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S.P. 42: Libro d'Ore "Borromeo" miniato da Cristoforo de Predis, Sec.XV
Biblioteca Ambrosiana

SIEBTE STATION
Jesus wird das Kreuz aufgeladen

    

V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.
L. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus. 15,20

Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Purpurmantel ab und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an. Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen.

BETRACHTUNG

In den Höfen des kaiserlichen Palastes ist das makabre Fest beendet; die lächerlichen Königsgewänder fallen, das Tor öffnet sich weit. Jesus kommt heraus in seiner gewohnten Bekleidung, in jenem Untergewand, »das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war«[1]. Auf seinen Schultern liegt der Querbalken, der, wenn er einmal am Kreuzesstamm befestigt sein wird, zur Aufnahme seiner Arme bestimmt ist. Er ist schweigend anwesend, seine Spuren hinterlassen Blut auf jener Straße, die in Jerusalem heute noch den Namen »Via Dolorosa« trägt.

Jetzt beginnt der eigentliche Kreuzweg, jener Weg, den wir heute abend wieder nachgehen und der zum Hinrichtungshügel führt, außerhalb der Mauern der Heiligen Stadt. Jesus bewegt sich voran und wankt unter der Last und durch die Schwäche seines geschundenen Leibes. Die Tradition verzeichnet auf diesem Weg symbolisch ein dreimaliges Fallen Jesu. Dieses Fallen enthält die endlose Geschichte so vieler Frauen und Männer, die durch Elend und Hunger niedergestreckt sind: abgemagerte Kinder, erschöpfte Greise, arme und schwache Menschen, denen jede Lebenskraft aus den Adern gesogen ist.

In diesem Fallen ist auch die Geschichte all jener Menschen enthalten, die bis in die Seele betrübt und die unglücklich sind, die übersehen werden durch die Hektik und die Unachtsamkeit derer, die an ihnen vorübergehen. In Christus, der unter dem Kreuz gebeugt ist, ist die kranke und schwache Menschheit gegenwärtig, die, wie der Prophet Jesaja sagt[2], »am Boden liegt und winselt, ihre Worte dringen dumpf aus dem Staub. Wie wenn aus der Erde ein Totengeist spricht, so tönt ihre Stimme; ihre Worte sind nur noch ein Geflüster im Staub«.

* * *

Auch heute, genau wie damals, herrscht um Jesus herum, der sich erhebt und mit dem Kreuz auf den Schultern weitergeht, auf der Straße das Alltagsleben, das gezeichnet ist vom Geschäftemachen und vom Glanz der Schaufenster, von der Suche nach Vergnügen und Genuß. Und doch ist um ihn herum nicht nur Feindseligkeit oder Gleichgültigkeit. Auf seinen Spuren bewegen sich heute auch diejenigen, die sich entschieden haben, ihm zu folgen. Sie sind dem Ruf gefolgt, der einst von ihm ausging, als er durch die Felder Galiläas zog: »Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach«[3]. »Laßt uns also zu ihm vor das Lager hinausziehen und seine Schmach auf uns nehmen«[4]. Am Ende der »Via Dolorosa« steht nicht nur der Hügel des Todes oder der Abgrund des Grabes, sondern auch der Berg der herrlichen Himmelfahrt und des Lichts.

Alle:

Pater noster, qui es in caelis
sanctificetur nomen tuum;
adveniat regnum tuum;
fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra.
Panem nostrum cotidianum da nobis hodie;
et dimitte nobis debita nostra,
sicut et nos dimittimus debitoribus nostris;
et ne nos inducas in tentationem;
sed libera nos a malo.

Quis non posset contristari,
piam matrem contemplari
dolentem cum Filio?

 


[1]Johannes 19,23.
[2]vgl. Jesaja 29,4.
[3]Lukas 9,23.
[4]Hebräer 13,13.

© Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana

 

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