The Holy See Search
back
riga

 
MS. Vat. Lat. 2639 - Miniato da Nicola da Bologna (1370)
Biblioteca Apostolica Vaticana

ACHTE STATION
Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen


V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.
L/. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas. 23,26

Als sie Jesus hinausführten, ergriffen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage.

BETRACHTUNG

Er kam gerade vom Feld zurück, vielleicht nach einigen Stunden der Arbeit. Zu Hause erwarteten ihn die Vorbereitungen auf den Feiertag: Bei Sonnenuntergang nämlich würde das heilige Tor zum Sabbat sich öffnen, unter dem Aufleuchten der ersten Sterne am Himmel. Simon war sein Name; er war ein Jude, der aus Afrika stammte, aus Zyrene, einer Stadt an der libyschen Küste, in der eine große jüdische Diasporagemeinde lebte[1]. Ein schroffer Befehl der römischen Soldaten, die Jesus begleiten, hält ihn an und zwingt ihn, für eine gewisse Wegstrecke das Kreuz jenes erschöpften Verurteilten zu tragen.

Simon war zufällig dort vorbeigekommen; er wußte nicht, daß dies eine besondere Begegnung sein würde. Jemand hat einmal geschrieben[2]: »Wie viele Menschen aller Zeiten wären gern dort gewesen, an seinem Platz, wären gern in eben jenem Augenblick dort vorbeigekommen. Aber es war zu spät: Er war es, der vorbeigekommen war, und niemals, zu keiner Zeit, hätte er seinen Platz anderen überlassen«. Es ist das Geheimnis der Begegnung mit Gott, der plötzlich und unvermittelt im Leben vieler Menschen steht. Paulus, der Apostel, war von Christus auf der Straße nach Damaskus angehalten, »ergriffen«[3] und erobert worden. Das ist der Grund, warum er später von Jesaja diese überraschenden Worte Gottes übernahm: »Ich ließ mich finden von denen, die nicht nach mir suchten; ich offenbarte mich denen, die nicht nach mir fragten«[4].

* * *

Gott wartet auf uns auf den Wegen unseres täglichen Lebens. Er ist es, der manchmal an unsere Türen klopft und um einen Platz an unserem Tisch bittet, um mit uns Mahl zu halten[5]. Sogar ein unvorhergesehener Zwischenfall, wie der, der sich im Leben des Simon von Zyrene ereignet hatte, kann zu einem Geschenk der Bekehrung werden. Denn der Evangelist Markus erwähnt sogar die Namen der Söhne dieses Mannes, die Christen geworden sind: Alexander und Rufus[6]. Der Zyrenäer ist so das Sinnbild der geheimnisvollen Verbindung zwischen der göttlichen Gnade und dem menschlichen Handeln. Letztendlich stellt ihn der Evangelist nämlich als den Jünger dar, der »sein Kreuz auf sich nimmt und Jesus nachfolgt«[7], seinen Spuren folgt.

Seine Geste verwandelt sich ideell von einer erzwungenen Handlung in ein Symbol für alle Akte der Solidarität gegenüber den Leidenden, den Unterdrückten und denen, die schwere Lasten zu tragen haben. Der Zyrenäer vertritt damit die unermeßliche Schar der großherzigen Menschen, der Missionare, der Samariter, die nicht »auf der anderen Straßenseite vorbeigehen«[8], sondern die sich über die Elenden beugen und sie auf ihre Schultern laden, um sie zu stützen. Über dem Haupt und über den Schultern des Simon, die unter der Last des Kreuzes gekrümmt sind, ertönen in jenem Augenblick die Worte des hl. Paulus: »Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen«[9].

Alle:

Pater noster, qui es in caelis
sanctificetur nomen tuum;
adveniat regnum tuum;
fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra.
Panem nostrum cotidianum da nobis hodie;
et dimitte nobis debita nostra,
sicut et nos dimittimus debitoribus nostris;
et ne nos inducas in tentationem;
sed libera nos a malo.

Tui Nati vulnerati,
tam dignati pro me pati
poenas mecum divide.

 


[1]Apostelgeschichte 2,10; 6,9; 13,1.
[2]CHARLES PÉGUY, Le mystère de la charité de Jeanne d'Arc (1910).
[3]Philipper 3,12.
[4]Römer 10,20.
[5]Offenbarung 3,20.
[6]Markus 15,21.
[7]vgl. Lukas 9,23.
[8]vgl. Lukas 10,30-37.
[9]Galater 6,2.

 

© Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana

    

top