|
22 - 18.10.2012
INHALT
-
BEITRÄGE “IN SCRIPTIS” DER SYNODENVÄTER
BEITRÄGE “IN SCRIPTIS” DER SYNODENVÄTER
Während heute und morgen nachmittag die Arbeiten der Kleinen
Arbeitsgruppen (Sitzungen II, III e IV) zur Niederschrift und
Approbation der Projekte der Texte für die Propositionen durch jede
Kleine Arbeitsgruppe fortgesetzt werden (die Konsensformeln der
Synode zu einigen Themen, die von den Synodenvätern für wichtig
erachtet werden und die dem Heiligen Vater als Ergebnisse der
Synodenarbeitvorgetragen werden) - veröffentlichen wir diejenigen
Beiträge der Synodenväter, die nicht in der Aula gehalten wurden,
“In scriptis”.
Folgende Synodenväter haben ihren Beitrag nur schriftlicheingereicht:
-
S.Exz. Nicholas MANG THANG, Erzbischof-Koadjutor von Mandalay,
Apostolisch Verwalter "sede vacante et ad nutum Sanctae Sedis" in
Hakha (MYANMAR)
-
S.Exz. Anthony Fallah BORWAH, Bischof von Gbarnga (LIBERIA)
-
Kardinal Giuseppe VERSALDI, Präsident der Präfektur der
wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls (VATIKANSTADT)
-
S.Exz. Joachim KOURALEYO TAROUNGA, Bischof von Moundou (TSCHAD)
-
S.Exz. Basílio DO NASCIMENTO, Bischof von Baucau, Präsident der
Bischofskonferenz (OSTTIMOR)
-
S.Exz. Edward Hilboro KUSSALA, Bischof von Tombura-Yambio (SUDAN)
-
S.Exz. Menghesteab TESFAMARIAM, M.C.C.J., Bischof von Asmara
(ERYTHRÄA)
-
S.Exz. Rosario Saro VELLA, S.D.B., Bischof von Ambanja (MADAGASKAR)
-
S.Exz. Charles MAHUZA YAVA, S.D.S., Titularbischof von Apisa Maius,
Apostolischer Vikar von Archipel der Komoren (INSEL KOMORE)
-
S.Exz. Salutaris Melchior LIBENA, Bischof von Ifakara (TANSANIA)
-
S.Exz. Virginio Domingo BRESSANELLI, S.C.I., Bischof von Neuquén
(ARGENTINIEN)
-
S.Exz. Kieran Thomas CONRY, Bischof von Arundel und Brighton
(GROßBRITANNIEN)
-
S.Exz. György UDVARDY, Bischof von Pécs (UNGARN)
-
S.Exz. John Olorunfemi ONAIYEKAN, Erzbischof von Abuja (NIGERIA)
-
S.Exz. Gerard Tlali LEROTHOLI, O.M.I., Erzbischof von Maseru,
Präsident der Bischofskonferenz (LESOTHO)
-
S.Exz. John Ebebe AYAH, Bischof von Ogoja (NIGERIA)
-
P. Gregory GAY, C.M., Generaloberer der Kongregation der Mission
(Lazaristen)
-
S.Exz. Otto SEPARY, Bischof von Aitape (PAPUA NEUGUINEA)
Im Folgenden veröffentlichen wir die Zusammenfassungen der Beiträge,
die nicht in der Aula gehalten wurden, aber von den Synodenvätern
schriftlich eingereicht wurden:
-
S.Exz. Nicholas MANG THANG, Erzbischof-Koadjutor von Mandalay,
Apostolisch Verwalter "sede vacante et ad nutum Sanctae Sedis" in
Hakha (MYANMAR)
Der Ausdruck “Evangelisierung bezieht sich auf jeden Aspekt der
Aktivität der Kirche. Die Kirche ist von Natur aus missionarisch und
auf die Mission Jesu Christi und des Heiligen Geistes gerichtet,
nach dem Heilsplan Gottes, des Vaters (Ad Gentes 2; Lumen Gentium
2). Deshalb ist die Sendung seines Sohnes als Erlöser der Welt der
Heilsplan des Vaters (1 Joh 4,14), sein Auftrag (Lk, 2,49) und sein
Gebot (Joh 15,10). Da darf es nicht verwundern, wenn Christus gesagt
hat, daß seine Speise ist, den Willen dessen (des Vaters) zu tun,
der ihn gesandt hat , und sein Werk zu Ende zu führen (Joh 4,34),
und ihm nicht zu glauben, wenn er das Werk des Vater nicht zu Ende
bringen würde (Joh 10,17). Christus hat mit seinen Werken und seiner
Mission, die ihm der Vater aufgetragen hatte, Zeugnis abgelegt, als
sicheres Zeichen, daß er vom Vater gesandt worden war (Joh 5,35-37).
Das ganze Ziel der Sendung Christi, seine erste Evangelisierung der
Welt als Mission, die ihm vom Vater aufgetragen worden war, ist die,
alles neu in Christus zu gründen und die irrenden Menschenkinder zum
Himmlischen Vater zurückzuführen kraft der Vergebung der Sünden
durch das Opfer am Kreuz, damit alle Menschen sagen können “Vater
unser”, etwas, das wir seit dem Sündenfall nicht mehr tun durften,
und so uns alles wiederzuschenken, was wir durch den Sündenfall
verloren hatten, und uns so einen Platz im Hause unseres Vaters zu
bereiten, kurz, die Fähigkeit erneut Kinder Gottes zu werden, und
rufen zu dürfen “Abba” (Vater). Hier liegt die barmherzige Liebe des
Vaters, die sich in ihrer ganzen Vollkommenheit zeigt, in dem
Bewußtsein, die Jesus von seinem Vater und und der Verantwortung
hatte, die ihm übertragen worden war, nämlich der Erlöser der Welt
zu sein, während seines Lebens und bis zum Ende, um die Sendung des
Vaters im Leiden und in seinem Tod am Kreuz zu erfüllen (Joh
16,28;18,11). Christus vollbrachte seine Mission mit den Worten:
“Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun” (Lk 23,34)
und “Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist” (Lk 23,46).
In Asien, vor allem in Südasien, mit einer großen Mehrheit
Buddhisten, ist die Evangelisierung sehr schwierig und Bekehrung
sehr langwierig. Vielleicht liegt das an den zwei wichtigsten
ideologischen und kulturellen Strömungen: 1. Die Nationalität, die
Kultur und die Religion werden als eine Einheit betrachtet. 2. Die
Kreuzigung und der gewaltsame Tod eines Menschen sind mit der
Vorstellung von einem Gott, Erlöser und Bringer einer Frohen
Botschaft, nicht zu vereinbaren, und deshalb kann er, vom Standpunkt
der buddhistischen Traditionen aus (wie der Reinkarnationstheorie)
nicht als ein guter, heiliger und tugendhafter Mensch gesehen werden.
In Übereinstimmung mit der prophetischen Botschaft, der Rolle und
der Spiritualität der heiligen Therese von Lisieux, die in diesem
21. Jahrhundert die Schutzpatronin der Mission ist und
Kirchenlehrerin der Liebe des Vaters, Jesu und der Kirche Es ist
höchste Zeit, daß die Kirche die missionsorientierte theologische
Spiritualität der heiligen Therese in die Tiefe entwickelt. Sie hat
ein neues Licht auf die älteste und grundlegendste aller
katholischen Lehren geworfen, nämlich daß Gott unser liebender und
erbarmungsvoller Vater ist, der uns liebt und ohne jeden Unterschied
von Rasse, Hautfarbe, Religion an für alle geistlichen und
physischen Bedürfnisse der Menschen und aller Geschöpfe sorgt (Mt
6,26; Lk11,11-12).
[00339-05.08] [IS001] [Originaltext: Englisch]
-
S.Exz. Anthony Fallah BORWAH, Bischof von Gbarnga (LIBERIA)
Seitdem sie im Jahr 1906 in Liberia errichtet wurde, hat die
Katholische Kirche Jesus von ihren Kanzeln als Frohe Botschaft des
Heils verkündet. Und getan hat sie das durch den religiösen und
diplomatischen Dialog, durch die Einrichtung von Dienstleistungen
u.a. im Gesundheits- und Bildungswesen, im Bereich der
Menschenrechte und der Medien. Sie war auch eine prophetische
Stimme, die die Menschen davor gewarnt hat, dass ein Bürgerkrieg
unvermeidlich ist, wenn die Menschenrechte nicht respektiert werden.
Während des Krieges hat sie diese Rolle weiterinnegehabt durch
Institutionen wie die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, den
katholischen Radiosender Veritas, Caritas und andere Dienste.
Die Worte, die der Heilige Vater in Quidah, Benin, gesagt hat, sind
relevant für die Evangelisierung im Liberia der Nachkriegszeit:“Die
Neuevangelisierung setzt die Versöhnung
der Christen mit Gott und untereinander voraus... Der Gläubige wird
... zu einem Stifter von Gerechtigkeit... in den gespaltenen
afrikanischen Gesellschaften, die eine Beute der Gewalt und des
Krieges sind und hungern und dürsten nach wahrer Gerechtigkeit” (Africae
Munus). Die Liberianer dürstet es heute nach wahrer
Gerechtigkeit, Frieden, Versöhnung und Wahrheit, die am meisten
verletzt wird. Die neue Evangelisierung ruft die Kirche dazu auf,
auch die Frage der Versöhnung, des Friedens und der Gerechtigkeit zu
behandeln, da sie ein wichtiger Ausgangspunkt und eine gute
Gelegenheit für das Evangelium sind. Praktische
Evangelisierungsansätze, besonders die Nächstenliebe, haben schon
viele Bekehrungen zur katholischen Kirche bewirkt. Manche Bekehrten
behaupten, dass ihnen und ihren Familien während des Krieges die
Gottesmutter geholfen hätte. So konnte die Marienverehrung selbst
bei manchen Nicht-Katholiken zunehmen, die sich den Katholiken gern
bei den Mariennovenen, -wallfahrten und - prozessionen anschließen.
Da diese Synode die selige Jungfrau Maria als“Stern der neuen
Evangelierung” anruft, müssen wir aus ihrer großen Weisheit schöpfen,
besonders aus ihren offiziell anerkannte Erscheinungen, wie der in
Fatima, deren Botschaften für die neue Evangelisierung wichtig sind.
[00335-05.09] [IS002] [Originaltext:
Englisch]
- Kardinal Giuseppe VERSALDI, Präsident der Präfektur der
wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls (VATIKANSTADT)
Wie Christus gelehrt hat, muss die Verkündigung des Evangeliums
immer begleitet sein von der Glaubwürdigkeit dessen, der es
verkündet, in dem dieser die von ihm verkündete Botschaft in die
Praxis umsetzt. Das gilt auch für die Art und Weise, mit der die
Kirche die zeitlichen Güter gebraucht, die für ihre geistliche
Sendung notwendig sind. Es folgen drei Anmerkungen in Bezug auf die
Aktualität dieses Themas:
1) Es existiert eine reale Schwierigkeit, das richtige Gleichgewicht
zu finden zwischen den Haupterfordernissen des geistlichen Ziels und
den Vorgehensweisen, mit denen die materiellen Güter von den
kirchlichen Verwaltungen behandelt werden, da sie den Methoden
entsprechen, die von der Welt vorgegeben werden, und häufig im
Gegensatz stehen können zum religiösen Zweck. Daraus folgt die
Möglichkeit des Irrtums auf seiten derer, die die kirchlichen Güter
verwalten. Ihnen gegenüber muss in der Kirche die Annahme der guten
Absicht und der Ehrlichkeit bis zum Beweis des Gegenteils und nicht
die leichtfertige Behauptung von Eigeninteresse und persönlicher
Macht, die die Gegner der Kirche aussprechen, gelten.
2) In den möglichen Fällen schlechter Verwaltung der kirchlichen
Güter muss als Therapie in der Kirche die dem Evangelium
entsprechende Medizin der brüderlichen Zurechtweisung gelten. Vor
der Anzeige gegenüber den Behörden muss er im persönlichen Gespräch
zur Rede gestellt werden, um die Möglichkeit für Reue und
Wiedergutmachung zu haben. Transparenz bedeutet nicht automatisch
Öffentlichmachen der Verfehlung, die zum Skandal führt. Nur wenn
keine Reue gezeigt wird muß man sich an die zuständige Autorität
wenden. Diese hat dann die Aufgabe, die Anklage zu überprüfen, ohne
daß diese schon als Beweis schlechter Verwaltung betrachtet werden
dürfen.
3. Es besteht auch die Notwendigkeit, daß die Kirche besser darlegt,
wie die Güter in ihrem Besitz, die der Evangelisierung und der
menschlichen Förderung auf der ganzen Welt dienen, verwaltet werden.
Es geht nicht darum, das Gute, das man tut, vorzuführen, sondern
Zeugnis abzulegen von der großen Nächstenliebe innerhalb der Kirche,
die wie ein Licht die Welt erhellen soll.
[00336-05.05] [IS003] [Originaltext: Italienisch]
-
S.Exz. Joachim KOURALEYO TAROUNGA, Bischof von Moundou (TSCHAD)
Das Umfeld der Kirche in Tschad ist durch das Logo des Jahres des
Glaubens gut umschrieben. Mehrere Jahrzehnte von Krieg und Armut
haben im Volk ein Gefühl der Ohnmacht und Unsicherheit hervorgerufen,
das für das Entstehen und rasche Anwachsen von Phänomenen wie
Hexerei, Wahrsagerei, Alkoholismus und Sekten ein Nährboden ist.
Aber ebenso für eine lebendige Gegenwart Christi.
In solch einem Kontext lautet die grundlegende Frage: Kann man die
Frohbotschaft denen, in denen sich durch ihre Geschichte hindurch
ein tiefsitzendes Gefühl von Ohnmacht und Gottverlassenheit
eingeprägt hat, verkünden? Die Nummer 21 des Instrumentum laboris
legt uns eine Antwort nahe.
Es ist schwierig, Jesus Christus traumatisierten Personen, die
niemandem mehr trauen, zu verkünden. Das religiöse Nomadentum, eine
konkrete Form von Relativismus, beweist das. Angesichts dieses
Relativismus ist die Versuchung zur Entmutigung groß. Woher nimmt
also der Mitwirkende an der Neuevangelisierung die nötige Kraft für
seine Aufgabe?
Das 13. Kapitel des Matthäusevangeliums stellt uns Jesus in vier
Gleichnissen als Vorbild vor Augen: Das Gleichnis vom Sämann, das
Gleichnis vom Unkraut und dem fruchtbaren Weizenkorn, das Gleichnis
vom Senfkorn und das Gleichnis von dem im Mehl verborgenen Sauerteig.
Ein Gleichnis ist nicht nur eine Erzählung, die das schwierig zu
Verstehende auf einfache Weise erklärt. Die vier Gleichnisse
verdeutlichen auch die Verhaltensweisen Jesu bei der Evangelisierung,
das heißt: das Prinzip der Nichtdiskriminierung, die Gelassenheit
und das Vertrauen.
Das Prinzip der Nichtdiskriminierung: Die Frohbotschaft muß allen
Nationen verkündet werden, ohne darauf zu achten, ob sie angenommen
oder abgelehnt wird. Die Kirche muß aussäen. Und das genügt. Die
Gelassenheit: Die Welt ist ein religiöser und ideologischer
Supermarkt geworden. Daher muß der Mitarbeiter an der
Neuevangelisierung mit Gelassenheit den Pluralismus als Umwelt der
Verkündigung Christi annehmen. Das Vertrauen: Der Glaube steht unter
dem Gesetz des Unbekannten. Der Mitarbeiter an der
Neuevangelisierung muß daran glauben, daß die verkündete
Frohbotschaft ihre Wirkung entfalten wird.
Möge diese Synode der Kirche zur Freude verhelfen, mit
zuversichtlicher Gelassenheit und Vertrauen allen Völkern das
Evangelium zu verkünden. Amen.
[00337-05.05] [IS004] [Originaltext: Französisch]
- S.Exz. Basílio DO NASCIMENTO, Bischof von Baucau, Präsident der
Bischofskonferenz (OSTTIMOR)
Timor ist eine kleine Insel zwischen Australien und Indonesien, die
sich die Niederlande und Portugal geteilt haben. Die westliche
Hälfte gehört heute zu Indonesien, und die östliche Hälfte konnte
vor 10 Jahren die Unabhängigkeit erlangen. Es ist das erste
unabhängige Land des 21. Jahrhunderts, mit 18.000 Quadratkilometern
und 1.150.000 Einwohnern. Das Durchschnittsalter liegt bei 26 Jahren.
Es gibt leider sehr viele Naturressourcen, Experten meinen sogar: zu
viele. Aber die Bevölkerung ist immer noch sehr arm.
97 Prozent der Bevölkerung sind katholisch; die katholische Kirche
hat drei Diözesen. Die Bischofskonferenz gibt es seit sechs Monaten.
Die restlichen 3% der Bevölkerung sind Protestanten, Hindus,
Buddhisten, Muslime und einige “Neutrale”.
Die Kirche von Timor-Leste kann eine starke Blüte verzeichnen. Die
Bevölkerung lebt ihren Glauben an Jesus Christus auf einfache Weise,
aber mit großer Überzeugung, angefangen bei den
Regierungsmitgliedern, die öffentlich und vorbehaltlos ihren Glauben
bezeugen, trotz dem, was die Landesverfassung vorschreibt. Wir
können sagen, dass wir große Freude und Stolz empfinden, einen
heiligen Stolz darauf, eine Nation zu sein, die an Jesus Christus
glaubt und mitten in Asien zur katholischen Kirche gehört, auch wenn
wir noch nicht genau wissen, was dies alles einschließt. Die
Philippinen und Ost-Timor sind, was die katholische Kirche in Asien
angeht, unverständliche Fälle.
[00338-05.06] [IS005] [Originaltext: Französisch]
-
S.Exz. Edward Hilboro KUSSALA, Bischof von Tombura-Yambio (SUDAN)
Im Zusammenhang mit den beiden Sudanstaaten und Afrika insgesamt
wird die Evangelisierung verstärkt, wenn sie ernsthaft die Menschen
in Erwägung zieht, an die sie sich richtet, indem sie ihre Sprachen,
Zeichen und Symbole benutzt und die Fragen beantwortet, die sie
stellen, und so wirklich ihr tägliches Leben berührt.
Aus diesem Grunde kommt dieser Synode die Funktion zu, die Augen zu
öffnen, und daher muss sie folgendes als Ausgangspunkt nehmen:
a) Die Träger der Evangelisierung haben zuerst und vor allem
Bekehrung nötig, und zwar durch eingehende Selbstprüfung auch im
Hinblick auf unsere administrativen Funktionen.
b) Als Evangelisierer müssen wir initiativ handeln und im Dienst der
Evangelisierung mutig sein. Unsere Mission erfordert von uns in
erster Linie, in der Kirche selbst gegenseitige Wertschätzung,
Ehrerbietung und Harmonie herzustellen und jegliche legitime
Verschiedenheit anzuerkennen. Welche Art von Evangelisierung können
wir für die Menschen der beiden Sudanstaaten und Afrikas insgesamt
vorschlagen, wenn nicht die Theologie des Friedens?
Die Entstehung Südsudans wurde mit großem Jubel gefeiert:
hauptsächlich weil die Jahre der Sklaverei, der Verfolgung von
Christen und der Unterdrückung vorbei sind, aber auch aufgrund der
Hoffnung auf einen Neubeginn der Entwicklung und der Bereitstellung
grundlegender Dienste. In der Tat stehen die beiden Sudanstaaten und
der Rest der afrikanischen Nationen enormen Herausforderungen
gegenüber wie z.B. dem Aufbau der Nation, die Wunden unserer
ftlineleidvollen Vergangenheit und Gegenwart zu heilen, den
Erwartungen unsrer Völker zu entsprechen, Widerstand gegen
internationale Investoren, denen die Sicherheit und das Wohl unseres
Volkes vor Ort nicht wichtig ist.
c) Die Neuevangelisierung muss sich auf die Spiritualität des Lebens
ausrichten, Ich bin das ewige Leben. Sie muss soziale Übel angehen
und die Würde aller Menschen fördern.
d) Für die Neuevangelisierung ist auf Kontinenten wie Afrika und wo
immer es natürliche Ressourcen in der Welt gibt, die Theologie der
Natur vonnöten, die die Kultur des Umweltschutzes gegen falsche
Investoren verbreitet. Natürliche Ressourcen sind bei uns seit
Jahren vorhanden, eine Ewigkeit. Sie haben Träume von Reichtum
entfacht und Kriege angezettelt. Diese Träume haben in der
Vergangenheit zu Hunderten von Jahren des Kolonialismus geführt mit
einer Politik der “Ausplünderung des Nachbarn”, mit Afrika als einem
der Opfer. Sie haben in der modernen Welt zu einer schwächenden
Realität geführt, dem Ressourcenfluch, für das viele Nationen in
Afrika traurigerweise ein Beispiel sind. Der Ressourcenfluch
betrifft Länder, die aufgrund ihrer bemerkenswerten Ausstattung mit
natürlichen Ressourcen reich sein sollten , die aber in Wirklichkeit
arm sind. Solche Wege müssen für eine wirkliche Evangelisierung, die
Leben rettet und den Frieden erhält, als “Rohmaterial” benutzt
werden.
[00268-05.06] [IN202] [Originaltext: Englisch]
- S.Exz. Menghesteab TESFAMARIAM, M.C.C.J., Bischof von Asmara
(ERYTHRÄA)
Bei der Eröffnung der Zweiten Sonderversammlung der Bischofssynode
für Afrika hat uns der Heilige Vater vor zwei “Viren” gewarnt, die
ganz offen in der Offensive sind, um den christlichen Glauben auf
dem gesamten afrikanischen Kontinent zu schwächen: nämlich vor dem
Säkularismus und der Proliferation religiöser Sekten. Dies ist nur
allzu wahr, denn jedes dieser beiden ruft jeweils Relativismus und
Fundamentalismus hervor. Es ist deshalb wichtig, dass wir im Rahmen
unseres Programms der Neuevangelisierung deren Wurzeln
identifizieren und alles, was in uns, in unseren Familien, Gemeinden
und Diözesen von ihnen angesteckt wurde, wieder gesundpflegen. Sie
sind die erklärten Feinde unseres Glaubens und wir wissen es. Aber
woher kommen sie? Können wir sicher sein, dass sie nicht Folgen
unserer Mittelmäßigkeit und unseres wankelmütigen Lebens als Jünger
Jesu Christi sind? Viele von denen, die wegen dieses inkohärenten
Glaubens bei uns, die wir gute Christen zu sein vorgeben, verstimmt
sind, haben sich möglicherweise dafür entschieden, den Weg des
Relativismus bzw. der Gleichgültigkeit oder der Sentimentalismus und
des Fundamentalismus zu gehen! Wenn wir in unserem Leben als
Christen ein kleines bißchen kohärenter und glaubwürdiger wären,
würden wir sie nicht nur davon abhalten, die sichtbare Kirche zu
verlassen, sondern wir wären auch in der Lage, zahlreiche neue
Mitglieder anzuziehen, wie die ersten Christen in der
Apostelgeschichte, die: “Tag für Tag einmütig im Tempel (verharrten),
in ihren Häusern das Brot (brachen) und miteinander Mahl in Freude
und Einfalt des Herzens (hielten).Sie lobten Gott und waren beim
ganzen Volk beliebt. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft
die hinzu, die gerettet werden sollten” (Apg 2,46f.).
Es ist möglich, zugleich vollkommen religiös und vollkommen
ungläubig zu sein. Das ist natürlich die dritte und beängstigendste
Herausforderung an uns, die wir nun den Weg der Neuevangelisierung
einschlagen möchten. Sie ist subtiler, aber im Verlauf der Arbeit an
der Neuevangelisierung muß ihr ganz besonders viel Aufmerksamkeit
gewidmet werden. Wenn wir wirklich uns selbst gegenüber ehrlich sein
wollen, dann müssen wir zugeben, dass wir nicht im Einklang sind mit
dem, was wir bekennen. Und gerade das war und ist der größte Feind
unseres Glaubens. Das ist der Grund dafür, dass Jesus uns am Ende
der Bergpredigt im Matthäusevangelium ganz deutlich sagt: “Nicht
jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen,
sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt” (Mt
7,21). Bei der Weitergabe des christlichen Glaubens in der
Neuevangelisierung müssen wir sicherstellen, dass die Menschen das
Wort Gottes anhören und ihm getreu gehorchen. Wir müssen diese
Mittelmäßigkeit aus uns selbst und aus unseren Gemeinschaften
ausmerzen.
[00281-05.04] [IN220] [Originaltext: Englisch]
- S.Exz. Rosario Saro VELLA, S.D.B., Bischof von Ambanja
(MADAGASKAR)
Afrika, Madagaskar ist ein junges Land und die Kirche in Afrika und
Madagaskar ist eine junge Kirche. Wir kennen die Bedeutung des
Ältesten in den patriarchalen Gemeinschaften. Es ist der Älteste,
der Werte und Bräuche weitergibt. Der Älteste spricht und hat das
letzte Wort. Aber wer die Veränderung bewirkt ist der Jugendliche!
Wir, als Kirche und als Bischöfe, erziehen und lehren. Aber auch wer
lehrt, muß lernfähig sein. Was kann uns die Jugend lehren?
1. Während der Abendvigil in Madrid ging eine wahres Unwetter mit
Regengüssen auf die Jugendlichen herab, die sich aber nicht
einschüchtern ließen und die trotz der Nässe in stiller Anbetung
verharrten. Der Heilige Vater Benedikt XVI. sagte ihnen: “Eure Kraft
ist stärker als der Regen.” Die Jugendlichen können die Kirche und
uns Bischöfe Mut und Kraft lehren.
Die Neuevangelisierung braucht mutige Mitarbeiter. Man könnte sagen,
daß sich das Schiff Petri mitten in einem Sturm befindet. Lassen wir
uns vom Wehen des Heiligen Geistes steuern und klagen wir nicht,
wenn es uns scheint, in den Wogen unterzugehen. Wir sollten diese
Gefahren der Fahrt in ruhigen Wassern, die uns nur falsche
Sicherheit vorgaukeln, vorziehen.
2. Bei einem Dialog wollen sich die Jugendlichen immer auf der
selben Ebene des Dialogpartners befinden. Die Jugendlichen können
uns Demut lehren. Oft treten wir vor die Welt als stolze Lehrer
einer Wahrheit, die nur wir besitzen, und vergessen, daß wir
eigentlich schwache und müde Pilger auf der Suche nach Wahrheit sind.
Müßten wir beim Dialog innerhalb der Kirche, beim ökumenischen
Dialog, beim Dialog zwischen den Religionen und mit den
Weltreligionen oder mit Personen anderer Glaubensüberzeugungen nicht
diese Demut besitzen?
3. Die Jugendlichen lehren uns die Freude.
Eine zunächst innerliche Freude, weil sie von Gott kommt, die sich
auch äußerlich ausdrückt. Die Jugendlichen verlangen von uns eine
freudigere Liturgie mit mehr Anteilnahme, die ihrem Leben mehr
entspricht, eine Liturgie mit Liedern und Tänzen. Sie wollen eine
herausfordernde Moral, die nicht nur in Verboten besteht, sondern
aus der Gefangenschaft des Egoismus, des Relativismus, des
Hedonismus befreit und das Herz erfüllt. Die Jugendlichen wollen von
uns keinen intellektuellen sondern einen lebendigen Glauben. Einen
Glauben, der über den Verstand hinausgeht und das Herz erreicht.
4. Die Jugendlichen arbeiten gerne zusammen, teilen sich ihre
Erfahrungen mit und helfen sich gegenseitig. Die Jugend lehrt uns
die Spiritualität der Gemeinschaft. Das ist eine Umkehr, ein
Mentalitätswechsel.
5. Die Jugend lehrt uns die Liebe zum Kreuz.
Das Kreuz ist Zeichen der unendlichen Liebe, die den Tod nicht
fürchtet, sondern das Leben für die hingibt, die sie liebt. Das
Kreuz ist Zeichen des Sieges über das Böse im persönlichen Leben und
in der Welt. Das Kreuz ist “unser Ruhm, unser Heil und unsere
Auferstehung”. Ave, Crux spes unica.
Das haben uns alle Heiligen gelehrt. Ich will nur an zwei
Jugendliche erinnern, die der Papst dieses Jahr als Vorbild genannt
hat: Pier Giorgio Frassati (“Das Leben ist Freude, wenn auch durch
das Kreuz hindurch”) und Chiara Luce Badano (die in bezug auf ihre
Krankheit meinte: “Wenn du es willst, Jesus, will ich es auch”).
[00295-05.05] [IN221] [Originaltext: Italienisch]
-
S.Exz. Charles MAHUZA YAVA, S.D.S., Titularbischof von Apisa Maius,
Apostolischer Vikar von Archipel der Komoren (INSEL KOMORE)
Mein Beitrag bezieht sich auf die Nummern 64, 91 und 111 des
Instrumentum laboris; ich zitiere aus Nr. 91: “Man kann das
Evangelium nicht weitergeben, ohne dazu die Grundlage eines vom
Evangelium gestalteten Lebens zu haben, das in diesem Evangelium
seinen Sinn findet, seine Wahrheit, seine Zukunft.” Hier sehen wir,
daß die Evangelisierung vor allem durch die Ausstrahlung von Glauben
und Leben der an Christus Glaubenden, der Liebe ist, ausgeht. Diese
Liebe verändert unser Leben von innen heraus. Die Zeichen unseres
Glaubens, die wir vermitteln, werden so zu Botschaften, die
evangelisieren. Ich stamme aus einem Land, in dem die Bevölkerung zu
99,9 % muslimisch und der Islam Staatsreligion ist. Dort bedeutet
das Wort Evangelisierung für die anderen Leute Proselytismus. Unsere
Kirche ist deshalb eine stille, aber beredte Realität. Unser Glaube
spricht durch die Taten der Liebe und unser Leben wirft Fragen auf:
Warum tut ihr das alles für uns? Oder auch: Ihr macht viele schöne
Dinge, schade, daß... Zudem ist Proselytismus streng verboten. Der
einzige Weg, um unseren Glauben auszudrücken, bleiben die Werke der
Nächstenliebe. Der Ausdruck dieser Liebe ist wirkliche ein Werk der
Evangelisierung. Im Bezug auf den Dialog zwischen den Religionen
werden wir in unserem Umfeld als “Kafir”, dem arabischen,
abschätzigen Ausdruck für Ungläubige, Nichtgläubige, Undankbare oder
Untreue, bezeichnet. Wir werden toleriert, nicht akzeptiert. Die
katholische christliche Kirche wird als Religion des Westens
betrachtet. Deshalb ist der Versuch eines Dialogs zwischen den
Religionen fast nicht ratsam, denn er fände nicht auf der selben
Ebene statt. Dennoch besteht die Kirche, wie Papst Paul VI. sagte,
um zu evangelisieren. Das ist ihre wahre Berufung und ihre tiefste
Identität. Und wir wissen, daß der Geist wirkt und niemand seine
Wege kennt. Deshalb besteht unsere einzige Möglichkeit in der
Freundschaft, die in die Richtung eines ersten Kontaktes geht und
die eine eventuelle Öffnung auf den oben genannten Dialog bedeuten
würde. In einer Freundschaftsverbindung entdecken wir, wer der
andere ist, und er entdeckt, wer wir sind. Diese Freundschaften sind
möglich und bestehen schon. Auf diese Weise entdecken wir, daß der
Islam an und für sich tolerant ist. Der Fanatismus und der
Fundamentalismus zeigen ein anderes Bild. Allerdings ist die Treue
zum Glauben unserer kleinen Minderheit ein Tropfen im indischen
Ozean, ein Tropfen, der nichts bewegen kann. Deshalb führt der
eingeschlagene Weg über die Familie als wesentliche Zelle des ganzen
Körpers und deshalb bevorzugter Ort für eine tiefgreifende
Evangelisierung. Dabei bereiten uns besonders die Mischehen Sorgen.
Das Problem sind vor allem die katholischen Frauen, die muslimische
Männer heiraten. Normalerweise werden sie vom Ehemann oder seiner
Familie gezwungen, ihren Glauben nicht mehr zu praktizieren oder
sogar zum Islam überzutreten. Viele Frauen geben dann jegliche
religiöse Praxis auf.
[00296-05.06] [IN222] [Originaltext: Französisch]
-
S.Exz. Salutaris Melchior LIBENA, Bischof von Ifakara (TANSANIA)
Die Jugendlichen machen einen Großteil der Bevölkerung der gläubigen
Christen in der AMECEA – Region aus. Viele von ihnen leben in
Ungewissheit, Furcht, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit wegen der
sozialen, ökonomischen und politischen Herausforderungen, denen sie
gegenüberstehen. Die Kirche ist jedoch nicht in der Lage, sie
angemessen vorzubereiten, damit sie den immer dringlicheren Fragen
der Welt von heute entgegen blicken können.
Auf der anderen Seite versuchen junge Leute, ihr Verhältnis zu
Christus zu kennen und zu verstehen. Sie versuchen, einen Platz und
ihre Rolle im Leben der Kirche einzunehmen. Nicht als Zuschauer,
sondern als wahre Protagonisten an der Frontlinie zwischen ihrer
eigenen Welt und ihren Lebenserfahrungen. Trotz vieler Anstrengungen,
die pastoralen Dienste für junge Leute zu verbessern, gehen noch
immer viele auf Abstand zur Kirche.Dynamische und angemessene
Glaubensstrategien für Jugendliche müssen entworfen werden, während
das Apostolat und die Animation der existierenden Jugendbewegungen
intensiviert werden müssen. Jugendbewegungen und -verbände sollten
in allen Gemeinden vorhanden sein, damit Jugendliche den Geist
Gottes erkennen können. Angemessene Jugendseelsorger sollten ernannt
werden, um sie in allen Abschnitten des menschlichem und
spirituellen Wachstums zu begleiten. In allen Bildungsinstituten
sollten Programme regelmäßig bezüglich des Glaubens angeboten werden.
Da die Gruppe sehr schnellen Veränderungen in der Gesellschaft
entgegen blickt, müssen Medienapostolate verstärkt werden.
Die jungen Leute sind die Zukunft der Kirche überall auf diesem
Planeten und müssen deshalb in allen Programmen der Evangelisierung
eine tragende Rolle spielen. Die pastorale Sorge um die Jugend muss
wesentlicher Bestandteil des gesamten pastoralen Plans aller
Gemeinden und Diözesen sein, so dass Jugendliche zu einem frühen
Zeitpunkt in der Lage sein können, den Wert der Selbsthingabe zu
erkennen, einem wichtigen Mittel für das Heranreifen des Menschen.
Alle von uns haben eine Rolle, um junge Leute zu Christus zu ziehen
und das Reich Gottes zu errichten. Die wirkungsvollsten Mittel sind
das persönliche Zeugen, Freundschaft,Gottesdienste, Gebet und
Gruppenaktivitäten. Daher haben wir als Kirche keine Wahl außer der
Tatsache, die Jugendfrage und des Glaubens ernst zu nehmen.
[00297-05.03] [IN223] [Originaltext: Englisch]
-
S.Exz. Virginio Domingo BRESSANELLI, S.C.I., Bischof von Neuquén (ARGENTINIEN)
Die pastorale Umkehr muss als ein Prozess und ein Weg der
christlichen Gemeinschaft in ihrer Gesamtheit und Pluralität
verstanden werden, die - offen für die Zeichen der Zeit - gerufen
ist, in der Welt Zeugnis abzulegen für die Liebe Gottes und seine
brüderliche Liebe, die Verkündigung Jesu Christi zu vollenden und
das Leben in Ihm in Fülle anzubieten.Anders gesagt, ist sie ein
Prozess jeder Teilkirche (vgl. Christus Dominus 11), die sich, in
synodaler Form, in der Einheit all ihrer Mitglieder und in der
Verschiedenheit der Charismen, der Berufungen und Ämter, auf
gemeinschaftliche Weise in einem missionarischen Pastoralwerk
engagiert. Dabei fühlt sie sich als kirchlicher Leib Christi und
handelt auch als solcher; ein Leib, der sich, in Gemeinschaft mit
der Weltkirche, der Sendung annimmt, die ihr der Herr anvertraut hat.
Ihr Fundament ruht auf zwei Säulen: der universalen Berufung zur
Heiligkeit und zur Mission (vgl. Redemptoris Missio, Nr. 90).
Sie lässt an die Kirche den Ruf ergehen, sich unter einem pastoralen
Aspekt in den Geist und in die Perspektiven des Zweiten
Vatikanischen Konzils zu stellen, also: die Welt mit einem Blick des
Glaubens, der Liebe und der Barmherzigkeit zu betrachten; die
christliche Option für die Armen zu wählen - die Kirche ist die
Kirche aller, aber besonders der Armen; stets den Weg des aktiven
und konstruktiven Dialogs vorzuziehen; die vollkommene
Miteinbeziehung der Laien, Männer und Frauen, in allen Sphären der
Welt zu fördern, und ihnen eine wirkliche kirchliche Teilhabe und
Mitverantwortung zuzugestehen, unter Wertschätzung der Rolle der
Frau bei der Weitergabe des Glaubens; im eigenen Bereich die
Autorität als einen Dienst auszuüben, in der Art und Weise Christi,
der gekommen ist, um zu dienen. Diese Umkehr muss alle
miteinbeziehen: Bischöfe, Priester, Männer und Frauen des geweihten
Lebens, Laien - Männer und Frauen. Es kann keine pastorale Umkehr
geben ohne die Umkehr jener, die in der Pastoral tätig sind. Sie
verlangt von der Kirche, die Vitalität und Aktualität ihrer
Pastoralstrukturen zu überdenken, um ihre evangeliumsgemäße
Inspiration und Effizienz zu überprüfen (vgl. Novo Millennio
Ineunte, Nr. 44)Aparecida bezeichnet jegliche pastorale Realität
als “vergängliche Struktur” , die die Evangelisierung nicht
erleichtert, sondern zum Hindernis dafür wird, das Geschenk der
Begegnung mit Christus mitzuteilen. Die missionarische Erneuerung
der Kirche bezieht alle mit ein und verlangt, dass die
“vergänglichen Strukturen aufgegeben werden, die die Weitergabe des
Glaubens nicht länger begünstigen” (Dokument von Aparecida, Nr.
365).
Die pastorale Umkehr verlangt von der Kirche die Fähigkeit und die
Demut, ihr Gedächtnis immer wieder zu reinigen; sie fordert
Kreativität und ein klares Wort, um die neuen Paradigmen der
Evangelisierung in einer Gesellschaft zu entdecken, die ihre
Bezugspunkte ändert. Sie ist eine Gnade, um die wir den Heiligen
Geist, den Hauptakteur der Evangelisierung, im Gebet bitten müssen.
[00298-05.10[IN224] [Originaltext: Spanisch]
- S.Exz. Kieran Thomas CONRY, Bischof von Arundel und Brighton
(GROßBRITANNIEN)
Die globale Ökonomie hat die Welt, in der wir versuchen, das
Evangelium zu verkündigen, verändert, und diese globale Ökonomie
teilt oder anerkennt viele unserer Werte des Evangeliums nicht.
Die Krise, mit der die Kirche konfrontiert ist, mag aus unserer
Unfähigkeit resultieren, das was geschehen ist zu erkennen oder es
baldmöglichst anzugehen. Wir mögen zu selbstzufrieden gewesen sein.
Doch jetzt wird die Angelegenheit dringlich.
Wir müssen zuerst unseren glaubenden Menschen Mut machen in ihren
Kämpfen, ihrem Ruf treu zu bleiben und ihnen Zuversicht und Stolz,
katholisch zu sein, geben, die gute Arbeit anerkennen, die in
unseren Familien, Gemeinden und Schulen als Zentren der
Evangelisierung und Quellen der Hoffnung geleistet wurde.
Wir brauchen auch einen einfachen und gangbaren Weg, um unsere
Überzeugungen auszudrücken, so dass wiederum unsere Menschen
artikulieren und kommunizieren können, was sie glauben. Wir müssen
näher neben ihnen hergehen und ihre Sorgen und Nöte verstehen.
Die Situation ist nichts Neues. Wir erleben die Vision des Propheten
Ezechiel, das Tal der trockenen Knochen. Diese Synode und das Jahr
des Glaubens sind ein wertvoller Moment, um die Gelegenheit zu
ergreifen, mit Mut und Vorstellungskraft, um Fleisch zurück auf jene
Knochen zu bringen.
[00300-05.04] [IN226] [Originaltext: Englisch]
- S.Exz.
György UDVARDY, Bischof von Pécs (UNGARN)
Vor der Kathedrale in der Stadt Pécs befindet sich ein großer Platz,
wo sich die jungen Leute fast jeden Abend treffen, an die
Kirchenmauern angelehnt plaudern, herumalbern, manchmal leise, oft
aber machen sie einen ziemlichen Rummel. Wenn ich sie mir so ansehe,
überkommt mich oft ein Gefühl der Perplexität, manchmal der Empörung,
vor allem aber der Verantwortung: die “hungrige Menge”, das
sind sie. Ich habe schon öfter allen Mut zusammengenommen und bin
einfach zu ihnen hinübergegangen. Und ich war überrascht über ihre
Aufgeschlossenheit, über ihre freudige Bereitschaft, die Initiative
des gegenseitigen Kennenlernens gutzuheißen: sie erzählten mir
breitwillig von ihren Studien, ihrer Wohnsituation, von ihren Sorgen,
ihren Beziehungen. Und doch haben diese jungen Menschen viele
ehrliche Fragen gestellt über den Sinn des Lebens, über die Vernunft,
über Wahrheiten wie diese. Und sie waren immer neugierig, meine
persönliche Antwort zu hören, stellten mir offene Fragen: “Herr
Bischof, sagen Sie uns, was Sie wirklich denken!”. Sie wollen Jesus
kennenlernen. Einer dieser Jugendlichen hat mich gefragt: “Erzählen
Sie mir nicht, wie gut Christus war, der Sohn Gottes; sagen Sie mir
lieber, wie Jesus als Mensch gelebt hat, wie er es geschafft hat, zu
lieben und ein gehorsamer Sohn zu werden!”. Ein anderer Jugendlicher
hat folgendes zu mir gesagt: “Ich habe genug davon, verschiedene
Meinungen über alle möglichen Dinge zu hören. “Wenn ich es so sehe,
ist es so; und von der anderen Seite betrachtet, ist es anders:
sagen Sie mir klar und deutlich, was gut ist, was ich tun muss!
Unterrichten Sie uns!”.
Seit damals nehmen viele von ihnen an der Katechese am ersten
Freitag des Monats teil, und danach an der stillen Eucharistischen
Anbetung. Während dieser Anbetung gehen einige von ihnen zur Beichte
oder stellen den anwesenden Priestern Fragen. Am Schluss beten wir
dann alle gemeinsam die Litanei des Heiligsten Herzens Jesu, dem sie
sich sehr verbunden fühlen, und die Begegnung klingt mit einer
Agape aus.
Ich lerne durch die Jugendlichen viel von diesen abendlichen
Begegnungen: über die Art und Weise, das Evangelium zu verkünden,
über die neue Evangelisierung. Aber am meisten lerne ich von dem
Lehrmeister, der sich, den Erzählungen der Emmaus-Jünger nach, auf
unserem Weg zu uns gesellt und die Ereignisse unseres Lebens
interpretiert und erhellt. Erlauben Sie mir, einige dieser Elemente
herauszustellen:
ich muss mich auf die Suche nach neuen, vielleicht ungewöhnlichen
Formen der Beziehungen zu den Personen machen, der Art und Weise,
wie ich mich auf ihrem Weg zu ihnen gesellen kann; wir müssen den
Fragen der Menschen zuhören und sie auf die Vernunft, Rationalität
ausweiten; ich lerne, wie man auf persönliche und überzeugende Weise
die verlässliche Lehre Christi formulieren kann, damit es nicht eine
reine Meinung ist, sondern wahre Gewissheit. Ich suche nach den
Gelegenheiten, um die Lehre Christi systematisch darzulegen. Ich
suche die alten und neuen Ausdrucksformen, die den Personen beim
Gebet hilfreich sein können, bei der Weihe der Tage des Lebens; ich
suche nach angemessenen Gelegenheiten, die Sakramente zu spenden (vor
allem das Bußsakrament), für die würdige Anbetung der Eucharistie.
[00302-05.08] [IN228] [Originaltext: Italienisch]
-
S.Exz. John Olorunfemi ONAIYEKAN, Erzbischof von Abuja (NIGERIA)
Zunächst möchte ich dem Heiligen Vater und dieser ehrwürdigen
Versammlung ganz aufrichtig danken für die Sorge um Nigeria und die
Gebete für unser Land, das so oft mit Berichten über religiöse und
soziale Zusammenstöße, die einen ungeheuren Verlust an Menschenleben
und Eigentum mit sich bringen, in den Nachrichten erscheint. Wir
zählen auch weiterhin auf Ihre Gebete für uns.
Dem Eindruck zum Trotz, der durch die weltweiten Medien oft
verbreitet wird, möchte ich betonen, dass sich die Christen in
Nigeria nicht als Opfer massiver Verfolgungen durch die Muslime
fühlen. Unsere Bevölkerung von ca. 160 Millionen Menschen besteht
aus zu gleichen Teilen aus Christen und Muslimen, deren Einfluss
gleich groß ist. Wir sind durchaus erfolgreich darin, friedlich in
ein und demselben Land zusammenzuleben. Wir sind überzeugt davon,
dass wir einige Lektionen über die Beziehungen zwischen Christen und
Muslimen gelernt haben, die für den Rest der Welt von Nutzen sein
können.
Im Hinblick darauf möchte ich die Aufmerksamkeit dieser Synode auf
die folgenden Punkte lenken:
a) Der nicht mehr umkehrbare Prozess der “Globalisierung”, der im
IL 47 erwähnt wird, bedeutet, dass unsere
Neuevangelisierung die Ankunft des Islam auf der Weltbühne zur
Kenntnis nehmen muß. Da unsere beiden Religionen nun die Mehrheit
der Menschheit umfassen, teilen wir uns die Verantwortung für
Frieden und Eintracht unter uns und in der Welt unserer Zeit.
b) Die Unterschiede zwischen Islam und Christentum sind nicht
unbeträchtlich. Aber es gibt auch
weite Bereiche gemeinsamen Grundes, woran uns das II. Vatikanische
Konzil in Nostrae Aetate 3 erinnert. Die Neuevangelisierung
wird es mit sich bringen, dass wir zur Beförderung der beiden Seiten
gemeinsamen Werte zusammenarbeiten müssen in einer Welt, die solcher
Werte dringend bedarf.
c) Unsere beiden Religionen beanspruchen, einen göttlichen Auftrag
zu haben, der die ganze Menschheit betrifft. Da wir im selben
“globalen Dorf” wohnen, müssen wir Wege finden, unsere Vorstellung
einer weltweiten Sendung in Einklang zu bringen mit dem göttlichen
Gebot, in Frieden mit unseren Mitmenschen zu leben. Wir müssen
weiterhin auf der Gewissensfreiheit als einem grundsätzlichen
Menschenrecht jedes Bürgers jeder Nation bestehen.
d) Die Erfahrung, die wir in Nigeria gemacht haben, lehrt uns, dass
es vielerlei Arten von Muslimen gibt. In der Neuevangelisierung
müssen wir unsere muslimischen Nachbarn kennen und müssen denen
gegenüber aufgeschlossen sein, die freundlich sind, und das ist die
Mehrheit. Wir müssen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die
Fanatiker nicht die Tagesordnung unserer wechselseitigen Beziehungen
diktieren und uns dazu drängen, uns als Feinde gegenüberzustehen.
e) Es gibt eine ökumenische Dimension auch im Hinblick auf die
Beziehungen zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen. Auf der
Grundlage der soliden Grundsätze unseres Lehramtes müssen wir
versuchen, einen gemeinsamen Ansatz für den Umgang mit unseren
muslimischen Gesprächspartnern zu erarbeiten. Die meisten unserer
Probleme werden durch die rücksichtslosen Äußerungen und Aktivitäten
extremistischer Randgruppen auf beiden Seiten verursacht.
[00331-05.05] [IS230] [Originaltext: Englisch]
-
S.Exz. Gerard Tlali LEROTHOLI, O.M.I., Erzbischof von Maseru,
Präsident der Bischofskonferenz (LESOTHO)
Die Sendung der Kirche ist die Sendung Gottes, und der Heilige Geist
ist die Hauptperson der Evangelisierung. Er kommt jeder menschlichen
Initiative zuvor. Er ist eine dynamische und unwiderstehliche Kraft
in und außerhalb der Kirche. Er bewegt sich, wo immer er will, und
unsere Aufgabe ist es, seine Bewegungen aufmerksam zu verfolgen. Es
gibt keine Zeit, in der er nicht mit der Kirche war. So wie er am
ersten Pfingsten mit der Kirche war, so ist es er es noch heute. Vor
50 Jahren war es eben dieser Geist, der den seligen Johannes XXIII.
dazu bewegte, das Zweite Vatikanische Konzil einzuberufen. Ich
glaube, dass es derselbe Geist ist, der Papst Benedikt XVI. dazu
bewegt hat, diese Synode über die neue Evangelisierung einzuberufen.
Und es ist derselbe Geist, der die Katholische Kirche in Lesotho
beseelt, die in diesem Jahr 2012 den 150. Jahrestag ihrer
Evangelisierung feiern kann.
Im Mittelpunkt dieser Synode steht die Weitergabe des christlichen
Glaubens. Ich möchte die folgenden Schritte herausstellen, die für
die Weitergabe des Glaubens notwendig sind. Es sind fünf
verschiedene Schritte, aber sie sind eng miteinander verbunden. (1)
Der Glaube an Christus: der christliche Glaube bedeutet weit mehr
als getauft zu sein oder in die Kirche zu gehen. Er bedeutet mehr,
als einem Verhaltenskodex zu folgen. Er ist eine persönliche, nicht
private, Beziehung mit der Person Christi, die zur Umkehr von Herz
und Verstand, Verstand und Herz führt. Als Beziehung muss er genährt
und gefördert werden. Und darin besteht die Herausforderung für
viele unserer Landsleute. (2) Die Zugehörigkeit zu Seiner Kirche:
Christen sind nicht nur gerufen, zu glauben, sondern auch vollkommen
der Kirche, dem Leib Christi, anzugehören. Dieser Aspekt ist das,
worum es bei der Frage der Mitgliedschaft der Kirche wirklich geht.
Die Kirche ist die Familie Gottes, wo jedes Mitglied eine besondere
Rolle spielen muss und eine eigene Sendung zu erfüllen hat. (3)
Jünger und Zeuge Jesu zu werden: als Glieder des Leibes Christi sind
wir daher seine Hände, Füße, Augen und sein Herz. Wir müssen ihn gut
repräsentieren, indem wir seine Lebensweise nachahmen. Er
frequentierte Menschen aller Gesellschaftsschichten, ohne jegliche
Diskriminierung. Er riß kulturelle, rassistische, wirtschaftliche
und soziale Mauern ein, die die Welt aufbaut. Sein Lebensansatz war
einzigartig und gegen den kulturellen Strom. Man warf ihm oft vor,
dass er sich mit Sündern und Steuereintreibern an einen Tisch setzte.
(4) Ein angemessenes Verhalten zeigen: der christliche Glaube ist
nicht frei von jeder Art von Leben. Er schließt sowohl Verhalten als
auch Charakter mit ein. Das ist der umstrittenste Teil des
Christseins. Es gibt klare christliche Ethik- und Moralstandards,
nach denen ein Christ leben muss. Und ebenso gibt es
Verhaltensweisen, die nicht akzeptiert werden können. Genau das ist
die Feuerprobe unserer Glaubwürdigkeit. Entsprechen unsere Worte
unserem Handeln, entspricht unser Glaube unseren Taten? Letztendlich
können wir nur dann anderen von unserem Glauben erzählen, wenn wir
selbst vollkommen überzeugt sind. Das ist eindeutig der Bereich der
Evangelisierung. Für Christen ist es keine Option. Es ist der
Imperativ des an die Christen ergehenden Rufes. An uns ergeht der
Ruf, ausgesandt zu werden. Ich hoffe, dass diese Synode diesen
Schritten bei ihrer Reflexion über die neue Evangelisierung eine
größere Aufmerksamkeit widmen möge.
[00332-05.11] [IS231] [Originaltext: Englisch]
-
S.Exz. John Ebebe AYAH, Bischof von Ogoja (NIGERIA)
Ich freue mich, mit euch die Freuden und Ängste der nigerianischen
Kirche in der gegenwärtigen Zeit zu teilen, in ihrem Kampf um das
Zeugnis für Christus gegenüber dem Terrorismus, der bekannt ist
unter dem Namen Boko Haram. Diese Situation fordert die
nigerianischen Christen zu einem tieferen Nachdenken und einer
größeren Wertschätzung des in der Kirche hochgeschätzten Martyriums
heraus. Entgegen einer Botschaft von Wohlstand haben gerade die
nigerianischen Katholiken die wahre Bedeutung des Kreuzes als
Teilhabe am Leiden Christi erkannt. Und das Leben selbst wird als
eine Pilgerschaft des Glaubens zusammen mit Jesus hin zum
Kalvarienberg gesehen. Ein christliches Leben im nigerianischen
Kontext ist also mehr als der normale sonntägliche Kirchenbesuch.
Hier eine detailliertere Sicht des Boko Haram-Phänomens in Nigeria:
- Eine interessante Tatsache ist, daß nicht nur Christen in den
Bombenanschlägen und Gewehrsalven von Boko Haram ihr Leben verloren
haben, sondern, wie die Statistiken zeigen, auch eine große Zahl von
Muslimen.
- Nicht jeder Muslim teilt die Ziele Boko Harams in Nigeria. Viele
bewundern die christlichen Tugenden von Liebe und Frieden, die sie
auch im Koran zu finden glauben.
- Viele unserer muslimischen Brüder und Schwestern wollen zum
christlichen Glauben übertreten, haben aber Angst, ihr Leben
deswegen zu verlieren. Während die Weltkirche das Jahr des Glaubens
begeht, ruft die nigerianische Bischofskonferenz ihre Herde auf,
folgendes zu beachten:
- Wir Katholiken müßen Geduld üben bei unserem Umgang mit den
Gegnern, die gegen unsere Interessen kämpfen und dürfen nicht mit
Gewalt antworten oder sie als Vergeltungsmaßnahme einsetzen.
- Wir müßen gegenüber unseren Gegnern weiterhin vom Frieden reden
und nach bedeutsamen und reifen Wege des Dialogs suchen, damit wir
mit der Zeit dauerhaften Frieden und Eintracht erreichen.
- Unsere Anstrengungen auf der Suche nach Dialog und Frieden sollen
nicht als Schwäche interpretiert werden, sondern vielmehr als ein
Zeichen von Stärke, die vom Herrn Jesus Christus, unserer
Auferstehung und unserem Leben, kommt.
- Wir müßen gute Katechesen Zuhause, in den Schulen und in
christlichen Kleingruppen fördern.
Schließlich legen wir all unsere Anstrengungen um dauerhaften
Frieden in die Hände unserer allerseligsten Mutter, der Mittlerin
aller Gnaden.
[00333-05.04] [IS232] [Originaltext: Englisch]
-
P. Gregory GAY, C.M., Generaloberer der Kongregation der Mission (Lazaristen)
Das Dokument Instrumentum laboris für die neue Evangelisierung
bietet uns eine ganz zentrale Wahrheit an:
“Diese Aufgabe der Ankündigung und der Verkündigung ist nicht nur
irgendjemandem, nur einigen Auserwählten, vorbehalten. Es ist eine
Gabe, die jedem Menschen zuteil wird, der auf den Ruf des Glaubens
antwortet” (IL Nr. 92).
Diese Wahrheit wurde für mich vor ungefähr dreißig Jahren lebendig,
als ich zu unserer Vinzentinischen Mission in der Republik Panama
gerufen wurde. Ich erlebte dort eine lebendige Kirche, eine Kirche,
die ehrliche Bemühungen unternahm, die Lehren des II. Vatikanischen
Konzils an die Realität des Lebens in Lateinamerika anzupassen. Ich
sagte damals: “Das ist die Kirche, zu der ich gehören möchte. Das
ist die Kirche, die sich das II. Vatikanische Konzil vorgestellt hat.”
Kollegial mit den Bischöfen, dem Diözesan-Klerus, den Ordensmännern
und -frauen und auch den Laien zusammenzuarbeiten, um im Dienst der
Kirche und der ganzen Welt für das Gemeinwohl zu arbeiten, war
sowohl das Versprechen als auch das Geschenk des II. Vatikanischen
Konzils an mich. Die Kirche Lateinamerikas fährt fort, das
Evangelium zu inkulturieren. Um die Gabe des Glaubens zu verkündigen
und die Erneuerung der Kirche zu stärken, gibt es dreierlei
Augenblicke der Begegnung, die ich für die Neuevangelisierung für
unentbehrlich halte.
Ein Augenblick der Gegenwart: Diejenigen, denen Gott uns begegnen
läßt, enthüllen uns die Person Jesu Christi, vor allem in den Armen,
in denen, die zu den Randgruppen der Gesellschaft gehören, und in
den Verlassenen. In Gottes Gegenwart sammeln wir die Kraft, mutig
und prophetisch für alle Menschen dazusein, die Teil des Leibes
Christi sind.
Ein Augenblick, um zuzuhören: Auch das Zuhören besteht aus zweierlei
kontemplativen Momenten. Der innere Moment gehört dem Wort Gottes,
und der Erfahrung der Armen. In diesem “inneren Raum” unserer Seele
erlauben wir dem Menschen Jesus, in die Stille unseres Herzens
einzutreten, um uns Tag für Tag auf unserem Weg zu begleiten. Dies
bringt uns zu den äußeren Räumen einer tieferen Beziehung zur Welt
und zu den anderen Menschen.
Ein Augenblick des Dienstes: Die Neuevangelisierung beruft uns und
vereint uns mit einem dauerhaften Element unseres Glaubens:
Gottesliebe und Dienst am Nächsten. Der Dienst in Jesu Namen dreht
sich um Taten und das Eintreten für Andere, nicht nur für die Armen,
sondern gemeinsam mit den Armen.
Ein Weg zum Dienst durch Tugend: Wir evangelisieren, indem wir in
die Welt der Armen eintreten, und indem wir wachsen in den Tugenden
der Demut, der Einfachheit, der Liebe und der Gerechtigkeit. Das
liegt im Zentrum unseres Vinzentinischen Erbes. Die Vorzugsoption
zugunsten der Armen ist grundlegend für die Neuevangelisierung.
Ein Weg zur Aktion: Durch Liebe zu Gott und die Armen, die Abbilder
seines Sohnes Jesus sind, können wir die Neuevangelisierung durch
eine Wiederbelebung der Volksmissionen fruchtbar werden lassen. Wir
evangelisieren in Zusammenarbeit von Ordensleuten, Klerus und
Laienstand, indem wir präsent sind, zuhören und wie Jesu Christi
dienen, der der erste Verkünder des Evangeliums war.
[00334-05.05] [IS233] [Originaltext: Englisch]
- S.Exz. Otto SEPARY, Bischof von Aitape (PAPUA NEUGUINEA)
Die Kirche ist in Papua-Neuguinea und den Salomon-Inseln relativ
jung. Wir erleben eine Menge antichristlicher Einstellungen und
Verhaltensweisen in fast allen Bereichen unserer Gesellschaft,
obwohl wir christliche Länder sind. Dies legt nahe, dass die Aufgabe
der Evangelisierung vielleicht nicht in den Herzen und im Leben
jedes christlichen Volkes Wurzeln gefaßt hat.
Die Neuevangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens
schlägt eine neue Ära der Hoffnung vor für die Erweckung des
christlichen Glaubens im Leben der Menschen im Verlauf des
Evangelisierungsprozesses. Außer dem sakramentalen Leben der Kirche,
der Feiern der heiligen Liturgien und anderer dazugehöriger Mittel,
Veranstaltungen, Gelegenheiten und Möglichkeiten, bei denen wir die
persönliche Begegnung mit Jesus Christus, unserem Erlöser und Herrn
erleben, gibt es auch eine dringende Notwendigkeit an
Evangelisierung, um etwas mehr zu tun, um den christlichen Glauben
tiefer in das Leben der Menschen zu übermitteln angesichts
zahlreicher antichristlicher Verhaltensweisen und Einstellungen.
Deshalb schlage ich demütig zwei, gleichermaßen wichtige, pastorale
Aufgaben vor für unser gemeinsames Vorankommen. An erster Stelle
steht die tiefere Christianisierung unserer melanesischen Kulturen
und an zweiter Stelle steht die dringliche Notwendigkeit für die
katholische Bevölkerung, katechisiert zu werden mit dem Neuen
Katechismus der Katholischen Kirche in allen Sektoren der Gemeinde
und der Diözese. Auf diese Weise besteht eine hohe
Wahrscheinlichkeit, dass der Glaube reifer und tiefer verwurzelt
wird in den Herzen und im Leben der katholischen Bevölkerung, vor
allem in unserer jüngeren Bevölkerung.
[00325-05.05] [IN235] [Originaltext: Englisch] |