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DER PRIESTER, LEHRER DES WORTES,
DIENER DER SAKRAMENTE UND
LEITER DER GEMEINDE
FÜR DAS DRITTE
CHRISTLICHE JAHRTAUSEND
Aus dem Vatikan, 19. März 1999 Fest des hl.
Josef, Patron der Universalkirche
An die Hochwürdigsten Ordinarien
Eminenz, Exzellenz,
Die ganze Kirche bereitet sich in bußfertiger
Gesinnung auf den nahenden Eintritt in das dritte Jahrtausend seit der
Menschwerdung des Wortes vor und wird durch die ständigen Bemühungen des
Nachfolgers Petri zu einem immer lebendigeren Andenken an den Willen ihres
göttlichen Gründers angeregt.
In inniger Verbundenheit mit diesem Anliegen
hat die Kongregation für den Klerus auf ihrer vom 13. — 15. Oktober 1998
abgehaltenen Plenarversammlung entschieden, den einzelnen Ordinarien dieses
Rundschreiben zuzuleiten, das durch sie an alle Priester gerichtet ist. Der
Heilige Vater sagte in der bei dieser Gelegenheit vorgetragenen Ansprache:
"Die Perspektive der Neu-Evangelisierung findet im Einsatz für das große
Jubiläum einen starken Ausdruck. Hier kreuzen einander providentiell die Wege
des Apostolischen Schreibens Tertio Millennio adveniente und jene, die von den
Direktorien für die Priester und die Ständigen Diakone sowie von der
Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der
Priester und vom Ergebnis der gegenwärtigen Plenarversammlung aufgezeigt wurden.
Dank der allgemeinen und überzeugten Anwendung dieser Dokumente wird sich der
inzwischen gewohnte Ausdruck Neu-Evangelisierung noch viel effizienter in
wirksame Realität umsetzen lassen".
Es handelt sich um ein Hilfsmittel, das im
Blick auf die gegenwärtigen Umstände bei den einzelnen Priestern und
Presbyterien eine Gewissenserforschung anregen soll im Bewußtsein, daß der
Name der Liebe — in der Zeit
— Treue ist. Im Text werden die konziliaren
und päpstlichen Lehren bekräftigt und die anderen Dokumente des Papstes in
Erinnerung gerufen. Es sind dies wahrhaft grundlegende Dokumente, um den
authentischen Anforderungen der Zeiten zu entsprechen und sich nicht vergeblich
in der Evangelisierungsaufgabe abzumühen.
Die Anregungen zum Nachdenken am Ende der
einzelnen Kapitel verlangen keine Antwort an die Kongregation; vielmehr bilden
sie eine Hilfestellung für jene, die im Licht der genannten Dokumente ihre
Alltgswirklichkeit hinterfragen wollen.
Die Adressaten können sich ihrer in der von
ihnen am günstigsten erachteten Art und Weise bedienen.
Im Bewußtsein, daß kein missionarisches
Vorhaben ohne den motivierten und begeisterten Einsatz der Priester
realistischerweise gelingen kann, die ja die ersten und wertvollsten Mitarbeiter
der Bischöfe sind, soll dieses Rundschreiben u.a. auch eine Hilfe anbieten für
Priestertage, Einkehrtage, Exerzitien und Priestertreffen, die in den einzelnen
Kirchengebieten in dieser Vorbereitungszeit auf das große Jubiläum und vor
allem während seiner Durchführung abgehalten werden.
Mit dem Wunsch, daß die Königin der Apostel
als leuchtender Stern die Schritte ihrer geliebten Priester, Söhne in ihrem
Sohn, auf den Pfaden der wirksamen Gemeinschaft, der Treue, der großmütigen
und umfassenden Ausübung ihres unersetzlichen Dienstes geleiten möge, wünsche
ich alles erdenklich Gute im Herrn und entbiete herzliche Grüße in kollegialer
Verbundenheit!
DARÍO Kard. CASTRILLÓN
HOYOS
Präfekt
CSABA TERNYÁK
Titular-Erzbischof von Eminenziana
Sekretär
EINLEITUNG
Die auf dem fruchtbaren Boden der großen
katholischen Tradition entstandene und gewachsene Lehre, die den Priester als Lehrer
des Wortes, Diener der Sakramente und Leiter der ihm anvertrauten christlichen
Gemeinde beschreibt, stellt einen Weg nachdenklicher Reflexion über seine
Identität und seine Sendung in der Kirche dar. Über diese Lehre, die immer
dieselbe und doch immer neu ist, muß heute wieder mit Glaube und Hoffnung
nachgedacht werden im Blick auf die Neu-Evangelisierung, zu welcher der
Heilige Geist durch die Person und Autorität des Heiligen Vaters alle
Gläubigen aufruft.
Es braucht einen wachsenden, persönlichen und
zugleich gemeinsamen, neuen und großzügigen apostolischen Einsatz aller in der
Kirche. Hirten und Gläubige müssen, besonders durch das persönliche Zeugnis
und die einleuchtende Lehre Johannes Pauls II. in besonderer Weise ermutigt,
immer gründlicher begreifen, daß der Zeitpunkt gekommen ist, den Schritt zu
beschleunigen, mit leidenschaftlichem apostolischem Geist nach vorne zu schauen
und sich darauf vorzubereiten, die Schwelle des 21. Jahrhunderts in einer
Haltung zu überschreiten, deren Bestreben es ist, die Tore der Geschichte weit
aufzumachen für Jesus Christus, unseren Gott und einzigen Erlöser. Hirten und
Gläubige müssen sich aufgerufen fühlen, dafür zu sorgen, daß im Jahr 2000
mit neuer Kraft wieder die Verkündigung der Wahrheit erschalle: "Ecce
natus est nobis Salvator mundi" (1).
"In den Ländern mit alter christlicher
Tradition, aber manchmal auch in jüngeren Kirchen haben ganze Gruppen von
Getauften den lebendigen Sinn des Glaubens verloren oder erkennen sich gar nicht
mehr als Mitglieder der Kirche, da sie sich in ihrem Leben von Christus und vom
Evangelium entfernt haben. In diesem Fall braucht es eine ,,Neu-Evangelisierung"
oder eine ,,Wieder-Evangelisierung"" (2) Die Neu-Evangelisierung
stellt also zuallererst eine mütterliche Reaktion der Kirche auf die
Schwächung des Glaubens und die Trübung der moralischen Forderungen des
christlichen Lebens im Bewußtsein so vieler ihrer Söhne und Töchter dar. Es
gibt in der Tat viele Getaufte, die als Bürger einer in religiöser Hinsicht
gleichgültigen Welt zwar einen gewissen Glauben beibehalten, sich aber
praktisch vom Wort und von den Sakramenten, den wesentlichen Quellen
christlichen Lebens, entfernt haben und im religiösen und moralischen
Indifferentismus leben. Aber es gibt viele andere Menschen, die von christlichen
Eltern geboren und vielleicht auch getauft worden sind, aber die
Glaubensgrundlagen nicht erhalten haben und praktisch ein Dasein ohne Gott
führen. Auf alle diese Menschen blickt die Kirche voll Liebe, während sie es
ganz besonders ihnen gegenüber als dringende Pflicht empfindet, sie an die
kirchliche Gemeinschaft heranzuziehen, wo sie durch die Gnade des Heiligen
Geistes Jesus Christus und den Vater wiederfinden sollen.
Zusammen mit dieser Verpflichtung zur
Neu-Evangelisierung, die im Bewußtsein vieler Christen wieder das Licht des
Glaubens entzünden und in der Gesellschaft die Frohe Botschaft vom Heil wieder
erklingen lassen soll, empfindet die Kirche stark die Verantwortung für ihre
ständige Sendung ad gentes, das heißt das Recht und die Pflicht, allen
Menschen, die Christus noch nicht kennen und nicht an seinen Heilsgaben
teilhaben, das Evangelium zu bringen. Für die Kirche, Mutter und Lehrerin, sind
die Sendung ad gentes und die Neu-Evangelisierung, heute mehr denn je
untrennbare Aspekte des Auftrags, zu lehren, zu heiligen und alle Menschen zum
Vater zu führen. Auch leidenschaftliche Christen, von denen es viele gibt,
bedürfen einer liebevollen, ständigen Ermutigung dazu, nach ihrer Heiligkeit
zu streben, zu der sie von Gott und von der Kirche berufen sind und die den
eigentlichen Motor der Neu-Evangelisierung darstellt.
Jeder gläubige Christ, jeder Sohn/jede
Tochter der Kirche sollte sich in diese gemeinsame dringende Verantwortung
hineingenommen fühlen, ganz besonders aber gilt das für die Priester, die im
besonderen erwählt, geweiht und gesandt sind, um die Gegenwart Christi, dessen
authentische Repräsentanten und Boten sie werden, offenkundig zu machen.(3) Es
erscheint daher notwendig, allen Welt — und Ordenspriestern zu helfen, "die
vorrangige pastorale Aufgabe der Neu-Evangelisierung" (4) persönlich auf
sich zu nehmen und im Lichte dieser Aufgabe die von Gott an sie ergangene
Berufung wiederzuentdecken, nämlich dem ihnen anvertrauten Teil des
Gottesvolkes als Lehrer des Wortes, Diener der Sakramente und Hirten der Herde
zu dienen.
I. Kapitel
IM DIENST DER NEU-EVANGELISIERUNG
"Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt,
daß ihr euch aufmacht" (Joh 15,16)
1. Die Neu-Evangelisierung, Aufgabe der ganzen
Kirche
Die Berufung und die Entsendung durch den
Herrn sind immer aktuell, gewinnen aber unter den heutigen historischen
Gegebenheiten eine besondere Bedeutung. Denn das Ende des 20. Jahrhunderts weist
vom religiösen Standpunkt her gegensätzliche Erscheinungen auf. Während man
einerseits den hohen Säkularisierungsgrad einer Gesellschaft feststellt, die
sich von Gott abwendet und sich jedem transzendenten Bezug verschließt, zeigt
sich andererseits zunehmend eine Religiosität, welche die im Herzen aller
Menschen vorhandene, angeborene Sehnsucht nach Gott zu stillen versucht, der es
aber nicht immer gelingt, zu einem befriedigenden Ausgang zu gelangen. "Die
Sendung Christi, des Erlösers, die der Kirche anvertraut ist, ist noch weit
davon entfernt, vollendet zu sein. Ein Blick auf die Menschheit insgesamt am
Ende des zweiten Jahrtausends zeigt uns, daß diese Sendung noch in den
Anfängen steckt und daß wir uns mit allen Kräften für den Dienst an dieser
Sendung einsetzen müssen".(5) Die Verwirklichung dieser dringenden
missionarischen Verpflichtung entfaltet sich heute in großem Maße im Rahmen
der Neu-Evangelisierung vieler Länder alter christlicher Tradition, wo der
christliche Lebenssinn jedoch, wie es scheint, großenteils im Verfallen
begriffen ist. Sie erfolgt aber auch im weiteren Bereich der gesamten Menschheit
überall dort, wo die Menschen die von Christus gebrachte Heilsbotschaft noch
nicht gehört oder noch nicht richtig verstanden haben.
Eine schmerzliche Realität ist an vielen
Orten und in vielen Kreisen das Vorhandensein von Personen, die von Jesus
Christus reden gehört haben, aber seine Lehre eher als einen Komplex
allgemeiner sittlicher Werte denn als verpflichtende Aufgaben des konkreten
Lebens kennenzulernen und anzunehmen scheinen. Zugenommen hat die Zahl von
Getauften, die sich von der Nachfolge Christi entfernen und einem vom
Relativismus gekennzeichneten Lebensstil folgen. Die Rolle des christlichen
Glaubens reduziert sich in vielen Fällen auf die eines reinen Kulturfaktors,
der häufig auf eine rein private Dimension, ohne jede Bedeutung im sozialen
Leben der Menschen und Völker, verengt wird.(6)
Nicht wenige und keineswegs kleine Bereiche
sind nach zwei Jahrtausenden Christentum offen für die apostolische Sendung.
Alle Christen müssen sich kraft des ihnen durch die Taufe gewährten
Priestertums (Vgl. 1 Petr 2,4-5.9; Offb 1,5-6. 9-10; 20,6) dazu
aufgerufen wissen, je nach ihren persönlichen Lebensumständen an dem neuen
Sendungsauftrag zur Evangelisierung mitzuwirken, der als gemeinsame kirchliche
Verantwortung Gestalt annimmt.(7) Die Verantwortung für die Missionstätigkeit
"liegt vor allem auf dem Kollegium der Bischöfe mit dem Nachfolger Petri
an deren Spitze".(8) "Als Mitarbeiter des Bischofs sind die Priester
kraft des Weihesakramentes aufgerufen, die Sorge für die Mission mit ihm zu
teilen" .(9) Man kann also sagen, daß in einem gewissen Sinn die Priester
"die ersten Verantwortlichen dieser Neu-Evangelisierung des dritten
Millenniums" sind.(10)
Die moderne Gesellschaft hat, durch die vielen
wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften ermutigt, ein tiefes Bewußtsein
kritischer Unabhängigkeit gegenüber jeder Art von weltlicher wie religiöser
Autorität oder Lehre entwickelt. Das erfordert, daß die christliche
Heilsbotschaft, die immer geheimnisvoll bleibt, gründlich erklärt und mit der
Liebenswürdigkeit, Kraft und Anziehungsfähigkeit vorgestellt wird, die sie bei
der ersten Evangelisierung besaß, wobei man sich klugerweise aller geeigneten,
von der modernen Technik angebotenen Mittel bedienen sollte, ohne jedoch zu
vergessen, daß die technischen Kommunikationsmittel niemals das unmittelbare
Zeugnis eines heiligmäßigen Lebens werden ersetzen können. Die Kirche braucht
echte Zeugen, Kommunikatoren des Evangeliums in allen Lebensbereichen der
Gesellschaft. Daraus ergibt sich, daß die Christen im allgemeinen und die
Priester im besonderen eine ebenso profunde wie korrekte philosophische und
theologische Ausbildung erwerben sollen,(11) die es ihnen erlaubt, von ihrem
Glauben und ihrer Hoffnung Rechenschaft zu geben und die dringliche
Notwendigkeit zu spüren, sie mit einer persönlichen verständnisvollen
Gesprächshaltung auf stets konstruktive Weise darzustellen. Die Verkündigung
des Evangeliums darf sich jedoch keinesfalls im Gespräch erschöpfen; der Mut
zur Wahrheit ist in der Tat eine unausweichliche Herausforderung vor der
Versuchung des Konformismus, der Suche nach müheloser Popularität oder nach
der eigenen Ruhe!
Bei der Realisierung der
Evangelisierungsarbeit darf auch nicht vergessen werden, daß manche Begriffe
und Worte, mit denen sie traditionsgemäß durchgeführt wurde, für den größten
Teil der modernen Kulturen nahezu unverständlich geworden sind. Begriffe wie
Ursünde mit ihren Folgen, Erlösung, Kreuz, Notwendigkeit des Gebetes,
freiwilliges Opfer, Keuschheit, Enthaltsamkeit, Gehorsam, Demut, Buße, Armut
usw. haben in so manchem Kontext ihre ursprüngliche positive christliche
Bedeutung verloren. Deshalb muß die Neu-Evangelisierung durch äußerste Treue
zu der von der Kirche ständig gelehrten Glaubenslehre und durch ein starkes
Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem christlichen Fachvokabular imstande
sein, auch heutzutage geeignete Ausdrucksweisen zu finden, um mit deren Hilfe
den tiefen Sinn für diese menschlichen und christlichen Grundwirklichkeiten
wiederzugewinnen, ohne deshalb auf die in zusammenfassender Form im
Glaubensbekenntnis enthaltenen, feststehenden und bereits angenommenen
Formulierungen des Glaubens zu verzichten.(12)
2. Die notwendige
und unersetzbare Rolle der Priester
Obwohl die Hirten "wissen, daß sie von
Christus nicht bestellt sind, um die ganze Heilsmission der Kirche an der Welt
allein auf sich zu nehmen",(13) üben sie bei der Evangelisierung eine
absolut unersetzliche Rolle aus. Die Forderung nach einer Neu-Evangelisierung
macht es daher dringend notwendig, einen wirklich mit der heutigen Situation
übereinstimmenden Ansatz für die Ausübung des Priesteramtes zu finden, der
ihr Wirksamkeit verleiht und sie tauglich macht, auf die Umstände, unter denen
sie erfolgen soll, entsprechend einzugehen. Das muß jedoch unter ständiger
Hinwendung zu Christus, unserem einzigen Vorbild, geschehen, ohne daß die heute
herrschenden Verhältnisse unseren Blick vom Endziel ablenken. Nicht nur die
sozio-kulturellen Gegebenheiten sollen uns nämlich zu einer gültigen
pastoralen Erneuerung anspornen, sondern vor allem die brennende Liebe zu
Christus und zu seiner Kirche.
Das Ziel unserer Anstrengungen ist die
endgültige Herrschaft Christi und die Wiederherstellung der gesamten Schöpfung
in ihm. Dieses Ziel wird erst am Ende der Zeiten voll erreicht werden, ist aber
schon jetzt gegenwärtig durch den lebendigmachenden Heiligen Geist, durch den
Jesus Christus seinen Leib, die Kirche, als allumfassendes Heilssakrament
eingesetzt hat.(14)
Christus, Haupt der Kirche und Herr der
gesamten Schöpfung, setzt sein Heilswirken unter den Menschen fort, und genau
innerhalb dieses Wirkungsrahmens findet das Amtspriestertum seinen richtigen
Platz. Christus will, wenn er alle zu sich zieht (Vgl. Joh 12,32), in
besonderer Weise seine Priester mit einbeziehen. Wir stehen hier vor einem
göttlichen Plan (dem Willen Gottes, die Kirche mit ihren Amtsträgern in das
Erlösungswerk hineinzunehmen), der, obwohl er sich vom Standpunkt der
Glaubenslehre und der Theologie aus klar bestätigen läßt, dennoch
beträchtliche Schwierigkeiten aufweist, um von seiten der Menschen unserer Zeit
akzeptiert zu werden. Denn die sakramentale Vermittlung und die hierarchische
Struktur der Kirche wird heute von vielen angefochten; man fragt sich, worin
ihre Notwendigkeit, ihre Motivation bestehe.
Wie das Leben Christi, so muß auch dasjenige
des Priesters ein Leben sein, das in Christi Namen der maßgeblichen
Verkündigung des liebevollen Willens des Vaters geweiht ist (Vgl. Joh 17,4;
Hebr 10,7-10). Das war die Haltung des Messias: Die Jahre seines
öffentlichen Wirkens waren dem Vollbringen (Apg 1,1) von Taten und dem Lehren
gewidmet, wobei er "wie einer lehrte, der (göttliche) Vollmacht hat" (Mt
7,29). Diese Vollmacht gab ihm sicherlich an erster Stelle seine göttliche
Herkunft, aber in den Augen der Menschen auch sein aufrichtiges, heiligmäßiges,
vollkommenes Handeln. In gleicher Weise muß der Priester mit der objektiven
geistlichen Autorität, die er kraft seiner Weihe besitzt,(15) die subjektive
Autorität verbinden, die aus seinem aufrichtigen und heiligmäßigen Leben,(16)
aus seiner pastoralen Liebe, Ausdruck der Liebe Christi,(17) stammt. Die Mahnung,
die der hl. Gregor der Große an die Priester richtete, hat nichts von ihrer
Aktualität verloren: "Er [der Hirt] muß in seinem Denken lauter, im
Handeln vorbildlich, in seinem Schweigen diskret, durch sein Wort hilfreich sein;
er muß durch sein Mitleiden jedem nahe sein und sich mehr als alle der
Kontemplation widmen; er muß ein demütiger Verbündeter dessen sein, der das
Gute tut, aber wegen seines eifrigen Bemühens um Gerechtigkeit muß er den
Lastern der Sünder gegenüber unbeugsam sein; er darf weder bei den äußeren
Tätigkeiten die Sorge um das innere Leben vernachlässigen noch es verabsäumen,
sich der äußeren Bedürfnisse durch die Sorge um das innere Wohl anzunehmen"
.(18)
Wie zu allen Zeiten werden in unseren Tagen in
der Kirche "Herolde des Evangeliums gebraucht, die Experten im Umgang mit
den Menschen sind, die das Herz des heutigen Menschen gründlich kennen, seine
Freuden und Hoffnungen, Ängste und Sorgen teilen und zugleich beschauliche
Freunde Gottes sein wollen. Dazu bedarf es neuer Heiliger — sagte der Heilige
Vater unter konkreter Bezugnahme auf die Rechristianisierung Europas mit Worten,
die jedoch universale Gültigkeit besitzen —. Die großen Evangelisatoren
Europas waren die Heiligen. Wir müssen den Herrn bitten, daß er den Geist der
Heiligkeit in der Kirche vermehre und uns neue Heilige sende, um die Welt von
heute zu evangelisieren". .(19) Man muß bedenken, daß nicht wenige
Zeitgenossen sich zuallererst durch die geweihten Diener Gottes eine Vorstellung
von Christus und von der Kirche machen; ihr authentisch evangelisches Zeugnis
als "lebendiges und transparentes Abbild des Priesters Christus" (20)
wird daher noch dringender.
Im Rahmen des Heilswirkens Christi können wir
zwei untrennbare Ziele ausmachen. Einerseits eine Zielsetzung, die wir als
intellektuell bezeichnen könnten: die Menge der Menschen, die wie Schafe waren,
die keinen Hirten haben (Vgl. Mt 9,36), lehren, unterweisen, sie über
den Verstand zur Umkehr veranlassen (Vgl. Mt 4,17). Der andere Aspekt war
darauf ausgerichtet, die Herzen derer, die ihn hörten, aufzurütteln für die
Reue und Buße wegen ihrer Sünden und ihnen den Weg zum Empfang der göttlichen
Vergebung zu eröffnen. Und so ist es heute noch: "Der Aufruf zur
Neu-Evangelisierung ist vor allem ein Aufruf zur Umkehr",(21) und wenn das
Wort Gottes den Verstand des Menschen unterwiesen und seinen Willen dadurch
angeregt hat, daß es ihn von der Sünde abbrachte, dann erreicht die
Evangelisierungstätigkeit ihren Höhepunkt in der fruchtbringenden Teilnahme an
den Sakramenten, vor allem an der Feier der Eucharistie. "Die Aufgabe der
Evangelisierung besteht — wie Paul VI. lehrte — eben darin, den Glauben so
zu lehren, daß jeder Christ dahingeführt wird, die Sakramente, statt sie
passiv zu empfangen oder über sich ergehen zu lassen, als wahrhafte
Gnadenmittel des Glaubens zu leben" (22)
Die Evangelisierung umfaßt: Verkündigung,
Zeugnis, Dialog und Dienst und fußt auf der Verbindung der drei untrennbaren
Elemente: Verkündigung des Wortes, Dienst der Sakramente und Leitung der
Gläubigen.(23) Eine Verkündigung, die sich nicht die ständige Formung der
Gläubigen zum Ziel setzte und nicht in die sakramentale Praktik einmündete,
hätte ebenso wenig Sinn wie eine Teilnahme an den Sakramenten, die von der
vollen Annahme des Glaubens und der Moralprinzipien abgetrennt wäre oder bei
der sich keine ehrliche Umkehr des Herzens einstellte. Wenn aus pastoraler Sicht
der Aktion nach der erste Platz logischerweise der Verkündigungsaufgabe zusteht,(24)
muß der Intention oder Zielsetzung nach der erste Platz der Feier der
Sakramente, insbesondere des Bußsakramentes und der Eucharistie, zugewiesen
werden.(25) In der harmonischen Verbindung beider Funktionen ist die Integrität
des Hirtenamtes des Priesters im Dienst an der Neu-Evangelisierung gegeben.
Ein Aspekt der Neu-Evangelisierung, der immer
größere Bedeutung gewinnt, ist die ökumenische Bildung der Gläubigen. Das II.
Vatikanische Konzil mahnte alle katholischen Gläubigen, daß sie "mit
Eifer an dem ökumenischen Werk teilnehmen" und "die wahrhaft
christlichen Güter aus dem gemeinsamen Erbe anerkennen und hochschätzen, die
sich bei den von uns getrennten Brüdern finden" .(26) Gleichzeitig
gilt es auch zu beachten, daß "nichts dem ökumenischen Geist so fern ist
wie jener falsche Irenismus, durch den die Reinheit der katholischen Lehre
Schaden leidet und ihr ursprünglicher und sicherer Sinn verdunkelt wird"
.(27) Die Priester werden infolgedessen wachsam sein müssen, damit der
Ökumenismus unter treuer Respektierung der vom Lehramt der Kirche angegebenen
Prinzipien geführt wird und nicht Brüche, sondern harmonische Kontinuität
erfährt.
ANREGUNGEN ZUM NACHDENKEN ÜBER KAPITEL I
1. Wird in unseren Kirchengemeinden und
besonders unter unseren Priestern die Notwendigkeit und Dringlichkeit der
Neu-Evangelisierung wirklich empfunden?
2. Ist sie bei der
Verkündigung präsent? Ist sie bei den Zusammenkünften des Presbyteriums, in
den Pastoralprogrammen, in den Maßnahmen zur ständigen Weiterbildung
vorhanden?
3. Engagieren sich die Priester besonders in
der Förderung einer Sendung wie der Neu-Evangelisierung "in ihrem Eifer,
in ihren Methoden, in ihrer Ausdruckskraft" (28)
— ad intra und ad extra der Kirche?
4. Betrachten die Gläubigen das Priestertum
als ein Gottesgeschenk sowohl für den, der es empfängt, wie für die
Gemeinde selbst, oder sehen sie es unter einem rein funktionalen und
organisatorischen Aspekt? Wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, dafür zu
beten, daß der Herr Priesterberufe wecke und daß es nicht an der notwendigen
Hochherzigkeit fehle, darauf zustimmend zu antworten?
5. Wird in der Verkündigung des Wortes
Gottes und in der Katechese das gebührende Gleichmaß zwischen dem Aspekt der
Glaubensunterweisung und dem der Sakramentenspendung aufrechterhalten? Ist die
Evangelisierungstätigkeit der Priester gekennzeichnet von der
Komplementarität zwischen Verkündigung und sakramentaler Heiligung, "munus
docendi" und "munus sanctificandi"?
II. Kapitel
LEHRER DES WORTES
"Geht hinaus in die ganze Welt, und
verkündet das Evangelium allen Geschöpfen" (Mk 16,15)
1. Die Priester,
Lehrer des Wortes "nomine Christi et nomine Ecclesiae"
Ein angemessener Ausgangspunkt für das
richtige Verständnis des Hirtendienstes am Wort ist die Betrachtung der
Offenbarung Gottes an sich. "In dieser Offenbarung redet der unsichtbare
Gott (vgl. Kol 1,15; 1 Tim 1,17) aus überströmender Liebe die
Menschen an wie Freunde (vgl. Ex 33,11; Joh 15,14-15) und verkehrt
mit ihnen (vgl. Bar 3,38), um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und
aufzunehmen".(29) In der Heiligen Schrift spricht die Verkündigung des
Gottesreiches nicht nur von der Herrlichkeit Gottes, sondern läßt sie aus eben
dieser Verkündigung hervorgehen. Das in der Kirche verkündete Evangelium ist
nicht nur Botschaft, sondern eine göttliche Heilshandlung, die von denen, die
glauben, die die Botschaft hören, ihr folgen und sie annehmen, erfahren wird.
Die Offenbarung beschränkt sich daher nicht
darauf, uns über die Natur jenes Gottes, der in einem unerreichbaren Licht lebt,
zu unterweisen, sondern sie unterrichtet uns zugleich darüber, was Gott in
seiner Gnade für uns tut. Das geoffenbarte Wort, das "in" der und
"durch" die Kirche gegenwärtig gemacht und aktualisiert wird, ist ein
Werkzeug, durch das Christus mit seinem Geist in uns tätig ist. Es ist zugleich
Gericht und Gnade. Beim Hören des Wortes interpelliert die aktuelle
Gegenüberstellung mit Gott das Herz der Menschen und verlangt eine Entscheidung,
die mit Verstandeswissen allein nicht zu erreichen ist, sondern die Umkehr des
Herzens erfordert.
"Die erste Aufgabe der Priester als
Mitarbeiter der Bischöfe [ist es], allen die Frohe Botschaft Gottes zu
verkünden, um so [...] das Gottesvolk zu begründen und zu mehren".(30) Da
die Verkündigung des Wortes nicht rein intellektuelle Weitergabe einer
Botschaft ist, sondern eine ein für allemal in Christus verwirklichte "Kraft
Gottes, die jeden rettet, der glaubt" (Röm 1,16), verlangt ihre
Verkündigung in der Kirche bei den Verkündigern ein übernatürliches
Fundament, das ihre Authentizität und Wirksamkeit gewährleistet. Die
Verkündigung des Wortes durch die geweihten Diener hat gewissermaßen teil am
Heilscharakter des Wortes selbst, und zwar nicht einfach deshalb, weil sie von
Christus reden, sondern weil sie ihren Zuhörern das Evangelium mit der Kraft
verkünden, die aus ihrer Teilnahme an der Konsekration und Sendung des
fleischgewordenen Gotteswortes stammt. Den Amtsträgern klingen noch die Worte
des Herrn in den Ohren: "Wer euch hört, der hört mich, und wer euch
ablehnt, der lehnt mich ab" (Lk 10,16), und mit Paulus können sie sagen:
"Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der
aus Gott stammt, damit wir das erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist.
Davon reden wir auch, nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt,
sondern wie der Geist sie lehrt, indem wir den Geisterfüllten das Wirken des
Geistes deuten" (1 Kor 2,12-13).
Die Verkündigung gleicht einem Dienst, der
dem Weihesakrament entspringt und sich durch die Vollmacht Christi entfaltet.
Die Kraft des Heiligen Geistes garantiert jedoch nicht in derselben Weise alle
Handlungen der Amtsträger. Während bei der Verwaltung der Sakramente diese
Garantie gegeben ist, so daß selbst die Sündhaftigkeit des Spenders die Frucht
der Gnade nicht verhindern kann, gibt es viele andere Handlungen, bei denen das
menschliche Gepräge des Amtsträgers eine beträchtliche Bedeutung gewinnt.
Dieses Gepräge kann der apostolischen Fruchtbarkeit der Kirche nützen, ihr
aber auch schaden.(31) Wenngleich das gesamte munus pastorale vom
Dienstcharakter erfüllt sein soll, so ist das im Verkündigungsdienst besonders
notwendig, denn je mehr der Amtsträger tatsächlich zum Diener des
Wortes wird und sich nicht zum Herrn desselben macht, um so mehr kann das Wort
seine heilbringende Wirksamkeit spenden.
Dieser Dienst verlangt die persönliche
Hingabe des Amtsträgers an das verkündete Wort, eine Hingabe, die letzten
Endes an Gott selbst gerichtet ist, an jenen "Gott, den ich im Dienst des
Evangeliums von seinem Sohn mit ganzem Herzen ehre" (Röm 1,9). Der
Priester darf ihm kein Hindernis in den Weg legen, weder durch Verfolgung von
Zielen, die nicht zu seiner Sendung gehören, noch dadurch, daß er sich auf die
Weisheit der Menschen oder auf subjektive Erfahrungen stützt, die das
Evangelium selbst vernebeln könnten. Das Wort Gottes wird sich also niemals
instrumentalisieren lassen! Der verkündende Priester muß hingegen "zuallererst
selber eine große persönliche Vertrautheit mit dem Wort Gottes entwickeln
[...]. Der Priester muß der erste ,,Glaubende" des Wortes sein in dem Bewußtsein,
daß die Worte seines Dienstes nicht ,,seine", sondern die Worte dessen
sind, der ihn ausgesandt hat" .(32)
Es besteht also eine wesentliche Beziehung zwischen
persönlichem Gebet und Verkündigung. Aus der Betrachtung des Gotteswortes
im persönlichen Gebet soll auch spontan "der Vorrang des gelebten
Zeugnisses, das die Macht der Liebe Gottes entdecken läßt und sein Wort
überzeugend macht",(33) entspringen. Frucht des persönlichen Gebetes ist
auch eine Predigt, die sich den Gläubigen nicht in erster Linie wegen ihrer
logischen Abstraktheit einprägt, sondern weil sie in einem lauteren, betenden
Herzen entstanden ist, das darum weiß, daß es nicht Aufgabe des Priesters ist,
"seine eigene Weisheit vorzutragen, sondern immer das Wort Gottes zu lehren
und alle nachdrücklich zur Umkehr und zur Heiligung einzuladen".(34) Die
Predigt der Diener Christi muß also, damit sie wirksam sei, fest auf deren
kindlichen Gebetsgeist gegründet sein: "sit orator, antequam dictor"
.(35)
Im persönlichen Gebetsleben des Priesters
findet das Bewußtsein vom Dienstcharakter seiner Sendung, der in der Berufung
liegende Sinn seines Lebens und sein lebendiger und apostolischer Glaube Stütze
und Anregung. Hier schöpft er auch Tag für Tag den Eifer für die
Evangelisierung. Zur persönlichen Überzeugung geworden, wird sie in
überzeugende, konsequente Verkündigung umgesetzt. In diesem Sinn betrifft der
Vollzug des Stundengebetes nicht allein die persönliche Frömmigkeit, noch
erschöpft er sich als öffentliches Gebet der Kirche; das Stundengebet erweist
auch seinen großen pastoralen Nutzen,(36) da es eine bevorzugte Gelegenheit zu
wachsender Vertrautheit mit der Lehre der Bibel, der Kirchenväter, der
Theologie und des Lehramtes bietet, die zunächst verinnerlicht und dann in der
Verkündigung auf das Volk Gottes übertragen wird.
2. Für eine wirksame Verkündigung des Wortes
In der Perspektive der Neu-Evangelisierung müßte
unbedingt die Wichtigkeit unterstrichen werden, in den Gläubigen die Bedeutung
der aus der Taufe herrührenden Berufung reifen zu lassen, das heißt, das Bewußtsein,
von Gott aufgerufen worden zu sein, Christus aus der Nähe zu folgen und
persönlich an der Sendung der Kirche mitzuarbeiten. "Die Weitergabe des
Glaubens ist Aufdecken, Verkünden und Vertiefen der christlichen Berufung; das
heißt, der Ruf Gottes ergeht an jeden Menschen, dem das Heilsgeheimnis gezeigt
wird.. ".(37) Die Aufgabe der Verkündigung besteht also darin, Christus
den Menschen vorzustellen, weil nur er, "der neue Adam, eben in der
Offenbarung des Geheimnisses des Vaters und seiner Liebe dem Menschen den
Menschen selbst voll kundmacht und ihm seine höchste Berufung erschließt"
Neu-Evangelisierung und der von Berufung
bestimmte Sinn des christlichen Daseins gehören zusammen. Und das ist die
"gute Botschaft", die den Gläubigen verkündet werden muß, ohne
Abstriche, sowohl was ihr Gutsein, als auch die Anforderung, um es zu erreichen,
betrifft, während gleichzeitig daran erinnert wird, daß "auf dem Christen
ganz gewiß die Notwendigkeit und auch die Pflicht liegen, gegen das Böse durch
viele Anfechtungen hindurch anzukämpfen und auch den Tod zu ertragen; aber dem
österlichen Geheimnis verbunden und dem Tod Christi gleichgestaltet, geht er,
durch Hoffnung gestärkt, der Auferstehung entgegen" .(39)
Die Neu-Evangelisierung erfordert einen
vollständigen und wohlbegründeten, leidenschaftlichen Dienst am Wort mit
klarem theologischem, spirituellem, liturgischem und moralischem Inhalt, der auf
die konkreten Bedürfnisse der Menschen, die erreicht werden sollen, achtet. Es
geht offensichtlich nicht darum, in die Versuchungen eines Intellektualismus zu
geraten, der ja das christliche Denkvermögen trüben könnte, statt es zu
erleuchten, sondern durch die ständige, geduldige Katechese über die
Grundwahrheiten des katholischen Glaubens und der katholischen Moral und über
ihren Einfluß im geistlichen Leben eine echte "geistige Liebe" zu
entwickeln. Die christliche Unterweisung ragt unter den geistlichen Werken der
Barmherzigkeit hervor: Die Rettung erfolgt im Kennenlernen Christi, denn "es
ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir
gerettet werden sollen" (Apg 4,12).
Diese katechetische Verkündigung kann nicht
ohne das Mittel der heilen Theologie erfolgen, da es ja nicht nur darum geht,
die geoffenbarte Lehre zu wiederholen, sondern mit Hilfe der geoffenbarten Lehre
Verstand und Gewissen der Gläubigen zu formen, damit sie die Ansprüche der
durch die Taufe empfangenen Berufung konsequent leben können. Die
Neu-Evangelisierung wird sich in dem Maße verwirklichen lassen, in dem nicht
nur die Kirche als ganze oder ihre einzelnen Institutionen, sondern jeder Christ
in die Lage versetzt wird, den Glauben zu leben und durch sein Leben einen
lebendigen Grund für Glaubwürdigkeit und eine glaubhafte Verteidigung des
Glaubens abzugeben.
Evangelisieren heißt nämlich, mit allen zur
Verfügung stehenden ehrlichen und geeigneten Mitteln die Inhalte der
geoffenbarten Wahrheiten (den trinitarischen und christologischen Glauben, die
Bedeutung der Schöpfungslehre, die eschatologischen Wahrheiten, die Lehre über
die Kirche, über den Menschen, das Glaubenswissen über die Sakramente und
über die anderen Heilsmittel usw.) zu verkünden und zu verbreiten. Und es heißt
zugleich auch, durch die moralische und geistliche Bildung diese Wahrheiten ins
konkrete Leben, in Zeugnis und missionarischen Einsatz umzusetzen.
Die notwendige Aufgabe der theologischen und
geistlichen Bildung (Bemühen um die ständige Weiterbildung der Priester und
Diakone, Bemühen um die Bildung aller Gläubigen) stellt eine unausweichliche
und zugleich enorme Verpflichtung dar. Es ist daher unbedingt notwendig, daß
die Ausübung des Dienstes am Wort und vor allem die Träger dieses Dienstes den
Umständen gewachsen sind. Die Wirksamkeit wird davon abhängen, daß diese
Ausübung, die ganz wesentlich auf die Hilfe Gottes gegründet ist, auch mit der
größtmöglichen menschlichen Vollkommenheit erfolgt. Die neue lehrhafte,
theologische und spirituelle Verkündigung der christlichen Botschaft — eine
Verkündigung, die in erster Linie das Gewissen der Getauften anfeuern und
läutern soll — darf nicht aus Trägheit oder Verantwortungslosigkeit
improvisiert werden. Noch weniger dürfen die Priester ihre Verantwortlichkeit,
die Aufgabe der Verkündigung persönlich wahrzunehmen, vernachlässigen, im
besonderen was das Predigtamt betrifft, das weder jemandem übertragen werden
darf, der nicht geweiht ist, (40) noch leichtfertig an jemanden abgegeben werden
darf, der nicht gut vorbereitet ist.
Im Zusammenhang mit der Verkündigung durch
den Priester muß man, wie das übrigens immer der Fall War, unbedingt auf die
Wichtigkeit der entfernten Vorbereitung hinweisen, die zum Beispiel
dadurch konkretisiert werden kann, daß die Lektüre und sogar die Interessen
entsprechend auf Aspekte ausgerichtet werden, die die Vorbereitung der geweihten
Amtsträger verbessern können. Das seelsorgerische Einfühlungsvermögen der
Prediger muß ständig wachsam sein, um die Probleme, die den Menschen unserer
Zeit Sorge bereiten, und mögliche Lösungen festzustellen. "Um auf die von
den heutigen Menschen erörterten Fragen die rechte Antwort zu geben, sollen die
Priester ferner die Dokumente des kirchlichen Lehramtes und besonders die der
Konzilien und der Päpste gut kennen sowie die besten und anerkannten
theologischen Schriftsteller zu Rat ziehen", (41) ohne zu vergessen, den
Katechismus der Katholischen Kirche zu konsultieren. In diesem Sinn läge es
nahe, wieder auf die Wichtigkeit der unermüdlichen Sorge um die ständige
Weiterbildung des Klerus zurückzukommen, wobei als inhaltlicher Bezug das Direktorium
für Dienst und Leben der Priester dient.(42) Jede Anstrengung auf diesem
Gebiet wird durch reiche Früchte belohnt werden. Wichtig ist, zusammen mit
allem bisher Gesagten, auch eine unmittelbare Vorbereitung auf die
Verkündigung des Gotteswortes. Abgesehen von Ausnahmefällen, wo es nicht
anders möglich gewesen ist, sollen Demut und Fleiß den Priester zum Beispiel
veranlassen, sorgfältig wenigstens einen Entwurf dessen vorzubereiten, was
gesagt werden soll.
Die Hauptquelle der Verkündigung muß
logischerweise die Heilige Schrift sein, mit der sich der Priester durch die
Betrachtung im persönlichen Gebet und durch das Studium und die Lektüre
geeigneter Bücher vertraut machen soll.(43) Die pastorale Erfahrung lehrt, daß
die Kraft und Beredtheit des Bibeltextes die Zuhörer tief bewegen. Die
Schriften der Kirchenväter und anderer großer Autoren der Tradition lehren,
den Sinn des geoffenbarten Wortes zu durchdringen und ihn anderen zu erschließen,
(44) fernab von jeder Form eines "biblischen Fundamentalismus" oder
einer Verstümmelung der göttlichen Botschaft. Die Pädagogik, mit der die
Liturgie der Kirche in den verschiedenen Zeiten des Kirchenjahres das Wort
Gottes liest, interpretiert und anwendet, sollte ebenfalls einen Bezugspunkt
für die Vorbereitung der Verkündigung darstellen. Darüberhinaus hat die
Betrachtung des Lebens der Heiligen — mit ihren Kämpfen und heroischen Taten
— zu allen Zeiten in den Herzen der Christen reiche Frucht hervorgebracht.
Auch heute haben die Gläubigen, die durch Gelegenheiten zu falschem Verhalten
und durch fragwürdige Lehren gefährdet sind, das Beispiel dieser Heiligenviten,
die in heroischem Geist der Liebe Gottes und durch Gott den anderen Menschen
hingegeben worden sind, dringend nötig. Ebenso nützlich wie das alles ist es
für die Evangelisierung auch, in den Gläubigen aus Gottesliebe den Sinn für
Solidarität mit den anderen, den Geist des Dienens, die hochherzige Hingabe an
die anderen zu fördern. Das christliche Bewußtsein reift ja gerade durch eine
immer engere Beziehung zur Liebe.
Als sehr wichtig für den Priester erweist
sich auch die Berücksichtigung der formalen Aspekte der Verkündigung. Wir
leben im Zeitalter der Information und raschen Kommunikation, wo wir uns alle
daran gewöhnt haben, anerkannte Fernseh- und Rundfunkfachleute zu sehen und zu
hören. Mit ihnen tritt der Priester, der ebenfalls ein, freilich besonderer,
sozialer Kommunikator ist, gewissermaßen in friedliche Konkurrenz gegenüber
den Gläubigen, wenn er eine Botschaft vermittelt, die auf ausgesprochen
anziehende Art und Weise vorgestellt werden soll. Der Priester muß nicht nur
die "neuen Kanzeln", also die Massenmedien, mit Kompetenz und
apostolischem Geist zu nutzen wissen, sondern er muß vor allem dafür sorgen,
daß seine Botschaft dem Wort, das er verkündet, ebenbürtig ist. Die im
Bereich der audiovisuellen Medien tätigen Fachleute bereiten sich gut auf die
Durchführung ihrer Aufgabe vor; es wäre gewiß keine übertriebene Forderung,
daß die Lehrer des Wortes sich durch intelligentes und geduldiges Studium um
die Verbesserung der "professionellen" Qualität dieses Aspektes des
Dienstes bemühen sollten. Zum Beispiel kehrt heute in verschiedenen
Universitäts- und Kulturbereichen das Interesse an der Rhetorik zurück; es
sollte auch bei den Priestern wieder geweckt werden, zusammen mit der
bescheidenen und vornehm würdevollen Art des Auftretens.
Die Verkündigung durch den Priester muß, wie
die Verkündigung Christi, auf positive und anregende Weise erfolgen, damit sie
die Menschen mitreißt und zur Güte, Schönheit und Wahrheit Gottes hinzieht.
Die Christen müssen "erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen
Glanzes auf dem Antlitz Christi" (2 Kor 4,6) und sie müssen die
empfangene Wahrheit auf interessante Weise darlegen. Ist nicht oftmals der
verlockende Charakter des starken und zugleich ruhigen Anspruchs der
christlichen Existenz festzustellen? Man braucht sich also nicht zu fürchten.
"Seit dem Ostertag, wo sie [die Kirche] die letzte Wahrheit über das Leben
des Menschen als Geschenk empfangen hat, ist sie zur Pilgerin auf den Straßen
der Welt geworden, um zu verkünden, daß Jesus Christus ,,der Weg, die Wahrheit
und das Leben" ist (Joh 14,6). Unter den verschiedenen Diensten, die
sie der Welt anzubieten hat, gibt es einen, der ihre Verantwortung in ganz
besonderer Weise herausstellt: den Dienst an der Wahrheit".(45)
Als nützlich erweist sich logischerweise in
der Verkündigung auch der Gebrauch einer korrekten, erlesenen Sprache, die für
unsere Zeitgenossen aus allen Schichten verständlich ist und Banalitäten und
Gleichgültigkeit vermeidet.(46) Der Priester muß aus einer echten Sicht des
Glaubens sprechen, aber mit Worten, die in den verschiedenen Milieus
verständlich sind, und nie in einem Fachjargon und auch nicht mit
Zugeständnissen an den Geist der Welt. Das menschliche "Geheimnis"
einer fruchtbaren Verkündigung des Wortes besteht in erheblichem Ausmaß in der
"Professionalität" des Priesters, der weiß, was er sagen und wie er
es sagen will, und der über eine ernsthafte, sowohl entfernte wie unmittelbare,
Vorbereitung verfügt und keine dilettantischen Improvisationen inszeniert. Es
wäre schädlicher Irenismus, die Kraft der ganzen Wahrheit zu verbergen. Daher
gilt es, sorgfältig auf den Inhalt der Worte, auf den Redestil und die
Ausdrucksweise zu achten; es gilt gut zu überlegen, was stärker betont werden
soll, und es sollte, möglichst ohne übertriebenes Gehabe, auf die
Gefälligkeit der Stimme geachtet werden. Der Priester muß wissen, wohin er
gelangen will, und die existentielle und kulturelle Situation seiner üblichen
Zuhörer gut kennen: Er darf keine abstrakten Theorien oder Verallgemeinerungen
von sich geben und muß deshalb seine Herde kennen. Angebracht ist ein
liebenswürdiger, positiver Sprachstil, der weiß, die Menschen nicht zu
verletzen, selbst wenn er die Gewissen "verletzt"..., ohne Angst, die
Dinge beim Namen zu nennen.
Sehr nützlich ist es, wenn die Priester, die
in den verschiedenen Seelsorgsaufgaben zusammenarbeiten, sich durch brüderliche
Ratschläge über diese und andere Aspekte des Dienstes am Wort gegenseitig
helfen. Zum Beispiel über die Inhalte der Predigt, über die theologische und
sprachliche Qualität, über den Stil, über die Dauer — die Predigt sollte
keinesfalls zu lang sein —, über die Art zu spechen und an den Ambo zu treten,
über den Tonfall der Stimme, der normal sein, wenn auch in den verschiedenen
Augenblicken der Predigt wechseln soll, ohne gekünstelt zu sein, usw. Noch
einmal ist für den Priester Demut unverzichtbar, damit er sich von seinen
Brüdern und auch, wenngleich indirekt, von den Gläubigen, die an seinen
pastoralen Aktivitäten teilnehmen, helfen läßt.
ANREGUNGEN ZUM NACHDENKEN BER KAPITEL II
6 Haben wir Hilfsmittel, um die tatsächliche Auswirkung des
Verkündigungsdienstes auf das Leben unserer Gemeinden einzuschätzen? Bemüht
man sich darum, von diesem für die Evangelisierung wesentlichen Mittel mit
der größtmöglichen menschlichen Professionalität Gebrauch zu machen?
7. Läßt man in den Fortbildungskursen für den Klerus der
Vervollkommnung der Verkündigung des Wortes in ihren verschiedenen Formen die
ihr zustehende Beachtung zuteil werden?
8. Werden die Priester dazu ermutigt, dem Studium der
Theologie, dem Lesen der Kirchenväter, der Kirchenlehrer und der Heiligen
Zeit zu widmen? Zeigt sich ein positiver Einsatz dafür, die großen Meister
der Spiritualität kennenzulernen und bekannt zu machen?
9. Wird mit praktischem Sinn und einer gesunden
wissenschaftlichen Perspektive die Einrichtung Bibliotheken für Priester
gefördert?
10. Gibt es und kennt man in diesem Sinn örtliche
Möglichkeiten der Verbindung mit Bibliotheken im Internet, einschließlich
der begonnenen elektronischen Bibliotheken auf der Internetseite der
Kongregation für den Klerus (www.clerus.org.)?
11. Werden die Priester ermutigt, von der Katechese des
Heiligen Vaters und der verschiedenen Dokumente des Heiligen Stuhls Gebrauch
zu machen?
12. Ist man sich der Bedeutung der beruflichen Ausbildung
von Personen (Priestern, ständigen Diakonen, Ordensleuten, Laien) bewußt,
die fähig sind, diesen wichtigen Aspekt der Evangelisierung der modernen
Kultur, den die Kommunikation darstellt, auf einem hohen Niveau zu
realisieren?
III. Kapitel
DIENER DER SAKRAMENTE
"Diener Christi und Verwalter von
Geheimnissen Gottes" (1 Kor 4,1)
1. "In persona Christi Capitis"
"Die Sendung der Kirche kommt nicht zu
der Sendung Christi und des Heiligen Geistes hinzu, sondern ist deren Sakrament.
Ihrem ganzen Wesen nach und in allen ihren Gliedern ist die Kirche gesandt, das
Mysterium der Gemeinschaft der heiligsten Dreifaltigkeit zu verkünden und zu
bezeugen, zu vergegenwärtigen und immer mehr auszubreiten" (47) Diese
sakramentale Dimension der Sendung der Kirche insgesamt entspringt ihrem
eigentlichen Wesen als einer Wirklichkeit, die zugleich "menschlich und
göttlich, sichtbar und mit unsichtbaren Gütern ausgestattet, voll Eifer der
Tätigkeit hingegeben und doch frei für die Beschauung, in der Welt zugegen und
doch unterwegs" (48) ist. In diesem Kontext der Kirche als
"allumfassendem Sakrament des Heils",(49) in dem Christus "das
Geheimnis der Liebe Gottes zu den Menschen zugleich offenbart und
verwirklicht",(50) stehen die Sakramente als bevorzugte Gelegenheiten der
Mitteilung des göttlichen Lebens an den Menschen im Zentrum des Dienstes der
Priester. Diese sind sich wohl bewußt, lebendige Werkzeuge Christi des
Priesters zu sein. Sie haben die Funktion von Männern, die durch den
sakramentalen Charakter dazu berechtigt sind, das Handeln Gottes durch
Wirksamkeit der beteiligten Mittel zu unterstützen.
Die Konfiguration [Gleichgestaltung] mit
Christus durch die sakramentale Weihe gibt dem Priester innerhalb des
Gottesvolkes seinen Platz und läßt ihn auf seine eigene Weise und in
Übereinstimmung mit der organischen Struktur der kirchlichen Gemeinschaft am
dreifachen munus Christi teilhaben. Indem der Priester in persona
Christi Capitis handelt, leitet er das Volk Gottes und führt es zur
Heiligkeit.(5l) Daraus ergibt sich "für den Priester die Notwendigkeit,
daß er in seinem ganzen Leben, vor allem aber in der Art und Weise, wie er die
Sakramente achtet und feiert, Zeugnis vom Glauben gibt".(52) Hier
gilt es, an die klassische, vom II. Vatikanischen Konzil wieder aufgenommene
Lehre zu erinnern: "Denn obwohl die Gnade Gottes auch durch unwürdige
Priester das Heilswerk durchführen kann, so will Gott doch seine Heilswunder
für gewöhnlich lieber durch diejenigen kundtun, die sich dem Antrieb und der
Führung des Heiligen Geistes mehr geöffnet haben und darum wegen ihrer innigen
Verbundenheit mit Christus und wegen eines heiligmäßigen Lebens mit dem
Apostel sprechen können:
,,Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt
in mir" (Gal 2,20)".(53)
Die Feiern der Sakramente, bei denen die
Priester als Diener Christi handeln und in besonderer Weise durch seinen Geist
an seinem Priestertum teilhaben,(54) stellen im Hinblick auf die
Neu-Evangelisierung kultische Ereignisse von einzigartiger Bedeutung dar. Man
bedenke auch, daß für alle Gläubigen, vor allem aber für jene, die der
praktischen Religionsausübung gewöhnlich fernstehen, jedoch anläßlich
familiärer oder gesellschaftlicher Ereignisse (Taufen, Firmungen, Hochzeiten,
Priesterweihen, Begräbnisse usw.) recht häufig an Gottesdiensten teilnehmen,
diese Anlässe inzwischen zur einzigen Gelegenheit für die Weitergabe der
Glaubensinhalte geworden sind. Die Glaubenshaltung des Amtsträgers wird daher
"mit einer unter liturgischem und zerimoniellem Aspekt hervorragenden
Qualität der Zelebration" verbunden sein müssen: (55) Sie darf natürlich
nicht als Spektakel ausgerichtet werden, sondern muß darauf achten, daß dabei
wirklich das "Menschliche auf das Göttliche hingeordnet und ihm
untergeordnet ist, das Sichtbare auf das Unsichtbare, die Tätigkeit auf die
Beschauung, das Gegenwärtige auf die künftige Stadt, die wir suchen".(56)
2. Diener der Eucharistie: "Der
eigentliche Mittelpunkt des priesterlichen Dienstes"
"Jesus nennt die Apostel ,,Freunde".
So will er auch uns nennen, die wir dank des Weihesakraments an seinem
Priestertum teilhaben. (...) Hätte Jesus uns seine Freundschaft
noch deutlicher zum Ausdruck bringen können als in der Weise, daß er uns als
Priester des neuen Bundes erlaubt, an seiner Statt, in persona Christi
Capitis, zu handeln? Gerade das geschieht in unserem ganzen priesterlichen
Dienst, wenn wir die Sakramente spenden und besonders wenn wir die Eucharistie
feiern. Wir wiederholen die Worte, die er über das Brot und den Wein sprach,
und kraft unseres Amtes vollzieht sich dieselbe Wandlung, die er vollzog. Gibt
es einen vollendeteren Ausdruck von Freundschaft als diesen? Er ist die Mitte
unseres priesterlichen Dienstes" .(57)
Die Neu-Evangelisierung muß für die
Gläubigen auch eine neue Klarheit über die zentrale Stellung des Sakraments
der Eucharistie bedeuten, das der Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens
ist.(58) Einerseits, weil "eine christliche Gemeinde nur auferbaut wird,
wenn sie Wurzel und Angelpunkt in der Feier der Eucharistie hat", (59) aber
auch, weil "alle übrigen Sakramente, ebenso wie alle kirchlichen Dienste
und Apostolatswerke in engem Zusammenhang mit der Eucharistie stehen und auf sie
hingeordnet sind. Die Heiligste Eucharistie enthält ja das Heilsgut der Kirche
in seiner ganzen Fülle".(60)
Im Seelsorgsdienst ist die Eucharistie auch
ein Ziel. Die Gläubigen müssen vorbereitet werden, daraus Nutzen zu ziehen.
Wenn man bei ihnen einerseits die "würdige, aufmerksame und
fruchtbare" Teilnahme an der Liturgie fördert, so erweist es sich
andererseits als unbedingt notwendig, ihnen bewußt zu machen, daß "sie
auf diese Weise (von Christus) eingeladen und veranlaßt werden, sich selbst,
ihre Arbeiten und die ganze Schöpfung mit ihm darzubringen. Darum zeigt sich
die Eucharistie als Quelle und Höhepunkt aller Evangelisation", (61) eine
Wahrheit, aus der sich eine ganze Reihe pastoraler Konsequenzen ergeben.
Es kommt grundlegend darauf an, den Gläubigen
bleibend zu vermitteln, worin das Wesen des heiligen Altaropfers besteht, und
ihre fruchtbringende Teilnahme an der Eucharistie zu fördern.(62) Notwendig ist
auch, unermüdlich und furchtlos auf der Verpflichtung zur Erfüllung des
Sonntagsgebotes (63) und auf der Angemessenheit einer häufigen, wenn
möglich auch täglichen, Teilnahme an der Feier der hl. Messe und dem Empfang
der eucharistischen Kommunion bestehen. Es gilt auch an die ernste Verpflichtung
der Gläubigen zu erinnern, den Leib Christi mit der gebotenen geistigen und
leiblichen Verfassung zu empfangen, das heißt, wenn sich jemand bewußt ist,
nicht im Stande der Gnade zu sein, muß er vor dem Empfang der Eucharistie die
sakramentale Lossprechung empfangen haben. In jeder Teilkirche und in jeder
Pfarrgemeinde hängt ein blühendes christliches Leben großenteils von der in
einem Geist des Glaubens und der Anbetung gelungenen Wiederentdeckung des
großen Geschenkes der Eucharistie ab. Wenn es nicht gelingt, in der
theoretischen Lehre, in der Verkündigung und im Leben den Zusammenhang zwischen
täglichem Leben und Eucharistie zum Ausdruck zu bringen, wird am Ende der
häufige Empfang der Eucharistie unterlassen.
Auch in dieser Hinsicht ist die
Vorbildlichkeit des zelebrierenden Priesters äußerst wichtig: "Gut
zelebrieren bildet eine erste wichtige Katechese über das heilige Opfer"
.(64) Auch wenn es offensichtlich nicht die Absicht des Priesters sein
wird, ist es doch wichtig, daß die Gläubigen sehen, wie er sich innerlich
gesammelt auf die Feier des heiligen Opfers vorbereitet, daß sie Zeugen der
Liebe und Hingabe sind, die er in die Zelebration hineinlegt, und daß sie von
ihm lernen können, nach der Kommunion als Zeichen der Dankbarkeit eine gewisse
Zeit innezuhalten.
Wenn ein wesentlicher Teil des
Evangelisierungswerkes der Kirche darin besteht, die Menschen beten zu lehren
zum Vater durch Christus im Heiligen Geist, schließt die Neu-Evangelisierung
die Gewinnung und Stärkung pastoraler Praktiken ein, die den Glauben an die
wirkliche Gegenwart (Realpräsenz) des Herrn unter den eucharistischen Gestalten
deutlich machen. "Der Priester hat die Aufgabe, die Verehrung der Gegenwart
Christi in der Eucharistie auch außerhalb der Meßfeier dadurch zu fördern,
daß er seine Kirche zu einem christlichen ,,Haus des Gebets" macht"
.(65) Notwendig ist zunächst, daß die Gläubigen gründlich Bescheid
wissen um die unumgänglichen Bedingungen für den gültigen Empfang der
Kommunion. Ebenso wichtig ist es, ihre Verehrung für Christus, der sie
liebevoll im Tabernakel erwartet, zu fördern. Eine einfache und wirksame Art
eucharistischer Katechese ist gerade auch die sorgfältige Wartung und Pflege
von allem, was den Kirchenraum und insbesondere den Altar und den Tabernakel
betrifft:
Sauberkeit und Anstand, Erhabenheit der
Paramente und der heiligen Gefäße, Sorgfalt bei der Feier der Gottesdienste,
(66) Festhalten an der Praxis der Kniebeugung usw. Besonders wichtig ist
außerdem, einer jahrhundertealten Tradition in der Kirche entsprechend in der
Kapelle des Allerheiligsten für eine Atmosphäre der Stille zu sorgen, um die
heilige Ruhe zu gewährleisten, die das liebevolle Gespräch mit dem Herrn
erleichtert. Jene Kapelle bzw. jener Ort, wo der im Sakrament gegenwärtige
Christus aufbewahrt und angebetet wird, ist sicher das Herz unserer
Gotteshäuser, und als solches müssen wir den Zutritt zu ihm kenntlich zu
machen und durch tägliche Öffnung für eine möglichst lange Zeitspanne zu
unterstützen trachten und den Ort mit echter Liebe gebührend schmücken.
Es liegt auf der Hand, daß alle diese
Bekundungen — die nicht Formen eines nebulösen "Spiritualismus"
angehören, sondern eine theologisch fundierte Frömmigkeit enthüllen — nur
unter der Voraussetzung möglich sein werden, daß der Priester wirklich ein
Mann des Gebets und von glaubwürdiger Leidenschaft für die Eucharistie ist.
Nur ein Priester, der betet, wird beten lehren können, während er auch die
Gnade Gottes auf diejenigen hinzuziehen weiß, die von seinem pastoralen Dienst
abhängig sind, um auf diese Weise Bekehrungen, Vorsätze für ein intensiveres
geistliches Leben, Priester- und Ordensberufe zu fördern. Schließlich wird nur
der Priester, der täglich die Erfahrung mit der "conversatio in
coelis" macht, die die Freundschaft mit Christus zu seinem Lebensinhalt
werden läßt, in der Lage sein, einer wirklichen Neu-Evangelisierung echten
Auftrieb zu verleihen.
3. Diener der
Versöhnung mit Gott und mit der Kirche
In einer Welt, in der das Sündenbewußtsein
in breitem Maße geschwunden ist, (67) gilt es nachdrücklich daran zu erinnern,
daß eben der Mangel an Gottesliebe verhindert, die Realität der Sünde in
ihrer ganzen Bosheit wahrzunehmen. Die Bekehrung nicht nur als vorübergehender
innerer Akt, sondern als ständige Haltung kommt durch die wahre Kenntnis der
barmherzigen Liebe Gottes in Schwung. "Denn wer Gott auf diese Weise
kennenlernt, ihn so ,,sieht", kann nicht anders als in fortwährender
Bekehrung zu ihm leben. Er lebt also im ,,Zustand der Bekehrung"".(68)
Die Buße gehört somit zum festen Erbe im kirchlichen Leben der Getauften; sie
ist jedoch gekennzeichnet von der Hoffnung auf Vergebung: "Einst gab es
für euch kein Erbarmen, jetzt aber habt ihr Erbarmen gefunden" (1 Petr 2,10).
Die Neu-Evangelisierung erfordert also — und
das ist eine absolut unausweichliche pastorale Forderung — eine neue
Anstrengung, um den Gläubigen das Sakrament der Buße oder Versöhnung
näherzubringen, (69) "das den Weg zu jedem Menschen selbst dann ebnet,
wenn er mit schwerer Schuld beladen ist. In diesem Sakrament kann jeder Mensch
auf einzigartige Weise das Erbarmen erfahren, das heißt die Liebe, die
mächtiger ist als die Sünde.(70) Wir brauchen keine Angst davor zu haben, mit
Eifer zu dieser sakramentalen Praxis dadurch zu ermutigen, daß wir auf
intelligente Weise langlebige und heilsame christliche Traditionen erneuern und
wiederbeleben. In einem ersten Schritt wird es darum gehen, die Gläubigen mit
Hilfe des Heiligen Geistes zu einer tiefgehenden Umkehr anzuhalten, die eine
aufrichtige und bußfertige Anerkennung der im Leben jedes Menschen vorhandenen
moralischen Unordnung hervorruft; sodann wird es notwendig sein, den Gläubigen
die Bedeutung der häufigen Einzelbeichte beizubringen, bis es möglich ist, mit
einer echten persönlichen Seelenführung zu beginnen.
Ohne die Spendung des Sakraments mit dem
Angebot der Seelenführung zu verwechseln, sollen die Priester von der Feier des
Sakraments an die Gelegenheit wahrnehmen und das Gespräch der Seelenführung
beginnen. "Die Wiederentdeckung und Verbreitung dieser Praxis, auch zu
anderen als zu den für die Beichte vorgesehenen Zeiten, ist eine große Wohltat
für die Kirche in der gegenwärtigen Zeit".(71) Auf diese Weise wird der
Priester mithelfen, Sinn und Wirksamkeit des Bußsakramentes wiederzuentdecken,
und damit die Voraussetzungen für die Überwindung der Krise dieses Sakraments
schaffen. Die persönliche Seelenführung ermöglicht es, wahre Apostel
auszubilden, die imstande sind, die Neu-Evangelisierung in der weltlichen
Gesellschaft zu verbreiten. Um bei der Aufgabe der Wiederevangelisierung vieler
Getaufter, die sich von der Kirche entfernt haben, voranzukommen, ist es
notwendig, diejenigen, die ihr nahe stehen, sehr gut auszubilden.
Die Neu-Evangelisierung verlangt, daß man
sich auf eine entsprechende Anzahl von Priestern verlassen kann: Die
jahrhundertelange Erfahrung lehrt, daß ein Großteil der positiven Antworten
auf Berufungen außer dem Lebensbeispiel der Priester, die ihrer Identität
innerlich und äußerlich treu sind, auch der Seelenführung zu verdanken sind.
"Jeder Priester wird sich besonders der Förderung von Berufungen widmen,
ohne zu versäumen, [...] in geeigneten Initiativen durch
persönlichen Kontakt darauf zu achten, daß Talente entdeckt werden und daß
der Wille Gottes zu einer mutigen Entscheidung für die Nachfolge Christi
erkannt wird. [...] Es ist ein unaufhebbares Erfordernis der
pastoralen Liebe, daß jeder Priester — die Gnade des Heiligen Geistes
unterstützend — sich mit sorgsamem Eifer darum bemüht, wenigstens einen
Nachfolger im priesterlichen Dienst zu finden".(72)
Allen Gläubigen die tatsächliche
Möglichkeit zur Beichte zu geben, erfordert zweifellos eine große Hingabe an
Zeit.(73) Es wird dringend empfohlen, verbindliche Zeiten für die Anwesenheit
in den Beichtstühlen festzulegen, die allen bekannt sind, und sich nicht auf
eine theoretische Verfügbarkeit zu beschränken. Manchmal genügt nämlich die
Tatsache, daß sich ein Gläubiger gezwungen sieht, erst auf die Suche nach
einem Beichtvater zu gehen, ihn von seiner Absicht zu beichten abzubringen,
während die Gläubigen "gern dort dieses Sakrament empfangen, wo sie
wissen, daß Priester für diesen Dienst zur Verfügung stehen".(74) Die
Pfarreien und allgemein die für den Gottesdienst bestimmten Kirchen sollten
einen festen, großzügigen und günstigen Zeiplan für Beichten haben, und die
zuverlässige Einhaltung dieses Zeitplanes ist Aufgabe der Priester.
Entsprechend diesem Bemühen, das den Gläubigen den Empfang des Sakraments der
Versöhnung nach Möglichkeit erleichtern soll, muß auch in richtiger Weise
für die Aufstellung und Wartung der Beichstühle gesorgt werden: ihre
Sauberhaltung, ihre Sichtbarkeit, die Möglichkeit des Gebrauchs des Gitters und
der Wahrung der Anonymität (75) usw.
Es ist nicht immer leicht, diese
Seelsorgspraktiken einzuhalten und zu verteidigen, doch darf deshalb nicht
verschwiegen werden, daß sie wirksam sind und es daher angebracht ist, sie
dort, wo sie außer Gebrauch gekommen sind, wieder aufzunehmen. Wie die Hilfe
zwischen Weltpriestern und Ordenspriestern für diese pastoral wichtigste
Bereitschaft gefördert werden muß, ist auch der tägliche Dienst im
Beichtstuhl voll Hochachtung anzuerkennen, der von so vielen alten Priestern,
echten geistlichen Lehrern der verschiedenen christlichen Gemeinden, in
bewundernswürdiger Weise geleistet wird.
Dieser ganze Dienst an der Kirche wird
wesentlich leichter sein, wenn die Priester selber die ersten sind, die
regelmäßig zur Beichte gehen.(76) Unerläßliche Voraussetzung für einen
hochherzigen Dienst der Versöhnung ist nämlich, daß der Priester persönlich
als Pönitent das Sakrament empfängt. "Die ganze priesterliche Existenz
würde unweigerlich schweren Schaden nehmen, wenn man es aus Nachlässigkeit
oder anderen Gründen unterließe, regelmäßig und mit echtem Glauben und
tiefer Frömmigkeit das Bußsakrament zu empfangen. Wenn ein Priester nicht mehr
zur Beichte geht oder nicht gut beichtet, so schlägt sich das sehr schnell in
seinem priesterlichen Leben und Wirken nieder, und auch die Gemeinde,
deren Hirt er ist, wird dessen bald gewahr" .(77)
"Der Dienst der Priester ist vor allem
verantwortungsvolle und notwendige Verbundenheit und Mitarbeit am Dienst des
Bischofs in der Sorge um die Universalkirche und um die einzelnen Teilkirchen;
für den Dienst an ihnen bilden sie zusammen mit dem Bischof ein einziges
Presbyterium".(78) Auch die Brüder im Priesteramt müssen bevorzugtes Ziel
der pastoralen Liebe des Priesters sein. Es geht darum, ihnen geistlich und
materiell zu helfen, ihnen auf einfühlsame Weise die Beichte und die
Seelenführung zu erleichtern, ihnen den Weg des Dienstes liebenswert zu machen,
ihnen in jeder Not beizustehen, sie in allen Schwierigkeiten, in Alter und
Krankheit mit brüderlicher Sorge zu begleiten... Also ein wahrhaft wertvolles
Feld für die praktische Übung der priesterlichen Tugenden.
Unter den Tugenden, die für eine fruchtbare
Erfüllung des Dienstes der Versöhnung notwendig sind, ist die pastorale
Besonnenheit von grundlegender Bedeutung. Wie bei der Erteilung der Absolution
der Amtsträger mit funktionaler Wirkkraft an der sakramentalen Handlung
teilnimmt, so besteht auch bei den anderen Akten des Bußritus seine Aufgabe
darin, den Pönitenten Christus gegenüberzustellen, indem er mit äußerster
Behutsamkeit die Begegnung mit dem Erbarmen unterstützt. Dazu gehört, daß
allgemeine Reden, welche die Realität der Sünde außer Betracht ließen,
vermieden werden; als notwendig erweist sich daher beim Beichtvater das
angemessene Wissen.(79) Aber zugleich ist das Bußgespräch immer von jenem
Verständnis erfüllt, das die Seelen schrittweise den Weg der Umkehr
entlangzuführen vermag, ohne irgendeinem Zugeständnis an die sogenannte
"Abstufung der moralischen Normen" zu erliegen.
Da die Beichtpraxis — zum großen Schaden
für das moralische Leben und das gute Gewissen der Gläubigen —
vielerorts zurückgegangen ist, zeigt sich die reale Gefahr einer Abnahme der
theologischen und seelsorgerischen Substanz in der Art und Weise, wie der
Beichtvater seine Aufgabe wahrnimmt. Der Beichtvater muß den Paraklet, den
Tröster-Geist, um die Fähigkeit bitten, diesen Heilsvorgang mit
übernatürlicher Sinnhaftigkeit zu erfüllen (80) und ihn in eine echte
Begegnung des Sünders mit Jesus, der ihm vergibt, zu verwandeln. Gleichzeitig
muß er die Gelegenheit der Beichte dazu nützen, das Gewissen des Pönitenten
richtig zu bilden — eine äußerst wichtige Aufgabe —, indem
er ihm mit aller Behutsamkeit die notwendigen Fragen stellt, um die Integrität
der Beichte und die Gültigkeit des Sakraments zu gewährleisten; indem er ihm
hilft, Gott für sein Erbarmen ihm gegenüber aus tiefstem Herzen zu danken und
einen festen Vorsatz zur Berichtigung seines moralischen Verhaltens
auszusprechen, und es nicht verabsäumt, ihm einige passende Worte der
Ermutigung und des Trostes zu sagen und ihn zur Erfüllung von Bußwerken
anzuspornen, die ihm, abgesehen von der Wiedergutmachung für seine Sünden,
helfen sollen, in den Tugenden zu wachsen.
ANREGUNGEN ZUM NACHDENKEN UBER KAPITEL III
13. Wesen und Heilsbedeutung der Sakramente
sind unveränderlich. Wie läßt sich, von diesen sicheren Voraussetzungen
ausgehend, die Pastoral der Sakramente erneuern und in den Dienst der
Neu-Evangelisierung stellen?
14. Sind unsere Gemeinden eine "Kirche
der Eucharistie und der Buße"? Wird dort die eucharistische Frömmigkeit
in allen ihren Formen gefördert? Wird die Praxis der Einzelbeichte motiviert
und unterstützt?
15. Wird üblicherweise auf die Realpräsenz
des Herrn im Tabernakel hingewiesen, zum Beispiel durch Ermunterung zur
fruchtbaren Praxis des Besuches beim Allerheiligsten? Sind die Akte
eucharistischer Verehrung häufig? Verfügen unsere Kirchen über einen
geezgneten Raum, der das Gebet vor dem
Allerheiligsten begünstigt?
16. Kümmert man sich in pastoraler
Gesinnung besonders um geziemende Ausstattung der Kirchen? Kleiden sich die
Priester in der Regel den kanonischen Vorschriften gemäß (vgl. CIC, cann.
284 n. 669; Direktorium Nr. 66) und tragen sie bei der Feier des
Gottesdienstes motivierter Weise alle vorgeschriebenen Paramente (vgl. can.
929)?
17. Beichten die Priester regelmäßig und
stellen sie sich für diesen grundlegenden Dienst zur Verfügung?
18. Gibt es geeignete Initiativen, um dem
Klerus eine ständige Weiterbildung zur Vervollkommnung des Dienstes als
Beichtvater zu ermöglichen? Fördert man bei den Pfarrern die für die
heutige Zeit gemäße Fortbildung ("Aggiornamento") in diesem
unersetzlichen Dienst?
19. Werden angesichts der großen Bedeutung
die eine echte Wiederbelebung der Einzelbeichtpraxis für die
Neu-Evangelisierung hat, die kirchenrechtlichen Vorschriften über die
Generalabsolution eingehalten? Werden in allen Pfarreien und Kirchen die
Bußgottesdienste mit pastoraler Behutsamkeit und Liebe gehalten?
20. Welche Initiativen werden konkret
durchgeführt, damit die Gläubigen das Sonntagsgebot in motivierter Weise
erfüllen?
IV. Kapitel
LIEBENDE HIRTEN DER IHNEN ANVERTRAUTEN HERDE
"Der gute Hirt gibt sein Leben hin für
die Schafe" (Joh 10,11)
1. Mit Christus, um
das Erbarmen des Vaters darzustellen und zu verbreiten
"Die Kirche lebt ein authentisches Leben,
wenn sie das Erbarmen bekennt und verkündet — das am meisten überraschende
Attribut des Schöpfers und des Erlösers — und wenn sie die
Menschen zu den Quellen des Erbarmens des Heilands führt, die sie hütet und
aus denen sie austeilt".(81) Diese Wirklichkeit unterscheidet die Kirche
wesentlich von allen anderen Institutionen zu Gunsten der Menschen, die zwar
eine große, vielleicht auch von religiösem Geist erfüllte Rolle im Hinblick
auf Solidarität und Menschenliebe spielen mögen, jedoch niemals von selbst als
tatsächliche Spender des Erbarmens Gottes auftreten könnten. Gegenüber dem
säkularisierten Begriff des Erbarmens, der das Innere des Menschen nicht zu
verwandeln vermag, erscheint das in der Kirche angebotene Erbarmen Gottes sowohl
als Vergebung wie als Heilmittel; für seine Wirksamkeit auf den Menschen ist
die Annahme der ganzen Wahrheit über sein Dasein, über sein Handeln und über
seine Schuld gefordert. Daraus leitet sich die Notwendigkeit der Reue ab, und
das macht es auch dringend notwendig, die Verkündigung des Erbarmens mit der
Fülle der Wahrheit zu verbinden. Es gibt Aussagen von großer Wichtigkeit in
bezug auf die Priester, die durch eine einzigartige Berufung in der Kirche und
von der Kirche dazu aufgerufen sind, das Geheimnis der Liebe des Vaters zu
enthüllen und gleichzeitig durch ihren Dienst, der "sich von der Liebe
geleitet an die Wahrheit hält" (Eph 4,15) und den Eingebungen des Heiligen
Geistes folgt, zu verwirklichen.
Die Begegnung mit dem Erbarmen Gottes erfolgt
in Christus als Offenbarung der väterlichen Liebe Gottes. Als Christus den
Menschen seine messianische Rolle offenbart (Vgl. Lk 4,18), stellt er sich als
Erbarmen des Vaters gegenüber allen Bedürftigen hin, besonders gegenüber den
Sündern, die Vergebung und inneren Frieden nötig haben. "Vor allem für
die Letztgenannten wird der Messias ein besonders verstehbares Zeichen Gottes,
der Liebe ist, ein Zeichen des Vaters. In diesem sichtbaren
Zeichen können die Menschen von heute ebenso wie die Menschen von damals den
Vater sehen" .(82) Gott, der "die Liebe ist" (1 Joh
4,16.), kann sich nicht anders denn als Erbarmen offenbaren.(83) Der Vater hat
sich aus Liebe durch das Opfer seines Sohnes auf das Drama der Rettung der
Menschen eingelassen.
Wenn schon in der Verkündigung Christi das
Erbarmen eindrucksvolle Züge annimmt, die — wie aus dem
Gleichnis vom verlorenen Sohn hervorgeht (Vgl. Lk 15,11-32) — über
jede menschliche Realisierung hinausgehen, so tritt es in besonderer Weise in
seinem Selbstopfer am Kreuz in Erscheinung. Der gekreuzigte Christus ist die
radikale Offenbarung des Erbarmens des Vaters, "das heißt der Liebe, die
gegen die Wurzel allen Übels in der Geschichte des Menschen angeht: gegen
Sünde und Tod" .(84) Die christlichspirituelle Überlieferung hat
im Heiligsten Herzen Jesu, das die Priesterherzen an sich zieht, eine
tiefgründige und geheimnisvolle Synthese des unendlichen Erbarmens des Vaters
gesehen.
Die soteriologische Dimension des ganzen munus
pastorale der Priester konzentriert sich also auf die Erinnerung an die von
Jesus dargebrachte Opfergabe des Lebens, das heißt auf das eucharistische
Opfer. "Es gibt nämlich einen innigen Zusammenhang zwischen der
Zentralität der Eucharistie, der pastoralen Liebe und der Einheit des Lebens
des Priesters [...]. Wenn der Priester durch den eigenen Dienst Christus, dem
ewigen Hohenpriester, Intelligenz, Willen, Stimme und Hände anbietet, damit er
dem Vater das sakramentale Opfer der Erlösung darbringen kann, soll er sich die
innere Einstellung des Meisters zu eigen machen und wie Er als Geschenk für
seine eigenen Brüder leben müssen. Deshalb muß er lernen, sich mit der
Opfergabe innig zu vereinen, indem er auf dem Opferaltar sein ganzes Leben als
sichtbares Zeichen der freien und zuvorkommenden Liebe Gottes
darbringt".(85) Im Dauergeschenk des eucharistischen Opfers,
Erinnerung an Jesu Tod und Auferstehung, haben die Priester sakramental die
einzige und einzigartige Fähigkeit empfangen, den Menschen als Diener das
Zeugnis der unerschöpflichen Liebe Gottes zu bringen, die sich aus der weiteren
Perspektive der Heilsgeschichte als mächtiger als die Sünde bestätigen wird.
Der österliche Christus ist die endgültige Inkarnation des Erbarmens, dessen
lebendiges, heilsgeschichtliches und zugleich endzeitliches Zeichen.(86) Das
Priestertum, sagt der hl. Pfarrer von Ars, "ist die Liebe des Herzens
Jesu" .(87) Mit ihm sind auch die Priester dank ihrer Weihe und
ihres Dienstes ein lebendiges und wirksames Zeichen dieser großen Liebe, jenes
"amoris officium", von dem der hl. Augustinus sprach.(88)
2. "Sacerdos et hostia"
Wesentlich für das echte Erbarmen ist sein
Geschenkcharakter. Es muß als unverdientes Geschenk angenommen werden, das
ungeschuldet angeboten wird, also nicht aus eigenem Verdienst stammt. Diese
Freigebigkeit fügt sich in den Heilsplan des Vaters ein, denn "nicht darin
besteht die Liebe, daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt und
seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat" (1 Joh 4,10).
Und genau in diesem Kontext findet das geweihte Amt seine Daseinsbrechtigung.
Keiner kann sich selbst die Gnade verleihen: sie muß geschenkt und empfangen
werden. Das aber setzt voraus, daß es von Christus ermächtigte und befähigte
Diener der Gnade gibt. Dieses geweihte Amt, durch das die von Christus Gesandten
aus Gottes Gnade das tun und geben, was sie nicht von sich aus tun und geben
können, nennt die Überlieferung der Kirche "Sakrament" .(89)
Die Priester müssen sich daher als lebendige
Zeichen und Träger des Erbarmens betrachten, das sie nicht als ihr Eigentum,
sondern als Geschenk Gottes anbieten. Ja, sie sind Diener der Liebe
Gottes zu den Menschen, Diener des Erbarmens. Der Wille zum Dienst gehört als
wesentliches Element zur Ausübung des Priesteramtes, was wiederum beim
einzelnen auch die entsprechende moralische Disposition erfordert. Der Priester
weist die Menschen auf Jesus hin, auf den Hirten, der "nicht gekommen
[ist], um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen" (Mt 20,28).
Der Priester dient in erster Linie Christus, aber so, daß er notwendigerweise
den hoch-herzigen Dienst an der Kirche und ihrer Sendung durchmacht.
"Er liebt uns und hat sein Blut
vergossen, um unsere Sünden hinwegzunehmen: Pontifex qui dilexisti nos et
lavisti nos a peccatis in sanguine tuo. Er hat sich selbst für uns
hingegeben: tradidisti temetipsum Deo oblationem et hostiam. Christus
führt gerade das Opfer seiner selbst, das der Preis unserer Erlösung ist, in
das ewige Heiligtum ein. Die Opfergabe, das heißt das Opfer, ist vom Priester
nicht zu trennen" .(90) Obwohl nur Christus gleichzeitig Sacerdos
et Hostia ist, ist sein in die missionarische Dynamik der Kirche
eingebundener Diener kraft des Sakraments sacerdos, aber mit der
ständigen Ermahnung, auch hostia zu werden, "so gesinnt zu sein,
wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht" (Phil 2,5). Von
dieser untrennbaren Einheit zwischen Priester und Opfer, (91) zwischen
Priestertum und Eucharistie hängt die Wirkung jeder Evangelisierungstätigkeit
ab. Von der festen Einheit —im Heiligen Geist — zwischen
Christus und seinem Diener — ohne daß letzterer sich anmaßen
würde, Ihn zu ersetzen, sondern sich auf Ihn stützt und Ihn in sich und durch
sich handeln läßt — hängt auch heute das eindrucksvolle
Wirken des göttlichen Erbarmens ab, das im Wort und in den Sakramenten
enthalten ist. Auch auf diese Verbundenheit des Priesters mit Jesus bei der
Ausübung des Dienstes erstreckt sich die Bedeutung der Worte: "Ich bin
der wahre Weinstock... Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern
nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn
ihr nicht in mir bleibt" (Joh 15,1.4).
Die Ermahnung, zusammen mit Jesus hostia zu
werden, liegt auch dem Zusammenhang zwischen der Zölibatsverpflichtung um der
Kirche willen und dem Priesteramt zugrunde. Es geht um die Einverleibung des
Priesters zu dem Opfer, "in dem Christus die Kirche geliebt und sich für
sie hingegeben hat, um sie [...] heilig zu machen" (Eph
5,25-26). Der Priester ist berufen, "lebendiges Abbild Jesu Christi,
des Bräutigams der Kirche", (92) zu sein, indem er ihr sein ganzes Leben
darbringt. "Der priesterliche Zölibat ist also Selbsthingabe in und
mit Christus an seine Kirche und Ausdruck des priesterlichen
Dienstes an der Kirche in und mit dem Herrn".(93)
3. Die pastorale
Sorge der Priester: Dienen durch Leitung in Liebe und Stärke
"Die Priester üben entsprechend ihrem
Anteil an der Vollmacht das Amt Christi, des Hauptes und Hirten, aus. Sie
versammeln im Namen des Bischofs die Familie Gottes, die als Gemeinschaft von
Brüdern nach Einheit verlangt, und führen sie durch Christus im Geist zu Gott
dem Vater" .(94) Die unerläßliche Ausübung des munus regendi des
Priesters, die nichts mit einer rein soziologischen Auffassung von
Organisationsfähigkeit zu tun hat, geht gleichfalls aus dem sakramentalen
Priestertum hervor: "Kraft des Weihesakramentes nach dem Bilde Christi, des
höchsten und ewigen Priesters (vgl. Hebr 5,1-10; 7,24; 9,11-28), sind
sie [die Priester] zur Verkündigung der Frohbotschaft, zum Hirtendienst an den
Gläubigen und zur Feier des Gottesdienstes geweiht und so wirkliche Priester
des Neuen Bundes".(95)
Entsprechend ihrem Anteil an der Vollmacht
Christi verfügen die Priester über eine beachtliche Autorität gegenüber den
Gläubigen. Sie wissen jedoch, daß die Gegenwart Christi im Amtsträger
"nicht so zu verstehen ist, daß dieser gegen alle menschlichen Schwächen
gefeit wäre: gegen Herrschsucht, Irrtümer, ja gegen Sünde".(96) Das Wort
und die Leitung der Amtsträger sind daher, je nach ihren natürlichen oder
erworbenen Verstandes —und Willensgaben, ihrem Charakter und
ihrer Reife, von größerer oder geringerer Wirkfähigkeit. Dieses Bewußtsein,
verbunden mit der Kenntnis der sakramentalen Wurzeln des Hirtenamtes, veranlaßt
sie zur Nachahmung des Guten Hirten Jesus und macht die pastorale Liebe zu einer
für die erfolgreiche Durchführung ihres Dienstes unerläßlichen Tugend.
"Hauptziel ihrer Hirtentätigkeit und der
ihnen übertragenen Vollmacht ist es, die ihnen anvertraute Gemeinde zur vollen
Entfaltung ihres geistlichen und kirchlichen Lebens zu führen".(97)
Dennoch "darf die Gemeinschaftsdimension der Seelsorge (...) nicht
die Bedürfnisse der einzelnen Gläubigen vernachlässigen (...). Man
kann sagen, daß Jesus selbst, der Gute Hirt, der ,,seine Schafe, die seine
Stimme kennen, einzeln beim Namen ruft" (Job 10, 3-4), durch
sein Beispiel die erste Regel der individuellen Seelsorge festgelegt hat: die
Menschen kennen und freundschaftliche Beziehung zu ihnen unterhalten".(98)
In der Kirche muß die Gemeinschaftsdimension und die persönlich-inividuelle
Sicht aufeinander abgestimmt werden; mehr noch, bei der Auferbauung der Kirche
gelangt der Priester, ausgehend von der Dimension des einzelnen, zu jener der
Gemeinschaft. Im Verhältnis zu den einzelnen Personen und zur Gemeinde soll der
Priester allen "eximia humanitate" (mit echter Menschlichkeit)
begegnen, (99) niemals aber irgendeiner Ideologie oder einer menschlichen
Parteiung zu Diensten sein (100) und sich den Menschen gegenüber nicht
"nach Menschengefallen verhalten, sondern so, wie es die Lehre und das
christliche Leben verlangt" .(101)
Trotzdem erweist es sich heute mehr denn je
als besonders notwendig, den Stil des pastoralen Wirkens dem Zustand jener
Gesellschaften anzupassen, die zwar eine christliche Vergangenheit haben, jetzt
aber weitgehend säkularisiert sind. Die Betrachtung des munus regendi in
seinem authentischen missionarischen Verständnis, das nicht mit einer
bürokratisch-organisatorischen Aufgabe verwechselt werden darf, gewinnt daher
zunehmend an Bedeutung. Das verlangt von seiten der Priester ein Ausüben der
Stärke mit Liebe, dessen Vorbild in dem Verhalten des Hirten Jesus Christus
entdeckt werden muß. Wie wir den Evangelien entnehmen können, scheut er
niemals die Verantwortung, die ihm aus seiner messianischen Vollmacht erwächst,
sondern übt sie mit Liebe und Stärke aus. Deshalb bedeutet seine Autorität
nie unterdrückende Herrschaft, sondern Disponibilität und Gesinnung zum
Dienst. Dieser Doppelaspekt — Autorität und Dienst — bildet das
Bezugssystem, in welches das munus regendi des Priesters einzuordnen ist:
Er muß sich immer bemühen, seinen Anteil an der Stellung Christi als Haupt und
Hirt der Herde konsequent umzusetzen.(102)
Der Priester, der mit und unter dem Bischof
auch Hirt der ihm anvertrauten Gemeinde und somit von der pastoralen Liebe
beseelt ist, darf sich nicht scheuen, seine Autorität in den Bereichen
auszuüben, wo er zu ihrer Ausübung verpflichtet ist, da er eben dafür mit
Autorität ausgestattet worden ist; der Priester soll daran denken, daß auch
dann, wenn diese Autorität mit der gebührenden Stärke ausgeübt wird,
versucht werden muß, dabei "non tam praeesse quam prodesse", nicht
in erster Linie zu befehlen, sondern zu dienen.(103) Vielmehr muß sich der, der
die Autorität ausüben soll, vor der Versuchung hüten, sich dieser
Verantwortung zu entziehen; wenn er sie nicht ausübt, entzieht er sich dem
Dienst. In enger Gemeinschaft mit dem Bischof und mit allen Gläubigen soll er
vermeiden, in sein Hirtenamt Formen eines Stegreifautoritarismus oder
"demokratistische" Führungsbedingungen einzuführen, die der tieferen
Wirklichkeit des Dienstamtes fremd sind und als Folge zur Säkularisierung des
Priesters und zur Klerikalisierung der Laien führen.(104) Nicht selten kann
sich hinter derartigen Verhaltensweisen die Angst davor verbergen, Verantwortung
zu übernehmen, Fehler zu machen, nicht willkommen zu sein, sich unpopulär zu
machen, das Kreuz auf sich zu nehmen, usw.: Im Grunde handelt es sich um eine
vernebelnde Trübung, welche die authentische Wurzel der priesterlichen
Identität betrifft: die Gleichgestaltung mit Christus, dem Hirten und Haupt.
In diesem Sinne verlangt die
Neu-Evangelisierung auch, daß der Priester seine tatsächliche Präsenz offen
zu erkennen gibt. Man muß die Diener Jesu Christi unter den Menschen
gegenwärtig und bereit sehen können. Daher ist auch ihre freundschaftliche und
brüderliche Einbindung in die Gemeinde so wichtig. Und in diesem Zusammenhang
ist die pastorale Bedeutung der Disziplin bezüglich der kirchlichen Kleidung zu
verstehen, über die er nicht hinweggehen darf, weil sie dazu dient, seine
zeitlich und räumlich uneingeschränkte Hingabe an den Dienst für Christus,
für die Brüder und für alle Menschen in der Öffentlichkeit kundzutun.(105)
Je mehr eine Gesellschaft die Zeichen der Säkularisierung an sich trägt, um so
mehr braucht sie Zeichen.
Der Priester muß darauf achten, nicht in die
widersprüchliche Haltung zu verfallen, auf Grund welcher er sich der Ausübung
der Autorität in seinen direkten Zuständigkeitsbereichen entziehen könnte, um
sich dann jedoch auf weltliche Fragen wie die der sozialen und politischen
Ordnung einzulassen, (106) die Gott den Menschen zur freien Verfügung
überlassen hat.
Der Priester muß, wenngleich er sich bei den
Gläubigen und, zumindest mancherorts, auch bei den weltlichen Aurotiräten
eines beachtlichen Ansehens erfreuen kann, unbedingt daran denken, daß dieses
Ansehen mit Demut gelebt werden muß, indem er es korrekterweise dazu benutzt,
tatkräftig mitzuwirken an der "salus animarum", am Heil der Seelen,
und sich bewußt bleibt, daß allein Christus das wahre Haupt des Gottesvolkes
ist: zu ihm müssen die Menschen hingeführt werden, und es gilt zu vermeiden,
daß sie sich an die Person eines einzelnen Priesters anklammern. Die Seelen
gehören einzig und allein Christus, denn nur er hat sie zur Ehre Gottes um den
Preis seines kostbaren Blutes erlöst. Und genauso ist nur er Herr der
übernatürlichen Güter und der Meister, der mit eigener, ihm von Anbeginn
zustehender Autorität lehrt. Der Priester ist im Auftrag Christi und im
Heiligen Geist nur ein Verwalter der Gaben, die die Kirche ihm anvertraut hat,
und hat als solcher nicht das Recht, diese Gaben nach eigenem Belieben zu
reduzieren, zu vermehren oder zu verändern.(107) So hat er zum Beispiel nicht
die Vollmacht erhalten, die ihm anvertrauten Gläubigen nur einige Wahrheiten
des christlichen Glaubens zu lehren, während er andere übergeht, weil er sie
für schwerer zu befolgen oder für "weniger aktuell" hält.(108)
Was die Neu-Evangelisierung und die notwendige
pastorale Leitung der Priester betrifft, so muß man mit Engagement allen dabei
helfen, einen sorgfältigen und ehrlichen Unterscheidungsprozeß vorzunehmen.
Hinter der Haltung des "Sich-nicht-aufdrängenWollens" usw. könnte
sich eine Verkennung des theologischen Wesens des Hirtenamtes oder vielleicht
auch eine Charakterschwäche verbergen, die die Verantwortung scheut. Nicht
unterschätzt werden dürfen auch die etwaige unrechtmäßige Anhänglichkeit zu
Personen oder die unzulässige Übernahme von Dienstaufträgen oder das
unverhohlene Verlangen nach Popularität und das Fehlen einer redlichen Absicht.
Ohne Demut ist die pastorale Liebe gar nichts. Manchmal kann sich hinter einer
scheinbar motivierten Auflehnung des Priesters, hinter seinem Widerstand gegen
eine vom Bischof angemahnte Änderung seines pastoralen Arbeitsstils — sei es
seine exzentrische Art zu predigen oder den Gottesdienst zu feiern, sei es, daß
er die vorgeschriebene kirchliche Kleidung nicht trägt oder nach Belieben
verändert — Eigenliebe und der, freilich unbewußte, Wunsch verbergen, auf
sich aufmerksam zu machen.
Die Neu-Evangelisierung verlangt vom Priester
auch eine neue Bereitschaft, seinen Hirtendienst dort auszuüben, wo es am
notwendigsten ist. "Wie das Konzil unterstreicht, ,,rüstet die
Geistesgabe, die den Priestern in ihrer Weihe verliehen wurde, sie nicht für
irgendeine begrenzte und eingeschränkte Sendung, sondern für die alles
umfassende und universale Heils-sendung bis an die Grenzen der Erde, denn jeder
priesterliche Dienst hat teil an der weltweiten Sendung, die Christus den
Aposteln aufgetragen hat".(l09) Der in einigen Ländern zu verzeichnende
Priestermangel, zusammen mit der für die moderne Welt charakteristischen
Dynamik, macht es besonders notwendig, auf Priester zählen zu können, die
bereit sind, nicht nur einen pastoralen Auftrag, sondern, je nach den
verschiedenen Erfordernissen, auch die Stadt, die Region oder das Land zu
wechseln und die unbedingt notwendige Sendung zu erfüllen, wobei sie aus Liebe
zu Gott die eigenen Neigungen und persönlichen Pläne hintansetzen. "Auf
Grund des Wesens ihres Dienstes sollen sie daher von einem tiefen
missionarischen Geist und ,,von jener wahrhaft katholischen Geisteshaltung"
durchdrungen und beseelt sein, die sie dazu befähigt, ,,über die Grenzen der
eigenen Diözese, der Nation oder des Ritus zu blicken und für die Bedürfnisse
der ganzen Kirche einzustehen, stets bereit, das Evangelium überall zu
verkünden"" .(110) Die richtige Bedeutung der Teilkirche, auch
im Hinblick auf die ständige Weiterbildung, darf niemals die Bedeutung der
Universalkirche im geringsten verdunkeln, sondern muß harmonisch auf sie
abgestimmt werden.
ANREGUNGEN ZUM NACHDENKEN ÜBER KAPITEL IV
21. Wie läßt sich gegenüber den
Notleidenden durch unsere Gemeinden und in besonderer Weise durch die Priester
das Erbarmen Gottes am lebendigsten offenkundig machen? Besteht man
ausreichend zum Beispiel auf der geistlichen und leiblichen Übung der Werke
der Barmherzigkeit als Weg christlicher Reifung und Evangelisierung?
22. Ist die pastorale Liebe in allen ihren
Dimensionen wirklich "Seele und Kraft der ständigen Weiterbildung"
unserer Priester?
23. Werden die Priester wirklich ermuntert,
sich mit aufrichtig brüderlichem Geist um alle anderen Mitbrüder,
insbesondere um die kranken und alten, zu kümmern? Bestehen Formen
gemeinschaftlichen Lebens oder ähnliche Erfahrungen?
24. Verstehen und akzeptieren unsere
Priester ihre besondere Aufgabe der geistlichen Führung der ihnen
anvertrauten Gemeinden? Wie üben sie diese konkret aus?
25. Legt man bei der geistlichen Ausbildung
der Priester genügend Gewicht auf die missionarische Dimension des
priesterlichen Dienstes und auf die universale Dimension der Kirche?
26. Gibt es Glaubenswahrheiten oder
moralische Grundsätze, die in der Verkündigung gewöhnlich übergangen
werden, weil sie als schwer annehmbar für die Gläubigen gelten?
27. Eine der Aufgaben des Hirtenamtes besteht darin, die
Kräfte für den Dienst am Evangelisierungsauftrag zu vereinen. Gibt es
Anregungen zu allen Berufungen innerhalb der Kirche unter Beachtung des
besonderen Charismas jeder einzelnen?
NACHWORT
"Die Neu-Evangelisierung braucht neue
Verkünder, und das sind die Priester, die sich verpflichten, ihr Priestertum
als besonderen Weg zur Heiligkeit zu leben" .(111) Damit das
eintritt, ist es von fundamentaler Wichtigkeit, daß jeder Priester täglich die
absolute Notwendigkeit seiner persönlichen Heiligkeit wiederentdeckt.
"Zuerst muß man selbst rein sein, erst dann die anderen reinigen; zuerst
sich belehren lassen, um dann die anderen belehren zu können; zuerst Licht
werden, erst dann leuchten; zuerst zu Gott treten, erst dann andere zu ihm
führen; zuerst sich heiligen, erst dann andere heiligen". (112) Diese
Verpflichtung nimmt konkrete Gestalt an in der Suche nach einer tiefen Einheit
des Lebens, die den Priester dazu anhält, zu versuchen, in allen
Lebenssituationen gleichsam wie ein zweiter Christus zu sein und zu
leben.
Die Gläubigen der Pfarre bzw. diejenigen, die
an den verschiedenen pastoralen Aktivitäten teilnehmen, sehen — beobachten!
— und vernehmen — hören! — nicht nur dann, wenn das Wort
Gottes verkündet wird, sondern auch, wenn die verschiedenen liturgischen
Handlungen, insbesondere die hl. Messe, gefeiert werden; wenn sie im Pfarramt
empfangen werden, wo man sie gastfreundlich und liebenswürdig aufnimmt; (113)
wenn sie sehen, wie der Priester ißt oder sich ausruht, und durch sein Beispiel
der Enthaltsamkeit und Mäßigkeit erbaut werden; wenn sie ihn zu Hause
aufsuchen und erfreut sind über die priesterliche Einfachheit und Armut, in der
er lebt; (114) wenn sie sehen, daß er richtig, ordentlich und
vollständig den Vorschriften gemäß gekleidet ist; wenn sie mit ihm auch über
ganz allgemeine Themen sprechen und sich aufgerichtet fühlen durch die
Bestätigung seiner übernatürlichen Sicht, seiner Behutsamkeit und seines
menschlichen Stils, auf Grund dessen er auch die einfachsten Menschen mit
echter, priesterlicher Vornehmheit behandelt. "So breitet sich die Gnade
und die Liebe des Altars auf den Ambo, den Beichtstuhl, das Pfarrarchiv, auf die
Schule, das Oratorium, auf die Häuser und Straßen, auf die Spitäler, auf die
Transportmittel und die sozialen Kommunikationsmittel aus, wo immer der Priester
die Möglichkeit hat, seine Hirtenaufgabe zu erfüllen: Es ist auf jeden Fall
seine Messe, die sich ausbreitet, es ist seine geistige Verbundenheit mit
Christus, sacerdos et hostia, die ihn — wie der hl.
Ignatius von Antiochien sagte — ,,Weizenkorn Gottes sein läßt,
um zum reinen Brot Christi zu werden" (vgl. Epist. ad Romanos, IV,
1), zum Wohl der Brüder".(115)
Auf diese Weise wird es der Priester des
dritten Jahrtausends ermöglichen, daß sich in unseren Tagen aufs neue die
Reaktion der Emmausjünger wiederholt, die, nachdem sie dem göttlichen Meister
Jesus, der ihnen die Schrift erklärte, zugehört hatten, nicht umhin können,
sich erstaunt zu fragen: "Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er
unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloß? (Lk
24,32).
Der Königin und Mutter der Kirche müssen wir
Hirten uns anvertrauen, damit wir in gesinnungsmäßiger Einheit mit dem
Stellvertreter Christi die Methoden zu entdecken vermögen, um in allen
Priestern der Kirche einen aufrichtigen Wunsch nach Erneuerung in ihrer Aufgabe
als Lehrer des Wortes, Diener der Sakramente und Leiter der Gemeinde aufbrechen
zu lassen. Wir bitten die Königin der Evangelisierung, daß die heutige Kirche
die Wege wiederentdecken möge, die das Erbarmen des Vaters in Christus durch
den Heiligen Geist von Ewigkeit an bereitet hat, um auch die Menschen unserer
Zeit zur Gemeinschaft mit ihm zu führen.
Rom, aus dem Gebäude der Kongregationen, am
19. März 1999, dem Fest des hl. Josef, des Patrons der Gesamtkirche.
DARÍO Kard. CASTRILLÓN HOYOS
Präfekt
CSABA TERNYÁK
Titular-Erzbischof von Eminenziana
Sekretär
GEBET ZU MARIA
MARIA,
Stern der Neu-Evangelisierung,
Du hast von Anfang an die Apostel und ihre Mitarbeiter bei der
Verbreitung des Evangeliums aufgerichtet und ermutigt: vermehre zu Beginn des
dritten Jahrtausends in den Priestern das Bewußtsein dafür, daß sie als Erste
für die Neu-Evangelisierung verantwortlich sind.
MARIA,
als Erste evangelisiert und erste Verkünderin,
hast Du mit einzigartigem Glauben, Hoffnung und Liebe auf die
Verkündigung des Engels geantwortet: bringe Deine Fürsprache für diejenigen
ein, die Deinem Sohn, Christus dem Hohenpriester, gleichgestaltet werden, damit
auch sie mit demselben Geist auf den dringenden Aufruf antworten, den der
Heilige Vater im Namen Gottes anläßlich des Großen Jubiläums an sie richtet.
MARIA,
Lehrmeisterin des gelebten Glaubens,
Du hast das göttliche Wort mit voller Bereitschaft gehört:
lehre die
Priester, sich durch das Gebet mit jenem Wort vertraut zu
machen und sich voll Demut und Leidenschaft in seinen Dienst zu stellen, so daß
es seine ganze Heilskraft im dritten Jahrtausend der Erlösung weiterausübt.
MARIA,
Voll der Gnade und Mutter der Gnade,
nimm Dich Deiner Söhne, der Priester, an, die wie Du dazu
berufen
sind, Mitwirkende des Heiligen Geistes zu
sein, der Jesus im Herzen der Gläubigen wieder zur Welt kommen läßt. Lehre
sie am Jahrestag der Geburt Deines Sohnes, getreue Verwalter der Geheimnisse
Gottes zu sein: damit sie mit Deiner Hilfe vielen Seelen den Weg der Versöhnung
erschließen und die Eucharistie zur Quelle und zum Höhepunkt ihres eigenen und
des Lebens der ihnen anvertrauten Gläubigen machen.
MARIA,
Stern am Beginn des dritten Jahrtausends,
geleite weiterhin die Priester Jesu Christi, damit sie, dem
Beispiel
Deiner Liebe zu Gott und zum Nächsten
folgend, echte Hirten seien und die Schritte aller zu Deinem Sohn, dem wahren
Licht, das jeden Menschen erleuchtet (vgl. Joh 1,9), hinlenken können.
Mögen die Priester und durch sie das ganze Volk Gottes die liebevolle und
dringliche Aufforderung hören, die Du an der Schwelle des neuen Jahrtausends
der Heilsgeschichte an sie richtest: "Was er euch sagt, das tut!"
(Vgl. Job 2,5). "Im Jahr 2000 — so der Stellvertreter Christi
— wird mit neuer Kraft die Verkündigung der
Wahrheit wieder erschallen müssen: ,,Ecce natus est nobis Salvator
mundi"" (Tertio millennio adveniente, Nr. 38).
Anmerkungen
(1) JOHANNES PAUL II., Apostol. Schreiben
Tertio millennio adveniente, 10. November 1994: AAS 87 (1995) 5-41; Nr. 38.
(2) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Redemptoris
missio, 7. Dezember 1990: AAS 8 (1991) 249-340; Nr. 33.
(3) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS,
Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Libreria Editrice Vaticana,
Vatikanstadt 1994, Nr. 7.
(4) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben
Pastores dabo vobis, 25. März 1992, Nr. 18: AAS 84 (1992) 685.
(5) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Redemptoris
missio, Nr. 1.
(6) "Der christliche Glaube läuft nicht
selten Gefahr, als eine Religion unter vielen betrachtet und auf eine bloße
Sozialethik im Dienst des Menschen verkürzt zu werden. So wird seine
umwälzende Neuartigkeir in der Geschichte nicht immer sichtbar: Er ist
,,Geheimnis", er ist das Heilsgeschehen vorn Sohn Gottes, der Mensch wird
und allen, die ihn aufnehmen, ,,Macht gibt, Kinder Gottes zu werden" (Job
1,12)" (JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo
vobis, Nr. 46).
(7) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum
ordinis, Nr. 2; JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores
dabo vobis, Nr. 13; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und
Leben der Priester, Nr. 1, 3, 6; Interdikasterielle instruktion Ecclesiae de
mysterio über einige Fragen betreffend die Mitarbeit gläubiger Laien am Dienst
der Priester, Vorwort.
(8) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Redemptoris
missio, Nr. 63.
(9) Ebd., Nr. 67.
(10) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium
für Dienst und Leben der Priester, Einleitung. Vgl. JOHANNES PAUL II.,
Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 2 u. 14.
(11) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Eides et
ratio, 14. September 1998, Nr. 62.
(12) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche,
Nr. 171.
(13) II. VAT. KONZIL, Dogmar. Konstitution
Lumen getium, Nr. 30.
(14) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dogmat.
Konstitution Lumen gentium, Nr. 48b.
(15) Vgl. JOHANNES PAUL II., Nachsynodales
Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 21.
(16) Vgl. II. VAT. KONZIL, DEKRET
Presbyterorum ordinis, Nr. 12; JOHANNES PAUL II.,
Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo
vobis, Nr. 25.
(17) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS,
Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 43.
(18) HL. GREGOR DER GROSSE, Liber regulae
pastoralis, II, 1.
(19) JOHANNES PAUL II., Ansprache an das VI.
Symposion der europäischen Bischöfe, 11. Oktober 1985, Nr. 13: Insegnamenti di
Giovanni Paolo II, VIII, 2 (1985), 918-919.
(20) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol.
Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 12.
(21) JOHANNES PAUL II., Ansprache zur
Eröffnung der IV. Vollversammlung des CELAM, 12. Dezember 1992, Nr. 24: AAS 85
(1993) 826; vgl. Nachsynodales Apostol. Schreiben Reconcdiatio et paenitentia,
2. Dezember 1984, Nr. 13: AAS 77 (1985) 208-211.
(22) PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangelii
nuntiandi, Nr. 47.
(23) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dogmat. Konst.
Lumen gentium, Nr. 28.
(24) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret
Presbyterorum ordinis, Nr. 4; JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Aposol. Schreiben
Pastores dabo vobis, Nr. 26.
(25) Vgl. II. VAT. Konzil Dekret Presbyterorum
ordinis, Nr. 5, 13, 14; JOHANNES PAUL II.,
Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo
vobis, Nr. 23, 26, 48; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und
Leben der Priester, Nr. 48.
(26) VAT. KONZIL, Dekret Unitatis
redintegratio, Nr. 4.
(27) Ebd., Nr. 11.
(28) Vgl. JOHANNES PAUL II., Ansprache an die
Bischöfe des CELAM, 9. März 1983: Insegnamenti, VI, 1 (1983), 698;
Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 18.
(29) II. VAT. KONZIL, Dogmat. Konst. Dei
Verbum, Nr. 2.
(30) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum
ordinis, Nr. 4.
(31) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche,
Nr. 1550.
(32) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol.
Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 26.
(33) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium
für Dienst und Leben der Priester, Nr. 45.
(34) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum
ordinis, Nr. 4.
(35) HL. AUGUSTINUS, De doctrina christiana,
4,15,32: PL 34,100.
(36) Vgl. PAUL VI., Apostol. Konstitution
Laudis canticum, 1.11.1970, Nr. 8.
(37) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium
für Dienst und Leben der Priester, Nr. 45.
(38) II. VAT. KONZIL, Pastoraikonstitution
Gaudium et spes, Nr. 22.
(39) Ebd.
(40) Vgl. Interdikasterielle instruktion
Ecclesiae de mysterio über einige Fragen zur Mitarbeit der Laien am Dienst der
Priester, 15. August 1997, Artikel 3.
(41) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum
ordinis, Nr. 19.
(42) Vgl. ebd.; JOHANNES PAUL II.,
Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis Nr. 70 ff.; KONGREGATION
FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 69 ff.
(43) Vgl. JOHANNES PAUL II., Nachsynodales
Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 26 u. 47; KONGREGATION FÜR DEN
KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 46.
(44) KONGREGATION FÜR DAS KATHOLISCHE
ERZIEHUNGSWESEN, Instruktion über das Studium der Kirchenväter in der
Priesterausbildung, Vatikanstadt 1989.
(45) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Fides et
ratio, 14. September 1998 Nr. 2.
(46) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS,
Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 46.
(47) Katechismus der Katholischen Kirche, Nr.
738.
(48) II. VAT. KONZIL, Konstitution
Sacrosanctum Concilium‘ Nr. 2.
(49) II. VAT. KONZIL, Dogm. Konstitution Lumen
Gentium, Nr. 45.
(50) II. VAT. KONZIL, Pastoralkonstitution
Gaudium et spes, Nr. 45.
(51) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS,
Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 7b-c.
(52) JOHANNES PAUL II., Generalaudienz vom 5.
Mai 1993: Insegnamenti XVI, 1 (1993)1061.
(53) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum
ordinis, Nr. 12c.
(54) Vgl. ebd., Nr. 5.
(55) JOHANNES PAUL II., Generalaudienz vom 12.
Mai 1993: lnsegnamenti XVI, 1 (1993)1197.
(56) II. VAT. KONZIL, Konstitution
Sacrosanctum Concilium, Nr. 2.
(57) JOHANNES PAUL II., Schreiben an die
Priester zum Gründonnerstag 1997, Nr. 5.
(58) Vgl. II. VAT. KONZIL, Konstitution
Sacrosanctum Concilium, Nr. 2 n. 10.
(59) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum
ordinis, Nr. 6.
(60) Ebd., Nr. 5.
(61) Ebd.
(62) Vgl. JOHANNES PAUL II., Ansprachen an die
Priester und Diakone, 5. 40.
(63) Vgl. JOHANNES PAUL II., Apostol.
Schreiben Dies Domini, 31. Mai 1998, Nr. 46.
(64) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium
für Dienst und Leben der Priester, Nr. 49.
(65) JOHANNES PAUL II., Ansprachen an die
Priester und Diakone, 5. 40.
(66) Vgl. ebd.; II. VAT. KONZIL, Dogmat.
Konstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 112, 114, 116, 120, 122-124, 128.
(67) Vgl. Pius XII., Rundfunkbotschaft an den
Nationalen Katechetischen Kongreß der Vereinigten Staaten, 26. Oktober 1946:
Discorsi e Radiomessaggi VIII (1946) 288; JOHANNES PAUL II., Nachsynodales
Apostol. Schreiben Reconciliatio et paenitentia, Nr. 18.
(68) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in
misericordia, Nr. 13.
(69) Vgl. JOHANNES PAUL II., Ansprachen an
Priester und Diakone, 5. 108.
(70) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in
misericordia, Nr. 13.
(71) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium
für Dienst und Leben der Priester, Nr. 54. Vgl. JOHANNES PAUL II.,
Nachsynodales Apostol. Schreiben Reconciliatio et paenitentia, Nr. 31.
(72) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium
für Dienst und Leben der Priester, Nr. 32.
(73) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret
Presbyterorum ordinis, Nr. 13; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für
Dienst und Leben der Priester, Nr. 53.
(74) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret
Presbyterorum ordinis, Nr. 13; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für
Dienst und Leben der Priester, Nr. 53.
(75) Vgl. PÄPSTL. RAT FÜR DIE INTERPRETATION
DER GESETZESTEXTE, Erklärung zu C.LC. can. 964 § 2, 16. Juni 1998 (vom Iii.
Vater approbiert am 7. Juli 1998), in: Communicationes, 30 (1998).
(76) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum
ordinis, Nr. 18; JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores
dabo vobis, Nr. 26, 48; Ansprachen an die Priester und Diakone, 5. 50;
Nachsynodales Apostol. Schreiben Reconciliatio et paenitenia, Nr. 31;
KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester,
Nr. 53.
(77) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol.
Schreiben Reconciliatio et paenitentia, Nr. 31, VI.
(78) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol.
Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 17.
(79) Was das betrifft, so wird eine solide
Vorbereitung bezüglich jener Themen verlangt, die am häufigsten vorkommen. Als
sehr hilfreich erweist sich dafür das Vademecum für Beichtväter zu einigen
das Eheleben betreffenden Moralthemen (PÄPSTLICHER RAT FUR DIE FAMILIEN, 12.
Februar 1997).
(80) Ebd.
(81) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in
misericordia, 30. November 1980, Nr. 13c: AAS 72 (1980) 1183.
(82) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in
misericordia, Nr. 3.
(83) Vgl. JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives
in misericordia, Nr. 13.
(84) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in
misericordia, Nr. 8.
(85) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium
für Dienst und Leben der Priester, Nr. 48.
(86) Vgl. JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives
in misericordia, Nr. 8.
(87) Vgl. Jean-Marie Vianney , curé d‘Ars:
sa pensée, son coeur, présentés par Bernard Nodet, Le Puy 1960, 5. 100.
(88) HL. AUGUSTINUS, In Johannis evangelium
tractatus, 123,5: CCL 36, 678.
(89) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche,
Nr. 875.
(90) JOHANNES PAUL II., Schreiben an die
Priester zum Gründonnerstag 1997, Nr. 4.
(91) Vgl. HL. THOMAS VON AQUIN, Summa Theol.
III, q. 83, a. 1, ad 3.
(92) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol.
Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 22.
(93) Ebd., Nr. 29.
(94) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum
ordinis, Nr. 6.
(95) II. VAT. KONZIL, Dogmatische Konstitution
Lumen gentium, Nr. 28.
(96) Katechismus der Katholischen Kirche, Nr.
1550.
(97) JOHANNES PAUL II., Ansprache bei
Generalaudienz vom 19. Mai 1993: Insegnamenti XVI, 1 (1993) 1254.
(98) Ebd., 1255-56.
(99) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum
ordinis, Nr. 6.
(100) Vgl. ebd., Nr. 6.
(101) Ebd., Nr. 6.
(102) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS,
Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 17.
(103) HL. AUGUSTINUS, Ep. 134,1: CSEL 44, 85.
(104) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS,
Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr.19; vgl. JOHANNES PAUL II.,
Ansprache an das Symposium über die "Teilnahme der Laien am priesterlichen
Dienst" (22. April 1994), Nr. 4: "Sacrum Ministerium" 1 (1995)
64; vgl. Interdikasterielle instruktion Ecclesiae de mysterio über einige
Fragen zur Mitarbeit gläubiger Laien am priesterlichen Dienst, 15. August 1997,
Einleitung.
(105) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS,
Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 66.
(106) Vgl. Katechismus der Katholischen
Kirche, Nr. 2442; C.I.C., can. 227; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium
für Dienst und Leben der Priester, Nr. 33.
(107) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dogmatische
Konstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 22; CI. C., can. 846; KONGREGATION FÜR
DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 49 und 64.
(108) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales
Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 26; Ansprachen an die Priester und
Diakone, Libreria Editrice Vaticana 1995, S. 27; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS,
Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 45.
(109) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales
Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 18; vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret
Presbyterorum ordinis, Nr. 10.
(110) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales
Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 18; vgl. II. VAT. KONZIL., Dekret
Optatam totius, Nr. 20.
(111) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales
Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 82.
(112) HL. GREGOR VON NAZIANZ, Orationes, 2,71:
PG 35, 480.
(113) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben
Pastores dabo vobis, Nr. 82.
(114) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr.
17; GIG., can. 282; JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores
dabo vobis, Nr. 30; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und
Leben der Priester, Nr. 67.
(115) JOHANNES PAUL II., Ansprachen an die
Priester und Diakone, S. 72.
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