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05 - 08.10.2012
INHALT
-
ZWEITE GENERALKONGREGATION (MONTAG, 8. OKTOBER 2012 - NACHMITTAG)
- ERRATA CORRIGE
ZWEITE GENERALKONGREGATION (MONTAG, 8. OKTOBER 2012 - NACHMITTAG)
- BERICHTE AUS DEN
KONTINENTEN
- WORTBEITRÄGE
IN DER SYNODENAULA (BEGINN)
Heute um 16.35 Uhr hat in Gegenwart des Heiligen Vaters mit dem
Gebet des “Adsumus” die Zweite Generalkongregation begonnen. In der
Synodenaula wurden die Berichte aus den Kontinenten sowie die ersten
Wortbeiträge der Synodenväter zum Thema: “Die neue
Evangelisierung zur Weitergabe des christlichen Glaubens”
verlesen.
Turnusmäßiger delegierter Präsident:S. Em. Kardinal John TONG HON,
Bischof von Hong Kong (CHINA).
Darauf folgten die freien Wortbeiträge der Synodenväter.
An dieser Generalkongregation, die um 19.00 Uhr mit dem
Angelusgebet beendet wurde, haben 256
Synodenväter teilgenommen.
BERICHTE ÜBER DIE KONTINENTE
-
Für Europa: Kardinal Péter ERDŐ, Erzbischof von Esztergom-Budapest,
Präsident der Bischofskonferenz, Präsident des Rates der
Europäischen Bischofskonferenzen (C.C.E.E.) (UNGARN)
-
Für Afrika: Kardinal Polycarp PENGO, Erzbischof von Dar-es-Salaam,
Präsident des Symposiums der Bischofskonferenzen Afrikas und
Madagaskars (S.C.E.A.M. - S.E.C.A.M.) (TANSANIA)
-
Für Amerika: S.Exz. Carlos AGUIAR RETES, Erzbischof von
Tlalnepantla, Präsident der Bischofskonferenz, Präsident des Rates
der Lateinamerikanischen Bischofskonferenzen (C.E.L.AM.) (MEXIKO)
-
Für Asien: Kardinal Oswald GRACIAS, Erzbischof von Bombay,
Generalsekretär der Vereinigung der asiatischen Bischofskonferenzen
(F.A.B.C.) (INDIEN)
-
Für Ozeanien: S.Exz. John Atcherley DEW, Erzbischof von Wellington,
Präsident der Bischofskonferenz, Präsident der Föderation der
Katholischen Bischofskonferenzen Ozeaniens (F.C.B.C.O.) (NEUSEELAND)
Im Folgenden veröffentlichen wir die Berichte über die Kontinente:
- Für Europa: Kardinal
Péter ERDŐ, Erzbischof von
Esztergom-Budapest, Präsident der Bischofskonferenz, Präsident des
Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (C.C.E.E.) (UNGARN)
1. Europa muss evangelisiert werden. Das ist notwendig. Dem Thema
Europa wurden schon zwei Sonderversammlungen der Bischofssynode
gewidmet, die erste nach dem Fall der Mauer in Berlin, in einem
Klima der Begeisterung, die zweite 1999, kurz vor dem Großen
Jubiläum. Die Ergebnisse dieser letzten Versammlung wurden im
Nachsynodalen Apostolischen Schreiben “Ecclesia in Europa” des
seligen Johannes Paul II. zusammengefasst. Inzwischen sind fast
dreizehn Jahre vergangen. Haben sich die Hoffnungen erfüllt? Wurden
die Probleme gelöst? Oder sind sie sogar noch größer geworden?
2. Zu den Sorgen des großen Papstes Johannes Paul II. gehörten die
Anzeichen für “den Verlust des christlichen Gedächtnisses und Erbes”
(Ecclesia in Europa, 7). Diese Tendenz ist in den letzten Jahren
noch stärker geworden. Trotz einiger positiver Erfahrungen breitet
sich in weiten Teilen des Kontinents eine immer größere Ignoranz in
Fragen des christlichen Glaubens aus. Viele Medien stellen den
christlichen Glauben und seine Geschichte häufig in diffamierender
Weise dar und verbreiten so in der Öffentlichkeit falsche
Informationen über den Inhalt unseres Glaubens und das Leben der
Kirche. Auch unsere Katechese, vor allem die, die in staatlichen
Instituten erfolgt, stößt an Grenzen. Vor einigen Jahren wurde vom
Rat der Europäischen Bischofskonferenzen eine Untersuchung in
Auftrag gegeben über die juristische, statistische, kirchliche und
kulturelle Situation des Religionsunterrichts in allen Ländern des
Kontinents. Aus dieser ging hervor, daß in den öffentlichen Schulen
vieler Ländern ein Unterricht über die Religion oder die Religionen
möglich ist, aber nicht über die katholische Religion. Solch ein
sogenannter neutraler Religionsunterricht birgt jedoch die Gefahr
einer Erziehung zum Synkretismus und Indifferentismus.
3. Die Entchristianisierung wird noch unterstrichen durch
juristische, manchmal auch physische Angriffe gegen die sichtbarer
Kundgebung des Glaubens.
Die europäische Informationsstelle für die Intoleranz gegenüber
Christen verzeichnete viele Fälle von Diskriminierung und Gewalt
gegen Christen in fast allen europäischen Ländern. Es passiert nicht
selten, daß auch die Gerichte den christlichen Opfern dieser
Ungerechtigkeit die Hilfe verwehrt. Die überwältigende Mehrheit von
Gewalttaten und Diskriminierungen wegen religiöser Zugehörigkeit
richten sich in Europa gegen Christen, vor allem gegen Katholiken.
4. Die Entchristianisierung ist nicht nur eine spontane Entwicklung.
Das Apostolische Schreiben “Ecclesia in Europa” begrüßte noch “mit
Genugtuung alles, was getan wurde, um die Bedingungen und
Modalitäten zur Achtung der Menschenrechte präzise
darzulegen” (Nr. 12). Heute betrachten wir dagegen mit Sorge das
Entstehen von sogenannten “Menschenrechten der dritten und vierten
Generation”. Diese haben keine klaren Bindungen mehr an die
menschliche und christliche Weltanschauung oder an die objektive
Sittenordnung, so wie sie sich auch in den Kategorien des
Naturrechts zum Ausdruck kommt. Oft ist ihre Grundlage rein
menschlich- positivistisch, so als wäre der Mensch mit seinen
eigenen Anschauungen und Wünschen sogar von der Realität selbst
unabhängig.
Der “Verlust der Erinnerung des Christentums” geht einher mit
anthropologischen Veränderungen, die aus einer audio-visuellen
Kultur resultieren, welche klare Begriffe und logische Überlegungen
schwächen.5. Dieser Prozeß stellt auch für die Zivilgesellschaft ein
großes Risiko dar. “Ecclesia in Europa” (Nr. 12) erkennt als
positives europäisches Phänomen die “Bedeutung an, die dem Recht
zuerkannt wird”. Leider muß konstatiert werden, dass der Rechtsstaat
in den letzten Jahren in verschiedenen Ländern schwächer geworden
ist. Die Politiker wurden vor allem durch die Finanzkrise dazu
gezwungen, drastische Maßnahmen zu ergreifen, die dem Willen ihrer
Wähler diametral entgegenlaufen. Die Bevölkerung hat oft den
Eindruck, dass die traditionelle Demokratie an Bedeutung verliert.
Es manifestieren sich auch die Anzeichen einer Illusion, derzufolge
es angeblich möglich ist, die Gesellschaft mit Hilfe der
Massenmedien und der Wirtschaft zu regieren, wobei man völlig auf
und Moral verzichtet.
6. Die Bevölkerung Europas hungert und dürstet nach Hoffnung,
gerade auch aufgrund des Bevölkerungsrückgangs und der Überalterung
der Bevölkerung - ein Phänomen, das vor zwei Jahren vom Rat der
Europäischen Bischofskonferenzen untersucht wurde -, und aufgrund
der Wirtschaftskrise und des Schwächerwerdens der kulturellen und
religiösen Identität.
Die Weltjugendtage von Köln und Madrid haben ebenso wie die
Pastoralbesuche des Heiligen Vaters in verschiedenen Ländern ein
großes Zeichen der Hoffnung dargestellt und eine außerordentliche
missionarische Wirkung gezeitigt. Die Massenbewegung, die Teilnahme
der Massenmedien, die Großveranstaltungen haben das Herz der
Menschen erreicht, die vor allem auf diese Kommunikationsweise
ansprechen. Ihre Auswirkungen sind nicht flüchtiger Natur. Bei
diesen Anlässen haben zahlreiche Teilnehmer sogar ihre Berufung als
Priester oder Ordensangehörige erfahren. Auch einige Bischöfe
kehrten von diesen Begegnungen zutiefst bewegt wieder nach Hause
zurück.
Die Stadtmission, die in zahlreichen europäischen Großstädten
organisiert wurde, versuchte, dieser Hoffnung Gewicht zu verleihen.
“Wer läßt uns Gutes erleben?” (Ps 4,7) - so lautete das
Motto, unter dem die Mission in Paris stand. “Es gibt eine Hoffnung
für deine Nachkommen”
(Jer 31,17), so haben wir auf der Mission von Budapest
gehört. Diese Missionen verzeichneten dauerhafte Ergebnisse: einmal
abgesehen von der zahlreichen Kontaktaufnahme mit den ungläubigen
Komponenten der Gesellschaft, hat eine sogeartete Erfahrung vor
allem den Gemeinden dabei geholfen, ihre Berufung zur
Evangelisierung der nicht praktizierenden, aber auch der ungläubigen
Menschen zu erneuern. Seit dem vergangenen Jahr, als wir, mit Hilfe
des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, in 12
europäischen Städten wieder eine große Evangelisierungskampagne
organisiert haben, konnten wir zu unserer Freude den
Unternehmungsgeist zahlreicher Gemeinden feststellen. Um auf die
Krise der Familien zu reagieren, hat man sogar im Namen der
Gemeinde, im Auftrag des Bischofs, alle katholischen Familien zu
Hause besucht. Zahlreiche Laien besuchen nun, als Folge dieser
Evangelisierung, den Katechismusunterricht.
7. Anzumerken ist auch die wertvolle Rolle, die einige geistliche
Bewegungen gespielt haben, die bereits in “Ecclesia in Europa”
(Nr.15) erwähnt wurden. Sie sind ein wahrer Segen für die Kirche,
sofern es ihnen möglich ist, der postmodenen Versuchung zu
widerstehen, sich mit außergewöhnlichen Gefühlen und Wahrnehmungen
zufriedenzugeben. Die aktive Präsenz von Personen in der Mission,
die aus anderen Ländern und aus anderen Kontinenten stammen,
ermutigt die europäischen Gläubigen sehr.
8. Ein weiteres Zeichen der Zeiten, das gerade in Europa äußerst
vielversprechend ist, besteht in der zunehmenden freiwilligen
Mitarbeit in den Gemeinden, vor allem im Bereich der Caritas. Vor
allem Pensionäre in der Altersstufe zwischen 65 und 75 Jahren zeigen
eine rührende Großzügigkeit und tragen dazu bei, die Solidarität
zwischen den Generationen zu stärken.
9. Leider sind in Europa weiterhin nationale und ethnische
Spannungen vorhanden. Ungeklärte Fragen auf dem Balkan, die prekäre
Lage der Katholiken in Bosnien, die verschiedenen Konflikte, die mit
dem Phänomen der Immigration aus Osteuropa verbunden sind, verlangen
nach einem ausgewogenen Zeugnis und manchmal nach einem geduldigen
Dienst seitens der Kirche.
Danken wir der Göttlichen Vorsehung dafür, dass in den letzten
Jahren trotz der erwähnten Probleme die Versöhnung unter den
europäischen Staaten Fortschritte gemacht hat. Ermutigt durch Seine
Heiligkeit Benedikt XVI. haben die Bischofskonferenzen der Slowakei
und Ungarns im Jahr 2006 einen Versöhnungsvertrag unterzeichnet.
Ihre Geste möge als Vorbild für die Gesellschaft beider Länder
dienen. Ein weiteres mutiges Ereignis hat vor wenigen Monaten
stattgefunden. Der orthodoxe Patriarch von Moskau und ganz Rußland,
Kyrill, hat in Warschau gemeinsam mit dem Vorsitzenden der
polnischen Bischofskonferenz ein Versöhnungsdokument unterzeichnet.
Darin bekräftigen die unterzeichnenden Parteien auch ihre gemeinsame
Absicht, die menschlichen und christlichen Werte in Europa zu
verteidigen und ihre Annahme zu fördern.
10. In diesen Kontext ordnen sich die jüngsten ökumenischen
Ergebnisse ein. Trotz der Tatsache, daß einige neue Gemeinschaften
sehr stark antikatholisch eingestellt sind und daß andere
christliche Sphären versuchen, ihre Identität durch Angriffe auf die
katholische Kirche zu stärken, wächst die praktische allgemeine
Zusammenarbeit zwischen den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften
in Europa. Ein Zeichen hierfür ist das Europäische
Katholisch-Orthodoxe Forum, das sich mit aktuellen Fragen zur Moral
und zur Soziallehre befasst. Die Begegnungen mit den Vertretern
aller orthodoxen Kirchen haben weite Übereinstimmung im Hinblick auf
die Familie und das Leben zum Ausdruck gebracht, ebenso wie zu den
Kriterien für das Verhältnis zwischen Staat und Kirche und zur
Wirtschaftskrise. Auch mit den protestantischen Gemeinschaften
wächst in Europa der Geist der Brüderlichkeit und der Solidarität.
11. Darüber hinaus wächst unter den katholischen Bischöfen
des lateinischen und des orientalischen Ritus das Bewußtsein der
Einheit, der Brüderlichkeit und der wahren Gemeinschaft.
Wir erflehen daher das Licht des Heiligen Geistes für die Arbeiten
dieser Synode und für die ganze Neuevangelisierung. Selige Jungfrau
Maria, Mutter der Kirche, bitte für uns!
[00013-05.10] [NNNNN] [Originaltext: Italienisch]
- Für Afrika: Kardinal Polycarp PENGO, Erzbischof von Dar-es-Salaam,
Präsident des Symposiums der Bischofskonferenzen Afrikas und
Madagaskars (S.C.E.A.M. - S.E.C.A.M.) (TANSANIA)
Ich spreche im Namen des Symposiums der Bischofskonferenzen Afrikas
und Madagaskars (SECAM).
Seit den frühen Anfängen der Kirche wurde auf dem afrikanischen
Kontinent evangelisiert. Die Begegnung zwischen dem äthiopischen
Eunuchen und dem Diakon Philippus (vgl. Apg 8,26-39) ist ein
Beispiel dafür.
Für weite Teile des subsaharischen Afrika ist die Evangelisierung
jedoch ein eher neues Phänomen, so daß es sehr schwierig ist,
zwischen alter und neuer Evangelisierung zu unterscheiden. Es
scheint aber angemessen zu sein, im Falle von Afrika von neuer
Evangelisierung zu sprechen, angefangen bei dem Appell, der 1969
durch Papst Paul VI. erging: “Afrikaner, seid eure eigenen
Missionare!” (Predigt während des Abschlußgottesdienstes eines von
den afrikanischen Bischöfen organisierten Symposiums in Kampala,
Uganda, 31.7.1969). Dieser Appell bedeutet für uns, daß wir nicht
nur wahre Afrikaner, sondern auch wahre Katholiken sein müssen. Und
dazu bedarf es einer reifen Kirche auf unserem Kontinent.
Um diese Herausforderung annehmen zu können, wurden die dafür
notwendigen pastoralen Einrichtungen auf nationaler und regionale
Ebene geschaffen oder ausgebaut. Zu diesem Zweck wurde 1969 das
SECAM ins Leben gerufen, das “die Gemeinschaft, die Zusammenarbeit
und das gemeinsame Handeln aller afrikanischen Bischofskonferenzen
und der umliegenden Inseln bewahren und fördern” soll (http://www.uecon.org/SECAM.html).
Aus der Einrichtung oder Stärkung der pastoralen Strukturen erklärt
sich auch die heute ungemein große Zahl afrikanischer Bischöfe,
Ordensmännern und -frauen, und Katechisten.
Eine grundlegende Errungenschaft für die Neuevangelisierung Afrikas
sind die kleinen christlichen Gemeinschaften. Sie sind zu lebendigen
Zentren der Evangelisierung unseres heutigen Kontinents geworden.
Es gibt aber auch negative Faktoren, die die notwendige Vertiefung
des Glaubens in Afrika behindern. So werden beispielsweise durch die
Globalisierung schnell fremdartige ausländische Werte eingeführt,
die es den Christen unseres Kontinents schwermachen, wahre Afrikaner
zu sein. Und das macht auch ihren christlichen Glauben fremdartig.
In einem solchen Kontext haben traditionelle Werte wie die
Achtung des Lebens, der Familie und der engen sozialen Beziehungen
nur schwer Bestand.
Auf der anderen Seite gibt es in Afrika kulturelle Elemente, die
eine wahre Evangelisierung verhindern. Dazu gehören beispielsweise
die kontinuierlichen Stammesfehden, Krankheiten, Korruption,
Menschenhandel, verabscheuungswürdige Verbrechen wie
Kindesmissbrauch und Misshandlung von Frauen und Minderjährigen.
Eine weiterer Faktor, der im Zusammenhang mit der Neuevangelisierung
Afrikas nicht unterschätzt werden darf, ist die Aktualität des
islamistischen Fundamentalismus auf dem Kontinent. Hier stellt sich
den Verkündern des Evangeliums die schwierige Aufgabe, mit der
grossen, aber schweigsamen Masse der gutwilligen Muslime in einen
Dialog zu treten, aber auch mit der kleinen Gruppe von
Fundamentalisten, die nicht bereit sind, objektive Wahrheiten zu
akzeptieren, wenn sie nicht ihren Vorurteilen entsprechen.
Die Neuevangelisierung in Afrika muss auch über die Forderung Pauls
VI. hinausgehen, der sagte: “Afrikaner, seid eure eigenen Missionare”.
Es gibt inzwischen schon afrikanische Missionare in der westlichen
Kirche, wie zum Beispiel in Amerika und Europa. Das ist eine
logische Entwicklung. Wir müssen aber in diesem Zusammenhang einen
möglichen negativen Aspekt erwähnen, nämlich dass die Träger der
Evangelisierung statt echter Evangelisationsarbeit vor allem
materiellen Gewinn suchen, und das mit negativen Folgen für die
Kirchen beider Seiten. Während die afrikanische Kirche ihre
qualifiziertesten Missionare verliert, findet die westliche Kirche
Missionare vor, die hauptsächlich materielle Interessen haben.
Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, daß die Synode über die
Neuevangelisierung ein hochwillkommenes Ereignis ist. Sie ist, wie
der Heilige Vater Papst Benedikt XVI. sagte, ein Aufruf an Afrika:
“Steh auf, nimm deine Bahre und geh” (vgl. Africae Munus
148). Mit einem durch diese Synode erneuerten Glauben kann Afrika,
so glaube ich, die schwerwiegenden Probleme überwinden, vor die es
sich heute gestellt sieht.
Im Lichte der beiden päpstlichen nachsynodalen Schreiben Ecclesia
in Afrika (1995) und Africae Munus (2011), des
Katechismus der Katholischen Kirche und dem Kompendium der
Soziallehre der Kirche erwartet die Kirche in Afrika von dieser
Synode mit Recht eine reiche Ernte.
[00010-05.11] [NNNNN] [Originaltext: Englisch]
- Für Amerika: S.Exz. Carlos AGUIAR RETES, Erzbischof von
Tlalnepantla, Präsident der Bischofskonferenz, Präsident des Rates
der Lateinamerikanischen Bischofskonferenzen (C.E.L.AM.) (MEXIKO)
1 Die große Herausforderung: die tiefgreifenden Veränderungen und
der Bruch mit der überkommenen Kultur (vgl. Instrumentum laboris für
die XIII. Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode, Nr. 47)
Die V. Generalversammlung des Episkopats Lateinamerikas und der
Karibischen Inseln (die im Mai 2007 in Aparecida, Brasilien)
stattfand, ist in einer Kontinuität mit dem II. Vatikanischen Konzil
zu sehen (“Die V. Generalversammlung des Episkopats Lateinamerikas
und der Karibischen Inseln ist ein neuer Schritt in der Geschichte
der Kirche, vor allem nach dem Zweiten Vatikanischen Ökumenischen
Konzil. Sie gibt Kontinuität, nimmt aber gleichzeitig den Weg der
Treue, der Erneuerung und der Evangelisierung der
lateinamerikanischen Kirche im Dienste der Völker wieder auf”.
Dokument von Aparecida, Nr. 9) und fordert dazu auf, die Mission der
Kirche im neuen und herausfordernden Kontext Lateinamerikas und der
Welt von Grund auf zu überdenken und mit Loyalität und Mut neu zu
gestalten (vgl. DA, Nr. 11). Sie hält es für notwendig, den grauen
Pragmatismus des täglichen Lebens der Kirche zu verlassen und wieder
bei Christus zu beginnen (vgl. DA, Nr. 12).
Die Neuevangelisierung erfordert kirchliche Gemeinschaft
Um eine Neuevangelisierung durchführen zu können und den neuen
Generationen den Glauben vermitteln zu können, muß die Kirche eine
ehrliche Gewissenserforschung darüber, wie der Glaube gelebt werden
soll, durchführen („Der Vorschlag zu einer neuen Lebensweise gilt
nicht nur für die Hirten, sondern vielmehr für alle in Amerika
lebende Christen. Von allen wird erwartet, daß sie eine echte
christliche Spiritualität annehmen und vertiefen. «In der Tat
versteht man unter dem Begriff Spiritualität die Art und Weise der
Lebensführung, wie sie von uns Christen verlangt wird. Spiritualität
bedeutet ›leben in Christus‹ und ›leben im Geiste‹. Sie wird im
Glauben angenommen, findet in der Liebe ihren Ausdruck, wird durch
die Hoffnung belebt und im täglichen Leben der kirchlichen
Gemeinschaft umgesetzt»”. (Ecclesia in America, EIA, Nr. 29). Das
kirchliche Leben (vgl. Instrumentum laboris für die XIII.
Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode, Nr. 95) und ihr
Zeugnis in der heutigen Gesellschaft müssen überprüft werden (“Die
Pastoral der Kirche kann nicht außerhalb des historischen Kontexts,
in dem ihre Mitglieder leben, handeln. Ihr Leben spielt sich
innerhalb von konkreten sozialen und kulturellen Gegebenheiten ab.
Diese sozialen und kulturellen Umwälzungen sind für die Kirche eine
neue Herausforderung für ihre Aufgabe der Errichtung des Reiches
Gottes. Hieraus ergibt sich für die Kirche die Notwendigkeit, in
Treue zum Heiligen Geist, der sie leitet, sich zu erneuern, durch
spirituelle, pastorale und auch institutionelle Reformen”. DA, Nr.
367).
Die Kirche in Amerika sagt: „Angesichts einer geteilten und nach
Einheit verlangenden Welt ist es notwendig, freudig und fest im
Glauben zu verkünden, daß Gott Gemeinschaft ist; er ist Vater, Sohn
und Heiliger Geist; er ist die Einheit in der Verschiedenheit; er
beruft alle Menschen zur Teilhabe an dieser dreifaltigen
Gemeinschaft. … Diese in der Kirche existierende und ihrer Natur
nach wesentliche Gemeinschaft muß durch konkrete Zeichen sichtbar
werden“ (EIA, Nr. 33).
Auch wenn die institutionelle Organisation der Kirche unerläßlich
ist, so reicht sie doch nicht aus (“Ein Großteil der heutigen
Menschheit findet das Evangelium nicht in der fortdauernden
Evangelisierung der Kirche ”. Aus: “Die Neuevangelisierung”, Rede
Joseph Kardinal Ratzingers anläßlich des Jubiläums der Katechisten
und Religionslehrer am 10. Dezember 2000 in Rom. In: Osservatore
Romano, 19. Januar 2001); das Zeugnis der Spiritualität der
“communio” (Novo Millennio Ineunte, Nr. 43) muß im kirchlichen Leben
sichtbar sein; deshalb bedarf es der Teilnahme und der Gemeinschaft
der verschiedenen Mitglieder der Kirche auf allen Ebenen und aller
Funktionen (“Die pastorale Bekehrung erfordert, daß die pastoralen
Gemeinschaften von Jüngern in der Mission sind, die sich um Christus,
ihren Meister und Hirten scharen. Von hier geht die Öffnung nach
außen aus, die Bereitschaft zum Dialog und die Bereitschaft, die
Mitverantwortung und die effektive Teilnahme der Gläubigen am Leben
der christlichen Gemeinschaften zu fördern. Heute mehr denn je sind
das Zeugnis der kirchlichen Gemeinschaft und der Heiligmäßigkeit
eine pastorale Dringlichkeit”. DA, Nr. 368), indem Zeugnis abgelegt
wird über die Kunst, zu leben (“Dafür bedarf es der
Neuevangelisierung. Wenn man die Kunst, zu leben, ignoriert,
funktioniert absolut nichts mehr. Doch diese Kunst kommt nicht von
der Wissenschaft her, sie kann nur von demjenigen vermittelt werden,
der das Leben hat, der der lebendes Evangelium ist”. Aus “Die
Neuevangelisierung”, Joseph Ratzinger).
Das sich Bewußtwerden, das die kirchliche Gemeinschaft hervorbringt,
beginnt mit der pastoralen Bekehrung (die der Schlüssel für eine
neue, begeisterte Evangelisierung ist), verstanden als Anerkennung
der Offenbarung des Reiches Gottes und die Verpflichtung, Jünger
Christi zu sein, um ihn überall in der Welt bekannt zu machen (Mk
1,15). Das ist eine Verpflichtung, die eine ständige (“Die Bekehrung
wird auf Erden nie vollkommen erreicht werden: auf dem Weg, den der
Jünger in der Nachfolge Jesu gehen muß, muß sie ein ganzes Leben
lang immer wieder angestrebt werden“. EIA, Nr. 28) und persönliche
Bekehrung (“Die persönliche Bekehrung erweckt die Fähigkeit, alles
in den Dienst für das Kommen des Reiches Gottes zu stellen. Bischöfe,
Priester, ständige Diakone, Männer und Frauen des gottgeweihten
Lebens, Laien, sowohl Männer als auch Frauen, wir alle sind
aufgefordert, uns ständig zu bekehren, was bedeutet, daß wir
aufmerksam auf das hören müssen und uns bewußt werden müssen, «was
der Heilige Geist den Kirchen sagt» durch die Zeichen der Zeiten, in
denen Gott sich zeigt”, DA, Nr. 366) erfordert.
Der hoffnungsvoll beginnende Weg der Neuevangelisierung in Amerika
Die pastorale Erneuerung in Amerika, die als Antwort auf das Zweite
Vatikanische Konzil in Gang gesetzt wurde, hat das Leben der Kirche
in ihrem Inneren dynamisiert: die Zahl der im Bereich der Seelsorge
Tätigen hat sich vervielfältigt, die Anwesenheit und die
eucharistische Teilnahme der Gläubigen an der Sonntagsmesse hat
zugenommen; folglich gibt es zahlreiche und unterschiedliche
positive Aspekte der pastoralen Erneuerung der Kirche (vgl. DA, Nr.
99). Gleichwohl steht dieses Wachstum nicht in einem proportionalen
Verhältnis zum demographischen Wachstum unserer Völker; es gibt eine
sehr große Anzahl von der Kirche fernstehenden Katholiken, deren
katholische Identität nur sehr lau ist, auch wenn sie sicherlich
gläubig sind (vgl. DA, Nr. 100).
Die Religiosität ist weiterhin lebendig, und sie ist potentiell das
große Reservoir unserer Völker (“Ein besonderes Merkmal Amerikas ist
das Vorhandensein einer Volksfrömmigkeit, die tief in den
verschiedenen Völkern verwurzelt ist. Sie ist auf allen
Gesellschaftsebenen zu finden, und sie ist von besonderer Bedeutung
als Ort der Begegnung mit Christus für alle, die Gott aufrichtig und
im Geiste der Armut und Demut des Herzens suchen (vgl. Mt 11,25)”.
EIA, Nr. 16) Sie bereitet, wenn sie vom Wort Gottes geleitet ist (“«Ich
bin der Weg und die Wahrheit und das Leben» (Joh 14,6). Mit diesen
Worten stellt sich Jesus als den einzigen Weg dar, der zur
Heiligkeit führt. Jedoch gelangt man hauptsächlich durch das Wort
Gottes, das die Kirche durch ihren Predigtdienst verkündet, zur
konkreten Kenntnis der Wegstrecke”. EIA, Nr. 31), das Herz des
Gläubigen auf die Entdeckung Christi vor (vgl. Instrumentum
laboris für die XIII. Ordentliche Generalversammlung der
Bischofssynode, Nr. 21. “Gott zu verkündigen, bedeutet in ein
Verhältnis mit Gott einführen: lehren zu beten”. Aus: “Die
Neuevangelisierung”, Joseph Ratzinger), indem man sich vom Herrn des
Lebens anziehen läßt (“Die Begegnung mit dem Herrn erzeugt eine
tiefgreifende Verwandlung bei denen, die sich ihm nicht verschließen.
Der erste Impuls, der von dieser Umwandlung ausgeht, ist, daß man
den anderen den Reichtum, den man in dieser Begegnung erfahren hat,
gerne mitteilen möchte”. EIA, Nr. 68) und einzuwilligen, der Kirche
mit einem größeren Bewusstsein als Mitglied einer Gemeinschaft
missionierender Jünger beizutreten, die eine christliche
Spiritualität praktiziert (“Die Nachfolge Christi hat ein sehr viel
höher angesetztes Ziel: die Identifizierung mit Ihm, d. h. das
Erreichen der Einheit mit Gott”. Aus: “Die Neuevangelisierung”
Joseph Ratzinger), die es ihren Mitgliedern ermöglicht, durch die
Gemeinschaft mit Gott Vater im Heiligen Geist geheiligt zu werden (“Die
Heiligkeit ist das Ziel der Umkehr, denn diese «existiert nicht um
ihrer selbst willen, sondern sie führt zu Gott, der heilig ist.
Heilig zu sein heißt, Gott nachzuahmen und seinen Namen durch die
Werke, die wir in unserem Leben vollbringen, zu verherrlichen (vgl.
Mt 5,16)»”. EIA, Nr. 30).
Die kleinen Gemeinschaften, die untereinander in Verbindung stehen,
erleben den Vorzug der Kommunikation und der Gemeinschaft. Die
Gemeinde erneuert sich, indem sie ein neues Gesicht der Kirche zeigt,
die kraftvoll wächst und sich entwickelt (vgl. Instrumentum Laboris
für die XIII. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode, Nr.
80-107), wenn die Gemeinde in einem organischen Verhältnis zu den
anderen steht, die ihrerseits als Diözese vom Bischof geleitet
werden (“Ein Schlüssel für die Erneuerung der Pfarreien, die
besonders in den Großstädten sehr wichtig ist, könnte vielleicht
darin bestehen, die Pfarrei als Gemeinschaft der Gemeinschaften und
Bewegungen zu sehen”: EIA, Nr. 41). Diese Dynamik der kirchlichen
Gemeinschaft ist vor allem in den Städten und den Großräumen der
Metropolen sehr dringend und unverzichtbar (vgl. DA, Nr. 517-518).
Das Leben der Kirche als Gemeinschaft der Gemeinschaften, in
Gemeinschaft und Einheit, ermöglicht es jedem Christen, zu entdecken,
daß es im 21. Jahrhundert möglich ist, als Jünger Jesu in einer
Gemeinschaft aus Jüngern Jesu zu leben und sich als Missionsjünger
klar zu werden über die dringende Notwendigkeit, in der Welt von
heute ein glaubwürdiges und zuverlässiges Zeugnis des Glaubens
abzulegen (Wenn wir den Glauben verkündigen, dann müssen wir auch
eine Gemeinschaft für das Leben anbieten, einen allen zugänglichen
Raumfür diesen neuen Lebensstil. Die Evangelisierung kann nicht nur
allein durch Worte erfolgen. Das Evangelium schafft Leben, schafft
Gemeinschaft auf dem Weg. Eine nur individuelle Umkehr hat keinen
Bestand. NE, JR).
Die pastoralen Abläufe der Programmgestaltung in den Diözesen öffnen
Räume für die Ausbildung des Missionsjüngers und für die
Missionierung des Kontinents. Die vom Plan der Diözese für die
Seelsorge beschriebene planmäßige Seelsorge verwirklicht das, was in
Novo Millennio Ineunte vorgezeichnet ist: “Und in den
Ortskirchen kann man jene konkreten programmatischen Züge
festschreiben, die es der Verkündigung Jesu Christi erlauben, die
Personen zu erreichen, die Gemeinschaften zu formen und durch das
Zeugnis in die Gesellschaft und die Kultur tief einzuwirken.” (NMI,
Nr. 29).
Deshalb wage ich es, zu sagen, daß die Neuevangelisierung, die sich
in Amerika einen Weg bahnt, von der Begegnung Christi mit der Kirche
ausgeht, die die Kirche den gläubigen Christen anbietet (“Jesus
Christus ist die ‘Frohbotschaft’ des Heils, das den Menschen von
gestern, heute und für alle Zeiten zuteil geworden ist; doch er ist
auch gleichzeitig der erste und höchste Verkünder seines Evangeliums.
Die Kirche muss den Mittelpunkt ihrer Seelsorge und ihrer
Evangelisierung im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus
sehen. ‘All das, was im kirchlichen Bereich an Projekten erstellt
wird, hat von Christus und seinem Evangelium auszugehen’”: EIA, Nr.
67), und gelangt so zur Entdeckung und zum leidenschaftlichen und
engagierten Erleben eines geregelten Lebens (die Verkündigung Gottes
führt hin zur Gemeinschaft mit Gott in der von Christus begründeten
und belebten brüderlichen Gemeinschaft. NE, JR), das Ausdruck der
Spiritualität der Gemeinschaft ist.
Auf diese Weise nähert sich das Leben der Diözese und der Gemeinde
demjenigen der Familie, der Hauskirche an (Damit die Familie
wirklich eine „Hauskirche“ ist, ist sie berufen, die Umgebung zu
bilden, in der die Eltern den Glauben weitergeben, und sie ‘sollen
[…] durch Wort und Beispiel für ihre Kinder die ersten Glaubensboten
sein’”: EIA, Nr. 46). Dadurch stärken sie sich wechselseitig und
tragen dazu bei, die Grundlagen zu schaffen, auf denen man sich mit
dem Erziehungsnotstand unserer Zeit auseinander setzen kann (Lineamenta
für die XIII. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode, Nr.
20).
Die Protagonisten der Neuen Evangelisierung
Damit die Hefe des Evangeliums das Leben der Menschen durchdringe
und ihm Sinn und Geschmack verleihe, hängt der Einfluß des Glaubens
auf die Gesellschaft größtenteils vom Handeln der Laien ab. Deshalb
bekräftigt “Ecclesia in Amerika”, daß sie die eigentlichen
Protagonisten der Neuevangelisierung sind: “Die kirchliche
Erneuerung in Amerika wird ohne die aktive Teilnahme der Laien nicht
möglich sein. Daher kommt ihnen zum großen Teil die Verantwortung
für die Zukunft der Kirche zu” (EIA, Nr. 44).
Die Berufung und die eigentliche und spezifische Sendung der
gläubigen Laien besteht in der Verwandlung der weltlichen Strukturen,
mit dem Ziel, daß sich der Verhaltenskodex der Gesellschaft auf die
Werte des Evangeliums gründen soll (vgl. Lumen gentium, Nr. 31; EIA
Nr. 27). Hierauf gründet die Bedeutung des Bewusstseins und der
Ausbildung der Laien ihrer Identität gemäß, die, ganz persönlich und
gemeinschaftlich, Zeugnis ablegen soll für ein Leben, das im Bereich
des Privatlebens und der Arbeit kohärent mit den Gewissheiten des
Glaubens übereinstimmen sollte (“Es gibt zwei Bereiche, in denen die
Berufung der Laien verwirklicht wird: der erste Bereich, der am
ehesten ihrem Laienstand entspricht, umfasst die weltlichen Dinge,
die zu regeln die Laien nach Gottes Willen berufen sind. In der Tat
‘wird das Evangelium durch die besondere Art dieses
Wirkungsbereiches in die Strukturen dieser Welt hineingetragen, und
durch ihr allseits heiligmäßiges Wirken weihen sie diese Welt Gott’.
Durch die Laien ‘verwirklicht sich die Präsenz und Mission der
Kirche in der Welt auf besondere Weise in der Verschiedenheit der
Charismen und Ämter, die es im Laienstand gibt. Die
Weltzugewandtheit ist das eigentliche Charakteristikum der Laien und
ihrer Spiritualität, die sie in Familie und Gesellschaft, am
Arbeitsplatz, in Kultur und Politik tätig werden lässt. Zur
Evangelisierung dieser Lebensbereiche sind die Laien berufen”: EIA,
Nr. 44).
Deshalb ist es unerlässlich, über Einrichtungen zu verfügen, welche
die Berufung der Laien fördern und deren Bildung und Mission in der
Welt begleiten (vgl. Instrumentum laboris der XIII. Ordentlichen
Generalsversammlung der Synode, Nr. 118).
Die Neuevangelisierung und der Dialog mit der Welt und den
Religionen
Während des Konzils unterstrich Papst Paul VI in seiner ersten
Enzyklika: "Die Kirche muss zu einem Dialog mit der Welt kommen, in
der sie nun einmal lebt. Die Kirche macht sich selbst zum Wort, zur
Botschaft; zum Dialog" (Ecclesiam Suam, Nr. 65).
In der heutigen pluralistischen Gesellschaft öffnen sich für den
Dialog verschiedene Bereiche; der Dialog in Amerika befasst sich
unter anderem mit den Themen: Wort Gottes, Menschenwürde, Familie,
Leben, Erziehung, Ethik, Wirtschaft, Völkerentwicklung, Menschen
unterwegs und vor allem die Migrantenbewegung, Solidarität, Ökologie,
Gerechtigkeit und Frieden. Bei allen Thematiken ist die Wahrheit der
Leuchtturm ("Die Treue zum Menschen erfordert die Treue zur Wahrheit,
die allein Garant der Freiheit (vgl. Joh 8, 32) und der Möglichkeit
einer ganzheitlichen menschlichen Entwicklung ist. Darum sucht die
Kirche die Wahrheit, verkündet sie unermüdlich und erkennt sie an,
wo immer sie sich offenbart. Diese Sendung der Wahrheit ist für die
Kirche unverzichtbar". Caritas in Veritate, Nr. 9).
Die gesellschaftlichen und kulturellen Erziehungsinstitutionen ("Bei
dem globalen Projekt der Neuevangelisierung nimmt der Bereich
Erziehung einen bevorzugten Platz ein. Deshalb muß die Aktivität
aller katholischen Lehrer unterstützt werden, was auch für jene gilt,
die in nicht konfessionsgebundenen Schulen unterrichten. In diesem
Sinne richte ich an die Ordensleute den dringenden Aufruf, diesen
für die Neuevangelisierung so wichtigen Bereich nicht aufzugeben"...
Die Familie ist der erste Ort der Erziehung der Person: EIA, Nr. 71)
sind eigenständige strategische Instanzen, um die Anteilname der
Laien in der Welt zu fördern, zu koordinieren und zu definieren.
Schlüsselpunkte der Neuevangelisierung
Die grundlegende Herausforderung der Neuevangelisierung
Christus verkündigen mit der Sprache und den kulturellen Formen der
neuen Technologien der sozialen Kommunikation (vgl. Instrumentum
laboris der XIII. Ordentlichen Generalsversammlung der Synode, Nr.
59-62).
Die technisch-pastorale Seite der Neuevangelisierung
Die Aufgabe der Kirche als Fortsetzung der Dynamik des Geheimnisses
der Menschwerdung (“Im Geheimnis der Inkarnation werden die
Grundlagen für eine Anthropologie gelegt, die über ihre Grenzen und
Widersprüche hinausgehen kann, indem sie sich auf Gott selbst, ja
auf das Ziel der ‘Vergöttlichung’ dadurch zubewegt, daß der erlöste
und zum gemeinsamen Leben mit dem dreifaltigen Gott zugelassene
Mensch in Christus eingegliedert wird”, NMI Nr. 23), im Sinne von
Gaudium et spes (vgl. Gaudium et Spes, Nr. 1-4) und nach den
Anweisungen von Novo Millennio Ineunte (NMI, Nr. 3): in jeder
Teilkirche "die sich um ihren Bischof versammelt, ist im Hören des
Wortes, im geschwisterlichen Miteinander und im "Brechen des Brotes"
(vgl. Apg 2,42) "die eine heilige, katholische und apostolische
Kirche wahrhaft gegenwärtig und wirksam". Gerade in der konkreten
Situation jeder Teilkirche nimmt das Geheimnis des einzigen
Gottesvolkes diese besondere Form an, die sich den einzelnen Umwelt
und Kulturen anpassen kann. Diese Verwurzelung der Kirche in Ort und
Zeit spiegelt letztendlich die Logik der Menschwerdung selbst wieder.
Die Verantwortung der Träger der Pastoral:
1. Persönliche Umkehr (vgl. Instrumentum laboris zur XIII.
Ordentlichen Generalsversammlung der Synode, Nr. 88) und Änderung
der Mentalität der Priester, Ordensleute und Träger der Pastoral,
beflügelt vor allem von dem Bewusstsein der aktuellen sozialen und
kulturellen Herausforderungen, und begleitet von ständigem Studium
und Meditation des Wortes Gottes ("Diese Lektüre der Bibel,
begleitet durch das Gebet, ist in der kirchlichen Tradition als
"Lectio divina" bekannt. Es ist dies eine Praxis, die bei allen
Christen gefördert werden soll. Für die Priester muß sie ein
grundlegendes Element bei der Predigtvorbereitung, besonders der
Sonntagspredigt, bilden": EIA, Nr. 31).
2. Die Vorbreitung und die Feier der Eucharistie ("Die verschiedenen
Aspekte dieses Sakraments zeigen seinen unerschöpflichen Reichtum
auf. Es ist gleichzeitig Sakrament-Opfer, Sakrament-Gemeinschaft und
Sakrament-Gegenwart. Die Eucharistie ist der bevorzugte Ort der
Begegnung mit dem lebendigen Christus": EIA, Nr. 35), der
kulturellen Angebote (vgl. Instrumentum laboris der XIII.
Ordentlichen Generalsversammlung der Synode, Nr. 97) und der
religiösen Praktiken der Volksfrömmigkeit, damit sie zu Orten und
Einrichtungen der Begegnung mit Christus und den Brüdern werden (EIA,
Nr. 12).
3. Eine organische Pastoral für die Teilname und die Gemeinschaft
innerhalb der Diözesen ("Die vom Bischof geleitete Diözese ist der
erste Bereich von Gemeinschaft und Mission. Sie muß eine erneuerte,
verstärkte und organische Pastoraltätigkeit entwickeln und fördern,
damit sich die Verschiedenheit der Charismen, Aufträge, Dienste und
Organisationen an dem selben Missionsprojekt orientieren, nämlich
das Leben in der eigenen Umgebung zu verkünden. Dieses Projekt, das
auf dem Weg der verschiedenen Teilhabe entsteht, ermöglicht eine
organische Pastoral, die auf die neuen Herausforderungen antworten
kann. DA, Nr. 169) und innerhalb der kirchlichen Provinzen (vgl. EIA,
Nr. 36-37).Die Verantwortung der Gemeinschaft der Gläubigen:
1. Als Grundlage der Glaubensbildung der Gläubigen den Katechismus
der Katholischen Kirche und das Kompendium der Soziallehre der
Kirche benützen (angesichts der schwerwiegenden Probleme der
Sozialordnung, so wie sie in unterschiedlichen Formen in ganz
Amerika vorhanden sind, weis der Katholik, daß er innerhalb der
kirchlichen Soziallehre Antworten als Ausgangspunkt für konkrete
Lösungen finden kann. Solche Lehre zu verbreiten ist deshalb eine
wirkliche pastorale Priorität. EIA, Nr. 54).
2. Das gemeinschaftliche christliche Leben in einer Lebensform von
kleinen Gemeinschaften, die teilen und Gemeinsamkeit leben,
ausdrücken (die Berufung zum missionarischen Jüngersein ist
gleichzeitig Berufung in die Gemeinschaft seiner Kirche. Es gibt
keine Jüngerschaft ohne Gemeinschaft... Der Glaube befreit uns aus
der Isolation des Ichs, weil er uns in eine Gemeinschaft einführt.
Das bedeutet, daß die Zugehörigkeit zu einer konkreten Gemeinschaft,
in der wir eine bleibende Erfahrung von Jüngerschaft und
Gemeinschaft mit den Nachfolgern der Apostel und dem Papst machen,
eine wesentliche Eigenschaft des christlichen Ereignisses ist. DA,
vgl. 156)
3. Christliche Bildungsangebote definieren und anbieten (vgl. EIA,
Nr. 34 und 69), um auf pädagogische Weise die Gläubigen auf
mystagogischen Wegen in die Erfahrung der Geheimnisse Gottes
einzuführen (vgl. NMI, vgl. 32-34).
Die Verantwortung der Laien in der Welt:
1. Sich zusammentun und sich gegenseitig stärken, damit sie in dem
je eigenen Lebensbereich handeln und Zeugnis ablegen können (vgl.
Instrumentum laboris der XIII. Ordentlichen Generalsversammlung der
Synode, Nr. 158) für die Glaubensüberzeugungen und ihre katholische
Identität ("Aufgrund ihrer Teilhabe am prophetischen Amt Christi
werden die Laien" folglich "ganz in diese Aufgabe der Kirche
einbezogen", und deshalb müssen sie sich berufen und gesandt fühlen,
die Frohbotschaft des Reiches zu verkünden. Die Worte Jesu: "Geht
auch ihr in meinen Weinberg!" (Mt 20,4), darf man nicht so auffassen,
als wären sie nur an die Apostel gerichtet worden, sondern sie
gelten für alle, die wahre Jünger des Herrn sein wollen". EIA, Nr.
57)
2. Mit den öffentlichen und privaten Institutionen den Dialog suchen,
und an der Realisierung des Gemeinwohls und einer Kultur ("Mein
Vorgänger, Paul VI., vertrat aufgrund weiser Eingebung den
Standpunkt: "Der Bruch zwischen Evangelium und Kultur ist ohne
Zweifel das Drama unserer Zeitepoche". Deshalb sagten auch die
Synodenväter, daß "die Neuevangelisierung klare, ernsthafte und
geordnete Anstrengungen erfordert, um die Kultur mit dem Evangelium
zu durchwirken". EIA, Nr. 70), die auf der Menschenwürde beruht
("Man sollte daran erinnern, daß das Fundament, auf dem alle
Menschenrechte basieren, die Würde der Person ist". EIA, Nr. 57).
3. Die neuen technischen Kommunikationsmittel benutzen, um Leben und
Aufgabe der Kirche bekannt zu machen und mit der Welt in einen
Dialog zu treten ("Für die Effektivität der Neuevangelisierung ist
eine vertiefte Kenntnis der heutigen Kultur grundlegend, in der die
Massenmedien einen großen Einfluß ausüben. Daher ist es unerläßlich,
diese Medien sowohl in ihren herkömmlichen Formen als auch
hinsichtlich der neuesten Errungenschaften des technischen
Fortschritts zu kennen und zu nutzen". EIA, Nr. 72).
4. Die sozialen Vernetzungen benutzen, um das katholische Denken und
seine aktuellen Antworten auf die kulturellen herausforderungen
bekannt zu machen, besonders gegenüber der neuen Generation ("Es
gibt wirklich viele Jugendliche in Amerika, die den wahren Sinn
ihres Lebens suchen und ein Verlangen nach Gott verspüren... Die
dabei entstehende Frustration führt häufig dazu, daß sie von der
Suche nach Gott ablassen. Angesichts dieser sehr komplexen Situation
"verpflichtet sich die Kirche, ihre pastorale und missionarische
Option für die Jugendlichen aufrechtzuerhalten, damit sie heute dem
lebendigen Christus begegnen können". EIA, Nr. 47).
Die pastorale Umkehr setzt sich in der kontinentalen Mission fort,
die in Aparecida vom ftlineEpiskopat aus Lateinamerika und der
Karibik als Auftrag angenommen wurde. Deshalb identifiziert sich in
Amerika die Neuevangelisierung mit der Mission des Kontinents.
[00011-05.14] [RC013] [Originaltext: Spanisch]
- Für Asien: Kardinal Oswald GRACIAS, Erzbischof von Bombay,
Generalsekretär der Vereinigung der asiatischen Bischofskonferenzen
(F.A.B.C.) (INDIEN)
Asien ist ein Kontinent, der gerade die Hoffnungen und Freuden einer
beständigen Neugeburt im Geiste erlebt (Ecclesia in Asia). Wir alle
wissen, daß 60 % der Weltbevölkerung in Asien lebt. Es ist ein
junger Kontinent, mit einer mehrheitlich jungen Bevölkerung. Und
folglich ist Asien in vielerlei Hinsicht zentral für die Zukunft der
Welt. Indien und China, die 37 % der Weltbevölkerung beherbergen,
treten in vielen Gebieten als Hauptakteure auf der internationalen
Bühne auf.
Auf der asiatischen Szene gibt es wenig Einheitlichkeit, und deshalb
ist es schwer, zu sagen, was eigentlich typisch asiatisch ist. In
einigen Ländern wie etwa Japan, Südkorea und Taiwan sehen wir ein
hohes wirtschaftliches Entwicklungsniveau; in anderen Ländern ist
dieses Niveau im Steigen begriffen, wogegen andere Länder gegen die
Armut kämpfen. Asien ist mit einem breiten Spektrum alter und
hochentwickelter Kulturen gesegnet. Es ist auch die Wiege vieler
Religionen der Welt. Kann das daran liegen, daß die asiatische Seele,
die unablässig das Absolute sucht, tief in der Spiritualität
verwurzelt ist?
Die Kirchen in Asien haben für die drei wichtigsten
Herausforderungen, die uns erwarten, drei zentrale Stoßrichtungen
identifiziert. Wir müssen mit den Kulturen, wir müssen mit den Armen
und wir müssen mit den Religionen ins Gespräch kommen: wir müssen
untersuchen, was der Auftrag des Evangeliums für uns im Hinblick auf
diese drei zentralen Wirklichkeiten bedeutet.
Ein alles umfassender Megatrend, der in Asien jeden einzelnen Aspekt
des Lebens beeinflußt, ist die Globalisierung. Diese ist ein
fortschreitender, unerbittlicher, komplexer und ambivalenter Prozeß,
der jeden Bereich unseres Lebens und unseres Tuns umfaßt. Nachdem
sie zunächst als wirtschaftlicher Prozeß begonnen hatte, der
mitunter zum Nachteil der ärmeren Länder zum freien Wettbewerb
geführt hatte, ist sie mittlerweile zu einem kulturellen Phänomen
geworden. Sie beeinflußt wichtige Werte der asiatischen Kultur,
indem sie Materialismus, Individualismus, Konsumismus und
Relativismus mit sich bringt. Vor allem die Jugend ist ihren
Auswirkungen gegenüber sehr anfällig.
Wir sehen die Auswirkungen der Globalisierung vor allem darin, wie
sie unser Wertesystem beeinflußt. Traditionelle asiatische Werte,
die Pflege hochgeschätzter Traditionen und Kulturen werden von ihr
beeinflußt und untergraben. Zu Anfang unseres großen Vorhabens der
Neuevangelisierung möchte ich hier einige Beispiele anführen:
1. Wie bereits erwähnt, breitet sich der Geist der Säkularisierung
und des Materialismus immer weiter aus. Die Bevölkerung Asiens ist
von Natur aus religiös. Hunderttausende stehen Schlange, um Tempel
und Orte der Verehrung zu besuchen, um aus Anlaß bestimmter Festtage
den göttlichen Segen zu erhalten. Nun stellen viele fest, daß Gott
aus der Mitte des Lebens der Menschen an den Rand gedrängt wird. Aus
unserer christlichen Perspektive ist festzustellen, daß unsere
Kirchen immer noch großen Zulauf haben. Aber wie lange noch? Das
Jahr des Glaubens wird uns mit der Herausforderung konfrontieren,
die Botschaft des Glaubens auf eine Art und Weise zu vermitteln, die
anziehend und einschlägig ist und eine Antwort auf die Fragen
unserer Zeit darstellt.
2. Die Familienbande, die einst in jedem asiatischen Haus sehr
wichtig und tief verwurzelt waren, werden allmählich untergraben.
Dies geht Hand in Hand mit den Angriffen auf die Heiligkeit der Ehe.
Die Scheidung, einst ein Tabuthema, ist keineswegs mehr selten.
Einige schwache Stimmen haben sich auch zugunsten der
gleichgeschlechtlichen Ehe erhoben. Noch ist das keine große
Bewegung, aber im Namen der Freiheit gewinnt das immer mehr an Boden.
In der asiatischen Kirche sind zahlreiche auf die Familie
ausgerichtete Bewegungen entstanden. Dieses Apostolat hat Früchte
getragen, da die Familie als Kernzelle der Gesellschaft verstanden
wird, als die Umgebung, in der Glück, Erfolg und Lebensaufgabe
angelegt wurden. Die Herausforderung an uns besteht darin, neue Wege
zu finden, um die Heiligkeit der Familie und des Zuhause zu erhalten.
3. Bewegungen gegen das menschliche Leben: Während die Seele des
Asiaten alle Aspekte des Lebens für wichtig erachtet, gibt es
nunmehr Bedrohungen für das Leben, die auf unterschiedliche Art
beunruhigen. Ethnische Kriege, die gewaltsame Unterdrückung
andersgearteter religiöser Überzeugungen; die tragische Bedrohung
des Lebens hilfloser Menschen, der Ungeborenen; die Ermordung
weiblicher Föten ist in manchen Gegenden weitverbreitet, weil eine
Tochter als ein Fluch des Himmels oder als finanzielle Belastung
angesehen wird.
Die asiatische Seele an sich hat große Ehrfurcht vor dem Leben. In
einigen religiösen Traditionen werden Tiere und Pflanzen als heilig
angesehen und werden mit größter Ehrfurcht behandelt. In dieser
Umgebung wird die Botschaft des Evangeliums zugunsten des Lebens mit
Selbstverständlichkeit akzeptiert.
4. Die asiatische Seele sucht Gemeinschaft. Aber auch das wird
mittlerweile durch den Individualismus behindert, der sich
einschleicht und dafür sorgt, daß man sich nicht mehr um den anderen
kümmert und seinen/ihren Bedürfnissen gleichgültig gegenübersteht.
Hinzu kommt auch, daß die Gastfreundschaft, die traditionell in
allen Gesellschaften wichtig war, immer mehr abnimmt. Die Kirche
Asiens hat sich für die grundlegende Methode der christlichen
Gemeinschaft als neuer Weg, Kirche zu sein, entschieden. Dies hat
mancherorts sehr großen Erfolg gehabt und zur Mitwirkung der Laien
in der Kirche, der Laienbildung und einander entgegengestreckten
Händen geführt. Es hat vielen, die zuvor vernachlässigt worden waren,
ein Gefühl der Zugehörigkeit gegeben.
5. Wir sind leider auch Zeugen einer steigenden Anzahl von Angriffen
auf die Religion. In einigen Ländern nimmt die Christenverfolgung zu.
Die Opposition kommt von seiten einer zahlenmäßig stärkeren Religion
oder manchmal auch seitens ideologischer Angriffe, die religiösen
Gruppierungen ihre politische Autorität aufoktroyieren wollen. Die
christlichen Gemeinden fühlen sich mancherorts schwach und
ungeschützt, aber wir haben Fälle heroischer Glaubenszeugnisse
mitten im Leiden gesehen.
Selbst heute noch sind die großartigen Erkenntnisse des II.
Vatikanischen Konzils in Nostra Aetate relevant. Für uns
Asiaten ist der Dialog kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Jeder
von uns hat Tag für Tag mit einem Dialog des Lebens zu tun. In Asien
stellen wir nur 3 % der Gesamtbevölkerung dar, und nur in zwei
Ländern, auf den Philippinen und in Ost-Timor, gibt es eine
christliche Mehrheit. Der religiöse Fundamentalismus macht sich auf
unserem Kontinent zunehmend bemerkbar. Diese Vorfälle sind, auch
wenn sie nur sporadisch auftreten, Grund zur Besorgnis.
Wir freuen uns auf das Jahr des Glaubens, damit wir lernen, unseren
Glauben besser zu verstehen, ihn authentischer zu leben und ihn
vertrauensvoller zu bekennen.
Gestatten Sie mir, mit zwei weiteren Elementen zu schließen, die
unseren asiatischen Kontext betreffen: Religion ist für uns eher die
Jüngerschaft eines Menschen als der Beitritt zu einer Lehre oder der
Gehorsam einer Reihe von Regeln gegenüber. Die Gestalt Jesu ist
zutiefst anziehend: Seine Botschaft und Sein Leben, Sein Leiden, Tod
und Seine Auferstehung. Die Zuwendung zu einer Lehre ist die Frucht
der Jüngerschaft bei einem Meister. So haben die ersten Christen die
Frohe Botschaft verkündet.
Im übrigen findet die asiatische Mentalität mehr Bedeutung im
kontemplativen Gebet als in diskursiven Meditationen. Dies sind
Reichtümer, auf die wir bauen und die wir mit der Welt teilen können.
Unsere Liturgien spielen eine zentrale Rolle in unserem christlichen
Glauben, aber wenn wenigstens in außerliturgischen Gottesdiensten
die Kontemplation in den Brennpunkt rücken kann, dann kann dies
unserem Volk tiefe Befriedigung verschaffen, da es die Gegenwart
Gottes verspürt und von ihm gestärkt wird.
Vor uns liegen ungeheure Herausforderungen. Aber es gibt viele
Möglichkeiten. Das junge Asien ist mit einem Kommunikationsboom
gesegnet, wie es ihn noch nie gegeben hat. Dies darf nicht als eine
Bedrohung angesehen werden, sondern als ein großes Geschenk Gottes,
das dazu genutzt werden soll, um die Frohe Botschaft zu verkündigen.
Wir sind dazu aufgerufen, unsere Jugend besonders im Gebrauch der
neuen Medien auszubilden und Nutzen aus diesen neuen Medien zu
ziehen.
Möge Maria, der Stern der Neuevangelisierung, uns auf unserem Weg
leiten.
[00012-05.04] [NNNNN] [Originaltext: Englisch]
- Für Ozeanien: S.Exz. John Atcherley DEW, Erzbischof von
Wellington, Präsident der Bischofskonferenz, Präsident der
Föderation der Katholischen Bischofskonferenzen Ozeaniens
(F.C.B.C.O.) (NEUSEELAND)
1. Bei der Bischofssynode für Ozeanien des Jahres 1998 hat Pater
Timothy Radcliffe, der damalige Generalobere der Dominikaner, hier
in dieser Aula den wunderschönen Ausdruck “Inseln der
Menschlichkeit” geprägt und meinte damit Ozeanien. Diese
“Inseln der Menschlichkeit” haben dann in dem Nachsynodalen
Apostolischen Schreiben “Ecclesia in Oceania” Niederschlag gefunden,
das Papst Johannes Paul II. bei einer Pastoralreise nach
Neukaledonien verkünden sollte. Sein immer schlechter werdender
Gesundheitszustand machte diesen Plan jedoch zunichte, und so kam es,
dass mit “Ecclesia in Oceania” zum ersten Mal ein wichtiges
vatikanisches Dokument elektronisch lanciert wurde: so kam Ozeanien,
das zwar vom technologischen Zentrum der Welt weit entfernt ist,
aber immerhin ein Drittel der Erdoberfläche umfasst, in den Genuss
der Vorteile der elektronischen Kommunikation! Das Nachsynodale
Apostolische Schreiben war ein Aufruf an die Menschen Ozeaniens, ihr
Leben wieder neu auf Jesus auszurichten: seinen Weg zu gehen, seine
Wahrheit weiterzusagen und sein Leben zu leben.
Das Nachsynodale Apostolische Schreiben war auch für viele eine
Einführung in den Begriff “neue Evangelisierung”. “Die
Evangelisierung ist die Sendung der Kirche, die der Welt die in Jesu
Christus offenbarte Wahrheit Gottes mitteilen will... Eine neue
Evangelisierung ist heute notwendig, so dass ein jeder die
Barmherzigkeit Gottes, die allen Menschen in Jesus Christus bestimmt
ist, vernehmen, verstehen und an sie glauben möge” (EO 18).
Dieses Heute ist das biblische Heute: “Heute, wenn ihr seine Stimme
hört...”
Heute ist die Kirche Ozeaniens eingeladen, erneut die Aufforderung
Jesu Christi zu vernehmen, seinen Weg zu gehen, seine Wahrheit zu
sagen und sein Leben zu leben unter dem Kreuz des Südens, das den
nächtlichen Himmel über ganz Ozeanien erhellt.
Was verstehen wir unter den Inseln der Menschlichkeit, die wir in
den Diözesen und Ländern der vier Bischofskonferenzen erkennen, aus
denen sich die Föderation der Katholischen Bischofskonferenzen von
Ozeanien zusammensetzt?
Die Bischofskonferenz des Pazifik (CEPAC).
Mehr als 30% der Bevölkerung dieses immens großen Gebietes wurde
nach der Bischofssynode für Ozeanien geboren. Überall spüren wir die
Lebendigkeit der Jugend, wie man z.B. auch an der großen Beteiligung
der Jugendlichen am Weltjugendtag in Sydney 2008 sieht, an dem
jährlich stattfindenden Téné-Festival in Neukaledonien, dem
diesjährigen Jugend-Festival in Samoa; an die vielen Priester- und
Ordensberufungen, deren missionarischer Wirkungskreis weit über das
Gebiet der CEPAC hinausgeht. In diesen jungen Menschen, die eine
Brücke schlagen zwischen den traditionellen kulturellen Werten und
unserem aufregenden neuen technologischen Zeitalter mit einem
Wischen auf dem I-pad oder smart-phone, können wir eine ehrliche, ja
manchmal schmerzliche Suche nach Sinn und Spiritualität erkennen.
Manchmal ist es schwer für sie, den trügerischen Verlockungen der
aggressiven Medien und der Unterhaltungsindustrie zu widerstehen.
Die von der CEPAC herausgegebenen französisch- und
englischsprachigen Ausgaben des Katechismus der katholischen Kirche
und des YouCat sind ein wertvolles Werkzeug für die Bildung
der Jugendlichen.
In NEUSEELAND konnten wir beobachten, wie das katholische Leben
durch die migrationsbedingte wachsende ethnische Verschiedenheit
neue Vitalität erlangt hat. Die zahlenmäßig größten
Bevölkerungsgruppen stammen von den Pazifischen Inseln und den
Philippinen - hier finden wir auch einen kleinen, aber nicht
unbedeutenden Anteil von Katholiken - aus dem Nahen Osten, Indien,
Korea, China und dem Sudan. Es sind Menschen, die ihren katholischen
Glauben und ihre Spiritualität ebenso mit einbringen wie die von
ihnen gemachten Erfahrungen von Krieg, Armut und Vertreibung, die
ihren Glauben geformt haben. Mit der Unterzeichnung des Vertrags von
Waitangi zwischen der Britischen Krone und dem Stamm der Maori im
Jahre 1840 konnte sich Neuseeland einer starken bi-kulturellen
Partnerschaft versichern. Dieser Vertrag legte die “moralischen
Grundlagen für die Präsenz aller anderen Völker in
Aotearoa-Neuseeland” (Stellungnahme NZCBC [Neuseeländer
Bischofskonferenz], 1989).
In Australien gibt es ein großes Engagement in der Gesellschaft
durch die Erwachsenenbildung und neue Formen von Führungsrollen für
Laien in der Kirche. Was Medien und Technik angeht, ist Australien
das fortschrittlichste aller Länder der Föderation. Und diesen
Fortschritt hat Australien großzügig mit anderen geteilt,
beispielsweise durch seine Förderung des katholischen
Radionetzwerkes auf den Salomon-Inseln; sowie durch die
Zurverfügungstellung der elektronischen Ressourcen für die
Evangelisierung, die schulische und pastorale Bildung. In den
letzten zwei Jahren hat die Diözese Broken Bay elektronische
Konferenzen mit weltweiten Live-Übertragungen angeboten. Bei der
ersten dieser elektronischen Konferenzen, an der ich in Wellington,
Neuseeland, teilnahm, konnte ich fasziniert miterleben, wie
australische Gastgeber via Satellitenverbindung die Teilnehmer aus
vielen Pazifik-Ländern, den Salomon-Inseln, den Philippinen, Indien
- ja sogar aus dem weit entfernten Kanada und dem Vereinigten
Königreich - begrüßten und sich mit ihnen unterhielten. Diese neue
Technik ist ein grundlegendes Element der neuen Evangelisierung.
Papua-neuguinea und die Salomon-inseln sind - wie im Nachsynodalen
Apostolischen Schreiben Ecclesia in Oceania gewünscht
(#16-17) wurde - führend auf dem Gebiet der Analyse und der
praktischen Inkulturation des Evangeliums. Ihre Kulturen spiegeln
Werte des Evangeliums wie die Heiligkeit des Lebens und der
Gastfreundschaft wider. Verschiedene internationale Orden und
Säkularinstitute - sowohl für den Klerus als auch für Laien - haben
ihre Bildungsprogramme wegen des guten inkulturierten
Bildungsangebot und des hervorragenden Hochschulniveaus in Papua
Neuguinea und auf den Salomon- Inseln angesiedelt. In diesen Ländern
gibt es auch breite Bevölkerungsschichten, die die Botschaft des
Evangeliums zum ersten Mal hören; so konnten z.B. am vergangenen
Osterfest auf den Salomon-Inseln mehr als 60 Erwachsenentaufen
vorgenommen werden.
In jeder der vier Konferenzen funktionieren unsere katholischen
Schulen gut und sind in das Pfarreileben integriert. Unsere Schulen
sind ein fruchtbarer Boden für die neue Evangelisierung, da sie die
Möglichkeit bieten, die Familien am Leben der Kirche wieder Anteil
haben zu lassen.
Der hl. Peter Chanel ist der Protomärtyrer Ozeaniens, und seine
Fürsprache wird schon seit vielen Jahren erfleht. Die
Heiligsprechung der seligen Mary vom Kreuz MacKillop vor zwei Jahren
fand nicht nur in Australien großes Interesse, sondern im gesamten
Pazifik-Raum. Das Medien-Interesse war enorm, und die
Heiligsprechung wirkte Wunder für die Kirche. Solche Vorbilder an
Heiligkeit inspirieren auch weiterhin: der sel. Peter To Rot aus
Papua-Neuguinea, der bald (noch im Laufe dieser Synode)
heiliggesprochen werden wird, der sel. Pedro Calungsod aus Guam -
der “Heilige der Teenager”. In Neuseeland erwarten wir die Causa der
Suzanne Aubert. Da das Medieninteresse groß ist und auf die
Phantasie der Menschen Einfluss nimmt, werden diese Beispiele mehr
für die Neuevangelisierung tun, als wir uns vorstellen können.
2. Diese “Inseln der Menschlichkeit” sind jedoch auf einer
vulkanischen Kette wackeliger tektonischer Platten gebaut, die
manchmal als “Inseln der Unmenschlichkeit” zur Oberfläche
drängen und zum Ausbruch kommen.
CEPAC: Alle Länder der CEPAC-Region stehen seit mehr als 50 Jahren
nicht mehr unter Kolonialherrschaft oder konnten eine Art interner
Selbst-Regierung erlangen. Einige von ihnen kämpfen aber immer noch
um eine Regierungsform, die nicht nur ihre kulturelle
Einzigartigkeit widerspiegelt, sondern auch den Anforderungen einer
modernen Demokratie entspricht, z.B. Fidschi und Tonga. Diese
anhaltende politische Instabilität begünstigt gelegentliche
Ausbrüche von Gewalt, was nicht selten auch Menschenleben fordert.
Einige dieser Länder/Diözesen sind stark betroffen vom Klimawandel,
z.B. die niedrig liegenden Inseln Kiribati, Tuvalu, Tokelau, Rotuma,
die nördlichen Cook-Inseln und Ost-Polynesien. Die “überwältigende
Pracht und Schönheit... von Land und Meer, Wasser und Erde” (EO 6)
ist ernstlich bedroht, und mehr noch all jene, die von dem leben,
was Land und See dem Menschen zu bieten haben. Die Sorge der Kirche
um die Armen und Schwachen muss unbedingt auch den Bedürfnissen
potentieller “ Umweltflüchtlinge” Rechnung tragen.
In NEUSEELAND können wir beobachten, dass das saeculum, “in
dem Gläubige und Nichtgläubige zusammen leben, etwas darstellt, was
ihnen gemeinsam ist: das Menschliche” (IL 54). Der “Vorhof
der Völker” ist ein bevorzugter Ort der Evangelisierung. Das ist
die positive Seite der Evangelisierung. Ein aggressiver Säkularismus
und die mangelnde Anerkennung der transzendenten Würde der
menschlichen Person führen oft dazu, dass der Dialog mit der
Gesellschaft über wichtige Fragen zu Bioethik und Gesellschaft -
Euthanasie, Abtreibung, die Definition der Ehe - behindert wird.
Dieser Säkularismus stellt auch eine Herausforderung für eine
wachsende Zahl Andersgläubiger dar, die in Neuseeland eine neue
Heimat gefunden haben, z.B. Muslime, Hindus, Buddhisten und Sikhs.
In ihren Heimatländern haben sie oft die Erfahrung einer sehr viel
positiveren Begegnung mit Christen gemacht, und sind nun enttäuscht
über das, was sie in einem Land erleben, das sie für “christlich”
hielten.
Papua Neuguinea und die Salomon-inseln: In einer Region mit so
verschiedenen ethnischen und sozialen Bevölkerungsgruppen stellen
sich natürlich ernstzunehmende Fragen sozialer Gerechtigkeit:
Zusammenbruch traditioneller kultureller Werte und soziale
Fragmentierung, eine hohe HIV/AIDS- Rate, bedrückende Armuts- und
Korruptionsraten, Spannungen aufgrund von Streitigkeiten über den
Zugang zu den Naturschätzen, schnell voranschreitende Urbanisierung,
großes Gewaltpotential, Grenzstreitigkeiten mit Indonesien und West
Papua. Die bereits erwähnte Kraft der Inkulturation wird in diesen
Bereichen, in denen die soziale Gerechtigkeit rascher Lösungen
bedarf, auf eine harte Probe gestellt.
Australien: Das immens große “Südliche Land des Heiligen Geistes”
muss im Bereich der neuen Evangelisierung höchsten Anforderungen
gewachsen sein, und zwar im Dialog mit einer zunehmend
säkularisierten Gesellschaft, beim Überbrücken des Abgrundes
zwischen Arm und Reich, in der Förderung der Würde der
Eingeborenen-Völker und Asylsuchenden und bei der Suche nach
Lösungen für dieselben bioethischen und sozialen Fragen, denen sich
Neuseeland stellen muss. Australien hat oft mit verheerenden
Buschbränden zu kämpfen, die viele Menschenleben fordern und große
Sachschäden anrichten. Diese Brände sind eine der Auswirkungen des
Klimawandels. Obwohl Naturkatastrophen in Ozeanien aus globaler
Sicht oft gering sind, haben sie doch enorme Auswirkungen auf
kleinere Nationen und schwache Wirtschaftssysteme.
3. Die neue Evangelisieurng in diesem Kontext
Das Instrumentum Laboris (78) erinnert uns an die drei
Grunderfordernisse für die neue Evangelisierung:
*die Fähigkeit zur Unterscheidung, d.h. die Fähigkeit, sich der
Gegenwart zu stellen in der Überzeugung, dass es auch in dieser Zeit
möglich ist, das Evangelium zu verkünden...
*die Fähigkeit, den christlichen Glauben zu leben...
* eine klare und eindeutige Verbundenheit mit der Kirche
Diese Erfordernisse sind ein Aufruf zur Umkehr im Kontext der neuen
Evangelisierung in Ozeanien. “...Eine neue Evangelisierung ist heute
notwendig, so dass ein jeder die Barmherzigkeit Gottes, die allen
Menschen in Jesus Christus bestimmt ist, vernehmen, verstehen und an
sie glauben möge” (EO 18).
a) “Evangelisierung bedeutet, dass wir über die Verkünder des
Evangeliums sprechen müssen”. Die Ausbildung und ständige Bildung
all jener, die in die Evangelisierungs-Sendung der Kirche
eingebunden sind, muss für uns oberste Priorität haben. Das bedeutet,
dass wir das Geschenk und die Berufung der Taufe wiederentdecken
müssen, indem wir dem auferstandenen Jesus in den Schriften und in
der Kirchengemeinde begegnen, die um die Eucharistie versammelt ist,
eine erneuerte Verpflichtung zum Gebet und zur Kontemplation, zum
Bibelstudium und zur lectio divina, einen großzügigen und
mutigen Dienst an der Gemeinschaft der Kirche und der Gesellschaft,
unter Hochhaltung der Familie und ihrer Werte.
b) Wir müssen die kerygmatische katholische Tradition zurückgewinnen,
“das Wort Gottes verkünden, dafür einzutreten, ob man es hören will
oder nicht” (2 Tim 4,2), die prophetische Stimme der Kirche
wiedererlangen, die Zeichen der Zeit zu erkennen wissen, die nach
einer neuen Evangelisierung rufen, und eine christliche Antwort auf
diese Zeichen der Zeit finden.
Wir beten mit den Worten von Ecclesia in Oceania darum, dass die
Kirche in Ozeanien, “die Kraft haben möge, dem Weg Jesu getreu zu
folgen, die Wahrheit Jesu Christi mutig weiterzusagen und freudvoll
das Leben Jesu Christi zu leben.”
[00014-05.15] [RC005] [Originaltext: Englisch]
WORTBEITRÄGE IN
DER SYNODENAULA (BEGINN)
Es haben folgende Synodenväter das Wort ergriffen:
-
Kardinal Angelo SODANO, Dekan des Kardinalskollegiums (VATIKANSTADT)
-
S.Exz. Salvador PIÑEIRO GARCÍA-CALDERÓN, Erzbischof von Ayacucho,
Präsident der Bischofskonferenz, Militärbischof für Peru (PERU)
-
Kardinal Stanisław RYŁKO,
Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien (VATIKANSTADT)
Im Folgenden veröffentlichen wir die Zusammenfassungen der
Wortbeiträge:
-
Kardinal Angelo SODANO, Dekan des Kardinalskollegiums (VATIKANSTADT)
Diese Synodenversammlung ist vom Papst einberufen worden, um ein
Thema zu vertiefen, das die Herzmitte unseres pastoralen
Sendungsauftrages zu Beginn des dritten christlichen Jahrtausends
berührt. Der Nachfolger Petri hat seinerseits bereits tiefgehende
Studien in dieser Hinsicht eingeleitet, wie es aus zahlreichen
seiner Verlautbarungen ersichtlich wird. Eine Zusammenfassung davon
ist bereits im letzten Teil des kürzlich erschienenen Buches des
Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung
veröffentlicht worden, das den Titel trägt: “Enchiridion der
Neuevangelisierung” (Libreria Editrice Vaticana 2012).
In seiner Ansprache, die er vor kurzem vor den Teilnehmern
des“Ad-limina”-Besuchs der französischen Bischöfe gehalten hat,
sagte der der Papst ausdrücklich: “Die Herausforderungen einer in
weiten Teilen säkularisierten Gesellschaft stellen nunmehr eine
Aufforderung dar, mit Mut und Optimismus nach einer Antwort zu
suchen und dabei mit Kühnheit und Innovationsgeist die ständige
Neuheit des Evangeliums vorzuschlagen” (L’Osservatore Romano, 22.
September 2012).
“Mit Mut und Optimismus”: dies ist der Wunsch, den ich meinerseits
gegenüber allen hier Anwesenden zum Ausdruck bringe, wobei ich die
großen Schwierigkeiten eingestehe, die in der gegenwärtigen
Situation herrschen. Mitunter drängt sich auch uns die Versuchung
der Apostel auf, die am Ufer des Sees Gennesaret durch den Mund
Simons zu Jesus sagten: “Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und
nichts gefangen, Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze
auswerfen” (Lk 5,5). Und es ereignete sich der wunderbare
Fischfang.
Gewiss, die Neuevangelisierung, zu der wir berufen sind, soll nicht
nur ein Slogan oder eine neue Technik sein, wie es heutzutage bei
der Neu-Alphabetisierung der Fall ist, die den Gebrauch von
Online-Kommunikationsmethoden vermitteln will. Es handelt sich dabei
vielmehr um eine neue Evangelisierung in dem uns von den letzten
Päpsten aufgezeigten Sinn, bei der die Herausforderungen in Angriff
genommen werden sollen, vor denen die Kirche heute steht. Sie muss
dabei jede Form des Skeptizismus überwinden und auf die Hilfe des
Herrn vertrauen. Zudem handelt es sich um ein häufig wiederkehrendes
Thema in der Geschichte der Kirche, die dazu berufen ist, aus ihrem
Schatz “nova et vetera” (Mt 13,52), Neues und Altes,
hervorzuholen.
Wir stehen gewiss vor einem großen Vorhaben, in das Himmel und Erde
miteinbezogen sind. Angesichts des zuvorkommenden und begleitenden
Wirkens der göttlichen Gnade ist es ein geheimnisvolles Werk. Die
Formulierung des zweiten Teils des Themas dieser Synode, das heißt
der Satz “für die Weitergabe des Glaubens”, scheint nicht ganz
angemessen zu sein, denn, wie wir nur allzu gut wissen, wird der
Glaube nicht durch uns weitergegeben, da er aus der Gnade Gottes
hervorgeht und nicht nur aus der Entscheidung des Menschen, der
dieses Geschenk annimmt. Und um diese Gnade zu erbitten, weist uns
die Kirche neben dem Apostolat des Handelns auch stets auf das
Apostolat des Gebets hin.
Meinerseits habe ich versucht, mich auf unsere Synodenversammlung
vorzubereiten, indem ich in den vergangenen Monaten erneut die “Apostelgeschichte”
gelesen habe. Dort erkennt man bereits deutlich, dass das
Evangelisierungswerk der Kirche Frucht verschiedener Faktoren war.
Dies zeigt sich an den Worten und konkreten Initiativen der Apostel
sowie am beständigen Wirken der göttlichen Gnade, die die Herzen für
die Annahme der Frohen Botschaft offen werden ließ. Sicherlich sehen
wir dort, dass Petrus gegenwärtig ist, der nach Pfingsten die
Initiative ergreift und mit heiligem Eifer Jesus von Nazaret als den
einzigen Erlöser vorstellt (Apg 2,14 ff.).
Ich muss allerdings gestehen, dass ich mich nach der trostreichen
Lektüre der Apostelgeschichte mit dem Buch der Offenbarung
beschäftigt habe, und dabei habe ich über die Wirklichkeit des Bösen
in der Welt sowie über das Geheimnis der Freiheit des Menschen
nachgedacht, der obwohl er das Licht sieht, mitunter bevorzugt im
Dunkel zu bleiben. Ich wollte die Textstellen der Apokalypse
meditieren, die uns die zerstörerische Gegenwart des Bösen in der
Welt beschreiben. Es ist jedoch stets tröstlich, in der
Apostelgeschichte zu lesen, wie letztlich die siegreiche Kraft über
allem menschlichen Elend erstrahlt.
Ich möchte nun meine Rede mit einem Aufruf beschließen, den ich
nicht so sehr als Dekan des Kardinalskollegiums, sondern vielmehr
als ältester Dekan der hier versammelten Bischöfe vorbringe. Ich
rufe dazu auf, dass wir unser Evangelisierungswerk mit großer Demut
voranbringen, von dem Wissen getragen, dass wir nicht die ersten
sind, die im Weinberg des Herrn arbeiten, und auch nicht die letzten
sein werden. Wir sind nicht die ersten, denn andere sind uns seit
zweitausend Jahren in dieser pastoralen Aufgabe vorangegangen. Wir
sind auch nicht die letzten, denn nach uns werden andere dieses Werk
weiterführen, bis zum Ende der menschlichen Geschichte, wenn es
einen neuen Himmel und eine neue Erde geben wird (Offb 21,1).
[00024-05.04] [IN001] [Originaltext: Italienisch]
-
S.Exz. Salvador PIÑEIRO GARCÍA-CALDERÓN, Erzbischof von Ayacucho,
Präsident der Bischofskonferenz, Militärbischof für Peru (PERU)
In meinem priesterlichen Wirken bin ich immer Pfarrer gewesen, und
ich habe entdeckt, dass der bevorzugte Ort für die Erziehung im
Glauben der sonntägliche Gottesdienst ist, weil wir Gläubigen dort
Jesus hören und den Triumph seines Kreuzes feiern, um den
Sendungsauftrag der Liebe zu leben. Woche für Woche vernehmen wir
die Worte und Gesten des Meisters, die wir in der Familie, in
unseren Wohnvierteln und an den Orten unserer Arbeit und unserer
Studien verwirklichen sollen.
Am Sonntag, dem Tag des Herrn und der Kirche, an diesem
eucharistischen Tag,danken wir dem Vater der Güte und
Barmherzigkeit, der uns das Leben und vor allem den Glauben Jesu
Christi schenkt sowie die Gemeinschaft mit unseren Brüdern und
Schwestern, insbesondere mit jenen, die Not leiden und von Leid,
Armut und Ausgrenzung betroffen sind.
Wir gehen diesen wöchentlichen Weg innerhalb des pädagogischen
Systems des Kirchenjahres, beseelt von Joh 16,28, der unseren
Blick auf das weihnachtliche und österliche Geheimnis richtet, indem
er diese Ereignisse vorbereitet und sie in der Freude des Heils
feiert.
Eine angemessene Vorbereitung der Liturgie und der
gottesdienstlichen Zeichen ist die beste Katechese für uns Gläubige,
die uns durch die Verkündigung der Bibel und die Gesänge zu einer
bewußten, aktiven und fruchtbringenden Teilnahme führen soll (SC
11), die uns mit missionarischem Geist erfüllt. Der Altar ist
Gipfelpunkt und Quelle des kirchlichen Wirkens (SC 10).
Man muss im pastoralen Handeln unserer Diözesen und unserer
Pfarreien die Liturgiekreise fördern, die über diesen bevorzugten
Ort der Evangelisierung nachdenken, ihn vorbereiten und animieren.
Wenn die Theologie zur Pastoral in der Liturgie wird, müssen wir uns
der Ausbildung der Priester und Katecheten annehmen, damit sie deren
Inhalte vertiefen und Methoden für Kinder und Jugendliche
fördern.Neben den offiziellen Gottesdiensten gibt es die in unseren
lateinamerikanischen Völkern so tief verwurzelte Volksfrömmigkeit,
in der zahlreiche Gläubige ihre Erwartungen zum Ausdruck bringen und
Jesus Christus, der Jungfrau Maria und den Heiligen die Ehre
erweisen wollen.
Das Lehramt des Dieners Gottes Paul VI. zeigt uns in Evangelium
nuntiandi den Wert der Volksfrömmigkeit, und daher müssen wir
diese Suche nach Gott begleiten, indem wir auf Katechesen und
Programme Wert legen, die diese Ereignisse in der Gemeinschaft zu
Initiativen sozialer Veränderungen werden lassen, die dem Wohl der
Bedürftigsten dienen.
Wir dürfen diese schlichte Bitte von Seiten einer Mehrheit nicht
vergessen, die in den Wallfahrtsorten und bei Patronatsfesten ihre
Frömmigkeit bekundet und sich dabei bedauerlicherweise nur selten
aufgenommen und begleitet fühlt.
[00025-05.06N002] [Originaltext: Spanisch]
-
Kardinal Stanisław RYŁKO,
Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien (VATIKANSTADT)
Im Instrumentum laboris lesen wir unter Nr. 115: “Ein anderes
Geschenk der Vorsehung an die Kirche ist das in den letzten Jahren
erfolgte, oft unerwartete und charismatische Aufblühen von Gruppen
und Bewegungen, die sich vor allem der Verkündigung des Evangeliums
widmen.
Das Lehramt der letzten Päpste hat bei zahlreichen Anlässen diese
“neue Zeit der Zusammenschlüsse von Laien” als ein Geschenk der
Vorsehung unterstrichen und damit auch den engen Zusammenhang mit
dem “neuen Pfingsten” des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Insbesondere der selige Johannes Paul II. verwies auf die
missionarische Dynamik der Bewegungen und neuen Gemeinschaften, die
“ein echtes Geschenk Gottes für die Neuevangelisierung und die
missionarische Arbeit im engeren Sinn darstellen. Ich fordere also
dazu auf, sie zu verbreiten und sich ihrer zu bedienen, um dem
christlichen Leben und der Evangelisierung Kraft zu geben in einer
pluralistischen Sicht der Art der Zusammenschlüsse und der
Ausdrucksweisen”. Papst Benedikt XVI. hat seinerseits unterstrichen:
“Ein von der Vorsehung bestimmtes Instrument für einen neuen
missionarischen Impuls sind die kirchlichen Bewegungen und die neuen
Gemeinschaften; nehmt sie auf und fördert sie in euren Diözesen.”
Und bei anderer Gelegenheit hat er die Bischöfe aufgefordert, sie
“mit viel Liebe” anzunehmen.
Leider stellen die Bewegungen und neuen Gemeinschaften weiterhin
eine Ressource dar, die in der Kirche noch nicht in ihrem vollen
Wert geschätzt wird, eine Gabe des Heiligen Geistes und ein
Gnadenschatz, der vor den Augen vieler Hirten noch verborgen ist,
weil sie sich vielleicht vor dem Neuen fürchten, das diese in das
Leben der Diözese und der Pfarreien bringen. Der Heilige Vater ist
sich dieser Schwierigkeit sehr wohl bewusst, und deshalb ermahnt er
die Hirten “die Charismen nicht auszulöschen” und “daß wir dankbar
sein sollen, wenn uns der Herr neue Gaben schenkt, auch wenn sie
manchmal unbequem sind”. Daher ist eine echte “pastorale Bekehrung”
der Bischöfe und Priester notwendig, die aufgerufen sind, in den
Bewegungen vor allem ein kostbares Geschenk zu sehen und weniger ein
Problem.
Denn die missionarische Begeisterung der neuen Gruppierungen
entspringt nicht einem oberflächlichen Gefühlsenthusiasmus, sondern
sehr tiefen und anspruchsvollen Erfahrungen der Glaubensbildung
gläubiger Laien hin zu einem erwachsenen Glauben, die in der Lage
ist angemessen auf die Herausforderungen der Säkularisierung zu
antworten. Das Neue ihres Wirkens darf also nicht in ihren Methoden
gesucht werden, sondern in der Fähigkeit die Zentralität Gottes im
Leben der Christen wieder zu bekräftigen, eine grundlegende Frage in
den Lehren des Heiligen Vaters Benedikt XVI. Auch für die Aufgabe
der neuen Evangelisierung gilt das alte scholastische Sprichwort:
operari sequitur esse, denn unser Handeln ist immer Ausdruck
dessen, was wir sind. Evangelisierung ist nicht nur und nicht so
sehr eine Frage des “Könnens und Tuns”, sondern vor allem eine Frage
des “Seins”, das heißt des wahren und authentischen Christseins.
Darüber hinaus scheinen die von den Bewegungen und neuen
Gemeinschaften angewandten Evangelisierungsmethoden sehr
unterschiedlich, wirklich vielgestaltig zu sein. Aber sie sind
zurückführbar auf die “drei Gesetze der Neuevangelisierung”, über
die der damalige Kardinal Ratzinger aus Anlass des Jubiläumsjahres
2000 vor Katecheten und Religionslehrern sprach: vor allem das
Gesetz der “Enteignung”, das heißt nicht im eigenen Namen,
sondern im Namen der Kirche zu sprechen, indem er darauf hinwies,
dass “Evangelisieren nicht bloß eine Form des Sprechens ist, sondern
eine Lebensform”, das heißt das klare Bewusstsein, zu Christus und
seinem Leib (der Kirche!) zu gehören, die das eigene Ich
übersteigen. Das zweite Gesetz ist das “Gesetz des Senfkorns”,
das heißt der Mut mit Geduld und Ausdauer zu evangelisieren, ohne
unmittelbare Ergebnisse zu verlangen und daran denkend, dass das
Gesetz der großen Zahlen nicht das Gesetz des Evangeliums ist. Dies
ist eine Haltung, die wir zum Beispiel bei der
Evangelisierungsarbeit erkennen können, die von Bewegungen und neuen
Gemeinschaften in den am weitesten säkularisierten Gegenden der Erde
unternommen wird. Das dritte “Gesetz” ist das Gesetz des
Weizenkorns, das sterben un die Logik des Kreuzes annehmen muss,
um Leben zu schenken. In diesen Gesetzen liegt das tiefste Geheimnis
für die wirksame Umsetzung des Evangelisierungsauftrags der Kirche
zu allen Zeiten.
[00026-05.08] [IN003] [Originaltext: Italienisch]
ERRATA CORRIGE
Das in den Verlautbarungen N.4 veröffentliche Errata Corrige zu S.
Em. Kardinal John TONG HON ist zu löschen.
- Verlautbarungen Nr. 03 des 07 10.2012
S. 3
ersetzen:
“...um in jenen Menschen eine neue Begegnung mit dem Herrn zu
begünstigen, der allein unser Leben einen tiefen Sinn verleiht ...”
durch:
“...um in jenen Menschen eine neue Begegnung mit dem Herrn zu
begünstigen, der allein unserem Leben einen tiefen Sinn verleiht...” |