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KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE
DIE BOTSCHAFT VON FATIMA
EINFÜHRUNG
Am Übergang vom zweiten zum dritten Jahrtausend hat Papst Johannes Paul
II. entschieden, den Wortlaut des dritten Teils des "Geheimnisses von
Fatima" zu veröffentlichen.
Nach den aufregenden und grausamen Ereignissen des zwanzigsten
Jahrhunderts, das zu den kritischsten der Menschheitsgeschichte zählt und im
blutigen Attentat gegen den "milden Christus auf Erden" gipfelte,
wird nunmehr über einer Wirklichkeit ein Vorhang aufgetan, der Geschichte
macht und diese Wirklichkeit auf tiefsinnige Weise in einem geistlichen
Horizont deutet, für den die heutige Geisteshaltung, die oft das
Wasserzeichen des Rationalismus trägt, keinen Sinn hat.
Erscheinungen und übernatürliche Zeichen unterbrechen die Geschichte. Sie
treten auf lebendige Weise in die menschlichen Fährnisse ein und begleiten
den Weg der Welt, wobei sie Gläubige und Ungläubige überraschen. Diese
Kundgaben, die dem Inhalt des Glaubens nicht widersprechen können, müssen
auf den zentralen Gegenstand der Verkündigung Christi zulaufen: die Liebe des
Vaters, der die Menschen zur Umkehr bewegt und die Gnade schenkt, sich in
kindlicher Ergebenheit ihm zu überlassen. Das ist auch die Botschaft von
Fatima, die mit ihrem bekümmerten Ruf zu Umkehr und Buße tatsächlich zum
Herzen des Menschen vordringt.
Fatima ist unter den modernen Erscheinungen zweifellos die prophetischste.
Der erste und der zweite Teil des "Geheimnisses", die der Reihe nach
zur Vervollständigung der Dokumentation veröffentlicht werden, beziehen sich
vor allem auf die schreckliche Vision von der Hölle, die Verehrung des
Unbefleckten Herzens Mariens, den Zweiten Weltkrieg und sodann auf die
Vorhersage der ungeheuren Schäden, die das vom christlichen Glauben
abgefallene und dafür dem kommunistischen Totalitarismus verfallene Rußland
der Menschheit zufügen würde.
Keiner hätte sich das alles im Jahre 1917 vorstellen können: Die drei Hirtenkinder
von Fatima schauen, hören und bewahren es im Gedächtnis auf, und Lucia, die
Zeugin, die überlebt hat, schreibt es nieder in dem Augenblick, als sie vom
Bischof von Leiria den Auftrag und von Unserer Lieben Frau die Erlaubnis
erhält.
Im Hinblick auf die Beschreibung der beiden ersten Teile des
"Geheimnisses", das übrigens schon veröffentlicht und daher
bekannt ist, wurde der Text gewählt, den Schwester Lucia in der dritten
Erinnerung am 31. August 1941 niedergeschrieben hat; in der vierten Erinnerung
vom 8. Dezember 1941 werden dann einige Bemerkungen angefügt.
Der dritte Teil des "Geheimnisses" wurde "auf Anweisung
Seiner Exzellenz, des Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Leiria, und der
Allerheiligsten Mutter ..." am 3. Januar 1944 niedergeschrieben.
Es gibt nur eine einzige Handschrift, die hier fotostatisch wiedergegeben
wird. Der versiegelte Umschlag wurde zunächst vom Bischof von Leiria
aufbewahrt. Um das "Geheimnis" besser zu schützen, wurde der
Umschlag am 4. April 1957 dem Geheimarchiv des Heiligen Offiziums übergeben.
Schwester Lucia wurde davon vom Bischof von Leiria in Kenntnis gesetzt.
Archivnotizen zufolge hat am 17. August 1959, mit Einverständnis seiner
Eminenz des Hochwürdigsten Herrn Kardinal Alfredo Ottaviani, der Kommissar
des Heiligen Offiziums Pater Pierre Paul Philippe O.P. den Umschlag, der den
dritten Teil des "Geheimnisses von Fatima" enthält, Papst Johannes
XXIII. überbracht. Seine Heiligkeit sagte "nach einigem Zögern":
"Laßt uns warten. Ich werde beten. Ich werde wissen lassen, was ich
entschieden habe".(1)
Tatsächlich hat Papst Johannes XXIII. entschieden, den versiegelten
Umschlag an das Heilige Offizium zurückzuschicken und den dritten Teil des
"Geheimnisses" nicht zu offenbaren.
Paul VI. hat den Inhalt gemeinsam mit dem Substituten Seiner Exzellenz
Msgr. Angelo Dell'Acqua am 27. März 1965 gelesen und den Umschlag an das
Archiv des Heiligen Offiziums mit der Entscheidung zurückgesandt, den Text
nicht zu veröffentlichen.
Johannes Paul II. hat seinerseits den Umschlag mit dem dritten Teil des
"Geheimnisses" nach dem Attentat vom 13. Mai 1981 erbeten. Seine
Eminenz der Kardinalpräfekt der Kongregation Franjo Seper übergab am 18.
Juli 1981 an Seine Exzellenz Msgr. Eduardo Martinez Somalo, den Substituten
des Staatssekretariats, zwei Umschläge: - einen weißen mit dem Originaltext
von Schwester Lucia auf portugiesisch; - einen weiteren orangefarbenen mit der
Übersetzung des "Geheimnisses" auf italienisch. Am darauffolgenden
11. August hat Msgr. Martinez die beiden Umschläge dem Archiv des Heiligen
Offiziums zurückgegeben.(2)
Wie bekannt ist, hat Papst Johannes Paul II. sofort daran gedacht, die Welt
dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen. Er selbst hat ein Gebet verfaßt
für diesen von ihm so genannten "Vertrauensakt", der in der
Basilika Santa Maria Maggiore am 7. Juni, dem Hohen Pfingstfest 1981, gefeiert
werden sollte. Diesen Tag hatte man gewählt, um 1600 Jahre nach dem ersten
Konzil von Konstantinopel und 1550 Jahre nach dem Konzil von Ephesus zu
gedenken. Da der Papst gezwungenermaßen abwesend war, wurde seine
aufgezeichnete Ansprache übertragen. Wir geben den Text wieder, der sich
genau auf den Vertrauensakt bezieht:
"O Mutter der Menschen und der Völker, Du kennst all
ihre Leiden und Hoffnungen, Du fühlst mit mütterlicher Anteilnahme alles
Kämpfen zwischen Gut und Böse, zwischen dem Licht und der Dunkelheit, von
der die Welt befallen ist - erhöre unseren Ruf, den wir im Heiligen Geist
unmittelbar an Dein Herz richten. Umfange mit der Liebe der Mutter und der
Magd des Herrn jene, die diese liebende Zuneigung am meisten ersehnen, und
zugleich auch diejenigen, auf deren Vertrauen Du besonders wartest!
Nimm die ganze Menschheitsfamilie, die wir mit liebender Hingabe Dir, o
Mutter, anvertrauen, unter Deinen mütterlichen Schutz. Mögen allen Menschen
Zeiten des Friedens und der Freiheit, Zeiten der Wahrheit, der Gerechtigkeit
und der Hoffnung beschieden sein!"(3)
Doch der Heilige Vater wollte noch vollkommener auf die Bitten
"Unserer Lieben Frau" antworten. So hat er während des Heiligen
Jahres der Erlösung den Vertrauensakt vom 7. Juni 1981 entfaltet und in
Fatima am 13. Mai 1982 wiederholt. Eindenk des "Fiat", das Maria im
Augenblick der Verkündigung gesprochen hat, vertraut der Papst am 25. März
1984 auf dem Petersplatz in geistlicher Einheit mit den zuvor
"zusammengerufenen" Bischöfen der Welt dem Unbefleckten Herzen
Mariens die Menschen und Völker an. Er tut dies mit Anspielungen, die an die
von Kummer gezeichneten und im Jahre 1981 gesprochenen Worte erinnern:
"Darum, o Mutter der Menschen und Völker, die du alle ihre
Leiden und Hoffnungen kennst und mit mütterlichem Herzen an allen Kämpfen
zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Finsternis Anteil nimmst, die
unsere heutige Welt erschüttern, höre unser Rufen, das wir unter dem Antrieb
des Heiligen Geistes direkt an dein Herz richten; umfange mit deiner Liebe
als Mutter und Magd des Herrn diese unsere Welt, die wir dir anvertrauen und
weihen, erfüllt von der Sorge um das irdische und ewige Heil der Menschen und
Völker.
In besonderer Weise überantworten und weihen wir dir jene Menschen und Nationen,
die dieser Überantwortung und Weihe besonders bedürfen.
"Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige
Gottesmutter"! Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten!"
Dann fährt der Papst mit stärkerem Nachdruck fort und mit konkreten
Anspielungen, als wolle er gleichsam kommentieren, in welch trauriger Weise
sich die Botschaft von Fatima bewahrheitet hat:
"Vor dir, o Mutter Christi, vor deinem Unbefleckten Herzen, möchten
wir uns heute zusammen mit der ganzen Kirche mit jener Weihe vereinen, durch
die dein Sohn aus Liebe zu uns sich selber dem Vater geweiht hat, indem er
sprach: "Ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit
geheiligt sind" (Joh 17,19). Wir wollen uns in dieser Weihe für
die Welt und für die Menschen mit unserem Erlöser verbinden; in seinem
göttlichen Herzen findet eine solche Weihe die Kraft, Verzeihung zu erlangen
und Sühne zu leisten.
Die Kraft dieser Weihe dauert durch alle Zeiten und umfängt alle
Menschen, Völker, Nationen; sie überwindet alles Böse, welches der Fürst
der Finsternis im Herzen des Menschen und in seiner Geschichte zu wecken
vermag und in unseren Zeiten auch tatsächlich geweckt hat.
Wie tief empfinden wir das Bedürfnis nach dieser Weihe für die Menschheit
und für die Welt, für unsere heutige Welt: der Weihe, die wir in Einheit mit
Christus vollziehen. Das Erlösungswerk Christi muß ja durch die Kirche an
die Welt vermittelt werden.
Das zeigt das gegenwärtige Jahr der Erlösung, das außerordentliche
Jubiläum der ganzen Kirche.
Sei in diesem Heiligen Jahr gepriesen über alle Geschöpfe, du Magd
des Herrn, die du dem göttlichen Ruf in vollkommenster Weise gefolgt bist.
Sei gegrüßt, die du mit der erlösenden Weihe deines Sohnes auf das
engste verbunden bist!
Mutter der Kirche! Erleuchte das Volk Gottes auf den Wegen des Glaubens,
der Hoffnung und der Liebe! Erleuchte besonders die Völker, deren Weihe und
Überantwortung du von uns erwartest. Hilf uns, die Weihe Christi für die
gesamte Menschheitsfamilie der heutigen Welt in ganzer Wahrheit zu leben!
Wenn wir dir, o Mutter, die Welt, alle Menschen und Völker anvertrauen, so
vertrauen wir dir dabei auch diese Weihe der Welt an und legen
sie in dein mütterliches Herz.
O Unbeflecktes Herz, hilf uns, die Gefahr des Bösen zu überwinden, das so
leicht in den Herzen der heutigen Menschen Wurzel faßt und dessen
unermeßliche Auswirkungen über dem heutigen Leben lasten und den Weg in die
Zukunft zu versperren scheinen.
Von Hunger und Krieg: befreie uns!
Von Atomkrieg, unkontrollierter Selbstzerstörung und jeder Art des
Krieges: befreie uns!
Von den Sünden gegen das Leben des Menschen von seinen Anfängen an: befreie
uns!
Vom Haß und von der Mißachtung der Würde der Kinder Gottes: befreie
uns!
Von jeder Ungerechtigkeit im sozialen, nationalen und internationalen
Leben: befreie uns!
Von leichtfertiger Übertretung der Gebote Gottes: befreie uns!
Vom Versuch, in den Herzen der Menschen sogar die Wahrheit von Gott zu
ersticken: befreie uns!
Vom Verlust des Bewußtseins von Gut und Böse: befreie uns!
Von den Sünden gegen den Heiligen Geist: befreie uns, befreie uns!
Höre, Mutter Christi, diesen Hilfeschrei, in welchem das Leid aller
Menschen zu dir ruft, das Leid ganzer Völker!
Hilf uns mit der Kraft des Heiligen Geistes, alle Sünde zu besiegen: die
Sünde des Menschen und die "Sünde der Welt", die Sünde in
jeglicher Form.
Noch einmal zeige sich in der Geschichte der Welt die unermeßliche
Heilskraft der Erlösung: die Macht der erbarmenden Liebe! Möge sie
dem Bösen Einhalt gebieten! Möge sie die Gewissen wandeln! In deinem
Unbefleckten Herzen offenbare sich allen das Licht der Hoffnung!".(4)
Schwester Lucia bestätigte persönlich, daß dieser feierliche und
universale Weiheakt dem entsprach, was Unsere Liebe Frau wollte ("Sim,
està feita, tal como Nossa Senhora a pediu, desde o dia 25 de Março de 1984":
"Ja, es ist so geschehen, wie es Unsere Liebe Frau am 25. März 1984
erbeten hatte": Brief vom 8. November 1989). Jede Diskussion und
jegliches weiteres Bittgesuch haben daher kein Fundament.
In der dargebotenen Dokumentation werden den Handschriften von Schwester
Lucia vier weitere Texte beigefügt: 1) der Brief des Heiligen Vaters an
Schwester Lucia vom 19. April 2000; 2) eine Beschreibung des Gesprächs mit
Schwester Lucia vom 27. April 2000; 3) die Mitteilung, die Seine Eminenz
Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano im Auftrag des Heiligen Vaters am 13.
Mai des Jahres in Fatima verlesen hat; 4) der theologische Kommentar Seiner
Eminenz des Präfekten der Glaubenskongregation Joseph Kardinal Ratzinger.
Einen Hinweis für die Deutung des dritten Teils des
"Geheimnisses" hatte schon Schwester Lucia gegeben, als sie am 12.
Mai 1982 in einem Brief an den Heiligen Vater schrieb:
"Der dritte Teil des Geheimnisses bezieht sich auf die Worte
Unserer Lieben Frau: "Wenn nicht, dann wird es [Rußland] seine Irrlehren
über die Welt verbreiten, wird Kriege und Verfolgungen der Kirche
heraufbeschwören, die Guten werden gemartert werden und der Heilige Vater
wird viel zu leiden haben. Verschiedene Nationen werden vernichtet
werden" (13-VII-1917).
Der dritte Teil des Geheimnisses ist eine symbolische Offenbarung, die
sich auf diesen Teil der Botschaft bezieht und von der Tatsache abhängig ist,
ob wir das annehmen oder nicht, was die Botschaft von uns verlangt: "Wenn
man auf meine Wünsche hört, wird Rußland sich bekehren, und es wird Friede
sein; wenn nicht, dann wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten,
usw".
Von dem Augenblick an, da wir dem Ruf der Botschaft nicht Rechnung
trugen, stellen wir fest, daß die Botschaft sich bewahrheitet hat, daß
Rußland die Welt mit seinen Irrlehren eingenommen hat. Und wenn wir die
vollständige Erfüllung des Endes dieser Prophezeiung noch nicht feststellen,
dann sehen wir, daß wir allmählich mit weiten Schritten darauf zusteuern.
Wenn wir nicht den Weg der Sünde, des Hasses, der Rache, der Ungerechtigkeit,
der Verletzung der menschlichen Person, des unmoralischen Verhaltens und der
Gewalt usw. verlassen.
Und sagen wir nicht, daß Gott es ist, der uns so straft; im Gegenteil:
Es sind die Menschen, die sich selbst die Strafe bereiten. Gott gibt uns das
in seiner Fürsorge kund und ruft auf den guten Weg. Dabei achtet er die
Freiheit, die er uns gegeben hat. Deshalb sind die Menschen
verantwortlich".(5)
Die Entscheidung des Heiligen Vaters Papst Johannes Paul II., den dritten
Teil des "Geheimnisses" von Fatima zu veröffentlichen, beschließt
einen Zeitabschnitt, der davon gezeichnet ist, daß sich menschliches Wollen
auf tragische Weise mit Gewalt und Bosheit verbinden kann. Gleichzeitig ist
diese Zeit aber auch durchdrungen von der barmherzigen Liebe Gottes und von
der Sorge, mit der die Mutter Jesu und die Mutter der Kirche wacht.
Das Wirken Gottes, des Herrn der Geschichte, und die Mitverantwortung des
Menschen in seiner dramatischen und fruchtbaren Freiheit sind die beiden
Stützen, auf denen die Geschichte der Menschheit gebaut ist.
Die Madonna, die in Fatima erschienen ist, ruft uns diese vergessenen Werte
ins Gedächtnis. Sie erinnert uns, daß die Zukunft des Menschen in Gott
liegt. Dabei kommt uns eine aktive und verantwortungsvolle Rolle zu.
+ TARCISIO BERTONE, SDB Emeritierter Erzbischof
von Vercelli Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre
DAS "GEHEIMNIS" VON FATIMA
ERSTER UND ZWEITER TEIL DES
"GEHEIMNISSES", WIE ES SCHWESTER LUCIA IN
DER "DRITTEN ERINNERUNG" AM 31. AUGUST 1941 AUFGEZEICHNET UND
FÜR DEN BISCHOF VON LEIRIA-FATIMA BESTIMMT HAT
(Originaltext)


(Übersetzung)(6)
Ich werde daher etwas über das Geheimnis sagen und die erste Frage
beantworten müssen.
Welches ist das Geheimnis? Ich glaube, ich kann es sagen, da ich doch die
Erlaubnis vom Himmel dazu habe. Die Vertreter Gottes auf Erden haben mich
verschiedentlich und in mehreren Briefen dazu ermächtigt. Ich glaube, daß
Eure Exzellenz einen davon aufbewahrt. Er stammt von P. Jose Bernardo
Gonçalves, und er trug mir darin auf, an den Heiligen Vater zu schreiben. Ein
Punkt in diesem Schreiben bezieht sich auf die Offenbarung des Geheimnisses.
Etwas habe ich bereits gesagt. Aber um dieses Schreiben, das kurz sein sollte,
nicht zu lang werden zu lassen, habe ich mich auf das Nötigste beschränkt
und überließ es Gott, mir eine günstigere Gelegenheit dafür zu geben.
Im zweiten Schreiben habe ich bereits den Zweifel geschildert, der mich vom
13. Juni bis 13. Juli quälte und der bei dieser Erscheinung völlig
verschwand.
Nun gut! Das Geheimnis besteht aus drei verschiedenen Teilen, von denen ich
zwei jetzt offenbaren will. Der erste Teil war die Vision der Hölle.
Unsere Liebe Frau zeigte uns ein großes Feuermeer, das in der Tiefe der
Erde zu sein schien. Eingetaucht in dieses Feuer sahen wir die Teufel und die
Seelen, als seien es durchsichtige schwarze oder braune, glühende Kohlen in
menschlicher Gestalt. Sie trieben im Feuer dahin, emporgeworfen von den
Flammen, die aus ihnen selber zusammen mit Rauchwolken hervorbrachen. Sie
fielen nach allen Richtungen, wie Funken bei gewaltigen Bränden, ohne Schwere
und Gleichgewicht, unter Schmerzensgeheul und Verzweiflungsschreie, die einen
vor Entsetzen erbeben und erstarren ließen. Die Teufel waren gezeichnet durch
eine schreckliche und grauenvolle Gestalt von scheußlichen, unbekannten
Tieren, aber auch sie waren durchsichtig und schwarz.
Diese Vision dauerte nur einen Augenblick. Dank sei unserer himmlische
Mutter, die uns vorher versprochen hatte, uns in den Himmel zu führen (in der
ersten Erscheinung). Wäre das nicht so gewesen, dann glaube ich, wären wir
vor Schrecken und Entsetzen gestorben.
Wir erhoben den Blick zu Unserer Lieben Frau, die voll Güte und
Traurigkeit sprach:
- Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder
kommen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu meinem
Unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele
Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein. Der Krieg wird ein Ende
nehmen. Wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem
Pontifikat von Papst Pius XII. ein anderer, schlimmerer beginnen. Wenn ihr
eine Nacht von einem unbekannten Licht erhellt seht, dann wißt, daß dies das
große Zeichen ist, daß Gott euch gibt, daß Er die Welt für ihre Missetaten
durch Krieg, Hungersnot, Verfolgungen der Kirche und des Heiligen Vaters
bestrafen wird. Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Rußlands
an mein unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des
Monats zu verlangen. Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Rußland sich
bekehren und es wird Friede sein. Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über
die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören.
Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden
haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden, am Ende aber wird mein
Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Rußland weihen,
das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt
werden.(7)
DRITTER TEIL DES "GEHEIMNISSES" (Originaltext)




(Übersetzung)(8)
"J.M.J.
Der dritte Teil des Geheimnisses, das am 13. Juli 1917 in der Cova da Iria,
Fatima, offenbart wurde.
Ich schreibe aus Gehorsam gegenüber Euch, meinem Gott, der es mir
aufträgt, durch seine Exzellenz, den Hochwürdigsten Herrn Bischof von
Leiria, und durch Eure und meine allerheiligste Mutter.
Nach den zwei Teilen, die ich schon dargestellt habe, haben wir links von
Unserer Lieben Frau etwas oberhalb einen Engel gesehen, der ein Feuerschwert
in der linken Hand hielt; es sprühte Funken, und Flammen gingen von ihm aus,
als sollten sie die Welt anzünden; doch die Flammen verlöschten, als sie mit
dem Glanz in Berührung kamen, den Unsere Liebe Frau von ihrer rechten Hand
auf ihn ausströmte: den Engel, der mit der rechten Hand auf die Erde zeigte
und mit lauter Stimme rief: Buße, Buße, Buße! Und wir sahen in einem
ungeheuren Licht, das Gott ist: "etwas, das aussieht wie Personen in
einem Spiegel, wenn sie davor vorübergehen" einen in Weiß gekleideten
Bischof "wir hatten die Ahnung, daß es der Heilige Vater war".
Verschiedene andere Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen einen
steilen Berg hinaufsteigen, auf dessen Gipfel sich ein großes Kreuz befand
aus rohen Stämmen wie aus Korkeiche mit Rinde. Bevor er dort ankam, ging der
Heilige Vater durch eine große Stadt, die halb zerstört war und halb
zitternd mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge gedrückt, betete er
für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete. Am Berg
angekommen, kniete er zu Füßen des großen Kreuzes nieder. Da wurde er von
einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn
schossen. Genauso starben nach und nach die Bischöfe, Priester, Ordensleute
und verschiedene weltliche Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher
Klassen und Positionen. Unter den beiden Armen des Kreuzes waren zwei Engel,
ein jeder hatte eine Gießkanne aus Kristall in der Hand. Darin sammelten sie
das Blut der Märtyrer auf und tränkten damit die Seelen, die sich Gott
näherten.
Tuy-3-1-1944".
DEUTUNG DES "GEHEIMNISSES"
SCHREIBEN VON JOHANNES PAUL II. AN SCHWESTER LUCIA (Originaltext)


(Übersetzung)
Ehrwürdige Schwester Maria Lucia Konvent von Coimbra
Im Jubel der österlichen Festtage grüße ich Sie mit dem Wunsch, den der
Auferstandene an seine Jünger gerichtet hat: "Der Friede sei mit
dir!"
Ich freue mich, Sie am ersehnten Tag der Seligsprechung von Francisco und
Jacinta treffen zu können, die - so Gott will - am kommenden 13. Mai
stattfinden wird.
Da jedoch an diesem Tag keine Zeit sein wird zu einem Gespräch, sondern
nur für einen kurzen Gruß, habe ich eigens Seine Exzellenz Msgr. Tarcisio
Bertone, Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre, beauftragt, Sie
aufzusuchen und mit Ihnen zu sprechen. Diese Kongregation arbeitet engstens
mit dem Papst zusammen, um den wahren katholischen Glauben zu schützen, und
hat, wie Sie wissen, seit 1957 Ihren handschriftlichen Brief aufbewahrt, der
den dritten Teil des Geheimnisses enthält, das am 13. Juli 1917 in der Cova
da Iria, Fatima, offenbart wurde. Msgr. Bertone, der von Seiner Exzellenz
Msgr. Serafim de Sousa Ferreira e Silva, dem Bischof von Leiria, begleitet
wird, kommt in meinem Namen, um einige Fragen zu stellen zur Deutung
des "dritten Teils des Geheimnisses".
Ehrwürdige Schwester Maria Lucia, sprechen Sie auch offen und ehrlich mit
Msgr. Bertone, der mir Ihre Antworten persönlich berichten wird.
Ich bete innig zur Mutter des Auferstandenen für Sie, für die
Gemeinschaft von Coimbra und für die ganze Kirche. Maria, die Mutter der
Menschheit auf dem Pilgerweg, halte uns stets eng an Jesus, ihren geliebten
Sohn und unseren Bruder, den Herrn des Lebens und der Herrlichkeit.
Mit einem besonderen Apostolischen Segen.
JOHANNES PAUL II.
Aus dem Vatikan, am 19. April 2000.
GESPRÄCH MIT SCHWESTER MARIA LUCIA DE JESUS VOM
UNBEFLECKTEN HERZEN
Das Treffen von Schwester Lucia mit Seiner Exzellenz Msgr. Tarcisio
Bertone, dem Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre und
Beauftragten des Heiligen Vaters, und Seiner Exzellenz Msgr. Serafim de Sousa
Ferreira e Silva, dem Bischof von Leiria-Fatima, fand am vergangenen 27. April
im Karmel der heiligen Teresa von Coimbra statt.
Schwester Lucia war geistig wach und gelassen. Sie freute sich sehr, daß
der Heilige Vater Fatima besuchen würde, um die von ihr lang ersehnte
Seligsprechung von Francisco und Jacinta vorzunehmen.
Der Bischof von Leiria-Fatima las den vom Heiligen Vater unterschriebenen
Brief vor, der die Gründe des Besuchs erläuterte. Schwester Lucia fühlte
sich dadurch geehrt und las selbst den Brief noch einmal, indem sie ihn in
ihren Händen betrachtete. Sie erklärte sich bereit, auf alle Fragen frei zu
antworten.
An dieser Stelle legt ihr Seine Exzellenz Msgr. Tarcisio Bertone die beiden
Umschläge vor: den äußeren und denjenigen, der den Brief enthält mit dem
dritten Teil des "Geheimnisses" von Fatima. Als sie ihn mit den
Fingern berührt, sagt sie sofort: "Es ist mein Papier". Und als sie
ihn dann liest: "Es ist meine Schrift".
Mit Hilfe des Bischofs von Leiria-Fatima wird der Originaltext, der auf
portugiesisch abgefaßt ist, gelesen und gedeutet. Schwester Lucia teilt die
Interpretation, nach der der dritte Teil des "Geheimnisses" in einer
prophetischen Schau besteht, die man mit jenen der heiligen Geschichte
vergleichen kann. Sie betont ihre Überzeugung, daß sich die Vision von
Fatima vor allem auf den Kampf des atheistischen Kommunismus gegen die Kirche
und die Christen bezieht, und beschreibt das ungeheure Leid der Opfer des
Glaubens im zwanzigsten Jahrhundert.
Auf die Frage: "Ist die Hauptperson der Vision der Papst?",
antwortet Schwester Lucia sofort mit Ja und erinnert daran, daß die drei
Hirtenkinder sehr betrübt waren über das Leiden des Papstes und daß
Jacinta wiederholte: " Coitadinho do Santo Padre, tenho muita pena dos
pecadores! " ("Armer Heiliger Vater, ich muß viel leiden für
die Sünder!"). Schwester Lucia fährt fort: "Wir wußten den Namen
des Papstes nicht; die Dame hat uns den Namen des Papstes nicht gesagt; wir
wußten nicht, ob es Benedikt XV. war oder Pius XII. oder Paul VI. oder
Johannes Paul II., aber es war der Papst, der litt und auch uns leiden
ließ".
Was den Abschnitt anbelangt, der vom weißgekleideten Bischof handelt, d.h.
vom Papst - wie die Hirtenkinder die "Vision" sofort wahrnahmen -,
der tödlich getroffen zu Boden fällt, so teilt Schwester Lucia voll die
Feststellung des Papstes: "Es war eine mütterliche Hand, die die
Flugbahn der Kugel leitete und der Papst, der mit dem Tode rang, blieb auf der
Schwelle des Todes stehen" (JOHANNES PAUL II., Meditation mit den
italienischen Bischöfen aus dem Poliklinikum Gemelli, 13. Mai 1994).
Bevor Schwester Lucia den versiegelten Umschlag, der den dritten Teil des
"Geheimnisses" enthält, dem damaligen Bischof von Leiria-Fatima
übergab, hatte sie auf den äußeren Umschlag geschrieben, daß dieser erst
nach 1960 entweder vom Patriarchen von Lissabon oder vom Bischof von Leiria
geöffnet werden dürfe. Daher stellt Seine Exzellenz Msgr. Bertone die Frage:
"Warum gibt es den Termin 1960? Hat die Madonna dieses Datum
angegeben?" Schwester Lucia antwortet: "Es war nicht die Dame,
sondern ich habe 1960 als Datum gesetzt, weil man es - wie ich spürte - vor
1960 nicht verstehen würde. Man würde es nur danach verstehen. Jetzt kann
man es besser verstehen. Ich habe das geschrieben, was ich gesehen habe. Mir
steht die Deutung nicht zu, sondern dem Papst".
Schließlich kommt die Sprache auf die nicht veröffentliche Handschrift,
die Schwester Lucia als Antwort auf viele Briefe von Marienverehrern und
Pilgern vorbereitet hat. Das Werk trägt den Titel "Os apelos da
Mensagen de Fatima"; es faßt Gedanken und Überlegungen zusammen,
die in katechetischer und paränetischer Weise ihre Gefühle sowie ihre klare
und einfache Spiritualität zum Ausdruck bringen. Auf die Frage, ob sie sich
freue, wenn es veröffentlicht würde, gab sie die Antwort: "Wenn der
Heilige Vater einverstanden ist, freue ich mich. Andernfalls gehorche ich dem,
was der Heilige Vater entscheidet". Schwester Lucia möchte den Text der
kirchlichen Autorität zur Approbation vorlegen und hegt die Hoffnung, mit
ihrer Schrift einen Beitrag dafür zu leisten, die Männer und Frauen guten
Willens auf den Weg zu geleiten, der zu Gott hinführt, dem letzten Ziel aller
menschlichen Erwartung.
Das Gespräch endet mit dem Austausch von Rosenkränzen: Schwester Lucia
erhält einen Rosenkranz als Geschenk vom Heiligen Vater; sie übergibt
ihrerseits einige Rosenkränze, die sie selbst angefertigt hat.
Der im Namen des Heiligen Vaters erteilte Segen beschließt die Begegnung.
MITTEILUNG SEINER EMINENZ ANGELO KARDINAL SODANO STAATSSEKRETAR
SEINER HEILIGKEIT
Am Ende der feierlichen Konzelebration der Eucharistie unter Vorsitz von
Johannes Paul II. in Fatima hat Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano auf
portugiesisch das Wort ergriffen. Wir geben seinen Beitrag an dieser Stelle in
deutscher Übersetzung wieder:
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Am Ende dieser festlichen Feier erachte ich es als meine Pflicht,
stellvertretend für alle hier Anwesenden unserem geliebten Heiligen Vater
unsere herzlichsten Glückwünsche zu seinem bevorstehenden 80. Geburtstag
auszusprechen und ihm für sein wertvolles Hirtenamt zum Wohl der ganzen
heiligen Kirche Gottes zu danken. Wir sprechen ihm die herzlichsten Wünsche
der ganzen Kirche aus.
Anläßlich der feierlichen Gelegenheit seines Kommens nach Fatima hat mich
Seine Heiligkeit beauftragt, Ihnen etwas mitzuteilen. Ziel seines Besuches in
Fatima war bekanntlich die Seligsprechung der zwei Hirtenkinder. Doch
möchte er mit seiner Pilgerreise auch noch einmal der Muttergottes für den
Schutz danken, den sie ihm während dieser Jahre des Pontifikats gewährt hat.
Es ist ein Schutz, der auch den sogenannten dritten Teil des
"Geheimnisses" von Fatima zu berühren scheint.
Dieser Text stellt eine prophetische Schau dar, die man mit jenen der
Heiligen Schrift vergleichen kann. Sie beschreiben nicht im fotografischen
Sinn die Einzelheiten der zukünftigen Ereignisse, sondern fassen auf einem
gemeinsamen Hintergrund Tatsachen verdichtend zusammen, die sich zeitlich in
einer nicht präzisierten Abfolge und Dauer erstrecken. Daher kann der
Schlüssel zum Verständnis des Textes nur symbolisch sein.
Die Vision von Fatima betrifft besonders den Kampf der atheistischen
Systeme gegen die Kirche und die Christen und beschreibt das schreckliche
Leiden der Glaubenszeugen des letzten Jahrhunderts des zweiten Jahrtausends.
Es handelt sich um einen endlosen Kreuzweg, der von den Päpsten des
zwanzigsten Jahrhunderts angeführt wird.
Nach der Interpretation der Hirtenkinder, die auch vor kurzem von
Schwester Lucia bestätigt wurde, ist der "in Weiß gekleidete
Bischof", der für alle Gläubigen betet, der Papst. Auch er fällt, von
Schüssen getroffen, wie tot zu Boden, während er alle Mühe aufwendet, um
unter den Leichnamen der Gemarterten (Bischöfe, Priester, Ordensleute und
zahlreicher Laien) auf das Kreuz zuzugehen.
Nach dem Attentat vom 13. Mai 1981 erschien es Seiner Heiligkeit klar, daß
"eine mütterliche Hand die Flugbahn der Kugel leitete" und es dem
"Papst, der mit dem Tode rang" erlaubte, "an der Schwelle des
Todes" stehenzubleiben (JOHANNES PAUL II., Meditation mit den
italienischen Bischöfen aus dem Poliklinikum Gemelli, in:
Insegnamenti, Bd. XVII1, 1994, S. 1061). Anläßlich eines Kurzbesuches des
damaligen Bischofs von Leiria-Fatima in Rom traf der Papst die Entscheidung,
ihm die Kugel zu überlassen, die nach dem Attentat im Jeep geblieben war, um
sie im Heiligtum aufzubewahren. Auf Initiative des Bischofs hin wurde sie
daraufhin in die Krone der Statue der Madonna von Fatima eingefaßt.
Die Ereignisse, die im Jahre 1989 folgten, führten sowohl in der
Sowjetunion als auch in zahlreichen östlichen Ländern zum Fall des
kommunistischen Regimes, das den Atheismus verfochten hatte. Auch dafür dankt
der Heilige Vater der Jungfrau Maria aus ganzem Herzen. Dennoch haben in
anderen Teilen der Welt die Angriffe gegen die Kirche und die Christen mit der
Last des Leidens, die sie mit sich bringen, leider nicht aufgehört. Selbst
wenn die Geschehnisse, auf die sich der dritte Teil des Geheimnisses von
Fatima bezieht, nunmehr der Vergangenheit anzugehören scheinen, so bleibt der
am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ergangene Ruf der Gottesmutter zu
Umkehr und Buße auch heute aktuell und anregend. "Die Hohe Frau dieser
Botschaft liest gleichsam "die Zeichen der Zeit" mit besonderer
Eindringlichkeit, die Zeichen unserer Zeit (...). Die eindringliche
Aufforderung Marias zur Buße ist nichts anderes als der Ausdruck ihrer
mütterlichen Sorge um das Los der Menschenfamilie, die der Umkehr und der
Verzeihung bedarf" (JOHANNES PAUL II., Botschaft zum Welttag der
Kranken 1997, n.1, in: Insegnamenti, Bd. XIX2, 1996, S. 561).
Um es den Gläubigen zu ermöglichen, die Botschaft der Jungfrau von Fatima
besser zu erfassen, hat der Papst der Kongregation für die Glaubenslehre den
Auftrag erteilt, den dritten Teil des Geheimnisses zu veröffentlichen und
vorher einen entsprechenden Kommentar vorzubereiten.
Brüder und Schwestern, wir danken der Muttergottes von Fatima für ihren
Schutz. Ihrer mütterlichen Fürsprache vertrauen wir die Kirche des dritten
Jahrtausends an.
Sub tuum praesidium confugimus, Sancta Dei Genetrix! Intercede pro
Ecclesia. Intercede pro Papa nostro Ioanne Paulo II. Amen.
Fatima, 13. Mai 2000.
KOMMENTAR ZUM GEHEIMNIS VON FATIMA
Wer den Text des sogenannten dritten "Geheimnisses" von Fatima
aufmerksam liest, der hier im Auftrag des Heiligen Vaters erstmals wörtlich
veröffentlicht wird, wird nach allen vorangegangenen Spekulationen vermutlich
enttäuscht oder verwundert sein. Keine großen Geheimnisse werden enthüllt;
der Vorhang vor der Zukunft wird nicht aufgerissen. Wir sehen im Zeitraffer
die Kirche der Martyrer des nun abgelaufenen Jahrhunderts in einer schwer
deutbaren Symbolsprache zusammengefaßt. Ist es nun das, was die Mutter des
Herrn der Christenheit, der Menschheit in einer Zeit großer Fragen und
Bedrängnisse kundgeben wollte? Hilft es uns im Anbruch des neuen
Jahrtausends? Oder sind es vielleicht gar nur Spiegelungen der Innenwelt von
Kindern, die in einem Milieu tiefer Frömmigkeit aufgewachsen, zugleich aber
auch von den drohenden Gewittern ihrer Zeit aufgewühlt waren? Wie sollen wir
die Vision verstehen, was von ihr halten?
Öffentliche Offenbarung und Privatoffenbarungen - ihr
theologischer Ort
Bevor wir den Versuch einer Interpretation unternehmen, deren wesentliche
Linien in der Ansprache zu finden sind, die Kardinal Sodano am 13. Mai dieses
Jahres am Ende der vom Heiligen Vater zelebrierten Eucharistiefeier in Fatima
gehalten hat, sind einige grundsätzliche Klärungen darüber notwendig, wie
nach der Lehre der Kirche Phänomene wie dasjenige von Fatima grundsätzlich
ins Leben des Glaubens einzuordnen sind. Die Lehre der Kirche unterscheidet
zwischen der "öffentlichen Offenbarung" und den
"Privatoffenbarungen". Zwischen beiden besteht nicht nur ein
gradueller, sondern ein wesentlicher Unterschied. Das Wort "öffentliche
Offenbarung" bezeichnet das der ganzen Menschheit zugedachte
Offenbarungshandeln Gottes, das seinen Niederschlag in der zweiteiligen Bibel
aus Altem und Neuem Testament gefunden hat. "Offenbarung" heißt es,
weil Gott darin sich selbst Schritt um Schritt den Menschen zu erkennen
gegeben hat, bis zu dem Punkt hin, da er selbst Mensch wurde, um durch den
menschgewordenen Sohn Jesus Christus die ganze Welt an sich zu ziehen und mit
sich zu vereinigen. Es handelt sich also nicht um intellektuelle Mitteilungen,
sondern um einen Prozeß des Lebens, in dem Gott auf die Menschen zugeht; in
diesem Prozeß werden dann freilich auch Inhalte für den Intellekt und für
das Verstehen von Gottes Geheimnis sichtbar. Der Prozeß richtet sich an den
ganzen Menschen und so auch an den Verstand, aber nicht nur an ihn. Weil Gott
nur einer ist, ist auch die Geschichte, die er mit der Menschheit eingeht,
eine einzige, die für alle Zeiten gilt und mit Leben, Tod und Auferstehung
Jesu Christi ihre Vollendung erreicht hat. In Christus hat Gott alles,
nämlich sich selbst gesagt, und deswegen ist die Offenbarung mit der
Gestaltwerdung des Christusgeheimnisses im Neuen Testament abgeschlossen. Der
Katechismus der Katholischen Kirche zitiert, um diese Endgültigkeit und
Vollständigkeit der Offenbarung zu verdeutlichen, einen Text des heiligen
Johannes vom Kreuz: "Seit er uns seinen Sohn geschenkt hat, der sein Wort
ist, hat Gott uns kein anderes Wort zu geben. Er hat alles zumal in diesem
einen Worte gesprochen... Denn was er ehedem nur stückweise zu den Propheten
geredet, das hat er nunmehr im ganzen gesprochen, indem er uns das Ganze gab,
nämlich seinen Sohn. Wer demnach jetzt noch ihn befragen oder von ihm
Visionen oder Offenbarungen haben wollte, der würde nicht bloß unvernünftig
handeln, sondern Gott geradezu beleidigen, weil er seine Augen nicht einzig
auf Christus richten würde, ohne jegliches Verlangen nach anderen oder neuen
Dingen" (KKK 65, Carm. 2,22).
Die Tatsache, daß mit Christus und mit seiner Bezeugung in den Büchern
des Neuen Testaments die allen Völkern zugedachte eine Offenbarung Gottes
abgeschlossen ist, bindet die Kirche an das einmalige Ereignis der heiligen
Geschichte und an das biblische Wort, das dieses Ereignis verbürgt und
auslegt, aber sie bedeutet nicht, daß die Kirche nun nur auf die
Vergangenheit schauen könnte und so zu einer unfruchtbaren Wiederholung
verurteilt wäre. Der KKK sagt dazu: "... Obwohl die Offenbarung
abgeschlossen ist, ist ihr Inhalt nicht vollständig ausgeschöpft; es bleibt
Sache des christlichen Glaubens, im Lauf der Jahrhunderte nach und nach ihre
ganze Tragweite zu erfassen" (Nr. 66). Sehr schön sind die beiden
Aspekte von Bindung an das Einmalige und Fortschritt in dessen Verstehen in
den Abschiedsreden des Herrn ausgelegt, wo der scheidende Christus den
Jüngern sagt: "Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es
jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er
euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus
reden... Er wird mich verherrlichen, denn er wird von dem, was mein ist,
nehmen und es verkünden" (Joh 16,12?14). Einerseits führt der
Geist und eröffnet so Erkenntnis, für deren Tragen vorher die Voraussetzung
fehlte - das ist die immer unabgeschlossene Weite und Tiefe des christlichen
Glaubens. Andererseits ist dieses Führen ein "Nehmen" aus dem
Schatz Jesu Christi selbst, dessen unerschöpfliche Tiefe sich in diesem
Führen offenbart. Der Katechismus zitiert dazu ein tiefes Wort von Papst
Gregor dem Großen: "Die göttlichen Worte wachsen mit den Lesenden"
(KKK 94, Gregor, in Ez 1,7,8). Das II. Vatikanische Konzil kennt drei
wesentliche Wege, wie sich die Führung des Heiligen Geistes in der Kirche und
so das "Wachsen des Wortes" vollzieht: Es vollzieht sich durch
Betrachtung und Studium der Gläubigen, durch innere Einsicht, die aus
geistlicher Erfahrung stammt und durch die Verkündigung derer, "die mit
der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen
haben" (Dei Verbum, 8).
An dieser Stelle wird es nun möglich, den Begriff der
"Privatoffenbarung" richtig einzuordnen, der sich auf alle nach dem
Abschluß des Neuen Testaments auftauchenden Schauungen und Offenbarungen
bezieht, also die Kategorie ist, unter die wir die Botschaft von Fatima
einordnen müssen. Hören wir auch dazu zunächst den KKK: "Im Laufe der
Jahrhunderte gab es sogenannte "Privatoffenbarungen", von denen
einige durch die kirchliche Autorität anerkannt wurden... Sie sind nicht dazu
da, die endgültige Offenbarung Christi zu 'vervollkommnen'..., sondern sollen
helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben" (Nr. 67).
Zweierlei wird klar:
1. Die Autorität der Privatoffenbarungen ist wesentlich unterschieden von
der einen, öffentlichen Offenbarung: Diese fordert unseren Glauben an, denn
in ihr spricht durch Menschenworte und durch die Vermittlung der lebendigen
Gemeinschaft der Kirche hindurch Gott selbst zu uns. Der Glaube an Gott und
sein Wort unterscheidet sich von allem menschlichen Glauben, Vertrauen,
Meinen. Die Gewißheit, daß Gott redet, gibt mir die Sicherheit, daß ich der
Wahrheit selbst begegne, und damit eine Gewißheit, die in keiner menschlichen
Form von Erkenntnis sonst vorkommen kann. Es ist die Gewißheit, auf die ich
mein Leben baue und der ich im Sterben traue.
2. Die Privatoffenbarung ist eine Hilfe zu diesem Glauben, und sie erweist
sich als glaubwürdig gerade dadurch, daß sie mich auf die eine, öffentliche
Offenbarung verweist. Kardinal Prosper Lambertini, nachher Papst Benedikt
XIV., sagt in seinem klassisch, ja normativ gewordenen Traktat über die Selig-
und Heiligsprechungen dazu: "Eine Zustimmung des katholischen Glaubens
wird anerkannten Privatoffenbarungen in diesem Sinne nicht geschuldet, und sie
ist auch nicht möglich. Diese Offenbarungen fordern vielmehr eine Zustimmung
des menschlichen Glaubens gemäß den Regeln der Klugheit, die sie uns als
wahrscheinlich und glaubwürdig darstellen". Der flämische Theologe E.
Dhanis, herausragender Kenner dieser Materie, stellt zusammenfassend fest,
daß die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung drei Elemente umfaßt:
Die betreffende Botschaft enthält nichts, was dem Glauben und den guten
Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und die
Gläubigen sind autorisiert, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken (Sguardo
su Fatima e bilancio di una discussione, in: La Civiltà cattolica 104,
1953 II. 392-406, hierzu 397). Eine solche Botschaft kann eine wertvolle Hilfe
sein, das Evangelium in der jeweils gegenwärtigen Stunde besser zu verstehen
und zu leben; deswegen soll man sie nicht achtlos beiseite schieben. Sie ist
eine Hilfe, die angeboten wird, aber von der man nicht Gebrauch machen muß.
Der Maßstab für Wahrheit und Wert einer Privatoffenbarung ist demgemäß
ihre Hinordnung auf Christus selbst. Wenn sie uns von ihm wegführt, wenn sie
sich verselbständigt oder sich gar als eine andere und bessere Ordnung, als
wichtiger denn das Evangelium ausgibt, dann kommt sie sicher nicht vom
Heiligen Geist, der uns in das Evangelium hinein- und nicht aus ihm
herausführt. Das schließt nicht aus, daß eine Privatoffenbarung neue
Akzente setzt, daß sie neue Weisen der Frömmigkeit herausstellt oder alte
vertieft und erweitert. Aber in alledem muß es doch darum gehen, daß sie
Glaube, Hoffnung und Liebe nährt, die der bleibende Weg des Heils für alle
sind. Wir können hinzufügen, daß Privatoffenbarungen häufig primär aus
der Volksfrömmigkeit kommen und auf sie zurückwirken, ihr neue Impulse geben
und neue Formen eröffnen. Dies schließt nicht aus, daß sie auch in die
Liturgie selbst hineinwirken, wie etwa Fronleichnam und das Herz-Jesu-Fest
zeigen. In gewisser Hinsicht bildet sich im Verhältnis von Liturgie und
Volksfrömmigkeit das Verhältnis zwischen Offenbarung und Privatoffenbarungen
ab: Die Liturgie ist das Maß, sie ist der direkt aus dem Evangelium genährte
Lebensausdruck der Kirche im ganzen. Volksfrömmigkeit bedeutet, daß der
Glaube im Herzen der einzelnen Völker Wurzel schlägt, so daß er in die Welt
des Alltags hineingetragen wird. Die Volksfrömmigkeit ist die erste und
grundlegende Weise von "Inkulturation" des Glaubens, die sich immer
wieder von der Weisung der Liturgie her ordnen und leiten lassen muß, aber
umgekehrt sie vom Herzen her befruchtet.
Damit sind wir schon von den eher negativen Abgrenzungen, die zunächst
notwendig waren, zur positiven Bestimmung der Privatoffenbarungen
übergegangen: Wie kann man sie von der Schrift her richtig einordnen? Was ist
ihre theologische Kategorie? Der älteste uns erhaltene Paulusbrief, wohl
überhaupt das älteste Schriftstück des Neuen Testaments, der erste Brief an
die Thessalonicher, scheint mir da eine Wegweisung zu geben. Der Apostel sagt
da: "Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetisches Reden nicht!
Prüft alles und behaltet das Gute!" (5,19-21) Zu allen Zeiten ist der
Kirche das Charisma der Prophetie gegeben, die geprüft werden muß, aber auch
nicht verachtet werden darf. Dabei müssen wir bedenken, daß Prophetie im
Sinn der Bibel nicht Wahrsagerei bedeutet, sondern Deutung von Gottes Willen
für die Gegenwart, die auch den rechten Weg in die Zukunft zeigt. Der
Wahrsager antwortet auf die Neugier des Verstandes, die den Schleier der
Zukunft wegreißen will; der Prophet begegnet der Blindheit des Willens und
des Denkens und macht Gottes Willen als Anspruch und Wegweisung für die
Gegenwart deutlich. Das Moment der Vorhersage von Zukünftigem ist dabei
sekundär. Wesentlich ist die Vergegenwärtigung der einen Offenbarung, die
mir so auf den Leib rückt: Das prophetische Wort ist Ermahnung oder auch
Tröstung oder beides ineinander. Insofern kann man das Charisma der Prophetie
mit der Kategorie der "Zeichen der Zeit" in Verbindung bringen, die
vom II. Vaticanum herausgestellt worden ist: "...Das Aussehen der Erde
und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser
Zeit nicht deuten?" (Lk 12,56) Unter den "Zeichen der
Zeit" ist in diesem Wort Jesu sein eigener Weg, er selbst zu verstehen.
Die Zeichen der Zeit im Licht des Glaubens deuten heißt, die Anwesenheit
Christi in der jeweiligen Zeit erkennen. In den von der Kirche anerkannten
Privatoffenbarungen - also auch in Fatima - geht es darum: uns die Zeichen der
Zeit verstehen zu helfen und auf sie die richtige Antwort im Glauben zu
finden.
Die anthropologische Struktur der Privatoffenbarungen
Nachdem wir mit diesen Überlegungen eine theologische Ortsbestimmung der
Privatoffenbarungen versucht haben, müssen wir vor dem Mühen um eine
Auslegung der Botschaft von Fatima auch noch kurz ihren anthropologischen
(psychologischen) Charakter etwas aufzuhellen versuchen. Die theologische
Anthropologie unterscheidet in diesem Zusammenhang drei Arten von Wahrnehmung
oder "Schau": das Schauen mit den Sinnen, also die äußere
körperliche Wahrnehmung; das Wahrnehmen von innen her und die geistige
Anschauung (visio sensibilis - imaginativa - intellectualis). Es ist
klar, daß es sich bei den Visionen von Lourdes, Fatima usw. nicht um die
gewöhnliche äußere Sinneswahrnehmung handelt: Die Bilder und Gestalten, die
gesehen werden, stehen nicht äußerlich im Raum da, wie etwa ein Baum oder
ein Haus da sind. Das ist zum Beispiel bei der Höllenvision oder auch bei der
im dritten Geheimnis geschilderten Vision ganz offenkundig, läßt sich aber
auch für die anderen Visionen leicht zeigen, zumal nicht alle Anwesenden die
Gesichte sahen, sondern eben nur die "Seher". Ebenso ist deutlich,
daß es sich nicht um bildlose intellektuelle "Schau" handelt, wie
sie in den hohen Stufen der Mystik vorliegt. So geht es um die mittlere
Kategorie, das innere Wahrnehmen, das freilich für den Seher eine
Gegenwartskraft erhält, die für ihn der äuberen sinnlichen Erscheinung
gleichkommt.
Schauen von innen bedeutet nicht, daß es sich um Fantasie handelt, die nur
Ausdruck subjektiver Einbildung wäre. Vielmehr bedeutet es, daß die Seele
vom Impuls realer, wenngleich übersinnlicher Wirklichkeit berührt und für
das Sehen des Nichtsinnlichen, des nicht den Sinnen Sichtbaren geöffnet wird
- ein Schauen mit den "inneren Sinnen". Es handelt sich um echte
"Gegenstände", die die Seele berühren, obwohl sie nicht unserer
gewohnten Sinnenwelt zugehören. Dazu ist eine innere Wachheit des Herzens
erfordert, die unter dem Druck der gewaltigen äußeren Wirklichkeiten und der
die Seele erfüllenden Bilder und Gedanken meistens nicht gegeben ist. Der
Mensch wird aus dem bloß Äußeren herausgeführt, und tiefere Dimensionen
der Wirklichkeit rühren ihn an, machen sich ihm sichtbar. Vielleicht wird von
daher sogar verständlich, warum gerade Kinder bevorzugte Empfänger solcher
Erscheinungen sind: Die Seele ist noch weniger verstellt, die innere
Wahrnehmungsfähigkeit noch weniger versehrt. "Aus dem Mund von Kindern
und Säuglingen schaffst du dir Lob", antwortet Jesus mit einem Psalmwort
(Ps 8,3) auf die Kritik der Hohenpriester und Ältesten, die den
Hosanna-Ruf der Kinder als unangemessen empfanden (Mt 21,16).
Die "innere Schau" ist nicht Fantasie, sondern eine wirkliche und
eigentliche Weise der Wahrnehmung, sagten wir. Aber sie bringt auch
Einschränkungen mit sich. Schon bei der äußeren Schau ist immer auch der
subjektive Faktor beteiligt: Wir sehen nie das reine Objekt, sondern es kommt
zu uns durch den Filter unserer Sinne, die einen Übersetzungsvorgang zu
leisten haben. Das ist bei der Schau von innen noch deutlicher, vor allem
dann, wenn es sich um Wirklichkeiten handelt, die an sich unseren Horizont
überschreiten. Das Subjekt, der Schauende, wird noch stärker in Anspruch
genommen. Er sieht mit seinen Möglichkeiten, mit den für ihn zugänglichen
Weisen des Vorstellens und Erkennens. In der inneren Schau liegt noch weit
mehr als in der äußeren ein Übersetzungsvorgang vor, so daß das Subjekt an
der Bildwerdung dessen, was sich zeigt, wesentlich mitbeteiligt ist. Das Bild
kann nur nach seinen Maßen und seinen Möglichkeiten ankommen. Deswegen sind
solche Schauungen nie die reine "Fotografie" des Jenseits, sondern
sie tragen auch die Möglichkeiten und Grenzen des wahrnehmenden Subjekts an
sich.
Das kann man an allen großen Visionen der Heiligen zeigen; es gilt
natürlich auch für die Schauungen der Kinder von Fatima. Die von ihnen
aufgezeichneten Bilder sind keineswegs bloß Ausdruck ihrer Fantasie, sondern
Frucht einer wirklichen Wahrnehmung von oben und innen her, aber sie sind auch
nicht so vorzustellen, daß ein Augenblick der Schleier vom Jenseits
weggerückt würde und der Himmel in seinem reinen An-sich-sein erschiene, wie
wir ihn einmal in der endgültigen Vereinigung mit Gott zu sehen hoffen. Die
Bilder sind vielmehr sozusagen zusammengesetzt aus dem von oben kommenden
Anstoß und aus den dafür vorliegenden Möglichkeiten des wahrnehmenden
Subjekts, das heißt der Kinder. Deswegen ist die Bildsprache dieser
Schauungen symbolische Sprache. Kardinal Sodano sagt dazu: "...Sie
beschreiben nicht im fotografischen Sinn die Einzelheiten der zukünftigen
Ereignisse, sondern fassen auf einem gemeinsamen Hintergrund Tatsachen
verdichtend zusammen, die sich zeitlich in einer nicht präzisierten Abfolge
und Dauer erstrecken." Dieses Zusammenfassen von Zeiten und Räumen in
einem einzigen Bild ist typisch für solche Visionen, die meist erst im
Rückblick angemessen entschlüsselt werden können. Nicht jedes Bildelement
muß dabei einen konkreten historischen Sinn ergeben. Es zählt die Schauung
als ganze und von der Ganzheit der Bilder her müssen die Details eingeordnet
werden. Was die Mitte eines Bildes ist, enthüllt sich letztlich aus dem, was
die Mitte christlicher "Prophetie" überhaupt ist: Die Mitte ist da,
wo Schauung zum Anruf wird und auf den Willen Gottes zuführt.
Versuch einer Auslegung des "Geheimnisses" von
Fatima
Der erste und der zweite Teil des Geheimnisses von Fatima sind von der
Literatur schon so ausführlich diskutiert worden, daß sie hier nicht noch
einmal ausgelegt werden müssen. Ich möchte nur in Kürze auf den springenden
Punkt aufmerksam machen. Die Kinder haben einen schrecklichen Augenblick lang
eine Vision der Hölle erlebt. Sie haben den Fall der "Seelen der armen
Sünder" gesehen. Und nun wird ihnen gesagt, warum sie diesem Augenblick
ausgesetzt wurden: "per salvarle" - um einen Weg der Rettung zu
zeigen. Das Wort aus dem ersten Petrusbrief kommt einem in den Sinn:
"Ziel eures Glaubens ist die Rettung der Seelen" (1,9). Als Weg
dafür wird - für Menschen aus dem angelsächsischen und deutschen Kulturraum
überraschend - angegeben: die Verehrung für das unbefleckte Herz Mariens.
Zum Verständnis muß hier ein kurzer Hinweis genügen. "Herz"
bedeutet in der Sprache der Bibel die Mitte der menschlichen Existenz, das
Zusammenströmen von Verstand, Wille, Gemüt und Sinnen, in dem der Mensch
seine Einheit und seine innere Richtung findet. Das "unbefleckte
Herz" ist gemäß Mt 5,8 ein Herz, das ganz zu einer inneren
Einheit von Gott her gefunden hat und daher "Gott sieht".
"Devozione" (Verehrung) zum Unbefleckten Herzen Mariens ist daher
Zugehen auf diese Herzenshaltung, in der das "Fiat" - dein Wille
geschehe - zur formenden Mitte der ganzen Existenz wird. Wenn jemand einwenden
möchte, wir sollten doch nicht einen Menschen zwischen uns und Christus
stellen, so ist daran zu erinnern, daß Paulus sich nicht scheut, zu seinen
Gemeinden zu sagen: Ahmt mich nach (1 Kor 4,16; Phil 3,17; 1
Thess 1,6; 2 Thess 3,7.9). Am Apostel können sie konkret ablesen,
was Nachfolge Christi heißt. Von wem aber könnten wir es über alle Zeiten
hin besser erlernen als von der Mutter des Herrn?
So kommen wir endlich zu dem hier erstmals ungekürzt veröffentlichten
dritten Teil des Geheimnisses von Fatima. Wie aus der vorangehenden
Dokumentation hervorgeht, ist die Auslegung, die Kardinal Sodano in seiner
Rede vom 13. Mai geboten hat, zuerst Schwester Lucia persönlich vorgelegt
worden. Schwester Lucia hat dazu zunächst bemerkt, daß ihr das Gesicht, aber
nicht seine Auslegung geschenkt wurde. Die Auslegung komme nicht dem Seher,
sondern der Kirche zu. Sie hat aber nach der Lektüre des Textes gesagt, daß
diese Auslegung dem entspricht, was sie erfahren hatte und daß sie von ihrer
Seite diese Interpretation als sachgerecht anerkennt. Im folgenden kann also
nur noch versucht werden, diese Auslegung von den bisher entwickelten
Maßstäben her zu begründen und zu vertiefen.
Wie wir als Schlüsselwort des ersten und zweiten Geheimnisses
"salvare le anime" (die Seelen retten) erkannten, so ist das
Schlüsselwort dieses Geheimnisses der dreimalige Ruf: "Penitenza,
Penitenza, Penitenza" (Buße, Buße, Buße)! Wir werden an den Anfang des
Evangeliums erinnert: "Tut Buße und glaubt an das Evangelium" (Mk
1,15). Die Zeichen der Zeit verstehen heißt: Die Dringlichkeit von Buße -
Umkehr - Glaube begreifen. Das ist die richtige Antwort auf den historischen
Augenblick, der von großen Gefahren umstellt ist, die in den folgenden
Bildern gezeichnet werden. Ich darf hier eine persönliche Erinnerung
einflechten: In einem Gespräch mit mir hat Schwester Lucia mir gesagt, ihr
werde immer mehr deutlich, daß das Ziel der ganzen Erscheinungen gewesen sei,
mehr in Glaube, Hoffnung und Liebe einzuüben - alles andere sei nur
Hinführung dazu.
Gehen wir nun etwas näher auf die einzelnen Bilder ein. Der Engel mit dem
Flammenschwert zur Linken der Muttergottes erinnert an ähnliche Bilder der
Geheimen Offenbarung. Er stellt die Gerichtsdrohung dar, unter der die Welt
steht. Daß sie in einem Flammenmeer verbrennen könnte, erscheint heute
keineswegs mehr als bloße Fantasie: Der Mensch selbst hat das Flammenschwert
mit seinen Erfindungen bereitgestellt. Die Vision zeigt dann die Gegenkraft
zur Macht der Zerstörung - zum einen den Glanz der Muttergottes, zum anderen,
gleichsam aus ihm hervorkommend, den Ruf zur Buße. Damit wird das Moment der
Freiheit des Menschen ins Spiel gebracht: Die Zukunft ist keineswegs
unabänderlich determiniert, und das Bild, das die Kinder sahen, ist kein im
voraus aufgenommener Film des Künftigen, an dem nichts mehr geändert werden
könnte. Die ganze Schauung ergeht überhaupt nur, um die Freiheit auf den
Plan zu rufen und sie ins Positive zu wenden. Der Sinn der Schauung ist es
eben nicht, einen Film über die unabänderlich fixierte Zukunft zu zeigen.
Ihr Sinn ist genau umgekehrt, die Kräfte der Veränderung zum Guten hin zu
mobilisieren. Deswegen gehen fatalistische Deutungen des Geheimnisses völlig
an der Sache vorbei, die zum Beispiel sagen, der Attentäter vom 13. Mai 1981
sei nun einmal ein von der Vorsehung gelenktes Werkzeug göttlichen Planens
gewesen und habe daher gar nicht frei handeln können, oder was sonst an
ähnlichen Ideen umläuft. Die Vision spricht vielmehr von Gefährdungen und
vom Weg der Heilung.
Die folgenden Sätze des Textes lassen den Bildcharakter der Schauung noch
einmal sehr deutlich werden: Gott bleibt das unmeßbare und all unser Sehen
überschreitende Licht. Die Menschen erscheinen wie in einem Spiegel. Diese
innere Einschränkung der Vision, deren Grenzen hier anschaulich angegeben
werden, müssen wir fortwährend gegenwärtig halten. Das Künftige zeigt sich
nur "in Spiegel und Gleichnis" (vgl. 1 Kor 13,12). Wenden wir
uns nun den einzelnen Bildern zu, die in dem Text des Geheimnisses folgen. Der
Ort des Geschehens wird mit drei Symbolen beschrieben: ein steiler Berg, eine
halb in Trümmern liegende große Stadt und schließlich ein gewaltiges Kreuz
aus unbehauenen Stücken. Berg und Stadt symbolisieren die Orte der
menschlichen Geschichte: Geschichte als mühevollen Aufstieg zur Höhe,
Geschichte als Ort menschlichen Bauens und Zusammenlebens, zugleich als Ort
der Zerstörungen, in denen der Mensch sein eigenes Werk vernichtet. Die Stadt
kann Ort der Gemeinsamkeit und des Fortschritts, aber auch Ort der Gefährdung
und der äußersten Bedrohung sein. Auf dem Berg steht das Kreuz - Ziel und
Orientierungspunkt der Geschichte. Im Kreuz ist die Zerstörung in Rettung
umgewandelt; es steht als Zeichen der Not der Geschichte und als Verheißung
über ihr.
Dann erscheinen da menschliche Personen: Der weißgekleidete Bischof
("wir hatten die Ahnung, daß es der Papst war"), weitere Bischöfe,
Priester, Ordensleute und schließlich Männer und Frauen aus allen Klassen
und Ständen. Der Papst geht offenbar den anderen voraus, zitternd und leidend
ob all der Schrecken, die ihn umgeben. Nicht nur die Häuser der Stadt liegen
teils in Trümmern - sein Weg führt an den Leichen der Getöteten vorbei. Der
Weg der Kirche wird so als ein Kreuzweg, als Weg in einer Zeit der Gewalt, der
Zerstörungen und der Verfolgungen geschildert. Man darf in diesem Bild die
Geschichte eines ganzen Jahrhunderts abgebildet finden. Wie die Orte der Erde
in den beiden Bildern von Berg und Stadt zusammengeschaut und auf das Kreuz
hingeordnet sind, so sind auch die Zeiten zusammengezogen: In der Schau
können wir das abgelaufene Jahrhundert als Jahrhundert der Martyrer, als
Jahrhundert der Leiden und der Verfolgungen der Kirche, als das Jahrhundert
der Weltkriege und vieler lokaler Kriege erkennen, die die ganze zweite
Hälfte des Jahrhunderts ausgefüllt und neue Formen der Grausamkeit
hervorgebracht haben. Im "Spiegel" dieser Vision sehen wir die
Blutzeugen von Jahrzehnten vorüberziehen. Hier scheint es angebracht, einen
Satz aus dem Brief anzuführen, den Schwester Lucia am 12. Mai 1982 an den
Heiligen Vater gerichtet hat: "Der dritte Teil des Geheimnisses bezieht
sich auf die Worte Unserer Lieben Frau: "Wenn nicht, wird es (Rußland)
seine Irrtümer über die Welt ausbreiten und Kriege und Verfolgungen der
Kirche anstiften. Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird
viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet
werden"".
Im Kreuzweg eines Jahrhunderts spielt die Figur des Papstes eine besondere
Rolle. In seinem mühsamen Hinaufsteigen auf den Berg dürfen wir ruhig
mehrere Päpste zusammengefaßt finden, die von Pius X. angefangen bis zum
jetzigen Papst die Leiden des Jahrhunderts mittrugen und in ihnen auf dem Weg
zum Kreuz voranzugehen sich mühten. Auf der Straße der Martyrer wird in der
Vision auch der Papst ermordet. Mußte der Heilige Vater, als er sich nach dem
Attentat vom 13. Mai 1981 den Text des dritten Geheimnisses vorlegen ließ,
darin nicht sein eigenes Geschick erkennen? Er war sehr nahe an der Grenze des
Todes gewesen und hat selber seine Rettung mit den folgenden Worten gedeutet:
"...es war eine mütterliche Hand, die die Flugbahn der Kugel leitete und
es dem Papst, der mit dem Tode rang, erlaubte, an der Schwelle des Todes
stehenzubleiben" (13. Mai 1994). Daß da eine "mano materna"
(mütterliche Hand) die tödliche Kugel doch noch anders geleitet hat, zeigt
nur noch einmal, daß es kein unabänderliches Schicksal gibt, daß Glaube und
Gebet Mächte sind, die in die Geschichte eingreifen können und daß am Ende
das Gebet stärker ist als die Patronen, der Glaube mächtiger als Divisionen.
Der Schluß des Geheimnisses erinnert an Bilder, die Lucia in frommen
Büchern gesehen haben mag und deren Inhalt aus frühen Einsichten des
Glaubens geschöpft ist. Es ist ein tröstendes Bild, das eine Geschichte aus
Blut und Tränen durchsichtig machen will auf Gottes heilende Macht. Engel
fangen unter den Kreuzarmen das Martyrerblut auf und tränken damit die
Seelen, die sich auf den Weg zu Gott machen. Das Blut Christi und das Blut der
Martyrer werden hier zusammengeschaut: Das Blut der Martyrer fließt aus den
Armen des Kreuzes. Ihr Martyrium gehört mit dem Leiden Christi zusammen, ist
mit diesem eins geworden. Sie ergänzen für den Leib Christi, was an seinen
Leiden noch fehlt (Kol 1,24). Ihr Leben ist selbst Eucharistie
geworden, eingegangen in das Mysterium des gestorbenen Weizenkorns und nimmt
an dessen Fruchtbarkeit teil. Das Blut der Martyrer ist Samen christlicher
Existenz, hat Tertullian gesagt. Wie aus dem Tode Christi, aus seiner
geöffneten Seite, die Kirche entsprungen ist, so ist das Sterben der Zeugen
fruchtbar für das weitere Leben der Kirche. Die an ihrem Anfang so
bedrückende Vision des dritten Geheimnisses schließt also mit einem Bild der
Hoffnung: Kein Leiden ist umsonst, und gerade eine leidende Kirche, eine
Kirche der Martyrer, wird zum Wegzeichen auf der Suche der Menschen nach Gott.
In Gottes guten Händen sind nicht nur die Leidenden geborgen wie Lazarus, der
den großen Trost fand und geheimnisvoll Christus darstellt, der zum armen
Lazarus für uns werden wollte; mehr als das: Vom Leiden der Zeugen kommt eine
Kraft der Reinigung und der Erneuerung, weil es Vergegenwärtigung von Christi
eigenem Leiden ist und seine heilende Wirkung an die Gegenwart weiterreicht.
Damit sind wir bei einer letzten Frage angelangt: Was hat das Geheimnis von
Fatima als ganzes (in seinen drei Teilen) zu bedeuten? Was sagt es uns?
Zunächst müssen wir mit Kardinal Sodano festhalten, daß "...die
Geschehnisse, auf die sich der dritte Teil des Geheimnisses von Fatima
bezieht, nunmehr der Vergangenheit anzugehören scheinen...". Soweit
einzelne Ereignisse dargestellt werden, gehören sie nun der Vergangenheit an:
Wer auf aufregende apokalyptische Enthüllungen über das Weltende oder den
weiteren Verlauf der Geschichte gewartet hatte, muß enttäuscht sein. Solche
Stillungen unserer Neugier bietet uns Fatima nicht, wie denn überhaupt der
christliche Glaube nicht Futter für unsere Neugierde sein will und kann. Was
bleibt, haben wir gleich zu Beginn unserer Überlegungen über den Text des
Geheimnisses gesehen: die Führung zum Gebet als Weg zur "Rettung der
Seelen" und im gleichen Sinn der Hinweis auf Buße und Bekehrung.
Ich möchte am Ende noch ein weiteres mit Recht berühmt gewordenes
Stichwort des Geheimnisses aufgreifen: "Mein Unbeflecktes Herz wird
siegen". Was heißt das? Das für Gott geöffnete, durch das Hinschauen
auf Gott rein gewordene Herz ist stärker als Gewehre und Waffen aller Art.
Das "Fiat" Marias, das Wort ihres Herzens, hat die Weltgeschichte
gewendet, weil es den Retter eingelassen hat in diese Welt - weil im Raum
dieses Ja Gott Mensch werden konnte und es nun ewig bleibt. Das Böse hat
Macht in der Welt, wir sehen es und erfahren es immer wieder; es hat Macht,
weil unsere Freiheit sich immer wieder von Gott abdrängen läßt. Aber seit
Gott selbst ein menschliches Herz hat und so die Freiheit des Menschen ins
Gute hinein, auf Gott zu, gewendet hat, hat die Freiheit zum Bösen nicht mehr
das letzte Wort. Seitdem gilt: "In der Welt werdet ihr Drangsal haben,
aber seid nur getrost, ich habe die Welt überwunden" (Joh 16,33).
Dieser Verheißung uns anzuvertrauen, lädt uns die Botschaft von Fatima ein.
JOSEPH Kard. RATZINGER Präfekt der
Kongregation für die Glaubenslehre
(1) Aus dem Tagebuch von Johannes XXIII, 17. August 1959: "Audienzen:
P. Philippe, Kommissar des Heiligen Offiziums, der mir den Brief überbringt,
der den dritten Teil der Geheimnisse von Fatima enthält. Ich behalte mir vor,
ihn mit meinem Beichtvater zu lesen".

(2) Es ist auf den Kommentar zu verweisen, den der Heilige Vater bei der
Generalaudienz am 14. Oktober 1981 über "Das Ereignis vom Mai: eine
große göttliche Prüfung" gegeben hat, in: Insegnamenti di Giovanni
Paolo II, IV, 2, Città del Vaticano 1981, 409?412.
(3) Radiobotschaft während des Gottesdienstes in der Basilika Santa Maria
Maggiore, Verehrung, Dank und Vertrauensakt an die Jungfrau und Gottesmutter
Maria, in: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, IV, 1, Città del Vatica no
1981, 1246.
(4) Am Tag der Familie im Rahmen des Jubeljahres vertraut der Papst die
Menschen und die Nationen der Madonna an, in: Insegnamenti di Giovanni Paolo
II, VII, 1, Città del Vaticano 1984, 775-777.
(5)

(6) In der vierten Erinnerung vom 8. Dezember 1941 schreibt Schwester
Lucia: "Ich beginne also meine neue Aufgabe und ich erfülle den Befehl
Eurer Exzellenz und die Wünsche von Dr. Galamba. Ich werde Ihnen alles sagen,
ausgenommen einen Teil des Geheimnisses, den mir jetzt zu offenbaren nicht
erlaubt ist. Bewußt werde ich nichts auslassen. Möglicherweise vergesse ich
manche Einzelheiten, die aber nicht wichtig sind".

(7) In der zitierten "vierten Erinnerung" fügt Schwester Lucia
an: "In Portugal wird man stets das Dogma des Glaubens bewahren,
usw".

(8) In der Übersetzung wurde der Originaltext auch in den Ungenauigkeiten
der Interpunktion geachtet. Diese behindern übrigens das Verständnis dessen,
was die Seherin sagen wollte, nicht.
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