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HL. KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE

 

Brief an
Pater Edward Schillebeeckx op*

 

20. November 1980

 

Hochwürdiger Herr Pater!

Seit einiger Zeit ist unsere Kongregation mit Ihnen in Kontakt, um die von Ihnen in Ihrem Buch "Jezus. Her verhaal van een levende" ("Jesus. Die Geschichte eines Lebenden") dargelegten Auffassungen zur Christologie zu klären.

Die Kongregation hat nach Feststellung, daß das Buch manche mehrdeutige Aussagen enthält, die für Ihre Leser gefährlich sein könnten, Ihnen bereits am 20. Oktober 1976 – durch Vermittlung von Kardinal Willebrands, der Sie von der im Gang befindlichen Untersuchung in Kenntnis setzte – eine Reihe von Fragen zum Inhalt des Werkes und der angewandten Methode zugehen lassen.

Am 13. April 1977 haben Sie auf diese Fragen in einem Brief, der verschiedenes erläuterte, geantwortet; doch diese Antworten haben nicht alle Schwierigkeiten beseitigt, wie Ihnen in einer „Beurteilung der Antwort“, die Ihnen unser Amt am 6. Juli 1978 zusandte, erklärt wurde.

In der Zwischenzeit hatten Sie "Gerechtigheid en liefde. Genade en, bevrijding" ("Gerechtigkeit und Liebe. Gnade und Erlösung") veröffentlicht, den zweiten Band der von Ihnen angekündigten Trilogie über die Christologie. Einige Monate später ließen Sie der Kongregation Ihr kleines Werk „Tussentijds verhaal over twee Jezus boeken“ ("Zwischenbericht über zwei Jesusbücher") zugehen mit einem Brief, in dem es hieß: „In diesem Büchlein habe ich einige dunkle oder umstrittene Abschnitte meiner Bücher über Jesus Christus naher geklärt...“.

Eine aufmerksame Prüfung dieser letzten Publikation ergab, daß sie zwar interessante Verdeutlichungen enthielt, daß aber Ihre Auffassung hinsichtlich fundamentaler Punkte des katholischen Glaubens weiterhin unklar blieb. Wegen der Bedeutung der untersuchten Fragen beschloß daher die Kongregation für die Glaubenslehre, entsprechend den Artikeln 13-15 ihrer Ratio agendi, Sie zu einem klärenden Gespräch einzuladen. Durch Vermittlung von Kardinal Willebrands erging am 6. Juli 1978 an Sie die Bitte, nach Rom zu kommen, um in einem Gespräch mit Vertretern unseres Amtes Ihren christologischen Standpunkt klarzustellen. In demselben Schreiben wurden Ihnen auch die wichtigsten Punkte mitgeteilt, um die es bei dem betreffenden Gespräch gehen würde.

Nach weiterem Meinungsaustausch, der sich unter anderem durch den Tod der Päpste Paul VI. und Johannes Paul I. verzögerte, teilte Kardinal Willebrands der Kongregation mit (Schreiben vom 30. Juni 1979), daß Sie die Teilnahme an dem Gespräch annehmen. Nach dem für die Festsetzung des Termins und der Modalitäten des Gesprächs unerläßlichen Briefwechsel konnte dieses dann am 13., 14. und 15. Dezember 1979 am Sitz der Kongregation unter Teilnahme von Msgr. A. Bovone, dem Moderator des Gesprächs, Bischof A. Descamps und der Patres A. Patfoort OP und J. Galot SJ stattfinden.

Während einer Begegnung mit den Persönlichkeiten der Kongregation, die dem Gespräch unmittelbar vorausging, wurden Sie daran erinnert, daß es weder Ziel dieses Gespräches sei, ein Urteil zu fällen noch Entscheidungen zu treffen, sondern die Informationen über Ihre christologischen Standpunkte zu vervollständigen. Man fügte schließlich hinzu, daß nach Abschluß des Gespräches ein Bericht verfaßt würde, der, sobald er beiderseits akzeptiert sei, den Kardinälen, die Mitglieder der Glaubenskongregation sind, zur Prüfung unterbreitet werden sollte.

Die Kardinäle haben bei der Ordentlichen Versammlung der Kongregation diese Prüfung im Lichte der von Ihnen in Ihrer schriftlichen Antwort vom 13. April 1977 und dem Gespräch vom 13. bis 15. Dezember 1979 abgegebenen Erklärungen vorgenommen.

Sie stellten fest, daß sich diese Art des Vorgehens als nützlich erwiesen hat, weil es Ihnen die Möglichkeit gab, sich über Zweck, Methode und literarische Gattung Ihrer Schriften auszusprechen und eine Reihe von Unklarheiten zu beseitigen.

Bei der Formulierung ihrer Schlußfolgerungen, die vom Heiligen Vater approbiert worden sind, haben die Kardinäle betont, daß diese nur für die drei zu Beginn dieses Briefes genannten Werke gelten.

In ihrem Namen möchte ich in meiner Eigenschaft als Präfekt dieser Kongregation Ihnen daher folgendes mitteilen:

1. Die Kongregation nimmt die Klarstellungen, Präzisierungen und Richtigstellungen, die Sie bei dem Gespräch und in Ihrem Brief bezüglich Ihrer veröffentlichten Werke eingebracht haben (vgl. Anlage, S. 1-4), zur Kenntnis.

2. Sie glaubt jedoch, daß zu einigen Punkten die erbrachten Klärungen nicht ausreichen, um die Doppeldeutigkeiten zu beheben (vgl. Anlage, S. 4-5).

Aus diesem Grund ersuche ich Sie:

1) der Öffentlichkeit, die Zugang zu Ihren Werken hat, die Klarstellungen, Präzisierungen und Richtigstellungen bekannt zu machen, die sich aus den jüngsten, von Ihnen der Kongregation gegebenen Erklärungen ergeben. Es gilt nämlich zu beachten, daß das Buch "Jezus..." eine sehr große Leserschaft gefunden hat. Desgleichen sind Ihre Erklärungen zu maßgebenden Punkten, die weiter gehen als die Darstellung in den veröffentlichten Büchern, nicht nur für das kirchliche Lehramt von Bedeutung, sondern ebenso für Ihre Leser, die ein Recht darauf haben, über Aussagen von derartiger Tragweite informiert zu werden.

2) im Licht der katholischen Lehre die Punkte zu überprüfen, die noch immer von einer gewissen Doppeldeutigkeit belastet sind, und öffentlich Ihren Willen zu bekunden, daß Sie diesem Ersuchen nachkommen werden.

Außerdem muß man zugeben, daß das Gespräch trotz des Umfangs seines Programms die Klarstellungen nicht so weit vorantreiben konnte, wie es einerseits Ihre Betrachtungsweise der Beziehung zwischen Offenbarung und Erfahrung und andererseits die Rolle, die Sie in der Theologie einer „Handreichung“ apologetischen Typs zuschrieben, bedurft hätten. Deshalb und wegen der Zweifel, die noch immer bestehen, kann die Glaubenskongregation, die sich im gegenwärtigen Augenblick eines Urteils in dieser Sache enthält, nicht umhin, auf die Notwendigkeit einer vollkommenen Übereinstimmung mit den Prinzipien hinzuweisen, an die sich jede theologische Arbeit halten muß. Was das Verhältnis von Offenbarung und Erfahrung (mit seinen Konsequenzen für die normative Rolle der formellen Lehraussagen der Bibel und der Dokumente des Lehramtes) betrifft, so macht sie Sie vor allem auf das aufmerksam, was in der Erklärung Mysterium Ecclesiae, Nr. 5 (AAS LXV, 1973, S. 402-404), ausgeführt ist.

Ich wäre Ihnen dankbar, hochw. Herr Pater, wenn Sie mich wissen lassen wollten, welcher Weg Ihnen als der wirksamste erscheint, um die von mir hier zum Ausdruck gebrachten Ansuchen zu erfüllen. Die Kongregation ihrerseits dächte an einen Artikel, den Sie im Einvernehmen mit ihr vorbereiten, wobei Sie die diesem Brief beigefügte Dokumentation als Leitfaden benutzen. Sie ist ferner bereit, jeden anderen Weg, den Sie vorschlagen können, in Erwägung zu ziehen.

Eine Abschrift dieses Briefes senden wir an S. Em. Kardinal J. Willebrands, der diese Angelegenheit in seiner Eigenschaft als Großkanzler der Universität Nijmegen verfolgt, und eine weitere Abschrift an den hochw. Generalmeister des Dominikanerordens, Ihren Ordinarius.

In Erwartung einer günstigen Antwort Ihrerseits bitte ich Sie, hochw. Herr Pater, den Ausdruck meiner ergebenen Hochachtung entgegenzunehmen.

 

FRANJO Kardinal ŠEPER
Präfekt

 

Anlage zum Brief an Prof. P. E. Schillebeeckx

Die vorliegende Anlage soll die allgemeine Mitteilung der Kongregation, die im Begleitbrief zum Ausdruck gebracht ist, verdeutlichen. Die in ihr enthaltenen Bemerkungen gründen sich im wesentlichen auf den Bericht über das Gespräch vom 13. bis 15. Dezember 1979 (= Gespräch) und auf die schriftliche Antwort von Prof. Schillebeeckx vom 13. April 1977 auf die Fragen, welche ihm, gleichfalls schriftlich, die Kongregation vorgelegt hatte (= Brief).

I. Von Prof. Schillebeeckx erbrachte Klärung, Präzisierungen und Richtigstellungen

A. Klärung dogmatischer Natur

Vorbemerkung

Der Verfasser beabsichtigt nicht, eine vollständige Christologie vorzulegen, sondern möchte mit Hilfe der Ergebnisse der historisch-kritischen Exegese die Menschen, die sich am Rande der Kirche und des Glaubens befinden, an die Person Jesu heranführen. Seine Arbeit will eine apologetische "Handreichung" im Sinn der Fundamentaltheologie sein (Gespräch, 4).

1) Prof. Schillebeeckx hat „zugegeben“, daß „der Theologe, wenn er sich mit einer exegetischen oder historischen Forschung beschäftigt, sich nicht ernsthaft mit dem Gedanken tragen kann, die Glaubenssätze der katholischen Kirche aufgeben zu müssen“, besonders „das, was von den ökumenischen Konzilien und den unfehlbaren Erklärungen der Päpste definiert wurde“, und daß „der dogmatische Theologe bei seinen tatsächlichen Urteilen über die Realität der Dinge als oberste Richtschnur für sein Denken nicht seine eigene Auffassung vom geschichtlichen Jesus, sondern das Denken der Kirche über Jesus annehmen muß“ (Gespräch, 4-5). Die gesamte Interpretation muß sich demzufolge darum bemühen, eine getreue und homogene Wiedergabe der Glaubensformeln zu sein, die „für immer wahr bleiben“ (Gespräch, 3).

2) Anders als in seinen Büchern und besonders im Epilog von Tussentijds verhaal over twee Jezus boeken ist er der ausdrücklichen Anerkennung der Gottheit Jesu in den Begriffen der Kirche nicht mehr ausgewichen (Gespräch, 5 Ende, 6 Ende). Er hat die Präexistenz der göttlichen Person des Sohnes anerkannt (Gespräch, 6; Brief, 5, 2. Abschn., Z. 4) sowie eine „hypostatische Identifikation“ des Sohnes Gottes mit „der Art des personalen Menschseins“ Jesu.

3) Er hat erklärt, daß in der Beziehung Jesu zum Vater für ihn das Bewußtsein, der eingeborene Sohn zu sein, impliziert ist, und das auch, obwohl Jesus selbst den Ausdruck „der Sohn“ nicht gebraucht hat (Gespräch, 10), und daß die ausdrückliche Gleichsetzung des Reiches Gottes und Jesu eine legitime Erläuterung des Bewußtseins ist, das Jesus von sich selbst hatte und das in der alten Überlieferung Q nachzuweisen ist (Brief, 16).

4) Er hat erklärt, daß er „auf Grund des Lehramtes der Kirche, das sich zu diesem Punkt geäußert hat“, an die Geburt Jesu aus der Jungfrau „glaube“ (Gespräch, 14).

5) Er hat anerkannt, daß „das Opfer Jesu Sühneopfer für unsere Sünden ist“ (Gespräch, 8).

6) Er hat erklärt, daß es „für ihn klar ist, daß Jesus die Kirche gründen wollte“ (Auserwählung der Zwölf als Vertreter der zwölf Stämme Israels – Gespräch, 11).

B. Präzisierung über die Tragweite mancher Formulierungen und Gedankengänge

1) Was das Geheimnis der Inkarnation betrifft:

- der Ausdruck „hypostatische Identifikation“ des Wortes und der Menschheit Jesu, ein Ausdruck, den der Verfasser, wie er erklärt, dem Begriff von der hypostatischen Union vorzieht (Jezus..., S. 543, Z. 7), schließt für ihn die Tatsache der hypostatischen Union nicht aus (Gespräch, S. 7, Z. 11: „ich erkenne die hypostatische Union an“); der Verfasser sagte, er sei überzeugt, deren Sinn wirklich zu treffen (Brief, S, 14, Z. 8: „meines Erachtens ist da die hypostatische Union in ihrer reinen Form vorhanden“) und mit dem Konzil von Chalkedon übereinzustimmen, wenn es von „unus et idem“ spricht, der zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch ist.

- der Ausdruck „Art des personalen Menschseins" oder „personalistische menschliche Natur" oder auch: „Jesus ist ,menschlich Person“ bedeutet für ihn nicht, daß der Mensch Jesus eine menschliche Person hat (Gespräch, 7, Z. 6-9), er will lediglich Jesus im Vollbesitz seines Menschseins als „verus homo“, als wahrer Mensch, hervorheben (Gespräch, 7, Z. 14 und 16). Als dogmatischer Theologe behauptet er niemals, daß Jesus eine menschliche Person sei (Gespräch, S. 6, die zwei letzten Zeilen – besser gesagt im Brief, S. 13, Z. 11, 30-31, usw.).

2) Was die Einsetzung der Eucharistie betrifft, hat er präzisiert, daß „die Texte der Einsetzung (der Eucharistie), wie wir sie in den liturgischen Formeln lesen, eine historische Anamnese dessen“ sind, „was sich beim letzten Abendmahl ereignet hat“, daß „der Ursprung dieser (sakramentalen) Worte und der ganzen Eucharistie im letzten Abendmahl und in dem liegt, was Jesus beim letzten Abendmahl gesagt und getan hat“ (Gespräch, 12).

C. Richtigstellungen und Berichtigungen des Verfassers.

Der Verfasser hat erklärt, daß die folgenden Richtigstellungen sich ihm zum Teil durch die Vertiefung seiner Forschung, zum Teil durch das Bewußtwerden der Tatsache aufgedrängt haben, daß manche seiner Begriffe nicht „glücklich“ waren und zu Mißverständnissen Anlaß gaben.

Diese Richtigstellungen betreffen folgende Aussagen:

1) „Die Ehrentitel ,Sohn Gottes und ,der Sohn ... sind ... christliche Identifikationen des Jesus von Nazaret (formuliert) nach seinem Tod. Jesus selbst hat sich niemals als ,der Sohn oder ,der Sohn Gottes bezeichnet; kein synoptischer Text (verstanden, wohlgemerkt, im Sinne der Kritik) geht in diese Richtung“ (Jezus..., S. 211).

- Richtigstellung: „ein etwas zu apodiktischer Satz; gemildert in Gerechtigheid...“ (Gespräch, 10).

2) In Markus 14, 25 (Einsetzungsbericht) „erkennt man eine nach-österliche, durch die Kirche erfolgte Prägung, und zwar in der zweiten Hälfte des Verses: bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes“ (Jezus..., S. 253).

- Richtigstellung: „die Formulierung ist unglücklich; dasjenige, welches sekundär ist, das ist die Verbindung der beiden Teile des Herrenwortes; ich betrachte beide Teile als ,ipsissima verba, als tatsächliche Worte des Herrn; vgl. Tussentijds...“ (Gespräch, 12-13).

3) „In Jezus...“ (S. 284) „stellte ich nicht genügend den Zusammenhang her zwischen dem leeren Grab und der Auferstehung. Ich habe in der Folge erkannt, daß dieser Zusammenhang für die Autoren des Neuen Testaments enger war, als ich ursprünglich angenommen hatte. So verstanden, kann die Entdeckung des leeren Grabes ein vermittelndes Zeichen für den Glauben sein. (In diesem Punkt gibt es eine Entwicklung meines Denkens von Jezus ... zu Tussentijds)“ (Gespräch, 15).

4) „Die ‚Gemeinde Q kennt keine Erscheinungen.“

- Richtigstellung: „Dieser Teil ist übrigens der hypothetischste meines Buches. Obgleich ich ihn als ernst betrachte, weiß ich durchaus um die Zweifel, die hinsichtlich dieser ‚Gemeinde Q bestehen. Ich möchte damit nur zum Ausdruck bringen, daß der Auferstehungsglaube der Gemeinde nicht einzig und allein auf dem Zeichen des leeren Grabes und der Erscheinungen beruht“ (Gespräch, 16).

5) Auch wenn das, was der Verfasser in dem Gespräch zum Thema Erscheinungen sagt, nicht ganz zufriedenstellend ist (vgl. unten II, 3), findet man doch im Brief (S. 17) eine Präzisierung und zugleich eine Berichtigung von einiger Bedeutung. Bei der Deutung des Ursprungs der Aussagen über die Erscheinungen gebraucht P. Schillebeeckx den Begriff der „metanoia“ (Umkehr). Diese Art des Vorgehens bringt die Gefahr mit sich, den qualitativen Unterschied zwischen den Erscheinungen, die Jesus seinen Jüngern zuteil werden ließ, und einer „Erfahrung der Umkehr“ als solcher, nicht ausreichend genug zu beachten. In diesem Zusammenhang ist die folgende Feststellung von Bedeutung: „Vielleicht gibt meine Verwendung des Wortes "Umkehr" in einem sowohl moralischen wie vor allem christologischen Sinn Anlaß zur Doppeldeutigkeit. Für mich ist jedenfalls in dieser Terminologie von der "Umkehr" die Christuserscheinung ebenso wesentlich, wie sie es im Begriff der Erscheinung ist: mit Augen geschaut (oophtè). Es ist der lebendige Christus, der Auferstandene, der die Augen öffnet.“

II. Grenzen der erzielten Ergebnisse und Mehrdeutigkeiten, die bestehen bleiben

1) Die Antwort auf die Frage über die jungfräuliche Empfängnis Jesu Christi ist formal gesehen korrekt, erweist sich aber in ihrem Wert und ihrer Bedeutung als sehr begrenzt, wenn der Verfasser erklärt: „Ich glaube das auf Grund des Lehramtes“ (Gespräch, 14).

2) Zu einigen wichtigen Punkten (vgl. weiter oben, S. 1) räumt der Verfasser ein, dass der Glaube der Kirche für ihn als dogmatischen Theologen oder auch für die dogmatische Theologie verpflichtende Kraft besitzt. Aber sehr oft klingen die Behauptungen, die seine Werke enthalten, so, als beschränke sich diese Gültigkeit auf den dogmatischen Theologen im strikten Sinne. Eine solche Begründung des Glaubens gilt hingegen für alle Disziplinen der katholischen Theologie, auch wenn sie mit zum Teil verschiedenen Methoden arbeiten.

3) Die im Gespräch gemachten Aussagen zum Thema der bestehenden Beziehung zwischen Auferstehung und Erscheinungen sind nicht ganz zufriedenstellend (Gespräch, 16-18). Das gilt nicht nur für einige Hypothesen, die in der Erklärung des historischen Ursprungs des Osterglaubens gebraucht wurden (Gespräch, 16), sondern auch – und darauf bezieht sich vor allem das Urteil der Glaubenskongregation – für einige zentrale Äußerungen zu diesem Thema, wie z.B: „Doch die Erscheinungen als solche sind nicht der formale Grund unseres Glaubens an die Auferstehung“ (Gespräch, 16). Eine solche Behauptung ist keine Antwort auf die Schwierigkeit, die in dem Gespräch aufgetaucht war, und somit bleibt die Doppeldeutigkeit bestehen (vgl. jedoch das oben angeführte Zitat aus dem Brief).

4) Die systematische und wiederholte Ablehnung des Wortes Anhypostasie (vgl. Jezus... 534, Z. 31 ff.; 538, Z. 5; 540, Z. 3; 545, Z. 8; Gespräch 7, Z. 11: „Ich ziehe es vor, die im Neochalkedonismus enthaltene Anhypostasis zu vermeiden“) wird ständige Quelle von Doppeldeutigkeiten sein. Man weiß, daß der Verfasser „(dadurch) nur in Abrede stellen will, daß die Menschlichkeit Jesu eine menschliche Lücke aufweise (Brief, S. 13, letzte Zeile)“, aber das Wort „Hypostase“ ist nicht das Wort „Person“, es hat für uns heute nicht den Sinn von geistlicher Natur, sondern den von verschiedener und unabhängiger Realität in der Existenz. Ablehnung der Anhypostasie beschränkt sich infolgedessen nicht darauf, jede Lücke des Menschseins Jesu zu bestreiten, sondern hat die Tendenz, in ihr eine deutlich unterschiedene und unabhängige Wirklichkeit in der Existenz sichtbar zu machen und zu der Vorstellung von dem „undenkbaren Gegenüber“ zwischen dem Menschen Jesus und dem Sohn Gottes“ zu führen, das Schillebeeckx selbst beseitigen will (Jezus, S. 543, Z. 13). Der Leser wird hin- und hergeworfen von dem zweifachen Sinn: menschliche Person – nicht menschliche Person.

 

FRANJO Kardinal ŠEPER
Präfekt

 

* L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 28, 10. Juli 1981, Seite 4 (AAS 77 [1985], 994-997).

 

 

   

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