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AMT FÜR DIE LITURGISCHEN FEIERN DES PAPSTES
KREUZWEG
MEDITATIONEN UND GEBETE
DES ÖKUMENISCHEN PATRIARCHEN VON KONSTANTINOPEL
BARTHOLOMAIOS I.
ZUM KREUZWEG AM KOLOSSEUM
MIT PAPST
JOHANNES PAUL II.
KARFREITAG 1994
EINLEITUNGSGEBET
V.: Im
Namen des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes. A.: Amen. V:
Brüder und
Schwestern!
In der Kirche
sind wir durch die Gnade des
Geistes Zeitgenossen Jesu. Sein
Leiden, sein Tod, sein Begräbnis, sein glorreicher
Abstieg in die Unterwelt werden
uns gegenwärtig, sie vollziehen sich in uns. Und das
in den Fels gehauene Grab ist diese Welt, vom
Tod versiegelt. Die Fastenzeit
gipfelt in diesem Kreuzweg, in diesem Weg
der Hoffnung, der zur Osternacht führt, die heller
leuchtet als das Licht. Unsere Meditation über die vielleicht
eindringlichsten Stellen aus den Evangelien macht uns bereit, Jesus zu
begleiten, wie seine
Mutter ihn begleitet hat, deren
Herz ein Schwert durchbohrte. Doch
die Stimme Christi spricht leise zu
ihr: Weine nicht, Mutter, denn am dritten Tage werde
ich siegreich auferstehen.
(Aus der byzantinischen Liturgie) Die
ganze Weltgeschichte wird in diesen
drei Tagen nachvollzogen und nimmt
Sinn an, wenn der Gott-Mensch uns
nicht mehr auf dem Berg der Verklärung, sondern im
Abgrund und in der Finsternis
sucht. Er, der Un-Geteilte, dessen Wesen "communio" (Gemeinschaft)
ist, führt uns alle zum Vater
und stellt sich für immer zwischen
uns und das Nichts.
Kurzes
Schweigen.
V:
Lasset
uns beten.
Herr, mach unsere Herzen aus Stein zunichte beim Anblick
deiner Leiden. Laß sie zu Herzen
aus Fleisch werden. Laß
dein Kreuz all unsere Vorurteile
auflösen. Beim Anblick
deines qualvollen Todeskampfes mögen unsere Gleichgültigkeit oder
unsere Auflehnung vergehen. Herr, laß uns nicht mehr
das Los werfen
wie die Soldaten am Fuße des
Kreuzes. Laß uns aus einer blinden
und dummen Geschichte nicht mehr
das Los ziehen
um deine Kleider, damit wir das nahtlose Gewand der
Kirche nicht noch
mehr in Stücke zerreißen. Möge
die Mutter Gottes uns in deine Geheimnisse einführen, in das Geheimnis der
Liebe der Heiligsten Dreifaltigkeit, denn der Vater ist in dir, wenn du
leidest und der Geist wacht über
dich, wenn du stirbst. Dir, Vater, sei durch Christus, im Heiligen Geist, aller Ruhm und alle Ehre,
jetzt und in Ewigkeit.
A.: Amen.
ERSTE STATION Jesus
am Őlberg
V.: Herr, dein
Kreuz verehren wir. A.: Und wir
bekennen deine Auferstehung.
Aus dem Evangelium nach Markus (14, 32-36)
Sie kamen
zu einem Grundstück, das Getsemani heißt. Jesus nahm Petrus, Jakobus und
Johannes mit sich und er sagte zu ihnen:. "Meine Seele ist zu Tode betrübt.
Bleibt hier und wacht!" Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde
nieder und betete: "Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von
mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst (soll geschehen)."
Meditation
Tausendjähriger Olivenhain. Die Oliven müssen gepreßt werden, damit das
Feueröl, der Heilige Geist, auf die Wunden der Welt ausströme. Leiden Jesu,
Einsamkeit, die engsten Freunde sind eingeschlafen. Herr, befreie uns von
diesem Schlaf, wenn
das Leiden Christi sich fortsetzt im Leiden der Menschen. Leiden Jesu,
Schweigen des Vaters. "Ich und der Vater sind eins" (Joh 10,
30), ein einziger
Wille, eine einzige Liebe, doch der menschliche Wille Christi schreit vor
Angst, gerade so, als zerreiße sein tiefstes, gottmenschliches Sein. Menschlicher
Wille Jesu, Solidarität mit all unseren Einsamkeiten, mit den Traurigkeiten
und Auflehnungen, von uns Verbannten, fern vom Olivenhain. In Christus
erfährt Gott auf menschliche Weise all unseren Todeskampf, den ungeheuren
Todeskampf der Geschichte, den ungeheuren Hiobsschrei unseres Schicksals,
Blutschweiß. Doch siehe, es
erhebt sich das Vertrauen aus der Finsternis, eine zitternde Stimme, noch
ungewiß, nicht das, was ich will, nein, das, was du willst . . . Zustimmung.
In Jesus stimmt die Menschheit dem Willen des Vaters zu. Möge uns dieser
Wille einhüllen, durch die Finsternis hindurch. Die Oliven sind ausgepreßt. In
jedem Baum erwacht das siegreiche Kreuz. Garten Eden - Garten des Urspungs:
"Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein"
(Lk
23, 43).
Gebet
Blutiges
Antlitz und doch Antlitz des Vaters, Gesicht, das in der Dunkelheit von Blut
trieft, und das wir übersehen haben. Du, der
unendlich Nahe, wandle in unseren Herzen die Angst in Dankbarkeit. Möge das
Leid der Menschen in dir Auferstehung werden. Ruhm und Lob
sei dir, Christus, der du einer von uns wirst mehr als wir selbst. Erfülle all unsere
Todeskämpfe, all unsere Tode, mit dir, mit deiner Liebe.
A.: Vater
unser im Himmel; geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; dein Wille
geschehe, wie im Himmel
so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute; vergib uns unsere
Schuld, wie auch wir
vergeben unseren Schuldigern; und führe uns nicht in Versuchung; sondern
erlöse uns von dem Bösen.
Christi
Mutter stand mit Schmerzen bei dem Kreuz und weint von Herzen, als ihr lieber
Sohn da hing.
ZWEITE STATION Judas verrät Jesus - Jesus wird verhaftet
V.: Herr, dein
Kreuz verehren wir. A.: Und wir
bekennen deine Auferstehung.
Aus dem Evangelium nach Markus (14, 32-36)
Noch während er redete, kam Judas, einer der Zwő1f, mit einer Schar von
Männern, die mit Schwertern und Knüppeln
bewaffnet waren; sie waren von den Hohenpriestern, den Schriftgelehrten und den
Ältesten geschickt worden. Und er kam und sagte: "Rabbi!" Und er küßte ihn.
Da ergriffen sie ihn und nahmen ihn fest.
Meditation
Die einen
schlafen ein, und der
andere, der wacht, verrät. Stumpfheit, Verrat, soll das unsere Geschichte
sein? Der Kuß, der von Liebe spricht, wird zum Zeichen
des Hasses. Das ganze Leiden Jesu ist verratene
Freundschaft, in Haß verwandelte Liebe. Im Dunkeln
blitzen Schwerter
auf, doch
Gott wehrt sich nicht. In seiner
unendlichen Achtung
für den Menschen liefert
er sich
den Mördern aus. Er liefert
sich den Händen
der Mörder aus
und wird es zulassen, daß sie ihn töten, damiter ihnen durch den Tod sein eigenes
Leben schenken
kann. Die, dieglauben, Gott zu besitzen, Hohepriester, Schriftgelehrte
und Älteste, wissen
ihn lieber in der Ferne als unbeugsamen Herrscher. Und als
der menschgewordene
Gott zu ihnen kommt, sanften und demütigen Herzens, werfen sie ihn ins Gefängnis.
Gebet
Herr, ich werde
dir nicht den Judaskuß geben, sondern
ich bekenne mich zu dir wie der Missetäter: Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.
(Aus der byzantinischen Liturgie)
Wir wissen über Judas nur, daß er
verzweifelt
war. Das Erbarmen Gottes kennt keine Grenzen.
Doch befreie uns, Herr, von dem
Judas, den jeder
von unsin sich trägt, wenn Geldgier oder Machthunger sich unserer bemächtigen. Erinnere unsdaran,
Herr, daß die Schwerter, die durchbohren, und die Knüppel, die schlagen, den Tod
bringen, ihn aber nicht besiegen können. Zu oft schon
haben unsere Kirchen ihre Feinde verfolgt. Gib nun den Christen die Kraft zur
demütigen Liebe.
A.: Vater
unser ...
Durch die
Seele voller Trauer, seufzend unter Todesschauer, jetzt das Schwert des
Leidens ging.
DRITTE STATION
Jesus wird vom Hohen Rat verurteilt
V.:
Herr, dein
Kreuz verehren wir. A.: Und wir
bekennen deine Auferstehung.
Aus
dem Evangelium
nach Markus (14, 55.60-61.62.64)
Die Hohenprίester und der
ganze Hohe Rat bemühten sich um Zeugenaussagen gegen Jesus, um
ihn zum Tode
verurteilen zu können; sie fanden
aber nichts. Da stand der Hohepriester auf, trat in die Mitte und fragte Jesus:
"Bist du der Messias, der Sohn
des Hochgelobten?" Jesus
sagte: "Ich bin es." Und sie fällten
einstimmig
das Urteil: Er ist schuldig und muß sterben.
Meditation
Seit langem
schon verdammen
ihn Gelehrte
und Mächtige. Einige
sagen: Es hat ihn
nie gegeben. Vielleicht
hat es ihn gegeben, sagen andere;
doch wissen wir nichts
von ihm.
Oder aber: Er ist ein großer
Seher, ein großer Prophet, aber er
ist ein Mensch und nichts anderes
als ein Mensch. Und wir, wir denken
wenig an ihn. Wir leben
so, als gäbe es ihn nicht. Und doch stellt
sich uns eines Tages die Frage: Bist du der Christus, in dem
der Gott der Gnade
sich uns gibt? Aber dann mit den Glocken der Kirchen, mit der Schönheit
der Ikonen, in der Tiefe unseres
Herzens bricht
Jesus sein
Schweigen
und sagt: "Ich bin es", und sagt: "Ich bin", was bedeutet "Ich bin Gott." Es bleibt uns nichts
anderes, als ihn
zu töten, oder aber, uns ihm zu Füßen zu
werfen und seine
Worte zu wiederholen: "Ich
preise dich, Vater, weil
du all das den Weisen und Klugen verborgen hast, den Unmündigen aber offenbart hast.
Ja, Vater, so hat es dir
gefallen"
(Mt 11, 25-27).
Gebet
Jesus, der du unschuldig
bist und dessen Herkunft eine andere
ist, wir haben großen Durst
nach Unschuld, wir, die
wir täglich die
Liebe töten. Gib uns die Gemeinschaft
mit den Unschuldigen, den Törichten
in Christus, mit denen, die nichts
kannten, - nichts, vielleicht, außer dich - als sie in dieGaskammern
geworfen
wurden, oder in die Hölle der Kälte, als sie in die
Folterkammern geworfen wurden, jene Folterkammer, die das Leben
oft ist. Du bist
nicht gekommen, um zu verurteilen, sondern
um zu retten; du bist nicht
gekommen, um gefangenzunehmen, sondern
um zu befreien. Bringe deine Unschuld ein
in unsere Kämpfe, in die großen Kämpfe des Geistes, damit sie gewaltlos
und ohne
Haß bleiben.
Bringe deine Unschuld ein
in unsere Liebe, in unsere Familien. Lege deine Unschuld in unseren Blick,
damit wir in
dir das Angesicht des Vaters betrachten. Damit wir in dir die Flamme der Dinge
entdecken, Ikone der Gesichter.
A.: Vater
unser ...
Welch ein
Schmerz der Auserkornen, da sie sah den Eingebornen, wie er mit
dem Tode rang!
VIERTE STATION Jesus
wird von Petrus verleugnet
V.: Herr, dein Kreuz verehren wir. A.: Und wir bekennen deine Auferstehung.
Aus dem
Evangelium nach Markus (14, 72)
Gleich darauf
krähte der Hahn zum
zweltenmal, und Petrus erinnerte
sich, daß Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal
kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
Und er begann zu weinen.
Meditation
Der Hahnenschrei kündigt den Tag an, den Tag
des Reiches ohne Untergang. Und
Petrus ängstigt sich: Denn das Reich kommt nicht
durch himmlische Heerscharen oder
Männer mit Schwertern und Kriegsgerät, sondern es kommt
durch den Tod seiner selbst
und vor allem durch den Tod
des Herrn. "Nein, all dies soll dir nicht angetan werden", hatte
Petrus zu Jesus gesagt, der
ihm sein Leiden ankündigte. Aber es
wird ihm angetan. Jesus hatte die heimliche
Schwäche des Stärksten erahnt, den
ungeduldigen Eifer, der sich plötzlich zurückzieht: "Noch heute nacht,
ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen". Judas hat
sich erhängt, am Heil verzweifelnd, gerade am Tag des universalen Heils
(h1. Nίcolaus Cabasilas). Doch
Petrus bricht in Tränen aus. Tränen
des Petrus, in denen
er seinen Stolz ertränkt. Tränen des Petrus.
Er wird der Erste sein, aber nur
als reumütiger Sünder, der nicht im
Ruhm, sondern in Liebe vorsteht
(hl. Ignatius v.
Antiochien).
Gebet
Herr, gib uns
die Tränen des Petrus, wenn wir nicht sehen wollen, daß das Leiden der Preis
für Ostern ist, daß du den Tod besiegst - aber durch den Tod. Wenn wir nicht
sehen wollen, daß das Kreuz der einzige Baum des Lebens ist. Gib uns, die wir
auf unseren Glauben stolz sind und begierig, schon an seiner Schwelle
Trunkenheit zu verkosten, die wir aber sogleich zu Fall kommen, wenn uns ein
Schrecken überfällt, gib uns die Tränen des Petrus: dein unendliches
Verzeihen.
A.: Vater
unser ...
Angst und
Trauer, Qual und Bangen, alles Leid hielt sie umfangen, das nur je
ein Herz durchdrang.
FÜNFTE STATION Jesus
wird vonPilatus
verurteilt
V.: Herr, dein Kreuz verehren wir. A.: Und wir
bekennen deine Auferstehung.
Aus dem
Evangelium nach Markus (15, 14-15)
Sie schrien noch lauter: Kreuzige ihn! Darauf
1ieß Pilatus, um die Menge zufríedenzustellen, Barabbas
frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen.
Meditation
Die Menge hatte Jesus zugejubelt, als er in Jerusalem einzog.
Jetzt schreit sie: Tötet
ihn! Das sind nicht mehr dieselben Menschen, sie werden alle zusammen zu
einem wilden Tier, gierig nach Folter und nach Blut. Welches Übel wohnt im
Menschen, welche Macht der
Finsternis führt zu diesem grausamen
Ritual, das den Unschцldigen treffen
will? Jesus ist König. Er ist in Jerusalem als König eingezogen.
Hier ist er nun, der König ohne Stadt
(hl. Nicolaus Cabasilas).
So ist unser
Gott, den
wir aus seiner Schöpfung ausschließen und der durch
seine Fleischwerdung in der Schöpfung jeden Ausschluß in sich aufnimmt. Grauen der
Geschichte, Zerstörungshypnose, töten, um zu vergessen, daß
wir sterben müssen. Grauen der Geschichte und welche Ironie: Denn
Barabbas heißt "Sohn des Vaters". Und der
Mann, der regiert, Pilatus, ohne andere Wahrheit als seine Macht,
schmeichelt der Menge, um ihren Wahn zu lenken und die Ordnung Cäsars
zu erhalten. Schreckliche Weisheit der Herrscher, die der Volksmenge
Sündenböcke liefern. Doch
bald wird alles anders
sein: denn der leidende Knecht
"gibt sein Leben als Sühnopfer hin, erblickt das Licht und sättigt sich an Erkenntnis"
Jes,
53, 10-11).
Und durch ihn
werden alle
Ausgeschlossenen, alle Menschen ohne Gesicht (so nannte man damals die
Sklaven), das Licht erblicken und
sich an Erkenntnis sättigen.
Gebet
Herr
Jesus, König ohne Reich, öffne die Tür unserer Herzen, damit dein
sanftes Licht, das zugleich stark
ist wie ein Leben ohne Tod, in der Welt
erstrahle, die voll
ist mit Menschen wie Barabbas und Pilatus. Herr
Jesus, den unsere Sünden geißeln, du, der du
nicht einmal weißt, was das Böse
ist und der du schweigst, wenn du
geohrfeigt wirst, reiße die dunkle
Seite aus uns heraus, den Schwindel
des Nichts, damit wir keinen Sündenbock
mehr brauchen und in jedem
Menschen den "Bar-abbas", den Sohn des Vaters, erkennen, den wider Erwarten
befreiten Mörder.
A.:
Vater unser ...
Wer
könnt' ohne Tränen sehen Christi Mutter
also stehen
in so tiefen Jammers
Not?
SECHSTE STATION Jesus wird gegeißelt und mit Dornen
gekrönt
V.: Herr, dein Kreuz
verehren wir. A.: Und wir bekennen deine Auferstehung.
Aus dem Evangelium
nach Markus (15, 17-19) und nach Johannes
(19, 5)
Dann legten sie ihm einen Purpurmantel
um und flochten
einen Dornenkranz;
den setzten sie ihm auf und
grüßten ihn:
Heil dir, König der Juden!
Sie schlugen ihm mit einem
Stock auf den Kopf und
spuckten
ihn an. Jesus
kam heraus;
er trug dίeDornenkrone
und den purpurroten Mantel. Pilatus
sagte zu ihnen: Seht, da ist der Mensch!
Meditation
Als der Garten Eden verschlossen wurde, kündigte
Gott an, daß die Erde Dornen hervorbringen würde, das
der Boden verflucht
sei und der Mensch vom Tod
betroffen werde.
Mit den Dornen
unserer
Leiden und unseres Hasses krönen dich die Peiniger. Der Vater "lud auf ihn die Schuld von uns allen.
Mißhandelt, tat er seinen Mund nicht
auf, wie ein Lamm, das man
zum Schlachten führt"
(Jes 53, 7). Alle Glieder deines heiligen Fleisches haben für uns
die Schande
ertragen, dein Haupt die Dornen, dein Gesicht
Ohrfeigen und Speichel, dein Rücken die
Geißelung und deine
Hand den Stock (nach der
byzantinischen Liturgie). Und doch bist
du König, du bist der König des Lebens. Die Henker krönen dich, kleiden dich
mit dem königlichen Purpur deines Blutes. In deiner Hand ein Zepter der
Verhöhnung, und doch ein Zepter: ohne es zu wissen, prophezeien sie. Und doch bist
du Priester: gelassen und hoheitsvoll nimmst du den Schmerz der Welt auf
dich, um ihn im Feuer deiner Liebe zu verbrennen; Du warst auf
der Hochzeit in Kana. Nun
bist du auf der Bluthochzeit.
Gebet
Das ist der
Mensch. Zeig uns den Menschen in jedem Gesicht eines Gefolterten. Das ist der
Mensch. Zeig uns in jedem Gesicht eines Hungernden - mag er nach Brot oder
nach dem Sinn seines Lebens hungern - den Menschen. Das
ist der Mensch. In dem gierigen Tier, das blind in den Tod geht, zeige
uns das Gesicht, dein Gesicht, zeige
uns im Menschen das Bild Gottes.
A:
Vater
unser ...
Wer nicht
mit der Mutter
weinen, seinen
Schmerz mit ihrem einen, leiden
bei des Sohnes Tod?
SIEBTE STATION Jesus wird mit dem Kreuz beladen
V.: Herr, dein Kreuz verehren wir. A.: Und wir
bekennen deine Auferstehung.,
Aus dem Evangelium
nach Markus (15, 20)
Nachdem
sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm
den Purpurmantel ab und zogen ihm seine eigenen Kleider
wieder an. Dann führen
sie Jesus hinaus, um ihn
zu kreuzigen.
Meditation
Nach
dem Purpшkleid kommt wieder das weiße Kleid: nach
dem König der Priester; und da ist
der Opferaltar: das
Kreuz. Sie haben
ihn hinausgeführt, hinaus aus der heiligen
Stadt, hinaus aus dem eifersüchtig gehüteten Heiligtum, das das Weltliche
ausschließt: Nunmehr ist er die Quelle der Heiligkeit, für ihn ist nichts "außerhalb":
nichts, was nicht geheiligt werden könnte. Sie haben ihn hinausgeführt weit weg vom
Tempel, wo
sie die Lämmer schlachten: er ist das Lamm, das die Sünde der Welt auf sich
nimmt; es gibt keinen anderen Tempel mehr als
seinen Leib: Eucharistie, unsere Zuflucht. Sie haben
ihn hinausgeführt, fern von den
Menschen und von Gott, von
dem Gott zumindest, den sie
behaupten zu kennen, denn "ein
Gehenkter ist ein von Gott
Verfluchter".(Dtn 21, 23). Doch in ihm offenbart
sich der wahre Gott. Sie haben
ihn hinausgeführt mit dem Kreuz.
Gebet
Jesus, der du weggejagt wurdest, mögest du nicht mehr
außerhalb meiner sein. Mache mein Herz
so, daß es deine Bleibe sei. Jesus, der du
weggejagt wurdest, mögest
du. nicht mehr außerhalb unserer Kirchen sein, aus denen
wir dich verjagen, wenn wir
uns ihnen widersetzen. Jesus, der du weggejagt wurdest, damit niemand mehr "außerhalb"
sei, damit niemand mehr ausgeschlossen
sei vom Festmahl, zu dem du uns von Geschlecht zu Geschlecht
einlädtst (vgl. Homilie nach
einem Traktat von Hyppolit über
das Osterfest, Sch 27, S. 90). O Jesus, nun bist du außerhalb dieser Welt, bald aber wirst du sie erhellen.
A.: Vater unser ...
Ach, für seiner Brüder Schulden sah sie ihn die Marter dulden, Geißeln, Dornen,
Spott und Hohn!
ACHTE STATION Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
V.: Herr, dein Kreuz verehren wir. A.: Und wir bekennen deine Auferstehung.
Aus dem Evangelium nach Markus (15,21)
Einen Mann, der gerade vom Feld kam, Simon von Zyrene, . . . zwangen sie, sein Kreuz zu tragen.
Meditation
Simon ist ein jüdischer Name, doch Zyrene ist eine griechische Stadt irgendwo in
Afrika. Er ist zurückgekehrt ins Land seiner Väter, er bebaute es. Ein kräftiger
Bauer, vom fruchtbarem Ackerboden beschmutzt, vielleicht in froher Stimmung,
weil die Obstbäume blühen. Und so kommt er ans Stadttor, geht vorbei und weiß nicht, was geschieht. Der
Soldat der Besatzungstruppe sieht, daß er stark ist und arm und befiehlt ihm,
das Kreuz Jesu zu tragen. Er ist kein Jünger, er ist kein Freund. Die Apostel haben sich zerstreut. Er
aber weigert sich nicht und trägt das Kreuz, das nicht für ihn bestimmt war. Das Leben lädt vielen Menschen das Kreuz auf, ohne daß sie wissen, daß es das Kreuz
Christi ist. Sie tragen es jedesmal dann, wenn sie ihre Eigensucht überwinden,
um einemUnbekannten zu essen zu geben, ihm Kleidung zu verschaffen, ihn aufzunehmen. »Wir kannten
dich nicht«, sagen sie zu Christus, doch er erwidert: »Das habt ihr mir getan« (vgl.
Mt 25,35-46). In Simons Augen spiegelte sich noch der Blütenbaum, doch vielleicht hat er unter dem geronnenen
Blut ein leuchtendes Antlitz gesehen, und hat gespürt, daß er mehr trug als einen
Baum, der bald vertrocknen würde: er hat gespürt, daß er den Baum des Lebens trug.
Gebet
Herr, das Schicksal zwingt uns, das Kreuz zu tragen. Offenbare uns, daß es dein Kreuz ist
und daß in Wahrheit du es bist, der unser Kreuz trägt. Herr, wie Kreuze tragen wir unsere Leiden. Sie sind nicht ohne Liebe und nicht frei
von Lüge. Befreie uns durch dein Leiden vom Selbstbetrug und wandle unser Leid - das
nicht ohne Liebe ist - in Mitleid. Herr, wir tragen das Kreuz unseres Tödes, des Todes derer, die wir lieben. Wenn
unser Weg mühsam ist, laß uns erkennen, daß du auf uns wartest, du, der du aus
meinem Kreuz dein Kreuz machst, das Kreuz der Auferstehung.
A.: Vater unser ...
Ach, das Blut, das er vergossen, ist für mich dahingeflossen; 1aß mich teilen
seine Pein.
NEUNTE STATION Jesus trifft die Frauen von Jerusalem
V.: Herr, dein Kreuz verehren wir. A.: Und wir bekennen deine Auferstehung.
Aus dem Evangelium nach Lukas (23,27-28.31)
Es folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn
klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Ihr Frauen von
Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder! Denn wenn das
mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?
Meditation
Männer haben Jesus verurteilt, aber Frauen folgen ihm und weinen. Unter den
Feinden Jesu sind keine Frauen. Die Frauen schlagen sich Zeichen gekränkter
Mütterlichkeit, schlagen sich an die Brust. Doch Jesus sagt ihnen: »Weinet nicht. Weine nicht, meine Mutter. In drei Tagen
werde ich auferstehen«. (Aus der byzantinischen Liturgie). Man darf nicht um den Priester weinen, der das Opfer der universalen Heiligkeit
feiert. Ober das Schicksal des Menschen muß man weinen, über das, was der Mensch aus
seinem Schicksal gemacht hat. Lazarus ist tot, man spürt schon seinen
Leichengeruch. Die Feinde belagern bereits die Stadt, die Mächte des Nichts
belagern den Menschen und schleppen ihn hin zum Abgrund der Leere. Jesus nimmt dieses Schicksal an, um es zu besiegen. Er hat den Lazarus
auferweckt und ist bereit, anzutreten gegen den, der trennt, gegen den, mit dem
er nichts gemeinsam hat. Damit er eines Tages sagen kann: »Ich wische alle
Tränen von euren Augen ab; Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine
Klage, keine Mühsal. Denn das Frühere ist vergangen« (vgl. Apg 21,4).
Gebet
Der Turm von Schilo stürzt immer noch ein, die Heere stecken die Städte immer
noch in Brand. Und all das geschieht nicht, weil du uns bestrafen willst, sondern weil wir dürres Holz
werden. Du, grünes Holz, schenk uns deinen Lebenssaft, damit wir wissen, wie wir die
Tränen der Frauen von Jerusalem trocknen können. Mach, daß wir alle, wie Veronika, den Schweiß von deinem Gesicht wischen, damit
dein Antlitz auf unseren Ikonen - jeder Mensch ist deine Ikone, dein Abbild -
für uns das Tor zur Ewigkeit sei.
A.: Vater unser ...
Laß mich wahrhaft mit dir weinen, mich mit Christi Leid vereinen, solang mir das
Leben währt.
ZEHNTE STATION Jesus wird gekreuzigt
V.: Herr, dein Kreuz verehren wir. A.: Und wir bekennen deine Auferstehung.
Aus dem Evangelium nach Markus (15,24)
Dann kreuzigten sie ihn. Sie warfen das Los und verteilten seine Kleider unter
sich und gaben jedem, was ihm zufiel.
Meditation
Heute wird der an den Galgen gehängt, der in seiner Unermeßlichkeit die Welten
trägt. Er ist festgenagelt, der Bräutigam der Kirche. Eine Lanze durchbohrt ihn,
den Sohn der Jungfrau. Wir beten dein Leiden an, Christus, es komme deine
Auferstehung. (Nach der byzantinischen Liturgie) Heute erfährt Jesus das Schaudern des am Kreuz ausgespannten Leibes, die
angstvolle Verwirrung der Seele, und die Verachtung der Menschen. Nunmehr ist
er der Bruder der Gefolterten, der Verzweifelten, der Verachteten. Heute erfährt er, der einzig Lebendige, - »ich bin die Auferstehung und das
Leben« (Joh 11,25) - geboren aus der Jungfrau, ohne ihre Jungfräulichkeit
zu verletzen, eine Pein, die über alles Menschenmaß hinausgeht. Eine Torheit für die, die die Weisheit verehren, für uns jedoch Macht Gottes und
Weisheit Gottes (1 Kor 1,23) Jesus, der du die Arme für immer weit ausgebreitet hältst, möge aus deiner
durchbohrten Seite das Wasser der Taufe und das Blut der Eucharistie fließen.
Nur einige Tropfen Blut erneuern die ganze Welt (hl. Gregor Nazianz), das
Morgenlicht des Geistes erhebt sich aus dem gefolterten Leib. Gott mußte für uns Mensch werden und sterben, damit wir wieder leben konnten
(ebd.). Der Baum der Schande wird zum Baum des Lebens, die Achse der Welt, die
all unseren Schmerz sammelt, um ihn dem Feuer des Geistes darzubieten. Dieser Baum erhebt sich von der Erde bis in den Himmel. Leiter Jakobs, Weg der
Engel, seine Frucht hat alles Leben in sich, wir essen davon und wenn wir davon
essen, werden wir nicht sterben (ebd. Osterpredigt).
Gebet
Kreuz Christi, du allein kannst über uns das Urteil sprechen, du allein
offenbarst uns die alles Verstehen übersteigende Liebe Gottes. Kreuz Christi, alleinige Antwort an
Ijob, auf die unzähligen Menschen in der
Geschichte, die wie Ijob sind: dein Anblick bringe alle Auflehnung in uns zum Schweigen und mache allen Haß lächerlich. Kreuz Christi, laß uns in den schwierigsten Augenblicken nicht in Verzweiflung
fallen, sondern uns dir zu Füßen werfen, damit der, der an dir erhöht wurde,
uns alle an sich ziehe in dem Paradox seiner Herrlichkeit.
A.: Vater unser ...
Daß mein Herz von Lieb' entbrenne, daß ich nur noch
Jesus kenne, daß ich liebe Gott allein.
ELFTE STATION Jesus verheißt dem einsichtigen Missetäter sein Reich
V.: Herr, dein Kreuz verehren wir. A.: Undwir bekennen deine Auferstehung.
Aus dem Evangelium nach Lukas (23, 39-43)
Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hίlf dir selbst! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott?
Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten, dieser aber hat nichts Unrechtes getan.
Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir.
Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
Meditation
Unser ganzes Schicksal läßt sich zusammenfassen in dem der beiden Missetäter.
Sie sind keine Fremden für uns. Sie sind wir selbst. Wir haben keine andere
Wahl als zwischen dem auf der rechten und dem auf der linken Seite. Der auf der linken Seite wendet sich mit einer
letzten Versuchung an Jesus:
»Wenn du der Messias bist, so rette dich selbst!« Schon die Priester und
die Soldaten hatten gesagt: »Er soll sich selbst helfen, dann werden wir an
ihn glauben.« Doch während Jesus schweigt; sagt der andere Missetäter zu dem ersten: »Wir
Menschen töten und werden getötet, der Tod ist tief in uns
hineingeschrieben. Aber für Jesus, in dem es nichts Böses gibt, ist der Tod
kein Verhängnis sondern nur ein Tod aus Liebe.« Und der Missetäter, ohne Bewegungsfreiheit ans Kreuz genagelt, bewahrt sich die
letzte Freiheit, die Freiheit des Glaubens, und ruft: »Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!« Vielleicht hat er es erfaßt daß
das Reich nicht erst zu kommen braucht, sondern schon da ist, daß es
Jesus ist in seinem Opfer der Liebe. Es ist da, es ist Jesus: mit dem Vater; der
ein einziger Lebenshauch ist. In Ihm wird die Erde des Leidens zum Paradies. Und Jesus lenkt seinen Blick auf den Missetäter
und sagt: »Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.«
Gebet
Jesus, jeder von uns ist sogleich der fluchende Missetäter und der einsichtige
Missetäter. Herr, ich glaube, aber hilf meinem Mangel an Glauben! Ich bin
festgenagelt an den Tod, es bleibt mir nichts übrig, als zu rufen: »Jesus, denk
an mich, wenn du mit deinem Reich kommen wirst!« Jesus, ich weiß nichts, ich verstehe nichts in dieser Welt der Greuel. Aber du
kommst zu mir, mit offenen Armen, mit offenem Herzen, schon allein deine
Gegenwart ist mein Paradies. Denk an mich, wenn du mit deinem Reich kommen
wirst! Ehre und Lob sei dir, der du nicht die Gesunden, sondern die Kranken aufnimmst,
du, dem ein Bösewicht zum unerwarteten Freund wird, einer, den die Gerechtigkeit
der Menschen verstoßen hat. Schon steigst du hinab in die Unterwelt und
befreist, die sich für verurteilt hielten, und nun zu dir rufen: »Denk an uns,
Herr, wenn du mit deinem Reich kommen wirst!«
A.: Vater unser ...
Heilge Mutter, drück die Wunden, die dein Sohn am Kreuz
empfunden, tief in meine Seele ein.
ZWÖLFTE STATION Jesus am Kreuz, die Mutter und der
Jűnger
V.: Herr, dein Kreuz verehren wir. A.: Und wir bekennen deine Auferstehung.
Aus dem Evangelium nach Johannes (19,26-27)
Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner
Mutter. Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger. Siehe, deine
Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jűnger zu sich.
Meditation
Am Fuß des Kreuzes: Maria und Johannes, die Mutter und der
Lieblingsjünger. Maria, die Mutter Gottes: Sie hat dem Engel ihr Jawort gegeben
und vollkommen frei die Tragödie
unserer Freiheit aufgehoben. In der friedvollen Klarheit ihres Leibes hat sie ein Kind getragen. Und nun durchbohrt ein Schwert ihr Herz. Johannes, der einzige Jünger, der bis ans Ende treu bleibt. Beim letzten
Abendmahl lehnte er seinen Kopf an das Herz des Meisters, an das Herz der Welt.
Er bewahrte seine letzten Worte von der Einheit Jesu mit dem Vater, und die
Verheißung des Heiligen Geistes. Frau, sagt.Jesus. Frau: In ihr ist alle Fraulichkeit, alle
Zärtlichkeit, alle Schönheit. Starke Frau voll Würde, die du all das in deinem
Herzen bewahrst, dein auferstandener Sohn wird den Augen der Menschen
entschwinden, aber sieh, du hast einen Sohn in deinem Sohne. Hüterin dieser
Adoption, Mutter aller Menschen, sei gegrüßt, Gnadenvolle, der Herr ist mir dir. Und Johannes nimmt sie in sein Haus auf, in seine Liebe, schweigend ist sie nun
da, im großen Schweigen der Anbetung. Möge sie so in unseren Häusern sein, die
Mutter aller Treue, aller Zärtlichkeit. Möge sie so im Haus der Welt sein, die
Erde unermeßlicher Fruchtbarkeit. Das ist der Anfang der Kirche, geboren aus dem Holz des Kreuzes. Wie ein erstes
Pfingsten, als Jesus, sein Haupt neigend, den Geist aushauchte.
Gebet
Jesus, durch den Vater Sohn des Himmels, durch die Mutter Sohn der Erde, mache
uns zu Kindern der Erde und des Himmels durch die Fürbitte der Gottesmutter. Jesus, eine Lanze hat deine Seite durchbohrt, vielleicht auch dein Herz. Und
dir, Maria, zerreißt ein Schwert das Herz. Herr, nimm auch uns in diesen
qualvollen Austausch hinein durch die Fürbitte der Gottesmutter. Jesus, Sohn der Jungfrau, mache uns, wie den Jünger, den du liebtest, zu Zeugen des Lichtes
und des Lebens, Zeugen für das Licht des Lebens, durch die Fürbitte der Gottesmutter.
A.: Vater unser ...
Sah ihn trostlos und verlassen an dem blutgen Kreuz erblassen, ihren lieben, einzgen
Sohn.
DREIZEHNTE STATION Jesus stirbt am Kreuz
V i Herr, dein Kreuz verehren wir. A.: Und wir bekennen deine Auferstehung.
Aus dem Evangelium nach Markus (15, 34.36-37)
Und in der neunten Stunde rίef Jesus mit lauter Stimme: Eloi, Eloi, 1ema sabachtani? das
heißt übersetzt. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Einer lief hin, tauchte einen Schwamm in Essig,
steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken. Jesus aber schrie laut
auf. Dann hauchte er den Geist aus.
Meditation
Jesus, das menschgewordene Göttliche Wort ist bis zur äußerstenGrenze gegangen, an
die die verlorene Menschheit gelangenkonnte. »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«
Unendlicher Abstand, maßlose Qual, Wunder der Liebe. Zwischen Gott und Gott, zwischen den Vater und den menschgewordenen Sohn stellt sich
unsere Verzweiflung, mit der Jesus bis auf den Grund solidarisch sein will. Abwesenheit Gottes: Das ist die Hölle. »Mich dürstet«, sagt Jesus noch, ein Echo des
Psalmwortes: »Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, die Zunge klebt mir am Gaumen, du
legst mich in den Staub des Todes« (Ps 22/21,16). Gott dürstet nach demMenschen, doch derMensch flieht vor ihm, er errichtet eine
Trennmauer. Jesus, angenagelt an diese Mauer, sagt: »Mich dürstet, und es wird ihm
Essig gegeben. Die ewige Umarmung des Vaters und des Sohnes wird zum Abstand zwischen Himmel und Hölle. »Eloi,
Eloi, 1ema sabachtani?« Als ob, für einen Augenblick, der gekreuzigte Gott zum Gottlosen geworden wäre. In diesem Augenblick ereignet sich derUmschwung. Der menschliche Wille in Jesus stimmt,
wie in Getsemani, zu. »Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist« (Lk 23,46). Der Abgrund der Verzweiflung
verschwindet wie ein lächerlicher Tropfen Haß im unermeßlichen Abgrund der Liebe.
Zwischen Vater und Sohn erstreckt sich nicht mehr die Hölle, sondern da ist der Heilige Geist.
Gebet
Jesus, du hast dich selbst entäußert und Knechtsgestalt angenommen bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz (vgl. Lk 23,46). Lehre uns am Tag der Angst oder der
Todesnot sagen: »Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.« Nun sind Himmel, Erde und Unterwelt voll Licht (vgl. Ostermatutin der byzantinischen Liturgie).
Nichts kann uns von dir trennen. »Wohin könnte ich fliehen vor deinem Geist?
Steige ich in die Unterwelt, bist du zugegen« (Ps 139/138,7.8). Geopferter Hirte, nimm uns auf deine Schultern, um uns zum Vater
zurückzubringen. Möge der am meisten gepeinigte Ungläubige in dir schließlich
die Antwort finden. Lob dir, Jesus, unser Gott: Du verwandelst das Kreuz der Hoffnungslosigkeit in
das österliche Kreuz.
A.: Vater unser ...
Unterm Kreuz mit dir zu stehen, unverwandt hinaufzusehen, ist es, was mein Herz
begehrt.
VIERZEHNTE STATION Jesus wird ins Grab gelegt
V.: Herr, dein Kreuz verehren wir. A.: Und wir bekennen
deine Auferstehung.
Aus dem Evangelium nach Markus (15,46)
Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und
legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war.
Meditation
Ein Josef hat dich beschützt, als du noch Kind warst.. Ein anderer
Josef löst dir behutsam die Nägel aus dem Kreuz. Seinen Händen bist du mehr
überlassen als ein Kind den Händen seiner Mutter. Er legt die Reliquie deines
makellosen Leibes in den Schoß des Felsens. Der Stein wird davorgerollt, alles ist still. Es ist der geheimnisvolle Samstag.
Alles schweigt die Schöpfung hält den Atem an. In die völlige Leere der Liebe steigt Christus hinab. Aber als Sieger. Er glüht vom Feuer des Geistes. Bei seiner Berührung lösen sich die Bande der
Menschheit auf. O Leben, wie kannst du sterben? Ich sterbe, um die Macht des
Todes zu zerstören und die Toten aus der Unterwelt aufzuerwecken (vgl. byzantinische Liturgie).
Alles schweigt. Aber der große Kampf ist zu Ende.. Besiegt ist der, der entzweit
Unter der Erde, in der Tiefe unserer Seelen, hat sich ein Feuerfunke
entzündet. Ostervigíl. Alles schweigt Aber voll Hoffnung. Der letzte Adam reicht dem
ersten Adam die Hand. Die Muttergottes trocknet Evas Tränen (ebd.). Rings um den
Todesfelsen blüht der Garten auf.
Gebet
O mein Befreier, ich war weit von dir weg geflohen in die tödliche Härte des
Felsens. Aber du zerbrichst jede Schranke und nimmst alle Gefangenen mit, die
Gefangenen ihrer selbst und des Teufels. Du führst sie dem anbrechenden
Ostermorgen, entgegen, denn die Liebe ist stark wie, der Tod (vgl.
Hld 8,6). Ich halte meine Seele in Frieden und Schweigen, wie ein
kleines Kind sich an die Brust seiner Mutter schmiegt (vgl. Ps 131/130,2). Ich weiß,daß du mich finden wirst. Königlicher
Jesus, leuchte auf in der Finsternis, du Fackel des Lebens! Das
Schweigen vibriere von deiner Gegenwart, die Welt sei nicht mehr als ein leeres
Grab! Die beiden Adam erkennen sich gegenseitig im Licht, in den Gräbern gibt
es keine Toten mehr. Christus ist von den Toten erstanden, durch den. Tod macht
er den Tod zunichte. Denen, die in den Gräbern sind, bringt er das Leben. (vgl.
byzantinische Liturgie).
A.: Vater unser ...
Jesus, wann mein Leib wird sterben, 1aß dann meine Seele erben deines Himmels Seligkeit. Amen.
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