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 PÄPSTLICHER RAT ZUR FÖRDERUNG DER EINHEIT DER CHRISTEN

Gebetswoche für die Einheit der Christen 2017

 

Versöhnung – die Liebe Christi drängt uns

(2 Kor 5,14-20)

 

WICHTIG

Dieser Text ist eine deutsche Übersetzung von Teilen
der internationalen Ausgabe der Schriften für die Gebetswoche 2017

Bitte wenden Sie sich an die Ökumenekommission der Bischofskonferenz
Ihres Landes oder an die Synode Ihrer Kirche,
um eine Ihren örtlichen Verhältnissen angepasste Version zu erhalten

  

 

Einführung in das Thema

Deutschland: Das Land der lutherischen Reformation

Im Jahr 1517 veröffentlichte Martin Luther 95 Thesen, in denen er von ihm wahrgenommene Missstände in der Kirche seiner Zeit anprangerte. In das Jahr 2017 fällt der 500. Jahrestag dieses Schlüsselereignisses der Reformationsbewegung, die das Leben der Kirche des Westens über Jahrhunderte prägte. Dieses Ereignis wurde lange Zeit, nicht zuletzt in den vergangenen Jahren, zwischen den Kirchen in Deutschland kontrovers diskutiert. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bereitet das Jubiläum seit 2008 vor, indem sie jedes Jahr einen bestimmten Aspekt der Reformation in den Mittelpunkt stellt, z.B. „Reformation und Politik“ oder „Reformation und Bildung“. Außerdem hat die EKD ihre ökumenischen Partner auf den verschiedenen Ebenen eingeladen, an dem Gedenken der Ereignisse von 1517 mitzuwirken.

Nach intensiven und manchmal schwierigen Diskussionen kamen die Kirchen in Deutschland überein, dass das Reformationsgedenken in ökumenischer Gemeinschaft als Christusfest begangen werden sollte. Die Konzentration auf den Kern des christlichen Glaubens, Jesus Christus und sein Werk der Versöhnung, ermöglicht es den ökumenischen Partnern der EKD (römisch-katholische und orthodoxe Kirche, Baptisten, Methodisten, Mennoniten u.a.), sich an den Feiern zum Gedenken der Reformation zu beteiligen.

Angesichts der Geschichte der Reformation, die von schmerzhaften Spaltungen gekennzeichnet ist, bedeutet dies einen bemerkenswerten Fortschritt. Die internationale Lutherisch/Römisch-katholische Kommission für die Einheit hat intensiv daran gearbeitet, ein gemeinsames Verständnis des Reformationsgedenkens zu erlangen. Ihr wichtiger Bericht „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ hält die Einsicht fest, dass beide Traditionen gemeinsam auf diesen Jahrestag in einem ökumenischen Zeitalter zugehen und dass sie dabei auf dem Boden der Ergebnisse aus fünfzig Jahren des Dialogs und eines neuen Verständnisses ihrer eigenen Geschichte und Theologie stehen. Heute können wir konfessionelle Polemik von den theologischen Einsichten der Reformation unterscheiden, und das ermöglicht es Katholiken, Luthers Anfragen für die Kirche heute zu hören und ihn als „Zeugen des Evangeliums“ (Vom Konflikt zur Gemeinschaft, Nr. 29) anzuerkennen. Und so werden im Jahr 2017 lutherische und katholische Christen nach Jahrhunderten der gegenseitigen Verurteilung und Verunglimpfung zum ersten Mal gemeinsam des Beginns der Reformation gedenken.

Dieser neuen Gemeinsamkeit und den ökumenischen Zusammenhängen, in denen sie steht, verdankt sich das Motto der diesjährigen Gebetswoche für die Einheit der Christen: „Versöhnung – die Liebe Christi drängt uns“ (2 Kor 5,14).

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) und das Reformationsgedenken 2017

Die ACK erinnert mit verschiedenen Projekten an das Jahr 1517. Eines von ihnen – mit dem Titel: „Die Bibel neu als Schatz entdecken“ – knüpft an die große Bedeutung an, die Martin Luther der Bibel beimaß. Es wurde eine Broschüre veröffentlicht, in der alle Mitgliedskirchen der ACK ihren Zugang zur Bibel beschreiben. Außerdem veranstaltete die ACK einen symbolischen Pilgerweg zu mehreren Mitgliedskirchen in Wittenberg. Jede Gemeinde auf diesem Weg drückte in einer von ihr selbst gestalteten Feier die für sie charakteristische Beziehung zur Bibel aus. Darüber hinaus veranstaltete die ACK im April 2015 eine Tagung zum Thema: „Heillos gespalten? Segensreich erneuert? 500 Jahre Reformation in der Vielfalt ökumenischer Perspektiven“, deren Ergebnisse in Buchform veröffentlicht wurden.

Mit Blick auf das Reformationsgedenken übernahm die ACK weiterhin auf Einladung des Ökumenischen Rates der Kirchen die Aufgabe, die Materialien für die Gebetswoche für die Einheit der Christen 2017 vorzubereiten. Eine zehnköpfige Vorbereitungsgruppe, die die Vielfalt der Mitgliedskirchen der ACK widerspiegelte, kam in den Jahren 2014/2015 dreimal zusammen, um die erforderlichen Texte zu erarbeiten. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der Vorbereitung des ökumenischen Gottesdienstes zur Gebetswoche. Die Materialien dienen dem grundsätzlichen Anliegen der Gebetswoche und verstehen sich zugleich als ein Beitrag zum Gedenken an die Reformation Luthers.

Das Motto der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2017

Beim Treffen der deutschen Vorbereitungsgruppe im Herbst 2014 wurde schnell deutlich, dass das Material für die Gebetswoche für die Einheit der Christen zwei Akzente setzen müsste: Zum einen soll es um die Feier der Liebe und Gnade Gottes, der den Menschen allein aus Gnade rechtfertigt, gehen – damit wird zugleich dem Hauptanliegen der Kirchen, die durch die Reformation Martin Luthers geprägt sind, Rechnung getragen. Zum anderen soll der Schmerz angesichts der tiefen Spaltungen, die aus der Reformation folgten, benannt und Schuld offen bekannt werden. So wird die Möglichkeit eröffnet, Schritte auf dem Weg der Versöhnung zu gehen.

Die Lektüre des Apostolischen Schreibens von Papst Franziskus Evangelii gaudium (Die Freude des Evangeliums) gab schließlich den Ausschlag für das Thema „Die Liebe Christi drängt uns“ (Nr. 9). Mit diesem Zitat aus 2 Kor 5,14 und seinem Zusammenhang im 5. Kapitel des zweiten Korintherbriefes formulierte die Vorbereitungsgruppe das Thema für den Gottesdienst und die Gebetswoche für die Einheit der Christen 2017.

Der Bibeltext: 2 Kor 5,14-20

Der Bibeltext unterstreicht, dass Versöhnung ein Geschenk Gottes ist, das er dem ganzen Kosmos gewährt. „Ja, Gott war es, der in Christus die Welt (kosmos) mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung anvertraute.“ (V.19) Als Konsequenz des Handelns Gottes wird der in Christus versöhnte Mensch beauftragt, in Wort und Tat die Versöhnung zu verkünden: „Die Liebe Christi drängt uns“ (V.14). „Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi Statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!“ (V.20). Der Text betont, dass diese Versöhnung nicht ohne Opfer geschieht. Jesus gibt sein Leben hin; er ist für alle gestorben. Die Botschafter der Versöhnung sind gerufen, gleichfalls in seinem Namen ihr Leben zu geben. Sie leben nicht mehr für sich selbst; sie leben für den, der für sie gestorben ist.

Tagesmeditationen und Gottesdienst

Der Bibeltext 2 Kor 5,14-20 liegt auch den Tagesmeditationen zugrunde, die den theologischen Einsichten der einzelnen Verse in folgenden Schritten nachgehen:

1. Tag:    Einer ist für alle gestorben
2. Tag:   „… nicht mehr für sich selbst leben“
3. Tag:   „… nicht mehr nur nach menschlichen Maßstäben“
4. Tag:    Das Alte ist vergangen
5. Tag:   Neues ist geworden
6. Tag:   Gott hat uns mit sich versöhnt
7. Tag:    Der Dienst der Versöhnung
8. Tag:   Mit Gott versöhnt

Im Gottesdienst wird gefeiert, dass Gott in Christus die Welt mit sich versöhnt hat. Dazu gehört aber auch, dass wir unsere Schuld bekennen, bevor wir in Wortverkündigung und Vergebungszusage gemeinsam aus der Quelle der Vergebung Gottes schöpfen. Nur so werden wir in der Lage sein, in der Welt zu bezeugen, dass Versöhnung möglich ist.

Die Liebe Christi drängt uns, Zeugen zu sein

Die Liebe Christi drängt uns, zu beten und zugleich über das Gebet für die Einheit der Christen hinauszugehen. Gemeinden und Kirchen brauchen Gottes Gabe der Versöhnung, weil sie eine Quelle des Lebens ist. Sie brauchen sie aber vor allem als Grundlage für ihr gemeinsames Zeugnis in der Welt: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ (Joh 17,21)

Die Welt braucht Botschafter der Versöhnung, die Mauern abtragen, Brücken bauen, Frieden stiften und Lebensräume öffnen im Namen des einen, der uns mit Gott versöhnt hat: Jesus Christus. Sein Heiliger Geist weist den Weg, wie Versöhnung in seinem Namen heute geschehen kann.

Im Jahr 2015, als dieser Text entstand, gaben viele Menschen und Kirchen in Deutschland ein Beispiel für Versöhnung, indem sie die zahlreichen Menschen gastfreundlich aufnahmen, die aus Syrien, Afghanistan und Eritrea sowie aus den Ländern des westlichen Balkans geflohen waren und auf ein neues Leben in Sicherheit hofften. Ihre Hilfsbereitschaft und eindrucksvolle Aktionen gegen Fremdenfeindlichkeit waren ein klares Zeugnis der Versöhnung in der deutschen Gesellschaft. Als Botschafterinnen der Versöhnung setzen sich die Kirchen dafür ein, Flüchtlingen eine Heimat zu bieten und gleichzeitig auch die Verhältnisse in den Herkunftsländern zu verbessern. Konkrete Hilfe braucht es dabei genauso wie das gemeinsame Gebet um Versöhnung und Frieden, um gerade Menschen auf der Flucht und in bedrängten Situationen Hoffnung und Zuversicht zu schenken.

Möge im Gottesdienst und in der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2017 die Quelle der von Gott geschenkten Versöhnung überfließen, damit Menschen Frieden finden und Brücken gebaut werden können. Mögen Menschen und Kirchen sich von der Liebe Christi drängen lassen, versöhnend zu leben und Mauern zu überwinden.

Die Materialien wurden vorbereitet von:

  • Prälat Dr. Eberhard Amon (DBK – Deutsche Bischofskonferenz der römisch-katholischen Kirche)
  • Pastor Bernd Densky (ACK, Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland/Baptisten)
  • Pfarrerin Leonie Grüning (EKD – Evangelische Kirche in Deutschland)
  • Pastorin Annette Gruschwitz (EmK – Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland)
  • Erzpriester Constantin Miron (OBKD – Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland)
  • Pfarrer Scott Morrison (SELK – Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche)
  • Dr. Dagmar Stoltmann-Lukas (DBK - Deutsche Bischofskonferenz der römisch-katholischen Kirche)
  • Pastor Jan-Henry Wanink (Alt-Reformierte Gemeinde)
  • Pfarrerin Allison Werner Hoenen (EKD und VELKD Evangelische Kirche in Deutschland, Vereinigte Evangelisch Lutherische Kirche in Deutschland)
  • M. Div. Ruth Raab-Zerger (AMG – Arbeitsgemeinschaft mennonitischer Gemeinden in Deutschland)
     

ÖKUMENISCHER GOTTESDIENST

Einführung

500 Jahre Reformation – wir feiern ein Christusfest

Die Kirchen in Deutschland wollen den 500sten Jahrestag der Reformation begehen, indem sie ein „Christusfest“ feiern. Durch die Reformation wurde die Einsicht neu in den Mittelpunkt gerückt, dass uns das Heil aus Gnade durch den Glauben an Jesus Christus geschenkt wird. Wir sind dankbar dafür, dass Gott uns durch das Kreuz Christi gerettet hat. Das Kreuz heilt unsere Spaltungen und lässt uns eins werden. In diesem Gottesdienst bekennen wir freimütig die Sünde der Spaltung als Folge der Reformation und bitten dafür um Vergebung. Wir feiern Christus und sein versöhnendes Handeln, das die Herzen der getrennten Christen dazu drängt, Gesandte an Christi statt und Diener der Versöhnung zu werden.

Der Gottesdienst

Mit dem Thema „Versöhnung – die Liebe Christi drängt uns“ feiern wir die Versöhnung, die uns durch den Glauben an Jesus Christus unwiderruflich geschenkt ist. Die Liebe Christi wird zur treibenden Kraft, die uns dazu drängt, unsere Spaltungen zu überwinden und nach Versöhnung zu streben.

Wir versammeln uns in Jesu Namen und singen Psalmen und Lieder zum Lob der wunderbaren Taten Gottes. Wir bekennen die Sünde der Spaltung und ihre Folgen und bitten um Vergebung. Die Verkündigung des Wortes stellt das Versöhnungshandeln Christi in den Mittelpunkt. Er ist für alle gestorben (vgl. 2 Kor 5,14). Die Gläubigen antworten auf diese gute Nachricht, indem sie den Ruf, Diener der Versöhnung zu sein, annehmen.

Symbolhandlungen im Gottesdienst

Die Mauer

Der Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 stand am Ende einer Entwicklung, die in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) begonnen hatte: Menschen stellten Kerzen in Fenster und Türen und beteten um Freiheit. Horst Sindermann, bis 1989 Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED, bemerkte dazu: „Wir hatten alles geplant. Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete.“ Deshalb werden die Spaltung der Christen und die Versöhnung, die wir suchen, durch den Bau und das Niederreißen einer Mauer symbolisiert. Dies kann zu einem Zeichen der Hoffnung in jeder Situation werden, in der Teilung als unüberwindbar erlebt wird. Der Bau einer symbolischen Mauer beim Sündenbekenntnis, ihre sichtbare Präsenz während der Wortverkündigung und schließlich der Umbau dieser Mauer zu einem Kreuz als Hoffnungszeichen ermutigen uns, heillose Trennungen beim Namen zu nennen und mit Gottes Hilfe zu überwinden.

Regieanweisung / Material: Auf- und Abbau der Mauer

„Getrennt durch unsere Schuld“: Nach einer kurzen Einführung wird eine Mauer aufgebaut, die die Sünden und Trennungen symbolisiert, die im Schuldbekenntnis benannt werden. Die Mauer bleibt während des Gottesdienstes bis zum Teil „Im Glauben antworten – Versöhnung leben“ stehen. Erst dann werden die Steine der Mauer zu einem Kreuz zusammengelegt.

Je nach Größe des Kirchenraumes wird für diese Symbolhandlung folgendes Material benötigt:

12 möglichst gleich große Kartons (Schuhkartons/Umzugskartons) mit Packpapier beklebt. Sie bilden die „Steine“. Auf der Frontseite jedes Kartons wird ein Stichwort notiert (Lieblosigkeit, Hass und Verachtung, Verleumdung, Diskriminierung, Verfolgung, zerbrochene Gemeinschaft, Intoleranz, Religionskriege, Trennung, Machtmissbrauch, Selbstgenügsamkeit, Hochmut). Bei jedem Bekenntnis einer Sünde wird der entsprechende Stein nach vorne getragen, und nach und nach wird aus den Steinen eine Mauer gebaut. Wo es möglich und sinnvoll ist, können bei den Fürbitten schmerzliche Erfahrungen genannt werden, die mit dem Ort, an dem der Gottesdienst stattfindet, verbunden sind.

Nach einem Augenblick der Stille bittet die Person, die den Stein getragen hat, um Vergebung. Die Gemeinde antwortet jeweils: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

Auf die Verkündigung des Wortes Gottes, die mit der Predigt endet, folgt ein Gebet um Versöhnung. Während die Mauer abgetragen und aus den Steinen ein Kreuz geformt wird, wird ein Versöhnungslied oder ein Hymnus zur Verehrung des Kreuzes gesungen. Der Umbau der Mauer sollte feierlich geschehen, und es sollte genug Zeit dafür eingeplant werden, damit die Gottesdienstgemeinde durch diese symbolische Handlung die verwandelnde und versöhnende Kraft des Kreuzes Christi erahnen kann.

Für Gottesdienste in kleinen Gruppen besteht die Möglichkeit, diese liturgischen Teile des Gottesdienstes durch persönliche Zeugnisse zu ergänzen bzw. zu ersetzen. Die persönlichen Zeugnisse im ersten Teil sollten Situationen benennen, die andere verletzt haben. Im dem Teil „Im Glauben antworten – Versöhnung leben“ könnten Geschichten der Versöhnung und Heilung über die Konfessionsgrenzen hinweg erzählt werden.

Kerzen

Nach dem Glaubensbekenntnis werden vier Fürbittgebete gesprochen.

Nach jeder Fürbitte entzünden jeweils drei Personen eine Kerze an einer großen Kerze (z.B. der Osterkerze) und bleiben im Halbkreis bei dem Kreuz stehen, bis das Vaterunser gesprochen wurde.

Nach dem Teil „Christi Auftrag“ („Empfangt das Licht Christi …“) reichen die zwölf Personen mit den Kerzen ihr Licht an die Gottesdienstgemeinde weiter, bis alle eine brennende Kerze in der Hand halten.

Der Gottesdienst endet mit Segen und Sendung.

ÖKUMENISCHER GOTTESDIENST

Versöhnung – die Liebe Christi drängt uns
(vgl. 2 Kor 5,14-20)

 

L            Liturgin/Liturg
G           Gemeinde

EG         Evangelisches Gesangbuch
GL         Gotteslob
FL          Feiern und Loben, Gesangbuch des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden
TM        Thuma mina, Internationales ökumenisches Liederbuch

I.       Versammelt in Jesu Namen

Lied

Wo die Güte und die Liebe wohnt (GL 442)
Ubi caritas (GL 445)
Lass uns in deinem Namen (GL 446)

Einzug der Liturgen mit Bibel/Lektionar

Eröffnung

L         Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
G        
Amen.
L
         Gnade und Friede von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt hat, sei mit euch allen.
G
         Und mit deinem Geiste.

 

Einführende Worte

L  Liebe Schwestern und Brüder in Christus, in diesem Jahr gedenken viele Kirchen und Christen des Beginns der Reformation vor 500 Jahren. Der heilige Paulus erinnert uns daran, dass Gott uns durch Jesus Christus mit sich versöhnt hat und dass die Liebe Christi uns drängt, Diener der Versöhnung zu sein. Lasst uns in der Einheit des Heiligen Geistes miteinander Gott loben und diesen Gottesdienst feiern.

Psalm 98
GL 55

oder Lied
EG 286 (Singt, singt dem Herren neue Lieder)

 

II.  Getrennt durch unsere Schuld (Sündenbekenntnis)

Einleitung

L  Die Kirche ist immer zur Umkehr zu ihrem Haupt Jesus Christus gerufen. Daher hat es im Lauf der Geschichte viele Erneuerungsbewegungen in der Kirche gegeben, die allerdings manchmal gegen ihre Absicht Spaltungen zur Folge hatten. Diese Spaltungen stehen im Gegensatz zum Gebet Jesu: „Vater, ich bitte dich, dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst“ (Joh 17,23). Wir bekennen unsere Schuld und bitten um Vergebung und Heilung der Wunden, die durch unsere Spaltungen verursacht wurden.

Wenn wir unsere Sünden bekennen, werden wir erkennen, dass sie wie eine trennende Mauer zwischen uns stehen.

Stille

L  Lasst uns beten: Unser Gott und Vater im Himmel, im Namen Jesu kommen wir zu dir. Wir erfahren Erneuerung durch deinen Heiligen Geist und richten doch Mauern auf, die uns trennen, die Gemeinschaft und Einheit in dir verhindern. Wir bringen jetzt vor dich die Steine, mit denen wir unsere Mauern errichten, und bitten dich um Vergebung und um Heilung.
G   Amen.

Bei jedem Bekenntnis einer Sünde wird der entsprechende Stein nach vorne getragen, und nach und nach wird aus den Steinen eine Mauer gebaut. Nach einem Augenblick der Stille bittet die Person, die den Stein getragen hat, um Vergebung. Die Gemeinde antwortet jeweils: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

L1  Ein Stein in unserer Mauer ist Lieblosigkeit
Der Mauerstein mit dem Stichwort „Lieblosigkeit“ wird hingestellt.
Barmherziger Gott, die Liebe Christi drängt uns, um Vergebung dafür zu bitten, dass wir es immer wieder an Liebe haben fehlen lassen. In Demut beten wir zu dir:
G  Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
.

L2  
Ein Stein in unserer Mauer sind gegenseitiger Hass und Verachtung.
Der Mauerstein mit dem Stichwort „Hass und Verachtung“ wird hingestellt.
Gnädiger Gott, die Liebe Christi drängt uns, um Vergebung für Hass und gegenseitige Verachtung zu bitten. In Demut beten wir zu dir:
G  Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

L3  Ein Stein in unserer Mauer ist Verleumdung.
Der Mauerstein mit dem Stichwort „Verleumdung“ wird hingestellt.
Gnädiger Gott, die Liebe Christi drängt uns, um Vergebung dafür zu bitten, dass wir andere denunziert und falscher Anklage ausgesetzt haben. In Demut beten wir zu dir:
G  Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

L4  Ein Stein in unserer Mauer ist gegenseitige Diskriminierung.
Der Mauerstein mit dem Stichwort „Diskriminierung“ wird hingestellt.
Gnädiger Gott, die Liebe Christi drängt uns, um Vergebung für Vorurteile und alle Formen von Diskriminierung zu bitten. In Demut beten wir zu dir:
G  Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Kyrieruf
EG 178.12

L5  Ein Stein in unserer Mauer ist Verfolgung.
Der Mauerstein mit dem Stichwort „Verfolgung“ wird hingestellt.
Gnädiger Gott, die Liebe Christi drängt uns, um Vergebung dafür zu bitten, dass wir einander verfolgt und gequält haben. In Demut beten wir zu dir:
G
Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

L6  Ein Stein in unserer Mauer ist zerbrochene Gemeinschaft.
Der Mauerstein mit dem Stichwort „zerbrochene Gemeinschaft“ wird hingestellt.
Gnädiger Gott, die Liebe Christi drängt uns, um Vergebung dafür zu bitten, dass wir die Trennungen zwischen unseren Kirchen weiter bestehen lassen. In Demut beten wir zu dir:
G Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

L7 Ein Stein in unserer Mauer ist Intoleranz.
Der Mauerstein mit dem Stichwort „Intoleranz“ wird hingestellt.
Gnädiger Gott, die Liebe Christi drängt uns, um Vergebung dafür zu bitten, dass wir in der Vergangenheit unsere Brüder und Schwestern aus dem gemeinsamen Heimatland verbannt haben. Wir bitten auch um Vergebung für alle Formen religiöser Intoleranz heute. In Demut beten wir zu dir:
G  Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

L8  Ein Stein in unserer Mauer sind Religionskriege.
Der Mauerstein mit dem Stichwort „Religionskriege“ wird hingestellt.
Gnädiger Gott, die Liebe Christi drängt uns, um Vergebung für die Kriege zu bitten, die wir in seinem Namen gegeneinander geführt haben. In Demut beten wir zu dir:
G  
Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Kyrieruf
EG 178.12

L9  Ein Stein in unserer Mauer ist die Trennung.
Der Mauerstein mit dem Stichwort „Trennung“ wird hingestellt.
Gnädiger Gott, die Liebe Christi drängt uns, um Vergebung dafür zu bitten, dass wir unser Leben als Christen getrennt voneinander leben und dass wir unsere gemeinsame Berufung missachten, zur Heilung der ganzen Schöpfung beizutragen. In Demut beten wir zu dir:
G  Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

L10  Ein Stein in unserer Mauer ist Machtmissbrauch.
Der Mauerstein mit dem Stichwort „Machtmissbrauch“ wird hingestellt.
Gnädiger Gott, die Liebe Christi drängt uns, um Vergebung für Machtmissbrauch zu bitten. In Demut beten wir zu dir:
G   Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

L11 Ein Stein in unserer Mauer ist Selbstgenügsamkeit.
Der Mauerstein mit dem Stichwort „Selbstgenügsamkeit“ wird hingestellt.
Gnädiger Gott, die Liebe Christi drängt uns, für unsere Selbstgenügsamkeit um Vergebung zu bitten. Wir haben uns manchmal von unseren Schwestern und Brüdern und von den Gemeinschaften, in denen wir leben, isoliert. In Demut beten wir zu dir:
G  Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
.

L12  Ein Stein in unserer Mauer ist Hochmut.
Der Mauerstein mit dem Stichwort „Hochmut“ wird hingestellt.
Gnädiger Gott, die Liebe Christi drängt uns, für unseren Hochmut um Vergebung zu bitten. In Demut beten wir zu dir:
G   Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Kyrieruf
EG 178.12

L  Lasst uns beten: Herr, unser Gott, sieh an die Mauer, die wir aufgerichtet haben und die uns von dir und voneinander trennt. Vergib uns unsere Schuld. Heile uns. Hilf uns, alle trennenden Mauern zu überwinden, und mache uns eins in dir.
G.  Amen.

Lied
EG 235/GL273 (O Herr, nimm unsre Schuld) oder Instrumentalmusik
 

III.    Lasst euch mit Gott versöhnen – Gottes Wort hören

Erste Lesung

Ezechiel 36,26-33

Psalm 18,26-32 (gesungen)

G   EG 400,1 (Ich will dich lieben, meine Stärke)
oder GL 629,1 (Kv. Du führst mich hinaus ins Weite)

L  Gegen den Treuen zeigst du dich treu, /
an dem Aufrichtigen handelst du recht.
Gegen den Reinen zeigst du dich rein, /
doch falsch gegen den Falschen.
Dem bedrückten Volk bringst du Heil, /
doch die Blicke der Stolzen zwingst du nieder.

G EG 400,1 (Ich will dich lieben, meine Stärke)
oder GL 629,1 (Kv. Du führst mich hinaus ins Weite)

L  Du, Herr, lässt meine Leuchte erstrahlen, /
mein Gott macht meine Finsternis hell.
Mit dir erstürme ich Wälle, /
mit meinem Gott überspringe ich Mauern.
Vollkommen ist Gottes Weg, /
das Wort des Herrn ist im Feuer geläutert. /
Ein Schild ist er für alle, die sich bei ihm bergen.
Denn wer ist Gott als allein der Herr, /
wer ist ein Fels, wenn nicht unser Gott?
Gott hat mich mit Kraft umgürtet, /
er führte mich auf einen Weg ohne Hindernis.

G  EG 400,1 (Ich will dich lieben, meine Stärke)
oder GL 629,1 (Kv. Du führst mich hinaus ins Weite)

Zweite Lesung 2 Korinther 5,14-20

Halleluja
GL 723 / EG 181.4/789.4 / EG181.6 (Laudate omnes gentes)
Evangelium Lukas
15,11-24
Halleluja
GL 723 / EG 181.4/789.4 / EG181.6 (Laudate omnes gentes)

Predigt

Stille

IV.  Im Glauben antworten – Versöhnung leben

Umbau der Mauer und Lied

Während die Mauer abgetragen wird und die Steine zu einem Kreuz angeordnet werden, wird ein Versöhnungslied oder ein Hymnus zur Verehrung des Kreuzes gesungen.

FL 369/EG412 (So jemand spricht: Ich liebe Gott)
FL 375  (Der Glaube ist mehr als die Kraft unsres Herzens)
FL 376  (Wenn unser Glaube nicht mehr als ein Standpunkt ist)
GL291 / EG97 (Holz auf Jesu Schulter)
EG94 / GL291 (Das Kreuz ist aufgerichtet)
GL294 (O du hochheilig Kreuze)

L  Lasst uns beten: Guter Gott und Vater im Himmel, wir haben dein Wort gehört. Du hast uns durch unseren Herrn Jesus Christus mit dir versöhnt. Verwandle durch die Kraft des Heiligen Geistes unsere Herzen aus Stein. Hilf uns, Diener der Versöhnung zu sein, und heile die Spaltung der Kirche, damit wir besser als Werkzeuge des Friedens in der Welt wirken können.

G  Amen.

Friedensgruß

L         Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch.
G
         Und mit deinem Geiste.
L
         Lasst uns einander ein Zeichen des Friedens geben.

Lied
FL 371 (Wie ein Fest nach langer Trauer … so ist Versöhnung)

Kollekte

 

V.  Im Glauben antworten – Versöhnung bezeugen

Glaubensbekenntnis

Verwendet werden kann das Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel (ökumenische Fassung) oder das Apostolische Glaubensbekenntnis.

Fürbitten

Nach jeder Fürbitte entzünden jeweils drei Personen eine Kerze an einer großen Kerze (z.B. der Osterkerze) und bleiben im Halbkreis bei dem Kreuz stehen, bis das Vaterunser gesprochen wurde. Bei jedem Fürbittruf der Gemeinde sollte darauf geachtet werden, dass ausreichend Zeit für das Anzünden der drei Kerzen bleibt.

L1 Allmächtiger Gott, du hast deinen Sohn Jesus Christus gesandt, um die Welt mit dir zu versöhnen.
Wir preisen dich für alle, die du in der Vollmacht des Heiligen Geistes sendest, das Evangelium allen Völkern zu verkünden. Wir danken dir, dass du durch ihre Gebete und ihren Dienst auf der ganzen Erde eine Gemeinschaft der Liebe zusammengerufen hast und dass überall auf der Erde dein Name angerufen wird. Erwecke durch deinen Geist in jeder Gemeinschaft Hunger und Durst nach Einheit in dir. Lasst uns zum Herrn beten:

TM 156 (Gott, hör mein Gebet)

L2 Gnädiger Gott, wir beten für unsere Kirchen. Erfülle sie mit Wahrheit und Frieden. Reinige unseren Glauben und führe uns auf den rechten Weg. Erneuere uns, wenn wir unserem Auftrag zur Verkündigung des Evangeliums untreu werden. Sorge für uns, wenn wir bedürftig sind, und führe wieder zusammen, was getrennt ist.

Lasst uns zum Herrn beten:

TM 156 (Gott, hör mein Gebet)

L3  Gott Schöpfer, du hast uns nach deinem Bild geschaffen und uns durch deinen Sohn Jesus Christus erlöst. Sieh gnädig auf die ganze Menschheitsfamilie; nimm weg Arroganz und Hass, die unsere Herzen vergiften; reiß die Mauern nieder, die uns voneinander trennen; eine uns in der Liebe. Wirke du in uns, wenn wir schwach sind, damit dein Werk auf Erden vollendet werde, damit alle Völker sich in Frieden um deinen himmlischen Thron versammeln und dir dienen.

Lasst uns zum Herrn beten:
TM 156 (Gott, hör mein Gebet)

L4  Heiliger Geist, Lebensspender, wir sind geschaffen, um heil zu werden in dir und dieses irdische Leben mit unseren Brüdern und Schwestern zu teilen. Erwecke in uns dein Mitgefühl und deine Liebe. Gib uns Kraft und Mut, uns für Gerechtigkeit in unserem Land einzusetzen, Frieden in unseren Familien zu schaffen, Kranke und Sterbende zu trösten und alles, was wir haben, mit den Bedürftigen zu teilen. Verwandle die Herzen aller Menschen.

Lasst uns zum Herrn beten:
G  
TM 156 (Gott, hör mein Gebet)

Vaterunser

VI. Gesandte an Christi statt – Diener der Versöhnung

Christi Auftrag

L  Eine brennende Kerze ist ein zutiefst menschliches Symbol: Sie bringt Licht ins Dunkel, schafft Wärme, Geborgenheit und Gemeinschaft. Sie ist ein Zeichen für Christus, das Licht der Welt. Als Gesandte an Christi statt tragen wir dieses Licht in die Welt, dorthin, wo das Dunkel von Streit, Zwietracht und Spaltung das gemeinsame Zeugnis erschwert. Das Licht Christi wirke Versöhnung in unseren Gedanken, Worten und Werken.

Empfangt das Licht Christi und tragt es in das Dunkel der Welt. Seid Gesandte an Christi statt, seid Diener der Versöhnung.

Die zwölf Kerzenträger geben das Kerzenlicht an die versammelte Gemeinde weiter, bis alle eine brennende Kerze in der Hand halten.

VII.   Segen und Sendung

L   Wir rufen zu dir, barmherziger Gott:
Lass alle, die Versöhnung suchen, deine Hilfe erfahren,
damit sie die großen Taten deiner Liebe verkünden können.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
G
  Amen.

L  Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
komme auf euch herab und bleibe allezeit bei euch.
G
Amen.

Gehet hin im Frieden Gottes.
G  
Dank sei Gott, dem Herrn.

Lied
EG 262 / GL 481 (Sonne der Gerechtigkeit)

 

Gebetswoche für die Einheit der Christen 2017

Versöhnung – die Liebe Christi drängt uns
(2 Kor 5,14-20)

1. Tag  -  Einer ist für alle gestorben (2 Kor 5,14)

Jesaja 53,4-12                    Er gab sein Leben als Sühnopfer hin
Psalm 118,1.14-29             Gott gibt mich nicht dem Tod preis
1 Johannes 2,1-2                Christus ist für alle gestorben
Johannes 15,13-17             Sein Leben hingeben für seine Freunde

Impulse

Als Paulus Christ wurde, kam er zu einer radikal neuen Erkenntnis: Einer ist für alle gestorben. Jesus ist nicht nur für sein eigenes Volk und für die, die seine Lehre annahmen, gestorben. Er starb für alle Menschen aller Zeiten, d.h. für alle, die je gelebt haben, jetzt leben und noch leben werden. In Treue zum Evangelium haben im Lauf der Jahrhunderte viele Christen ihr Leben für ihre Freunde gegeben. Einer von ihnen war der Franziskanerpater Maximilian Kolbe, der Gefangener im Konzentrationslager Auschwitz war. Dort ging er 1941 freiwillig in den Tod und rettete damit einem Mithäftling das Leben.

Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben (2 Kor 5,14). Wenn wir mit Christus sterben, dann wird unsere bisherige Lebensweise Vergangenheit, und wir treten in eine neue Existenzweise ein: in ein Leben in Fülle – ein Leben, in dem wir heute schon Geborgenheit, Vertrauen und Vergebung erfahren – ein Leben, das auch nach dem Tod nicht ins Leere läuft. Es ist das neue Leben in Gott.

Seit dieser Erkenntnis sieht sich Paulus von der Liebe Christi gedrängt, die Frohe Botschaft von der Versöhnung mit Gott zu verkünden. Die Kirchen wissen sich gemeinsam dem Auftrag verpflichtet, das Evangelium zu verkünden. In Anbetracht unserer Spaltungen müssen wir uns aber fragen, ob unser Zeugnis von der Versöhnung glaubwürdig ist.

Fragen

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Was bedeutet es zu sagen, dass Jesus für alle gestorben ist?

- Dietrich Bonhoeffer schreibt: „Ich bin dem andern ein Bruder durch das, was Jesus Christus für mich und an mir getan hat; der andere ist mir zum Bruder geworden durch das, was Jesus Christus für ihn und an ihm getan hat.“ (Gemeinsames Leben, München 171980, 16f.) – Was bedeutet dies für mein Verhältnis zu anderen?

- Welche Konsequenzen ergeben sich hieraus für die Ökumene und für den interreligiösen Dialog?

Gebet

Gott, unser Vater,
du hast uns in Jesus den Einen geschenkt,
der für alle gestorben ist.
Er hat unser Leben gelebt, ist unseren Tod gestorben.
Du hast sein Opfer angenommen
und ihn zu einem neuen Leben mit dir auferweckt.
Lass uns, die wir mit ihm gestorben sind,
eins werden durch den Heiligen Geist
und schenke uns Leben in der Fülle deiner göttlichen Gegenwart
jetzt und in Ewigkeit.
Amen.

Liedvorschläge
Großer Gott, wir loben dich (GL 380 / EG 331, 1+6-8)
Jesus Christus starb für mich (F&L 306, 1-3)
 

2. Tag  -  „… nicht mehr für sich selbst leben“ (2 Kor 5,15)

Micha 6,6-8                       „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist“
Psalm 25,1-5                      Gott meines Heiles, zeige mir deine Wege
1 Johannes 4,19-21            Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat
Matthäus 16,24-26            Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen

Impulse

Durch Tod und Auferstehung Jesu Christi sind wir davon befreit, unserem Leben selbst Sinn geben und unsere Kraft nur aus eigenen Quellen schöpfen zu müssen. Vielmehr leben wir aus der lebenspendenden Kraft Christi, der für uns Menschen lebte, starb und auferstand. Wenn wir unser Leben um seinetwillen „verlieren“, werden wir es gewinnen.

Die Propheten wurden von jeher von der Frage nach der rechten Ausrichtung menschlichen Lebens vor Gott umgetrieben. Micha findet hierzu eine eindeutige, klare Antwort: „Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.“ (Micha 6,8) Der Autor des 25. Psalms wusste, dass wir diesen Weg nicht allein gehen können, und flehte zu Gott um Wegweisung und Unterstützung.

Soziale Isolation und zunehmende Vereinsamung sind in den vergangenen Jahren in Deutschland und in vielen anderen Ländern zu einem zentralen Thema geworden. Als Christen sind wir aufgerufen, neue Formen des Zusammenlebens zu entwickeln, in dem die materiellen Lebensgrundlagen geteilt werden und die Generationen einander unterstützen. Der Aufruf des Evangeliums, nicht nur für uns selbst, sondern für Christus zu leben, ist zugleich ein Aufruf, auf andere zuzugehen und die Mauern der Einsamkeit zu überwinden.

Fragen

·  Wodurch geraten wir in unserer Kultur in die Versuchung, nur für uns selbst statt für andere zu leben?

·  Wie können wir in unserem Alltag ganz praktisch für andere leben?

·  Was beinhaltet der Aufruf, nicht länger für uns selbst zu leben, für die Ökumene?

Gebet

Gott unser Vater,
in Jesus Christus hast du uns zu einem Leben befreit, das über uns selbst hinausweist.
Leite uns mit deinem Geist
und hilf uns, unser Leben als Schwestern und Brüder in Christus zu leben.
Er hat für uns gelebt und gelitten.
Er ist für uns gestorben und auferstanden.
Er lebt und herrscht in Ewigkeit.
Amen.

Liedvorschläge
Wo Menschen sich vergessen (DHuT 332)
Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit (GL 543 / EG 295)
 

3. Tag -  „… nicht mehr nur nach menschlichen Maßstäben“ (2 Kor 5,16)

1 Samuel 16,1.6-7                 Der Herr aber sieht das Herz an
Psalm 19,7-13                       Das Gebot des Herrn ist lauter und erleuchtet die Augen
Apostelgeschichte 9,1-19     Aus Saulus wird Paulus
Matthäus 5,1-12                   Die Seligpreisungen

Impulse

Durch die Begegnung mit Christus wird alles auf den Kopf gestellt. Paulus erlebte das auf dem Weg nach Damaskus. Zum ersten Mal konnte er sehen, wer Jesus wirklich war: der Heiland der Welt. Seine Perspektive veränderte sich daraufhin völlig; seine menschlich- weltlichen Maßstäbe musste er hinter sich lassen.

Die Begegnung mit Christus verändert auch unsere Perspektive. Dennoch halten wir oft an unserem alten Leben fest und urteilen nach menschlichen Maßstäben. Wir behaupten oder tun etwas „im Namen des Herrn“, das oft nur den eigenen Interessen dient. Im Lauf der Geschichte haben in Deutschland und in vielen anderen Ländern sowohl Herrscher als auch die Kirchen selbst ihre Macht und ihren Einfluss missbraucht, um ungerechte politische Ziele zu verfolgen.

Die Mitglieder der Herrnhuter Brüdergemeine erfuhren die verwandelnde Kraft Christi in ihrer Geschichte. Auf den Aufruf, niemanden mit menschlichen Maßstäben zu messen, reagierten sie 1741 mit der Entscheidung, sich bewusst „unter den Vorsitz Christi zu stellen“. Wenn wir uns heute der Herrschaft Christi unterstellen, dann folgt daraus für uns, dass wir andere so sehen sollen, wie Gott sie sieht – ohne Misstrauen und Vorurteile.

Fragen

·  Gibt es in meinem Leben – wie bei Paulus – eine „Damaskuserfahrung“?

·  Was ändert sich, wenn wir Christen anderer Konfession und Menschen anderer Religion so sehen, wie Gott sie sieht?

Gebet

Dreieiniger Gott, du Ursprung und Ziel allen Lebens.
Vergib uns, wenn wir nur an uns selbst denken
und unsere eigenen Maßstäbe uns den Blick trüben.
Öffne unsere Herzen und unsere Augen.
Lehre uns deine Liebe, deine Versöhnung und deine Gnade,
und lass Einheit zwischen uns wachsen, die deine Gabe ist.
Dir sei Lob und Ehre in Ewigkeit.
Amen.

Liedvorschläge
Meine engen Grenzen (DHuT 163 / GL 437)
Herz und Herz vereint zusammen (EG 251)
Strahlen brechen viele aus einem Licht (EG 268)
Mein schönste Zier und Kleinod bist (GL 361 / EG 473)
„Mir nach“ spricht Christus, unser Held (GL 461 / EG 385)
 

4. Tag  - Das Alte ist vergangen (2 Kor 5,17)

Genesis 19,15-26        Sieh dich nicht um
Psalm 77,5-15             Gott ist treu
Philipper 3,7-14          Vergessen, was hinter mir liegt
Lukas9,57-62              Behalte deine Hand am Pflug

Impuls

Wir Menschen sind gewohnt, aus der Vergangenheit zu leben. Der Blick zurück kann hilfreich sein, und für die „Heilung der Erinnerungen“ ist er oft notwendig. Er kann aber auch lähmen und uns daran hindern, das Leben in der Gegenwart zu gestalten. Hier befreit die Botschaft des Paulus: „das Alte ist vergangen“.

Die Bibel ermutigt uns, das Vergangene zu bedenken, Kraft aus der Erinnerung zu schöpfen und darüber nachzusinnen, was Gott Gutes getan hat. Sie fordert uns aber auch dazu auf, das Alte, selbst wenn es gut war, hinter uns zu lassen, um Christus nachzufolgen und ein neues Leben in ihm zu leben.

In diesem Jahr gedenken viele Christen des Wirkens Martin Luthers und anderer Reformatoren. Durch die Reformation hat sich vieles im Leben der westlichen Kirchen verändert. Viele Christen legten auf mutige Weise Zeugnis für den Glauben ab, und viele erfuhren im Verlauf der Reformation eine Erneuerung ihres Lebens als Christen. Gleichzeitig zeigt uns die Heilige Schrift, wie wichtig es ist, sich nicht von der Vergangenheit gefangen nehmen zu lassen, sondern zuzulassen, dass der Heilige Geist uns für eine neue Zukunft öffnet, in der die Spaltung überwunden und Gottes Volk wieder eins ist.

Fragen

·  Was können wir lernen, wenn wir die Geschichte unserer Trennung und unseres gegenseitigen Misstrauens gemeinsam betrachten?

·  Was muss sich in meiner Kirche verändern, damit Trennendes überwunden und Gemeinsames gestärkt wird?

Gebet

Herr Jesus Christus,
du bist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.
Heile die Wunden unserer Vergangenheit,
segne unsere Pilgerreise hin zur Einheit
und führe uns in deine Zukunft,
wenn du alles in allem sein wirst
mit dem Vater und dem Heiligen Geist
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Liedvorschläge

Meine Zeit steht in deinen Händen (DHuT 320)
Von guten Mächten wunderbar geborgen (GL 430 / EG 65)
Gott, dir sei Dank für meines Lebens Zeit (EmK 93)

 

5. Tag   -   „Neues ist geworden“ (2 Kor 5,17)

Ezechiel 36,25-27         Gott schenkt seinem Volk ein neues Herz
Psalm 126                     Da war unser Mund voll Lachen
Kolosser 3,9-17            Ihr seid zu neuen Menschen geworden
Johannes 3,1-8              Aus Geist geboren sein

Impulse

Paulus begegnete Christus, dem auferstandenen Herrn, und wurde ein neuer Mensch – so wie alle, die an Christus glauben. Diese neue Schöpfung ist nicht unmittelbar sichtbar. Sie ist eine Glaubenswirklichkeit. Gott selbst wohnt in uns durch den Heiligen Geist und gibt uns Anteil am Leben der Dreieinigkeit.

Durch diesen Akt der Neuschöpfung wird der Sündenfall überwunden, und wir werden in eine rettende Beziehung zu Gott hineingenommen. Wirklich erstaunliche Dinge können über uns gesagt werden: In Christus sind wir eine neue Schöpfung, sagt Paulus; durch Jesu Auferstehung ist der Tod überwunden; nichts und niemand kann uns aus der Hand Gottes reißen; wir sind eins in Christus, und er lebt in uns; in Christus sind wir Könige und Priester vor Gott (vgl. Offb 5,10), da wir ihm für die Überwindung des Todes danken und die Verheißung einer neuen Schöpfung verkünden.

Dieses neue Leben wird sichtbar, wenn wir zulassen, dass es in unserem Leben Gestalt gewinnt und „herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde und Geduld“ hervorbringt (vgl. Kol 3,9ff). Es muss auch in unseren ökumenischen Beziehungen deutlich werden. In vielen Kirchen ist die Überzeugung gewachsen: „Je mehr wir in Christus sind, desto näher kommen wir einander.“ Gerade im Jahr des 500. Reformationsjubiläums gedenken wir sowohl der Errungenschaften als auch der Tragödien unserer Geschichte. Die Liebe Christi drängt uns, das neue Leben zwischen den Kirchen zu vertiefen, um Einheit zu beten und Wege der Versöhnung zu gehen.

Fragen

·   Woran erkenne ich, dass ich eine neue Schöpfung in Christus bin?

·   Welche Schritte muss ich gehen, damit mein neues Leben in Christus wirksam wird?

·  as bedeutet es für die Ökumene, dass wir eine neue Schöpfung sind?

Gebet

Dreifaltiger Gott,
du zeigst dich uns als Vater und Schöpfer,
als Sohn und Heiland,
und als Geist und Lebensspender,
und doch bist du einer.
Du überwindest unsere menschlichen Grenzen und erneuerst uns.
Gib uns ein neues Herz und hilf uns, alles zu überwinden,
was unsere Einheit in dir gefährdet.
Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi
durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Amen.

Liedvorschläge

Sonne der Gerechtigkeit (GL 481 / EG 262)
Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht (GL 470 / DHuT 177)
Vertraut den neuen Wegen (GL 807 / EG 395)
Wenn wir das Leben teilen, wie das täglich Brot (GL 474)
Wo Blumen den Asphalt aufbrechen (EmK 676)
 

6. Tag    -   Gott hat uns mit sich versöhnt (2 Kor 5,18-19)

Genesis 17,1-8              Gott schließt einen Bund mit Abraham
Psalm 98                       Die Welt hat den Sieg Gottes gesehen
Römer 5,6-11                Gott hat uns durch Jesus Christus mit sich versöhnt
Lukas 2,8-14                 Verkündigung der Frohen Botschaft

Impulse

Versöhnung hat zwei Seiten, sie ist faszinierend und erschreckend zugleich. Sie wirkt anziehend: Wir sehnen uns nach Versöhnung – Versöhnung mit uns selbst, mit anderen und zwischen unseren verschiedenen konfessionellen Traditionen. Aber wir sehen auch den Preis und schrecken davor zurück. Denn Versöhnung bedeutet Verzicht auf den eigenen Macht- und Geltungsanspruch. In Christus versöhnt Gott uns gnädig mit sich, obwohl wir uns von ihm abgewandt haben. Gottes versöhnendes Handeln geht sogar noch darüber hinaus: Gott versöhnt nicht nur die Menschen, sondern die ganze Schöpfung mit sich.

Im Alten Testament erweist Gott sich gnädig und barmherzig gegenüber seinem Volk, mit dem er einen Bund schließt. Dieser Bund besteht noch immer: „Denn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt.“ (Röm 11,29) Jesus, der den neuen Bund in seinem Blut schloss, war ein Sohn Israels. Dieser Tatsache sind unsere Kirchen allzu oft in ihrer Geschichte nicht gerecht geworden. Nach dem Holocaust sehen es die Kirchen in Deutschland als ihre besondere Aufgabe an, Antisemitismus zu bekämpfen. Ebenso sind alle Kirchen dazu aufgerufen, Versöhnung in ihren Ländern zu fördern und Widerstand gegen alle Formen der Diskriminierung zu leisten, weil wir alle dem Bund Gottes angehören.

Fragen

·   Was bedeutet es für uns als christliche Gemeinschaften, zu Gottes Bund zu gehören?

·    Mit welchen Formen der Diskriminierung müssen sich die Kirchen heute in ihrer jeweiligen Gesellschaft auseinandersetzen?

Gebet

Barmherziger Gott,
aus Liebe hast du einen Bund mit deinem Volk geschlossen.
Gib uns die Kraft, allen Formen der Diskriminierung zu widerstehen.
Erfülle uns mit Freude durch das Geschenk deines Bundes
und führe uns zu größerer Einheit.
Durch Jesus Christus, unseren auferstandenen Herrn,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in Ewigkeit.
Amen.

Liedvorschläge

Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe Werben (EmK 330)
Liebe, komm herab zur Erde! Die du nicht von dieser Welt (EmK 323)
Amazing grace (F&L 323)
Mein Mund besinge tausendfach den Ruhm des Herrn der Welt (EmK 297)
Jauchzet ihr Himmel, frohlocket ihr Engel in Chören (GL 251 / EG 41)
Fröhlich soll mein Herze springen (GL 735 / EG 36)
Lobt Gott, ihr Christen alle gleich (GL 247 / EG 27)
Freu dich Welt, der Herr ist da (F&L 18)
 

7. Tag   -  Der Dienst der Versöhnung (2 Kor 5,18-19)

Genesis 50,15-21          Josef versöhnt sich mit seinen Brüdern
Psalm 72                       Gerechtigkeit und Frieden – Kennzeichen des Reiches Gottes
1 Johannes 3,16b-2       Gottes Liebe drängt uns, einander zu lieben
Johannes 17,20-26        Jesus betet um die Einheit seiner Kirche

Impulse

Versöhnung zwischen Gott und Mensch ist die zentrale Wirklichkeit unseres christlichen Glaubens. Paulus war davon überzeugt, dass die Liebe Christi uns dazu drängt, die Versöhnung Gottes in allen Bereichen des Lebens zur Geltung zu bringen. Deshalb wollen wir unser Gewissen im Blick auf die Spaltungen zwischen uns erforschen. Die Geschichte von Josef zeigt, dass Gott uns mit seiner Gnade zur Seite steht, wenn wir uns um die Heilung zerbrochener Beziehungen bemühen.

Die großen Reformatoren wie Martin Luther, Ulrich Zwingli und Johannes Calvin sowie viele, die katholisch blieben, wie Ignatius von Loyola, Franz von Sales und Karl Borromäus, strebten eine Erneuerung der Kirche des Westens an. Die Geschichte, die von der Gnade Gottes hätte zeugen sollen, wurde jedoch durch die Sündhaftigkeit der Menschen entstellt und wurde so zu einer Geschichte des Zerbrechens der Einheit des Gottesvolkes. Sünde und Krieg trugen dazu bei, dass Feindseligkeit und gegenseitiges Misstrauen im Lauf der Jahrhunderte immer weiter zunahmen.

Zum Dienst der Versöhnung gehört deshalb das Bemühen um eine Überwindung der Spaltungen innerhalb der Christenheit. Heute arbeiten viele christliche Kirchen mit gegenseitigem Vertrauen und Respekt zusammen. Ein gutes Beispiel für Versöhnung zwischen den Kirchen ist der Dialog zwischen dem Lutherischen Weltbund und der Mennonitischen Weltkonferenz. Aus Anlass der Veröffentlichung des Studiendokumentes „Heilung der Erinnerung – Versöhnung in Christus“ feierten beide Organisationen 2010 einen Bußgottesdienst. Später fanden in vielen Orten in Deutschland und vielen anderen Ländern weitere Versöhnungsgottesdienste statt.

Fragen

·    Wo ist in unserem Kontext der Dienst der Versöhnung notwendig?

·   Wie reagieren wir auf diese Notwendigkeit?

Gebet

Guter Gott,
wir danken dir dafür, dass du uns und die ganze Welt
in Christus mit dir versöhnt hast.
Stärke uns, unsere Gemeinden und unsere Kirchen im Dienst der Versöhnung.
Heile unser Herz und hilf uns, Frieden zu fördern.
Lass uns lieben, wo man hasst;
lass uns verzeihen, wo man beleidigt;
lass uns Glauben bringen, wo Zweifel droht;
lass uns Hoffnung wecken, wo Verzweiflung quält;
lass uns Licht entzünden, wo Finsternis regiert;
lass uns Freude bringen, wo der Kummer wohnt.
Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Amen.

Liedvorschläge

Wie ein Fest nach langer Trauer – so ist Versöhnung (DHuT 300 / F&L 371)
Wir sind eins in dem Herren, wir sind eins in dem Geist (DHuT 192 / EmK 412)
Sonne der Gerechtigkeit (GL 481 / EG 262)
Gleich wie mich mein Vater gesandt hat (EG 260)
 

8. Tag  -   Mit Gott versöhnt (2 Kor 5,20)

Micha 4,1-5                  Am Ende der Tage wird Gerechtigkeit herrschen
Psalm 87                       Herrliches wird über Gott gesagt
Offb 21,1-5a                 Gott wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen
Joh 20,11-18                 Der auferstandene Christus gibt uns allen einen Auftrag

Impulse

Was wäre wenn? Was wäre, wenn die Prophezeiungen der Bibel tatsächlich eintreffen würden? Wenn die Kriege zwischen den Menschen aufhörten und aus todbringenden Kriegsgeräten Lebens-Nützliches entstünde? Wenn Gottes Gerechtigkeit und Frieden herrschten, Frieden, der deutlich mehr wäre als „Nicht-Krieg“? Wenn die ganze Menschheit zu einem Fest zusammenkäme, bei dem niemand ausgeschlossen wäre? Was wäre, wenn es wirklich keine Trauer, keine Tränen und keinen Tod mehr gäbe? Es wäre die Vollendung der umfassenden Versöhnung, die Gott in Jesus Christus wirkt. Es wäre der Himmel.

Psalmen, Hymnen und Kirchenlieder besingen den Tag, an dem die ganze vollendete Schöpfung endlich an ihr Ziel kommt, an dem Gott „alles in allem“ sein wird. Sie besingen die christliche Hoffnung auf die Vollendung des Reiches Gottes, wenn Leid sich in Freude wandeln wird. Dann wird die Kirche in ihrer Schönheit und Anmut als Leib Christi offenbar. Immer wenn wir uns im Geist versammeln und in Lieder von der Vollendung der Welt einstimmen, dann reißt der Himmel auf und wir beginnen schon heute nach der Melodie der Ewigkeit zu tanzen.

Dass wir diese Gegenwart des Himmels jetzt schon erfahren können, ist Grund, zusammen zu feiern. Dabei können wir Bilder, Gedichte und Lieder aus unseren unterschiedlichen Traditionen verwenden. Auf diesem Weg können sich uns Räume eröffnen, in denen wir die Erfahrung machen, dass uns der Glaube an und die Hoffnung auf das Reich Gottes verbinden.

Fragen

·    Wie stellen Sie sich den Himmel vor?

·    Welche Lieder, Geschichten, Gedichte und Bilder aus Ihrer Tradition geben Ihnen ein Gespür dafür, dass Sie an der ewigen Wirklichkeit Gottes Anteil haben?

Gebet

Dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist,
wir danken dir für diese Gebetswoche
für unser Zusammensein als Christen
und dafür, dass wir deine Gegenwart auf unterschiedliche Weise erfahren durften.
Lass uns immer deinen heiligen Namen gemeinsam preisen,
damit Versöhnung und Einheit zwischen uns weiter wachsen.
Amen.

Gloria sei dir gesungen
Mit Menschen- und mit Engelzungen,
Mit Harfen und mit Zimbeln schön.
Von zwölf Perlen sind die Tore,
An deiner Stadt; wir stehn im Chore
Der Engel hoch um deinen Thron.
Kein Aug hat je gespürt,
Kein Ohr hat mehr gehört
Solche Freude.
Des jauchzen wir und singen dir
das Halleluja für und für.

Liedvorschläge

Swing low (DHuT 403)
Nobody knows the trouble I have seen (DHuT 319)
Soon and very soon, we are going to see the king (F&L 294)
Jerusalem, du hochgebaute Stadt (GL553 / EG 150)
There is a redeemer (F&L 351)
Gloria sei dir gesungen (EG 535)

Abkürzungsverzeichnis der Liederbücher

DHuT             Durch Hohes und Tiefes, 2008
EG                  Evangelisches Gesangbuch
EmK               Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche
F&L                Feiern und Loben, Die Gemeindelieder
GL                  Gotteslob

 


 

ZUSÄTZLICHES MATERIAL

(veröffentlicht in alleiniger Verantwortung der ökumenischen Arbeitsgruppe aus Deutschland)

Lasst euch mit Gott versöhnen [pdf]

 

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