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PÄPSTLICHER RAT  ZUR FÖRDERUNG DER EINHEIT DER CHRISTEN

BERICHT VON MSGR. JOHN MUTISO-MBINDA

Beziehungen zum Ökumenischen Rat der Kirchen

 

Wichtige Aktivitäten im Jahr 2004

Das bedeutendste Ereignis für die »Gemeinsame Arbeitsgruppe« in dem eben zu Ende gegangenen Jahr war die Vollversammlung, die vom 6. bis 13. Mai an der Orthodoxen Akademie von Kreta in Kolympari, Griechenland, abgehalten wurde. Das Hauptthema der Begegnung – an der die 38 Mitglieder der »Gemeinsamen Arbeitsgruppe« teilgenommen haben – betraf die Erstellung des Schlußberichtes über das derzeitige Mandat der Arbeitsgruppe (1999–2004). Das Dokument äußert sich positiv über die Beziehungen zwischen den beiden Gesprächspartnern während der letzten fünf Jahre. Damit, daß sie die Aufgabe der »Gemeinsamen Arbeitsgruppe« »zuerst und vor allem als eine Reise des Glaubens« beschrieben, haben die Teilnehmer eine Einschätzung der geleisteten Arbeit vorgenommen und ihren Hoffnungen für die Zukunft der ökumenischen Bewegung Ausdruck verliehen. Der Bericht, der im Laufe dieses Jahres 2005 veröffentlicht wird, umfaßt die folgenden Themen: Beschreibung von Wesen und Ziel der Beziehungen zwischen den beiden Partnern; eine Bewertung der bilateralen Zusammenarbeit und der von der »Gemeinsamen Arbeitsgruppe« während des derzeitigen Mandats geleisteten Arbeit; eine Bewertung der drei Dokumente, die die »Gemeinsame Arbeitsgruppe« in diesen Jahren über den ökumenischen Dialog, die Bedeutung der gemeinsamen Taufe und die Teilnahme der katholischen Kirche an den Kirchenräten auf regionaler und nationaler Ebene erstellt hat. Der Bericht bietet auch Empfehlungen für das nachfolgende Mandat der »Gemeinsamen Arbeitsgruppe« [2006–2013], wenn er Prioritäten für die Zukunft anmeldet, die vorrangig berücksichtigt werden sollten: der spirituelle Ökumenismus, die ökumenische Bildung und Ausbildung, das gemeinsame Zeugnis auf sozialem Gebiet und im Bereich der Moral, die Zusammenarbeit im Rahmen des interreligiösen Dialogs.

Die Beziehungen zum ÖRK waren in dem Berichtsjahr noch von einer anderen interessanten Initiative gekennzeichnet: einem Treffen in Rom am 22. und 23. März 2004 im Rahmen der laufenden bilateralen Zusammenarbeit mit dem ÖRK zum Thema Mission und Evangelisierung. Zweck der vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen einberufenen Begegnung war die Vorbereitung der katholischen Teilnahme an der Weltkonferenz über Mission und Evangelisierung (9. bis 16. Mai 2005 in Athen), die sich mit dem Generalthema: »Heiliger Geist, komm, um zu heilen und zu versöhnen«, befassen wird. Die 20 Teilnehmer an dem Treffen vertraten sechs Dikasterien der Römischen Kurie, die Union der Generaloberen und die Internationale Union der Generaloberinnen; außerdem waren unter ihnen Universitätsdozenten, Angehörige der Gemeinschaft von Sant’Egidio und die drei katholischen Experten, die feste Mitglieder der »Kommission für Mission und Evangelisierung« des ÖRK sind. Der Hauptzweck des Treffens bestand darin, die Teilnehmer mit dem Thema und Programm der Athener Konferenz vertraut zu machen und die Besonderheit des katholischen Beitrags zu der Tagung abzustecken.

Ein drittes Ereignis, auf das für 2004 hinzuweisen ist, betrifft die Konsultation, die in Genf (vom 30. November bis 3. Dezember) über das Thema »Der Ökumenismus im 21. Jahrhundert« abgehalten wurde. Der vom ÖRK ergangenen Einladung zu der Konsultation haben 106 Teilnehmer aus verschiedenen Teilen der Welt Folge geleistet; sie vertraten die Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die der Genfer Organisation als Mitglieder angehören, »weltweite Christliche Gemeinschaften«, regionale ökumenische Organisationen, nationale Kirchenräte und einige kirchliche Spezialeinrichtungen, Dienste und Werke. Der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen war durch zwei Mitarbeiter vertreten. Die Konsultation hatte den Zweck, zu einem gemeinsamen Nachdenken über die aktuellen Beziehungen zwischen den Partnern der ökumenischen Bewegung anzuregen, und im besonderen über eine Vision für die Bewegung im 21. Jahrhundert, über die strukturellen und gestaltungsmäßigen Veränderungen, die zur Verwirklichung einer solchen Vision notwendig sind. Die ökumenischen Bemühungen insgesamt, wie sie sich heute präsentieren, wurden auch visuell durch Grafiken veranschaulicht, die eine Synthese der Organisationen und Strukturen des Gesamtpanoramas der Ökumene boten. Außerdem wurden bei dem Treffen verschiedene Fragen bezüglich der »weltweiten Christlichen Gemeinschaften«, der regionalen ökumenischen Organisationen und der nationalen Kirchenräte analysiert, um ihr gegenseitiges Beziehungsverhältnis und die Schwierigkeiten, auf die sie bei dessen Umsetzung stoßen, besser zu verdeutlichen. Es wurden auch zehn Empfehlungen vorgelegt, von denen wir hier folgende anführen:

- – die Notwendigkeit, die theologische Basis der ökumenischen Bewegung klar und deutlich zu bestätigen und den ÖRK und seine Mitgliedskirchen und -gemeinschaften zur Fortführung der theologischen Reflexion über das Wesen der Kirche zu ermutigen;
- – die Notwendigkeit größerer Klarheit bei der Definition der Funktion des ÖRK, der regionalen ökumenischen Organisationen, der nationalen Kirchenräte und der kirchennahen Dienste und Werke;
– die Zweckmäßigkeit der Einrichtung einer aus 15 Mitgliedern zusammengesetzten ständigen Gruppe mit dem Auftrag, den Reflexionsprozeß fortzuführen und die während des Treffens angeführten Empfehlungen umzusetzen. Die Gruppe sollte sofort tätig werden und den Auftrag auch langfristig, in der Zeit nach der für 2006 vorgesehenen Generalversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen, fortsetzen. An die katholische Kirche erging die Einladung, einen Vertreter für die Gruppe zu ernennen.

Bilaterale Beziehungen

Das bedeutendste Ereignis, an dem der ÖRK im Jahr 2004 teilgenommen hat, war die vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen einberufene Internationale Tagung anläßlich des 40. Jahrestages der Verkündung des Ökumenismusdekretes Unitatis redintegratio des Zweiten Vatikanischen Konzils (11. bis 13. November 2004). Der ÖRK war vertreten durch den lutherischen Bischof von Strängnäs (Schweden), Jonas Jonson, und durch Frau Teny Pirri-Simonian, Sekretärin des Exekutivausschusses und Referentin für kirchliche und ökumenische Beziehungen des ÖRK sowie stellvertretende Sekretärin der »Gemeinsamen Arbeitsgruppe«. Eines der Referate der Konferenz, das noch einmal die Aktivität des Päpstlichen Rates seit seiner Gründung vorüberziehen ließ, hat die positiven Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem Ökumenischen Rat der Kirchen hervorgehoben, die sich dank der »Gemeinsamen Arbeitsgruppe« entwickelt haben. Der während der Konferenz gezeigte Dokumentarfilm Ut unum sint – 40 Jahre Ökumenismus bot unter anderem die Bilder vom historischen Besuch Papst Pauls VI. beim ÖRK im Jahr 1969 und vom Besuch Papst Johannes Pauls II. im Jahr 1984.

Im Rahmen der Beziehungen zu der Genfer Organisation gilt es auch auf den Besuch hinzuweisen, den Kardinal Renato Raffaele Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, dem Ökumenischen Rat der Kirchen am 6. Dezember 2004 abgestattet hat. Der Besuch ermöglichte einen Informationsaustausch über Themen, die in die Zuständigkeit dieses Dikasteriums des Heiligen Stuhls fallen, und eine Überlegung über mögliche Bereiche einer künftigen Zusammenarbeit.

In den Bereich der bilateralen Zusammenarbeit gehören auch zwei Initiativen des ÖRK, an denen Vertreter der Römischen Kurie teilgenommen haben. Im Rahmen des Vorbereitungsprozesses der bereits erwähnten Weltmissionskonferenz (im Mai 2005 in Athen) fand am John Knox-Zentrum in Genf vom 11. bis 13. Dezember eine Konsultation zur Abfassung eines Arbeitsdokumentes über das Thema »Health and Healing« [Gesundheit und Heilen] statt, an der Msgr. Antonio Soto, Mitarbeiter des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst, teilgenommen hat. Eine zweite Einladung war vom Ökumenischen Institut Bossey (Schweiz) ergangen: Es ersuchte um die Entsendung eines katholischen Experten, der ein Referat zum Thema »Die ökumenische Bewegung und die römisch-katholische Kirche: Zum Problem ›Macht und menschliche Verantwortung‹«. Die Vorlesung gehörte in das Programm der akademischen Kurse des Instituts im vergangenen Jahr zu dem Generalthema: »Dein ist das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit: Gottes Macht und menschliche Verantwortung«. Der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden hat die vom Institut ausgesprochene Einladung angenommen und einen seiner Mitarbeiter, Msgr. Bernard Muyembe Munono, beauftragt, den für den 16. Dezember 2004 vorgesehenen Vortrag zu halten.

Vom 6. bis 13. Februar 2004 haben die Studenten und das Lehrpersonal des Ökumenischen Hochschulinstituts von Bossey, wie jedes Jahr, einen Studienbesuch in Rom absolviert. Im Rahmen des vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen ausgearbeiteten Programms hatten die Teilnehmer Gelegenheit, die katholische Kirche besser und aus der Nähe kennenzulernen. Das Programm umfaßte Kontakte und Gespräche mit verschiedenen Dikasterien der Römischen Kurie und anderen katholischen Einrichtungen. Die Studenten sind mit den Vertretern sowohl der Union der Generaloberen wie der Generaloberinnen zusammengetroffen, die über ihre Berufung, ihr Charisma und ihr Leben sprachen. Außerdem vorgesehen waren in dem Programm Begegnungen mit der Fokolar-Bewegung, der Gemeinschaft von Sant’Egidio, Besuche von heiligen Stätten in Rom, vor allem der Basiliken und der Katakomben. Zum Abschluß ihres einwöchigen Besuches haben die Studenten von Bossey zwei Stunden mit den Mitarbeitern des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen verbracht, die ihnen die vielfältigen Aktivitäten des Dikasteriums erläuterten und ihnen Antwort auf ihre Fragen gaben. Der Besuch klang aus mit der Feier einer Vesper in der Kirche »Santi Domenico e Sisto«, unmittelbar neben der Päpstlichen Universität San Tommaso d’Aquino; einige Mitglieder der Theologischen Fakultät der Universität und Studenten der Abteilung für ökumenische Studien nahmen an der Vesper teil.

Zukunftsperspektiven

Was die Zukunft betrifft, so wird es in den nächsten Monaten eine Reihe von Ereignissen geben. Der aus 150 Mitgliedern bestehende Zentralausschuß des ÖRK wird vom 15. bis 22. Februar dieses Jahres in Genf zusammentreten. Zu den wichtigsten Programmpunkten der Tagung gehört die Planung der IX. Vollversammlung der Genfer Organisation im Februar 2006 in Porto Alegre, Brasilien. Der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen wird, wie üblich, von zwei Mitarbeitern in Beobachterfunktion vertreten sein. Der Exekutivausschuß der »Gemeinsamen Arbeitsgruppe« wird sich am 27. und 28. Februar 2005 in Genf treffen. Die Begegnung wird hauptsächlich der Vorbereitung einer Konsultation anläßlich des 40. Jahrestages der Errichtung der »Gemeinsamen Arbeitsgruppe« (1965–2005) gewidmet sein. Zweck der Konsultation (17. bis 19. November 2005 in Genf) wird es sein, den Beitrag der »Gemeinsamen Arbeitsgruppe«, den ihr anvertrauten Auftrag, zu bewerten und Empfehlungen für eine künftige Entwicklung der Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem ÖRK anzubieten.

Wie schon erwähnt, wird im kommenden Mai (9. bis 16.) in Athen die vom ÖRK ausgerichtete Weltmissionskonferenz stattfinden. Die ungefähr alle sieben Jahre veranstaltete Tagung wird 500 Teilnehmer zusammenführen, die die Mitgliedskirchen und -gemeinschaften des Ökumenischen Rates der Kirchen, diesem angeschlossene Missionsgesellschaften und einige katholische Missionsinstitute vertreten. Die katholische Kirche wird eine offizielle Delegation zu der Athener Konferenz entsenden.

 

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