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Hl. Kongregation für die Glaubenslehre

 

Erklärung zum Schutz des Glaubens
an die Geheimnisse der Menschwerdung und der heiligsten Dreifaltigkeit gegenüber
einigen Irrtümern der letzten Zeit
*

 

1. Das Geheimnis des menschgewordenen Sohnes Gottes und das Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit, die beide zum Kern der Offenbarung gehören, müssen mit ihrer unverdorbenen Wahrheit das Leben der Christen erleuchten. Da aber diese Geheimnisse in letzter Zeit durch Irrtümer erheblich angetastet wurden, hat die Kongregation für die Glaubenslehre beschlossen, den überlieferten Glauben an diese Geheimnisse in Erinnerung zu rufen und zu verteidigen.

2. Der katholische Glaube an den Sohn Gottes, der Mensch geworden ist.

Jesus Christus hat während seines Erdenlebens auf verschiedene Weise, durch Wort und Tat, das anbetungswürdige Geheimnis seiner Person zu erkennen gegeben. Nachdem er „gehorsam bis zum Tod“ (1) geworden war, wurde er durch göttliche Kraft in der glorreichen Auferstehung erhöht, wie es dem Sohn, „durch den alles“ (2) vom Vater erschaffen ist, zukam. Von ihm hat der hl. Johannes in feierlicher Weise verkündet: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort... Und das Wort ist Fleisch geworden“ (3).

Die Kirche hat das Geheimnis des menschgewordenen Gottessohnes unverletzt gehütet und „im Laufe der Zeiten und der Jahrhunderte“ (4) in einer immer weiter entfalteten Sprache zu glauben vorgelegt. Im Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis, das bis zum heutigen Tag bei der Eucharistiefeier gesprochen wird, bekennt sie „Jesus Christus, Gottes eingeborenen und vom Vater vor aller Zeit gezeugten Sohn, ... wahrer Gott vom wahren Gott, ... eines Wesens mit dem Vater, ... der für uns Menschen und um unseres Heiles willen ... Mensch geworden ist“ (5). Das Konzil von Chalkedon erklärte verbindlich zu bekennen, daß der Sohn Gottes seiner Gottheit nach vor aller Zeit vom Vater gezeugt und seiner Menschheit nach in der Zeit aus der Jungfrau Maria gezeugt sei (6). Außerdem bezeichnet dieses Konzil den einen und selben Christus, den Sohn Gottes, als Person oder Hypostase; mit dem Ausdruck Natur aber bezeichnet es seine Gottheit wie seine Menschheit. Mit Hilfe dieser Bezeichnungen lehrte das Konzil, daß in der einen Person unseres Erlösers sich seine beiden Naturen, die göttliche und die menschliche, unvermischt, unveränderlich, ungeteilt und untrennbar vereinen (7). In ähnlicher Weise lehrte das 4. Laterankonzil, es sei zu glauben und zu bekennen, daß der eingeborene Sohn Gottes: dem Vater gleichewig, wahrer Mensch geworden ist und daß er eine Person in zwei Naturen ist (8). Das ist der katholische Glaube, den das Zweite Vatikanische Konzil, das sich an die beständige Überlieferung der ganzen Kirche anschließt, an mehreren Stellen deutlich zum Ausdruck gebracht hat (9).

3. Neuere Irrtümer hinsichtlich des Glaubens an den menschgewordenen Sohn Gottes.

Zu diesem Glauben stehen in offenem Widerspruch Meinungen, nach welchen es uns nicht geoffenbart und nicht bekannt sei, daß der Sohn Gottes von Ewigkeit her im Geheimnis der Gottheit, unterschieden vom Vater und vom Heiligen Geist, existiere; desgleichen Ansichten, nach denen der Begriff von der einen Person Jesu Christi, ihrer göttlichen Natur nach vor der Zeit von Gott gezeugt und ihrer menschlichen Natur nach in der Zeit aus der Jungfrau Maria gezeugt, aufzugeben sei; und schließlich eine Behauptung, nach der die Menschheit Jesu nicht in die ewige Person des Gottessohnes aufgenommen existiere, sondern vielmehr in sich selbst als menschliche Person, so daß das Geheimnis Jesu Christi darin bestehe, daß der sich offenbarende Gott in höchster Weise in der menschlichen Person Jesu gegenwärtig sei.

Wer so denkt, ist vom wahren Glauben an Christus weit entfernt, auch wenn er erklärt, die einzigartige Gegenwart Gottes in Jesus bewirke, daß er den höchsten Gipfel der göttlichen Offenbarung darstelle; er hat den wahren Glauben an die Gottheit Christi auch dann nicht voll erreicht, wenn er hinzufügt, Jesus könne deshalb Gott genannt werden, weil, wie sie sagen, in seiner menschlichen Person Gott in höchster Weise gegenwärtig sei.

4. Der katholische Glaube an die heiligste Dreifaltigkeit und besonders an den Heiligen Geist.

Wenn man das Geheimnis der göttlichen und ewigen Person Christi, des Gottessohnes, aufgibt, macht man auch die Wahrheit von der heiligsten Dreifaltigkeit zunichte und, mit ihr, die Wahrheit vom Heiligen Geist, der vom Vater und vom Sohn, oder aus dem Vater durch den Sohn, von Ewigkeit an ausgeht (10). Im Hinblick auf die neueren Irrtümer muß daher einiges über den Glauben an die heiligste Dreifaltigkeit und vor allem über den Heiligen Geist wieder in Erinnerung gebracht werden.

Der zweite Korintherbrief endet mit der wunderbaren Formel: „Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen“ (11). Der Taufbefehl, der uns im Matthäusevangelium berichtet wird, nennt den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist als die drei, die zum Geheimnis Gottes gehören und in deren Namen die neuen Gläubigen Wiedergeboren werden sollen (12). Im Evangelium des hl. Johannes schließlich sagt Jesus von der Ankunft des Heiligen Geistes: „Wenn aber der Beistand kommen wird. Welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, wird er von mir Zeugnis geben“ (13).

Gestützt auf die Hinweise der göttlichen Offenbarung, hat das Lehramt der Kirche, dem allein die „Aufgabe, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes verbindlich zu erklären“ (14), anvertraut ist, im Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis den „Heiligen Geist“ bekannt als den „Herrn und Lebensspender, ... der mit dem Vater und dem Sohn in gleicher Weise angebetet und verherrlicht wird” (15). Ebenso lehrte das 4. Laterankonzil, man müsse glauben und bekennen, daß „es nur einen wahren Gott gibt, ... Vater und Sohn und Heiliger Geist: drei Personen, aber eine Wesenheit, ... der Vater, der von keinem, der Sohn, der einzig vom Vater, und der Heilige Geist, der von beiden zugleich ausgeht, ohne Anfangs immer; und ohne Ende“ (16).

5. Neue Irrtümer über die heiligste Dreifaltigkeit und besonders über den Heiligen Geist.

Vom Glauben weicht daher die Meinung ab, der zufolge uns die Offenbarung im Ungewissen lasse über die Ewigkeit der Dreifaltigkeit und besonders über die ewige Existenz des Heiligen Geistes als einer Person in Gott, die vom Vater und vom Sohn unterschieden ist. Es ist wohl wahr, daß uns das Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit in der Heilsordnung geoffenbart wurde, vor allem in Christus, der vom Vater in die Welt gesandt worden ist und der zusammen mit dem Vater den lebenspendenden Geist in das Volk Gottes entsendet. Durch diese Offenbarung aber ist den Gläubigen eine gewisse Kenntnis auch des innersten Lebens Gottes geschenkt worden, in welchem „der zeugende Vater, der Sohn, der geboren wird, und der ausgehende Heilige Geist von gleichem Wesen und gleichem Rang“ sind, „von gleicher Allmacht und gleicher Ewigkeit“ (17).

6. Die Geheimnisse der Menschwerdung und der Dreifaltigkeit müssen treu bewahrt und erklärt werden.

Was in den genannten Konzilsdokumenten ausgeführt wird über den einen und selben Christus, den Sohn Gottes, der seiner göttlichen Natur nach vor der Zeit gezeugt und seiner menschlichen Natur nach in der Zeit gezeugt ist, und ebenso über die ewigen Personen der heiligsten Dreifaltigkeit, gehört zur unveränderlichen Wahrheit des katholischen Glaubens.

Das tut dem keinen Abbruch, daß die Kirche es als ihre Pflicht ansieht, keine Anstrengungen zu unterlassen, in Anbetracht auch der neuen Denkweise des Menschen, die oben genannten Geheimnisse immer wieder einer Betrachtung aus dem Glauben und theologischer Forschung zu unterziehen und in geeigneter Weise weiter zu erklären. Während man sich aber dieser unerläßlichen Forschungsaufgabe widmet, muß man sorgfältig darauf achten, daß diesen tiefen Geheimnissen niemals der Sinn genommen wird, den „die Kirche erkannt hat und erkennt“ (18).

Die unverdorbene Wahrheit dieser Geheimnisse ist für die ganze christliche Offenbarung von allergrößter Bedeutung; denn sie gehören dermaßen zu ihrem Kern, daß auch der übrige Schatz der Offenbarung verfälscht wird, wenn sie selbst angetastet werden. Von nicht geringerer Bedeutung ist die Wahrheit eben dieser Geheimnisse für das christliche Wirken, weil nichts die Liebe Gottes, auf die das ganze christliche Leben eine Antwort sein soll, so deutlich zeigt wie die Menschwerdung des Sohnes Gottes, unseres Erlösers (19), und weil die Menschen durch Christus, das Fleisch gewordene Wort, im Heiligen Geist den Zugang zum Vater haben und der göttlichen Natur teilhaftig werden (20).

7. In Bezug auf die Wahrheiten, welche die vorliegende Erklärung verteidigt, sind die Hirten der Kirche verpflichtet, die Einheit im Bekenntnis des Glaubens von ihrem Volk und vor allem von jenen zu verlangen, die aufgrund eines Auftrages seitens des kirchlichen Lehramtes ein theologisches Fach lehren oder das Wort Gottes verkünden. Diese Pflicht der Bischöfe gehört zu dem ihnen von Gott übertragenen Amt, zusammen mit dem Nachfolger des hl. Petrus das „Glaubensgut rein und unversehrt zu erhalten“ und „unablässig das Evangelium zu verkünden“ (21). Sie dürfen es aufgrund dieser Pflicht ihres Amtes auch keinesfalls zulassen, daß die Diener des Wortes Gottes von der gesunden Lehre abweichet, sie verderben oder unvollständig weitergeben (22). Denn das Volk, das der Sorge, der Bischöfe anvertraut ist und „für das sie selbst Gott gegenüber Rechenschaft ablegen müssen“ (23), „besitzt das heilige, unaufgebbare Recht, das Wort Gottes zu empfangen, und zwar das ganze Wort Gottes, das die Kirche unablässig tiefer erkennt“ (24).

Die Christen aber – und vor allem die Theologen, angesichts ihres wichtigen Amtes und notwendigen Dienstes in der Kirche – müssen sich treu zu den Geheimnissen bekennen, an die diese Erklärung erinnert. Ebenso sollen sich durch den Antrieb und die Erleuchtung des Heiligen Geistes sowie unter Leitung ihrer Hirten und des Hirten der universalen Kirche die Söhne der Kirche an die gesamte Glaubenslehre halten (25), „so daß im Festhalten am überlieferten Glauben, in seiner Verwirklichung und seinem Bekenntnis völlige Übereinstimmung besteht zwischen Bischöfen und Gläubigen” (26).

 Papst Paul VI. hat in einer dem unterzeichneten Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre am 21. Februar 1972 gewährten Audienz diese Erklärung zum Schutz des Glaubens an die Geheimnisse der Menschwerdung und der heiligsten Dreifaltigkeit vor einigen Irrtümern der letzten Zeit gebilligt, bestätigt und ihre Veröffentlichung angeordnet.

 

Gegeben zu Rom, am Sitz der Glaubenskongregation, 21. Februar 1972, dem Fest des hl. Petrus Damiani.

 

FRANJO Kardinal SEPER
Präfekt

 

+ PAUL PHILIPPE
Titularerzbischöf von Heracleopolis
Sekretär

 


ANMERKUNGEN

1) Vgl. Phil 2, 6-8.

2) 1 Kor 8, 6.

3) Jo 1. 14 (vgl. 1, 18).

4) Vgl. Conc. Vat. I, Const. dogm. Dei Filius, c. 4; Conc. Oec. Decr., Herder 1962, S. 785; Denz.-Sch. 3020.

5) Missale Romanum, ed. typica Typis Polyglottis Vaticanis, 1970, S. 389; Denz.-Sch. 150.

6) Vgl. Conc. Chalc., (Definitio); Conc. Oec. Decr., S. 62; Denz.-Sch. 301.

7) Vgl. ebd.; Denz.-Sch. 302.

8) Vgl. Conc. Lat. IV, Const. Firmiter credimus; Conc. Oec. Decr., S. 206; Denz.-Sch., 800 f.

9) Vgl. Conc. Vat. II, Const. dogm. Lumen gentium, Nr. 3, 7, 52, 53; Const. dogm. Dei Verbum, Nr. 2, 3; Const. past. Gaudium et spes, Nr. 22; Decr. Unitatis redintegratio, Nr. 12, Decr. Christus Dominus, Nr. 1; Decr. Ad gentes, Nr. 3; vgl. auch Paul VI., Sollemnis professio fidei, Nr. 11, A.A.S. 60 (1968), 437.

10) Vgl. Conc. Flor., Bulla Laetentur caeli; Conc. Oec. Decr., S. 501 f; Denz.-Sch. 1300.

11) 2 Kor 13, 13.

12) Siehe Mt 28, 19.

13) Jo 15, 26.

14) Conc. Vat. II, Const. dogm. Dei Verbum, Nr. 10.

15) Missale Romanum, loc. cit.; Denz.-Sch. 150.

16) Siehe Conc. Lat. IV, Const. Firmiter credimus; Conc. Oec. Decr., S. 206; Denz.-Sch. 800.

17) Siehe ebd.

18) Conc. Vat. I, Const. dogm. Dei Filius, c. 4, can. 3; Conc. Oec. Decr., S. 787; Denz.-Sch. 3043. Siehe auch Johannes XXIII., Attoc. in S. Conc. Vat. II inauguratione, A.A.S. 54 (1962), 792, und Conc. Vat. II, Const. past. Gaudium et spes, Nr. 62. Vgl. auch Paul VI., Sollemnis professio fidei, Nr. 4, A.A.S. 60 (1968), 434.

19) Vgl. 1 Jo 4, 9 f.

20) Vgl. Conc. Vat. II, Const. dogm, Dei Verbum, Nr. 2; vgl. Eph 2, 18; 2 Petr 1, 4.

21) Vgl. Paul VI., Adhortatio apostolica Quinque anni, in A.A.S. 68 (1971), 99.

22) Vgl. 2 Tim 4, 1-5. Siehe Paul VI., ebd., S. 103 f. Vgl. auch Bischofssynode 1967, Bericht der Bischofssynode zur weiteren Prüfung gefährlicher Meinungen und des Atheismus, II, 3: De pastorali ratione agendi in exercitio magisterii, Vatikan 1967, S. 10 f. (OR 30./31.10.1967, S. 3).

23) Paul VI., ebd., S. 103.

24) Ebd. S. 100.

25) Vgl. Conc. Vat. II, Const. dogm. Lumen gentium, Nr. 12, 25; Bischofssynode 1967: Bericht zur weiteren Prüfung…, II, 4: De theologorum opera et responsabilitate..., S. 11 (OR 30./31.10.1967, S. 3).

26) Conc. Vat. II, Const. dogm. Dei Verbum, Nr. 10.

 

 

* L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nummer 11, 17. März 1972, Seite 2.

 

 

 

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