| INTERDIKASTERIALES TREFFEN MIT DEN KARDINÄLEN UND FÜHRENDEN VERTRETERN DER BISCHOFSKONFERENZ DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA (BOLOGNA-SAAL DES APOSTOLISCHEN PALASTES IM VATIKAN, 23.-24. APRIL 2002) ABSCHLUßKOMMUNIQUE Die Teilnehmer bekundeten dem Heiligen Vater einmütig ihre Dankbarkeit für seine klaren Anweisungen zur Orientierung und hinsichtlich künftiger Verpflichtungen. Gemeinsam mit dem Papst bekräftigten sie einige wesentliche Grundsätze: 1) Der sexuelle Mißbrauch von Minderjährigen wird von der Gesellschaft berechtigterweise als ein Verbrechen angesehen und ist in den Augen Gottes eine schreckliche Sünde, vor allem dann, wenn es von Priestern und Ordensleuten begangen wird, die dazu berufen sind, den Menschen dabei zu helfen, ein heiliges Leben vor Gott und den Menschen zu führen. 2) Notwendigerweise muß den Opfern und ihren Familien tiefempfundene Solidarität entgegengebracht und angemessene Unterstützung zuteil werden, damit sie den Glauben wiederfinden und pastorale Betreuung bekommen können. 3) Auch wenn es sich in nur wenigen Fällen um echte Pädophilie handelt, für die Priester und Ordensleute verantwortlich sind, bestätigten doch alle Teilnehmer den Ernst der Situation. Während des Treffens wurden die quantitativen Aspekte des Problems erörtert, da die Statistiken in dieser Hinsicht nicht sonderlich klar sind. Es wurde auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß fast alle Fälle Jugendliche betreffen und somit nicht von ehter Pädophilie gesprochen werden kann. 4) In Übereinstimmung mit der Tatsache, daß ein Zusammenhang zwischen Zölibat und Pädophilie wissenschaftlich nicht begründet werden kann, bekräftigte die Versammlung die Gültigkeit der priesterlichen Ehelosigkeit als ein Geschenk Gottes an die Kirche. 5) In Anbetracht der lehramtlichen Fragen, die dem vorliegenden beklagenswerten Verhalten zuzuordnen sind, wurden einige Richtlinien unterbreitet: a) Die Seelsorger der Kirche müssen deutlich die unverfälschte Morallehre der Kirche verkünden und Personen, die abweichende Meinungen vertreten, und Gruppen, die zweideutige Ansätze für die Seelsorge fördern, öffentlich verurteilen. b) Eine neuerliche und tiefgreifende Apostolische Visitation von Seminaren und anderen Ausbildungsinstituten muß umgehend durchgeführt werden. Dabei muß der Schwerpunkt auf der Treue zur Lehre der Kirche liegen, insbesondere im Bereich des moralischen Verhaltens. Auch müssen die Kriterien zur Eignung eines Kandidaten für das Priesteramt eingehender überprüft werden. c) Es wär angemessen, wenn die katholische Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten alle Gläubigen aufriefe, gemeinsam mit ihr einen nationalen Tag des Gebetes und der Reue als Wiedergutmachung für die begangenen Sünden zu begehen, um im Gebet zu Gott um die Bekehrung der Sünder und die Versöhnung der Opfer zu bitten. 6) Alle Teilnehmer sehen die gegenwärtige Zeit als einen Ruf zur größeren Treue gegenüber dem Mysterium der Kirche an. Daher betrachten sie den gegenwärtigen Augenblick als Zeit der Gnade. Wir erkennen an, daß praktische Verhaltenskriterien dringend nötig sind, dennoch können wir mit den Worten des Heiligen Vaters »nicht die Kraft der christlichen Umkehr außer acht lassen, jene radikale Entscheidung, sich von der Sünde abzukehren und zu Gott hinzukehren, die bis ins Innerste der menschlichen Seele reicht und einen außerordentlichen Wandel bewirken kann«. Zugleich gilt, wie Seine Heiligkeit feststellte: »Die Menschen sollen wissen, daß im Priestertum und im Ordensleben kein Platz ist für den, der jungen Menschen Böses tun könnte. Sie sollen wissen, daß die Bischöfe und die Priester sich ganz um die Fülle der katholischen Wahrheit in den Fragen der Sexualmoral bemühen ÂÂÂ einer Grundwahrheit für die Erneuerung des Priestertums und des Episkopats ebenso wie für die Erneuerung der Ehe und des Familienlebens.« Wiederum mit den Worten des Papstes: »Ebensowenig sollten wir das viele Gute auf geistlichem, menschlichem und sozialem Gebiet vergessen, das die große Mehrheit der Priester und Ordensleute in den Vereinigten Staaten getan hat und noch tut. Die katholische Kirche hat in eurem Land immer die menschlichen und christlichen Werte mit viel Kraft und Großherzigkeit gefördert in einer Art, die dazu beitrug, all das zu festigen, was im amerikanischen Volk edel ist. Ein großes Kunstwerk kann beschädigt werden, aber seine Schönheit bleibt; das ist eine Wahrheit, die jeder vernünftige und ehrliche Kritiker anerkennen muß. Den katholischen Gemeinden in den Vereinigten Staaten, ihren Hirten und Mitgliedern, den Ordensleuten, den Lehrern an den katholischen Universitäten und Schulen, den amerikanischen Missionaren in allen Teilen der Welt gilt der aufrichtige und herzliche Dank der ganzen katholischen Kirche und der persönliche Dank des Bischofs von Rom.« Aus diesem Grund haben die Kardinäle und Bischöfe, die an dem Treffen teilgenommen haben, heute eine Botschaft an alle Priester der Vereinigten Staaten und ihre Mitarbeiter im pastoralen Dienst gesandt. Als Vorbereitung auf die für kommenden Juni vorgesehene Vollversammlung der Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten übermittelten die amerikanischen Teilnehmer an der römischen Konferenz den Präfekten der Römischen Kongregationen die folgenden Vorschläge: 1. Wir wollen den entsprechenden Kongregationen des Hl. Stuhls einen nationalen Richtlinienkatalog übersenden, den der Hl. Stuhl angemessen überprüfen wird (»recognitio«) und in dem wesentliche Elemente für Richtlinien, die sich mit dem sexuellen Mißbrauch von Minderjährigen in Diözesen und religiösen Einrichtungen in den Vereinigten Staaten von Amerika befassen, festgelegt werden. 2. Wir wollen vorschlagen, daß die Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten einen besonderen Verfahrensmodus für die Entlassung eines Geistlichen aus dem Klerikerstand empfiehlt, der in notorischer Weise sich des mehrfachen verbrecherischen sexuellen Mißbrauchs von Minderjährigen schuldig gemacht hat. 3. Wir erkennen an, daß es im Codex des kanonischen Rechts bereits ein juristisches Verfahren für die Entlassung von Priestern gibt, die sich des sexuellen Mißbrauchs an Minderjährigen schuldig gemacht haben. Wir werden darüber hinaus ein besonderes Verfahren für Fälle vorschlagen, die nicht notorisch sind, aber in denen der Diözesanbischof den Priester als eine Bedrohung für den Schutz von Kindern und Jugendlichen ansieht. So soll ein schwerer Skandal für die Zukunft vermieden und das Wohl der Kirche gewährleistet werden. 4. Wir schlagen eine Apostolische Visitation von Seminaren und Ausbildungseinrichtungen der Orden vor. Dabei soll besondere Aufmerksamkeit auf die Zulassungsbestimmungen gelegt werden und auf die Notwendigkeit, daß in diesen Einrichtungen die katholische Morallehre in ihrer Gesamtheit gelehrt wird. 5. Wir schlagen vor, daß die Bischöfe der Vereinigten Staaten alles in ihren Kräften Stehende tun, um die vom Heiligen Vater hervorgehobene Herausforderung in die Tat umzusetzen, daß nämlich die gegenwärtige Krise »zur größeren Heiligkeit des Priestertums, des Episkopats und der Kirche führen« muß, indem sie zu einer tieferen Heiligkeit innerhalb der Kirche der Vereinigten Staaten einladen, wobei auch wir selbst als Bischöfe, Kleriker, Ordensleute und Laiengläubige einbezogen sind. 6. Wir schlagen vor, daß die Bischöfe der Vereinigten Staaten einen Tag des Gebets und der Buße in der gesamten Kirche der Ver inigten Staaten begehen, um die Wiederversöhnung und Erneuerung des kirchlichen Lebens zu erflehen. Aus dem Vatikan, 24. April 2002 |