GEBET
Herr, gib uns die Unruhe des Herzens, die dein Antlitz sucht. Bewahre uns vor
der Erblindung des Herzens, das nur noch die Oberfläche der Dinge sieht. Gib uns
jene Lauterkeit und Reinheit, die uns hellsichtig macht für deine Gegenwart in
der Welt. Gib uns den Mut zur demütigen Güte, wo wir der großen Dinge nicht
fähig sind. Präge dein Antlitz in unsere Herzen ein, damit wir dir begegnen und
dein Bild der Welt zu zeigen vermögen.
Alle:
Pater noster, qui es in caelis:
sanctificetur nomen tuum;
adveniat regnum tuum;
fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra.
Panem nostrum cotidianum da nobis hodie;
et dimitte nobis debita nostra,
sicut et nos dimittimus debitoribus nostris;
et ne nos inducas in tentationem;
sed libera nos a malo.
Pro peccatis suae gentis
vidit Iesum in tormentis
et flagellis subditum.
© Copyright 2005 - Libreria
Editrice Vaticana
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