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AMT FÜR DIE LITURGISCHEN FEIERN DES PAPSTES
BILDER EINES BESONDEREN OSTERFESTES
APRIL / MAI 2005
Am 13. März 2006 fand in Frankfurt ein von der Deutschen Bischofskonferenz
organisiertes Symposion statt zum Thema »Wir sind Papst – Gottesdienste im Fernsehen«. Gesprächspunkte waren die
Fernsehübertragungen der Exequien für Papst Johannes Paul II. und die Wahl des
Heiligen Vaters Benedikt XVI.
Seine Exzellenz Erzbischof Piero Marini, Zeremonienmeister der
liturgischen Feiern des Papstes, hielt ein einführendes Referat mit dem Titel »Bilder eines besonderen Osterfestes, April/Mai 2005«.
Im folgenden der Text des Vortrags in Italienisch.
I. Einleitung
Ende Dezember 2005 habe ich meine Teilnahme an dem von der Deutschen
Bischofskonferenz in Frankfurt organisierten Symposion „Wir sind Papst“ –
Gottesdienste im Fernsehen bereitwillig zugesagt, weil ich davon ausging,
keinen schriftlichen Beitrag vorbereiten zu müssen. In diesem Sinne hatte ich
nämlich die Einladung verstanden, als Gesprächspartner am Symposion
teilzunehmen. Erst Ende Januar 2006 konnte ich dem Programm entnehmen, daß 45
Minuten vorgesehen sind für einen Vortrag von mir.
Darum habe ich nun den Text für dieses Referat vorbereitet, mit dem ich einige
Hinweise zu den Feiern der päpstlichen Liturgien während der Monate April / Mai
2005 und deren Fernsehübertragungen geben und verschiedene Überlegungen daran
anknüpfen möchte. Natürlich betrifft mein Zeugnis mehr das liturgische Erleben
als das am Fernsehschirm.
II. Die Vorbereitung der Zelebrationen
1. Die neuen „Ordines“
Die Zelebrationen, die die verschiedenen Ereignisse im Zusammenhang mit dem Tod
Johannes Pauls II., dem Konklave, der Wahl Benedikts XVI. und der Amtseinführung
des Bischofs von Rom begleitet haben, sind vom Ufficio delle Celebrazioni
Liturgiche del Sommo Pontefice (Amt für die liturgischen Feiern des Papstes)
sorgfältig vorbereitet worden.
Dieses Büro hat nämlich die Aufgabe, »alles, was nötig ist für die liturgischen
Zelebrationen und die anderen sakralen Feiern, die vom Papst selbst oder in
seinem Auftrag vollzogen werden, vorzubereiten und sie nach den gültigen
Vorschriften des Liturgierechts zu leiten« (Regolamento dell’Ufficio,
Art. 1).
So kommen dem Amt unter anderem zwei wichtige Aufgaben zu:
- l’aggiornamento der Feiern in Übereinstimmung mit dem Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils und den
Besonderheiten, die den Zelebrationen des Papstes eigen sint (vgl. Art. 4 § 2);
- die Veröffentlichung der Texte, sowohl für die Zelebrationen in Rom als auch für die apostolischen Reisen
(vgl. Art. 8 § 1; Art. 10).
Für die Zelebrationen der Monate April / Mai 2005 hat das Amt für die
liturgischen Feiern des Papstes drei neue Ordines herausgegeben, welche
die Texte bereitstellten und die Abfolge der Riten festlegten.
Infolge der in den Nummern 27 und 46 der Konstitution Universi Dominici
Gregis vom 22. Februar 1996 festgelegten Anordnungen hat das Amt in
Zusammenarbeit mit einigen Konsultoren eine Revision des Buches De Funere
Summi Pontificis vorgenommen, das 1978 für die Begräbnisfeierlichkeiten der
Päpste Paul VI. und Johannes Paul I. verwendet wurde, und den neuen Band mit dem
Titel Ordo Exsequiarum Romani Pontificis vorbereitet. Ebenso hat das Amt
die Ordo Sacrorum Rituum Conclavis von 1978 überarbeitet und eine neue
Ordo Rituum Conclavis herausgegeben. Die beiden von Papst Johannes Paul II.
am 5. Februar 1998 approbierten Bücher waren bereits im Jahr 2000 gedruckt
worden.
Unmittelbar nach Erscheinen dieser beiden Bände hat das Amt mit der Vorbereitung
eines dritten Bandes, der Ordo Rituum Pro Ministerii Petrini Initio Romæ
Episcopi begonnen.
Mit diesem, von Papst Benedikt XVI. am 20. April 2005 approbierten und – wie die
beiden vorangegangenen – in der Tipografia Vaticana gedruckten Band wurde die
Überarbeitung aller Riten abgeschlossen, die das Ende und den Anfang des
Pontifikats des Bischofs von Rom betreffen.
2. Der Geist, der die Reform bestimmt hat
Die Aktualisierung und Neufassung der Ordines wurde im Sinne der vom
Zweiten Vatikanischen Konzil gewollten Liturgiereform durchgeführt: größte
Bedeutung der Heiligen Schrift, Rückkehr zur Norm der Kirchenväter, Hervorhebung
der Zeichen, Kriterium der noblen Einfachheit.
Von verwickelten und komplizierten Rechtsvorschriften und mit Äußerlichkeiten
und Überflüssigem belasteten Riten, die in der Vergangenheit die Zeit der
Sedisvakanz begleiteten, ist man – bereits von der Revision des Jahres 1978 an –
schrittweise zu Riten übergegangen, die sich durch noble Einfachheit und
Schönheit auszeichnen und mehr dem Geist und den Anforderungen unserer Zeit
entsprechen, in Übereinstimmung mit den Grundsätzen und im Geist des Zweiten
Vatikanischen Konzils.
Die geistliche und ekklesiale Bedeutung und die pastorale Zielsetzung der
Zelebrationen sind in den Texten der Vorwörter zu den einzelnen
Ordines verdeutlicht.
Im März 2005 hat das Amt ein Studienbuch unter dem Titel Sede Apostolica
Vacante veröffentlicht mit dem Ziel, das Verständnis der ersten beiden
Publikationen der Ordines und im besonderen der Zeit der Sedisvakanz zu
erleichtern.
Zurzeit ist ein zweites Studienbuch in Vorbereitung als Kommentar zur Ordo
Rituum Pro Ministerii Petrini Initio Romæ Episcopi. Seine Veröffentlichung
ist im April dieses Jahres vorgesehen, anläßlich des ersten Jahrestags der Wahl
des neuen Papstes.
3. Der Text der „Præparanda“
Das Amt für die liturgischen Feiern hat, wie üblich, auch für eine konkrete und
detaillierte Vorbereitung der Zelebrationen der Monate April / Mai 2005
gesorgt. Die praktischen Anweisungen für jede Zeremonie sind in zwei Heften
zusammengestellt; das erste trägt den Titel Rito delle Esequie del Romano
Pontefice - „Præparanda“, das zweite den Titel Riti del Conclave - „Præparanda“.
Diese beiden nicht publizierten und dem Personal des Amtes vorbehaltenen Hefte
enthalten außer den Bekanntmachungen, die das Büro an die verschiedenen
betroffenen Personen geschickt hat, die Aufstellung von allem, was vorzubereiten
war: die Herrichtung der Orte der Zelebrationen, die jeweiligen liturgischen
Geräte, die liturgischen Gewänder und die für den Ablauf der Riten notwendigen
liturgischen Objekte und Gefäße; alles ergänzt durch verschiedene Lagepläne, um
den genauen Standort der Objekte sowie die Aufstellung der Telekameras und den
Bewegungsablauf festzulegen.
4. Die Hefte für die Teilnahme der Gläubigen
Entsprechend den Gepflogenheiten des Amtes sind die folgenden Heftchen mit den
Texten in den verschiedenen Sprachen, den Gesängen und den liturgischen
Vorschriften vorbereitet worden:
1) Traslazione della salma del Sommo Pontefice Giovanni
Paolo II nella Basilica Vaticana
2) Messa esequiale del Romano Pontefice
3) Santa Messa per l’Elezione del Romano Pontefice e
Ingresso in Conclave
4) Inizio del Ministero Petrino del Vescovo di Roma
Benedetto XVI. Visita alla Basilica di San Paolo Fuori le Mura
5) Celebrazione Eucaristica e Insediamento sulla
Cathedra Romana del Vescovo di Roma Benedetto XVI. Visita alla Basilica di
Santa Maria Maggiore
Diese aus den oben erwähnten Ordines hergeleiteten Publikationen wurden
für jede Zelebration nicht nur zum Nutzen aller bei den Feiern anwesenden
Gläubigen vorbereitet, sondern auch für die Medien.
5. Die Pressekonferenzen
Das Amt für die liturgischen Feiern des Papstes hat in Übereinkunft mit der
Sala Stampa della Santa Sede zwei Pressekonferenzen für die Journalisten
abgehalten.
Am Dienstag, dem 5. April, hat der Päpstilicher Zeremonienmaister am
späten Vormittag die Zelebrationen anläßlich der Exequien des Römischen Pontifex
und die Riten des Konklaves erläutert. Bei dieser Gelegenheit wurden den
Journalisten die Ordo Exsequiarum Romani Pontificis, die Ordo Rituum
Conclavis und der Band Sede Apostolica Vacante vorgestellt.
Am Samstag, dem 23. April, fand um 12.30 Uhr die zweite Pressekonferenz statt.
Mons. Crispino Valenziano, der Konsultor des Amtes, hat die Riten der
Amtseinführung des Bischofs von Rom erläutert und ist dabei ausführlich auf die
Geschichte und die rituellen Neuheiten der neuen Ordo eingegangen.
Diese beiden Pressekonferenzen waren für die Medien sehr nützlich. Alle konnten
so schon im voraus die Texte und die Abfolge der verschiedenen Riten
kennenlernen und den Sinn und die Bedeutung der Zelebrationen verstehen.
III. Einige Bilder eines besonderen Osterfestes
Die Ereignisse, die in Rom das Osterfest 2005 begleitet haben, gaben der Kirche
die Möglichkeit, das Ostergeheimnis des gestorbenen und auferstandenen Christus
in besonderer Weise zu erleben.
1. Die Bilder des Leidens
Über die Medien konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der Kirche und der Welt
zunächst auf das Pascha des Leidens, das Johannes Paul II. durchlebte.
»Zuletzt war ihm ein Weg des Leidens und des Schweigens auferlegt. Unvergessen
bleiben uns die Bilder, wie er am Palmsonntag, den Ölzweig in der Hand, an
seinem Fenster steht, vom Schmerz gezeichnet, und uns den Segen des Herrn gibt,
der sich auf den Weg zum Kreuz macht. Dann das Bild, wie er mit dem gekreuzigten
Herrn in der Hand in seiner Hauskapelle an der Via Crucis im Kolosseum
teilnimmt, auf der er so oft das Kreuz vorangetragen hatte. Schließlich der
stumme Segen am Ostermorgen, in dem wir durch allen Schmerz hindurch die
Verheißung der Auferstehung, des ewigen Lebens aufleuchten sahen« (Benedikt
XVI., Ansprache an die Römische Kurie, 22. Dezember 2005). Der österliche
Rahmen des Todes Johannes Pauls II. kommt in der Notariatsurkunde, die in den
Sarg des Pontifex gelegt wurde, deutlich zum Ausdruck: Johannes Paul II. starb
»im Licht des von den Toten auferstandenen Christus, am Abend des 2. April im
Jahr des Herrn 2005 um 21.37 Uhr, während der Samstag sich zum Ende neigte und
wir schon in den Tag des Herrn eingetreten waren, in den Oktavtag von Ostern,
den Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit«. Die Kirche von Rom hat Tage
österlicher Spiritualität erlebt wie nie zuvor. Mehrere Tage lang zog Tag und
Nacht ein endloser Strom von Menschen im Petersdom am Leichnam des Papstes
vorbei – Zeichen einer mit ihrem Hirten vereinten Kirche auf dem Weg zum ewigen
Osterfest.
Der Liturgie als Quelle und Höhepunkt des kirchlichen Lebens ist es wirklich
gelungen, viele Empfindungen zu vereinen und den Glauben an die Auferstehung zum
Ausdruck zu bringen. Die Begräbnisfeierlichkeiten des Papstes verliefen in
beispielhafter Form, entsprechend den drei von der Ordo vorgesehenen
Etappen. Rufen wir uns einige Bilder dieses Freitags, des 8. Aprils, ins
Gedächtnis:
- die Ausbreitung des Schleiers aus weißer Seide über dem Gesicht des Papstes in
der Vatikanischen Basilika;
- Der Sarg auf dem Petersplatz, auf einem einfachen Teppich am Boden, daneben die
Osterkerze und darauf das aufgeschlagene Evangelienbuch;
- wir erinnern uns auch an einen Gesang: an das ostkirchliche Troparion von
der Auferstehung am Ende der Exequien „Christus ist erstanden von den Toten“;
- wir denken an das Bild, als der Sarg des Papstes am Portal der Basilika unter
dem Bildteppich des auferstandenen Christus ein letztes Mal den Gläubigen
gezeigt und von ihnen mit einem unbändigen Applaus verabschiedet wurde;
- wir erinnern uns an den in die Erde der Vatikanischen Grotten gesenkten Sarg in
der Nähe des Grabes des Apostels Petrus.
2. Die Bilder der Erwartung
Nach dem Begräbnis des Papstes waren die Telekameras auf das Kollegium der in
den Generalkongregationen versammelten Kardinäle und auf das Konklave gerichtet.
Auch von diesem Ereignis bleiben einige Bilder in lebendiger Erinnerung:
- die eindrucksvolle Prozession zum Einzug in die Sixtinische Kapelle, angeführt
vom Evangelienbuch und begleitet vom Gesang der Heiligenlitaneien – ein Zeichen
der pilgernden Kirche;
- der Gesang des Veni Creator, Bild einer im Gebet vereinten Gemeinschaft;
- das in der Mitte der Sixtinischen Kapelle aufgestellte Evangelienbuch, wie in
den wichtigsten Versammlungsmomenten des kirchlichen Lebens.
3. Die Bilder der Freude
Das Osterfest 2005 hat auch die Freude und die Neuheit der Wahl des neuen
Papstes erlebt. Ich erinnere mich an meine innere Ergriffenheit während der
Lesung des Evangeliums vom Primat des Petrus vor dem neuen Papst in der
Sixtinischen Kapelle. Wir alle erinnern uns an die Freude der Verkündigung des
neuen Papstes und seines Namens: Benedikt XVI., an die wenigen Worte, die der
Papst auf dem Balkon der Basilika sprach, an seine einfachen, demütigen Gesten,
an sein Lächeln.
Die Zelebration zur Amtseinführung auf dem Petersplatz hat Bilder der Erneuerung
in der Tradition der päpstlichen Liturgie gezeigt. Einige Riten wurden zum
ersten Mal ausgeführt: zu Beginn die Statio des Papstes und der
Konzelebranten an der Confessio des Apostels Petrus, wo das Pallium und
der Fischerring ausgelegt waren; unmittelbar nach der Lesung des Evangeliums (Joh
21, 15-19) das Anlegen des Palliums, das wieder seine Form des ersten
Jahrtausends angenommen hat, und die Übergabe des Fischerringes, der wieder
eigens der Ring des Bischofs von Rom ist.
Die Riten des Pontifikatsbeginns haben den neuen Papst am 25. April zu einem
Besuch in die Basilika St. Paul vor den Mauern geführt, um neben der
untrennbaren Verbindung der Kirche Roms mit dem Fischer von Galiläa auch die mit
dem Völkerapostel zum Ausdruck zu bringen.
Am 7. Mai wurden die Riten des Pontifikatsbeginns mit dem Amtsantritt des
Bischofs von Rom an der Cathedra Romana in der Lateranbasilika
abgeschlossen. Mit Ergriffenheit erinnern wir uns alle an das Bild des Papstes,
der zur Cathedra hinaufsteigt und dort Platz nimmt, und an die Worte, die
die Besitzergreifung begleiteten: »Dein Stuhl ist der Stuhl Petri, auf den die
Kirche gegründet ist. Du bist der „Diener der Diener Gottes“«; wir erinnern uns
alle an den Papst im Gebet vor dem Bild der Seligen Jungfrau Maria, Salus
Populi Romani, in der Basilika Santa Maria Maggiore, wo das
circulum des Besuchs des neuen Papstes in den vier Patriarchal-Basiliken
seinen Abschluß fand.
Recht betrachtet, bleibt diese lange Reihe von Bildern des Schmerzes, der
Erwartung und der Freude, die mit dem Tod Johannes Pauls II., dem Konklave und
dem Beginn des Pontifikats Benedikts XVI. den Frühling 2005 geprägt haben, im
wesentlichen ein Ausdruck des von der ganzen Kirche durch die Feier der Liturgie
gelebten Ostergeheimnisses.
IV. Die audiovisuellen Übertragungen
Die eben beschriebenen Bilder des April / Mai 2005 sind Teil der Erinnerung an
die unmittelbare Teilnahme an den Ereignissen ohne die Vermittlung des
Fernsehens.
Eine unermeßlich große Anzahl von Menschen hat dieselben Ereignisse jedoch mit
den Augen des Fernsehens verfolgt. Für sie ist die Erinnerung eigentlich eine
Fernseh-Erinnerung.
Tatsächlich schreiben sich die großen Ereignisse der päpstlichen Zelebrationen
immer in die unmittelbare und in die durch das Fernsehen vermittelte Erinnerung
ein.
1. Besondere Elemente der päpstlichen Zelebrationen
Die großen Zelebrationen unter dem Vorsitz des Papstes sind durch einige
besondere Elemente charakterisiert, welche die Zelebration selbst und mehr noch
ihre Fernsehwiedergabe und den entsprechenden Kommentar beeinflussen können.
- Die Person des Zelebranten
Der Zelebrant, das heißt der Heilige Vater, prägt unweigerlich die Zelebrationen
und verleiht ihnen einen deutlichen Akzent kirchlicher Universalität.
Andererseits kann die auf die Person des Papstes gerichtete Aufmerksamkeit, die
nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und infolge der apostolischen Reisen der
Päpste in die verschiedenen Erdteile zugenommen hat, einige Momente der
Zelebration entscheidend beeinflussen. Im Hinblick auf den Ritus denke man nur
daran, wie schwierig es aufgrund der Applause ist, den Eingangs- und den
Schlußgesang von der versammelten Gemeinde singen zu lassen. Auch die
Fernsehregie kann versucht sein, sich zu sehr bei dem Hauptzelebranten
aufzuhalten und zu wenig bei den verschiedenen Aufgaben und Diensten und bei der
versammelten Gemeinde.
- Die Zusammensetzung der versammelten Gemeinde
Bei den päpstlichen Zelebrationen hat man es fast immer mit einer bunt
zusammengewürfelten Gemeinde zu tun: Gläubige verschiedener Sprachen und
Kulturen. Diese Zusammensetzung beeinflußt die Vorbereitung und den Ablauf der
Zelebration. So muß man zum Beispiel meiner Meinung nach in einer solchen
Situation unweigerlich auf die lateinische Sprache und den gregorianischen
Choral zurückgreifen, die modernen Sprachen einsetzen und manchmal auch einige
Elemente anderer Riten und Kulturen einflechten.
Bei den bedeutenden Anlässen sind in der versammelten Gemeinde auch besondere
Persönlichkeiten anwesend: das diplomatische Korps beim Heiligen Stuhl,
offizielle Delegationen anderer Länder, Könige und Königinnen, Präsidenten der
Republik und eine große Anzahl von Kardinälen und Bischöfen. Diese Situation lag
jedesmal vor in den großen Zelebrationen im April / Mai 2005. Mehr noch: am 8.
und am 24. April waren zahlreiche Delegationen der Ostkirchen, Delegationen
anderer christlicher Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften und auch
Delegationen anderer Religionen zugegen.
V. Die audiovisuelle Übertragung der Begräbnismesse und der Messe zur
Amtseinführung
1. Die Tätigkeit der verschiedenen Einrichtungen
Für die Verbreitung der Ereignisse der Osterzeit 2005 durch die Medien haben
einige Einrichtungen des Heiligen Stuhls ihre Aktivität entfaltet: der
Pontificio Consiglio delle Comunicazioni Sociali (der Päpstliche Rat für
Soziale Kommunikationsmittel); die Sala Stampa (das Presseamt) und das
Centro Televisivo Vaticano (das Vatikanische Fernsehzentrum).
Über die Tätigkeit der Sala Stampa und des Pontificio Consiglio delle
Comunicazioni Sociali genügt es, einige Daten anzuführen.
- Sala Stampa
Das Presseamt kümmert sich um die Journalisten. Das Amt hat im ganzen
Monat April 6.710 Journalisten aus 106 verschiedenen Ländern akkreditiert. Nicht
immer stimmt die Nationalität des Journalisten mit jener des Mediums überein,
für das er arbeitet, vor allem im Fall der internationalen Zeitungen, doch kann
es von Interesse sein zu wissen, daß von diesen 6.710 Redakteuren 3.435
Journalisten aus Europa, 1.215 aus Lateinamerika, 1.080 aus Nordamerika, 490 aus
Asien, 295 aus Ozeanien und 195 aus Afrika kamen.
Im übrigen hat die Sala Stampa vom 18. bis zum 25. April 13 Bulletins mit
19 Nachrichtenblöcken veröffentlicht.
- Pontificio Consiglio delle Comunicazioni Sociali
Der Päpstliche Rat, der sich um die Fernsehprogramme und die Fotoagenturen
kümmert, hat in der Zeit vom 1. bis zum 24. April 2005 4.843 Akkreditierungen
für 876 verschiedene Programme ausgestellt (487 Fernsehprogramme, 296
Fotoagenturen, 93 Radiostationen), die 122 Nationen vertreten.
- Centro Televisivo Vaticano
(CTV)
Bis 1978 war der Heilige Stuhl in bezug auf die Produktion und die Verbreitung
von Fernsehaufzeichnungen aus dem Vatikan völlig von der RAI, der
Radio Televisione Italiana abhängig. Papst Wojtyła wollte, daß neben dem
Vatikanischen Radiosender das CTV entstehen sollte – eine Struktur, die
anfänglich nur über spärliche Mittel verfügte, im Laufe der Zeit jedoch
gewachsen und zu einer Realität mit internationaler Bedeutung geworden ist.
Nur anläßlich großer Ereignisse, die im Vatikan stattfinden und den Einsatz
beachtlicher Mittel erfordern, werden die Übertragungen vom CTV in
Koproduktion mit der RAI durchgeführt. Das CTV spielt dabei jedoch
die Rolle des »Hausherrn«, während der RAI die des »Ehrengastes« zukommt.
Dies ist im Fall der Begräbnismesse für Johannes Paul II. und der feierlichen
Zelebration zur Amtseinführung von Benedikt XVI. geschehen. Das waren in den
Monaten April / Mai 2005 die einzigen beiden Gelegenheiten, bei denen die RAI
hinzugezogen wurde.
Alle anderen Zelebrationen sind vollständig vom CTV aufgenommen und dann
der RAI und den anderen nationalen und internationalen Kanälen zur
Verfügung gestellt worden.
2. Ein vorheriges Treffen mit der Fernsehregie
Anläßlich der Zelebrationen vom 8. und 24. April 2005 hat sich das Amt für die
liturgischen Feiern des Papstes darum bemüht, die Wiedergabe durch das Fernsehen
so weit wie möglich mit der liturgischen Feier in Einklang zu bringen. Im
Hinblick auf die Begräbnismesse und die feierliche Amtseinführung wurden im Sitz
des Büros zwei Versammlungen abgehalten, an denen die Verantwortlichen für die
Liturgie und die Techniker des CTV und der RAI teilnahmen. Für
beide Ereignisse hat die CTV im Einvernehmen mit dem Amt die Regie einem
einzigen Regisseur der RAI anvertraut. Diesem Regisseur wurde darüber
hinaus in beiden Zelebrationen ein Konsultor des Büros an die Seite gestellt,
der an der Ausarbeitung der beiden Ordines mitgearbeitet hatte.
Die Vereinbarungen zwischen dem Amt für die liturgischen Feiern, dem CTV
und der RAI betrafen nur die Übertragung der Fernsehbilder. Anläßlich der
Übertragung der Zelebrationen zur Eröffnung und zur Schließung der Heiligen
Pforte im Jubiläumsjahr 2000 war es dagegen möglich, auch über den Text zur
Kommentierung der Bilder Vereinbarungen zu treffen. Er wurde vorher geschrieben
und vom Regisseur und von den Experten des Büros überprüft. Während der
erwähnten Zelebrationen beschränkte sich der Kommentator darauf, den Text zu
lesen, ohne weitere Hinzufügungen zu improvisieren. So war es möglich, die
Achtung vor der liturgischen Feier und eine ihr gemäße Sprache zu begünstigen.
Im Jahr 2005 war dagegen die Überlagerung der liturgischen Sprache durch die der
Medien leichter möglich.
3. Bewertungen der beiden Übertragungen
Im allgemeinen fiel das Urteil über die von CTV und RAI
ausgestrahlten Übertragungen positiv aus. Viele Vorbehalte gab es dagegen in
bezug auf die in Italien ausgestrahlten Fernsehkommentare.
Die Meinungen zweier Experten für Fernsehsendungen seien hier wiedergegeben. Die
erste über die Bilder der Begräbnismesse und die zweite über die Kommentare im
Kanal 1 der RAI zur Messe anläßlich der feierlichen Amtseinführung.
- Die Begräbnismesse (P. Virgilio Fantuzzi – Civiltà Cattolica)
Dank der Zusammenarbeit war es möglich, während der Aufnahmen von der
Begräbnismesse den Gedanken der Auferstehung ins Bild zu bringen durch die
Kombination des Bildes vom Zypressensarg in der Mitte des oberen
Kirchenvorplatzes mit dem Bild der daneben brennenden Osterkerze. Eine andere
bedeutungsvolle Kombination gab es zwischen den Detail-Aufnahmen des
aufgeschlagenen Evangeliars auf dem Sarg, dessen Seiten der Wind umblätterte,
und denen des Evangeliars, das für die Lesung des Evangeliums vom Diakon in
Prozession zum Ambo getragen wurde. Bewußt wurden Großaufnahmen der anwesenden
Gläubigen vermieden, und die der Vertreter der Staaten während der Zelebration
nur flüchtig gezeigt, um der Beziehung zwischen dem Hauptzelebranten und der
gesamten Gemeinde den Vorzug zu geben. Mit Umsicht wurde von dem
ikonographischen Material rund um den Altar Gebrauch gemacht: von dem großen
hölzernen Kruzifix, von dem Gobelin mit dem Bild des auferstandenen Christus,
der von der zentralen Loggia der Basilika herabhing, von der Marienikone, die
während des Magnifikat gezeigt wurde. Die Riten, die der Messe
unmittelbar vorausgingen und sich direkt an sie anschlossen (Schließung des
Sarges und Beisetzung), wurden zu Dokumentationszwecken vom CTV
aufgenommen, aber nicht gesendet.
- Die Messe zur Amtseinführung (Dott. Franco Iseppi – Leitung der RAI)
Die Anwesenheit eines Moderators und verschiedener Chronisten – ein Historiker,
ein Vatikan-Journalist, ein Liturgiefachmann – hat oft dazu geführt, daß ihre
Stimme die liturgischen Ereignisse überlagerte. Kommentaren zu den anwesenden
Länder-Delegationen und dem Austausch des Friedensgrußes unter verfeindeten
Ländern etc. wurde der Vorrang eingeräumt.
Die Zeichen der Liturgie – die Eingangsprozession, die Laudes regiæ, die
Wandteppiche an der Fassade der Basilika, das Pallium des Hirten, der
Fischerring, der in Vertretung des Gottesvolkes geleistete Akt des Gehorsams –
wurden nicht in angemessener Weise hervorgehoben.
Die Kommentare besaßen eher die Form der journalistischen Berichterstattung. In
seiner Gesamtheit gestaltete sich der Kommentar wie ein Text, der sich parallel
neben dem Ablauf der Liturgie entwickelte, die in vielen Fällen nur durch die
Bilder in angemessener Weise präsentiert wurde.
Die Gestalt des Papstes wurde in einem vor allem als oberflächliche Unterhaltung
betrachteten Fernsehen unter dem Gesichtspunkt des Schauspiels dargestellt.
Man hat dem Wortreichtum den Vorzug gegeben und das Ereignis mit dem kulturellen
und politischen Umfeld verknüpft, den Akzent auf Meldungen und Informationen
gelegt, anstatt den Inhalt der euchologischen und musikalischen Texte
herauszustellen und vor allem die Verbindungen zwischen den verschiedenen
rituellen Abfolgen zu erklären. So entstand eher der Eindruck der Beschreibung
einer Zeremonie als der einer Zelebration.
VI. Schlußbemerkung
- Von der „Urbe“ zum „Orbe“
Anläßlich der Begräbnismesse und der Messe zu Beginn des Pontifikats hat das
Fernsehen dem Petersplatz eine universale Dimension verliehen. Der Säulengang
des Bernini hat wahrlich seine Arme ausgebreitet und die ganze Welt umspannt. In
vergangenen Zeiten wurde der Segen des Papstes der Stadt, der Urbe, durch
einen Kanonenschuß von den Rängen der Engelsburg angekündigt. Heute tritt der
Papst durch das Fernsehen in die Häuser von Millionen von Gläubigen rings auf
dem ganzen Erdkreis, dem Orbe, ein und wird in gewisser Weise dort
gegenwärtig. Jenseits der noch offenen Fragen über die Beziehung zwischen
liturgischer Feier und audiovisueller Regie handelt es sich um eine Tatsache,
die man nicht unberücksichtigt lassen kann.
- Die Versuchung, den Aspekt des Schauspiels zu begünstigen
Vielleicht war die Versuchung der sozialen Kommunikationsmittel, die Liturgie
vornehmlich als Schauspiel darzustellen, nie so groß wie anläßlich der
Ereignisse im April 2005, um die sich die Medien der ganzen Welt in Bewegung
gesetzt haben. Die beiden Zelebrationen vom 8. und vom 24. April waren in ihrer
Einzigartigkeit, in der so besonderen Zusammensetzung der versammelten Gemeinde
und in ihrem unvermeidlichen Aspekt des Aufsehenerregenden für die Medien eine
vorzügliche Gelegenheit, den Zuschauern der ganzen Welt sensationelle, einmalige
und exklusive Ereignisse zu präsentieren, anstatt ihnen Geschehen tiefen
religiösen Inhaltes zu vermitteln. Im Laufe der Begebenheiten gab es ab und zu
in gewisser Weise zwei parallele Riten und Sprachstile: die der realen
Zelebration der Liturgie und die virtuellen der audiovisuellen Übertragung.
- Das Verhältnis von liturgischer Zelebration und audiovisueller Kommunikation
Wenn es sich um Fernsehübertragungen liturgischer Feiern handelt, vor allem um
solche mit dem Papst, stellt sich notwendigerweise das Problem des Verhältnisses
zwischen der liturgischen Regie und der des Fernsehens. Die Liturgie ist ja ein
Zusammenspiel von Texten, Gesten und Riten, das unter Beachtung der Normen und
mit Würde und Schönheit ablaufen muß. Sie besitzt ihre eigene Großartigkeit,
erschöpft sich jedoch nicht darin. Darum muß die Grundeinstellung der
audiovisuellen Vermittlung dem liturgischen Ansatz entsprechen; das heißt, es
ist notwendig, daß die Fernsehregie und der gesprochene Kommentar so weit wie
möglich den Inhalt und den Kontext der liturgischen Feier respektieren. Das
erfordert vom Fernsehregisseur und vom Kommentator eine vorherige Kenntnis der
Texte, der rituellen Abfolgen und ihrer Verbindungen, eine Kontaktnahme mit dem,
der die Zelebration „durchdacht“ hat, eine Ortsbesichtigung, wo die Riten
vollzogen werden und die Teilnahme an den Proben, die vor jeder Zelebration
stattfinden.
Um bei der Fernsehübertragung einer liturgischen Feier ein hohes Qualitätsniveau
zu erzielen, ist tatsächlich das Zusammenwirken von drei grundsätzlichen
Elementen notwendig:
- Eine vorbildliche liturgische Feier hinsichtligh der Texte, der Gesänge und der
Musik, in den rituellen Abfolgen und im Zelebrationsverlauf. Es ist also eine
gute Vorbereitung und eine gute liturgische Regie erforderlich. Der
Verantwortliche für die Liturgie muß ein Liturgie-Fachmann sein, ihre
Geschichte, ihre Natur und ihre Regeln kennen und auf die Anforderungen des
pastoralen Lebens achten, um eine aktive Teilnahme der Gläubigen zu begünstigen.
Außerdem sollte die Zelebration immer die noble Einfachheit und Schönheit
besitzen, von denen das Zweite Vatikanische Konzil spricht.
- Eine gute Aufzeichnung durch die Fernsehregie: die Kenntnis der theologischen
und liturgisch-pastoralen Bedeutung der Zelebration und der verschiedenen Teile,
aus denen sie sich zusammensetzt. Der Regisseur darf sich bei der Auswahl der
Bilder nicht von seinem persönlichen Geschmack leiten lassen, der von äußerlich
zwar schönen Bildern oder auffallenden Einzelheiten angezogen werden kann, die
jedoch in bezug auf die Bedeutung und den Aufbau des Ritus nebensächlich sind.
Er muß dagegen die Fähigkeit besitzen, die Bilder auszuwählen, die sich als
besonders bezeichnend und wesentlich erweisen, um die tiefe Bedeutung der
Zelebration oder der einzelnen rituellen Abfolge zum Ausdruck zu bringen. Es ist
also eine gegenseitige Durchdringung der liturgischen und der audiovisuellen
Sprache notwendig.
- Ein nüchterner und wesentlicher Kommentar, der die Texte und Riten verstehen
hilft und sie nicht gewohnheitsmäßig überlagert. Es ist wichtig, sich zu
vergegenwärtigen, daß jede Fernsehübertragung eines liturgischen Ereignisses von
Anfang an eine zweifache Dimension besitzt: die visuelle und die akustische. Die
Arbeit dessen, der den Ritus organisiert und dessen, der die Aufnahme leitet,
kann durch einen nicht angemessenen Kommentar vereitelt werden. Die Aspekte, die
zur Chronik des Ereignisses gehören, müßten in der Zeit vor Beginn der
Zelebration und nach ihrem Ende behandelt werden. Während des Ablaufs des Ritus
dürfte über nichts anderes gesprochen werden, als über Dinge, die unmittelbar
die Zelebration und ihre Bedeutung betreffen.
- Ein Ostern, an das man sich erinnern muß
Ostern 2005 wird in die Geschichte der Kirche eingehen wegen der Intensität der
in Rom erlebten und durch die sozialen Kommunikationsmittel der ganzen Welt
mitgeteilten Ereignisse. Die Aufmerksamkeit aller hat sich zunächst auf Johannes
Paul II. gerichtet, dann auf das Kardinalskollegium und schließlich auf den
neuen Papst Benedikt XVI.
Verschiedene Bilder und verschiedene Gefühle haben die Aufeinanderfolge der
Ereignisse begleitet, sie waren jedoch vereint durch einen einzigen Leitfaden:
durch den Glauben der Kirche an das Ostergeheimnis Christi. Die von den
verschiedenen Fernsehanstalten in alle Welt übertragenen Bilder haben das
Antlitz einer Kirche gezeigt, die trotz ihres Leides über den Tod ihres Hirten
den Glauben an Christi Sieg über den Tod besaß; das Antlitz einer Kirche, die in
der Erwartung des neuen Papstes im Gebet vereint war; und schließlich das
Antlitz einer Kirche die den neuen Papst feierte als ein Geschenk der Güte
Gottes und seiner Vorsehung.
Deshalb war trotz allem der wahre Protagonist des Osterfestes 2005 das heilige
Gottesvolk und nicht die bedeutenden Persönlichkeiten; Protagonist war nicht das
Fernsehen, sondern die im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils gefeierte
Liturgie der Kirche.
† Piero Marini |