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30 - 18.10.2008
INHALT
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FEIER DER ERSTEN VESPERN DES XXIX. SONNTAGS JAHRESKREISES (SAMSTAG,
18. OKTOBER 2008 - NACHMITTAG)
FEIER DER ERSTEN VESPERN DES XXIX. SONNTAGS DES JAHRESKREISES
(SAMSTAG, 18. OKTOBER 2008 - NACHMITTAG)
- WORTE DES HEILIGEN VATERS
- REDE
DES ÖKUMENISCHEN PATRIARCHEN BARTHOLOMEO I.
Samstag, 18. September 2008, hat der Heilige Vater um 17.00 Uhr in
der Sixtinischen Kapelle zum Anlass der Teilnahme des Ökumenischen
Patriarchen Bartholomeo I. an der XII. Ordentlichen
Generalversammlung der Bischofssynode die Feier der Ersten Vespern
des XXIX. Sonntags des Jahreskreises gehalten Es haben der
Ökumenische Patriarch Bartholomeo I., die Mitglieder des Präsidiums
der Bischofssynode, 60 Kardinäle und Patriarchen, 170 Erzbischöfe
und Bischöfe, 200 Presbyter, Ordensleute und Laienmitglieder der XII.
Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode teilgenommen.
WORTE DES HEILIGEN VATERS
Im Laufe der Feier hat der Heilige Vater folgende Worte nach der
Rede des Ökumenischen Patriarchs gesprochen:
Eure Heiligkeit,
von ganzem Herzen möchte ich Ihnen für Ihre Worte danken. Der
Applaus der Synodenväter war weit mehr als eine bloße
Höflichkeitsbekundung. Er war Zeichen der tiefen geistlichen Freude
darüber, dass wir diese lebendige Erfahrung unserer Gemeinschaft
machen durften. In diesem Moment haben wir wirklich die "Synode"
erlebt: Unter der Leitung Eurer Heiligkeit waren wir gemeinsam auf
dem Weg im Land des göttlichen Wortes und durften dessen Schönheit
genießen, erfüllt von der tiefen Freude, das Wort Gottes zu hören
und uns mit dem Geschenk seines Wortes auseinandersetzen zu dürfen.
Ihre Worte waren zutiefst erfüllt vom Geist der Kirchenväter und von
der heiligen Liturgie. Gerade deshalb waren sie auch fest verortet
in unserer Zeit, mit jenem großen christlichen Realismus, der uns
auch die Herausforderungen erkennen lässt. Dabei wurde uns folgendes
deutlich: Wenn wir in die Herzmitte der Heiligen Schrift eindringen,
in den Worten wirklich dem göttlichen Wort begegnen und uns ganz auf
das Wort Gottes einlassen, dann werden sich unsere Augen auch öffnen
für die Welt und für die heutige Wirklichkeit.
Auch dies war eine freudige Erfahrung - eine Erfahrung der
vielleicht nicht vollkommenen, aber zumindest wahren und tiefen
Einheit. Mir kam der Gedanke: Ihre Kirchenväter, die Sie so oft
zitiert haben, sind auch unsere Väter, und die unsrigen sind auch
die Ihrigen. Wenn wir also gemeinsame Väter haben, wir könnten wir
dann nicht untereinander Brüder sein? Danke, Eure Heiligkeit! Ihre
Worte werden uns bei den Arbeiten der kommenden Woche begleiten und
erleuchten. Und auch in der kommenden Woche - und darüber hinaus -
werden wir gemeinsam mit Ihnen auf dem Weg sein.
Danke, Eure Heiligkeit!
[00315-05.02] [NNNNN] [Originalsprache: Italienisch]
REDE DES
ÖKUMENISCHEN PATRIARCHS BARTHOLOMEO I.
Wir geben im Folgenden die Rede des Ökumenischen Patriarchs
Bartholomeo I. wieder:
Eure Heiligkeit,
verehrte Synodenväter!
Es ist zugleich eine Lehre in Demut und eine Inspiration, von Eurer
Heiligkeit aufgefordert zu werden, zur XII. Ordentlichen
Generalversammlung dieser vielversprechenden Bischofssynode zu
sprechen, einem historischen Treffen der Bischöfe der
römisch-katholischen Kirche aus der ganzen Welt, die sich hier
versammelt haben, um über “das Wort Gottes” zu meditieren und
Entscheidungen über die Erfahrung und die Bedeutung dieser Worte “Im
Leben und in der Sendung der Kirche” zu treffen.
Die freundliche Einladung Eurer Heiligkeit an uns ist eine wichtige
und bedeutungsvolle Geste - wir könnten sogar sagen, dass es schon
ein historisches Ereignis an sich ist. Zum ersten mal in der
Geschichte hat ein ökumenischer Patriarch die Gelegenheit, vor einer
Bischofssynode der römisch-katholischen Kirche zu sprechen und so am
Leben dieser Schwesterkirche auf so hoher Ebene beteiligt zu werden.
Wir sehen darin das Wirken des Heiligen Geistes, der unsere Kirchen
in eine engere und tiefere Beziehung zu einander führt - ein
wichtiger Schritt hin zur Wiederherstellung unserer vollen Communio.
Es ist bekannt, dass die orthodoxe Kirche den Synoden eine
grundsätzliche ekklesiologische Bedeutung zuschreibt. Zusammen mit
dem Primat bildet die Synodalität das Rückgrat der Führung der
Kirche und ihrer Organisation. Wie unser gemeinsamer internationaler
Ausschuss für den theologischen Dialog zwischen unseren Kirchen es
im Dokument von Ravenna zum Ausdruck brachte, durchzieht diese
gegenseitige Abhängigkeit zwischen dem Synodalsystem und dem Primat
im Leben der Kirche alle Ebenen: von der lokalen, regionalen bis zur
Weltebene. Deshalb ist es ein Privileg für uns, heute vor Ihrer
Synode sprechen zu dürfen und wir hoffen, dass der Tag kommen wird,
an dem unsere beiden Kirchen voll und ganz darüber übereinstimmen
werden, was die Rolle des Primats und des Synodalsystems im Leben
der Kirche betrifft; ein Thema,, das unser gemeinsamer theologischer
Ausschuss gerade untersucht.
Das Thema dieser Bischofssynode ist nicht nur für die
römisch-katholische Kirche, sondern auch für alle diejenigen von
ausschlaggebender Bedeutung, die als Zeugen Christi in unserer Zeit
berufen wurden. Sendung und Evangelisierung sind eine ständige
Pflicht der Kirche zu allen Zeiten und an allen Orten; sie sind in
der Tat Teil des Wesens der Kirche, die sich “apostolisch” nennt und
das nicht nur im Sinne, dass sie der ursprünglichen Lehre der
Apostel treu bleibt und das Wort Gottes in jedem kulturellen Kontext
zu jeder Zeit verkündet. Die Kirche muss deshalb das Wort Gottes in
jeder Generation neu auslegen und es mit neuer Kraft und Überzeugung
in unserer zeitgenössischen Welt, die tief im Herzen nach Gottes
Botschaft von Frieden, Hoffnung und Barmherzigkeit dürstet, umsetzen.
Natürlich wäre diese Aufgabe der Evangelisierung sehr viel stärker
und wirksamer, wenn alle Christen mit einer Stimme in einer
vereinten Kirche sprechen würden. Der Herr hat in seinem Gebet zum
Vater kurz vor seiner Passion verdeutlicht, dass die Einheit der
Kirche untrennbar mit ihrer Sendung verbunden ist, “damit die Welt
glauben kann” (Joh 17, 21). Deshalb ist es angemessen, dass diese
Synode ihre Türen für die ökumenischen Bruderdelegierten geöffnet
hat, damit wir alle uns unserer gemeinsamen Pflichten in der
Evangelisierung und auch der Schwierigkeiten und Probleme bei ihrer
Umsetzung in der heutigen Welt bewusst werden
Diese Synode hat zweifellos das Thema des Gotteswortes vertieft und
in allen theologischen, praktischen und pastoralen Aspekten
beleuchtet. In unserer bescheidenen Ansprache vor Ihnen werden wir
uns darauf beschränken, einige Gedanken zum Thema ihres Treffens
vorzutragen und aus der orthodoxen Tradition und besonders der
griechischen Patristik zu schöpfen, die sich im Laufe der
Jahrhunderte entwickelten. Ganz konkret möchten wir gerne drei
Aspekte des Themas herausgreifen, nämlich: das Wort Gottes durch die
Heilige Schrift hören und verkündigen; Gottes Wort in der Natur und
vor allem in der Schönheit von Ikonen wahrnehmen; und schlussendlich
Gottes Wort in der Gemeinschaft der Heiligen und im sakramentalen
Leben der Kirche berühren und mit einander teilen. Diese Punkte sind,
so glauben wir, für das Leben und die Sendung der Kirche von
lebenswichtiger Bedeutung.
Während wir das tun, versuchen wir auch, aus der reichen
patristischen Tradition zu schöpfen, die auf das frühe dritte
Jahrhundert zurückgeht und werden die Lehre der fünf geistlichen
Schriftsinne erklären. Wenn wir dem Wort Gottes zuhören, es in uns
aufnehmen und anfassen, dann haben wir alle geistlichen Wege, um das
einzigartige göttliche Mysterium wahrzunehmen. Origenes von
Alexandrien schreibt auf Grund der Sprichwörter 2.5 über “das
göttliche Wahrnehmungsvermögen”
(aἵsqhsiϚ):
Dieser Sinn offenbart sich als Sicht, wenn man die immateriellen
Dinge betrachtet, als Gehörsinn, um Stimmen zu erkennen, als
Geschmackssinn, wenn man frisches Brot schmeckt, als Geruchssinn,
wenn man den süßen geistlichen Duft riecht und als Tastsinn, wenn
man mit dem Wort Gottes umgeht, das mit der ganzen Kraft der Seele
erfasst wird.
Die geistlichen Sinne werden verschieden beschrieben, nämlich als
die “Fünf Sinne der Seele”, als “göttlich”, als “innere Fähigkeiten”
und selbst als “Fähigkeiten des Herzens oder des Gemüts”. Diese
Doktrin inspirierte die Theologie der Kappadozier (besonders die von
Basilius dem Großen und Gregor von Nyssa) genau so wie die Theologie
der Wüstenväter (besonders Evagrius von Ponticus und Macarius dem
Großen).
1. Das Wort durch die Heiligen Schriften hören und sprechen
Bei jeder Feier der göttlichen Liturgie des hl. Johannes
Chrysostomus fleht der vorsitzende Zelebrant,“auf dass wir würdig
werden, das Heilige Evangelium zu hören. Denn das, was wir gehört
und mit unseren Augen gesehen haben, was wir geschaut und was unsere
Hände berührt haben, das Wort des Lebens” (1 Joh. 1.1) ist zunächst
kein Anrecht oder Geburtsrecht der Menschen; es ist vielmehr für uns
als Kinder des lebendigen Gottes Privileg und Gabe. Die christliche
Kirche ist vor allem eine Kirche der Schrift. Mögen die
Auslegungsmethoden von Kirchenvater zu Kirchenvater, von “Schule zu
Schule”, zwischen Osten und Westen verschieden sein, die Heilige
Schrift wurde immer als lebendige Wirklichkeit und nicht als tote
Schrift empfunden.
Im Kontext eines lebendigen Glaubens ist deshalb die Heilige Schrift
das lebendige Zeugnis der erlebten Geschichte über die Beziehung
eines lebendigen Gottes zu einem lebendigen Volk. Die Worte “Der
durch die Propheten sprach” (Nizäno-konstatinopolitanisches
Glaubensbekenntnis) wurden gesprochen, um gehört zu werden und
Wirkung zu zeigen. Es ist an erster Stelle eine mündlich-direkte
Kommunikation, die an die Menschen erging. Der schriftliche Text ist
deshalb davon abgeleitet und sekundär; der schriftliche Text muss
immer dem gesprochenen Wort dienen. Es wird nicht mechanisch,
sondern von Generation zu Generation als lebendiges Wort übertragen.
Durch den Propheten Jesaja gelobt der Herr:”Denn wie der Regen und
der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern
die Erde tränkt ... so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund
verläßt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich
will und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe. (Jes 55,
10-11).
Wie der hl. Johannes Chrysostomus erklärt, berücksichtigt das
göttliche Wort genau
(sugκatάbasiϚ)
die unterschiedlichen Persönlichkeiten und verschiedenen kulturellen
Kontexte derer, die es hören und empfangen. Die Anpassung des
göttlichen Worts auf die besondere persönliche Bereitschaft und den
besonderen kulturellen Kontext definiert die Sendungsdimension der
Kirche, die berufen ist, die Welt durch das Gotteswort zu verändern.
Im Schweigen wie in der Verkündigung, im Gebet wie in der Aktion
wendet sich das göttliche Wort an die ganze Welt und “verkündet
allen Völkern” (Mt. 28,19) ohne Privilegien oder Benachteiligung auf
Grund von Rasse, Kultur, Geschlecht und Klasse das Wort Gottes. Wenn
wir diesen göttlichen Auftrag ausführen, versichert man uns: “Seid
gewiß, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt” (Mt 28,20).Wir
sind berufen, das göttliche Wort in allen Sprachen zu verkünden “und
allen alles zu werden, um auf jeden Fall einige zu retten“ (1 Kor
9,22).
Als Jünger des Gottesworts ist es für uns wichtiger als je zuvor,
dass wir eine einzigartige Perspektive anbieten- über alles Soziale,
Politische und Wirtschaftliche hinaus - in der Notwendigkeit, die
Armut zu bekämpfen und ein Gleichgewicht in einer globalisierten
Welt zu schaffen, Fundamentalismus oder Rassismus zu bekämpfen und
religiöse Toleranz in eine Welt voller Konflikte zu bringen. In
Antwort auf die Bedürfnisse der Armen, Verletzlichen und
Ausgegrenzten der Welt kann die Kirche ein Zeichen für den Ort und
Charakter der globalen Gemeinschaft setzen. Während sich die
theologische Sprache der Religion und Spiritualität von dem
technischen Vokabular der Wirtschaft und Politik unterscheidet,
können die Hindernisse, die auf den ersten Blick die religiösen
Fragen (wie Sünde, Heil und Spiritualität) von den pragmatischen
Interessen (wie Handel, Wirtschaft und Politik) zu trennen scheinen,
überwunden werden und stürzen angesichts der vielen
Herausforderungen der sozialen Gerechtigkeit und Globalisierung ein.
Während wir uns mit Umwelt und Frieden, Armut und Hunger, Erziehung
und Gesundheitswesen beschäftigen, sind sich vor allem die Gläubigen,
aber auch andere “säkulare”Menschen bewusst geworden, dass man
gemeinsame Sorgen hat und gemeinsame Verantwortung trägt. Unser
Engagement für diese Fragen ändert natürlich nichts an der Tatsache,
dass es unterschiedliche Disziplinen oder Meinungsverschiedenheiten
zwischen den Weltanschauungen gibt, noch werden dadurch die
Unterschiede abgeschafft. Die wachsenden Zeichen für ein gemeinsames
Engagement zum das Wohl der Menschheit und dem Leben auf der Welt
sind ermutigend. Es ist eine Begegnung von einzelnen Personen und
Einrichtungen, die Hoffnung für die Welt erwarten lassen. In dieser
Zusammenarbeit wird die höchste Berufung und Sendung der Jünger und
Anhänger des Gottesworts hervorgehoben, die politischen oder
religiösen Unterschiede transzendiert, um die ganze sichtbare Welt
zur Ehre des unsichtbaren Gottes zu verändern.
2. Das Wort Gottes sehen - Die Schönheit der Ikonen und der Natur
Nirgendwo anders wird das Unsichtbare sichtbarer gemacht, als in der
Schönheit der Ikonographie und in dem Wunderwerk der Schöpfung. Mit
den Worten des Meisters der Heiligen Bilder, dem Hl. Johannes von
Damaskus: “Als der Schöpfer von Himmel und Erde war Gott, das Wort,
selbst der erste, der Ikonen gemalt und dargestellt hat.” Jeder
Pinselstrich eines Ikonographen - so wie jedes Wort einer
theologischen Definition, wie jede musikalische Note, die beim
Psalmenlied gesungen wird und, wie jeder eingravierte Stein einer
winzigen Kapelle oder einer schönen Kathedrale - zeigt das göttliche
Wort in der Schöpfung, das den Herrn lobt, in allem was atmet. (Ps
150, 6).
Beim Siebten Ökumenischen Konzil von Nizäa fanden die heiligen
Darstellungen ihre Bestätigung, und doch ging es eigentlich nicht um
die religiöse Kunst als solche, sondern um die Fortführung und die
Bestätigung früherer Definitionen über die Fülle von Menschlichkeit
im Wort Gottes. Ikonen sind eine sichtbare Erinnerung an unsere
himmlische Berufung. Sie fordern uns dazu auf, über unsere trivialen
Sorgen und über die Nebensächlichkeiten in der Welt hinauszugehen.
Sie ermutigen uns dazu, das Außergewöhnliche im Alltäglichen zu
finden und von der gleichen Verwunderung erfüllt zu sein, die das
göttliche Wunder in der Genesis gekennzeichnet hat: “ Gott sah alles
an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.” (Gen 1.30-31). Das
griechische Wort (Septuaginta) für “Güte” ist xxx, was etymologisch
und symbolisch die Bedeutung des “Rufens” enthält. Ikonen
unterstreichen die grundlegende Sendung der Kirche, zu erkennen,
dass alle Menschen und alle Dinge geschaffen und gerufen worden sind,
um “gut” und “schön” zu sein.
In der Tat erinnern uns die Ikonen an eine andere Sichtweise der
Dinge, an eine andere Realitätserfahrung, an eine andere Form der
Konfliktlösung. Wir sind dazu gerufen, das zu übernehmen, was die
Hymnologie vom Ostersonntag “eine andere Art zu leben” nennt.
Wir haben uns der natürlichen Schöpfung gegenüber arrogant und
abschätzig verhalten. Wir haben uns geweigert, das Wort Gottes in
den Ozeanen unseres Planeten, in den Bäumen unserer Kontinente und
in den Tieren auf der Erde zu bewahren. Wir haben unsere eigene
Wesenhaftigkeit geleugnet, die uns auffordert, uns so hinzugeben,
dass wir das Wort Gottes in der Schöpfung hören können, wenn wir den
Wunsch haben, an der göttlichen Natur teilzuhaben (2 Pet 1.4). Wie
konnten wir beim fleischgewordenen Wort Gottes die größeren
Implikationen davon ignorieren? Warum versäumen wir es, die
Schöpfung der Natur als einen Teil vom Leib Christi wahrzunehmen?
Theologen aus dem östlichen Christentum haben immer die Kosmischen
Proportionen der göttlichen Fleischwerdung hervorgehoben. Das
fleischgewordene Wort ist der innere Wert der Schöpfung, die durch
göttliche Äußerung verwirklicht wurde. Der heilige Maximus Confessor
besteht auf der Gegenwärtigkeit vom Wort Gottes in allen Dingen (Kol
3.11). Der göttliche Logos steht im Mittelpunkt der Welt und
offenbart auf geheimnisvolle Weise sein Ursprungsprinzip und sein
höchstes Ziel (1 Pet 1.20). Dieses Mysterium wird vom Hl. Athanasius
von Alexandrien folgendermaßen beschrieben:
Als der Logos (schreibt er), ist er in nichts enthalten, und doch
enthält er alles. Er ist in allem und doch außerhalb von allem...der
Erstgeborene der ganzen Welt in allen ihren Aspekten.
Die gesamte Welt ist ein Prolog zum Johannesevangelium. Und wenn die
Kirche es verfehlt, die weitreichendere, kosmische Dimension vom
Wort Gottes zu erkennen und sich nur um rein geistliche Fragen sorgt,
dann leugnet sie ihre Sendung , die darin besteht, Gott anzuflehen
für den Wandel des gesamten, verseuchten Kosmos - immer und überall,
“an allen Orten seiner Herrschaft”. Es ist kein Wunder, dass am
Ostersonntag, wenn die Paschafeier ihren Höhepunkt erreicht,
orthodoxe Christen singen:
Jetzt ist alles mit göttlichem Licht erfüllt: Himmel und Erde, und
alle Dinge unter der Erde. So lasset alle Schöpfung erfreut sein.
Jede authentische “tiefe Ökologie” ist deshalb ausweglos mit tiefer
Theologie verbunden:
“Sogar ein Stein,” schreibt Basilius der Große, “trägt das Zeichen
vom Wort Gottes. Dies trifft für eine Ameise, eine Biene und einen
Mosquito zu, die kleinsten aller Geschöpfe. Denn Er breitete die
großen Himmel aus und legte die riesigen Meere an; und Er schuf den
kleinen, hohlen Schaft vom Bienenstachel.”
Wenn wir uns unsere Winzigkeit in Gottes weiter und wunderbarer
Schöpfung ins Gedächtnis rufen, so hebt dies unsere zentrale Rolle
in Gottes Heilsplan für die Welt hervor.
3. Das Wort Gottes berühren und miteinander teilen - Die
Gemeinschaft der Heiligen und die Sakramente des Lebens
Das Wort Gottes kommt fortdauernd in Ekstase aus sich heraus (Dionysius
der Areopag) und versucht leidenschaftlich “unter uns zu wohnen” (Joh
1.14), damit sie das Leben haben und es in Fülle haben (Joh 10.10).
Gottes barmherzige Gnade wird ausgeschüttet und mit allen geteilt,
auf dass die Empfänger seiner Wohltätigkeit sich vermehren mögen (Gregorius,
der Theologe) Gott nimmt sich unser aller Dinge an “die wir in allem
in Versuchung geführt worden sind, aber nicht gesündigt haben” (Heb
4.15), um uns allen das anzubieten, was Gottes ist, und damit wir
durch die Gnade Gott werden können.”Er, der reich war, wurde
euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen”, schreibt
der große Apostel Paulus (2 Kor 8.9), dem dieses Jahr so treffend
gewidmet ist. Das ist das Wort Gottes, Dankbarkeit und Ehre gebühren
ihm.
Das Wort Gottes erhält seine volle Verkörperung durch die Schöpfung,
vor allem im Sakrament der Heiligen Eucharistie. Es ist dort, wo das
Wort Fleisch wird und es uns ermöglicht, ihn nicht nur zu hören oder
zu sehen, sondern ihn mit unseren Händen zu berühren, wie der Hl.
Johannes uns erklärt (I Joh 1,1) und ihn zum Teil unseres eigenen
Leibes und unseres eigenen Blutes zu machen (σύσσωμοι καί σύναιμοι),
wie in den Worten des Hl. Chrysostomus.
In der Heiligen Eucharistie ist das Wort gehört zugleich gesehen und
geteilt (κοινωνία). Es ist kein Zufall, dass in den frühen
eucharistischen Dokumenten, wie dem Buch der Offenbarung und dem
Didache, die Eucharistie mit der Prophezeiung in Verbindung gebracht
und die Bischöfe als Nachfolger der Propheten betrachtet wurden
(e.g. Martyrion Polycarpi). Die Eucharistie wurde schon vom Hl.
Paulus (I Kor 11) als “Verkündung” von Christi Tod und seiner
Wiederkehr beschrieben. Da der Zweck der Schrift wesentlich darin
besteht, das Reich Gottes und eschatologische Realitäten zu
verkünden, stellt die Eucharistie einen Vorgeschmack für das Reich
Gottes dar, und ist in diesem Sinne die Verkündigung des Wortes
Gottes par excellence. In der Eucharistie werden das Wort und das
Sakrament zu einer Realität. Das Wort hört auf “Worte” zu sein und
wird zu einer Person, indem es ihn in allen Menschen und in der
ganzen Schöpfung verkörpert.
Im Leben der Kirche spiegeln sich die unergründliche
Selbstentäußerung (κένωσιϚ) und
das großherzige Miteinander-Teilen (κοινωνία) des göttlichen Logos
im Leben der Heiligen wider, und zwar als greifbare Erfahrung und
menschlicher Ausdruck vom Wort Gottes in unserer Gemeinschaft. Auf
diese Weise wird das Wort Gottes zum Leib Christi, der zugleich
gekreuzigt und geehrt wurde. Dies führt dazu, dass der Heilige eine
organische Beziehung zum Himmel und zur Erde, zu Gott und zu seiner
ganzen Schöpfung hat. In asketischem Ringen versöhnt der Heilige das
Wort mit der Welt. Durch Reue und Reinigung ist der Heilige - wie
Abba Isaak, der Syrer sagt - mit Mitleid für alle Geschöpfe erfüllt,
was die äußerste Demut und Vollkommenheit bedeutet.
Aus diesem Grund ist die Liebe eines Heiligen warmherzig und
allumfassend, was zugleich eine uneingeschränkte und
unwiderstehliche Liebe bedeutet. In den Heiligen erkennen wir Gottes
eigenes Wort, denn, wie der heilige Gregorius Palamas betont, teilen
Gott und seine Heiligen dieselbe Ehre und Herrlichkeit. In der
milden Gegenwart eines Heiligen lernen wir, wie Theologie und Aktion
übereinstimmen. In der mitleidsvollen Liebe des Heiligen erfahren
wir Gott als “unseren Vater” und Gottes Barmherzigkeit als “ewig
während” (Ps 135). Der Heilige wird verzehrt vom Feuer der Liebe
Gottes. Deshalb vermittelt der Heilige Gnade und kann die leichteste
Manipulation oder Ausbeutung in der Gesellschaft oder der Natur
nicht dulden. Der Heilige tut einfach, was “angemessen und richtig”
ist (Göttliche Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomus), und
vermehrt dabei immer die Würde des Menschen und ehrt die Schöpfung.
“Seine Worte haben die Kraft von Taten und sein Schweigen die Kraft
der Rede” (Heiliger Igantius von Antiochien).
Und in der Gemeinschaft der Heiligen ist jeder von uns berufen, “wie
Feuer zu werden” (Sprüche der Wüstenväter), die Welt mit der
geheimnisvollen Kraft des Wortes Gottes zu berühren, so dass auch
die Welt - als der erweiterte Leib Christi - sagen kann: “Jemand hat
mich berührt!” (Vgl. Mt 9,20). Das Böse wird nur ausgemerzt durch
Heiligkeit, nicht durch Strenge. Und Heiligkeit bringt in die
Gesellschaft einen Samen, der heilt und verwandelt. Erfüllt von dem
Leben der Sakramente und der Reinheit des Gebetes sind wir fähig, in
das innerste Geheimnis von Gottes Wort einzutreten. Es ist wie bei
den tektonischen Platten der Erdkruste: die tiefsten Schichten
brauchen sich nur wenige Millimeter zu bewegen, um die Erdoberfläche
zu zerbrechen. Damit aber diese spirituelle Revolution geschieht,
müssen wir eine radikale Erfahrung der “metanoia” - eine Bekehrung
der Haltungen, Gewohnheiten und Gepflogenheiten - machen von den
Weisen, wie wir Gottes Wort, Gottes Gaben und Gottes Schöpfung
schlecht gebraucht oder missbraucht haben.
Eine solche Bekehrung ist sicherlich unmöglich ohne die göttliche
Gnade; sie wird nicht einfach durch eine größere Anstrengung oder
menschliche Willensstärke erreicht. “Für Menschen ist das unmöglich,
für Gott aber ist alles möglich” (Mt 19,26). Eine spirituelle
Veränderung geschieht, wenn unsere Körper und Seelen dem lebendigen
Wort Gottes eingepflanzt sind, wenn unsere Zellen den
lebenspendenden Blutfluss der Sakramente enthalten, wenn wir bereit
sind, alles mit allen zu teilen. Wie der heilige Johannes
Chrysostomus uns erinnert, kann das Sakrament “unseres Nächsten”
nicht vom Sakrament “des Altars” getrennt werden. Traurigerweise
haben wir die Berufung und die Verpflichtung zu teilen nicht
beachtet. Soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit, weltweite Armut
und Krieg, Umweltverschmutzung und -zerstörung sind Folgen unserer
Unfähigkeit oder Widerwillens zu teilen. Wenn wir am Sakrament des
Altars festhalten wollen, können wir nicht auf das Sakrament des
Nächsten verzichten oder es vergessen - es ist eine grundlegende
Bedingung dafür, das Wort Gottes in der Welt im Leben und in der
Sendung der Kirche zu verwirklichen.
Geliebte Brüder in Christus,
wir haben die patristische Lehre über die geistlichen Sinne erkundet,
indem wir die Macht, das Wort Gottes in der Heiligen Schrift zu
hören und zu verkünden, erkannt haben, sowie das Wort Gottes in den
Ikonen und in der Natur zu sehen als auch in den Heiligen und in den
Sakramenten zu berühren und zu teilen. Um aber in Wahrheit mit dem
Leben und der Sendung der Kirche übereinzustimmen, müssen wir
persönlich vom Wort verändert werden. Die Kirche muss einer Mutter
ähneln, die durch die Nahrung, die sie aufnimmt, selbst ernährt wird,
aber auch andere nährt. Alles, was nicht jeden ernähren kann, kann
auch uns keine Kraft geben. Wenn die Welt die Freude über die
Auferstehung Jesu nicht teilt, ist das eine Anklage unserer eigenen
Redlichkeit und unseres Einsatzes, das Wort Gottes zu leben. Vor
jeder Göttlichen Liturgie beten die orthodoxen Christen, dass dieses
Wort “gebrochen und verzehrt, ausgeteilt und geteilt” wird in der
Kommunion. Und “wir wissen, dass wir aus dem Tod ins Leben
hinübergegangen sind, wenn wir unsere Brüder” und Schwestern lieben
(1 Joh 3,14).
Die vor uns liegende Herausforderung ist, das Wort Gottes angesichts
des Bösen zu erkennen, die Verklärung jedes geringsten Details und
Fleckchens dieser Welt im Licht der Auferstehung. Der Sieg ist in
den Tiefen der Kirche schon gegenwärtig, wann immer wir die
Erfahrung der Versöhnung und der Gemeinschaft machen. Wenn wir darum
ringen - in uns und in der Welt -, die Macht des Kreuzes zu erkennen,
beginnen wir zu schätzen, wie jeder Akt der Gerechtigkeit, jeder
Funke der Schönheit, jedes Wort der Wahrheit nach und nach die
Kruste des Bösen abschleifen kann. Wir haben jedoch über unsere
eignen schwachen Bemühungen hinaus die Zusicherung des Heiligen
Geistes, der “sich unserer Schwachheit annimmt” (Röm 8,26) und uns
als Beistand und “Tröster” (Joh 14,6) zur Seite steht, alles
durchdringt und “uns verwandelt”, wie der heilige Simeon der Neue
Theologe sagt, “in das, was das Wort Gottes über das Himmelreich
sagt: Perle, Senfkorn, Sauerteig, Wasser, Feuer, Brot, Leben und
mystisches Hochzeitsgemach”. Das ist die Macht und die Gnade des
Heiligen Geistes, den wir zum Abschluss unserer Ansprache anrufen
wollen, indem wir Eurer Heiligkeit unsere Dankbarkeit zum Ausdruck
bringen und Ihnen allen unseren Segen erteilen:
Himmlischer König, Tröster, Geist der Wahrheit,
allgegenwärtig und alles erfüllend,
Schatz der Güte und Spender des Lebens:
Komm und erfülle uns.
Reinige uns von aller Unreinheit;
und rette unsere Seelen.
Denn du bist gütig und liebst die Menschheit. Amen!
[00300-05.03] [NNNNN] [Originalsprache: Englisch]
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