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PÄPSTLICHER RAT ZUR FÖRDERUNG DER EINHEIT DER CHRISTEN

 

WICHTIG

Dieser Text ist eine deutsche Übersetzung von Teilen der internationalen Ausgabe der Schriften für die Gebetswoche 2014

Bitte wenden Sie sich an die Ökumenekommission der Bischofskonferenz
Ihres Landes oder an die Synode Ihrer Kirche,
um eine Ihren örtlichen Verhältnissen angepasste Version zu erhalten

 

Texte für
die Gebetswoche für die Einheit der Christen
und das ganze Jahr 2014

 

Ist denn Christus zerteilt?
(1 Kor 1,1-17)

 

Übersetzung besorgt von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, Ökumenische Centrale, Ludolfusstr. 2-4, 60487 Frankfurt am Main, Tel.: 0049/69/2470270, info@ack-oec.de; www.oekumene-ack.de, www.gebetswoche.de

 

Biblischer Text für 2014

Paulus, durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu, und der Bruder Sosthenes an die Kirche Gottes, die in Korinth ist – an die Geheiligten in Christus Jesus, berufen als Heilige mit allen, die den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, überall anrufen, bei ihnen und bei uns. Gnade sei mit euch und Fried von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Ich danke Gott jederzeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus geschenkt wurde, dass ihr an allem reich geworden seid in ihm, an aller Rede und aller Erkenntnis. Denn das Zeugnis über Christus wurde bei euch gefestigt, so dass euch keine Gnadengabe fehlt, während ihr auf die Offenbarung Jesus Christi, unseres Herrn, wartet. Er wird euch auch festigen bis ans Ende, so dass ihr schuldlos dasteht am Tag Jesu, unseres Herrn. Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn.

Ich ermahne euch aber, Brüder, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn: Seid alle einmütig, und duldet keine Spaltungen unter euch; seid ganz eines Sinnes und einer Meinung. Es wurde mir nämlich, meine Brüder, von den Leuten der Chloë berichtet, dass es Zank und Streit unter euch gibt. Ich meine damit, dass jeder von euch etwas andres sagt: Ich halte zu Paulus – ich zu Apollos – ich zu Kephas – ich zu Christus. Ist denn Christus zerteilt ? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt ? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden ? Ich danke Gott, dass ich niemand von euch getauft habe, außer Krispus und Gaius, so dass keiner sagen kann, ihr seiet auf meinen Namen getauft worden. Ich habe allerdings auch die Familie des Stephanas getauft. Ob ich sonst noch jemand getauft habe, weiß ich nicht mehr. Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird.

Die Bibel – Einheitsübersetzung

 

Einführung in das Thema der Gebetswoche

1. Kanada ist von einer großen Vielfalt an Sprachen, Kulturen, ja sogar Klimabedingungen geprägt. Auch der christliche Glaube wird in vielen verschiedenen Formen ausgedrückt. Wir leben mit dieser Vielfalt und möchten gleichzeitig dem Willen Jesu, seine Jünger und Jüngerinnen mögen eins sein, treu bleiben. Vor diesem Hintergrund haben wir über die provokative Frage des Paulus im ersten Korintherbrief nachgedacht: „Ist denn Christus zerteilt?“ (1 Kor 1,13) Unser Glaube antwortet: „Nein!“, und doch finden sich in unseren Kirchen weiterhin skandalöse Spaltungen. Der erste Korintherbrief lehrt uns, die Gaben anderer trotz unserer gegenwärtigen Gegensätze wertzuschätzen und uns von ihnen beschenken zu lassen. Das ermutigt uns bei unserem Engagement für die Einheit.

2. Kanada ist für die atemberaubende Schönheit seiner Natur bekannt: Berge, Wälder, Seen und Flüsse, Weizenfelder bis zum Horizont und Küsten an drei Ozeanen. Unser Land erstreckt sich vom Atlantik bis zum Pazifik, von der Grenze zu den USA bis zum Nordpol. Es ist reich im Sinne der landwirtschaftlichen Erträge und reich an Rohstoffen. Kanada ist ein Vielvölkerstaat: Hier leben First Nations, Inuit und Métis[1] sowie Menschen aus aller Welt. Wir haben zwei Landessprachen, Französisch und Englisch. Viele Kanadierinnen und Kanadier sind stolz auf das kulturelle und sprachliche Erbe der Heimat ihrer Vorfahren. Unsere sozialen und politischen Spannungen entstehen häufig aus sprachlichen, kulturellen und regionalen Unterschieden, aber allmählich begreifen wir, dass diese verschiedenen Identitäten zu einer gesunden Vielfalt Kanadas beitragen. Zu diesem multikulturellen Milieu gehört, dass viele Christen eigene Formen, ihren Glauben zu leben und Gottesdienst zu feiern, aus ihrer Heimat mitgebracht haben. In dieser Situation spricht uns der Brief des Paulus an und hilft uns zu verstehen, dass wir uns als Kirche an unserem jeweiligen Ort nicht isolieren oder gegeneinander arbeiten dürfen. Er ermutigt uns, unsere Verbundenheit mit allen, die den Namen des Herrn anrufen, zu erkennen.

3. Für die diesjährige Gebetswoche haben wir den Beginn des ersten Korintherbriefs ausgesucht – einen Text, mit dem Paulus mit eindrucksvollen Worten seine Briefe an die Korinther eröffnet. Wie die Ouvertüre einer Oper oder der Eröffnungssatz einer Sinfonie lässt er die Themen anklingen, die er anschließend in den Briefen vertieft. Diese drei Themen oder Gedankengänge bilden eine gute Basis, auf der wir darüber nachdenken können, wie wir als Christen in Kirche und Gesellschaft gemeinsam leben und uns engagieren können.

4. In einem ersten Gedankengang (1,1-3) wendet sich Paulus gemeinsam mit seinem Mitchristen Sosthenes – die beiden bilden eine kleine, aber echte Gemeinschaft – an eine andere, größere und sehr aktive Gemeinschaft, die christliche Gemeinde in Korinth. Er spricht sie als „Kirche Gottes“ an, also nicht nur als Ortsgemeinde, sondern als vollwertige Gestalt von Kirche. Paulus erinnert die Gläubigen in Korinth daran, dass sie ein „berufenes“ Volk sind: „berufen als Heilige“, und zwar nicht isoliert und auf sich allein gestellt, sondern „mit allen, die den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, überall anrufen, bei ihnen und bei uns.“ Sie sind also wahrhaft Kirche Gottes, dabei aber eng mit allen – in jeder Kirche und an jedem Ort – verbunden, die den Herrn anrufen. Dann spricht Paulus, wie in allen seinen Briefen, den Gläubigen in einem eindrucksvollen Gruß Gottes Gnade und Frieden zu. In der Sprache des Paulus meint der Begriff „Gnade“ Gottes Güte und seine Gaben, die uns in Christus geschenkt sind. Er soll uns zu Dankbarkeit gegenüber Gott und zu Güte gegenüber unseren Mitmenschen bewegen. Sein „Frieden“ bedeutet für uns Gemeinschaft (koinonia) in Gott in Fülle.

5. Wo erkennen Sie Gottes Gnade und Frieden in Ihrer Kirche, in Ihrer Region und in Ihrem Land? Wie können Sie sich aus einer übermäßigen Konzentration auf die eigene Ortsgemeinde lösen und Ihre Aufmerksamkeit der Gemeinschaft aller Christen und der Welt zuwenden?

6. Bevor Paulus die Gemeinde in Korinth zurechtweist, spricht er in seinem zweiten Gedankengang (1,4-9) Dank „für die Gnade Gottes“ aus, die den Gläubigen in Korinth „in Christus Jesus geschenkt wurde“. Das ist keine Formalität, sondern echte Freude an den Gaben, die Gott dieser Gemeinde zuteil werden ließ. Paulus ermutigt die Korinther: Sie seien „an allem reich geworden … in ihm“, so dass ihnen „keine Gnadengabe fehlt“. Er versichert ihnen, dass sie bis zum Ende Festigung erfahren werden, denn: „Treu ist Gott“. Gott ruft uns in die Gemeinschaft (koinonia) seines Sohnes, mit allen sozialen und geistlichen Konsequenzen für unsere Kirchen und Völker.

7. Als kanadische Christinnen und Christen sind wir uns bewusst, dass wir nicht immer bereit waren, uns an den Gaben Gottes zu freuen, die in anderen christlichen Gemeinschaften vorhanden sind. Wenn wir den Brief des Paulus in einem ökumenischen Geist lesen, wird uns deutlicher bewusst, dass wir uns ehrlich darüber freuen dürfen, dass Gott andere Christen und andere Völker gesegnet hat. Die ersten christlichen Missionare in Kanada haben die Gaben und Einsichten der indigenen Völker oft gering geachtet und haben nicht erkannt, dass Gott auch sie gesegnet hat.

Wir haben Grund zur Dankbarkeit für die Vielfalt der Völker und Glaubensformen in unserem Land. Es gibt in unserer Geschichte zwar zahlreiche Beispiele dafür, dass wir nicht in gegenseitiger Achtung und Unterstützung gelebt haben, aber wir wissen, dass Zusammenarbeit und das Streben nach Frieden in Kanada und in der Welt das Fundament sind, auf dem unser Land aufgebaut ist. Dass wir die Segnungen der Natur als Gottesgaben genießen dürfen, wird zu oft als selbstverständlich erachtet, und es fällt uns schwer, ein Gleichgewicht zwischen dem Wunsch nach Wohlstand und der Bewahrung dieser Segnungen herzustellen. Ebenso fällt es uns schwer, die Werte zu verwirklichen, von denen wir sagen, dass sie uns allen wichtig sind. Wir fühlen uns als Christen und als Kirchen dazu berufen, offen und dankbar die Gaben Gottes wahrzunehmen, die anderen geschenkt sind, und Dankbarkeit und Fürsorge für unser ganzes Land und die Welt zu leben.

8. Wofür danken Sie in Ihrer Kirche, Ihrem Umfeld, Ihrem Land? Wo haben Sie Erfahrungen mit den spirituellen und/oder materiellen Gaben gemacht, die Gott anderen, Christen und Nichtchristen, in Ihrem Umfeld geschenkt hat?

9. Der dritte Gedankengang (1,10-17) ist die Kritik des Paulus an den Korinthern dafür, dass sie das christliche Evangelium verfälscht und die Einheit der Gemeinde zerstört haben: „Ich halte zu Paulus – ich zu Apollos – ich zu Kephas …“ Selbst die, die sich zu Christus als ihrem Herrn bekennen, werden von Paulus nicht gelobt, denn sie verwenden den Namen Christi, um sich von anderen in der christlichen Gemeinschaft abzugrenzen. Wir können uns nicht auf den Namen Christi berufen, wenn wir Mauern zwischen uns aufrichten, denn sein Name schafft nicht Spaltung, sondern Gemeinschaft und Einheit. „Ist denn Christus zerteilt?“ Paulus hat nichts dagegen einzuwenden, dass sich Gemeinschaften an starken Führungspersönlichkeiten orientieren, aber die Identität einer Gemeinschaft soll in Christus verwurzelt sein. „Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?“ Die Leute der Chloë haben diese Entwicklung in ihrer Gemeinschaft wahrgenommen und sie ans Licht gebracht.

10. In diese Zerrissenheit hinein spricht Paulus seinen Appell, zusammenzufinden und „ganz eines Sinnes und einer Meinung“ zu sein. Er ermahnt die Leserinnen und Leser seines Briefes und die Gemeinde in Korinth, „einmütig“ zu sein. Meint Paulus, dass sie alle auf dieselbe Weise Gottesdienst feiern und ihr Verhalten einander angleichen sollen? Wir glauben das nicht. Diese Verse sind kein Aufruf, sich von der Leitung des Paulus, Apollos oder Kephas abzuwenden. Wir sind in Christus zu Dankbarkeit dafür berufen, dass Gott andere mit Gaben ausstattet, mit denen sie zur Sendung der Kirche beitragen. Wenn wir die Gaben Gottes achten, die anderen verliehen sind, kommen wir einander im Glauben und im gemeinsamen Auftrag näher und begeben uns auf den Weg zu der Einheit, um die Christus gebetet hat. Gleichzeitig bewahren wir Respekt vor den unterschiedlichen Formen, mit denen Christen Gottesdienst feiern und ihren Glauben leben.

11. Paulus hebt zwei wesentliche Elemente des Christseins hervor, die uns auf fundamentale Weise mit Christus verbinden: die Taufe und das Kreuz Christi. Wir wurden nicht auf Paulus getauft, und er wurde nicht für uns gekreuzigt. Unsere Einheit ist in Christus begründet, unser Leben und unser Heil verdanken wir ihm. Gleichzeitig gehören wir alle zu einer bestimmten Gruppe, und unsere jeweilige Ortsgemeinde stärkt unseren Glauben und begleitet uns auf dem Weg der Nachfolge. Weder für Paulus noch für uns steht dabei allerdings im Vordergrund, dass wir uns in einer bestimmten Kirche zuhause fühlen können. Vielmehr muss es uns um die Verkündigung der frohen Botschaft gehen, um das Evangelium, auf das wir selbst mit Glauben und Freude geantwortet haben und das wir weitergeben sollen. Paulus fordert uns auf, uns selbstkritisch zu fragen: Haben wir in Christus eine frohe Botschaft füreinander, oder fördern wir ausgerechnet im Namen Christi Spaltungen, durch die wir – mit den Worten des Paulus – das Kreuz Christi um seine Kraft bringen?

12. Als kanadische Christinnen und Christen blicken wir auf eine Geschichte zurück, die von intensiver Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung geprägt ist. Unsere Geschichte bietet Beispiele für gemeinsame Anstrengungen, gemeinsamen Dienst und sogar die Vereinigung von Kirchen. Wo eine strukturelle Einheit von Kirchen nicht möglich ist, haben wir häufig Übereinkommen treffen und unsere jeweilige Amtsstruktur gegenseitig anerkennen können – Zeugnisse unserer wachsenden Einheit in Christus. Unsere Kirchen engagieren sich gemeinsam in den Bereichen Armut und soziale Gerechtigkeit, und viele von ihnen haben gemeinsam begonnen, Verantwortung für unsere unchristliche Haltung gegenüber den indigenen Völkern Kanadas zu übernehmen. Im Widerspruch zu diesen ermutigenden Beispielen auf dem Weg zu der Einheit, die Christus für uns will, erhalten wir auch Spaltungen und Uneinigkeit aufrecht, die unserer Verkündigung des Evangeliums schaden.

13. Auch von den Leuten der Chloë ist in unserem Text die Rede. Unter der Leitung der Chloë erkennt und benennt diese Gruppe die Konflikte und Spaltungen in der Kirche von Korinth. Wir brauchen auch heute solche Zeuginnen und Zeugen aus allen unseren Kirchen und ihren Dienst der Versöhnung und Einheit. Wenn wir solchem Zeugnis Raum geben, tragen wir dazu bei, dass die paulinische Vision einer Gemeinschaft, die in Christus „ganz eines Sinnes und einer Meinung“ ist, Realität wird.

14. Wie können Sie und Ihre Kirche klären, inwiefern Sie in Christus mit anderen Kirchen einer Meinung und eines Sinnes sind? Wie können Sie mit Ihrer Kenntnis und Wertschätzung der theologischen Positionen und Gottesdienstformen der Kirchen in Ihrem Umfeld zu den Bemühungen um die sichtbare Einheit der Kirchen beitragen? An welchem gemeinsamen Anliegen wollen Sie zusammen mit anderen Christen arbeiten, damit andere Menschen besser leben können?

15. Als Ergebnis unserer Überlegungen können wir festhalten: Wenn wir uns die Vielzahl an Segnungen und Gaben Gottes vor Augen führen, die in unserem Land und unseren Völkern offenbar sind, wird uns bewusst, dass wir einander und dem Land, das unsere Lebensgrundlage ist, Würde zugestehen und Achtung entgegenbringen müssen. Diese Einsicht stellt uns vor die Aufgabe, unsere Schuld zu bekennen und Buße zu tun und nach neuen, nachhaltigen Formen unseres Umgangs mit der Erde zu suchen. Sie schärft unser Bewusstsein dafür, dass Gott uns alle gesegnet hat und dass über die Nutzung der Ressourcen unseres Landes nicht einzelne Gruppen entscheiden können, sondern dass alle in Kanada lebenden Menschen gehört und beteiligt werden müssen.

 

Ökumenischer Gottesdienst

Einführung

Wir antworten auf den Ruf Gottes, wenn wir uns während der Gebetswoche für die Einheit der Christen zum Gottesdienst versammeln. Wir wollen uns erneuern lassen und unsere Verbundenheit in Christus durch Lieder, Worte und Gesten stärken. Dieser Gottesdienst kann auch Einladung sein, uns an den acht Tagen der Gebetswoche mit den Meditationen zu befassen, die 1 Korinther 1,1-17 zum Ausgangspunkt nehmen. Die provokative Frage des Paulus: „Ist denn Christus zerteilt?“ fordert uns als Einzelne und als Kirchen zum Gebet und zur Selbstprüfung heraus. Der biblische Text und der Gottesdienst bieten Ihnen Gelegenheit, sich gemeinsam mit anderen neu dieser Herausforderung zu stellen.

Die Liturgie der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2014 enthält einige besondere Elemente, die etwas Vorbereitung erfordern. Sie seien im Folgenden kurz erläutert.

Eröffnung

Im Rahmen der Eröffnung wird die Gemeinde eingeladen, sich im Gebet in verschiedene Himmelsrichtungen zu wenden, wie es der Tradition einiger indigener Völker in Kanada entspricht. Deshalb sollten Sie sich der Himmelsrichtungen am Gottesdienstort vergewissern. Die Gemeinde kann sich dann im Verlauf des Gebets im Uhrzeigersinn drehen. Zuletzt sollte sich die Gemeinde wieder nach vorne wenden, um, wie beschrieben, den Blick „nach oben“ und „nach unten“ zu wenden. Wenn es nötig ist, könnten Sie die Gebete entsprechend der geographischen Gegebenheiten Ihrer Heimat abwandeln.

Ökumenischer Austausch von geistlichen Gaben

Der „ökumenische Austausch von geistlichen Gaben“ greift die Sorge des Paulus über die Spaltungen in der Gemeinde von Korinth und seine Anfrage auf: „Ist denn Christus zerteilt?“ Wenn wir in den Grenzen unserer Konfessionen bleiben und uns voneinander isolieren, werden wir auf dem Weg der Einheit nicht vorankommen. Überschreiten können wir die Grenzen zwischen uns z.B. durch die Bereitschaft, uns von den anderen beschenken zu lassen. Die Gaben der anderen dankbar anzunehmen geht über die Konzentration auf die Gaben, die wir selbst zu geben haben, hinaus. Es verlangt von uns, unsere Aufmerksamkeit auf die anderen zu richten und in ihnen die Charismen zu erkennen, die den ganzen Leib Christi bereichern.

Einen solchen Austausch von Gaben im Gottesdienst darzustellen, erfordert ein wenig Vorbereitung. Folgendermaßen könnten Sie vorgehen:

1. Laden Sie Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Kirchen in Ihrem Ort ein, gemeinsam darüber nachzudenken, welche „Gabe“ alle von den einzelnen empfangen. Ziel ist es, gemeinsam je eine Gabe jeder Konfession herauszuarbeiten, die die anderen bereit sind zu „empfangen“.

2. Im Idealfall lässt sich auch jede Gabe durch einen Gegenstand symbolisieren, der zum „Ökumenischen Austausch von geistlichen Gaben“ nach vorne gebracht werden kann.

3. Wenn die Gaben nach vorne gebracht werden, werden sie mit der folgenden oder einer ähnlichen Formulierung vorgestellt: „Von der … Kirche lassen wir uns dankbar mit der Gabe des/der … beschenken, die hier durch … symbolisiert wird.“

Der „ökumenische Austausch von geistlichen Gaben“ kann selbstverständlich an die örtliche Situation angepasst werden.

Fürbitten

Die Fürbitten greifen die acht Millenniumsziele der Vereinten Nationen auf. Wir regen an, dass Sie der Gottesdienstgemeinde die Fürbitten schriftlich zur Verfügung stellen, damit die Teilnehmenden die einzelnen Ziele vor Augen haben, die in den Gebeten angesprochen werden. (Die Millenniumsziele finden Sie im Anhang.)

Der Abschnitt „Der Einheit verpflichtet“

Die Antworten der Gemeinde im Abschnitt „Der Einheit verpflichtet“ greifen die Themen der acht Tagesmeditationen auf. Es bietet sich an, die Gemeinde auf diesen Zusammenhang aufmerksam zu machen.

Musik

Wer singt, „betet doppelt“. Wir haben für den Gottesdienst geeignete Lieder kanadischer Liederdichter und Komponisten zusammengestellt, die eigens für die Gebetswoche 2014 in Auftrag gegeben wurden. Sie sind unter www.ecumenism.net/music zugänglich. Diese Lieder können Sie gern nutzen, um der Musik in diesem ökumenischen Gottesdienst einen besonderen Akzent zu verleihen.

 

Ökumenischer Gottesdienst

L    Liturgen und Liturginnen
G    Gemeinde
EG Evangelisches Gesangbuch
GL Gotteslob

I.  Wir versammeln uns in Hoffnung und Einheit

Lied

GL 637, 1-3 (Lasst uns loben)

oder EG 165, 1, 4, 6 (Gott ist gegenwärtig)

Liturgen und Liturginnen sowie andere Mitwirkende ziehen feierlich ein.

 

Liturgische Eröffnung

L  Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G  Amen

L  Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. (1 Kor 1,3)

Dieser Gottesdienst wurde in Kanada vorbereitet. Das Wort „Kanada“ stammt aus der Sprache der Irokesen, einem der indigenen Völker des Landes, und bedeutet „Dorf“. Weil sie Gottes Haushalt angehören, leben Christinnen und Christen weltweit tatsächlich in demselben „Dorf“. In der Feier des Gottesdienstes bringen sie zum Ausdruck, dass sie Teil dieses großen globalen Dorfes sind, das voller Schönheit ist, voller Mühen und voller Hoffnung.

Lasset uns beten:

L  Liebender Gott, du rufst uns alle: aus unseren Häusern und Büros, aus unseren Bergwerken und Fabriken, von unseren Feldern und aus unseren Geschäften, von unseren Fischerbooten und unseren Herden, aus unseren Schulen und Krankenhäusern, aus unseren Gefängnissen und Haftanstalten. Du rufst uns zur Einheit in der Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus.

G  Mache uns eins in Christus.

L  Die indigenen Völker Kanadas pflegen ein uraltes Ritual, bei dem sie sich im Gebet in die verschiedenen Himmelsrichtungen wenden. Beten wir gemeinsam mit ihnen, und wenden wir uns in die jeweils genannte Himmelsrichtung:

Wir wenden uns nach Osten

L  Aus dem Osten, in dem die Sonne aufgeht, empfangen wir Frieden und Licht, Weisheit und Erkenntnis.

Gott, wir danken dir für diese Gaben.

Wir wenden uns nach Süden

L  Aus dem Süden kommen Wärme und Wegweisung, Anfang und Ende des Lebens.

Gott, wir danken dir für diese Gaben.

Wir wenden uns nach Westen

L  Aus dem Westen kommt der Regen, reinigendes Wasser, das alles Lebendige erhält.

Gott, wir danken dir für diese Gaben.

Wir wenden uns nach Norden

L  Aus dem Norden kommt die Kälte, kommen starker Wind und weißer Schnee, die uns Kraft und Ausdauer lehren.

Gott, wir danken dir für diese Gaben.

Wir wenden uns wieder nach vorne und blicken nach oben.

L  Vom Himmel empfangen wir Dunkelheit und Licht und den Hauch deines Atems.

Gott, wir danken dir für diese Gaben.

Wir blicken nach unten.

L  Von der Erde kommen wir, und zur Erde kehren wir zurück.

Gott, wir danken dir für deine gute Schöpfung, unsere irdische Heimat.

Führe uns auf guten Wegen, Gott, und lass uns auf dieser Erde als Brüder und Schwestern leben – dass wir uns am Glück der anderen freuen und an ihrer Trauer Anteil nehmen und dass wir im Namen Jesu und in der Kraft der Heiligen Geistes mit dir das Angesicht der Erde erneuern.

Amen.

 

Lied

EG 181.6 (Laudate omnes gentes)

oder GL 640, 1+3 (Gott ruft sein Volk zusammen)

 

Schuldbekenntnis

Paulus mahnt die Gemeinde in Korinth und auch uns zur Einheit. Im Licht seiner Mahnung wollen wir unsere Schuld bekennen.

L  In dir, Christus, sind wir eins. Du hast uns reich gemacht an Rede und Erkenntnis. In unserem Stolz schreiben wir uns selbst diese Gaben zu und erkennen ihre wahre Quelle nicht. Vergib uns, Herr.

G  Christus, erbarme dich oder Kyrie eleison (gesprochen oder gesungen).

L  In Christus fehlt uns keine Gnadengabe. Aber oft sind wir zu befangen oder zu sehr mit uns selbst beschäftigt und geben diese wunderbare, Leben schenkende Botschaft nicht an andere weiter. Vergib uns, Herr.

Christus, erbarme dich.

Du rufst uns zur Gemeinschaft mit dem Vater. Unsere mangelnde Bereitschaft, ganz eines Sinnes und einer Meinung zu sein, unsere mangelnden Anstrengungen, Spaltungen und Streit unter uns zu überwinden, vergib uns, Herr.

Christus, erbarme dich.

L  Lasset uns beten:

Du bleibst treu, obwohl du um unsere Schwäche weißt. Vergib uns die Sünde der Lauheit und unsere Gleichgültigkeit gegenüber den Spaltungen unter uns. Durch die Gnade deines Heiligen Geistes mache uns bereit, konkrete Schritte zu tun zur Wahrung unseres Bundes der Einheit mit dir, miteinander und mit der ganzen Schöpfung.

G  Amen.


II.   Wir hören das Wort Gottes

Schriftlesung

Jesaja 57,14-19

Psalm

GL 724 oder EG 751 (Ps 36,6-11)

Schriftlesungen

1 Korinther 1,1-17

Markus 9,33-41

Lied

GL 614, 2+3 (Wohl denen, die da wandeln)

oder EG 195, 1-3 (Allein auf Gottes Wort)

oder EG 194, 1-3 (O Gott, du höchster Gnadenhort)

Predigt

III.  Wir antworten gemeinsam im Glauben

Glaubensbekenntnis

(Verwendet werden können das Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel oder das Apostolische Glaubensbekenntnis.)

Orgelmeditation oder Posaunenchor

Ökumenischer Austausch von geistlichen Gaben

Das Vorbereitungsteam überlegt vor dem Gottesdienst, welche Gaben die beteiligten Kirchen beitragen können. Dabei kann es sich um Gaben der Ortsgemeinde oder der Kirche, zu der sie gehört, handeln. Zum Gottesdienst bringen Mitglieder der verschiedenen Kirchen Gegenstände mit, die die Gaben repräsentieren, die ihre Tradition in die Gemeinschaft der christlichen Kirche einbringt.

Im Gottesdienst werden diese Gaben nach vorn gebracht und auf einem Tisch gesammelt. Ein/e Liturg/in kann die einzelnen Gaben mit der folgenden oder einer ähnlichen Formulierung vorstellen:

Von der … Kirche lassen wir uns dankbar mit der Gabe … beschenken, die hier durch … symbolisiert wird.

G  Gott, wir danken dir für diese Gaben.

Fürbitten

Die kanadischen Kirchen haben sich gemeinsam die acht Millenniumsziele der Vereinten Nationen zu eigen gemacht. Die folgenden Fürbitten greifen diese Ziele auf.

L  Wir beten für alle Menschen, die unter Armut und Hunger leiden. Ihre Not führt oft zu Konflikten. Gib, dass die Liebe Christi Gerechtigkeit und Frieden wiederherstellt. Gnädiger Gott, höre unser Gebet

und in deiner Liebe erhöre uns.

L  Wir beten für die Menschen, die nach Grundschulbildung für alle streben. Lass sie mit ihrem Wissensdurst Brücken zwischen den Kirchen bauen und die Achtung vor unseren Unterschieden fördern. Gnädiger Gott, höre unser Gebet

und in deiner Liebe erhöre uns.

L  Wir beten für alle, die sich für die Würde und Rechte jedes Menschen einsetzen. Wir beten darum, dass Frauen und Männer weltweit gleichermaßen als Ebenbild Gottes geachtet werden und dass sie gleichen Zugang zu Arbeit, Gütern und Dienstleistungen haben. Hilf uns – die wir eins sind in Jesus Christus –, dass wir uns für die Gleichstellung der Geschlechter einsetzen. Gnädiger Gott, höre unser Gebet

und in deiner Liebe erhöre uns.

L  Wir beten für alle kranken Kinder und Jugendlichen und für diejenigen, die sich für eine bessere Gesundheitsvorsorge für Kinder einsetzen. Lass uns in den Kindern Jesus Christus selbst erkennen. Gnädiger Gott, höre unser Gebet

und in deiner Liebe erhöre uns.

L  Wir beten für die Gesundheit der Mütter. Hilf uns, für die Bedürfnisse der Frauen aufmerksam zu sein, die neues Leben in sich tragen, und deren Liebe zu ihren Kindern uns an die Einheit stiftende Liebe Gottes zu uns erinnert. Gnädiger Gott, höre unser Gebet

und in deiner Liebe erhöre uns.

L  Wir beten für alle, die an HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten leiden. Gib uns offene Ohren für die Stimmen jener Kranken, denen ein Leben in Würde verweigert wird, und hilf uns, uns einzusetzen für eine Welt, in der alle Menschen Achtung und Fürsorge erfahren und niemand ausgeschlossen wird. Gnädiger Gott, höre unser Gebet

und in deiner Liebe erhöre uns.

L  Wir beten für alle, die unter den Folgen des zerstörerischen Umgangs mit der Schöpfung leiden, und für alle bedrohten Arten. Führe uns den Weg zur ökologischen Nachhaltigkeit, damit wir versöhnt werden mit der Schöpfung. Gnädiger Gott, höre unser Gebet

und in deiner Liebe erhöre uns.

L  Wir beten für alle, die unter mangelnder internationaler Solidarität leiden. Lass uns weltweite Partnerschaft praktizieren und nach Gerechtigkeit streben, indem wir uns für fairen Handel einsetzen und den ärmsten Ländern die Schulden erlassen. Gnädiger Gott, höre unser Gebet

und in deiner Liebe erhöre uns.

L  Dein Wort, Herr, leite uns bei unserem Einsatz für die Verwirklichung dieser Ziele. Es führe uns zu dem Reich, um das du gebetet hast. So beten wir gemeinsam:

Vater unser (gesprochen oder gesungen).

 

Friedensgruß

L  Als die Franzosen im 16. und 17. Jahrhundert nach Kanada kamen, fanden sie ein Land vor, das reich an Ressourcen war, und sie bekamen Unterstützung von den indigenen Völkern. Aus Dankbarkeit nannten sie das Schiff, mit dem der Gründer Québecs nach Kanada gekommen war, „Don de Dieu“, auf deutsch: „Geschenk Gottes“.

In vielen in Kanada üblichen Formen des eucharistischen Ritus wird die Gemeinde zum Abendmahlsempfang eingeladen mit den Worten: „Die Gaben Gottes für das Volk Gottes“. Die Einheit, um die wir beten, ist die wiederhergestellte Einheit der Kirchen, die ihren Ausdruck im gemeinsamen Empfang der eucharistischen Gaben finden wird. Wir sind noch auf dem Weg zur sichtbaren Einheit, aber schon jetzt geben und empfangen wir gegenseitig Gaben, Gaben Gottes für das Volk Gottes.

In der französischsprachigen Provinz Québec hat der Ausdruck „don de Dieu“ – „Geschenk Gottes“ heute in Kirche und Kultur eine neue Aussagekraft. Er erinnert an die Dankbarkeit für die Gaben Gottes, die in die Zeit zurückreicht, als die Einwanderer aus Europa mit den indigenen Völkern Kanadas gemeinsam Dank sagen konnten.

Lasset uns beten:

Herr Jesus Christus, du hast zu deinen Aposteln gesagt: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“. Schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche und schenke uns den Frieden und die Einheit jener himmlischen Stadt, in der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und regierst, jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Als Zeichen des Friedens und der Anerkennung der Gaben, die wir voneinander empfangen, wollen wir – wie es bei den französischsprachigen Kanadiern üblich ist – zueinander sagen: „Don de Dieu“.

Die Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer geben sich die Hand oder verneigen sich voreinander oder umarmen einander und sagen dabei:

G  Don de Dieu

Kollekte (Die Spendenprojekte für die Gebetswoche 2014 finden Sie im Anhang. Es ist sinnvoll, den Kollektenzweck kurz zu erläutern.)

Lied zur Kollekte (Während des Liedes kann die Kollekte eingesammelt werden.)

GL 266, 1-3 (Nun danket alle Gott)

oder EG 301, 1-3 (Danket Gott, denn er ist gut)

 

IV. Wir gehen hinaus in die Welt

Der Einheit verpflichtet

L  Paulus forderte die Christinnen und Christen in Korinth auf, sich in ihrem Denken und Handeln von der Einsicht leiten zu lassen, dass Christus nicht zerteilt ist.

Ebenso fordert er uns auf, die Einheit, die uns in Christus bereits geschenkt ist, deutlicher zum Ausdruck zu bringen.

Wir sind mit allen Menschen weltweit verbunden, die Jesus Christus, unseren Herrn, anrufen.

Gemeinsam sind wir als Heilige berufen.

L  Gott hat uns reich gesegnet:

Gemeinsam danken wir für die Gnade Gottes, die uns in Christus Jesus geschenkt wurde.

L  Durch unsere Einheit in Christus hat Gott uns mit vielfältigen Gaben beschenkt:

Gemeinsam fehlt uns keine geistliche Gabe.

L  Wir vertrauen fest auf Gott, der uns die Kraft zu Liebe und für unseren Dienst schenkt,

Gemeinsam bekräftigen wir: Gott ist treu.

L  Wir sind von Jesus Christus angenommen.

Gemeinsam sind wir zur Gemeinschaft mit Jesus Christus berufen.

L  Wir sind eines Sinnes und einer Meinung.

Gemeinsam streben wir danach, geeint zu sein.

L  Wir wollen unsere Meinungsverschiedenheiten über den, der für uns gekreuzigt wurde, überwinden.

Gemeinsam halten wir zu Christus.

L  Ist denn Christus zerteilt?

Nein! Gemeinsam gehen wir hinaus in die Welt und verkünden das Evangelium.

Lied

GL 265, 1-3 (Nun lobet Gott im hohen Thron)

oder EG 170, 1-4 (Komm, Herr segne uns)

Segen und Sendung

Der Segen kann von einem der Liturgen/Liturginnen in der untenstehenden oder einer anderen Form erteilt werden.

L  Der Herr sei mit euch.

Und mit deinem Geiste.

L  Die Liebe des Herrn Jesus Christus ziehe euch zu ihm,
die Macht des Herrn Jesus Christus stärke euch in seinem Dienst,
die Freude des Herrn Jesus Christus erfülle euren Geist,
und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes,
sei mit euch und bleibe allezeit bei euch.

Amen.

Geht in Frieden,
um zu lieben und geliebt zu werden,
um anzunehmen und angenommen zu werden,
um zu dienen und gestärkt zu werden.

Gott sei Lob und Dank.

Musikalisches Nachspiel/Posaunenchor

Übersetzung besorgt von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, Ökumenische Centrale, Ludolfusstr. 2-4, 60487 Frankfurt am Main, Tel.: 0049/69/2470270, info@ack-oec.de; www.oekumene-ack.de, www.gebetswoche.de

Anhang

Millenniumsziele der Vereinten Nationen

1.  Extreme Armut und Hunger beseitigen

*  Die Zahl der Menschen, die von weniger als einem US-Dollar pro Tag leben, soll um die Hälfte gesenkt werden

*  Der Anteil der Menschen, die unter Hunger leiden, soll um die Hälfte gesenkt werden

2.  Grundschulausbildung für alle Kinder gewährleisten

*  Alle Jungen und Mädchen sollen eine vollständige Grundschulausbildung erhalten

3.  Gleichstellung und größeren Einfluss der Frauen fördern

*  In der Grund- und Mittelschulausbildung soll bis zum Jahr 2005 und auf allen Ausbildungsstufen bis zum Jahr 2015 jede unterschiedliche Behandlung der Geschlechter beseitigt werden

4.  Die Kindersterblichkeit senken

*  Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren soll um zwei Drittel gesenkt werden

5.  Gesundheit der Mütter verbessern

*  Die Müttersterblichkeit soll um drei Viertel gesenkt werden

6.  HIV/Aids, Malaria und andere Krankheiten bekämpfen

*  Die Ausbreitung von HIV/Aids soll zum Stillstand gebracht und zum Rückzug gezwungen werden

*  Der Ausbruch von Malaria und anderer schwerer Krankheiten soll unterbunden und ihr Auftreten zum Rückzug gezwungen werden

7.  Eine nachhaltige Umwelt gewährleisten

*  Die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung sollen in der nationalen Politik übernommen werden; dem Verlust von Umweltressourcen soll Einhalt geboten werden

*  Die Zahl der Menschen, die über keinen nachhaltigen Zugang zu gesundem Trinkwasser verfügen, soll um die Hälfte gesenkt werden

*  Bis zum Jahr 2020 sollen wesentliche Verbesserungen in den Lebensbedingungen von zumindest 100 Millionen Slumbewohnern erzielt werden

8.  Eine globale Partnerschaft im Dienst der Entwicklung schaffen

*  Ein offenes Handels- und Finanzsystem, das auf festen Regeln beruht, vorhersehbar ist und nicht diskriminierend wirkt, soll weiter ausgebaut werden. Dies schließt eine Verpflichtung zu guter Staatsführung, zur Entwicklung und zur Beseitigung der Armut sowohl auf nationaler wie auf internationaler Ebene ein

*  Auf die besonderen Bedürfnisse der am wenigsten entwickelten Länder muss entsprechend eingegangen werden. Dazu gehören der zoll- und quotenfreie Marktzugang für die Exporte dieser Länder; die verstärkte Schuldenerleichterung für die hochverschuldeten armen Länder; die Streichung aller bilateralen öffentlichen Schulden dieser Länder; sowie eine großzügigere Entwicklungshilfe für Länder, die wirkliche Anstrengungen zur Senkung der Armut unternehmen

*  Auf die besonderen Bedürfnisse der Binnenstaaten und der kleinen Inselentwicklungsländer muss entsprechend eingegangen werden

*  Die Schuldenprobleme der Entwicklungsländer mit niedrigen und mittleren Einkommen müssen durch Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene umfassend und wirksam angegangen werden, damit ihre Schulden auf lange Sicht tragbar werden

*  In Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern soll für die Schaffung menschenwürdiger und produktiver Arbeitsplätze für junge Menschen gesorgt werden

*  In Zusammenarbeit mit der pharmazeutischen Industrie sollen lebenswichtige Medikamente in den Entwicklungsländern zu erschwinglichen Preisen verfügbar gemacht werden

*  In Zusammenarbeit mit dem Privatsektor sollen die Vorteile der neuen Technologien, insbesondere der Informations- und Kommunikationstechnologien, verfügbar gemacht werden

Herausgegeben von der Hauptabteilung der Vereinten Nationen für Presse und Information, DPI/2251. Deutsche Übersetzung: Informationszentrum der Vereinten Nationen (UNIC) Bonn. Juli 2002.
Quelle: www.unric.org/de/wirtschaftliche-und-soziale-entwicklung/26307

 

DIE ÖKUMENISCHE SITUATION IN KANADA

Einer von zahlreichen Faktoren, die die religiöse Situation in Kanada bestimmen, ist die gewaltige Ausdehnung unseres Landes. Kanada ist flächenmäßig das zweitgrößte Land der Welt, 40% liegen in der Arktis, nördlich des 60. Breitengrades. Die zehn Provinzen und drei Territorien Kanadas erstrecken sich vom Atlantik bis zum Pazifik, von den Vereinigten Staaten bis zum Nordpol. Wir sind von drei Ozeanen umgeben – Atlantik, Pazifik und Nordpolarmeer. Unsere einzige Landgrenze verläuft zu den Vereinigten Staaten hin. Seit fast 200 Jahren haben wir Frieden mit unserem Nachbarn. Kanada ist eine parlamentarische Demokratie. Das Land ist als Konföderation ehemaliger britischer Kolonien föderal gegliedert. Die Vereinigung der ehemaligen Kolonialgebiete und die Unabhängigkeit von Großbritannien vollzogen sich friedlich. Kanada ist bis heute stark engagiert in der internationalen Zusammenarbeit. Die großen Distanzen zwischen den Städten haben zu starker Eigenständigkeit mit ausgeprägter regionaler Identität geführt. Mit dieser Entwicklung geht eine gewisse Entfremdung bis zur gegenseitigen Ablehnung einher.

Kanada ist bekannt für seine atemberaubenden Naturschönheiten: Berge, Wälder, Seen und Flüsse, Weizenfelder bis zum Horizont und Küsten an drei Ozeanen. Das Land ist reich an landwirtschaftlichen Erträgen und an Rohstoffen. Kanada ist ein Vielvölkerstaat. Hier leben „First Nations“, Inuit und Métis[2], sowie Siedler aus aller Welt. Es gibt zwei Landessprachen, Französisch und Englisch, daneben sind viele Kanadierinnen und Kanadier stolz auf das jeweilige kulturelle und sprachliche Erbe der Heimat ihrer Vorfahren.

Jacques Cartier, der erste französische Entdecker, der den Sankt-Lorenz-Strom befuhr, hörte als erster Europäer von der indigenen Bevölkerung das Wort „Kanada“. Die wörtliche Übersetzung dieses Wortes lautet „Dorf“. Die ersten Siedler aus Frankreich waren mehrheitlich römisch-katholisch. Es befanden sich aber auch eine Anzahl Protestanten darunter. Die meisten von ihnen waren hugenottische Kaufleute. Die religiösen Spannungen in Frankreich machten sich in Neufrankreich anfangs nicht bemerkbar. Katholische Orden, z.B. die Jesuiten, arbeiteten bereitwillig mit den Protestanten zusammen. Leider folgte auf diese frühe Zusammenarbeit eine Zeit der Diskriminierung. Schließlich wurden nur noch Katholiken offiziell zur Ansiedlung in Neufrankreich zugelassen. Der ursprüngliche Name Montréals, Ville Marie, zeugte von diesem katholischen Ursprung.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Neufrankreich an Großbritannien abgetreten. Damit wurden die mehrheitlich katholischen frankokanadischen Familien Untertanen des englischen Königs, der zugleich das Oberhaupt der anglikanischen Kirche war. Zu einer Zeit, in der in Großbritannien Katholiken noch vom Gesetz diskriminiert wurden, gewährte der englische König in Kanada eine umfassende Religionsfreiheit, die auch Freiheit hinsichtlich der Sprache, Bildung und Kultur mit einschloss. Unter britischer Herrschaft gab es abwechselnd Zeiten der Toleranz und der Bedrängnis. Bis in die 1950er Jahre waren die katholischen Bischöfe für die meisten sozialen Einrichtungen in den französischen Gemeinwesen zuständig. Im Lauf der Jahrhunderte wuchs die Bevölkerung. Immer neue Einwanderungswellen mussten integriert werden. Ende des 18. Jahrhunderts setzte die Zuwanderung englischer, schottischer und irischer Siedler ein. Im 19. Jahrhundert folgten Immigranten aus den west- und osteuropäischen Ländern und in jüngerer Zeit kamen viele Einwanderer aus Lateinamerika, Afrika, dem Nahen Osten und Asien hinzu. Menschen aus aller Welt kamen im Lauf des 20. Jahrhunderts als Immigranten und Flüchtlinge nach Kanada, darunter auch orthodoxe und altorientalische Christen aus Osteuropa und dem Nahen Osten. Ihre kirchlichen Traditionen bereichern heute die religiöse Landschaft. In der Erzdiözese Toronto wird gegenwärtig die Eucharistie in 33 verschiedenen Sprachen gefeiert. Auch Angehörige anderer Religionen – darunter Juden, Muslime, Sikhs, Hindus, Bahais – haben sich in Kanada angesiedelt. Die kanadischen Großstädte sind von einer großen kulturellen und religiösen Vielfalt geprägt. Die Assimilationspolitik der Vergangenheit wurde in den 1970er Jahren abgelöst von einer offiziellen Förderung der Multikulturalität. Das Land wird durch die Beiträge der Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichen ethnischen Ursprungs bereichert. Wir sind dankbar für ihre Präsenz in Politik, Bildung, Gesundheitswesen, Kunst, Kommunikation, Wirtschaft und Religion.

Über 150 Jahre lang betrieben eine Reihe christlicher Konfessionen in Kanada in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung die so genannten „Indian Residential Schools“. Hier wurden Kinder der indigenen Bevölkerung, oft gegen den Willen ihrer Eltern, der europäischen Kultur entsprechend erzogen und assimiliert. Diese Schulen waren häufig bestrebt, die indigenen Sprachen und Kulturen auszumerzen. Es kam vielfach zu körperlichen Misshandlungen, psychischer Gewalt und sexuellem Missbrauch. Die größten Kirchen in Kanada – die römisch-katholische, Vereinigte Kirche von Kanada, anglikanische und presbyterianische Kirche – machten sich mitschuldig und haben ihre Schuld in jüngster Zeit auf unterschiedliche Weise bekannt. Heute arbeiten diese Kirchen eng mit der indigenen Bevölkerung zusammen im Bemühen um Gerechtigkeit, Heilung, Wahrheit und Versöhnung. Zuletzt entstand eine landesweite Wahrheits- und Versöhnungskommission[3], die zu einem umfassenden Konzept gehört, wie die Geschichte dieser „Indian Residential Schools“ aufgearbeitet werden soll.

Seit den Erfahrungen der frühesten Pionierzeit haben die kanadischen Kirchen ein Gespür für pastorale Zusammenarbeit entwickelt. Bereits in den 1880er Jahren arbeiteten die presbyterianische, methodistische und kongregationalistische Mission im Westen Kanadas zusammen. Sie sprachen regionale Schwerpunkte ihrer missionarischen Aktivitäten miteinander ab. Es entwickelten sich Unionskirchen, die einen Impuls für die Entstehung der Vereinigten Kirche von Kanada 1925 gaben. Dies war die weltweit erste moderne ökumenische Kirchenunion des 20. Jahrhunderts. Befürworter dieser Vereinigung sahen darin eine Chance, eine gemeinsame christliche Position in die nationale Identitätsbildung einzubringen. Heute findet die kirchliche Zusammenarbeit in vielerlei anderen Formen statt. Die Seelsorge in Gefängnissen, Krankenhäusern, Hochschulen und beim Militär wird ökumenisch getragen. Die formelle theologische Ausbildung findet landesweit großteils in ökumenischen Einrichtungen oder Zusammenschlüssen konfessioneller Institutionen statt. Andere Formen der Zusammenarbeit sind auf der Gemeindeebene angesiedelt. Genannt sei hier der Ansatz der „Ecumenical Shared Ministries“, in deren Rahmen Gemeinden aus zwei und mehr kirchlichen Traditionen Gebäude gemeinsam nutzen, von denselben Geistlichen betreut werden oder Programme zusammen durchführen und wöchentlich gemeinsame Gottesdienste feiern.

Im Kanadischen Rat der Kirchen (CCC) sind 24 Kirchen anglikanischer, katholischer, reformierter, evangelisch-lutherischer, freikirchlicher sowie östlich- und orientalisch-orthodoxer Tradition vertreten. Er repräsentiert damit eines der breitesten Spektren aller Kirchenräte weltweit. Der CCC trifft Entscheidungen nach dem Konsensprinzip. Er wurde 1944 gegründet und seinen derzeitigen Mitgliedskirchen gehören 85% aller Christinnen und Christen in Kanada an. Von großer Bedeutung ist, dass die kanadische katholische Bischofskonferenz dem CCC als Vollmitglied angehört, ebenso wie sechs evangelische Kirchen. In der Evangelical Fellowship of Canada (EFC) sind Kirchen, kirchennahe Organisationen und Einrichtungen sowie Gemeinden des gesamten evangelikalen und pfingstkirchlichen Spektrums zusammengeschlossen. Eine Reihe Kirchen sind Mitglieder oder Beobachter sowohl im CCC wie auch in der EFC. Beide Organisationen arbeiten in den letzten Jahren enger zusammen.

Viele kanadische Kirchen sind auf nationaler wie lokaler Ebene in bilaterale und multilaterale Beziehungen eingebunden. Die bedeutendste Kirchenvereinigung im Sinn einer organischen Union ist der 1925 vollzogene Zusammenschluss zahlreicher presbyterianischer, methodistischer und kongregationalistischer Kirchen zur Vereinigten Kirche von Kanada. Daneben haben sich vielfältige andere Formen des Miteinanders und der Kirchengemeinschaft entwickelt. Mit der anglikanisch-lutherischen Waterloo-Erklärung verwirklichten diese beiden Konfessionen im Jahr 2000 die volle Kirchengemeinschaft. Kanadischen theologischen Dialoge leisteten und leisten Beiträge zur Studien- und Reflexionsarbeit vor Ort und ihre Erkenntnisse fließen in die internationalen Dialoge ein.

Unter den vielen innovativen Aspekten der kanadischen Ökumene ist die Existenz von über 50 interkonfessionellen Zusammenschlüssen hervorzuheben, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen. Die ersten von ihnen wurden bereits in den 1960er Jahren gegründet: Project Ploughshares, Women’s Interchurch Council of Canada, KAIROS: Canadian Ecumenical Justice Initiatives, Canadian Churches’ Forum on Global Ministries und andere unterstützen Kirchen und Staat bei der Auseinandersetzung mit komplexen gesellschaftlich-sozialen Fragen.

Das Canadian Centre for Ecumenism wurde 1963 von Pater Irénée Beaubien in einem sehr lebendigen französisch-englischen Umfeld in Montréal gegründet. Es erarbeitet ökumenische Materialien auf nationaler Ebene, die auch international Beachtung finden. So erscheint etwa die Zeitschrift Ecumenism in einer englischen und einer französischen Ausgabe und wird in vierzig Ländern im Abonnement gelesen. Das Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen, über das das Zentrum verfügt, wird am neuen Green Church-Programm deutlich. Dieses Programm unterstützt Kirchen aller Traditionen dabei, konsequenter zur Bewahrung der Schöpfung beizutragen.

Die Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils Anfang der 1960er Jahre wirkte sich positiv auf die ökumenische Entwicklung in Kanada aus. Die in Kanada gesammelten ökumenischen Erkenntnisse und Erfahrungen fanden 1962 ihren Niederschlag in einem Hirtenbrief von Kardinal Paul-Émile Léger, dem Erzbischof von Montréal. Unter dem Titel Chrétiens désunis (Entzweite Christen) forderte Léger hier nicht mehr die Konversion der Protestanten zum Katholizismus, sondern lud die katholischen Gläubigen ein, um die Einheit zu beten, die eine Umkehr und Erneuerung der katholischen Kirche selbst erfordere. In Worten, die das Zweite Vatikanum vorwegnahmen, bekannte der Kardinal, die Sorge um die Einheit werde zunehmend zum bedeutendsten Thema der modernen Christenheit. Nach seiner Überzeugung verdankte sich die ökumenische Bewegung der „Inspiration des Heiligen Geistes“. In seiner Reflexion über das Geheimnis der Einheit und Spaltung der Christenheit betonte der Kardinal, alle gültig getauften Menschen „werden Christus eingegliedert und werden ein Leib mit ihm“. Weiterhin stellte er fest, dass im Licht des ausdrücklichen Willens Christi die Spaltung ein „Skandal“ und ein „Übel“ sei. So forderte der Kardinal die Gläubigen auf, um die Einheit zu beten und in den Dialog mit ihren Mitchristen zu treten, in dem Bewusstsein, dass die Verantwortung für die Uneinigkeit auf beiden Seiten zu suchen sei.

Nachdem der Ökumenische Rat der Kirchen von den diskreten monatlichen Treffen zwischen protestantischen und katholischen Geistlichen gehört hatte, die Pater Beaubien seit 1958 in Montréal organisierte, wählte er für 1963 die Stadt als Tagungsort der Vierten Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung aus. Diese Versammlung von über 450 Theologinnen und Theologen unterschiedlicher Tradition und geographischer Herkunft wurde von einer mehrheitlich katholischen Bevölkerung herzlich aufgenommen. Sie war ein großes ökumenisches Ereignis. So versammelten sich am Abend der christlichen Gemeinschaften an der Université de Montréal 1.500 Christen und Christinnen. Bei der Expo 67 in Montréal verzichteten die großen kanadischen Kirchen und der Vatikan auf die gewohnte getrennte Selbstdarstellung und präsentierten einen gemeinsamen christlichen Pavillon. In der Geschichte der Weltausstellungen war dies der erste ökumenische Pavillon überhaupt.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und in den darauffolgenden Jahrzehnten entstanden weitere ökumenische Gruppen. Der Atlantic Ecumenical Council (1966), das Quebec Ecumenical Network (1982) und das Prairie Centre for Ecumenism (1984) verdienen gesonderte Erwähnung. Das Prairie Centre for Ecumenism, das der katholische Geistliche Bernard de Margerie in Saskatoon gründete, wird von sieben kirchlichen Traditionen getragen und arbeitet schwerpunktmäßig im Bereich ökumenische Aus- und Weiterbildung. Weiterhin dient es der Unterstützung der Ecumenical Shared Ministries. Überall im Land – in ländlichen wie städtischen Gebieten – wird die Ökumene vor Ort von Hauptamtlichen sowie von zahlreichen örtlichen Ökumenegremien gefördert. Verschiedene, gemeinsam getragene ökumenische Initiativen blühen landesweit: Feiern zur Gebetswoche für die Einheit der Christen, Ausbildung an theologischen Fakultäten, Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit, Veröffentlichungen usw. Integraler Bestandteil des Lebens der Kirche in Kanada sind konfessionsverbindende Familien. Sie leben die Herausforderungen und Segnungen des Engagements für die christliche Einheit und nehmen häufig Führungsrollen in der ökumenischen Zusammenarbeit ein.

Ein Glanzlicht der jüngsten ökumenischen Bemühungen ist die wachsende Teilnahme evangelikaler Kirchen und Geistlicher an lokalen ökumenischen Veranstaltungen, ökumenischen Gottesdiensten und Dialogen sowie im diakonisch-caritativen Bereich. Nach einer Phase inner-evangelikaler Annäherung ergeben sich gegenwärtig Möglichkeiten für neue Dialoge zwischen den etablierten protestantischen Kirchen, Evangelikalen und Pfingstlern, Orthodoxen, Altorientalen und der römisch-katholischen Kirche. Die kanadischen evangelikalen Gemeinden gehen auf die anderen Kirchen in ihrem Umfeld zu. Sie bemühen sich um Dialog, Möglichkeiten zum gemeinsamen Gottesdienst und die Zusammenarbeit beim Zeugnis in unseren Städten. Alle Kirchen sind mit derselben Realität konfrontiert: sie haben nicht mehr den selben gesellschaftlichen Einfluss wie früher, und in vielen Kirchen sinken die Mitgliedszahlen drastisch.

Unterschiedliche Anschauungen, was das Gewicht oder die Notwendigkeit einer Evangelisierung von Angehörigen anderer Religionen angeht, sind ein Hindernis für die christliche Zusammenarbeit. Trotz dieser Differenzen hat die ökumenische Zusammenarbeit beim interreligiösen Dialog in den letzten Jahren zugenommen. Er wird häufig von mehreren Kirchen gemeinsam getragen.

Ist Christus in Kanada zerteilt? Sicherlich ist richtig, dass es Spaltungen unter den Christinnen und Christen in Kanada gibt. Die kanadischen Christen sind uneins im Blick auf die Rolle von Frauen in Kirche und Gesellschaft sowie in Bezug auf ethische Fragen wie Abtreibung, Euthanasie und gleichgeschlechtliche Ehe. Viele dieser Differenzen finden sich auch innerhalb einzelner kirchlicher Traditionen. Angesichts neuer gesellschaftlich-sozialer Fragen beginnen jedoch einige christliche Konfessionen, auf neue, positive Weise mit Angehörigen anderer Traditionen zusammenzuarbeiten. Die kanadische Geschichte kennt Zeiten voller Spannungen und Rivalitäten wie auch Zeiten, in denen man wenig voneinander wusste oder einander mit Gleichgültigkeit begegnete. Gelernt haben wir aus all diesen Erfahrungen, im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens die Werte der Anderen zu berücksichtigen. Nach wie vor trennen uns Lehre, Kirchenordnung und Praxis und wir halten an unserer jeweiligen religiösen Vereinzelung fest. Doch unter der Führung Gottes geht unser Pilgerweg zur Einheit weiter.

Ein Gebet, das 1967 zum hundertjährigen Jubiläum der Gründung Kanadas entstanden ist, spiegelt auch heute noch die Ziele und den kanadischen Charakter wieder:

„Wir beten und leben für eine Welt, in der die Menschen aller Völker einig sind im Denken, Reden und Handeln. Hilf uns klar und ehrlich, rein und liebevoll zu sein in unseren Beziehungen mit anderen Menschen in unserer Welt und jeder Welt. Wir beten um Harmonie und Erfüllung für jede Person in unserem Land und in jedem Land. Hilf uns, uns dafür einzusetzen und dafür zu leben, dass Hunger, Armut, Unwissenheit und Krankheit überwunden werden und dein Reich wahrhaft komme. Amen.“


[1] First Nations („Erste Nationen/Völker“) ist der in Kanada übliche Begriff für die indigenen Völker des Landes und betont die Tatsache, dass sie bereits vor dem Eintreffen der Europäer hier lebten. Die indigene Bevölkerung in der Arktis bezeichnet sich selbst als Inuit. Die Métis ihrerseits sind französisch-indigener Herkunft.

[2] First Nations („Erste Nationen/Völker“) ist der in Kanada übliche Begriff für die indigenen Völker des Landes und betont die Tatsache, dass sie bereits vor dem Eintreffen der Europäer hier lebten. Die indigene Bevölkerung in der Arktis bezeichnet sich selbst als Inuit. Die Métis ihrerseits sind französisch-indigener Herkunft.

[3] Weitere Informationen zu den Indian Residential Schools und der Abfindungsvereinbarung in englischer oder französischer Sprache unter: http://www.trc.ca

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