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PÄPSTLICHER RAT ZUR FÖRDERUNG DER EINHEIT DER CHRISTEN

BERICHT VON MSGR. JOHN A. RADANO

25. Jahrestag der Veröffentlichung
eines wichtigen ökumenischen Dokuments
 


Im Jahr 2007 begehen wir den 25. Jahrestag der Veröffentlichung des Konvergenzdokuments »Taufe, Eucharistie und Amt«, das von der Kommission »Glaube und Verfassung« im Jahr 1982 veröffentlicht worden war. Ein wichtiges Jubiläum, das Gelegenheit bietet, die Bedeutung jenes Ereignisses näher zu betrachten, daran zu erinnern, was verwirklicht worden ist, und nach vorn zu blicken auf den Weg, der zu einer noch klareren Beurteilung der Situation beitragen kann. Die Kommission »Glaube und Verfassung« des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) verfügt über die weitestreichende theologische Repräsentativität, die zur Zeit besteht: ihr gehören orthodoxe, anglikanische und protestantische und seit 1968 auch katholische Theologen an.

Ökumenischer Meilenstein

»Taufe, Eucharistie und Amt« stellt einen ökumenischen Meilenstein dar. Das Dokument – Ergebnis der von »Glaube und Verfassung« während mehr als 50 Jahren durchgeführten Studien – wird als eines der einflußreichsten Ergebnisse des multilateralen Dialogs anerkannt. Es stellt die höchste Stufe ökumenischer Konvergenz und, in einigen Aspekten, der Übereinstimmung bezüglich der drei grundlegenden Themen dar, die seit dem 16. Jahrhundert zur Spaltung der Christen geführt haben und sie noch immer trennen. Die Zahl der in Umlauf befindlichen Exemplare dieser Studie, die weite Verbreitung fand und in über 30 Sprachen übersetzt wurde, beläuft sich inzwischen auf über 500.000.

Verschiedene Mitgliedskirchen des ÖRK und die Kirchen, die der Genfer Organisation nicht angehören, wie die katholische Kirche, haben sich formell zum Inhalt von »Taufe, Eucharistie und Amt« geäußert. Es ist dieses von »Glaube und Verfassung« herausgegebene Dokument, dem seit seiner Veröffentlichung und bis heute die größte Wertschätzung und Annahme zuteil geworden ist. Die Kommission hat in der Tat über 200 offizielle »Antworten« dazu erhalten, die in sechs Bänden veröffentlicht worden sind (1).

Die klar gegliederte und inhaltlich weitgehend zustimmende katholische »Antwort« macht auch wichtige und spezifische Bemerkungen zu jedem der drei von dem Dokument entwickelten Themen. In der Absicht, das wachsende ökumenische Verständnis hervorzuheben, erscheint es nützlich, hier einige dieser Überlegungen anzuführen. So ist die katholische »Antwort« zum Beispiel überzeugt, daß der Text über die Taufe »… auf den empfangenen und von der katholischen Kirche bekannten apostolischen Glauben gegründet ist. Er inspiriert sich in ausgewogener Weise an den Hauptabschnitten des Neuen Testaments, die sich auf die Taufe beziehen; er räumt dem Zeugnis der Urkirche einen wichtigen Platz ein«. Auch wenn er »nicht auf alle rund um die Taufe entstandenen großen Lehrfragen eingeht, […] weist er viele Ähnlichkeiten […] mit der Ausdrucksweise auf, wie der Glaube der Kirche bezüglich der Taufe vom II. Vatikanischen Konzil und in der von Papst Paul VI. promulgierten Liturgie der christlichen Initiation vertreten wird«. Was die Eucharistie betrifft, »können die Katholiken […] viel von dem erkennen, was dem Verständnis und der Praxis […] des Glaubens der Kirche durch die Jahrhunderte hindurch entspricht «. »Die Gliederung und Abfolge der Darlegung der Grundaspekte des Dokuments […] entsprechen der katholischen Lehre.«

Die Erarbeitung des Textes über das Amt unter ökumenischem Aspekt war der schwierigste Teil, und die katholische »Antwort« präzisiert: »Vielleicht kann keine der Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften ihren Glauben und praktischen Umgang in bezug auf das Amt in diesem Dokument vollständig widergespiegelt und bestätigt finden […]«.

Doch »wir schätzen es besonders, daß sich seine Darstellung an den Hauptlinien dessen orientiert, was wir als den ›Glauben der Kirche durch die Jahrhunderte‹ anerkennen«. In der allgemeinen Wertschätzung des Textes über das Amt stellt die katholische »Antwort« neun positive Elemente heraus, darunter: »die bedeutsamen trinitarischen, christologischen und ekklesiologischen Aspekte des Textes« und »die positive Beschreibung der Weihe, die zwar verschiedene Interpretationen zuläßt, aber gleichzeitig für ein sakramentales Verständnis offen bleibt«.

In der katholischen »Antwort« heißt es abschließend: »Die Katholiken können vielen der Aussagen, die in dem Dokument ›Taufe, Eucharistie und Amt‹ enthalten sind, zustimmen, auch wenn bei den drei Themen noch wichtige Bereiche festzustellen sind, die weitere Studien erfordern. Wir freuen uns über die erreichte Konvergenz und blicken einem weiteren Wachsen auf die Einheit hin entgegen.«

Die Wirkung von »Taufe, Eucharistie und Amt« auf die ökumenische Bewegung

Der vor 50 Jahren begonnene intensive theologische Dialog über »Taufe, Eucharistie und Amt«, der multilaterale Charakter dieses Dialogs, die weite Verbreitung und außergewöhnliche Aufnahme von seiten der Kirchen haben das Dokument zu einem ökumenischen Ergebnis von großer Relevanz gemacht. Das alles hat der Studie »Taufe, Eucharistie und Amt« eine gewisse ökumenische Bedeutung verliehen, dank welcher das Dokument zu einer der meistzitierten Quellen in den ökumenischen Vereinbarungen geworden ist. Diese Vereinbarungen wiederum haben einen wichtigen Wandel in den Beziehungen erlaubt, wie er sich zwischen einigen anglikanischen und protestantischen Kirchen vollzogen hat.

So bezieht sich zum Beispiel die Gemeinsame Erklärung von Porvoo, die 1993 in Nordeuropa eine engere Beziehung zwischen den anglikanischen Kirchen Großbritanniens und Irlands und den lutherischen Kirchen der nordeuropäischen und baltischen Länder eingeleitet hat, in der von der Erklärung formulierten Vereinbarung über das Bischofsamt im Dienst der Apostolizität der Kirche neben anderen Quellen auf den Abschnitt von »Taufe, Eucharistie und Amt«, der das Amt behandelt. Weitere wichtige Vereinbarungen in Europa, in den Vereinigten Staaten und in Australien zitieren das Dokument in ihren theologischen Erklärungen, die zeigen sollen, daß es derzeit möglich ist, eine neue Art von Beziehung herzustellen oder zu lehrmäßigen Übereinstimmungen zu gelangen. (2)

Die Wirkung von »Taufe, Eucharistie und Amt« auf die katholische Kirche kann in verschiedener Weise deutlich gemacht werden. Die 1987 veröffentlichte ausführliche katholische »Antwort« auf das Dokument stellte die erste formelle Antwort auf eine vom Ökumenischen Rat der Kirchen ausgearbeitete Studie dar. Papst Johannes Paul II. hat bekundet, daß »Glaube und Verfassung« nicht aufgehört hat, eine lebenswichtige Rolle in der ganzen ökumenischen Bewegung zu spielen«. (3) In seiner Enzyklika Ut unum sint hat er etwa achtmal auf die von »Glaube und Verfassung« geförderte Forschung Bezug genommen, ebenso wie er in den Jahren 1980 bis 1990 »Taufe, Eucharistie und Amt« in vielen seiner Ansprachen und eben auch in dieser Enzyklika zitiert hat. Als Papst Johannes Paul II. zum Beispiel davon sprach, daß die ökumenische Bewegung die Wiederentdeckung und das Wachsen der Brüderlichkeit ermöglicht habe, betonte er, daß die Anerkennung dieser Brüderlichkeit unter den Christen »in der Anerkennung der einen Taufe wurzelt.« (4) Er erinnerte daran, »daß der grundlegende Charakter der Taufe bei der Aufbauarbeit der Kirche auch dank des vielseitigen Dialoges deutlich in den Vordergrund gestellt worden ist«, und verweist in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf das besondere Verdienst der Studie »Taufe, Eucharistie und Amt«. (5) Papst Johannes Paul II. erkennt außerdem an, daß dieses Dokument zur Erneuerung des Gottesdienstes, besonders der Abendmahlsfeier, in den verschiedenen christlichen Gemeinschaften beigetragen hat, was einer Annäherung an die in der katholischen Kirche vollzogene Erneuerung des Gottesdienstes gleichkommt. (6)

Auf dem Weg zu weiteren Fortschritten

»Taufe, Eucharistie und Amt« ist auch heute immer noch wichtig. Wie wir am Anfang dieser Ausführungen sagten, ist der 25. Jahrestag der Veröffentlichung des Dokuments eine Gelegenheit, nach vorne zu schauen mit dem Wunsch auf weitere Ergebnisse. Man darf auf eine weitere ökumenische Entwicklung hoffen. In bezug auf Wesen, Ziel und Sendung der Kirche kann mit Befriedigung festgestellt werden, daß die Kommission »Glaube und Verfassung« besonders durch dieses Dokument eine bedeutsame Reihe von Studien über die Kirche eingeleitet hat.

Die theologischen Auseinandersetzungen trugen zu den Kirchenspaltungen des 5. und 11. Jahrhunderts bei; im 16. Jahrhundert zerrissen sie die Einheit der Kirche des Abendlands. Eine der Hauptsorgen der ökumenischen Bewegung muß daher die »unitatis redintegratio«, die Wiederherstellung der Einheit der Christen durch das gemeinsame Verständnis der von Christus eingesetzten einen und einzigen Kirche sein. Das Ziel, zu einem gemeinsamen Verständnis der einen Kirche zu gelangen, erfordert auch eine bilaterale Untersuchung – auf internationaler Ebene – zwischen der katholischen Kirche und jedem ihrer Dialogpartner, wie es seit dem II. Vatikanischen Konzil geschieht.

Der von »Glaube und Verfassung« geförderte multilaterale Dialog hat jedoch auch einen wichtigen Beitrag zu leisten. Mehrere offizielle »Antworten« auf »Taufe, Eucharistie und Amt« haben darauf hingewiesen, daß die Konvergenzen in bezug auf Taufe, Eucharistie und Amt dadurch vertieft werden könnten, daß man die Aufmerksamkeit direkt auf das Wesen der Kirche konzentriert, deren wesentlicher Bestandteil diese Sakramente sind. Das von »Glaube und Verfassung« geförderte Studium über die Kirche ist aufgenommen worden und hat mit der Erstellung zweier Dokumente bereits bedeutende Ergebnisse erbracht. Das erste wurde 1998 unter dem Titel »Wesen und Ziel der Kirche« veröffentlicht. Auf der Grundlage der Kommentare und Kritiken zu dem Text (die auch einen Beitrag katholischer Theologen enthielten, der auf Initiative des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen erarbeitet worden ist) wurde 2005 ein neuer Text veröffentlicht: »Wesen und Sendung der Kirche«, der das Thema weiter vertieft. Entsprechend dem schon bei »Taufe, Eucharistie und Amt« angewandten Vorgehen hat der ÖRK das Dokument mit der Absicht verteilt, Kommentare zu erhalten und dadurch den Dialog in Richtung eines gemeinsamen Verständnisses der von Christus eingesetzten einen Kirche fortzusetzen. Später soll dann ein auf der Grundlage der erhaltenen Kommentare erarbeiteter Folgetext veröffentlicht werden. Die katholische Kirche ist in diesem Studienprozeß präsent, und ihre Überzeugungen in bezug auf die Kirche tragen zu diesem fruchtbaren Dialog bei.

Wenn wir den 25. Jahrestag von »Taufe, Eucharistie und Amt« begehen, dürfen wir dankbar sein für die erreichten Ergebnisse und auf die Ergebnisse dieses Studienprozesses hoffen, der darauf ausgerichtet ist, wieder nach einem gemeinsamen Kirchenverständnis zu suchen.


1) Churches respond to BEM: official responses to the »Baptism, Eucharist and Ministry« text, Bd. I-V hrsg. von Max Thurian, Genf 1986–1988; Bd. VI enthält die offizielle Antwort der katholischen Kirche.

2) Vgl. VIII. Forum über die Bilateralen Dialoge, Genf 2002.

3) Information Service – Service d’Information des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Nr. 78 (1991), 200.

4) Johannes Paul II., Enzyklika Ut unum sint (1995), Nr. 42.

5) Ebd., Anm. 71.

6) Vgl. ebd., Nr. 45, Anm. 76.

 

     

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