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34 - 28.10.2012
INHALT
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EUCHARISTIEFEIER UNTER VORSITZ DES PAPSTES ZUM ABSCHLUSS DER XIII.
ORDENTLICHEN VOLLVERSAMMLUNG DER BISCHOFSSYNODE
- ANGELUS DOMINI
EUCHARISTIEFEIER UNTER VORSITZ DES PAPSTES ZUM ABSCHLUSS DER XIII.
ORDENTLICHEN VOLLVERSAMMLUNG DER BISCHOFSSYNODE
- PREDIGT DES HEILIGEN
VATERS
Um 9.30 Uhr am heutigen Vormittag, 28. Oktober 2012, XXX. Sonntag im
Jahreskreis, führte der Heilige Vater Benedikt XVI. in der
Vatikanbasilika am Grab des Apostels Petrus den Vorsitz bei der
Eucharistiefeier mit den Synodenvätern zum Abschluss der XIII.
Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode, die in der
Synodenaula im Vatikan seit dem 7. Oktober 2012 zum Thema “Die neue
Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens”
abgehalten wurde.
Um 9.15 begann der Einzug in die Basilika. Die Konzelebranten
begaben sich, geleitet von den Zeremoniaren, zu ihren Plätzen um den
Altar der Confessio. Anschließend nahmen die Kardinäle und die
Mitglieder des Präsidiums der XIII. Ordentlichen Vollversammlung der
Bischofssynode an der Eingangsprozession mit dem Heiligen Vater
teil.
Mit dem Papst konzelebrierten 260 Synodenväter (darunter 49
Kardinäle, 6 hohe Repräsentanten der Ostkirchen, 71 Erzbischöfe, 120
Bischöfe, 14 Priester) und 72 Mitarbeiter.
Zum Hochgebet traten zum Altar: die delegierten Präsidenten S. Em.
Kard. Francisco ROBLES ORTEGA, Erzbischof von Guadalajara (MEXIKO);
S. Em. Kard. Laurent MONSENGWO PASINYA, Erzbischof von Kinshasa
(DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO); S. Em. Kard. John TONG HON, Bischof
von Hongkong (CHINA); der Generalrelator S. Em. Kard. Donald William
WUERL, Erzbischof von Washington (USA); der Sondersekretär S. Exz.
Pierre-Marie CARRÉ, Erzbischof von Montpellier (FRANKREICH), und der
Generalsekretär S. Exz. Nikola ETEROVIĆ, Titularerzbischof von
Cibale (VATIKANSTADT).
Die erste Lesung wurde in englischer Sprache vorgetragen, der
Antwortpsalm auf italienisch und die zweite Lesung auf französisch.
Das Evangelium wurde auf lateinisch verkündet. Die Fürbitten wurden
auf italienisch, polnisch, spanisch, schwedisch, arabisch und
tschechisch gehalten.
Nach der Verkündigung des Evangeliums hat der Heilige Vater die
Predigt gehalten, die wir im folgenden veröffentlichen.
PREDIGT DES HEILIGEN VATERS
Verehrte Mitbrüder,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Brüder und Schwestern!
Das Wunder der Heilung des blinden Bartimäus hat im Aufbau des
Markusevangeliums einen besonderen Platz. Es steht nämlich am Ende
des Abschnittes, der als der „Weg nach Jerusalem" bezeichnet wird,
das heißt die letzte Pilgerreise Jesu in die Heilige Stadt zum
Paschafest beschreibt, wo ihn, wie er weiß, Leiden, Tod und
Auferstehung erwarten. Um vom Jordantal aus nach Jerusalem
hinaufzugehen, kommt Jesus durch Jericho, und die Begegnung mit
Bartimäus ereignet sich am Ausgang der Stadt, „als er", wie der
Evangelist anmerkt, „mit seinen Jüngern und einer großen
Menschenmenge Jericho wieder verließ", (10,46). Es ist jene
Menschenmenge, die bald darauf Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem
als Messias bejubelte. Am Straßenrand saß also der Bettler
Bartimäus, der „Sohn des Timäus" – so erklärt der Evangelist den
Namen. Das gesamte Markusevangelium ist ein Weg des Glaubens, der
sich schrittweise unter der Anleitung Jesu entfaltet. Die Jünger
sind die ersten Protagonisten dieser Entdeckungsreise, doch es gibt
auch andere Personen, die dabei eine wichtige Rolle spielen, und
einer von ihnen ist Bartimäus. Seine Heilung ist die letzte
Wunderheilung, die Jesus vor seinem Leiden vollzieht, und nicht
zufällig ist es die eines Blinden, eines Menschen also, dessen Augen
das Licht verloren haben. Auch aus anderen Texten wissen wir, daß
der Zustand der Blindheit in den Evangelien reich an Bedeutung ist.
Er steht für den Menschen, der das Licht Gottes, das Licht des
Glaubens braucht, um die Realität wirklich zu erkennen und auf dem
Weg des Lebens zu gehen. Es ist wesentlich, sich die eigene
Blindheit, den Bedarf an diesem Licht einzugestehen, sonst bleibt
man für immer blind (vgl. Joh 9,39-41).
Bartimäus wird also an diesem strategischen Punkt der Erzählung als
Modell vorgestellt. Er ist nicht von Geburt an blind, sondern hat
das Sehvermögen verloren: Er ist der Mensch, der das Licht verloren
hat und sich dessen bewußt ist, der aber nicht die Hoffnung verloren
hat, sondern die Gelegenheit einer Begegnung mit Jesus zu ergreifen
weiß und sich ihm anvertraut, um geheilt zu werden. Als er nämlich
hört, daß der Meister auf seinem Weg vorbeikommt, ruft er: „Sohn
Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!" (Mk 10,47) und wiederholt dies
mit Nachdruck (v. 48). Und als Jesus ihn ruft und ihn fragt, was er
von ihm erbitte, antwortet er: „Rabbuni, ich möchte wieder sehen
können!" (v. 51). Bartimäus steht für den Menschen, der das eigene
Übel erkennt und im Vertrauen, geheilt zu werden, den Herrn anruft.
Seine einfache und ehrliche Bitte ist beispielhaft und in der Tat –
wie jene des Zöllners im Tempel: „Gott, sei mir Sünder gnädig!" (Lk
18,13) – in die Tradition des christlichen Betens eingegangen. In
der gläubigen Begegnung mit Christus gewinnt Bartimäus das verlorene
Licht zurück und mit ihm seine volle Würde: Er erhebt sich und nimmt
seinen Weg wieder auf; von jenem Moment an hat er einen, der ihn
führt, Jesus, und einen klaren Kurs, denselben, den Jesus
beschreitet. Der Evangelist sagt uns dann nichts mehr über
Bartimäus, doch in ihm stellt er uns vor Augen, wer der wahre Jünger
ist: derjenige, der mit dem Licht des Glaubens Jesus „auf seinem
Weg" folgt (v. 52).
Der heilige Augustinus macht in einer seiner Schriften eine ganz
eigene Beobachtung zur Gestalt des Bartimäus, eine Beobachtung, die
auch für uns heute interessant und bedeutungsvoll sein kann. Der
heilige Bischof von Hippo denkt über die Tatsache nach, daß Markus
in diesem Fall nicht nur den Namen des Geheilten nennt, sondern auch
den seines Vaters, und kommt zu dem Schluß, daß „Bartimäus, der Sohn
des Timäus, eine Persönlichkeit war, die aus sehr großem Wohlstand
herausgefallen war. Seine Notlage mußte allgemein bekannt sein, da
er nicht nur blind war, sondern am Straßenrand saß und bettelte.
Darum wollte Markus [im Unterschied zu Matthäus] nur ihn erwähnen:
Daß er es war, der das Augenlicht wiedererlangt hatte, verlieh dem
Wunder eine Resonanz, die ebenso groß war wie das Gerede über das
Unglück, das dem Blinden zugestoßen war" (De consensu
evangelistarum, 2, 65, 125: PL 34, 1138). So weit Augustinus.
Diese Interpretation, daß Bartimäus ein Mensch sei, der aus einer
Situation „großen Wohlstands" herausgefallen ist, gibt uns zu
denken; sie will uns bewußt machen, daß es kostbare Schätze für
unser Leben gibt, die wir verlieren können und die nicht materieller
Art sind. Aus dieser Sicht könnte Bartimäus für diejenigen stehen,
welche in Gebieten alter christlicher Tradition leben, wo das Licht
des Glaubens schwach geworden ist, und die sich von Gott entfernt
haben, ihn nicht mehr als für das Leben wichtig ansehen: Menschen,
die daher einen großen Schatz verloren haben, aus einer hohen Würde
– nicht der wirtschaftlichen Situation oder der irdischen Macht,
sondern des Christentums – „herausgefallen" sind; Menschen, welche
die sichere und feste Lebensorientierung verloren haben und – oft
unbewußt – zu Bettlern um den Sinn des Lebens geworden sind. Es sind
die vielen, die einer neuen Evangelisierung bedürfen, d. h. einer
neuen Begegnung mit Jesus Christus, dem Sohn Gottes (vgl. Mk 1,1),
der ihnen wieder die Augen öffnen und den Weg weisen kann. Es ist
bedeutsam, daß die Liturgie uns zum Abschluß der Synodenversammlung
das Evangelium von Bartimäus vorlegt. Dieses Wort Gottes hat
besonders uns etwas zu sagen, die wir uns in diesen Tagen mit der
Dringlichkeit auseinandergesetzt haben, Christus dort neu zu
verkünden, wo das Licht des Glaubens schwach geworden ist, wo das
Feuer Gottes einer Glut gleicht, die angefacht werden muß, damit sie
zu einer lebendigen Flamme wird, die dem ganzen Haus Licht und Wärme
spendet.
Die neue Evangelisierung betrifft das gesamte Leben der Kirche. Sie
geht in erster Linie die gewöhnliche Seelsorge an, die mehr vom
Feuer des Heiligen Geistes belebt sein muß, um die Herzen der
Gläubigen zu entzünden, die sich regelmäßig in der Gemeinde
zusammenfinden und sich am Tag des Herrn versammeln, um sich vom
Wort Gottes und vom Brot ewigen Lebens zu ernähren. Ich möchte hier
drei pastorale Linien hervorheben, die sich aus der Synode ergeben
haben. Die erste betrifft die Sakramente der christlichen
Initiation. Es wurde erneut auf die Notwendigkeit hingewiesen, die
Vorbereitung auf die Taufe, die Firmung und die Eucharistie mit
einer geeigneten Katechese zu begleiten. Ebenso wurde die Bedeutung
der Beichte, des Sakraments der Barmherzigkeit Gottes, bekräftigt.
Über diesen sakramentalen Weg ergeht der an alle Christen gerichtete
Ruf des Herrn zur Heiligkeit. Tatsächlich ist mehrmals betont
worden, daß die wahren Protagonisten der neuen Evangelisierung die
Heiligen sind: Sie sprechen mit dem Beispiel ihres Lebens und den
Werken der Nächstenliebe eine Sprache, die allen verständlich ist.
An zweiter Stelle ist die neue Evangelisierung im Wesentlichen
verknüpft mit der missio ad gentes. Die Kirche hat die Aufgabe zu
evangelisieren, die Heilsbotschaft den Menschen zu verkünden, die
Jesus Christus noch nicht kennen. Auch im Laufe der Überlegungen der
Synode wurde unterstrichen, daß es in Afrika, Asien und Ozeanien
viele Gegenden gibt, deren Bewohner die Erstverkündigung des
Evangeliums sehnlich erwarten, manchmal ohne sich dessen voll bewußt
zu sein. Darum muß man zum Heiligen Geist beten, daß er in der
Kirche einen neuen Missionseifer entfache, dessen Protagonisten in
besonderer Weise die Seelsorgehelfer und die gläubigen Laien sein
sollen. Die Globalisierung hat eine beachtliche
Bevölkerungsverschiebung verursacht; so wird die Erstverkündigung
auch in den Ländern alter christlicher Tradition notwendig. Alle
Menschen haben das Recht, Jesus Christus und sein Evangelium
kennenzulernen; dem entsprechend haben die Christen, alle Christen
– Priester, Ordensleute und Laien – die Pflicht, die Frohe Botschaft
zu verkünden.
Ein dritter Aspekt betrifft die Getauften, die jedoch in ihrer
Lebensweise den Ansprüchen der Taufe nicht gerecht werden. Im Laufe
der Synodenarbeit wurde deutlich, daß es solche Menschen in allen
Kontinenten gibt, besonders in den am stärksten säkularisierten
Ländern. Die Kirche widmet ihnen besondere Aufmerksamkeit, damit sie
Jesus Christus erneut begegnen, die Freude des Glaubens
wiederentdecken und zur Ausübung der Religion in der Gemeinschaft
der Gläubigen zurückkehren. Außer den nach wie vor wertvollen
traditionellen pastoralen Methoden versucht die Kirche ebenso neue
Methoden anzuwenden, indem sie sich auch neuer Ausdrucksweisen
bedient, die den verschiedenen Kulturen der Welt angepaßt sind, und
die Wahrheit Christi im Dialog und in einer Atmosphäre der
Freundschaft anbietet, die in Gott, der die Liebe ist, ihr Fundament
hat. In verschiedenen Teilen der Welt hat die Kirche diesen Weg der
kreativen Pastoral bereits eingeschlagen, um die Menschen zu
erreichen, die sich entfernt haben oder auf der Suche nach dem Sinn
des Lebens, nach Glück und letztlich nach Gott sind. Wir erinnern an
einige wichtige Stadtmissionen, an den „Vorhof der Völker", an die
Kontinentalmission usw. Es besteht kein Zweifel, daß der Herr, der
Gute Hirt, diese Bemühungen, die aus dem Eifer für seine Person und
sein Evangelium hervorgehen, reichlich segnen wird.
Liebe Brüder und Schwestern, nachdem Bartimäus von Jesus das
Augenlicht zurückerhalten hatte, schloß er sich der Jüngerschar an,
unter denen es sicher noch andere gab, die wie er vom Meister
geheilt worden waren. Ebenso sind die neuen Glaubensboten: Es sind
Menschen, die die Erfahrung gemacht haben, durch Jesus Christus von
Gott geheilt worden zu sein. Und ihr charakteristisches Merkmal ist
eine Herzensfreude, die mit dem Psalmisten sagt: „Großes hat der
Herr an uns getan. Da waren wir fröhlich" (Ps 126,3). Auch wir
wenden uns heute in froher Dankbarkeit an Jesus, den Herrn, der
Redemptor hominis und Lumen gentium ist, und machen uns ein Gebet
des heiligen Klemens von Alexandrien zu eigen: „Bis jetzt bin ich
umhergeirrt in der Hoffnung, Gott zu finden, doch da Du mich
erleuchtest, o Herr, finde ich Gott durch dich und empfange den
Vater von dir, werde dein Miterbe, denn du hast dich nicht geschämt,
mich zum Bruder zu haben. Vertreiben wir also, vertreiben wir die
Vergessenheit der Wahrheit, die Unwissenheit: Indem wir die
Finsternis, die wie Nebel vor den Augen die Sicht behindert,
beiseite schieben, betrachten wir den wahren Gott …; denn ein Licht
vom Himmel erstrahlte über uns, die wir in der Finsternis begraben
und im Schatten des Todes gefangen waren, [ein Licht], reiner als
die Sonne und süßer als das Leben hier auf Erden" (Protreptikòs
113,2 – 114,1).
[01404-05.01] [Originalsprache: Italienisch]
ANGELUS DOMINI
Nach der heiligen Messe trat der Heilige Vater Benedikt XVI. an das
Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um mit den
auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern den Angelus
zu beten. Das Mariengebet einleitend sprach der Papst über die eben
zu Ende gegangene XIII. Ordentliche Vollversammlung der
Bischofssynode und hielt die im mehrsprachige Ausgabe
veröffentlichte Ansprache.
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