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Kongregation für die Glaubenslehre
Notifikation
über die Schriften und Aktivitäten
von Frau Vassula Ryden
Viele Bischöfe, Priester, Ordensmänner, Ordensfrauen und Laien wenden sich an
diese Kongregation mit der Bitte um ein maßgebendes Urteil über die Tätigkeit
der in der Schweiz ansässigen griechisch-orthodoxen Frau Vassula Ryden, die
weltweit in katholischen Gebieten ihre Worte und ihre Schriften als angeblich
vom Himmel offenbarte Botschaften verbreitet.
Eine von dieser Kongregation vorgenommene aufmerksame und objektive Untersuchung
in der Absicht, »die Geister zu prüfen, ob sie aus Gott sind« (vgl. 1 Joh 4,1),
hat – neben positiven Aspekten – ein Gesamtbild von wesentlichen Elementen
gezeigt, die im Licht der katholischen Lehre als negativ betrachtet werden
müssen.
Abgesehen davon, daß der verdächtige Charakter der Art und Weise, mit der diese
angeblichen Offenbarungen geschehen, im Auge zu halten ist, ist es geboten, auch
einige in ihnen enthaltene doktrinäre Irrtümer hervorzuheben.
Unter anderem wird in zweideutiger Ausdrucksweise von den Personen der
Heiligsten Dreifaltigkeit gesprochen. Das geht so weit, daß die kennzeichnenden
Namen und Funktionen der göttlichen Personen verwechselt werden. In diesen
angeblichen Offenbarungen wird eine drohende Periode der Vorherrschaft des
Antichristen innerhalb der Kirche angekündigt. In chiliastischer Weise wird ein
entscheidendes und glorreiches Eingreifen Gottes prophezeit, der im Begriff sei,
auf Erden noch vor der endgültigen Ankunft Christi ein Zeitalter des Friedens
und des allgemeinen Wohlergehens zu errichten. Im übrigen wird in nächster
Zukunft eine Kirche erwartet, die eine Art pan-christliche Gemeinschaft wäre im
Gegensatz zur katholischen Lehre.
Die Tatsache, daß in den späteren Schriften der Ryden die obengenannten Irrtümer
nicht mehr erscheinen, ist ein Zeichen dafür, daß es sich bei den angeblichen
»himmlischen Botschaften« nur um die Frucht privater Meditationen handelt.
Im übrigen ruft Frau Ryden, die gewöhnlich an den Sakramenten der katholischen
Kirche teilnimmt, obschon sie griechisch-orthodox ist, mancherorts in
katholischer Umgebung nicht wenig Verwunderung hervor. Sie scheint sich über
jede kirchliche Jurisdiktion und jede kirchenrechtliche Regelung zu stellen und
verursacht faktisch eine ökumenische Unordnung, die bei nicht wenigen
Autoritäten, Geistlichen und Gläubigen ihrer eigenen Kirche Mißfallen
hervorruft, da sie sich außerhalb der Disziplin dieser Kirche stellt.
In Anbetracht dessen, daß, trotz einiger positiver Aspekte, die Aktivitäten von
Vassula Ryden sich negativ auswirken, ersucht diese Kongregation, daß die
Bischöfe einschreiten, ihre Gläubigen angemessen informieren und in ihren
Diözesen keine Ausbreitung der Ryden´schen Ideen gestatten. Sie fordert
schließlich alle Gläubigen auf, die Schriften und die Interventionen von Frau
Vassula Ryden nicht als übernatürlich zu betrachten und den Glauben, den der
Herr der Kirche anvertraut hat, rein zu bewahren.
Aus der Vatikanstadt, den 6. Oktober 1995.
+ Joseph Kardinal Ratzinger
Präfekt
+ Tarcisio Bertone, S.D.B.
em. Erzbischof von Vercelli
Sekretär
[L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 1995, Nr. 44,
S. 4]. |