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16 - 10.10.2005
INHALT
♦ ZWÖLFTE GENERALKONGREGATION (MONTAG, 10. OKTOBER 2005 -
NACHMITTAG)
♦ ZWEITE PRESSEKONFERENZ
♦ ZWÖLFTE GENERALKONGREGATION (MONTAG, 10. OKTOBER 2005 -
NACHMITTAG)
● BEITRÄGE IN DER AULA (FORTSETZUNG)
Um 16.30 Uhr hat heute, am Montag, den 10. Oktober 2005, mit dem
Gebet Pro Felici Synodi Exitu die zwölfte Generalkongregation zur
Fortsetzung der Beiträge der Synodenväter in der Aula zum
Synodenthema Die Eucharistie: Quelle und Höhepunkt des Lebens und
der Sendung der Kirche begonnen.
Turnusmäßiger Delegierter Präsident S. Em. Kardinal Francis ARINZE,
Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die
Sakramentenordnung.
● BEITRÄGE IN DER AULA (FORTSETZUNG)
Bei dieser zwölften Generalkongregation haben folgende Väter das
Wort ergriffen:
- Bf. Mons. François-Xavier YOMBANDJE, Bischof von Bossangoa,
Präsident der Bischofskonferenz (zentralafrikanische Republik)
- Kardinal Ivan DIAS, Erzbischof von Bombay (Indien)
- Mons. P. Abt. Andrea PANTALONI, O.S.B. Silv., Generalabt der
Kongregation Silvestiner Benediktinerinnen
- Kardinal Julián HERRANZ, Präsident des Päpstlichen Rates für die
Gesetzestexte (VATIKANSTADT)
- Bf. Mons. Joseph Anthony ZZIWA, Bischof von Kiyinda-Mityana
(Uganda)
- Bf. Mons. Johannes Gerardus Maria van BURGSTEDEN, S.S.S.,
Titularbischof von Tibili, Weihbischof von Haarlem (Niederlande)
- Bf. Mons. Adalberto MARTÍNEZ FLORES, Bischof von San Lorenzo
(Paraguay)
- Bf. Mons. Albino MAMEDE CLETO, Bischof von Coimbra (Portugal)
- Bf. Mons. Nicholas CHIA, Erzbischof von Singapur, Präsident der
Bischofskonferenz (Singapur, Singapur)
- P. John CORRIVEAU, O.F.M. Cap., Generalminister des
Franziskanerordens der Kleineren Brüder der Kappuziener
- Bf. Mons. Alfredo Víctor PETIT VERGEL, Titularbischof von
Buslacena, Weihbischof von San Cristóbal de La Habana (KUBA)
- Bf. Mons. Karl-Heinz WIESEMANN, Titularbischof von Macriana
minore, Weihbischof von Paderborn (Deutschland)
- Bf. Mons. Cornelius Kipng'eno ARAP KORIR, Bischof von Eldoret,
Präsident der Bischofskonferenz (Kenya)
Hier im Folgenden die Zusammenfassungen der Beiträge:
- Bf. Mons. François-Xavier YOMBANDJE, Bischof von Bossangoa,
Präsident der Bischofskonferenz (zentralafrikanische Republik)
Ich gehe von der Feststellung bei Nr. 3 des Instrumentum Laboris
aus: “...sehnt sich die Welt trotz Schwierigkeiten und Widersprüchen
aller Art nach dem Glück und verlangt nach dem Brot des Lebens der
Seele und des Leibes”.
Unsere Eucharistiefeiern sind Momente des Festes, der Begegnung, wo
der Sinn des Heiligen dem, was man so erlebt, Tiefe gibt.
Leider kann eine Kategorie unserer Gläubigen nicht vollständig mit
der Quelle dieses Lebens kommunizieren, wenn sie auch die wunderbare
Erinnerung daran behalten, die sie in ihrem christlichen Einsatz
unterstützt. Die Sekten und andere suchen immer unter unseren besten
Christen, die sich in ihrem Leben in Schwierigkeiten befinden,
zukünftige Adepten. Vielleicht ist es Zeit, an einen pastoralen Weg
zu denken, der sie vor dem nicht wieder Gutzumachenden bewahrt.
Auf dass ihr ungestillter Hunger nach dem Brot des Lebens sie nicht
dazu antreibe, anderswo zu suchen, was sie bei uns zu finden nicht
mehr hoffen können.
[00212-05.02] [IN176] [Originalsprache: Französisch]
- Kardinal Ivan DIAS, Erzbischof von Bombay (Indien)
Jedesmal wenn ein Priester die Heilige Messe feiert, muss die
mystische Dimension des eucharistischen Geheimnisses sichtbar
werden. Es gibt Unmengen unsichtbarer Zeugen, die ihn umgeben, wenn
er das höchste Opfer Jesu am Kreuz erneuert. In jeder Feier der
heiligen Messe müssen der Zelebrant und seine Versammlung sich der
“Gemeinschaft der Heiligen” bewußt sein, die den Glauben, die
Hoffnung und die Liebe aller Glieder der universalen Kirche eint:
der erwartungsfrohe Glaube des Volkes Gottes auf der Erde, die
Hoffnung der heiligen Seelen im Purgatorium und die Liebe derer, die
den Thron des allmächtigen Gottes umgeben. Das heilige Opfer der
Messe verschmilzt das Magnificat der Heiligen Jungfrau Maria mit dem
Halleluja und dem Hosanna der Engel und Heiligen im Himmel, dem
Kyrie eleison der heiligen Seelen im Purgatorium und dem Maranatha
der Gläubigen auf der Erde.
Die Anbetung des Allerheiligsten ist allen zugänglich, sogar den
Katholiken, die aus irgendwelchen Gründen Jesus Christus in der
Heiligen Kommunion nicht empfangen können, und Personen anderer
Glaubensrichtungen. In den Synodensitzungen wurde unter den anderen
Schatten auf der Kirche von heute auch die immer geringer werdende
Anzahl derer, die in die Kirche gehen, das Desinteresse angesichts
der sakramentalen Beichte und der Mangel an Katechesen erwähnt.
Dieser Probleme mußte sich die Kirche schon immer stellen, wenn auch
in anderer Weise. Andererseits hatte die Kirche auch Personen, die
mit solchen Situationen in einer Art umgingen, die uns alle auch
noch heute inspirieren kann. Jeder kennt die Heiligkeit des Pfarrers
von Ars, des großen Apostels des Beichtstuhls, Jean-Marie Vianney,
und des Erzbischofs Fulton Sheen, des großartigen Redners, der
Millionen Menschen mit seinen Radio- und Fernsehübertragungen
erreichte. Das Geheimnis ihres großen Erfolges waren die vielen
Stunden, die sie im Gebet vor dem Allerheiligsten verbrachten. Sie
können also exemplarische Modelle für die Priester und Bischöfe von
heute darstellen.
Es gibt ein chinesisches Sprichwort, das besagt: anstatt das Dunkel
zu verfluchen, entzünde eine Kerze. Da wir in das Dunkel des
moralischen und spirituellen Bösen, das uns umgibt, eingetaucht
sind, wäre es nicht wunderbar, wenn die Bischöfe und Priester der
ganzen Welt eine Stunde am Tag in Gebet und Anbetung vor dem
Allerheiligsten verbrächten, um für sich selbst, für die ihrer
pastoralen Sorge anvertrauten Gläubigen und für die Bedürfnisse der
Weltkirche einzutreten? Ihre Herde würde sicherlich erbaut und
ermutigt werden, wenn sie ihre Hirten das, was sie über die Anbetung
der Heiligen Eucharistie predigen, in die Praxis umsetzen sehen.
Papst Paul VI. hat mit Verstand gesagt, dass “unsere Zeitgenossen
lieber den Zeugen als den Lehrern zuhören und wenn sie den Lehrern
zuhören, dann nur, weil diese Zeugen sind”.
[00217-05.02] [IN181] [Originalsprache: Englisch]
- Mons. P. Abt. Andrea PANTALONI, O.S.B. Silv., Generalabt der
Kongregation Silvestiner Benediktinerinnen
Ich beziehe mich insbesondere auf die Nr. 68 und 69.
Für mich ist es wichtig zu unterstreichen, dass das eucharistische
Geheimnis seinen Ursprung und seine Basis in der Passion, dem Tod
und der Auferstehung Christi findet. Ein historisches Faktum. Ich
lege nahe, dass die Synode die Gewissheit des Glaubens an die
Auferstehung des Fleisches für die Gläubigen, die den Leib des Herrn
essen und Sein Blut trinken, stärke. “Wer aber dieses Brot isst,
wird leben in Ewigkeit.”(Joh 6, 58).
Die Väter der Kirche, die davon überzeugt waren, schreiben darüber.
Der Hl. Kyrill von Alexandrien im “Kommentar zum
Johannesevangelium”, Buch 10: “Eben jener Retter sagt: “Wer mein
Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe
in ihm” (Joh 6, 56). Die weitreichende Bedeutung dieser Aktion ist
der Aufmerksamkeit wert: Christus sagt nicht, dass er lediglich
wegen einer gewissen affektiven Beziehung in uns komme, sondern auch
wegen einer Teilnahme der Natur. In der Tat, wie wenn jemand über
dem Feuer zwei Wachsteile miteinander verschmilzt, so aus zweien
eines macht, in gleicher Weise werden wir durch die Kommunion mit
dem Leib Christi und mit seinem kostbaren Blut eins, er in uns und
wir in ihm. Es kann nicht auf andere Weise belebt werden, was durch
seine Natur vergänglich ist, wenn nicht durch körperliche
Vereinigung mit dem, der durch seine Natur das Leben ist, d.h. mit
dem Eingeborenen Sohn”.
Die Heiligen erlebten das Eucharistiegeheimnis mit der Idee der
Auferstehung. “...dilectus Domini Benedictus, corpore et sangui ne
Dominico munitus, ..., erectis in coelum manibus, inter verba
orationis spiritum efflavit,...”. Es ist gleichermaßen Gebet und
Lob, das die über 4o.ooo Frauen und Männer, die Anhänger der
Benediktinerregel in der ganzen Welt sind, auch heute noch jeden Tag
beten.
In den Nr. 68 und 69 und im ganzen Instrumentum Laboris ist die
Eschatologie im Schatten. “Das Warten auf den Herrn” ist der Titel,
aber dann spricht man nicht vom Tod als Übergang in die Ewigkeit;
vom Viatikum als Unterpfand der zukünftigen Auferstehung des
Fleisches...In Nr. 9 spricht man von dem “christlichen Sinn des
Lebens”, aber dann ist kein Verweis auf die Auferstehung im Fleisch
des Gläubigen. Ich teile folglich die Unzulänglichkeit des
Instrumentum Laboris hinsichtlich der Eschatologie, die in No. 68
ausgedrückt ist. Diese Unzulänglichkeit stellt die Notwendigkeit
heraus, aus der Proklamation der Auferstehung und aus der
Glaubenssicherheit an unsere persönliche Auferstehung einen
Brennpunkt der Synode zu machen. Das Essen des Fleisches und das
Trinken des Blutes Christi - ist “würdevoll”, schreibt der Hl.
Paulus, das Unterpfand, das Prinzip und der sichere Same der
Auferstehung unseres Fleisches. Es ist die Sendung der Kirche, diese
Auferstehung des Fleisches zu verkündigen, der ganze Rest reduziert
sich auf herzlich wenig, es wird nie das Evangelium sein.
Auch die Welt strebt in diesem Jahre des Herrn 2005 zum Glück und
zum Brot des Lebens der Seele und des Leibes trotz der
Schwierigkeiten und Widersprüche verschiedener Natur. Das Fehlen und
die Schwäche des Glaubens führen zu der Kreierung neuer Götzen.
Nicht nur der Mensch, sondern die gesamte Schöpfung wartet auf die
neuen Himmel und die neue Erde und die Vereinigung aller Dinge, auch
die der Erde, in Christus. Ich bin der Meinung, dass das
Hauptproblem der Menschen von heute vor allem die Sorge ist, ob nach
dem Tode etwas sein wird! Und das ist wahrlich das Eigentliche des
Christentums: die Auferstehung des Fleisches, die die Eucharistie
verkündet und darbietet.
Andere Probleme, wie z.B. die Ökologie, sind wichtig, aber - bei der
Synode - dienen sie, um die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen
abzubringen. Ich würde es nicht für opportun erachten, sie mit der
Eucharistie zu verbinden, sie könnten die Aufmerksamkeit irreleiten.
Jenes Eigentliche kann und muss das Christentum der Welt darbieten.
Wenn man nicht die Beziehung Eucharistie/Auferstehung des Fleisches
versteht, besteht die Gefahr einer oberflächlichen und geschlossenen
Verehrung oder eines Philanthropismus, der wenig gemein hat mit
wirklicher Evangelisation - der fröhlichen Verkündigung des Lebens,
das nicht stirbt -
folglich mit sehr wenig oder keinem missionarischen oder
evangelisierenden Antrieb. Die anderen zu “retten”, heißt, dafür
Sorge zu tragen, dass sie Kenntnis nähmen von und glaubten an das
Leben, das nicht endet, dass sie glaubten an Den, den der Vater
gesendet hat, damit wir das Leben hätten und es im Überfluss hätten.
Das oberste Ziel der Eucharistie ist zu verkündigen und das
Evangelium der Auferstehung des Fleisches ab jetzt lebendig werden
zu lassen. Wenn man dieses Evangelium den Leuten nicht darbietet,
interessiert die Eucharistie nicht oder wird Magie oder verschließt
sich zu steriler sentimentaler Anbetung. Aber die Evangelisation
muss darüber hinaus gehen, und zu jenem Darüberhinaus wird die
verstandene, geglaubte, empfangene und als Saat des Ewigen Lebens,
der Unsterblichkeit gelebte Eucharistie mit Macht antreiben.
Deshalb bitte ich demütig hinsichtlich der Eschatologie:
1.- eine oder zwei Schluss-“propositiones” ihr zu widmen;
2.- sie in der Botschaft zu aufzugreifen.
[00219-05.09] [IN183] [Originalsprache: Italienisch]
- Kardinal Julián HERRANZ, Präsident des Päpstlichen Rates für die
Gesetzestexte (VATIKANSTADT)
Der Heilige Vater hat in seiner anrührenden Betrachtung am ersten
Tag der Synode 5 Imperative von Paulus im Brief an die Korinther
glossiert. Zwei davon möchte ich in Erinnerung rufen in Verbindung
mit dem Grundrecht der Gläubigen auf die Heilige Eucharistie, und
einen in Bezug auf unsere diesbezügliche Pflicht als Hirten.
Der erste Imperativ war: “Gaudete”, denn - so erinnerte der Papst
“der Herr ist jedem von uns nahe. Für jeden von uns sind die Worte
der Offenbarung wahr: Ich klopfe an deine Türe, höre auf mich, öffne
mir”. Welche Freude für die Seele, als höchste Manifestation dieser
göttlichen Liebe das unschätzbare Geschenk der Eucharistie zu
empfangen!
Sicherlich kann man ein Geschenk nicht verwechseln mit einem Recht.
Die Menschen haben gegenüber Gott keinerlei Recht, die Eucharistie
zu empfangen, gerade deshalb, weil sie ein Akt unendlicher Freiheit
und Barmherzigkeit ist. Aber nachdem einmal Gott der Kirche die
Sakramente zum Wohl seines Volkes gegeben hat, erfreuen (“gaudere”)
sich alle Gläubigen des folgenden Rechts, das im can. 213 des Kodex
des Kirchenrechts mit denselben Worten der Konstitution Lumen
Gentium Nr. 37 formuliert ist: “Die Laien haben wie alle
Christgläubigen das Recht, aus den geistlichen Gütern der Kirche,
vor allem die Hilfe des Wortes Gottes und der Sakramente, von den
Heiligen Hirten reichlich zu empfangen”. Und was konkret die Heilige
Eucharistie betrifft, sagt can. 912: “Jeder Gläubige, dem es nicht
von Rechtes wegen verboten ist, kann und muss zur Heiligen Kommunion
zugelassen werden”.
Wie man sieht, handelt es sich um ein grundlegendes, aber nicht ein
absolutes Recht, wie einige denken. Es gibt in der Tat persönliche
Voraussetzungen, die ein solches Recht begrenzen. Die Notwendigkeit,
im Stande der Gnade zu sein, um die Heilige Kommunion zu empfangen
(vgl. 1Kor 11,27; CIC, can. 916), die über den Intessierten urteilen
muss, hat auch einige äußerliche Erscheinungsformen, welche die
Heiligen Hirten miteinbeziehen. Dies ist so im Falle - wie im can.
915 und in der Enz. Ecclesia der Eucharistia erinnert - eines
äußerlichen Verhaltens, das der Norm der Moral in schwerer,
offenkundiger und dauernder Weise widerspricht (Nr. 37), was die
Zulassung zur eucharistischen Kommunion verhindert. Diese Norm
betrifft eine große Verschiedenheit irregulärer Fälle: Allen diesen
muss aber mit liebevoller Geduld und pastoralem Eifer gefolgt
werden, um zu versuchen, sie zu regulären zu machen, und um zu
verhindern, dass irgendein Gläubiger sich von der Kirche entfernt
oder sich gar als exkommuniziert betrachtet allein aufgrund der
Tatsache, nicht die Kommunion empfangen zu können. Dieser Gedanke
führt zum zweiten Imperativ, “perfecti estote”, den der Helige Vater
glossiert hat: “Manchmal erscheint die Seele wie ein
Musikinstrument, bei dem leider einige Saiten gerisssen sind,
weshalb die Musik Gottes, die von der Tiefe der Seele erklingen
müsste, nicht gut erhallen kann (...) Dieser Imperativ kann eine
Einladung zur Gewissensprüfung sein und auch eine Einladung zum
Sakrament der Versöhnung, bei dem Gott selbst dieses Instrument
repariert.”
Der dritte Imperativ war “exhortamini invicem”. Der Heilige Vater
sagte mit Bezugnahme auf unsere Verantwortung bei der pastoralen
Leitung: “Die brüderliche Zurechtweisung ist ein Werk der
Barmherzigkeit”. Vielleicht müssen wir, liebe Brüder, empfänglicher
sein für die richtigen Anfragen der Gläubigen, die ihren Hunger nach
der Eucharistie ausdrücken. Denn viele beklagen, dass sie fast nie
Beichtväter finden können - obwohl es an Priestern in der Pfarrei
nicht mangelt -; sie bringen liturgische Missbräuche und entweihende
Banalitäten bei den Eucharistiefeiern vor; sie leiden, weil - im
Widerspruch zu den kirchenrechtlichen Normen zum öffentlichen Kult -
die Kirchen außerhalb der gemeinschaftlichen Feiern immer
geschlossen sind und sie sich nicht in Anbetung vor dem
Allerheiligsten aufhalten können, usw. Weil die Gerechtigkeit darin
besteht, jedem das zu geben, was ihm zusteht (“unicuique suum
tribuere”), bitten wir die Gottesmutter - Speculum laetitiae - uns
zu helfen, unseren Laienbrüdern die Ausübung ihrer Rechte zu
garantieren: zum Wohl ihrer Seelen, aber auch zum Wohl der
apostolischen Kraft des gesamten Gottesvolkes.
[00221-05.03] [IN185] [Originalsprache: Italienisch]
- Bf. Mons.
Joseph Anthony ZZIWA, Bischof von Kiyinda-Mityana (Uganda)
Ich nehme Bezug auf die sonntägliche Messe und den Sonntag als
vorgeschriebenen Feiertag, als Ruhetag für die Christen (vgl.
Instrumentum laboris Nr. 6 und 70).
Von der Bevölkerung Ugandas sind ca. 80 % Christen und von diesen
sind ca. 42 % katholisch. Die Muslime machen ca. 10 % der
Bevölkerung aus. Die Verfassung von Uganda anerkennt und garantiert
die Religionsfreiheit.
Wir sind Gott für lebendige und kraftvolle Kirche in Uganda dankbar.
Am Sonntag - dies Domini - gehen viele Katholiken in die Kirche, um
die Eucharistie zu feiern. In fast allen Pfarrkirchen werden am
Sonntag zwei Messen gefeiert und die Kirchen sind im Allgemeinen
überfüllt. Einige Christen müssen Distanzen von 5, 10 km hinter sich
lassen, um den Ort der Zusammenkunft (Kirche) zu erreichen, an dem
die sonntägliche Messe gefeiert wird. Man kann mit Sicherheit sagen,
dass die Katholiken in Uganda das sonntägliche Gebot, was die
Liturgie betrifft, einhalten.
Jedoch steht dieser guten Gewohnheit die Herausforderung gegenüber,
dass am Sonntag gearbeitet wird. Während am Sonntagmorgen die
Christen zur Messe gehen, kehren viele von ihnen nach der
Zelebration der Messe nach Hause zurück und verrichten ihre Arbeit,
wie auch an anderen Tagen in der Woche. Auch wenn die Priester
lehren, dass der Sonntag der Tag des Herrn ist, der Tag der
Erholung, sagen heute viele Laienchristen: “Ich habe die Pflicht
erfüllt am Sonntag zur Messe zu gehen, aber nachher muss ich
arbeiten, um mir mein tägliches Brot zu verdienen”. Das gilt wohl am
meisten für die Landwirte, die auf ihren Plantagen arbeiten und für
die Geschäftsleute, wie etwa Geschäftsinhaber in Einkaufszentren
(kleinen Städten).
Diese Personen werden irgendwie angetrieben oder gedrängt von einer
anderen Kategorie von Personen, am Sonntag zu arbeiten, da diese
sonntägliche Arbeit im allgemeinen von der Gesellschaft als normal
betrachtet wird. Man betrachte zum Beispiel die Taxifahrer, die
Eigentümer der Restaurants, die Fischer und die Studenten (vor allem
jene der Internate, die am Sonntag in die Bibliotheken gehen, um die
Texte zu lesen).
Paradoxerweise sind es die Reichen und die Wohlhabenden, von denen
einige noch nicht einmal in die Kirche gehen, welche sich am Sonntag
wirklich ausruhen können. Sie stehen spät auf, schauen Stunden fern,
gehen ins Kino oder ins Theater, sie treffen sich mit Freunden...
In dieser Lebenssituation taucht das pastorale Bedürfnis auf, wieder
die Lehre zur Achtung des Sonntags als einen verpflichtenden
Feiertag zu beteuern, als Ruhetag für die Christen.
[00222-05.02] [IN186] [Originalsprache: Englisch]
- Bf. Mons. Johannes Gerardus Maria van BURGSTEDEN, S.S.S.,
Titularbischof von Tibili, Weihbischof von Haarlem (Niederlande)
Im Jahr 2000 leben wir in einer Welt, in der die Kultur des Bildes
vorherrschend ist. Einerseits bedeutet dies, dass gut gepflegte
Liturgien entsprechend den ästhetischen Kanons in den Menschen
Interesse auslösen können. Andererseits müssen wir feststellenn, das
es keinen massenhaften Zulauf zu den sonntäglichen Eucharistiefeiern
gibt (in den Niederlanden im Durchschnitt 10 %). Die Weise, in der
das Geheimnis der Eucharistie erklärt wird, bezieht sich auf ein
Bild aus philosophischen Begriffen, die dem modernen Menschen fremd
erscheinen. Deshalb kann die Aufmerksamkeit der Menschen für den
Inhalt - die Lehre- nur unter großen Schwierigkeiten erregt werden.
Die Praxis der religiösen Feier ist für den modernen Menschen oft
keine Quelle der Inspiration. Das Gleichgewicht zwischen Inhalt und
Erfahrung, zwischen Theorie und dem Gelebten zu finden, scheint mir
eine der größten Herausforderungen zu sein, denen wir uns stellen
müssen..
Um dieses Gleichgewicht zu finden und um die Eucharistiefeier näher
an den modernen Menschen heranzubringen, sind meiner Meinung nach
wenigstens die folgenden drei Punkte bedeutsam:
1. Die Katechese dauert um den Mittelpunkt und den Höhepunkt unseres
Glaubens herum an. Eine eucharistische Katechese ist von Natur aus
eine christozentrische Katechese. Er selbst ist das Herz und der
Höhepunkt unseres Glaubens. Wir bekennen tatsächlich seinen Tod und
seine Auferstehung als mysterium fidei. Eine andauernde
eucharistische Katechese muss deshalb eine österliche Katechese
sein, weil von ihr Jesus Christus wiedererkannt wird, wie von den
Jüngern von Emmaus, im Brechen des Brotes, in der fractio panis.
2. An zweiter Stelle verdient die würdige Feier der Eucharistie
unsere Aufmerksamkeit. Hier tragen sowohl die Zelebranten als auch
die Gläubigen eine große Verantwortung. Mit würdiger Feier meine
ich, dass die Regeln und Verzeichnisse treu befolgt werden. Zusammen
mit dieser Einstellung muss man auch betonen, dass die wahre Würde
vor allem anderen, von der inneren Empfänglichkeit sowohl der
Gläubigen als auch der Zelebranten abhängt. In der Sakristei einer
alten Kirche in den Niederlanden las ich einmal diesen Text: “Feiere
diese Heilige Messe, als wenn es Deine erste, einzige und letzte
wäre”. Dieser Text ließ in mir die Idee aufkommen, dass es nicht
schlecht wäre, ihn auch an die Hauptpforte der Kirche zu hängen.
3. Als dritten und letzten Punkt möchte ich die Anbetung des
Allerheiligsten erwähnen. Mir ist bekannt, dass in unseren Gebieten
sich der eucharistische Kult in wachsender Weise auf die Feier der
Eucharistie beschränkt. In der Vorstellung der Gläubigen wird die
aktive Teilnahme an einer Eucharistiefeier fast ausschließlich auf
den Empfang der Kommunion reduziert. Das eucharistische Fasten, die
feierliche Aussetzung des Allerheiligsten, aber auch die stille
Anbetung vor dem Tabernakel können uns sehr dabei helfen, den
Wunsch, uns mit Christus zu einen, wachsen zu lassen. Auf solche
Weise tragen diese Formen dazu bei, die Eucharistie ein sacramentum
unitatis par excellence werden zu lassen.
[00195-05.02] [IN164] [Originalsprache: Italienisch]
- Bf. Mons. Adalberto MARTÍNEZ FLORES, Bischof von San Lorenzo
(Paraguay)
Als Frucht der Feier und des Teilens der Eucharistie brachten die
ersten christlichen Gemeinschaften ihre Gaben vor, um die Nöte der
Bedürftigsten zu lindern (vgl. 1Kor 16,1).
Ich komme aus einem Land, dessen Boden im Laufe seiner Geschichte
durch das Blut der christlichen Märtyrer getränkt wurde, das
fruchtbar war und den Glauben an den Herrn und den Einsatz in seiner
Kirche reichlich wachsen ließ. Ein Beispiel für die Verteidigung der
Gerechtigkeit und der Gleichheit für die Ureinwohner war das Leben
und das Zeugnis des hl. Rocco González de Santa Cruz, dem ersten
Heiligen Paragauys zusammen mit Alfonso Rodríguez und Juan del
Castillo; er wurde von Johannes Paul II. im Jahr 1988
heiliggesprochen. Noch heute wird (in der Kapelle der Märtyrer) das
Zeugnis seines als Opfer verbranntenen und zerrissenen Herzens
aufbewahrt als sprechende Reliquie der Barmherzigkeit dessen, der
fähig war, sein eigenes Leben für seine Geschwister, für die Ärmsten
und Ausgeschlossenen, hinzugeben. Ein solches gemartertes Herz, ein
Herz aus Fleisch, das Eucharistie geworden ist, kann nicht anders,
als Früchte des Lebens, des Lichts, der Bekehrungen hervorzubringen
als Beispiel und Weg, die uns herausfordern und uns zum Erlöser und
Herrn des Lebens hinführen.
In unserer Nation gibt es bis heute schwere Situationen der
Ausgrenzung aufgrund der sozialen Ungerechtigkeit, der mangelnden
Möglichkeit des Zugangs zur medizinischen Versorgung, der
ungerechten Verteilung der Güter und des Bodens, der Herabsetzung
der Würde des menschlichen Lebens, der Arbeitslosigkeit, der
Korruption und der wachsenden Armut, die vor allem Frauen,
Jugendliche und Kinder treffen, welche das stille Martyrium der
Sklaverei, der Ungerechtigkeit und der Naturkatastrophen erleiden.
Gleichzeitig stellen wir heroische Bemühungen von Christen fest -
Männern und Frauen -, die sich in ihren Gemeinden für die Sache der
Bedürftigsten einsetzen.
Die in unseren Gemeinden mit großer Anteilnahme gefeierten, tief
empfundenen und fröhlichen Messen stellen vorzügliche Orte der
Geschwisterlichkeit dar, Gelegenheiten, um Körbe mit Lebensmitteln,
Medikamenten, Kleidern und anderen Dingen zu sammeln und zu füllen
durch die gebrachten Gaben, um dann unter den Bedürftigen verteilt
zu werden. Es entstehen um den Altar herum Initiativen der
Solidarität, um die ausgesetzten Kinder aufzunehmen, Heime und
Mensen zu errichten, um sie zu ernähren, Inititiativen der
Förderung, die auf die Selbstverwaltung, die Unterstützung und
Entwicklung der Familien in ihren wirtschaftlichen Nöten
ausgerichtet sind. Die Eucharistie ist also das vorzügliche
Sakrament als Ort und Quelle der sozialen Solidarität.
Auf der anderen Seit müssten wir, wenn wir unseren Blick weiten, als
Kirche heute mehr denn je absolut und mit größerem Einsatz die
Dringlichkeit einer weltweiten Umkehr (metanoia) angehen, um in der
sozialen Solidarität zu wachsen und gegen die furchtbare und
dringende Geißel des Hungers in der Welt zu kämpfen. Das II.
Vatikanische Konzil bekräftigt: Mit vielen Personen, die derzeit in
der Welt vom Hunger unterdrückt werden, bittet das Heilige Konzil
eindringlich alle, gewöhnliche Leute und Autoritäten, sie mögen sich
jenes Satzes der Kirchenväter erinnern: “Gib dem zu essen, der vor
Hunger stirbt, denn wenn du ihm nicht zu essen gibst, tötest du
ihn”. In Gehorsam zum Auftrag des Herrn:”Gebt ihnen zu essen” (vgl.
Mk 6,37), können wir nur beten, ermahnen und arbeiten für ein
Pfingsten der Solidarität auf dem ganzen Planeten, mit einer
Vermehrung der Gaben des Brotes und der Medikamente, um den durch
Hunger und Krankheiten ernsthaft vom Aussterben bedrohten Völkern zu
helfen. Als Frucht dieser Synode möchte ich darum bitten, dass
dieses Projekt mit größerer Energie und Entschiedenheit angegangen
werde.
Johannes Paul II. sagt uns in Mane Nobiscum Domine: Die Eucharistie
ist nicht nur Ausdruck der Gemeinschaft im Leben der Kirche; sie ist
auch ein Projekt der Solidarität (...). Der Christ, der an der
Eucharistie teilnimmt, lernt von ihr, Förderer der Gemeinschaft, des
Friedens und der Solidarität in allen Lebensbedingungen zu werden.
Das Thema des IL ist: Die Eucharstie: Quelle und Höhepunkt des
Lebens und der Sendung der Kirche. Im Kontext meiner kurzen
Reflexion könnte man vorschlagen: Die Eucharistie: Quelle und
Höhepunkt des christlichen Lebens, der Sendung und der Solidarität
der Kirche.
[00193-05.03] [IN167] [Originalsprache: Italienisch]
- Bf. Mons. Albino MAMEDE CLETO, Bischof von Coimbra (Portugal)
Ich denke, dass von dieser Synode ein Wort der Achtung und des
Ansporns für unsere Priester gemeinsam mit ihren Mitarbeitern
ausgehen muss, die viele Opfer bringen, um die Feier des Sonntags
für das Volk Gottes zu garantieren.
In diesem Geist von wachsamen Hirten und von Brüdern, die helfen,
müssen wir mittlerweile vor Abweichungen vorsichtig sein, die sich
zumindest in meinem Land hervorheben.
Ich präsentiere drei Tendenzen, die in sich gut sind, aber wo die
Eucharistie von dem abweicht, was sie ist - die liturgische und
heilige Feier des einen sakramentalen Geheimnisses -, um ein reiner
religiöser Dienst zu werden:
1. Die Hauptsorge der Pfarrer, die Messe zu garantieren, die die
Gläubigen fordern, unter Vernachlässigung der Qualität der Feier.
In einer säkularisierten Gesellschaft reicht es nicht, nur die
Speise zu haben, man muss auch wissen, wie man den Tisch bereitet.
Wichtiger als das Legen der Hostie in die Hand oder auf die Zunge
ist es, dies mit der Würde zu tun, die den Glauben weitergibt.
2. Im Wunsch, von ihren Hörern angenommen zu sein, bewerten unsere
Priester die Eucharistie als Gemeinschaft im Mahl der Gleichheit.
Wir setzen uns ein für eine Katechese, wo die Kommunion vor allem
eine mit dem geopferten und dargebrachten Lamm ist.
3. Es vermehren sich die sonntäglichen Feiern ohne Priester unter
dem Vorstand von Diakonen und Laien. Sie sind ein Segen. Aber die
Einfachheit, mit der man diese Ersetzung der Messe durch solche
Feiern betreibt, besorgt mich.
Zumindest die Ordnung der Riten soll sich in markanter Weise
unterscheiden.
[00208-05.02] [IN172] [Originalsprache: Italienisch]
- Bf. Mons. Nicholas CHIA, Erzbischof von Singapur, Präsident der
Bischofskonferenz (Singapur, Singapur)
Wir Bischöfe von Malaysia, Singapur und Brunei halten die Enzyklika
“Ecclesia de Eucharistia”, den Internationalen eucharistischen
Kongress, das Apostolische Schreiben “Mane Nobiscum Domine” und die
gegenwärtige Synode als eine Zeit der Gnade, um uns ernsthaft über
die Eucharistie, die Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung
der Kirche ist, nachdenken zu lassen. Für lange Zeit wurden Messe
und Eucharistie als sichere Wirklichkeiten betrachtet. Im
Allgemeinen erreicht in unseren Diözesen die Teilnahme der Gläubigen
an Sonntagen oder an gebotenen Tagen zwischen 50 und 80 % in den
städtischen Gebieten, während in den ländlichen Gebieten die
Prozentzahl viel niedriger ist.
Der größte Teil der Katholiken besitzt eine elementare Kenntnis von
der Messe und der Eucharistie. Man muss also ihre Kenntnisse und
Wertschätzung vertiefen.
Die Messe: Viele gehen eher aus Pflichterfüllung zur Messe um eine
Todsünde zu vermeiden, anstatt um an der Messe “teilzunehmen”.
Die Eucharistie:
I. Sie glauben an die Realpräsenz Christi in der Eucharistie und
zeigen Respekt und Ehrfurcht mit der Kniebeuge oder Verbeugung, wenn
sie in die Kirche eintreten.
II. Viele empfangen die Kommunion aus Gewohnheit und ohne innere
Hingabe.
III. In vielen Kirchen gibt es wöchentliche Segnungen mit dem
Allerheiligsten. Wenige Pfarrgemeinden haben Kapellen für die ewige
Anbetung.
IV. Die Feier des Leibes Christi wird normalerweise mit der
Prozession des Allerheiligsten gefeiert. In diesem Jahr der
Eucharistie haben viele Diözesen einen Eucharistischen Kongress
abgehalten.
Wir erachten es für wichtig, folgendes in Betracht zu ziehen:
1. Die Priester müssen wirklich “in persona Christi” handeln - indem
sie versuchen, nicht nur die Ohren und Augen der Gläubigen zu
erreichen, sondern ihr Herz zu berühren und sie bei dem
Zusammentreffen mit Christus zu unterstützen. Sie müssen versuchen,
verwandelt und nicht unterhalten zu werden!
2. Man muß die Gläubigen dazu bringen, die Bedeutung der
Gemeinschaft mit dem Herrn und unter ihnen zu begreifen. “Wer mein
Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe
in ihm”(Joh 6,56). “Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt
sind, so bin ich mitten unter ihnen” (Mt 18,20).
3. Die Nichtkatholiken, die Katechumenen und die Kinder in dem
Moment, wenn sie nach vorne kommen, um die Kommunion zu empfangen
segnen, als Zeichen ihrer spirituellen Kommunion. Diese Geste ist
auch ein Zeichen der Sorge und Fürsorge, die wir für sie haben.
4. Wir müssen die missionarische Dimension der Eucharistie, wie es
gut von den beiden Jüngern von Emmaus “Ite, missa est”ausgedrückt
ist, betonen.
[00209-05.02] [IN173] [Originalsprache: Englisch]
- P. John CORRIVEAU, O.F.M. Cap., Generalminister des
Franziskanerordens der Kleineren Brüder der Kappuziener
Unsere Epoche hat das Bedürfnis, die Ehrfurcht Gottes wieder zu
entdecken. Der hl. Franziskus ruft uns zur Ehrfurcht Gottes zurück,
zur Überraschung und zum Staunen, wie Gott auf konstante Weise uns
gegenüber die Initiative ergreift. Das ist für die von uns sehr
wichtig, die in einer Kultur leben, wo uns nichts mehr überrascht,
weil jede Sache ein Produkt der Planung und der menschlichen
Organisation ist. Die Menschheit erscheint als das Produkt der
eigenen Experimente und sie lässt keinen Platz zur Überraschung und
zur Neuigkeit.
Die Demut Gottes überrascht uns. Wir sind bewegt von seiner
Initiative uns gegenüber, berührt in der Tiefe unseres Seins. Jesus
Christus, “war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu
sein” (Phil 2,6). Diese kenosis (Selbstentäußerung) geht in einem
gewissen Sinn in der Eucharistie weiter. Die Ehrfurcht Gottes geht
auf in unseren Herzen, wenn wir dieser demütigen Selbsterniedrigung
Gottes in der Eucharistie erlauben, eine Resonanz in unserem Leben
zu haben.
“Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt” (Mt 28,20).
Franziskus verbindet das Versprechen Christi in der letzten
Erscheinung vor den Aposteln mit seiner eucharistischen Gegenwart in
der Kirche. Die Einfachheit, mit der Franziskus auf das Geheimnis
der Eucharistie schaut, ist beeindruckend. Der hl. Franziskus
stiftet eine ergreifende Analogie zwischen der Herabkunft Jesu in
den Schoß der Jungfrau Maria und der Herabkunft auf den Altar
während der Messe. Es ist dasselbe Ereignis, was sich auch heute
noch vollzieht (vgl. Ermahnungen 1).
Es ist wichtig, dass die christliche Gemeinschaft die tiefe
Verbindung zwischen dem Geheimnis der Eucharistie und den Umständen
des Alltagslebens wiederentdeckt, beginnend bei den brüderlichen
Beziehungen bis zur Miteinbeziehung der ganzen Schöpfung. So formt
sich die innere kreisförmige Bewegung des christlichen Lebens: Die
Eucharistie wird uns antreiben, brüderliche Beziehungen in der
Kirche, in der Gesellschaft und mit der ganzen Schöpfung zu haben.
Das Arbeiten für die Förderung einer wahren Geschwisterlichkeit des
Friedens unter den Völkern und für die Bewahrung der Schöpfung wird
uns ermutigen, in der einen Eucharistie ein angemessenes Fundament
unseres Lebens und unserer Handlungen zu erkennen.
[00213-05.02] [IN177] [Originalsprache: Englisch]
- Bf. Mons.
Alfredo Víctor PETIT VERGEL, Titularbischof von Buslacena,
Weihbischof von San Cristóbal de La Habana (KUBA)
Während des Heiligen Jahres 2000 wurde in Havanna, Kuba, ein
Eucharistischer Diözesankongress abgehalten, der jedoch praktisch
einen nationalen Charakter hatte. Während des Kongresses
hat man in den Straßen eine Prozession veranstaltet mit einer
Kutsche, mit der S. Em. Kardinal Jaime Ortega die Monstranz mit dem
Allerheiligsten Sakrament zur Kathedrale gebracht hat. Auf dem Platz
haben sich viele Gläubige für die erhabene Segnung versammelt. Es
hat auch ein Theologisches Symposium zur Eucharistie stattgefunden,
an dem u. a. S. Em. Kardinal Amigo Vallejo, Erzbischof von Sevilla,
Spanien, teilgenommen hat.
Es wurde darüberhinaus die Erstkommunion für 2000 Kinder
verschiedener Gemeinden mit einer Messe im Freien in der Avenida del
Puerto, gegenüber dem Seminar, zelebriert.
Wir sind dabei, den Globalplan der Pastorale 2000-2005 zu Ende zu
führen, in welchen seit vergangenem Oktober das Jahr der Eucharistie
einbezogen wurde, welches mit dem Jahr der Mission zusammengefallen
ist.
Wir sind der Meinung, dass die Eucharistie die Quelle und der
Höhepunkt des Lebens der Kirche ist, deshalb vernachlässigen wir
nicht ihre fundamentale Bedeutung bei unserem Globalplan der
Pastorale, der, wenn es Gott gefällt, im kommenden Monat Februar
beginnen wird und der sich mit der Eucharistie vereinigen wird, ohne
den missionarischen Impuls zu verlassen.
Die auf Gemeindeebene befragten Gläubigen haben in der Tat neun
wichtige Themen ausgewählt, die da sind: Spiritualität, Moral,
Mission, liturgische Pastorale, soziale Pastorale, Bildung, Laien,
Familie und die Jugendlichen. Diese bilden die Basis des Globalplans
der Pastorale 2006-2011.
Andererseits besteht bei uns seit über einem Jahrhundert auch die
Nächtliche Anbetung mit den- selben Charakteristiken, die vorher von
S. E. Mons. José Guadalupe Martin Rabago, Präsident der
mexikanischen Bischofskonferenz, dargelegt worden sind.
Trotz der geringen Anzahl von Priestern messen wir der Eucharistie
große Bedeutung bei, die mit großem Respekt der liturgischen Normen
gefeiert wird.
Auf jeden Fall, in Anbetracht der Schwierigkeiten und der fast
vollständigen Unmöglichkeit, neue Kirchen zu bauen, haben wir sog.
“Gebetshäuser” oder “Missionshäuser” in den Peripherievierteln und
in den kleinen Dörfern und Städtchen, wo jede Woche oder nach
möglicher Häufigkeit sich kleine Gruppen von Gläubigen, nicht mehr
als 40 Personen unter der Leitung eines engagierten Laien, einer
Gottesfürchtigen oder eines Diakons versammeln. Hierher kommt der
Priester, und in diesen Häusern wird die Heilige Messe mit großer
Frömmigkeit und unter Respektierung der liturgischen Normen
gefeiert, der die jeweilige sakramentale Beichte für diejenigen
vorausgeht, die mit rechter Einstellung am eucharistischen Brot
teilzunehmen wünschen.
[00214-05.04] [IN178] [Originalsprache: Spanisch]
- Bf. Mons. Karl-Heinz WIESEMANN, Titularbischof von Macriana
minore, Weihbischof von Paderborn (Deutschland)
In meiner Stellungnahme beziehe ich mich vor allem auf das dritte
Kapitel des Instrumentum Laboris zur Feier der Eucharistie und zur
Anbetung und entfalte einen Gedanken zum Geheimnischarakter der
Eucharistie.
Unsere Zeit durchzieht trotz Säkularisation eine tiefe mystische
Sehnsucht. Gelingt es uns aber, die Eucharistie so zu feiern, dass
die suchenden Menschen vom eucharistischen Geheimnis angezogen
werden?
Die höchste Form der Gegenwart des Herrn, die wir mit den Begriffen
der Realpräsenz und der Transsubstantiation am angemessensten
umschreiben, zeigt sich für den hl. Thomas in dem berühmten Hymnus
Adoro te devote, latens deitas im gleichen Akt als höchste Form
sakramentaler Verborgenheit. Damit ist kein moderner Skeptizismus
gemeint, sondern das genaue Gegenteil: das Eröffnen einer
bräutlichen Dialektik des "Suchen, um zu finden" und "Finden, um zu
suchen", die gerade durch das sich immer wieder verbergende, sich
entziehenden Moment je neu den Durst nach der alles übersteigenden
Verkostung, nach der "visio beata" als ewiges Ziel dieses Suchens
und Findens, Verhüllens und Offenbarens, Verbergens und
Sich-Schenkens entfacht.
Diese mystische Dimension muss in unserem Sprechen von der
Eucharistie wie in deren Feier auch zum Ausdruck kommen. Nur so kann
die Eucharistie sich als die einzig wahre Antwort auf die mystische
Sehnsucht unserer Zeit wirksam erweisen, da sie den Menschen in die
tiefe Liebesbeziehung zu Christus und damit in das Geheimnis des
dreifaltigen Gottes hineinführt und daran Anteil gibt. So müssen wir
liturgische Haltungen und Formen akzentuieren, die auch das
Verborgene, nur im Schweigen Erahnbare und sich unserer Machbarkeit
Entziehende ausdrücken.
[00218-05.04] [IN182] [Originalsprache: Deutsch]
- Bf. Mons. Cornelius Kipng'eno ARAP KORIR, Bischof von Eldoret,
Präsident der Bischofskonferenz (Kenya)
Am Sonntag versammeln wir uns, um die Eucharistie zu feiern und in
unserer Jüngerschaft erneuert zu werden. Durch das Feiern des
Paschamysteriums Christi wird unser Leben verwandelt und wir werden
erneuert und gestärkt in unserer Berufung, das Reich Gottes zu
verbreiten. Unser uns Versammeln am Sonntag ist eine sehr wichtige
Dimension unseres Glaubens und es enthüllt unseren Sinn der
Zugehörigkeit zur Dreifaltigkeit und zur Kirche, ebenso wie unseren
Einsatz, die vielen Schranken, die um uns herum aufgrund der
sozialen, ethnischen oder finanziellen Stellung aufgerichtet sind,
zu zerbrechen. Durch unser Teilen im Paschamysterium werden wir
erneuert in unserer Berufung, Zeugen des Auferstandenen Herrn zu
sein, indem wir die Schranken zerbrechen, die uns trennen. Durch das
Bestreben zur Überwindung von Stammesdenken und Hass wachsen wir in
unserem Bewusstsein, dass wir alle Glieder derselben Familie, Kinder
desselben Vaters sind.
Die liturgische Verkündigung des Wortes Gottes ist zuallererst ein
Dialog zwischen Gott und seinem Volk, ein Dialog, in welchem die
Heilswunder verkündet und die Anforderungen des Bundes ständig neu
formuliert werden. Dem Gott, der die Intiative ergreift, zu uns zu
sprechen und in einen Dialog der Liebe einzutreten, antworten wir im
Hören und Empfangen der Botschaft des Lebens in unseren Herzen. Der
Dialog der Liebe, den Gott mit uns in der Zelebration beginnt,
dauert in unserem Alltag fort und führt uns zur Feier zurück, wenn
unser Verlangen, am Tisch des Wortes und der Eucharistie genährt zu
werden, stärker und stärker wird.
Unsere Christen freuen sich auf die sonntägliche Messfeier. Der Sinn
des Festes, der Feier und der Freude bei unseren eucharistischen
Versammlungen muss mit der ganzen Kirche geteilt werden. Es ist die
Freude des Zusammenseins als Familie Gottes.
“Afrikaner haben einen tiefen religiösen Sinn, einen Sinn für das
Heilige, für die Existenz Gottes, des Schöpfers und für eine
geistige Welt” (Ecclesia in Africa, 423). Die sonntägliche
Eucharistiefeier sollte diesen innewohnenden Reichtum nutzen, um den
christlichen Gemeinden zu ermöglichen, voll und tätig am
Paschamysterium teilzunehmen.
[00220-05.02] [IN184] [Originalsprache: Englisch]
Schließlich folgten in der Gegenwart des Heiligen Vaters die freien
Beiträge.
Bei dieser Generalkongregation, die um 19.00 Uhr mit dem Gebet
Angelus Domini geschlossen wurde, waren 242 Väter anwesend.
♦ ZWEITE PRESSEKONFERENZ
Die akkredierten Journalisten werden informiert, dass am Donnerstag,
den 13. Oktober 2005, um 12.45 Uhr in der Aula Johannes Paul II. des
Presseamtes des Heiligen Stuhls die zweite Pressekonferenz über die
Arbeiten der XI. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode
(Relatio post disceptationem) stattfinden wird.
Interventen:
● S. Em. Mons. Kardinal Francis Arinze
Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die
Sakramentenordnung
Delegierter Präsident
● S. Em. Mons. Kardinal Juan Sandoval Íñiguez
Erzbischof von Guadalajara (Mexiko)
Delegierter Präsident
● S. Em. Mons. Kardinal Telesphore Placidus Toppo
Erzbischof von Ranchi (Indien)
Delegierter Präsident
● S. E. Mons. John Patrick Foley
Titular-Erzbischof von Neapoli von Proconsolare
Präsident des Päpstlichen Rates für die sozialen
Kommunikationsmittel
Präsident der Informationskommission
● S. E. Mons. Sofron Stefan Mudry, O.S.B.M.
Emeritierter Bischof von Ivano-Frankivsk (Ukraine)
Vize-Präsident der Informationskommission |