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AMT FÜR DIE LITURGISCHEN FEIERN DES PAPSTES
Der Beginn des
Petrusamtes des Bischofs von Rom, Benedikt XVI. Libreria Editrice Vaticana 2006

Inizio del ministero petrino del Vescovo di Roma Benedetto XVI [Der Beginn des Petrusamtes des Bischofs von Rom Benedikt XVI.] ist der Titel
des Buches, das vom Amt für die liturgischen Feiern des Papstes
herausgegeben worden ist (Libreria Editrice Vaticana 2006, 566 S., 40 Euro).
Wir veröffentlichen die Einführung, die der päpstliche Zeremonienmeister,
Titularerzbischof Piero Marini, zu diesem Band verfaßt hat.
Das »hodie« des Petrusamtes
Die liturgischen Feiern, mit denen das Petrusamt Seiner Heiligkeit Benedikt XVI.
seinen Anfang genommen hat, haben von sich aus den Wert und den Reichtum des
Ordo Rituum pro Ministerii Petrini Initio Romae Episcopi aufgezeigt. Seine
Heiligkeit Benedikt XVI., der der Einführungsliturgie vorstand, und das ganze
mitfeiernde Volk Gottes wollten mit diesen Riten vor allem dafür danken, daß
Gott seiner Kirche einen neuen Nachfolger Petri, einen neuen Bischof von Rom
gegeben hat, der dazu berufen ist, den Vorsitz in der Liebe zu führen. Indem sie
das Handeln Gottes feierte, vollzog die Kirche im wesentlichen »anamnesis« des
Dienstes, den Christus dem Apostel Petrus anvertraut hat; dabei hörte sie von
neuem die Worte, die der Herr einst an Simon richtete: »Tu es Petrus, et super
hanc petram aedificabo Ecclesiam meam«, und weiter: »Pasce agnos meos«. Diese
Worte, mit denen im eigentlichen Sinn das Petrusamt eingesetzt wird und die die
Kirche wiederholt, haben das »mandatum« des Herrn an Petrus erneuert; deshalb
haben wir diese Worte bei der Verkündigung des Wortes Gottes gehört, und
mehrmals sind sie in den euchologischen Texten, in den Gesängen und in den
Akklamationen erklungen. Die Worte, die Jesus in Cäsarea Philippi und am See von
Tiberias zu Petrus gesagt hatte, richtete Jesus durch die Liturgie der Kirche an
Papst Benedikt XVI. zu Beginn seines Amtes. Mit der Feier der Treue Gottes zu
seiner Kirche, haben diese Liturgien das »hodie« des Petrusamtes verwirklicht.
Eben dieses »hodie« verweist auf den Grund, weshalb der Dienst des Bischofs von
Rom einen liturgischen Anfang hat. In der Tat bekennt die Kirche in der Liturgie
und besonders in der eucharistischen Synaxis Gott und dankt ihm für seine Gaben.
Wenn nun das Petrusamt in keiner anderen Weise als mit einer liturgischen Feier
beginnt, bezeugt damit die Kirche, daß dieses Amt vor allem eine Gabe ist, die
Gott seiner Kirche macht. Es ist die Kirche des Herrn, der der Nachfolger Petri
in Liebe vorzustehen hat. Gerade deshalb verdeutlichen die Evangelisten, daß es
Jesus in den Einsetzungsworten des Petrusamtes nie unterläßt, Kephas daran zu
erinnern, daß die Kirche immer die Kirche des Herrn, seine Kirche, bleibt: »Du
bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen«, und: »Weide
meine Lämmer«, »Weide meine Schafe«.
Wenn der neue Papst wie der Apostel Petrus das »mandatum«, seine Herde zu weiden,
nur vom Herrn und von niemand anderem erhält, so ruft die Kirche gleichzeitig
sich selbst in Erinnerung, daß er dieses »mandatum« immer und einzig »in
Ecclesia« und »propter Ecclesiam« erhält. Wie die Kirchenväter hervorgehoben
haben, ist dies der Grund dafür, daß Jesus in den Evangelien den Petrus zum
Felsen seiner Kirche und zum Hirten seiner Herde stets in Gegenwart der anderen
Apostel macht, und nie ohne sie. Der Beginn des Dienstes des Bischofs von Rom
findet also in der ekklesia statt, in der liturgischen Versammlung, der höchsten Epiphanie der Kirche,
weil das Petrusamt Gabe Gottes ist und sich immer »in medio Ecclesiae« erfüllt.
Deshalb hat der »Ordo« eine große Bedeutung für das »hodie« des kirchlichen
Lebens. Wenn jede liturgische Feier wirklich Epiphanie der Kirche ist (vgl.
Sacrosanctum Concilium, 41), so sind es die liturgischen Feiern des Ordo
Rituum pro Ministerii Petrini Initio Romae Episcopi in ganz besonderer Weise.
Mit diesen Feiern will sich die Kirche ausdrücklich »per ritus et preces« selbst
offenbaren. Schon der Ordo Dedicationis ecclesiae et altaris, Frucht der
Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils, ist an sich – in den Texten,
in den Zeichen und in der rituellen Abfolge – Mystagogie der Kirche. Der Ordo
von 2005 vervollständigt die Sicht der Kirche mit dem Petrusamt. Der Ordo
Rituum zum Beginn des Petrusamtes ist wahrscheinlich – zusammen mit dem
Ordo Dedicationis ecclesiae – das vollständigste und am besten gelungene
Bild, das die Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil von der Kirche gibt.
Ein Pontifikat,
das mit der Liturgie beginnt
Das Petrusamt Benedikts XVI. begann in ganz besonderer Weise mit der Liturgie.
Der Ordo Rituum pro Ministerii Petrini Initio Romae Episcopi war in der
Tat das erste offizielle Dokument, das der Papst am Tag nach seiner Wahl auf die
Kathedra Petri approbiert hat, wie es das Reskript »ex audentia Summi Pontificis«
vom 20. April 2005 bezeugt. Mit Ergriffenheit erinnere ich mich noch an jene
erste Audienz, die Seine Heiligkeit mir gewährte, in der ich seine
Aufmerksamkeit auf den neuen Ritus lenkte. Der Papst wollte die gesamte Liturgie
durchgehen und würdigte und bestätigte die einzelnen Entscheidungen des neuen
Ordo. Während er das Dokument prüfte, hob der Papst sogar mehrmals die
Schönheit der Texte, der vorgeschlagenen Zeichen und der Abfolge der Riten
hervor und brachte seine Anerkennung für eine in so kurzer Zeit vollbrachte
Arbeit zum Ausdruck. Er selbst stellte die tiefe biblische Inspiration des Ritus
und die ununterbrochene Kontinuität mit der großen Tradition der katholischen
Kirche fest; dabei entdeckte er im besonderen die einzelnen, in den Texten
enthaltenen patristischen Zitate und erkannte Wendungen von Ignatius von
Antiochien, von Gregor dem Großen und von Leo dem Großen. Seine Heiligkeit
brachte den Wunsch zum Ausdruck, den Band behalten zu dürfen, um sich auf die
Liturgie vorzubereiten und so die euchologischen Texte und die Zeichen der
Verleihung des Palliums und der Übergabe des Fischerringes meditieren zu können.
Frucht dieser Meditation war der eindrucksvolle mystagogische Kommentar, den er
im Verlauf der Predigt zur Feier des Beginns seines Dienstamtes zum Pallium und
zum Ring gab.
Der Weg der Vorbereitung
des Bandes
Der Ordo Rituum pro Ministerii Petrini Initio Romae Episcopi verdankt
seine Entstehung der liturgischen Sensibilität und der Initiative des
Zeremonienmeisters und der Konsultoren des Amtes für die liturgischen Feiern des
Papstes. In der jüngsten liturgischen Praxis der päpstlichen Gottesdienste war
die Tradition eines eigenen Ritus für den Beginn des Petrusamtes des Bischofs
von Rom verlorengegangen. Obwohl rituelle Elemente abgeschafft worden waren, die
an den päpstlichen Hof gebunden waren oder nicht mehr der neuen
biblisch-liturgischen Sensibilität entsprachen – wie beispielsweise die
feierliche Krönung des neuen Papstes mit der Tiara, der Ritus des »Sic transit
gloria mundi« oder die Übergabe der Schlüssel der Lateranbasilika –, vermochte
es der vom Zweiten Vatikanischen Konzil eingeleitete Vereinfachungsprozeß der
päpstlichen Riten nicht, für die Liturgie zum Pontifikatsbeginn rituelle Zeichen
und Abfolgen zu finden und diese in jene einzufügen, die fähig gewesen wären,
das Wesen des Petrusamtes »gemäß der Tradition der Väter« auszudrücken. Deshalb
bestand der »Feierliche Beginn des Amtes des Hirten der universalen Kirche« von
Johannes Paul I. und Johannes Paul II. in einer feierlichen Messe auf dem
Petersplatz, die sich dadurch auszeichnete, daß dem Papst das Pallium der
Metropoliten übergeben wurde und das Kardinalskollegium dem neuen Papst seine
Verehrung erwies.
Diese Situation wurde von der Konstitution Universi dominici gregis von
1996 bestätigt. Das Dokument, das den schon von Paul VI. in der Romano
Pontifici Eligendo vorgegebenen Weisungen folgte, verweist auf zwei Rituale,
die vorzubereiten sind: das eine für die Begräbnisfeierlichkeiten des Papstes,
das andere für die Riten des Konklaves; es erwähnt aber mit keinem Wort ein
Rituale für den Amtsantritt: »Nach der feierlichen Zeremonie des Beginns des
Pontifikats und innerhalb einer angemessenen Zeit ergreift der Papst nach dem
vorgeschriebenen Ritus Besitz von der Patriarchalen Erzbasilika am Lateran« (Nr.
92).
Das Amt für die Liturgischen Feiern sorgte deshalb anfangs nur für die
Vorbereitung der von der Konstitution vorgesehenen Ordines, das heißt des
Ordo Exsequiarum Romani Pontificis und des Ordo Rituum Conclavis.
Während der Vorbereitung dieser Ordines stellte sich jedoch das
Bewußtsein ein, daß ein weiteres Rituale notwendig war, das die Riten des
Pontifikatsbeginns betraf. Nach Veröffentlichung der beiden erwähnten Ordines
im Jahr 2000 und nach Abschluß der Jubiläumsfeiern des Heiligen Jahres begann
das Büro Ende 2001 mit der Gestaltung und Abfassung des neuen Ordo für
den Beginn des Petrusamtes. Nach der Revision der verschiedenen Entwürfe war der
Text Anfang März 2005 so gut wie vollendet. Es war jedoch noch notwendig, einige
Stellen sowohl der lateinischen als auch der italienischen Fassung zu
vervollständigen; die Konsultoren sollten den Text zum Schluß gemeinsam
durchsehen. Leider fehlte wegen der Verschlimmerung der Krankheit von Papst
Johannes Paul II. und seines darauf folgenden Todes die Zeit für eine letzte,
sorgfältige Revision. Der Ordo wurde in der Folge Papst Benedikt XVI. zur
Approbierung vorgelegt und von der vatikanischen Druckerei gedruckt.
Einige Korrekturen und kleinere Verbesserungen des Textes wurden in dem
Gottesdienstheftchen eingefügt, das vom Amt für die liturgischen Feiern
veröffentlicht wird, um den Gläubigen die Teilnahme an den Feiern zum Beginn des
Petrusamtes zu erleichtern: Beginn des Petrusamtes des Bischofs von Rom
Benedikt XVI., Petersplatz, 24. April 2005 (das Heftchen enthält auch die
Texte des »Besuchs der Basilika von Sankt Paul vor den Mauern«, Montag, 25.
April); Eucharistiefeier und feierliche Inbesitznahme der Römischen Kathedra
des Bischofs von Rom, Benedikt XVI., Lateranbasilika, 7. Mai 2005 (das
Gottesdienstheftchen enthält auch die Texte des »Besuchs der Basilika Santa
Maria Maggiore«, Samstag, 7. Mai 2005).
Schließlich war die Zeit der Vorbereitung des vorliegenden Bandes, der sich
durch die Reflexion über die Bedeutung der Texte und die Weise der liturgischen
Feier des Ordo auszeichnet, eine günstige Gelegenheit zu einer
Gesamtschau bezüglich möglicher Verbesserungen des Textes des Ordo
selbst. Zusammen mit den schon in den erwähnten Gottesdienstheftchen eingefügten
Vorschlägen wurden die konkreten Entwürfe in einem Schema zusammengefaßt und
geordnet und bilden eine der Früchte einer solchen Reflexion.
Der Inhalt des Bandes
und seine innere Logik
Selbstverständlich konnte der Ordo Rituum pro Ministerii Petrini Initio Romae
Episcopi nicht ohne die Approbation des neuen Papstes veröffentlicht werden.
Der am 20. April approbierte Ordo wurde in nur wenigen Tagen von der
»Tipografia Vaticana« gedruckt. Es fehlte deshalb die Zeit, eine
Begleitveröffentlichung mit Kommentaren zum neuen Ordo fertigzustellen,
wie dies hingegen für die erwähnten Ordines für die päpstlichen
Begräbnisfeierlichkeiten und für das Konklave mit dem im März 2005
veröffentlichten Band Sede Apostolica Vacante geschehen war. Zwei Jahre
nach dem Beginn des Pontifikats Benedikts XVI. schließt die vorliegende
Veröffentlichung diese Lücke und veranschaulicht den theologischen und
liturgischen Reichtum des neuen Ordo.
Der Band ist in vier Teile gegliedert, die sich auf die Geschichte, die
Theologie, die Feier und die Riten beziehen. Vor allem werden die historischen
Daten bezüglich des Beginns des Pontifikats von den ersten Jahrhunderten an bis
in unsere Tage dargelegt und analysiert. Danach wird die Entstehung des Ritus
der Amtseinführung des Bischofs von Rom im Verlauf der darauffolgenden
kulturellen Epochen dargestellt. Dank einer breiten Analyse der Dokumente werden
dem Leser die wesentlichen Elemente zum Verständnis dessen geboten, was den
Ordo Rituum pro Ministerii Petrini Initio Romae Episcopi an die ihm
vorhergehende jahrhundertealte Tradition bindet, aber auch grundlegende Daten,
um zu verstehen, was ihn von dieser unterscheidet.
Auf die historische Analyse folgt die theologische. Die erste Studie ist der
Untersuchung der Entwicklung des theologischen Inhalts gewidmet, der aus dem
rituellen Ablauf hervorgeht; dieser kennzeichnet den Übergang vom Ritus der
Krönung des Papstes zu den Riten des Beginns des Petrusamtes des Bischofs von
Rom. Hervorgehoben werden die rituellen Ausdrucksformen des neuen Ordo.
Der Übergang von der »Sache« zur »Person«, vom »sacrum« zum »sanctum«, von der
Macht des Papstes zum petrinischen Dienst enthüllt die enge Einheit zwischen dem
neuen Ordo und den fruchtbaren Errungenschaften der Konstitution des
Konzils Sacrosanctum Concilium bezüglich dessen, was in der »lex orandi«
veränderlich und unveränderlich ist. Die einzelnen Studien, die diesen zweiten
Teil gliedern, beleuchten – jede von ihrem Gesichtspunkt aus – die biblische,
die patristische, die orientalische, die christologische, die pneumatologische
und die ekklesiologische Komponente. Die Euchologie wird mit ihren
traditionellen und neuen Elementen dargestellt. Die letzte Studie des
theologischen Teils ist der Analyse der redaktionellen Ausarbeitung der
verschiedenen Entwürfe des Ordo gewidmet, eine Arbeit, die die Verfasser
in ihrem Verlauf nicht nur zur Formulierung des approbierten Textes geführt hat,
sondern auch und vor allem zur biblischen, patristischen und theologischen
Konzeption, auf welcher der neue Ordo beruht.
Auf den theologischen Teil folgt die Darstellung der rituellen Elemente. Einige
besondere Aspekte des neuen Ritus werden schrittweise beleuchtet. Dabei steht an
erster Stelle seine »Geographie«, das heißt die Besonderheit der Orte und die
symbolische Tragweite des »Itinerarium« und der verschiedenen »Stationes«, die
den neuen Papst in die vier römischen Basiliken führen. Es wird so der Beitrag
aufgezeigt, den die Orte und Bewegungen bei den Feiern für den Sinn des
Petrusamtes leisten. Zu den ekklesiologischen Metaphern und zur ursprünglichen
»petrinischen« Symbolisierung gehören auch die wichtigsten Zeichen der Liturgien
zum Beginn des Petrusamtes, das heißt das Pallium papale, der Anulus
piscatoris und die Cathedra Lateranensis. Von all diesen Zeichen
werden Form, Material und Herstellungsverfahren analysiert.
Der vierte und zugleich letzte Teil ist durch die Beschreibung und die Bewertung
der hauptsächlichen Aspekte der liturgischen Feier gekennzeichnet, besonders die
ikonisch-visuelle Zusammenstellung, in der die Bedeutung und die Folgen der Wahl
und der Gestaltung des liturgischen Raumes der einzelnen Liturgien hervorgehoben
werden. Es wird dann die musikalische Dimension dargestellt mittels einer
eingehenden Beschreibung des Programms der Gesänge, die die unterschiedlichen
rituellen Momente der verschiedenen Feiern charakterisierten.
Die Texte der Predigten vom 24. April und 7. Mai 2005 werden von einer Studie
eingeleitet, die die mystagogische Methode Benedikts XVI. hervorhebt. Der Papst
nimmt in den beiden Predigten Bezug auf das Handeln Gottes und »bezog die
Gläubigen in das Abenteuer mit ein, zu dem der Herr ihn berufen hat. Ein
Abenteuer, das mit dem Schritt der Liturgie begonnen hat, der der Schritt der
Kirche ist«.
Die letzten Studien, die der Aufzeichnung und der Fernsehübertragung der
Ereignisse und einer kritischen Presseschau gewidmet sind, heben die Komplexität
der Regeln des Fernsehbetriebes und die große Rolle hervor, die die Massenmedien
spielen.
Ein Namen- und Sachregister schließen den Band ab, wodurch seine Konsultation
erleichtert wird.
»Lex orandi« und »lex credendi« des neuen Ordo
Die Liturgie mit ihren Texten und mit der Abfolge der ihr eigenen Riten ist den
liturgischen Studien vorausgegangen, aus denen sich der vorliegende Band
zusammensetzt. Wie schon zu Beginn dieser Vorstellung festgestellt wurde, hat
der Ordo Rituum pro Ministerii Petrini Initio Romae Episcopi von sich aus
seinen ganzen Wert und Reichtum gezeigt, ohne weiterer Worte zu bedürfen.
Dennoch beabsichtigt die vorliegende Sammlung von Studien, dem Leser die
Möglichkeit zu bieten, des weiteren die bedeutsamen Neuheiten des Ordo im
Vergleich zur Tradition der päpstlichen Liturgie und zugleich seine tiefe
Übereinstimmung mit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils zu
verstehen. Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgehen, daß dieser Ordo
ein Dokument ist, das die liturgische Rezeption des Zweiten Vatikanischen
Konzils und somit das Verständnis bezeugt, welches das Konzil von der Liturgie,
von der Kirche und vom Petrusamt innerhalb der Kirche gegeben hat. Wie die
Studien dieses Bandes zeigen, sind die für die Überarbeitung des Ordo Rituum
pro Ministerii Petrini Initio Romae Episcopi beachteten Kriterien dieselben,
die schon für die Revision des Missale Romanum Pauls VI. gegolten hatten.
Die Institutio generalis zählt sie so auf: Zeugnis eines unveränderten
Glaubens, Beweis einer ununterbrochenen Tradition, Anpassung an die neuen
Gegebenheiten. Wie bekannt ist, wollten die Konzilsväter in der Konstitution
über die Liturgie, daß die Riten »nach der altehrwürdigen Norm der Väter
wiederhergestellt« (Nr. 50) würden. In demselben Geist hat auch die Revision der
verschiedenen im Ordo enthaltenen Riten, mit denen das petrinische Amt des Bischofs von Rom
beginnt, die althergebrachte Tradition der Väter als Norm und Kriterium
genommen.
Der aufmerksame Leser wird bemerken können, daß die den Ordo Rituum pro
Ministerii Petrini Initio Episcopi Romani in einzigartiger Weise
auszeichnende Besonderheit, die ihn von den anderen Ordines
unterscheidet, sein Verständnis »per ritus et preces« des Petrusamtes ist. Man
kann an dieser Stelle bezüglich dieses besonderen Aspektes das anwenden, was das
Prooemium der Institutio generalis des Römischen Meßbuches auf
allgemeinere Weise von der liturgischen Überlieferung des einen Glaubens der
Kirche feststellt: »Die Norm der Väter fordert also nicht nur, das zu bewahren,
was die uns zeitlich am nächsten stehenden Vorfahren überlieferten: Sie verlangt
vielmehr, alle vergangenen Zeiten der Kirche und alle Formen zu erfassen und
tiefer zu erwägen, in denen die Kirche den einen Glauben in so verschiedenen
Kulturen wie der semitischen, griechischen und lateinischen ausgedrückt hat.
Dieser umfassende Überblick ermöglicht uns zu erkennen, wie sehr der Heilige
Geist bei aller Verschiedenheit der Gebete und Riten dem Gottesvolk eine
wunderbare Treue in der Bewahrung des unveränderlichen Glaubensgutes erhalten
hat« (Nr. 9).
Mit dem neuen Ordo verfolgte man also die Absicht, »das unveränderliche
Glaubensgut« bezüglich des Petrusamtes so zu »bewahren«, wie die reiche
katholische Tradition es empfangen und in einer ununterbrochenen Gemeinschaft
durch die Zeit hindurch überliefert hat. So, wie Seine Heiligkeit Benedikt XVI.
sie approbiert und vor allem gefeiert hat, vermitteln und bezeugen die Riten des
neuen Ordo zum Antritt des Hirtendienstes des Bischofs von Rom eine mit
der biblischen Grundlage, mit der Tradition der Kirchenväter und dem
wesentlichen Verständnis, das die Kirche seit jeher von diesem Dienst hat,
übereinstimmende Sichtweise des Primates Petri. Auf diese Weise kann die
Liturgie des Ordo Rituum pro Ministerii Petrini Initio Romae Episcopi als
ein berechtigter theologischer Ort und als maßgebendes Zeugnis ausgewiesen
werden, das in der Lage ist, die katholische Sicht des Petrusamtes aufzuzeigen
und zu überliefern. Der Ordo ist vollkommen in die »lex orandi« der
Kirche integriert und ist deshalb von nun an ein unerläßliches Instrument für
die theologische Formulierung des Petrusamtes.
Wie der vorliegende Kommentarband verdeutlicht, kann der Ordo Rituum pro
Ministerii Petrini Initio Romae Episcopi dank seines besonderen ekklesialen
und ökumenischen Wertes als Gabe und Anreiz nicht nur für Forscher, Historiker
und einfache Gläubige, sondern auch für die Kirchen des Westens und des Ostens
angesehen werden.
In Wirklichkeit wollten die Riten zum Antritt des Petrusamtes, welche die Medien
in den Ostertagen 2005 in alle Welt übertragen haben, das Geheimnis Christi, des
Guten Hirten, feiern, der durch das dem einfachen Fischer aus Galiläa
übertragene Petrusamt weiterhin als Haupt des Bischofskollegiums (vgl. Lumen
Gentium, 22) zusammen mit den Bischöfen als Glieder derselben
»Bischofskörperschaft« (vgl. Christus Dominus, 4) seine Herde auf dem Weg
durch die Geschichte hin zum Reich Gottes führt. Gegenwart und Dienst, die in
der liturgischen Feier ihre Quelle und ihre Aktualität haben. Ja, die im Geiste
der Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils gefeierten Riten zum Beginn des
Pontifikats bleiben ein Zeichen und eine Hoffnung für den Weg der Kirche in der
Welt.
Die vom Ordo Rituum pro Ministerii Petrini Initio Romae Episcopi
ausgedrückte »lex orandi« möge Begegnungsort und Ausgangspunkt für einen
erneuerten Dialog zwischen Schwesterkirchen sein, in der Suche nach der
sichtbaren Einheit und in der Anerkennung jenes Amtes, das der Herr in den
Dienst einer solchen Einheit gestellt hat.
In memoriam
Die Veröffentlichung des Ordo Rituum pro Ministerii Petrini Initio Romae
Episcopi und des vorliegenden Kommentarbandes wäre ohne die Mitarbeit der
Konsultoren nicht möglich gewesen. Großzügig haben sie dem Amt für die
liturgischen Feiern des Papstes liturgisches Fachwissen, Geist der Liebe und
Geist des Dienstes für den Nachfolger des Apostels Petrus zur Verfügung
gestellt.
Pater Ignazio Maria Calabuig Adán OSM und P. Jesús Castellano Cervera OCD,
Freunde und Weggefährten seit vielen Jahren, mit denen ich die Leidenschaft für
die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils geteilt habe, wurden
während der Vorbereitung dieses Bandes dazu berufen, Teil der Gemeinschaft der
Heiligen zu sein. Pater Ignazio verstarb am 6. Februar 2005 während der
Überarbeitung des lateinischen und des italienischen Textes des Ordo. P.
Jesús verstarb am 15. Juni 2006, wenige Tage nachdem er seinen Beitrag zu diesem
Band abgegeben hatte.
Das Zeugnis des Glaubens und der Liebe, das sie für die Liturgie, für die Kirche
und für den Nachfolger Petri gegeben haben, ist für uns die Bestätigung, daß der
Heilige Geist, der die liturgische Erneuerung angeregt und die Konzilsväter
inspiriert hat, die Durchführung der Liturgiereform weiter begleitet und das
»hodie« des Petrusamtes in seiner Heiligen Kirche immer wieder aufleben läßt.
Das Gedenken an P. Ignazio und an P. Jesús möge uns allen helfen, aus der
Liturgie eine Lebenserfahrung zu machen, so daß wir in Gemeinschaft mit ihnen
die Worte eines orientalischen Kirchenvaters wiederholen können: »Ich weiß, daß
ich nicht sterben werde, weil ich im Innern des Lebens bin und fühle, wie es mit
all seiner Fülle in mich hineinbricht.«
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