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PÄPSTLICHER RAT ZUR FÖRDERUNG DER EINHEIT DER CHRISTEN

GEBETSWOCHE FÜR DIE EINHEIT DER CHRISTEN
und für das gesamte Jahr 200
9

"Damit sie eins werden in deiner Hand" (Ez 37, 17)

Gemeinsam vorbereitet und veröffentlicht vom
Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und
der ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung


 

Eine jährliche Broschüre wird vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und der ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung gemeinsam vorbereitet und veröffentlicht. Die deutschsprachige Fassung der Gottesdienstordnung für Deutschland, Österreich und die Schweiz wird von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) durch die Ökumenische Centrale in Frankfurt am Main erstellt und herausgegeben.

Einführung in das Thema der Gebetswoche 2009

Das biblische Thema

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen 2009 beruht auf den Erfahrungen der Kirchen in Korea. Vor dem Hintergrund ihrer nationalen Teilung haben sich die Kirchen um Inspiration an den Propheten Ezechiel gewandt, der selbst auch in einer tragisch geteilten Nation lebte und sich nach der Einheit seines Volkes sehnte.

Bereits im Alter von 30 Jahren wurde Ezechiel von Gott zum Propheten und Priester berufen. Während seiner Wirkungszeit von 594 bis 571 v. Chr. wurde er stark beeinflusst von den religiösen und politischen Reformen, die von König Josiah 621 v. Chr. begonnen wurden. König Josiah wollte die destruktive Gesetzgebung der vorausgegangenen Besetzung Judäas durch die Assyrer durch Reformen beseitigen, die das Gesetz und die wahre Anbetung des Gottes von Israel wiederherstellen sollten. Aber nach Josiahs Tod in der Schlacht erwies sein Sohn, König Jehoiakim, Ägypten seine Ehrerbietung und die Anbetung einer Vielzahl von Göttern gelangte zu voller Blüte. Propheten, die es wagten, Jehoiakim zu kritisieren, wurden brutal unterdrückt: Uriah wurde hingerichtet und Jeremiah verbannt. Nach der Invasion der Babylonier und der Zerstörung des Tempels im Jahr 587 v. Chr. wurden die Anführer und die Handwerker des Volkes – darunter auch der junge Ezechiel gefangen und nach Babylon verschleppt. Dort übte Ezechiel wie Jeremiah Kritik an den „Propheten“, die unrealistische Hoffnungen verbreiteten, und musste daher Feindschaft und Verachtung der anderen Israeliten im Exil über sich ergehen lassen.

Trotz all dieses Leids wuchs Ezechiels Liebe zu seinem Volk noch mehr. Er kritisierte die Anführer, die gegen Gottes Anweisungen handelten. Er wollte sein Volk zurück zu Gott führen und betonte daher immer wieder die Treue Gottes zu seinem Bündnis und die Solidarität Gottes mit seinem Volk. Vor allem aber verzweifelte Ezechiel angesichts der scheinbar hoffnungslosen Lage nicht, sondern verkündete eine Botschaft der Hoffnung: Gottes ursprüngliches Vorhaben die Erneuerung und die Einheit des Gottesvolkes sollte wieder Wirklichkeit werden. Ermutigt wurde Ezechiel durch zwei Visionen. Die erste ist die bekannte Vision vom Tal der ausgetrockneten Gebeine, die durch das Handeln von Gottes Geist wieder lebendig werden. (Ez 37,1-14).

Die Materialien für die diesjährige Gebetswoche basieren auf Ezechiels zweiter Vision, die zwei Holzstöcke beschreibt, Symbol für die beiden Königreiche, in die Israel aufgeteilt war. Die Namen der Stämme in jedem der getrennten Königreiche (zwei der ursprünglich zwölf im Norden und zehn im Süden) wurden auf diese Holzstöcke geschrieben, die dann wieder zu einem zusammengefügt wurden (Ez 37,15-23).

Ezechiel zufolge war die Teilung des Volkes sowohl Ausdruck als auch Resultat seiner Sündhaftigkeit und seiner Entfremdung von Gott. Sie könnten wieder zu einem Volk werden, wenn sie ihren Sünden abschwören, eine innere Umkehr vollziehen und zu Gott zurückkehren würden. Aber letztendlich ist es Gott, der das Gottesvolk durch Reinigung, Erneuerung und Befreiung von ihren Trennungen vereint. Für Ezechiel heißt diese Einheit nicht, dass einfach nur vormals getrennte Gruppen zusammenfinden; es ist vielmehr eine neue Schöpfung, die Geburt eines neuen Volkes, die ein Hoffnungszeichen für andere Völker und auch tatsächlich für die ganze Menschheit sein soll.

Das Thema der Hoffnung kommt auch in einem anderen Text zum Ausdruck, der den Kirchen in Korea viel bedeutet. Offenbarung 21,3-4 weist auf die Läuterung des Gottesvolkes hin, auf den wahren Frieden, Versöhnung und Einheit, die da zu finden ist, wo Gott wohnt: „Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.“

Es sind diese biblischen Themen – Einheit als Gottes Vorhaben für das Gottesvolk; Einheit als Geschenk Gottes, das aber Umdenken und Erneuerung erfordert; Einheit als eine neue Schöpfung; und die Hoffnung, dass Gottes Volk einmal wieder eins sein wird – die die koreanischen Kirchen veranlasst haben, diese Materialien für die Gebetswoche 2009 anzubieten.

Das theologische Thema

Im Jahr 2009 werden Christen auf der ganzen Welt für die Einheit beten: „dass sie eins sein mögen in deiner Hand“ (Ezechiel 37,17). Ezechiel – der Name bedeutet soviel wie „Gott macht ihn stark“ – wurde berufen, um seinem Volk in der verzweifelten religiösen und politischen Lage, die auf den Fall und die Besetzung Israels und das Exil vieler seiner Landsleute folgte, Hoffnung zu geben.

Die lokale Gruppe in Korea war der Meinung, dass der Text von Ezechiel einige fesselnde Parallelen zu ihrer eigenen Situation in einem geteilten Land und für eine geteilte Christenheit ergab. Ezechiels Worte geben ihnen die Hoffnung, dass Gott sein Volk wieder zu einem zusammenführen, sie sein Eigen nennen und sie segnen wird, um sie zu einem mächtigen Volk zu machen. Eine neue unvergleichliche Hoffnung entstand dadurch: dass Gott eine neue Welt erschaffen wird. So wie im Text des Ezechiel die Sündhaftigkeit mit all ihren Auswirkungen auf das Volk gesehen wird, das durch seine Götzenanbetung und seine Verstöße gegen Gott besudelt ist, so wird auch die Versündigung durch die Uneinigkeit der Christen in der heutigen Welt als skandalös angesehen.

Beim Lesen dieses alttestamentlichen Textes sollten wir Christen darüber nachdenken, wie wir seine Bedeutung für unsere eigene Situation der Trennung zu verstehen haben. Insbesondere sehen wir, dass Gott derjenige ist, der die Einheit wiederherstellt, der Menschen versöhnt und der eine neue Situation in unserem Sein schafft. Die Rolle des geeinten Israel, versöhnt und geläutert, wird ein Zeichen der Hoffnung für die ganze Welt.

Wie bereits oben erwähnt, ist die Prophezeiung der beiden Holzstöcke, die zu einem werden, die zweite Prophezeiung, die in Ezechiel 37 zu finden ist. Die erste, die wahrscheinlich in den Kirchen bekannter ist, ist die der ausgetrockneten Gebeine, die durch Gottes Geist wieder lebendig werden. In beiden Prophezeiungen ist Gott als Urheber des Lebens und des Neubeginns zu sehen. In der ersten Prophezeiung ist Gottes Geist der Geist des Lebens. In der zweiten bringt Gott selbst Einheit, Versöhnung und Frieden in eine geteilte Nation. Mit anderen Worten: Neues Leben entsteht durch die Vereinigung von zwei getrennten Teilen.

Christen sollten darin eine Vorankündigung dessen sehen, was durch Christus herbeigeführt werden wird: neues Leben nämlich, das durch die Überwindung des Todes entsteht durch Gehorsam unter Gottes (salvific – rettenden) heiligen Willen. Durch die zwei Holzstöcke, die sein Kreuz bilden, versöhnt Jesus uns mit Gott. Dadurch wird die Menschheit mit neuer Hoffnung erfüllt. Trotz unserer Sündhaftigkeit, trotz unserer Gewalttätigkeit und der Kriege, trotz der Ungleichheit zwischen Reich und Arm, trotz unseres Missbrauchs der Schöpfung, trotz Krankheit und Leiden, trotz Diskriminierung und trotz Uneinigkeit und Trennungen umarmt Jesus Christus – durch seine ausgestreckten Hände am Kreuz – die gesamte Schöpfung und bietet uns Gottes Shalom an. In seinen Händen sind wir eins, wenn wir zu ihm, der am Kreuz hängt, hingezogen werden.

Aus der Situation eines geteilten Landes heraus, das den Willen hat, nicht nur die politischen Trennungen, sondern auch die Trennungen zwischen den christlichen Kirchen zu überwinden, schlagen die koreanischen Kirchen als Thema für die Gebetswoche 2009 vor: „Damit sie eins werden in deiner Hand“. Sie sind der Meinung, dass neue Hoffnung entsteht durch ihr Nachdenken über Gottes Handeln der Versöhnung und durch das Überbringen des Shalom an Gottes Volk.

Wenn wir vom zentralen Text des Buches Ezechiel ausgehen, verhilft uns während der „Acht Tage“ der Gebetswoche für die Einheit der Christen unser Nachdenken zu einem tieferen Verständnis dafür, wie die Einheit der Kirche auch dem Wohl der Erneuerung der menschlichen Gemeinschaft dienen kann. Mit diesem Verständnis geht auch eine große Verantwortung einher: dass alle, die Jesus Christus als Herrn bekennen, versuchen sollten, sein Gebet zu erfüllen „dass alle eins sein mögen, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17,21).

Daher beginnen die Acht Tage mit einem Nachdenken über die Einheit der Christen. Wir beklagen unsere doktrinären Trennungen und unsere skandalöse Geschichte der Separation – und manchmal sogar des Hasses unter Christen – , und wir bitten darum, dass Gott, der den Geist des Lebens selbst in vertrocknete Gebeine haucht, der in seinen Händen unsere Einheit mitten in der Verschiedenheit formt, auch Leben und Versöhnung in unsere heutige Vertrocknetheit und Trennung haucht. An diesem und jedem der acht Tage sind wir eingeladen, für Situationen in unserer Welt zu beten, die Versöhnung nötig haben, und besonders darauf zu achten, welche Rolle die Einheit der Christen für das Zustandekommen von Versöhnung spielen kann.

Am zweiten Tag werden die Kirchen für Überwindung und Beendigung von Krieg und Gewalt beten. Wir beten dies als Jünger des Friedensfürsten. Christen inmitten der Konflikte können eine Versöhnung herbeiführen, die auf Hoffnung gründet. Der dritte Tag bietet eine Meditation über die große Ungleichheit zwischen Arm und Reich an. Unser Verhältnis zum Geld, unser Verhalten gegenüber den Armen, ist der Maßstab für unsere Nachfolge Jesu, der zu uns kam, um uns frei zu machen und den Armen die gute Nachricht zu verkündigen, Freiheit für die Sklaven und Gerechtigkeit für alle.

Durch die Gebete des vierten Tages sollen Christen sich darüber klar werden, dass sie nur gemeinsam in der Lage sind, die Gaben zu schützen, die Gott uns mit der Schöpfung anvertraute, die Luft, die wir atmen, die Frucht tragende Erde und die Schöpfung, die ihren Schöpfer verherrlicht. Am fünften Tag beten wir für das Ende von Vorurteilen und Diskriminierung, die Zeichen unserer heutigen Gesellschaften sind. Wir erkennen, dass uns unsere Würde von Gott gegeben ist, unsere Einheit als christliche Zeugen für die Einheit des Einen, der einen jeden von uns erschaffen hat als einzigartiges Wesen von Gottes Liebe. Das Königreich, das aufzubauen wir berufen sind, besteht aus Gerechtigkeit und einer Liebe, die Unterschiede respektiert, weil wir in Christus alle eins sind.

Am sechsten Tag gedenken wir im Gebet aller Leidenden und derer, die ihnen dienen. Die Psalmen lehren uns eindrücklich, dass der Schrei aller Notleidenden und die Antwort der Christen auf ihr Elend ein Zeichen für das Königreich ist. Gemeinsam können die christlichen Kirchen etwas verändern, indem sie den Armen helfen, die notwendige Hilfe zu erhalten, sowohl materiell als auch spirituell.

Am siebten Tag sehen sich die Christen dem Pluralismus gegenüber, wenn sie für ihre Einheit in Gott beten. Ohne diese Einheit wird es schwierig werden, ein Königreich des Friedens mit allen Männern und Frauen, die guten Willens sind, aufzubauen. Unsere Gebetsanliegen kommen am achten Tag zum Ausgangspunkt zurück, wenn wir darum bitten, dass der Geist der Seligpreisungen den Geist dieser Welt überwinden möge. Christen sind von der Hoffnung erfüllt, dass alle Dinge neu gemacht werden in einer neuen Ordnung, die sich auf Christus gründet. Dies macht Christen zu Hoffnungsträgern und Handwerkern der Versöhnung inmitten von Kriegen, Armut, Diskriminierung und anderen Zusammenhängen, in denen Menschen leiden und die Schöpfung ächzt.

Einführung

Im Zentrum des Gottesdienstes zur Gebetswoche für die Einheit der Christen im Jahr 2009 steht eine Zeichenhandlung aus dem Prophetenbuch Ezechiel.

Selten wird ein alttestamentlicher Text für die Einheit der Christenheit herangezogen. In Korea, aus dem der diesjährige Gottesdienstentwurf stammt, ist dieser Text aus Ezechiel 37 ein Schlüsseltext, mit dem das koreanische Volk beider Staaten ihre Sehnsucht nach Einheit ausdrückt. Seit über einem halben Jahrhundert ist die koreanische Halbinsel in zwei Staaten geteilt. Der Fall der Mauer in Deutschland 1989 hat viele Hoffnungen in Korea geweckt, dass eine Wiedervereinigung auch für ihr Land möglich werden könnte. Aber der Weg ist weit, die Situation nicht vergleichbar und trotzdem gibt es diese ungebrochene Hoffnung nach Einheit. Ihre Sprache findet diese Hoffnung in dem kräftigen und eindrücklichen Bild der zwei Stäbe aus der Ezechielprophetie. Die biblische Botschaft weist weit über eine oberflächliche Vereinigung auf einen tiefen Heilungsprozess hin, den Gott bewirken kann.

Eine ganze Reihe von Konflikten in unserer Welt rühren daher, dass Menschen und Völker durch fremde Grenzen auseinander gerissen werden. Der Prophet erinnert an Gottes heilende Kraft, die Einheit schaffen kann, wo Menschen sie zerstört haben. Sein Ruf zur Hoffnung ist zugleich ein Ruf zur Buße und zur Umkehr. Die Hinwendung zu Gott verändert nämlich die Perspektive. In Gottes Hand wird das Ganze sichtbar, die Trennungen von Menschen können überwunden werden. So führt der Weg der Hoffnung auf Einheit über das Schuldbekenntnis. Zu Beginn des Gottesdienstes, in der Nähe Gottes, steht das Erkennen, dass Menschen zerbrechen, was zusammen gehört. Und es endet mit dem gebet zur Einheit der Kirchen, das Christinnen und Christen auf dem weg zum Ökumenischen Kirchentag im Jahr 2010 begleitet.

Die Gottesdienstgemeinde zur Gebetswoche hört den Ruf Christi zur Einheit, wie er im Johannesevangelium (Kapitel 17) überliefert ist. Mit Ezechiel wird sie ermutigt, auf die Zertrennung und das Versagen der Kirchen zu schauen, vielmehr aber noch auf das heilende Handeln Gottes.

Das Arbeitsheft, das zur Gebetswoche ebenfalls erscheint, erinnert mit Meditationen und Bildern an die Überwindung der Zerrissenheit in Europa nach dem Ende des Kalten Krieges und den Fall der Mauer. Viele Menschen haben im Jahr 1989 erlebt, wie Gebete und Kerzen politische Wirklichkeit verändern können. Christen über die Konfessionsgrenzen hinweg haben sich gemeinsam für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung eingesetzt, in Wort und Aktion, in Gebet und Gottesdienst. Das gemeinsame Beten hatte und hat eine Strahlkraft weit über die Kirchen hinaus. Im Materialheft sind außerdem die Texte für die gesamte Woche enthalten, in der die Überwindung von Trennungen (z.B. zwischen den Religionen, Gesunden und Kranken, Armen und Reichen) entfaltet wird.

Für den Gottesdienst sind drei Projekte für die Ökumenische Kollekte ausgewählt worden. Wir bitten Sie, bei der Gottesdienstvorbereitung diese Empfehlungen zu berücksichtigen und eines der Projekte durch die Gemeindekollekte zu unterstützen.

Die konkrete Verheißung des Propheten zur Einheit seines Volkes weist über die gottesdienstliche Gemeinde hinaus in eine Welt, die ins Gebet genommen wird. Unser Wunsch ist, dass der Gottesdienst und die Gebetswoche für die Einheit der Christen das ökumenische Miteinander stärken.

Ihre Ökumenische Centrale
der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland

(verantwortlich auf die Erstellung der deutschsprachigen Ausgabe)

 

Ökumenischer Gottesdienst

Damit sie eins werden in deiner Hand
(Ezechiel 37,17)

L: Liturgen und Liturginnen
G: Gemeinde

GL: Gotteslob
EG: Evangelisches Gesangbuch
TM: Thuma Mina

Eröffnung

Orgelmusik
Lied Nun danket all und bringet Ehr oder ein anderes Lied GL 267/EG 322

Gemeinsamer Einzug der Liturgen und Liturginnen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die die Bibel, einen Gong und Stangen tragen, die als Symbol der Einheit inspiriert durch den Text des Ezechiel zusammengebunden werden sollen. Die Stabträger und der/die Träger/in mit dem Gong stehen vor dem Kreuz oder vorn im Altarraum in der Kirche. (Als Stäbe sind Weideruten denkbar, wie sie im Weidendom in Rostock bei der Bundesgartenschau verwendet wurden. Jede Gemeinde erhält am Ende des Gottesdienstes zwei zusammengebundene Stäbe, die eingepflanzt werden können und Wurzeln schlagen.)

Begrüßung

Ein Gong ertönt dreimal, um den Beginn des Gottesdienstes anzuzeigen.

L Die Gnade und der Friede Gottes, unseres Vaters, unseres Herrn Jesus Christus und des Heiligen Geistes sei mit euch jetzt und alle Zeit.
G Und mit deinem Geist.

L Der diesjährige Gottesdienst beruht auf Vorschlägen der Christinnen und Christen in Korea, eines Volkes, dessen Land in zwei Staaten geteilt ist. Wir werden vom Propheten Ezechiel hören, der eine Vision zweier Holzstäbe hatte, die von Gott zu einem zusammengefügt wurden.

Psalm zur Eröffnung: Ps 146 (oder ein anderer Psalm)

L Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele! Ich will den Herrn loben, solange ich lebe, meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin.

Verlasst euch nicht auf Fürsten, auf Menschen, bei denen es doch keine Hilfe gibt. Haucht der Mensch sein Leben aus und kehrt er zurück zur Erde, dann ist es aus mit all seinen Plänen.

Wohl dem, dessen Halt der Gott Jakobs ist und der seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, setzt. Der Herr hat Himmel und Erde gemacht, das Meer und alle Geschöpfe; er hält ewig die Treue.

G Recht verschafft er den Unterdrückten, den Hungernden gibt er Brot; der Herr befreit die Gefangenen. Der Herr öffnet den Blinden die Augen, er richtet die Gebeugten auf. Der Herr beschützt die Fremden und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht. Der Herr liebt die Gerechten, doch die Schritte der Frevler leitet er in die Irre.

L Der Herr ist König auf ewig, dein Gott, Zion, herrscht von Geschlecht zu Geschlecht. Halleluja!

Bußritus

Lied Kyrie EG 178.9

L Kommt näher zu Gott. Lasst uns näher zu Gott kommen, der uns gnädig ist und der die Quelle unserer Hoffnung und unserer Sehnsucht ist.

(Diese Einladung kann auf Koreanisch gesprochen werden, um herauszuheben, dass es die Christinnen und Christen dieses Landes sind, die uns in diesem Jahr bei der Bitte um die Einheit der Christen helfen: Katscha, huiman-e tschunim ke).

L Wir kommen als Christinnen und Christen aus getrennten Gemeinschaften zusammen. Wir wissen um die Uneinigkeit und unsere Unfähigkeit, überzeugende Botschafterinnen und Botschafter der Versöhnung in der Welt zu sein. Welche Schritte der persönlichen und kirchlichen Umkehr müssen wir tun, um zur vollen Gemeinschaft in Christus zu kommen? Aus dem großen Vertrauen, dass Gott zusammenfügen kann, was Menschen zerrissen haben und zerreißen, bitten wir Gott um sein Erbarmen.

L Katscha, huiman-e tschunim ke! Lasst uns näher zu Gott kommen!

G Katscha, huiman-e tschunim ke!

Gong 1 mal geschlagen
 

Lied Kyrie EG 178.9

Während des Kyrierufes verteilen sich die Stabträger, die vorn in der Kirche zusammen stehen, im Altarraum und stellen sich einzeln auf als Zeichen der Trennung und Schuld an der Einheit in Christus.

L Aus der Tiefe rufe ich zu dir, o Herr, Herr, höre meine Stimme.
G Herr, wir rufen zu dir, aber so oft rufen wir mit unterschiedlichen Stimmen.

L Lass deine Ohren offen sein für meine Gebete.
G Herr, wir flehen um Einheit, aber wir sind nicht bereit, den Preis für die Versöhnung zu zahlen.

L O Herr, wer würde überleben, wenn du dich unserer Sünden erinnern wolltest.
G Wer würde überleben? Wir treten vor dich mit dem Unvermögen, aus dem Geist Jesu auf das Leid und die Zertrennungen der Welt zu reagieren.

Gong 1 mal anschlagen
Lied Kyrie EG 178.9

L Ich warte auf den Herrn mit ganzer Seele und sehne mich nach seinem Wort.
G Meine Seele erwartet den Herrn, ungeduldiger als alle, die den Morgen herbeisehnen.

L Ezechiel spricht dieses Wort des Herrn: Ich werde sie von all ihren Sünden erlösen und sie reinwaschen. Dann werden sie mein Volk sein und ich werde ihr Gott sein. Sie werden eins sein in meiner Hand. Gott, du bist unsere einzige Hoffnung.
G Gott, du bist unsere Hoffnung. Hilf uns, Werkzeuge deiner Versöhnung zu sein.

Gong 1 mal anschlagen
Lied Kyrie EG 178.9

Die Trägerinnen und Träger der Stangen und des Gongs nehmen Platz.

Verkündigung des Wortes

L Erste Lesung: Ezechiel 37,15-19.22-24a

Lied Dank sei dir Vater für das ewige Leben GL 634, 1.5.6 oder: Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut EG 326, 1.3.5

L Zweite Lesung: Römerbrief 8,18-21

Lied Halleluja! EG 182, 1

L Evangelium nach Johannes 17,8-11

Lied Halleluja EG 182, 1 oder: Dein Wort, Herr, nicht vergehet GL 614, 3

Predigt zu Ezechiel 37,15-19.22-24a

(Stille)

Lied Hilf mir und segne meinen Geist EG 503, 13-15

Das Glaubensbekenntnis von 381

L Wir wollen nun zusammen das gemeinsame Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel* sprechen
Die Gemeinde erhebt sich.

G Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott, von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wieder kommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, katholische (allgemeine) und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.

Die Gemeinde nimmt Platz.

Fürbitten

L Im Glauben beten wir zu Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist.

L1 Lasst uns beten für unsere Kirchen, Gemeinden am Ort, und ökumenischen Gruppen; für alle hier Anwesenden und die, die bei unserer heutigen Versammlung nicht dabei sein können. Herr, vergib uns, wenn wir uns gegenseitig nicht beachten und heile die Wunden und die Trennungen, die uns voneinander fernhalten.

L2 Lasst uns beten für eine größere Wertschätzung unserer gemeinsamen Taufe in den Leib Christi.

Lied Chuyo chuyo (Höre, höre uns, Gott) TM 42 oder: Herr, erhöre unser Gebet. (gesprochen oder gesungen)

L1 Lasst uns beten für unsere kirchliche und geistliche Leitung, dass sie sich vom Geist Christi leiten lässt.

L2 Lasst uns beten für die politisch Verantwortlichen, dass sie in Gerechtigkeit und Frieden regieren und sich besonders für die Schwachen einsetzen.

G Herr, erhöre unser Gebet.

L1 Lasst uns beten für alle Nationen und Gemeinschaften, die in tiefer Zerrissenheit und inneren Konflikten leben. Herr, wir denken in besonderer Weise an das koreanische Volk im Norden und im Süden, dass seine Suche nach Einheit trotz aller politischer Trennungen Früchte tragen möge und ein Hoffnungszeichen werde für alle, die Versöhnung inmitten der Trennungen suchen.

L2 Lasst uns beten für unser eigenes Land und unseren Kontinent, der über Jahrzehnte zerteilt war in Ost und West. Lasst uns beten für die Überwindung der Mauer in unseren Köpfen und Herzen.

G Herr, erhöre unser Gebet.

L1 Lasst uns dankbar beten für all jene, die durch deinen Geist in unserem Leben und Glauben einen wichtigen Platz eingenommen haben, in denen sich deine Vergebung, dein Mitleid und deine Nächstenliebe widerspiegeln. Erwecke durch ihre Gaben und Großzügigkeit auch in uns den Wunsch, mit unseren Leben zu dienen.

L2 Lasst uns beten für alle christlichen Kirchen. Wir bitten um deine Hilfe, Herr, dass sie eines Tages alle um deinen Tisch versammelt sein werden, um als Geschwister das Heilige Mahl miteinander zu teilen.

G Herr, erhöre unser Gebet.

Vaterunser

L Lasst uns, jede und jeder in der eigenen Sprache, zusammen beten mit den Worten, die Jesus uns anvertraut hat.
Die Gemeinde erhebt sich.

G Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Die Gemeinde nimmt Platz.

Friedensgruß und Symbolhandlung

L Als Zeichen unserer Verpflichtung, nach Versöhnung zu suchen, lasst uns nun den Friedensgruß austauschen.

Die Stabträger binden nun immer zwei Stangen/Stöcke zusammen als Zeichen der Versöhnung durch die Initiative und das Handeln Gottes, der uns vereint in seiner Hand hält. Während des Friedenszeichens treten Vertreter/innen aller beteiligten Gemeinden vor den Altar und erhalten zusammengebundene Stäbe. Sie beten nach dem Lied gemeinsam mit der Gemeinde das „Gebet zur Einheit“.

Lied Während des Friedensgrußes wird das folgende Lied gesungen: oder: Nun singe Lob GL 638

Komm nun Fürst

1. Komm nun, Fürst des Friedens, ein’ uns zu deinem Leibe, / komm, Herr Jesus. Komm, versöhne dir all dein Volk.
2. Komm nun, Gott der Liebe, ein’ uns zu deinem Leibe, / komm, Herr Jesus, komm, versöhne dir all dein Volk.
3. Komm nun und befrei uns, denn du bist unser Retter, / komm, Herr Jesus, komm, versöhne dir all dein Volk.
4. Komm, erhoffte Einheit, ein’ uns zu deinem Leibe, / komm, Herr Jesus, komm, versöhne dir all dein Volk. Aus Korea

Gebet zur Einheit

L Im ökumenischen Gottesdienst während des Katholikentages 2008 in Deutschland (Osnabrück) sprach die Gemeinde das „Gebet zur Einheit“, das die Christinnen und Christen über den Evangelischen Kirchentag in Bremen bis zum 2. Ökumenischen Kirchentag in München begleiten soll. Wir stimmen in diese Worte ein und beten gemeinsam:

G Wir beten für die eine Christenheit. Dass wir unser Herz den Schwestern und Brüdern in unseren christlichen Nachbargemeinden öffnen, dass wir alle gemeinsam Christus suchen und bekennen, dass wir eins seien im Gebet und in der Liebe, im Zeugnis und im Dienst. Amen.

Schlussgebete und Sendung

L Wir verlassen nun diesen Ort des Gebetes, um an den Ort unseres Lebens zurückzukehren, von dem wir gekommen sind. Wir sind gestärkt durch sein Wort und den Glauben unserer Geschwister. Wir gehen voller Hoffnung unseren Weg weiter. Gott sendet und aus als Zeuginnen und Zeugen seiner Liebe und als Teil seiner neuen Schöpfung.

G Herr, bleibe bei uns.

Lied Strahlen brechen viele EG 268 oder: Komm Herr segne uns GL 923/EG 170

Segen

L Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

 

Meditationen und Gebete für die acht Tage

1. TAG

Christliche Gemeinde im Angesicht alter und neuer Spaltungen

Ez 37, 15-19, 22-24a
Dann füge beide zu einem einzigen Holz zusammen, sodass sie eins werden in deiner Hand (17)

Ps 103, 8-13 + (14 - 18)
Der Herr ist barmherzig und gnädig (8) … doch die Huld des Herrn währt immer und ewig (17)

1 Kor 3, 3-7 + 21-23
Eifersucht und Streit herrschen unter euch (3) … Ihr aber gehört Christus (22)

Joh 17, 17-21
Alle sollen eins sein … damit die Welt glaubt (21)

Meditation

Christinnen und Christen sind dazu berufen, Werkzeuge der zuverlässigen und versöhnenden Liebe Gottes in einer Welt zu sein, die durch vielfältige Erfahrungen von Trennung und Entfremdung gekennzeichnet ist. Durch die Taufe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, durch unser Glaubensbekenntnis an den gekreuzigten und auferstandenen Christus sind wir ein Volk, das Christus angehört, ein Volk, das ausgesandt ist, um Leib Christi zu sein in und für die Welt. Christus betete darum für seine Jünger: dass sie alle eins seien, damit die Welt glaube.

Meinungsverschiedenheiten unter Christinnen und Christen bei fundamentalen Themen des Glaubens und der christlichen Nachfolge – Trennungen zwischen den Kirchen des Ostens und des Westens, die seit der Reformation bestehen, und die Risse im Leib Christi, die jüngeren Datums sind – fügen unserer Glaubwürdigkeit, vor der Welt Zeugnis abzulegen, schweren Schaden zu. Nach Korea, wie auch in viele andere Länder, wurde das christliche Evangelium durch sich widersprechende Stimmen getragen, die einen Missklang in die Verkündigung der Frohen Botschaft brachten. Man kann versucht sein, die derzeitigen Spaltungen mit all ihren sie begleitenden Konflikthintergründen eher als Naturgesetz unserer christlichen Geschichte anzusehen als vielmehr als internen Widerspruch zu der Botschaft, dass Gott die Welt in Christus versöhnt hat.

Ezechiels Vision der zwei Hölzer, beschriftet mit den Namen der geteilten Königreiche des alten Israel, die eins wurden in Gottes Hand, ist ein gewaltiges Bild, das die Macht Gottes zeigt, Versöhnung herbeizuführen und für ein Volk, das fest in seinen Spaltungen verankert ist, das alles zu tun, was diesem selbst nicht möglich ist. Es ist eine äußerst kräftige Metapher für die geteilte Christenheit, die die Quelle der Versöhnung aufzeigt, die im Herzen der christlichen Verkündigung selbst zu finden ist. Mit diesen zwei Holzstöcken, die die Form des Kreuzes annehmen können, nimmt Christus, der Herr der Geschichte, die Wunden und Trennungen der Menschheit auf sich. In dem umfassenden Geschenk, das Jesus durch sein Kreuz auf sich genommen hat, hält er die Sünde der Menschen und Gottes erlösende beständige Liebe zusammen in einer Hand. Christ/in zu sein bedeutet, in seinen Tod hinein getauft worden zu sein, durch den der Herr in seiner unendlichen Güte die Namen der verwundeten Menschheit in das Holz des Kreuzes eingebrannt hat. So behält er uns bei sich und erneuert unsere Verbindung zu Gott und untereinander.

Christliche Einheit ist eine Gemeinschaft, die sich auf die Zugehörigkeit zu Christus, zu Gott, gründet. Je entschiedener wir uns zu Christus wenden, desto mehr werden wir durch die Kraft des Heiligen Geistes versöhnt werden. Das Gebet für die Einheit der Christen ist ein Bekenntnis unseres Vertrauens auf Gott, ein vollkommenes Sichöffnen für diesen Geist. Verbunden mit unseren anderen Bemühungen um Einheit zwischen den Christen – Dialog, gemeinsames Zeugnis und Mission – ist das Gebet für die Einheit ein besonderes Mittel, durch das der Heilige Geist die Versöhnung in Christus deutlich sichtbar macht in der Welt, zu deren Rettung Christus kam.

Gebet

Du Gott des Mitleidens, du hast uns geliebt und vergeben in Christus und willst die ganze Menschheit in dieser erlösenden Liebe versöhnen. Schau mit Wohlgefallen auf uns, die wir arbeiten und beten für die Einheit der getrennten christlichen Gemeinden. Lass uns die Erfahrung machen, Brüder und Schwestern in deiner Liebe zu sein. Lass uns eins sein, eins in deiner Hand. Amen.

2. TAG

Christliche Gemeinde im Angesicht von Krieg und Gewalt

Jes 2, 1-4
Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg (4)

Ps 74, 18-23
Das Leben deiner Armen vergiss nicht für immer (19)

1 Petr 2, 21-25
Durch seine Wunden seid ihr geheilt (24)

Mt 5, 38-48
Betet für die, die euch verfolgen (44)

Meditation

Krieg und Gewalt sind immer noch große Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, die der Wille Gottes für die Menschheit ist. In letzter Konsequenz sind Krieg und Gewalt das Ergebnis der unverheilten Trennung, die in uns selbst besteht und in der menschlichen Arroganz, die uns daran hindert, die wahre Grundlage unserer Existenz zu entdecken.

Koreanische Christen sehnen sich danach, die fünfzig Jahre währende Teilung von Nord- und Südkorea zu beenden und einen Frieden zu erleben, wie er überall auf der ganzen Welt herrschen soll. Die Instabilität, die auf der koreanischen Halbinsel vorherrscht, zeigt nicht nur den Schmerz der letzten noch geteilten Nation der Welt, sondern sie symbolisiert auch die Mechanismen von Trennung, Widersprüchlichkeiten, Feindseligkeit und Rache, die die Menschheit quält.

Wie kann dieser Kreislauf von Krieg und Gewalt durchbrochen werden? Jesus zeigt uns die Kraft, die sogar in den brutalsten Situationen von Gewalt und Ungerechtigkeit den bösartigen Kreislauf von Krieg und Gewalt zum Stillstand bringen kann. Seinen Jüngern, die auf Gewalt und Wut reagieren, wie es in der Welt üblich ist, lehrt er Gewaltverzicht (Mt 26, 51-52).

Jesus deckt die menschliche Gewalt auf und überwindet sie. Im Vertrauen auf den Vater stirbt er am Kreuz, um uns von Sünde und Tod zu erretten. Das Kreuz lässt den Widerspruch und den tief sitzenden Konflikt der menschlichen Natur erkennen, zugleich markiert Jesu gewaltsamer Tod den Beginn einer neuen Schöpfung, die die menschliche Sünde, Gewalt und Krieg an genau dieses Kreuz schlägt.

Jesus Christus lehrt eine Gewaltlosigkeit, die mehr ist als schlichter Humanismus. Er lehrt die Wiederherstellung der Schöpfung Gottes sowie Hoffnung und Glauben an das Kommen des neuen Himmels und der neuen Erde am Ende der Zeit. Diese Hoffnung, die sich auf Jesu endgültigen Sieg über den Tod am Kreuz gründet, macht uns Mut, mit der Suche nach der Einheit der Christen und im Kampf gegen alle Formen des Krieges und der Gewalt fortzufahren.

Gebet

Herr, du gabst dich selbst für die Einheit der gesamten Menschheit am Kreuz hin. Wir bringen dir unsere menschliche Natur dar, die von Egoismus, Überheblichkeit, Eitelkeit und Zorn gekennzeichnet ist.
Herr, verlass die Unterdrückten nicht, die unter Gewalt, Hass und Zorn leiden, in welcher Gestalt auch immer. Wir bitten für die Opfer von Irrglauben und ideologischen Differenzen.
Herr, wende dich uns zu mit Mitleid und behüte dein Volk, so dass wir Frieden und Freude genießen als Anteil deiner Schöpfung.
Herr, lass alle Christinnen und Christen zusammenarbeiten, um deine Gerechtigkeit aufzurichten und nicht die unsrige.
Schenk uns den Mut, anderen zu helfen, ihr Kreuz mitzutragen und ihnen nicht unser Kreuz auch noch auf die Schultern zu laden.
Herr, lehre uns weise zu sein und unsere Feinde zu lieben, anstatt sie zu hassen. Amen.

3. TAG

Christliche Gemeinde im Angesicht von Armut und ökonomischer Ungerechtigkeit

Lev 25, 8-14
Das Jubeljahr befreit (10)

Ps 146
Der Herr verschafft den Unterdrückten Recht (7)

1 Tim 6, 9-10
Die Wurzel aller Übel ist die Habsucht (10)

Lk 4, 16-21
Jesus und das Gnadenjahr als Befreiung (19)

Meditation

Wir beten für das Kommen des Königreiches Gottes. Wir sehnen uns nach einer Welt, in der Menschen, insbesondere die Ärmsten, nicht vor ihrer Zeit sterben müssen. Trotzdem verschlimmert das ökonomische System unserer Welt täglich die Lage der Ärmsten und verschärft die soziale Ungleichheit.

Heute wird die Weltgemeinschaft mit der wachsenden Gefährdung der Arbeit und den daraus resultierenden Folgen konfrontiert. Die Vergötterung des Marktes (Profits) oder die Liebe zum Geld (Habsucht), wie schon der Autor des Timotheusbriefes sagt, erscheint demnach als „die Wurzel aller Übel“. Was können und müssen die Kirchen tun? Werfen wir einen Blick auf das biblische Thema des Jubeljahres, an das Jesus erinnerte, um seinen Auftrag zu beschreiben.

Gemäß dem Text des Leviticus (3. Mose) wurde während des Jubeljahres Befreiung verkündet; Wirtschaftsmigranten konnten nach Hause und zu ihren Familien zurückkehren; wenn jemand all sein Hab und Gut verloren hatte, konnte er auch im Volk als ausländischer Mitbewohner leben. Geld durfte nicht gegen Zinsen verliehen und Nahrungsmittel nicht mit Gewinn verkauft werden.

Das Jubeljahr setzte eine gemeinschaftliche Ethik voraus, die Befreiung der Sklaven und ihre Heimkehr, die Wiederherstellung finanzieller Rechte und den Erlass der Schulden. Für die Opfer ungerechter sozialer Strukturen bedeutete dies die Wiederherstellung von Recht und Gerechtigkeit sowie ihrer Existenzgrundlagen.

Das Ziel der Welt von heute, „immer mehr Geld“ als höchsten Wert und Lebensziel zu betrachten, kann nur zum Tode führen. Im Gegensatz dazu sind wir als Kirchen dazu aufgerufen, im Geiste des Jubeljahres zusammen zu leben, Christus zu folgen und seine gute Nachricht zu verbreiten. Da Christen die Heilung ihrer Trennungen erfahren, nehmen sie auch andere Trennungen aufmerksamer wahr, die die Menschheit und die Schöpfung verwunden.

Gebet

Gott der Gerechtigkeit,
es gibt Orte auf dieser Welt, die Nahrung im Überfluss haben,
und andere, an denen Mangel herrscht, wo es viele Hungrige und Kranke gibt.
Gott des Friedens,
es gibt Menschen auf dieser Erde, die von Gewalt und Krieg profitieren und andere, die aufgrund von Gewalt und Krieg gezwungen sind, ihre Häuser zu verlassen und zu Flüchtlingen zu werden. Gott des Mitgefühls, hilf uns zu verstehen, dass wir nicht vom Geld allein leben können; aber dass wir leben können vom Wort Gottes.
Hilf uns zu verstehen, dass wir Leben und wahren Wohlstand nicht erlangen können, außer durch die Liebe zu Gott und dem Gehorsam gegenüber seinem Willen und seiner Lehre. Wir beten im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. Amen.

4. TAG

Christliche Gemeinde im Angesicht ökologischer Krisen

Gen 1, 31
Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut

Ps 148, 1-5
Er gebot, und sie waren erschaffen (5)

Röm 8, 18-23
Die Zerstörung der Schöpfung

Mt 13, 31-32
Das kleinste von allen Samenkörnern (32)

Meditation

Gott erschuf unsere Welt mit Weisheit und Liebe, und als er das große Werk der Schöpfung vollbracht hatte, sah Gott, dass es gut war.

Heute aber steht die Welt einer ökologischen Krise gegenüber. Als Folge unserer übermäßigen Energieverschwendung leidet die Erde unter der globalen Erwärmung. Im Laufe der letzten 40 Jahre hat sich die Fläche der Wälder auf unserem Planeten um 50 % verringert, während die Wüsten sich immer schneller ausdehnen. Dreiviertel des Meereslebens ist bereits verschwunden. Jeden Tag sterben über 100 Spezies an Lebewesen aus, und dieser Verlust der Artenvielfalt ist für die Menschheit selbst eine ernste Bedrohung. Mit dem Apostel Paulus können wir sagen: Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen. Ihr Seufzen ist so schmerzvoll wie bei Geburtswehen.

Es lässt sich nicht leugnen, dass größtenteils die Menschen für die Zerstörung der Schöpfung verantwortlich sind. Ihre ungezügelte Gier wirft den Schatten des Todes auf die gesamte Schöpfung.

Gemeinsam müssen Christinnen und Christen alles in ihren Kräften Stehende tun, um die Schöpfung zu retten. Wegen des ungeheuren Ausmaßes dieser Aufgabe müssen sie ihre Kräfte vereinen. Nur gemeinsam können sie das Werk des Schöpfers schützen. Es ist nicht zu übersehen, welche zentrale Stellung Jesus in seinen Gleichnissen und Lehren den Themen aus der Natur einräumt. Christus hat auch größten Respekt vor dem kleinsten aller Samenkörner. Im Wissen um diese biblische Vision der Schöpfung können Christinnen und Christen ihren Beitrag zu den gegenwärtigen Überlegungen für die Zukunft unseres Planeten leisten.

Gebet

Gott, unser Schöpfer. Durch dein Wort wurde die Welt erschaffen, und du hast gesehen, dass es gut war. Aber heute bringen wir Tod und Zerstörung über unsere Umwelt. Erlöse uns von unserer Gier und hilf uns, sorgsam mit deinen Geschöpfen umzugehen. Gemeinsam sehnen wir uns danach, die Schöpfung zu retten. Amen.

5. TAG

Christliche Gemeinde im Angesicht von sozialen Vorurteilen und Diskriminierung

Jes 58, 6-12
Entziehe dich nicht deinen Verwandten (7)

Ps 133
Wie gut ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen (1)

Gal 3, 26-29
Ihr alle seid „einer“ in Jesus Christus (28)

Lk 18, 9-14
Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren (9)

Meditation

Zu Beginn waren alle Menschen, geschaffen nach Gottes Ebenbild, als eben eins in seiner Hand (Ez 37,17). Dann aber zog die Sünde in die Herzen der Männer und Frauen ein, und seitdem haben die Menschen Vorurteile entwickelt in unterschiedlichen Gestalten. Hier kann es wegen Rasse und ethnischer Zugehörigkeit sein, anderswo kann schon die sexuelle Orientierung oder einfach nur die Tatsache, Mann oder Frau zu sein, ein Grund für Diskriminierung sein. Wieder woanders kann allein die Tatsache, behindert zu sein oder einer bestimmten Religion anzugehören, der Grund für Diskriminierung sein. Alle diese Vorurteile sind Formen der Entmenschlichung, und sie sind Quelle des Konflikts und großer Leiden.

Bei seinem Auftrag in der Welt erwies sich Jesus als besonders einfühlsam, indem er der Menschlichkeit aller Männer und Frauen die gleiche Beachtung schenkte. Er prangerte jede Art von Diskriminierung an sowie die Überheblichkeit, die manche seiner Zeitgenossen daraus für sich ableiteten. Gerechte sind nicht immer die, die man dafür hält, und Geringschätzung darf im Herzen der Gläubigen keinen Platz haben.

In Psalm 133 wird die Freude, die man empfindet, wenn man als Brüder und Schwestern in Eintracht zusammenlebt, mit einem köstlichen Salböl oder mit dem Tau des Hermon verglichen. Wir dürfen diese Freude jedes Mal mit unseren Brüdern und Schwestern erleben, wenn wir bei unseren gemeinsamen Zusammenkünften unsere konfessionellen Vorurteile vergessen.

Die Wiederherstellung der Einheit der Menschheit ist die gemeinsame Mission aller Christinnen und Christen. Gemeinsam müssen sie gegen Diskriminierung kämpfen. Sie sind getragen von der gemeinsamen Hoffnung, alle sind eins in Christus und nicht länger Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, Männer oder Frauen.

Gebet

Herr, lass uns Diskriminierung und Ausgrenzung, die unsere Gesellschaft zerstören.
Lenke unseren Blick und hilf uns, unsere eigenen Vorurteile zu erkennen.
Lehre uns, jede Geringschätzung zu verbannen und die Freude eines friedlichen Zusammenlebenslebens zu erfahren. Amen.

6. TAG

Christliche Gemeinde im Angesicht von Krankheit und Leiden

2 Kön 20, 1-6
Gedenke meiner, o Herr (3)

Ps 22, 1-11
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (2)

Jak 5, 13-15
Das gläubige Gebet wird den Kranken retten (15)

Mk 10, 46-52
Jesus fragte: „Was soll ich dir tun?“ (51)

Meditation

Wie oft trifft Jesus Kranke und ist bereit ihnen zu helfen!
Allen noch getrennten Kirchen ist gemeinsam, dass wir uns des Mitleids des Herrn für die Kranken gewiss sind. Christen sind zu allen Zeiten seinem Beispiel gefolgt, indem sie Kranke heilten, sowie mit dem Bau von Krankenhäusern, Armenapotheken, der Organisation von medizinischen Einsätzen und mit der Fürsorge nicht nur für die Seelen, sondern auch für den Körper Gottes Liebe für seine Kinder sichtbar machten.

Das ist keine selbstverständliche Reaktion. Gesunde neigen nämlich dazu, die Gesundheit für selbstverständlich zu halten und vergessen die, die nicht am regelmäßigen Gemeindeleben teilnehmen können, weil sie krank oder behindert sind. Und die Kranken? Sie könnten sich von Gott abgeschnitten fühlen, von seiner Gegenwart, von seiner segnenden und heilenden Kraft.

Der tief verwurzelte Glaube des Ezechiel trägt ihn durch seine Krankheit. In Zeiten der Not findet er Worte, Gott an seine Gnade zu erinnern. Ja, Leidende dürfen sogar Bibelworte verwenden, um aufzuschreien und mit Gott zu kämpfen: Warum hast du mich verlassen? Wenn eine tiefe Verbindung zu Gott besteht, die sich auf eine Sprache des Glaubens und der Dankbarkeit in guten Zeiten gründet, lässt sie auch Raum für eine Sprache, um Sorge, Schmerz oder Wut im Gebet auszudrücken, wenn es notwendig ist.

Kranke sind keine Objekte und auch nicht nur auf der Nehmerseite der Fürsorge, sondern Personen des Glaubens. Das müssen die Jünger in der Geschichte im Markusevangelium lernen. Die Jünger würden gern einfach ihren Weg mit Jesus fortsetzen; der kranke Mann am Rande der Menge wird ignoriert. Sein lautes Geschrei lenkt sie von ihrem Ziel ab. Wir sind vielleicht noch gewohnt, uns um Kranke zu kümmern, aber wir haben uns nicht an ihre selbstständigen Forderungen gewöhnt und die Störung, die das für uns bedeutet. Heute schreien sie vielleicht nach erschwinglicher Medizin in den armen Ländern, stellen die Frage nach Patenten und Profit. Die Jünger, die den Blinden daran hindern wollten, Jesus näher zu kommen, mussten dann Botschafter der ziemlich ungewöhnlichen und fürsorglichen Antwort des Herrn sein: Komm, er ruft dich.

Erst als die Jünger den kranken Mann zu Jesus bringen, verstehen sie, was Jesus will: sich Zeit nehmen, um bei dem kranken Mann zu sein, mit ihm zu reden und ihn zu fragen, was er will und braucht. Eine heilende Gemeinschaft kann wachsen, wenn die Kranken die Gegenwart Gottes in der gegenseitigen Verbindung zu ihren Schwestern und Brüdern in Christus erfahren.

Gebet

Gott, erhöre die Menschen, wenn sie zu dir schreien in Krankheit und Schmerz.
Lass die Gesunden dir für ihr Wohlbefinden danken, und lass sie den Kranken mit liebenden Herzen und offenen Händen dienen.
Gott, lass uns alle in deiner Gnade und Fürsorge leben und lass uns eine wahrhaft heilende Gemeinschaft sein, die dich gemeinsam anbetet. Amen.

7. TAG

Christliche Gemeinde im Angesicht der Vielfalt der Religionen

Jes 25, 6-9
Das ist der Herr, auf den wir unsere Hoffnung gesetzt haben (9)

Ps 117
Preist den Herrn, all ihr Nationen (1)

Röm 2, 12-16
Er wird die für gerecht erklären, die das Gesetz tun (13)

Mk 7, 24-30
Weil du das gesagt hast, sollst du glücklich nach Hause gehen (29)

Meditation

Fast jeden Tag hören wir von Gewalt zwischen Anhängern verschiedener Glaubensrichtungen an vielen Orten der Welt. Wir erfahren, dass Korea ein Land ist, in dem die unterschiedlichen Glaubensrichtungen – Buddhismus, Christentum, Konfuzianismus meistens friedlich und in guter Koexistenz zusammenleben.

In einem großen Loblied spricht der Prophet Jesaja von allen Tränen, die abgewischt werden und einem reichhaltigen Festmahl, das allen Menschen und Nationen bereitet werden wird! Eines Tages, so beteuert der Prophet, werden alle Menschen auf der Erde Gott loben und sich ihrer Erlösung erfreuen. Der Herr, auf den wir unsere Hoffnung gesetzt haben, ist der Gastgeber des Festmahls in Jesajas Loblied.

Als Jesus eine nicht jüdische Frau trifft, die ihn um Heilung für ihre Tochter bittet, verweigert er ihr anfangs mit erstaunlich harten Worten seine Hilfe. Die Frau besteht aber mit ähnlich erstaunlichen Worten darauf: „Sogar die Hunde unter dem Tisch essen die Brosamen der Kinder“. Jesus bestätigt ihre Sicht seiner Mission, gleichermaßen für Juden wie für Nichtjuden da zu sein, und schickt sie fort mit dem Versprechen, ihre Tochter zu heilen.

Die Kirchen haben im Falle der christlichen Einheit die Verpflichtung zum Dialog. In den vorhergehenden Jahren hatte sich auch ein Dialog entwickelt zwischen Menschen mit anderem Glauben, besonders den „Buchreligionen“ (Judentum, Islam): Treffen, die nicht nur aufschlussreich sind, sondern auch helfen, Respekt und gute Beziehungen zu den Nachbarn zu fördern und Frieden zu schaffen, wo Konflikte sind. Wenn unser christliches Zeugnis durch die Kraft unseres Glaubens an Christus vereint ist, wird unser Widerstand gegen Vorurteile und Konflikte umso effektiver sein. Und wenn wir unseren andersgläubigen Nachbarn aufmerksam zuhören, können wir dann etwas mehr über das Miteinbegriffensein der Liebe Gottes zu allen Menschen und über sein Königreich erfahren?

Der Dialog mit Christen anderer Traditionen sollte nicht zu dem Verlust der eigenen christlichen Identität führen, sondern zur Freude darüber, dass wir Jesu Gebet folgen, der für uns gebetet hat: „Vater ich bitte dich, dass sie eins sein mögen so wie du und ich eins sind“. Einheit wird es weder heute noch morgen geben; aber zusammen mit anderen Gläubigen gehen wir dieser endgültigen, gemeinsamen Bestimmung von Liebe und Erlösung entgegen.

Gebet

Herr, unser Gott, wir danken für die Weisheit, die wir durch deine Schriften erhalten.
Gib uns den Mut, unsere Herzen und Sinne für unsere Nachbarn, die anderen christlichen Konfessionen oder anderen Glaubensrichtungen angehören, zu öffnen. Schenke uns die Gnade, Hindernisse der Gleichgültigkeit wie Vorurteil oder Hass zu überwinden. Und lass uns die Vision der letzten Tage haben, wenn alle Menschen gemeinsam dem endgültigen Festmahl entgegengehen, wenn Tränen und Meinungsverschiedenheiten durch die Liebe überwunden sein werden. Amen.

8. TAG

Die christliche Botschaft der Hoffnung an die zerrissene Welt

Ez 37 ,1-14
Ich öffne eure Gräber (12)

Ps 104, 24-34
Du erneuerst das Antlitz der Erde (30)

Offb 21, 1-5a
Seht, ich mache alles neu (5)

Mt 5, 1-12
Selig seid ihr… (11)

Meditation

Ich werde meinen Geist in euch geben, und ihr werdet leben. Biblischer Glaube ist erfüllt von der radikalen Hoffnung, dass Gott das letzte Wort in der Geschichte haben wird, und dass das Wort Gottes keines ist, das richtet, sondern das Neues schafft. Wie in den Meditationen dieser Tage entfaltet, leben Christinnen und Christen mitten in einer Welt, die gekennzeichnet ist von verschiedenen Formen der Trennung und Entfremdung. Die Kirche ist auf einer Hoffnung gegründet, die sich nicht auf das, was Menschen tun können, verlässt, sondern auf das, was Gott tun kann und was er verheißen hat. Gottes Kraft vermag Brüche und Zersplitterung in Einheit und Ganzheit zu wandeln, Tod bringenden Hass in Leben spendende Liebe. Das koreanische Volk muss auch weiterhin unter den tragischen Konsequenzen der nationalen Teilung leiden, aber auch dort gibt es christliche Hoffnung im Überfluss.

Christliche Hoffnung lebt selbst inmitten größten Leidens weiter, weil sie ihren Ursprung hat in der beständigen Liebe Gottes, die an Christi Kreuz offenbart wurde. Hoffnung ersteht mit Jesus aus dem Grab, wo Tod und die Mächte des Todes überwunden sind. Sie verbreitet sich weiter durch die Aussendung des Heiligen Geistes an Pfingsten, die das Antlitz der Erde erneuert. Der auferstandene Christus ist der Beginn eines neuen und unverfälschten Lebens. Seine Auferstehung verkündet das Ende der alten Ordnung und legt den Samen für eine neue ewige Schöpfung, in der alle in ihm versöhnt sein werden und Gott alles in allen sein wird.

Siehe, ich mache alle Dinge neu. Christliche Hoffnung beginnt mit der Erneuerung der Schöpfung, wie es Gottes ursprüngliche Absicht beim Schöpfungsakt der Schöpfung war. In Offenbarung 21 sagt Gott nicht: „Ich mache alles neue Dinge“, sondern vielmehr „Ich mache alle Dinge neu“. Christliche Hoffnung bedeutet nicht langes, passives Warten auf das Ende der Welt, sondern die Sehnsucht nach dieser Erneuerung beginnt schon mit Auferstehung und Pfingsten. Es ist nicht die Hoffnung auf eine apokalyptische Zuspitzung der Geschichte, die die uns bekannte Welt zusammenbrechen lässt, sondern eher die Hoffnung auf eine grundlegende, radikale Änderung der Welt, wie sie uns schon bekannt ist. Gottes Neuanfang bedeutet das Ende von Sünde, Trennungen und der Endlichkeit der Welt, eine Verwandlung der Schöpfung und Teilhabe an Gottes Ruhm und Gottes Ewigkeit.

Wenn Christen sich zum Gebet für die Einheit treffen, motiviert sie diese Hoffnung und hält sie aufrecht. Die Kraft unseres Gebetes für die Einheit ist dieselbe Kraft, mit der Gott die Welt erneuert. Die Weisheit unseres Gebetes ist dieselbe, wie die des Heiligen Geistes, der neues Leben in vertrocknete Gebeine einhaucht, um sie zum Leben zu erwecken. Die Bereitschaft, sich durch den Willen Gottes verwandeln zu lassen zu einem Werkzeug der Einheit, lebt aus Christi Bereitschaft, sich seinen Jüngern zuzuwenden und mit ihnen eins zu werden.

Gebet

Gnädiger Gott, du bist bei uns jetzt und bis ans Ende aller Zeiten, auch mitten im Leiden und in allen Wirren. Hilf uns, ein Volk zu sein, das voller Hoffnung ist und deinen Geboten und Verheißungen vertraut. Lass uns der Einheit dienen, wie du es wünschst. Amen.

Lage der Ökumene in Korea

1. Das koreanische Volk: 5000 Jahre Geschichte als eine Nation

Um Verständnis für die ökumenische Lage in Korea zu haben, muss man die besondere Geschichte der koreanischen Nation und des Volkes verstehen.

Korea, der Legende nach durch Dankun im Jahre 2333 v. Chr. gegründet, konnte sich über 5000 Jahre lang als eine in Kultur und Lebensgewohnheiten einheitliche Nation halten. Auch angesichts großer Bedrohungen durch China während der ersten 2000 Jahre behielt Korea seine Würde und seine Freiheit als Nation (Gochoson). Während der Periode vom 1. Jhd. v. Chr. bis zum 7. Jhd. n. Chr., erlebte Korea mehrere Dynastien. Von 57 v. Chr. bis 935 n. Chr. formten die Kokuryeo-Dynastie, die Paikje- und die Shilla-Dynastie das Zeitalter der drei Reiche (Samkuk) in der koreanischen Geschichte. Im Norden trat die Koryo-Dynastie im 10. Jhd. n. Chr. die Nachfolge der Bahae-Dynastie (698-926 n. Chr.) an. Nach dieser Periode wurde im 14. Jhd. n. Chr. die Chosun-Dynastie gegründet. Während dieser ganzen Zeit gelang es Korea nicht nur, sich als homogene Nation zu erhalten, es kam auch zu großen kulturellen Entwicklungen.

1897 wurde Daehan Jeguk gegründet, der Beginn der modernen Ära in der Geschichte Koreas. Von 1910 bis 1945 war Korea von den Japanern besetzt. Trotzdem verloren die Koreaner niemals die Hoffnung und ließen auch niemals im Kampf um ihre Freiheit nach. Mit dem Ende des II. Weltkrieges 1945 führten ihre Bemühungen und Kämpfe schließlich zur Befreiung von der japanischen Besatzung. Diese Geschichte zeigt deutlich das Schicksal Koreas: Da seine Lage geostrategisch von größter Bedeutung ist, hatte es unter vielen Invasionsversuchen und vielen Invasionen durch die großen Weltmächte zu leiden.

Korea hatte auch mit inneren Konflikten, die sich in unterschiedlichen Ideologien zeigten, zu kämpfen. Die langen Jahre des ideologischen Kampfes endeten im Norden mit der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea (DPRK), die den Kommunismus als Basis hat, und der Gründung der Republik Korea (ROK) im Süden, die auf Demokratie und Freiheit basiert. Der Konflikt und die Konfrontation zwischen diesen beiden Ideologien führte das koreanische Volk in die Tragödie des Koreakrieges, in dem viele Menschen ihr Leben verloren. 1953 wurde ein Waffenstillstand unterzeichnet, und die Grenze zwischen Nord- und Südkorea mit seiner entmilitarisierten Zone (DMZ) wurde zum sichtbaren Symbol der Tragödie der koreanischen Geschichte.

Durch den Krieg und seine Folgen sind in Nord- und Südkorea insgesamt schätzungsweise 10 Millionen Menschen von der Trennung ihrer Familien betroffen. Seit Kurzem wurden diesen Familien begrenzte Möglichkeiten zu einem Zusammentreffen eingeräumt, aber die meisten wissen noch nicht einmal, ob ihre Angehörigen auf der anderen Seite der Nord-Süd-Grenze überhaupt noch leben. Der Schmerz dieser Familien ist im Herzen eines jeden Koreaners lebendig. Es ist eine tiefe Wunde für den Stolz und die eigene Identität der Nation.

2. Das Verhältnis von Nord und Süd bei Versöhnung und Zusammenarbeit

Nach dem Koreakrieg, der am 25. Juni 1950 ausbrach (und 1953 beendet wurde), kam ein erster historischer Wendepunkt für die koreanische Halbinsel am 4. Juli 1972. An diesem Tag wurde eine Gemeinsame Erklärung des Südens und des Nordens herausgegeben, in deren Folge sich die konfliktreiche und feindselige Atmosphäre verwandelte. Gegenseitige Beschimpfungen wurden eingestellt, Diskussionen gefördert, und praktische Bemühungen um eine nationale Vereinigung als gemeinsame Aufgabe angesehen.

Der Weltkirchenrat und die Römisch-katholische Kirche hatten auch das größte Interesse daran, den Frieden zu fördern und zur Entspannung in den Beziehungen beizutragen. 1988 hat die Vollversammlung des Nationalen Kirchenrates von Korea (NCC-Korea) eine „Erklärung der Koreanischen Kirchen zu Frieden und Wiedervereinigung auf der Koreanischen Halbinsel“ verabschiedet, und die Bischofskonferenz der koreanischen katholischen Kirche gründete ein Komitee für nationale Versöhnung. Nach diesem Ereignis wurden in Nordkorea mehrere Kirchen (so die Katholische Changchungdang-Kirche und die Chilkok-Kirche) gegründet und Gottesdienste abgehalten. Im Juni 2000 traf sich der damalige Präsident der Republik Korea Kim Dae-Jung auf einem Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Führer Kim Jong-II. Er hat wegen dieser Bemühungen für Frieden und Versöhnung auf der Koreanischen Halbinsel später den Friedensnobelpreis bekommen. Ergebnis dieses Gipfelreffens war die Gemeinsame Erklärung vom 15. Juni. … Das stärkte die südkoreanische Regierung in ihrer „Sonnenschein-Politik“ gegenüber dem Norden. Trotzdem bleibt das Verhältnis zwischen Nord und Süd angespannt. Hinzu kam, dass Nordkorea trotz der beunruhigenden Auswirkungen auf viele Länder im Umkreis der Halbinsel einen Atomwaffentest durchführte. Dies zeigt deutlich, wie stark die Bedrohung ist, die weiterhin in dieser Gegend besteht. Trotz all dem haben die Friedensbemühungen für die koreanische Halbinsel, geführt von den Ländern, die an den Sechs-Parteien-Gesprächen beteiligt waren, in vielen Bereichen Früchte getragen: So gibt es heute deutlich mehr Kooperation und Zusammenarbeit: Zum Beispiel wird sowohl auf Regierungsebene wie auf ziviler Ebene materielle Unterstützung geleistet und es findet ein reger Austausch statt in den Bereichen Kultur, Sport, Religion und Kunst sowie auf akademischem und wirtschaftlichem Gebiet.

3. Konflikte und Trennungen überwinden auf dem Weg zur Einheit und Vereinigung

Trotz vieler Bemühungen um Frieden und Versöhnung auf der koreanischen Halbinsel, bleiben Konflikt, Teilung und Konfrontation tief verwurzelt. Für die Verwirklichung einer friedlichen Vereinigung müssen sich Nord und Süd einigen gemeinsamen Themen stellen: der Konfrontation zwischen Liberalismus und Sozialismus, der Kluft zwischen Arm und Reich und der Unterdrückung von Glauben und Religion.

Zwischen den beiden Völkern von Nord und Süd steht eine Mauer, eine Mauer, die anscheinend schwer zu durchbrechen ist. Nur die Hoffnung und die Sehnsucht nach Vereinigung haben beide Seiten gemeinsam, so wie sie das gleiche Lied singen, dass Ausdruck dieser Hoffnung ist („Uri Ui Sowon Eun Tongil – Unsere Hoffnung ist Wiedervereinigung“). Alle Koreaner, auch wenn sie vielen Unterschieden und Konflikten gegenüber stehen, hoffen auf eine friedliche und versöhnende Vereinigung der koreanischen Halbinsel. Als Christen hoffen und warten wir auf den Tag, an dem Gott die getrennten Parteien wieder zusammenfügen wird, so dass wir Gott loben und ihm danken können für den Akt dieser Versöhnung und die neue Schöpfung.

4. Hintergrund der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2009: Die ökumenische Bewegung in Korea

Die Haltung der koreanischen Kirchen gegenüber Einheit und Trennung muss im Licht dieser langen und einzigartigen Geschichte gesehen werden. 5000 Jahre lang existierte das koreanische Volk als eine homogene Nation; nun finden sie sich sowohl religiös als auch politisch getrennt. In diesem Zusammenhang (unter diesen Voraussetzungen) findet nun die Suche nach christlicher Einheit statt. Die ökumenische Bewegung in Korea kann zurückverfolgt werden bis zur Empfehlung und dem Geist des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965) und besonders dessen „Ökumene-Dekret“, das die Wichtigkeit der Bemühungen aller Christen um die christliche Einheit betonte. Angefangen hat die ökumenische Bewegung in Korea nicht lange nach Beginn der ökumenischen Bewegung weltweit. Der Nationale Kirchenrat Koreas, der den Protestantismus repräsentiert und die Koreanische Römisch-katholische Kirche, waren abwechselnd Gastgeber des gemeinsamen Gottesdienstes der Gebetswoche für die Einheit der Christen seit Anfang der 1970er Jahre. Dieser gemeinsame Gottesdienst verschaffte den Christen den nötigen Raum, um miteinander für die koreanische ökumenische Bewegung zu beten und zu arbeiten. 1977 gaben biblische Wissenschaftler sowohl der protestantischen als auch der römisch-katholischen Kirche die gemeinsame Übersetzung der Bibel heraus, so dass zum ersten Mal alle koreanischen Kirchen dieselbe koreanische Version der Bibel in Händen hielten.

Die ökumenische Bewegung in Korea besteht heute aus vielfältigen gemeinsamen Programmen für verschiedene Gruppen: für den Mitarbeiterstab aus unterschiedlichen Konfessionen, für Theologen, für Seminaristen, für die Synodalpräsidenten, die Bischöfe und die kirchenleitenden Persönlichkeiten unterschiedlicher Konfessionen. Eine Studiengruppe von Theologen betreut seit dem Jahr 2000 das Ökumenische Forum, das sich mit unterschiedlichen theologischen Themen beschäftigt, um zu gegenseitigem Verständnis zwischen den protestantischen Kirchen und der Römisch-katholischen Kirche zu ermutigen. Um Freundschaften zwischen den unterschiedlichen Kirchen zu fördern, wurden zusätzliche Programme von einer Gruppe von Seminarstudenten durchgeführt, wie der Besuch verschiedener Seminare und gemeinsame Sportveranstaltungen. Kirchenleitende Persönlichkeiten aus verschiedenen Konfessionen kommen regelmäßig zu Mahlzeiten zusammen, um ihr Verständnis und ihre Freundschaft zu vertiefen und um Ideen auszutauschen

Ein Seminar, das vom 24. bis zum 28. Juli 2006 über christliche Einheit in Asien im Aaron-Haus abgehalten wurde, war ein denkwürdiges Ereignis in der Geschichte der koreanischen ökumenischen Bewegung. Ausgerichtet wurde das Seminar von Kardinal Walter Casper, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Es brachte die ökumenischen Führer der Länder Asiens zusammen, um gemeinsam über verschiedene Ansätze für die Einheit der Christen zu diskutieren. Am 23. Juli 2006 unterzeichnete die Methodistische Kirche auf der 19. Methodistischen Weltkonferenz, die in Seoul (Korea) abgehalten wurde, die Gemeinsame Erklärung über die Rechtfertigungslehre, der die Römisch-katholische Kirche und der Lutherische Weltbund zugestimmt hatten. Wir freuen uns darüber, dass ein weltweit so bedeutendes Ereignis für die Einheit der Christen in Korea stattfand.

Auf der Basis dieser Erfahrung und des gegenseitigen Vertrauens, das durch verschiedene gemeinsame Programme und Aktivitäten gewachsen war, führten beide, die Protestantische und die Römisch-katholische Kirche, vom 8. bis zum 16. Dezember 2006 gemeinsam eine ökumenische Pilgerfahrt durch. Sie besuchten Papst Benedikt XVI. im Vatikan, den Generalsekretär des Weltkirchenrates in Genf (Schweiz), und seine Heiligkeit, den Ökumenischen Patriarchen in Istanbul (Türkei). In Rom trafen sie mit dem Mitarbeiterstab des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen zusammen und in Genf mit den Mitarbeitern der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen. Während dieser Besuche unterbreiteten sie die Idee, dass koreanische Christen den Entwurf des Materials für die Gebetswoche für die Einheit der Christen 2009 vorbereiten könnten. Die beiden ökumenischen Organisationen nahmen diese Idee positiv auf und stimmten dem Vorschlag der koreanischen Kirchen zu, den Entwurf zu schreiben.

Am 23. Januar 2007 feierten die koreanischen Kirchen einen gemeinsamen Gottesdienst für die Gebetswoche für die Einheit der Christen in der Anglikanischen Chongju-Kirche, und es fand auch eine Versammlung mit Theologen sowohl aus der Protestantischen als auch der Römisch-katholischen Kirche statt. Bei diesem Treffen wurden zwei Personen aus den protestantischen Kirchen und drei aus der Römisch-katholischen Kirche zu Mitgliedern der Vorbereitungsgruppe ernannt, die das gemeinsame Gebetsmaterial für die Woche der Einheit 2009 erarbeiten sollten. Das Komitee traf sich zum ersten Mal am 8. Februar 2007 und bestimmte Ezechiel 37,15-23 mit seiner Prophezeiung des vereinten Königreiches von Israel zum Motto des Arbeitsheftes für die Gebetswoche 2009. Für die Kirchen in Korea spiegelt sich in dieser Passage in Ezechiel die Situation der koreanischen Halbinsel wider, das das letzte geteilte Land der Welt ist. Es wurde entschieden, dass jede Konfession eine biblische Meditation und ein Gebet für einen der „8 Tage“ schreiben soll. Die Themen der 8 Tage zeigen die Herausforderungen, denen sich die Weltgemeinschaft unter den Bedingungen von Teilung, Konfrontation und Konflikt gegenübersieht. Die Gebete schließen die Bemühungen der Menschen ein, diese Herausforderungen zu überwinden und verleihen ihrer Sehnsucht nach Einheit, Vertrauen und Versöhnung Ausdruck. Die Themen der biblischen Meditationen der 8 Tage untersuchen den Zustand der getrennten Christenheit, den Konflikt und die Konfrontation zwischen religiösen Traditionen, Armut und wirtschaftlicher Ungleichheit, generationsbedingter Unterschiede, Gewalt und Krieg sowie Todesqualen und Krankheit. Sie untersuchen auch die nicht wieder gut zu machenden Zustände, denen sich die Weltgemeinschaft gegenübersieht und weisen auf das Verlangen der Christen hin, Differenzen und Konflikte zu überwinden und einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen.

Die koreanische Halbinsel, die seit mehr als 60 Jahren in zwei Staaten mit unterschiedlichen politischen Systemen geteilt ist, steht symbolisch für die Tatsache, dass durch die ideologische Konfrontation der Großmächte und ihren hegemonialen Wettbewerb zur Ausdehnung ihrer Macht andere zu Opfern werden. Der jetzige Zustand der koreanischen Halbinsel, der die Koreaner in einem Teil des Landes an der Kommunikation mit ihren Eltern, Kindern, Geschwistern, Verwandten und Freunden, die im anderen Teil leben, hindert, stellt eine unhaltbare Situation dar, die überwunden werden muss. Die politische Situation Nordkoreas, die die Menschen daran hindert, ihrem eigenen freien Willen zu folgen und ihre eigene religiöse Tradition zu wählen, zeigt die unterdrückende Situation, die die Gewissensfreiheit einschränkt. Diese Situationen der Konfrontation, Antagonismus, Konflikt, Gewalt und Krieg haben ihre Wurzeln in religiösen, rassischen und ethnischen Feindseligkeiten und sind nicht nur auf die koreanische Halbinsel begrenzt, sondern sie sind heute an vielen Orten der Welt weit verbreitet. So ist die koreanische Erfahrung von Trennung und Leiden sicherlich für Christen und Gesellschaften weltweit von Bedeutung.

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen 2009 will nachdenken über den Zustand der Teilung, Ungleichheit, Konfrontation und Antagonismus und möchte auf einen Weg zu Einheit, Frieden und Freude führen, den zu erreichen sich jeder Mensch sehnt. Es gibt in der Tat viele Orte in der Welt, die aus religiösen, ethnischen und ideologischen Gründen durch Konflikte, Terror und Krieg verwüstet sind. Die Christen sind dazu aufgerufen, dafür zu beten, dass Einheit erzielt und Frieden aufgebaut wird; alles Aufgaben, die zu den wichtigen Verantwortlichkeiten für Christen in dieser Welt gerechnet werden

Alle Menschen dieser Welt werden Gottes Volk werden. Gott wird ihr Gott werden und den Menschen wird das Glück der Freude und des Wohlstands zuteil werden, wenn Konfrontation, Konflikte und Trennung überwunden werden und die Einheit erreicht wird. Christen müssen bis zum Erscheinen „des neuen Himmels und der neuen Erde“ geduldig beten: „Dann werden sie mein Volk sein und ich werde ihr Gott sein“ (Ezechiel 37,23).

 


[*] Dem Text des Nicänums liegt die ursprüngliche Fassung des Konzils von Nicäa-Konstantinopel 381 zugrunde. Bei ökumenischen Gottesdiensten wird sie inzwischen  allgemein verwendet. Spätere, innerhalb der westlichen Tradition gebräuchliche Ergänzungen („Gott von Gott“ und „der aus dem Vater und dem Sohn (filioque) hervorgeht“) bleiben insofern unberücksichtigt.

 

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