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PÄPSTLICHER RAT ZUR FÖRDERUNG DER EINHEIT DER CHRISTEN

 

WICHTIG

Dieser Text ist eine deutsche Übersetzung von Teilen 
der internationalen Ausgabe der Schriften für die Gebetswoche 2018

Bitte wenden Sie sich an die Ökumenekommission der Bischofskonferenz Ihres Landes
oder an die Synode Ihrer Kirche,
um eine Ihren örtlichen Verhältnissen angepasste Version zu erhalten

Gebetswoche für die Einheit der Christen 2018

Deine  rechte  Hand,  Herr,
ist  herrlich  an  Stärke

(vgl. Exodus 15,6)

 

Biblischer Text für 2018:
Exodus 15,1-21

(Einheitsübersetzung von 1980)

 

Damals sang Mose mit den Israeliten dem Herrn dieses Lied; sie sagten: Ich singe dem Herrn ein Lied, denn er ist hoch und erhaben. Rosse und Wagen warf er ins Meer. Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden. Er ist mein Gott, ihn will ich preisen; den Gott meines Vaters will ich rühmen. Der Herr ist ein Krieger, Jahwe ist sein Name.

Pharaos Wagen und seine Streitmacht warf er ins Meer. Seine besten Kämpfer versanken im Schilfmeer. Fluten deckten sie zu, sie sanken in die Tiefe wie Steine. Deine Rechte, Herr, ist herrlich an Stärke; deine Rechte, Herr, zerschmettert den Feind. In deiner erhabenen Größe wirfst du die Gegner zu Boden. Du sendest deinen Zorn; er frisst sie wie Stoppeln. Du schnaubtest vor Zorn, da türmte sich Wasser, da standen Wogen als Wall, Fluten erstarrten im Herzen des Meeres. Da sagte der Feind: Ich jage nach, hole ein. Ich teile die Beute, ich stille die Gier. Ich zücke mein Schwert, meine Hand jagt sie davon. Da schnaubtest du Sturm. Das Meer deckte sie zu. Sie sanken wie Blei ins tosende Wasser.

Wer ist wie du unter den Göttern, o Herr? Wer ist wie du gewaltig und heilig, gepriesen als furchtbar, Wunder vollbringend? Du strecktest deine Rechte aus, da verschlang sie die Erde.

Du lenktest in deiner Güte das Volk, das du erlöst hast, du führtest sie machtvoll zu deiner heiligen Wohnung. Als die Völker das hörten, erzitterten sie, die Philister packte das Schütteln. Damals erschraken die Häuptlinge Edoms, die Mächtigen von Moab packte das Zittern, Kanaans Bewohner, sie alle verzagten. Schrecken und Furcht überfiel sie, sie erstarrten zu Stein vor der Macht deines Arms, bis hindurchzog, o Herr, dein Volk, bis hindurchzog das Volk, das du erschufst. Du brachtest sie hin und pflanztest sie ein auf dem Berg deines Erbes. Einen Ort, wo du thronst, Herr, hast du gemacht; ein Heiligtum, Herr, haben deine Hände gegründet. Der Herr ist König für immer und ewig.

Denn als die Rosse des Pharao mit Wagen und Reitern ins Meer zogen, ließ der Herr das Wasser des Meeres auf sie zurückfluten, nachdem die Israeliten auf trockenem Boden mitten durchs Meer gezogen waren.

Die Prophetin Mirjam, die Schwester Aarons, nahm die Pauke in die Hand und alle Frauen zogen mit Paukenschlag und Tanz hinter ihr her. Mirjam sang ihnen vor: Singt dem Herrn ein Lied, denn er ist hoch und erhaben! Rosse und Wagen warf er ins Meer.

(Lutherübersetzung 2017)

 

Damals sangen Mose und die Israeliten dies Lied dem HERRN und sprachen: Ich will dem HERRN singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt. Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil. Das ist mein Gott, ich will ihn preisen, er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben. Der HERR ist der rechte Kriegsmann, HERR ist sein Name.

Des Pharao Wagen und seine Macht warf er ins Meer, seine auserwählten Streiter versanken im Schilfmeer. Fluten haben sie bedeckt, sie sanken in die Tiefe wie Steine. HERR, deine rechte Hand, herrlich an Kraft, deine rechte Hand, HERR, zerschlägt den Feind. Und mit deiner großen Herrlichkeit hast du deine Widersacher gestürzt; denn als du deinen Grimm ausließest, verzehrte er sie wie Stoppeln. Durch dein Schnauben türmten die Wasser sich auf, die Fluten standen wie ein Wall; die Tiefen erstarrten mitten im Meer. Der Feind gedachte: Ich will nachjagen und ergreifen und den Raub austeilen und meinen Mut an ihnen kühlen. Ich will mein Schwert ziehen, und meine Hand soll sie verderben. Da ließest du deinen Wind blasen, und das Meer bedeckte sie, und sie sanken unter wie Blei im mächtigen Wasser.

HERR, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist dir gleich, der so herrlich und heilig ist, schrecklich, löblich und wundertätig? Als du deine rechte Hand ausrecktest, verschlang sie die Erde.

Du hast geleitet durch deine Barmherzigkeit dein Volk, das du erlöst hast, und hast sie geführt durch deine Stärke zu deiner heiligen Wohnung. Als das die Völker hörten, erbebten sie; Angst kam die Philister an. Da erschraken die Fürsten Edoms, Zittern kam die Gewaltigen Moabs an, alle Bewohner Kanaans wurden feig. Es fiel auf sie Erschrecken und Furcht; vor deinem mächtigen Arm erstarrten sie wie die Steine, bis dein Volk, HERR, hindurchzog, bis das Volk hindurchzog, das du erworben hast. Du brachtest sie hinein und pflanztest sie ein auf dem Berge deines Erbteils, den du, HERR, dir zur Wohnung gemacht hast, zu deinem Heiligtum, Herr, das deine Hand bereitet hat. Der HERR wird König sein immer und ewig.

Denn der Pharao zog hinein ins Meer mit Rossen und Wagen und Reitern. Und der HERR ließ das Meer wieder über sie kommen. Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer.

Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.

 

EINFÜHRUNG IN DAS THEMA

Die Karibik

Die Region, die wir heute – nach einem ihrer indigenen Völker, den Kalinago, ehemals auch Kariben genannt – als Karibik bezeichnen, ist ein sehr komplexes Gebilde. Das riesige Gebiet umfasst sowohl Inseln als auch Festlandzonen mit einer reichen Vielfalt an ethnischen, sprachlichen und religiösen Traditionen. Auch die politischen Verhältnisse sind komplex: Es gibt unterschiedliche Regierungsformen und Verfassungen, die von den kolonial geprägten Überseegebieten (britisch, niederländisch, französisch, amerikanisch) bis zu republikanischen Nationalstaaten reichen.

Die Karibik ist noch heute tief von der menschenunwürdigen Praxis kolonialer Ausbeutung geprägt. Die Kolonialmächte strebten aggressiv nach wirtschaftlichem Gewinn und schafften deshalb Systeme, in denen brutal mit Menschen und der von ihnen geleisteten Zwangsarbeit gehandelt wurde. Anfangs wurden die indigenen Völker der Region versklavt, dezimiert und in manchen Fällen ausgelöscht. Später wurden Menschen aus Afrika zu Sklaven gemacht und indische und chinesische Zuwanderer in Schuldknechtschaft genommen.

In jeder dieser Phasen waren die kolonialistischen Systeme darauf ausgerichtet, den Unterjochten ihre unveräußerlichen Rechte zu nehmen: ihre Identität, Menschenwürde, Freiheit und Selbstbestimmung. Bei der Versklavung von Menschen aus Afrika ging es nicht einfach darum, Arbeitskräfte von einem Ort zum anderen zu bringen. In eklatanter Missachtung der allen Menschen von Gott gegebenen Würde wurde die menschliche Person zur Ware gemacht, ein Mensch wurde zum Eigentum eines anderen. Aus der Auffassung, dass Sklaven Eigentum seien, folgten weitere Praktiken, die die Menschen aus Afrika noch umfassender ihrer Würde zu berauben suchten. Dazu gehörte, dass ihnen das Recht auf ihre Kultur und religiöse Praxis sowie auf Ehe und Familienleben verweigert wurde.

Heute bereuen wir es sehr, dass die christliche Missionstätigkeit in der Region – von wenigen herausragenden Ausnahmen abgesehen – während der 500 Jahre währenden Kolonialherrschaft und Sklaverei mit diesem unmenschlichen System eng verquickt war und auf vielfältige Weise zu seiner Rechtfertigung und Stabilisierung beitrug. Diejenigen, die der Region die Bibel brachten, missbrauchten die Heilige Schrift, um zu rechtfertigen, dass sie ein ganzes Volk unterwarfen und in Ketten legten. In den Händen der Versklavten wurde die Bibel jedoch zur Inspiration, sie schöpften aus ihr die Gewissheit, dass Gott auf ihrer Seite stehe und sie in die Freiheit führen werde.

Das Thema der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2018

Karibische Christen aus vielen verschiedenen Traditionen betrachten heute die Hand Gottes als handelndes Subjekt, das der Sklaverei ein Ende setzte. Sie sind in der Erfahrung des rettenden Handelns Gottes, das die Freiheit bringt, geeint. Aus diesem Grund empfanden sie das Lied des Mose und der Mirjam (Ex 15,1-21) als die beste Wahl für das Motto der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2018. Es ist das Lied des Triumphs über die Unterdrückung. Dieses Thema wird auch in dem Lied „Die rechte Hand Gottes“ aufgegriffen, das bei einem Workshop der Karibischen Kirchenkonferenz im August 1981 entstand und sich zur „Hymne“ der ökumenischen Bewegung in der Region entwickelte, die mittlerweile in mehrere Sprachen übersetzt wurde.

Wie die Israeliten haben auch die Menschen in der Karibik ein Lied des Sieges und der Freiheit zu singen, und dieses Lied vereint sie. Gegenwärtig gibt es jedoch problematische Entwicklungen, die von neuem die Gefahr mit sich bringen, dass Menschen versklavt werden, und die die Würde der menschlichen Person, die nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurde, bedrohen. Die Menschenwürde ist unveräußerlich und wird doch häufig durch die Sünde einzelner Personen oder durch von Sünde geprägte gesellschaftliche Strukturen verdunkelt. In unserer gefallenen Welt mangelt es gesellschaftlichen Beziehungen zu oft an der Gerechtigkeit und dem Mitgefühl, die die Menschenwürde fordert. Armut, Gewalt, Unrecht, Drogensucht und Pornografie samt dem Schmerz, dem Kummer und der Not, die daraus folgen, sind Erfahrungen, die die Würde des Menschen entstellen.

Viele der gegenwärtigen Probleme gehören noch zum Erbe der Kolonialzeit und des Sklavenhandels. Die verletzte kollektive Psyche zeigt sich heute in sozialen Problemen, die mit geringem Selbstwertgefühl, Bandenkriminalität und häuslicher Gewalt sowie zerbrochenen familiären Beziehungen zusammenhängen. Wohl haben diese Probleme ihren Ursprung in der Vergangenheit, verschärft werden sie jedoch durch die aktuelle Realität, die viele als Neo-Kolonialismus beschreiben würden. Unter den gegenwärtigen Bedingungen scheint es vielen der Staaten in der Region nahezu unmöglich zu sein, sich aus Armut und Verschuldung zu befreien. Erschwerend kommen vielerorts die Überreste einer Gesetzgebung hinzu, die die Diskriminierung immer noch zementiert.

Die rechte Hand Gottes, die das Volk aus der Sklaverei führte, schenkte Israel immer wieder Hoffnung und Mut, und auch den Christen in der Karibik gibt sie weiter Hoffnung. Sie sind nicht Opfer der Umstände. Im Zeugnis für diese gemeinsame Hoffnung engagieren sich die Kirchen gemeinsam für alle Menschen in der Region, besonders aber für die Schwächsten und am wenigsten Beachteten. Oder, wie es das Lied ausdrückt: „Die rechte Hand Gottes sät in unserm Land, sät Freiheit, Hoffnung, Liebe aus“.

Biblisch-pastorale Reflexion zum Text (Ex 15,1-21)

Das Buch Exodus führt uns durch drei Phasen: Das Leben der Israeliten in Ägypten (1,1-15,21), Israels Wüstenwanderung (15,22-18,27) und die Sinai-Erfahrung (19-40). Unsere Stelle, das von Mose und Mirjam angestimmte Lied, beschreibt im Detail die Ereignisse, die zu der Erlösung des Volkes Gottes aus der Sklaverei führten. Dieses Lied beschließt den ersten Teil des Buches.

„Er ist mein Gott, ihn will ich preisen“ (15,2)

In den ersten drei Versen von Kapitel 15 steht das Lob Gottes im Vordergrund: „Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zur Rettung geworden. Er ist mein Gott, ihn will ich preisen; den Gott meines Vaters will ich rühmen.“ (15,2) In dem Lied, das Mose und Mirjam anstimmen, lobpreisen die Israeliten den Gott, der sie befreite. Sie wissen jetzt, dass der Heilsplan Gottes zur Befreiung des Volkes nicht vereitelt oder verhindert werden kann. Keine Macht, nicht einmal Streitwagen, Armee und militärische Elite des Pharao, kann Gottes Willen, dass sein Volk frei sein soll, vereiteln. (15,4f.) Mit diesem jauchzenden Lobgesang drücken Christen aus vielen verschiedenen Traditionen auch heute die Erfahrung aus, dass Gott unser aller Retter ist. Wir jubeln darüber, dass er seine Verheißung erfüllte und noch immer durch den Heiligen Geist Rettung bringt. Durch das Heil, das er schenkt, erkennen wir, dass er unser Gott ist und wir sein Volk sind.

„Deine Rechte, Herr, ist herrlich an Stärke“ (15,6a)

Die Befreiung und Errettung des Volkes Gottes geschieht durch die Kraft Gottes. Die rechte Hand Gottes kann als Bild für Gottes Sieg über seine Feinde und seinen zuverlässigen Schutz für sein Volk verstanden werden. Ungeachtet der Entschlossenheit des Pharao hört Gott die Klage seines Volkes und wird es nicht zugrunde gehen lassen, denn er ist der Gott des Lebens. Indem er dem Sturm und dem Meer gebietet, zeigt Gott seinen Willen, Leben zu bewahren und aller Gewalt ein Ende zu setzen (Ex 15,10). Mit dieser Erlösung verfolgt Gott das Ziel, sich in Israel ein Volk zu schaffen, das Gott preist und um seine unverbrüchliche Liebe weiß.

Die Befreiung schenkte dem Volk Hoffnung und eine Verheißung. Hoffnung, weil eine neue Zeit angebrochen war, in der das Volk Gott in Freiheit anbeten und entsprechend seiner Berufung leben konnte. Und es wurde den Israeliten die Verheißung zuteil, dass Gott sie auf ihrem Weg begleiten und keine Macht seinen Plan für sein Volk zum Scheitern bringen würde.

Setzt Gott Gewalt ein, um der Gewalt Einhalt zu gebieten?

Einige Kirchenväter verstehen diese Passage als Metapher für das geistliche Leben. Augustinus etwa sieht in dem Feind, der ins Meer geworfen wird, nicht die Ägypter, sondern die Sünde.

„All unsere Sünden der Vergangenheit, die uns gleichsam hinterrücks zusetzten, versenkte und beseitigte er in der Taufe. Diese unsere finsteren Taten lenkten unreine Geister wie ihre Reittiere, das heißt als ihre Beförderungsmittel, und steuerten sie wie Reiter, wohin sie wollten; deshalb nennt sie der Apostel ‚Herrscher dieser Finsternis‘ (Eph 6,12). Da wir nun von ihnen durch die Taufe wie durch das Rote Meer befreit wurden, das heißt blutrot durch die Heiligung des gekreuzigten Herrn, [laßt uns nicht im Herzen nach Ägypten zurückkehren, sondern durch die anderen Versuchungen der Wüste mit ihm als Schützer und Lenker zu seinem Reiche streben.]“ (Sermo 223/E)[1]

Für Augustinus ermutigt dieser Text die Christen zu Hoffnung und Standhaftigkeit, dazu, angesichts der Verfolgung durch den Feind nicht den Mut zu verlieren. Die Taufe gilt Augustinus als Schlüsselereignis, das die wahre Identität einer Person als Glied am Leib Christi konstituiert. Er zieht eine Parallele zwischen dem Weg durch das Rote Meer, auf dem Israel befreit wurde, und dem Weg des christlichen Volkes durch die Taufe. Beide befreienden Wege bringen eine gottesdienstliche Gemeinde hervor. Als eine solche Gemeinde konnte Israel im Lied der Mirjam und des Mose befreit die rettende Hand Gottes lobpreisen. Durch ihre Erlösung wurden die versklavten Israeliten zu Gliedern des einen Volkes Gottes, das vereint ein gemeinsames Loblied singt.

Einheit

Exodus 15 zeigt uns, dass der Weg zur Einheit vielfach durch eine gemeinschaftliche Leidenserfahrung hindurchführt. Die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei ist das Ereignis, in dem die Entstehung des Volkes Israel gründet. Für Christen erreicht dieser Prozess seinen Höhepunkt in der Menschwerdung Gottes und im österlichen Geheimnis. Die Initiative für Befreiung und Rettung liegt zwar bei Gott, aber Gott bindet menschliches Handeln ein, wenn es um die Verwirklichung seines Willens und seines Plans, sein Volk zu erlösen, geht. Durch die Taufe haben Christen Anteil an Gottes Versöhnungswerk, unsere Spaltungen aber schaden unserem Zeugnis und unserer Mission in einer Welt, die Gottes Heilung braucht.

 

VORBEREITUNG DER MATERIALIEN
ZUR GEBETSWOCHE FÜR DIE EINHEIT DER CHRISTEN 2018

Die Kirchen in der Karibik waren gebeten, die Materialien zur Gebetswoche für die Einheit der Christen 2018 zu erstellen. Ein ökumenisches Team aus Frauen und Männern unter Leitung von Erzbischof Kenneth Richards von der katholischen Erzdiözese Kingston, der innerhalb der Bischofskonferenz der Antillen für den Bereich Ökumene zuständig ist, und Gerard Granado, dem Generalsekretär der Karibischen Kirchenkonferenz (CCC), erarbeitete daraufhin die Texte.

Besonderer Dank gilt der Leitung der CCC, der Bischofskonferenz der Antillen und jenen, die an dieser Arbeit mitgewirkt haben:

1.      Erzbischof Kenneth D. Richards – Koordinator der karibischen Vorbereitungsgruppe für die Bischofskonferenz der Antillen, Vorsitzender ihrer Ökumenekommission und römisch-katholischer Erzbischof von Kingston (Jamaika)

2.      Gerard A. J. Granado, M.Th. – Generalsekretär der CCC, Initiator der karibischen Vorbereitungsgruppe (römisch-katholisch, Trinidad und Tobago)

3.      Prof. Luis N. Rivera-Pagan – em. Professor für Ökumene, Princeton Theological Seminary, New York (baptistisch, Puerto Rico)

4.      Pastor Kirkley Sands, Ph.D. – Hochschulseelsorger am Codrington Theological College, Kirche in der Provinz Westindien (anglikanisch, Bahamas)

5.      Pastor Patmore Henry – Sekretär der Konnexionalen Konferenz der Methodistischen Kirche in der Karibik und Lateinamerika (MCCA) (Antigua)

6.      Oluwakemi Linda Banks, Ph.D. – Präsidentin der CCC, Klinische Psychologin (anglikanisch, Anguilla)

7.      Nicole Poyer – Leiterin der (ökumenischen) Taizé-Gruppe Trinidad und Tobago, eingeschrieben im Master-Studiengang Theologie (römisch-katholisch, Trinidad und Tobago)

8.      Bischöfin Glenna Spencer – Methodistische Kirche in der Karibik und Lateinamerika, ehemaliges Mitglied des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) (Guyana)

9.      Bischof Kingsley Lewis, Ph.D. – Brüder-Unität Provinz Westindien Ost, ehem. Präsident der CCC (Antigua)

10.     Pastor Elvis Elahie, M.Th. – ehem. Vorsitzender der Presbyterianischen Kirche in Trinidad und Tobago und em. Rektor des (presbyterianischen) St. Andrew’s Theological College (Trinidad und Tobago)

11.     Pastorin Marjorie Lewis, Ph.D. – em. Präsidentin des United Theological College of the West Indies (Vereinigte Kirche auf Jamaika und den Cayman-Inseln, Jamaika)

12.     Pastor George Mulrain, Ph.D. – ehem. Präsident der Konnexionalen Konferenz der Methodistischen Kirche in der Karibik und Lateinamerika (Trinidad und Tobago)

Die karibische Vorbereitungsgruppe legte die Texte, Gebete und Reflexionen, die sie ausgewählt bzw. formuliert hatte, einer internationalen Arbeitsgruppe in gemeinsamer Trägerschaft des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und des ÖRK vor. Diese Gruppe kam zu einer Tagung vom 3. bis 7. September 2016 im Emmaus House in Nassau (Bahamas) zusammen, um den Textentwurf zu überarbeiten und die Endfassung der Texte zu erstellen.

Die internationale Arbeitsgruppe besuchte das Pompey Museum of Slavery and Emancipation im Vendue House. Dadurch wurde ihr ein vertieftes Verständnis für den Freiheitskampf der Menschen auf den Bahamas und in der Karibik insgesamt vermittelt.

Die internationale Arbeitsgruppe dankt Erzbischof Patrick Pinder und der Erzdiözese Nassau für die großzügige Gastfreundschaft im Emmaus Centre sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dort, die uns einen sehr angenehmen Aufenthalt bereitet haben. Weiterhin danken wir für die Unterstützung der ökumenischen Kirchenleitenden vor Ort, Pastor Dr. Ranford Patterson, Präsident des Christenrates der Bahamas, und Bischof Laish Boyd, anglikanische Diözese Bahamas und Turks- und Caicosinseln, die die Gruppe an ihrer Kenntnis und Erfahrung der Ortskirche teilhaben ließen.

Einführung in den Gottesdienst

Im Jahr 1492 betrat Christoph Kolumbus die Karibik als ersten Fleck der „Neuen Welt“. Seitdem war das Schicksal der einheimischen Bevölkerung von Sklaverei und Unterdrückung geprägt. Die Kolonialmächte brachten das Christentum auf die Karibik, gleichzeitig führten sie ein gewalttätiges Regime. In dieser Situation schöpften die Bewohner der Karibik Trost und Hoffnung ausgerechnet aus den Texten der Bibel, die sie durch die Unterdrücker kennenlernten. In ihr wird erzählt, wie Sklaven befreit und das Volk Israel aus der Knechtschaft geführt wurde.

Der ökumenischen Vorbereitungsgruppe aus verschiedenen Kirchen der Karibik war es wichtig, diese „Umkehr der Verhältnisse“ auch in dem Gottesdienst zur Gebetswoche spürbar werden zu lassen. Sie haben zum einen zentrale Texte zur Befreiung aus der Bibel ausgewählt. Und zum anderen schlagen sie vor, eine besonders prächtige Bibel in die Mitte des Gottesdienstraums zu stellen und aus ihr die Lesungen vorzutragen. Dadurch soll die Bedeutung der Bibel für die Geschichte der karibischen Völker vor Augen geführt werden.

Als weiteres Zeichen spielt die Kette eine Rolle. Sie versinnbildlicht Sklaverei und Unterdrückung. Das karibische Redaktionsteam schlägt vor, zum Gebet um Versöhnung echte Eisenketten nach vorne zu tragen und nach dem jeweiligen Kyrie-Ruf zu Boden fallen zu lassen. Bei den Bitten kann eine Menschenkette gebildet werden, indem die Vortragenden jeweils nach einer Bitte ein Gemeindeglied an die Hand nehmen oder mit den Armen unterhaken. Dies setzt sich dann durch die Reihen der Gemeindeglieder fort. Oder die Gemeinde reicht sich beim Beten des Vaterunsers die Hände. Je nach den lokalen Gegebenheiten kann auf dieses Zeichen auch verzichtet oder ein anderes Zeichen für Unterdrückung und Befreiung zur Gemeinschaft verwendet werden. So können beispielsweise vor Beginn des Gottesdienstes an alle Gemeindeglieder Seile oder Bänder ausgegeben werden, die sie dann bei den Bitten miteinander verknüpfen, bis ein einziges Band entsteht. Oder ein langes Band wird während der Bitten von den Vortragenden in die Reihen des Gemeindeglieder gegeben und jeweils weitergereicht. Aus den Ketten der Gewalt und der Unterdrückung werden so Ketten von Menschen, die sich gegenseitig unterstützen und eine Gemeinschaft bilden.

 

ÖKUMENISCHER GOTTESDIENST

zur Gebetswoche für die Einheit der Christen 2018

Deine rechte Hand, Herr, ist herrlich an Stärke

(vgl. Exodus 15,6)

 

L         Liturgin/Liturg
A         Alle/Gemeinde

EG      Evangelisches Gesangbuch
GL      Gotteslob
EmK   Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche
NGL   Neue Gemeindelieder, Oncken-Verlag, Wuppertal
F&L    Feiern und Loben; Gesangbuch des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden

Liturgische Eröffnung

Lied

GL 140,1-6 / EG 617         Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 144, 1-7 / EG 288        Nun jauchzt dem Herren alle Welt
EmK 432 / F&L 34            Wir sind hier zusammen in Jesu Namen

Während die Gemeinde singt, ziehen die Liturginnen und Liturgen ein. Eine Bibel soll vorangetragen werden. Sie wird für alle sichtbar platziert. Die Schriftlesungen werden aus dieser Bibel vorgetragen.

L  Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

A  Und mit deinem Geiste.

L  Liebe Brüder und Schwestern in Christus, wir haben uns zu diesem Gottesdienst versammelt, um für die Einheit der Christen zu beten. Wir wollen Gott auch danken für unser christliches Erbe und für sein befreiendes und rettendes Handeln in der Geschichte.

Die Materialien zur Gebetswoche für die Einheit der Christen wurden in diesem Jahr von den Kirchen in der Karibik vorbereitet. In der Geschichte des Christentums in dieser Region gibt es ein Paradox: Einerseits missbrauchten die Kolonialmächte die Bibel, um die Unterwerfung der einheimischen Bevölkerung des Gebiets und vieler anderer, die aus Afrika, Indien und China in die Karibik gebracht wurden, zu rechtfertigen. Völker wurden ausgelöscht, zahllose Menschen in Ketten gelegt und versklavt oder zur Arbeit unter ungerechten Bedingungen gezwungen. Andererseits wurde die Bibel für viele, die unter der Kolonialherrschaft zu leiden hatten, zur Quelle des Trostes und der Befreiung.

Die Bibel ermutigt bis heute die Gläubigen in der Karibik, für Menschenwürde und bessere Lebensbedingungen zu kämpfen. Wenn die Ketten der Versklavung sich von unseren Händen lösen, wächst ein neues Band der Liebe und der Gemeinschaft in der Menschheitsfamilie. Es bringt die Einheit zum Ausdruck, für die unsere christlichen Gemeinden beten.

Anrufung des Heiligen Geistes

Wenn gesungen:

GL 345,2                           Veni, Sancte Spiritus
GL 346 (KV)                      Atme in uns, Heilger Geist
GL 645,3 (KV)                   Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu

L  Gemeinsam mit den Christen der Karibik beten wir um die Einheit der Kirche und rufen zum Heiligen Geist, dass er in unseren Herzen sein Feuer entfacht.

L       Eine alle, die dir dienen, mit dem Band der Einheit.

A       Komm, Heiliger Geist! (gesungen oder gesprochen)

L       Lehre uns beten.

A       Komm, Heiliger Geist!

L       Befreie uns aus der Knechtschaft der Sünde.

A       Komm, Heiliger Geist!

L       Komm uns zu Hilfe in unserer Schwachheit.

A       Komm, Heiliger Geist!

L       Erneuere uns als deine Kinder.

A       Komm, Heiliger Geist!

 

Lied

GL 400 / EG 272               Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen
GL 380 / EG 331               Großer Gott, wir loben dich
GL 170 / EG 179               Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr

Gebet um Versöhnung

L  Wir haben nicht einen Geist empfangen, der uns zu Sklaven macht, so dass wir uns immer noch fürchten müssten, deshalb rufen wir den barmherzigen Gott an, im Vertrauen auf die rettende Kraft seiner rechten Hand.

Drei Gemeindemitglieder kommen nach vorn, jedes hält eine Kette in der Hand. Nach jeder Antwort (Kyrie-Ruf) lassen sie eine Kette zu Boden fallen.

L  Von Strukturen, die die Menschenwürde untergraben und neue Formen der Sklaverei verursachen,
befreie uns, Gott.
Kyrie eleison.

A  Kyrie eleison. (gesungen oder gesprochen) (EG 178.12 / GL 156 )

L Von Entscheidungen und Handlungen, die unseren Brüdern und Schwestern Armut, Ausgrenzung oder Diskriminierung bringen,
befreie uns, Gott.
Kyrie eleison.

A   Kyrie eleison.

L Von der Angst und dem Misstrauen, die uns voneinander trennen und die Hoffnung und Heilung verhindern,
befreie uns, Gott.
Kyrie eleison.

A  Kyrie eleison.

L  Der Herr ist unsere Stärke und unser Lied, er ist für uns zur Rettung geworden. So führe uns Gott, der uns erlöst hat, zu seiner heiligen Wohnung.

A  Amen.
 

Verkündigung des Wortes Gottes

L   Erlöse uns, Gott, von der Unterdrückung durch Menschen,

A   dass wir deine Gebote beachten.

L   Lass dein Angesicht leuchten über uns, die wir dir dienen,

A   und lehre uns deine Gesetze.

 

Alttestamentliche Lesung: Exodus 15,1-21

Nach der Lesung:

L    Hört und ihr werdet befreit werden.

A   Dank sei Gott.

Psalm 118 (gesungen oder gesprochen)

L  Dankt dem Herrn, denn er ist gütig und seine Huld währt ewig!

A  Dankt dem Herrn, denn er ist gütig und seine Huld währt ewig!

 

L In der Bedrängnis rief ich zum Herrn;
der Herr hat mich erhört und mich frei gemacht.
Der Herr ist bei mir, ich fürchte mich nicht.
Was können Menschen mir antun?
Der Herr ist bei mir, er ist mein Helfer;
ich aber schaue auf meine Hasser herab.

A Dankt dem Herrn, denn er ist gütig und seine Huld währt ewig!

L Sie stießen mich hart, sie wollten mich stürzen;
der Herr aber hat mir geholfen.
Meine Stärke und mein Lied ist der Herr;
er ist für mich zum Retter geworden.
Frohlocken und Jubel erschallt in den Zelten der Gerechten:

A  Dankt dem Herrn, denn er ist gütig und seine Huld währt ewig!

L Die Rechte des Herrn wirkt mit Macht!
Die Rechte des Herrn ist erhoben,
die Rechte des Herrn wirkt mit Macht!
Ich werde nicht sterben, sondern leben,
um die Taten des Herrn zu verkünden.

A  Dankt dem Herrn, denn er ist gütig und seine Huld währt ewig!

L Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit,
damit ich eintrete,
um dem Herrn zu danken.
Das ist das Tor zum Herrn,
nur Gerechte treten hier ein.

A   Dankt dem Herrn, denn er ist gütig und seine Huld währt ewig!

L  Ich danke dir, dass du mich erhört hast;
du bist für mich zum Retter geworden.
Das hat der Herr vollbracht,
vor unseren Augen geschah dieses Wunder.
Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat;
wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.

A  Dankt dem Herrn, denn er ist gütig und seine Huld währt ewig!

 

Neutestamentliche Lesung: Römer 8,12-27

Nach der Lesung:

L   Hört und ihr werdet befreit werden.

A   Dank sei Gott.

Halleluja-Ruf (GL 174.4 oder EG 182.1)

Evangelium: Markus 5,21-43

Nach dem Evangelium:

L  Hört und ihr werdet befreit werden.

A   Dank sei Gott.


Halleluja-Ruf
 (GL 174.4 oder EG 182.1)

 

Predigt

Mottolied

Die rechte Hand Gottes (Ein Liedblatt kann unter www.gebetswoche.de heruntergeladen werden.)

Glaubensbekenntnis von Nizäa und Konstantinopel (ökumenische Fassung)

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat, Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserem Heil
ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen
durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria
und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt
unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn
angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe
zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Amen.

Bitten

(Im Verlauf der Bitten kann eine Menschenkette gebildet werden; siehe Einleitung.)

L  Voll Dankbarkeit für unsere Befreiung aus der Knechtschaft der Sünde bringen wir unsere Nöte vor den Herrn und bitten ihn, die Ketten zu zerbrechen, die uns versklaven, und stattdessen ein Band der Liebe und Gemeinschaft zwischen uns zu knüpfen.

L Gott des Exodus, du hast dein Volk durch die Fluten des Roten Meeres geführt und es erlöst. Sei auch heute bei uns und befreie uns von allen Formen der Sklaverei und von allem, was die Menschenwürde verdunkelt.

A  Lege deine Hand auf uns, Herr, damit wir leben.

L  Gott der Fülle, in deiner Güte sorgst du für alle unsere Bedürfnisse. Sei auch heute bei uns, hilf uns, Selbstsucht und Habgier zu überwinden. Schenke uns den Mut, aktiv für Gerechtigkeit in der Welt einzutreten.

A  Lege deine Hand auf uns, Herr, damit wir leben.

L  Gott der Liebe, du hast uns als deine Ebenbilder geschaffen und uns in Christus erlöst. Sei auch heute bei uns und gib uns die Kraft, unsere Nächsten zu lieben und die Fremden willkommen zu heißen.

A  Lege deine Hand auf uns, Herr, damit wir leben.

L  Gott des Friedens, du bleibst deinem Bund mit uns treu, selbst wenn wir uns von dir entfernen. In Christus hast du uns mit dir versöhnt. Sei auch heute bei uns und lege einen neuen Geist und ein neues Herz in uns, damit wir uns von der Gewalt abwenden und stattdessen deinem Frieden dienen.

A  Lege deine Hand auf uns, Herr, damit wir leben.

L Gott der Herrlichkeit, du bist allmächtig und dennoch wolltest du in Jesus in einer menschlichen Familie wohnen. Im Wasser der Taufe hast du uns als deine Kinder angenommen. Sei auch heute bei uns und hilf uns, unsere Verpflichtungen in Familie, Gemeinde und Gemeinwesen treu zu erfüllen und das Band der Gemeinschaft mit unseren Brüdern und Schwestern in Christus zu stärken.

A  Lege deine Hand auf uns, Herr, damit wir leben.

L   Gott, der du in drei Personen einer bist, du hast uns in Christus mit dir und miteinander vereint. Sei auch heute bei uns und befreie uns durch die Kraft und den Trost des Heiligen Geistes von der Selbstbezogenheit, dem Hochmut und der Angst, die uns daran hindern, nach der vollen, sichtbaren Einheit deiner Kirche zu streben.

A  Lege deine Hand auf uns, Herr, damit wir leben.

Vaterunser (gesungen oder gesprochen)

(Die Gemeindeglieder können sich die Hände reichen, sofern bei den Bitten keine Menschenkette gebildet wurde.)

L Verbunden nicht durch Ketten, sondern durch die Liebe Christi, die uns ins Herz gegeben ist, beten wir mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat zum Vater:

A   Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

L Ansage der Kollekte (Die von der ACK vorgeschlagenen Spendenprojekte finden sich unter www.gebetswoche.de.)

Lied

Mottolied der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2017 „Lasst euch mit Gott versöhnen“ (Ein Liedblatt kann unter www.gebetswoche.de heruntergeladen werden.)

EG 265       Nun singe Lob, du Christenheit

EG 268     Strahlen brechen viele aus einem Licht

Nach dem Lied kann der Friedensgruß ausgetauscht werden.

Sendung und Segen

L  Erlöst durch die rechte Hand Gottes und vereint in dem einen Leib Christi wollen wir in der Kraft des Heiligen Geistes in die Welt hinausgehen.

L  Der Geist des Herrn ruht auf uns;
denn der Herr hat uns gesalbt.
Er hat uns gesandt,
zu verkündigen das Evangelium den Armen;
zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen,
und den Blinden, dass sie sehen sollen,
und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen,
zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.
Amen. Halleluja!

A  Amen! Halleluja!

L  Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
komme auf euch herab und bleibe allezeit bei euch.

A  Amen.

L  Gehet hin im Frieden Gottes.

A  Dank sei Gott, dem Herrn.

Lied

GL 464,1        Gott liebt diese Welt

EG 260           Gleich wie mich mein Vater gesandt hat

EG 251, 1+3+7        Herz und Herz vereint zusammen

 

 

Biblische Meditationen und Gebete zu den acht Tagen
der Gebetswoche

1. TAG

Du sollst auch den Fremden lieben; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen.

Levitikus 19,33f           Du sollst den Fremden lieben wie dich selbst.

Psalm 146                    Der Herr beschützt die Fremden.

Hebräer 13,1-3            Einige haben, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.

Matthäus 25,31-46       Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.

Nachdem Haiti als erste schwarze Republik Unabhängigkeit erlangt hatte, gewährte es anderen Völkern, die nach Freiheit strebten, Gastfreundschaft. Heute leidet die haitianische Bevölkerung unter schwerer wirtschaftlicher Not. Viele Menschen verlassen ihre Heimat und nehmen in der Hoffnung, anderswo ein besseres Leben zu finden, unterwegs große Gefahren in Kauf. Am Ziel sind sie dann oft mit fehlender Gastfreundschaft und juristischen Barrieren konfrontiert. Der Rat der Kirchen in der Karibik gehört zu denen, die gegenüber den Ländern, in denen die Bürgerrechte von Haitianern beschnitten oder komplett missachtet werden, für die Rechte der Migranten eintreten.

Reflexion

Gott gab Israel, seinem auserwählten Volk, das Gebot, den Fremden in seiner Mitte willkommen zu heißen. Begründet wird dieses Gebot mit dem Hinweis auf die Geschichte der Israeliten, die einst selbst Fremde in Ägypten gewesen waren. Die Erinnerung an das eigene Exil sollte Empathie und Solidarität mit Vertriebenen und Fremden der gegenwärtigen Zeit wecken. Uns Christen geht es wie dem Volk Israel: Zu unserer gemeinsamen Erfahrung des rettenden Handelns Gottes gehört die Erinnerung an Fremdsein und Entfremdung – im Sinne der Entfremdung von Gott und von seinem Reich. Diese christliche Form der Erinnerung hat ethische Konsequenzen. Gott hat in Christus unsere Würde wiederhergestellt und uns zu Bürgerinnen und Bürgern seines Reiches gemacht, nicht aufgrund unseres Verdienstes, sondern aus Liebe, die er uns bedingungslos schenkt. Wir sind berufen, ebenso zu handeln – ohne Bedingungen zu stellen und aus Liebe. Christliche Liebe bedeutet, zu lieben wie der Vater, das heißt, Würde anzuerkennen und Würde zu verleihen und dadurch zur Heilung der zerbrochenen Menschheitsfamilie beizutragen.

Gebet

Ewiger Gott,
du gehörst keiner Kultur und keinem Land,
sondern du bist Herr über alles.
Du rufst uns, die Fremden in unserer Mitte willkommen zu heißen.
Hilf uns durch deinen Geist,
als Brüder und Schwestern zu leben,
die alle Menschen in deinem Namen gastfreundlich aufnehmen
und in der Gerechtigkeit deines Reiches bleiben.
Darum bitten wir in Jesu Namen.
Amen.

Die rechte Hand Gottes
sät in unsrem Land,
sät Freiheit, Hoffnung, Liebe aus.
In unsrem bunten Land
knüpfen wir das Friedensband
und sind vereint durch Gottes rechte Hand.
 

2. TAG

Nicht mehr als Sklave, sondern als geliebter Bruder

Genesis 1,26-28                 Gott erschuf den Menschen als sein Abbild.

Psalm 10,1-10                    Herr, warum bleibst du so fern?

Philemon                            Nicht mehr als Sklaven, sondern als weit mehr: als geliebten Bruder

Lukas 10,25-37                  Gleichnis vom barmherzigen Samariter

Menschenhandel ist eine moderne Form der Sklaverei. Seine Opfer werden mit Gewalt oder Täuschung zu Prostitution, Kinderarbeit oder Organhandel gezwungen. Den Profit heimsen diejenigen ein, die sie ausbeuten. Weltweit werden mit diesem schmutzigen Geschäft viele Millionen Dollar verdient. Auch in den Ländern der Karibik wird Menschenhandel immer mehr zum Problem. Die reformierten Kirchen in der Karibik arbeiten gemeinsam mit dem Rat für Weltmission und dem Missionsrat für die Karibik und Nordamerika daran, christliche Gemeinden aufzuklären und so der Geißel des Menschenhandels ein Ende zu setzen.

Reflexion

Zu den ersten Dingen, die wir in der hebräischen wie der christlichen Bibel über Gott erfahren, gehört, dass er den Menschen als sein Ebenbild erschaffen hat. Diese tiefe, wunderbare Wahrheit wurde jedoch im Lauf der Geschichte immer wieder verdunkelt und geleugnet. So wurde etwa im Römischen Reich den Versklavten ihre Würde genommen. Die Botschaft des Evangeliums ist eine völlig andere. Jesus stellte die sozialen Normen in Frage, die die Würde der Samariter geringachteten, und beschrieb den Samariter als „Nächsten“ des Mannes, der auf der Straße nach Jericho überfallen worden war – und den Nächsten, sagt das Gesetz, soll man lieben. Paulus seinerseits nimmt sich in Christus die Freiheit, den ehemals versklavten Onesimus als „geliebten Bruder“ zu bezeichnen. Damit verstößt er gegen die Normen seiner Gesellschaft und bekräftigt die Menschenwürde des Onesimus.

Die christliche Liebe muss immer eine mutige Liebe sein, die es wagt, Grenzen zu überschreiten, und im Gegenüber eine Würde erkennt, die der eigenen gleichkommt. Wie der Apostel Paulus müssen Christen sich die „volle Freiheit“ in Christus nehmen, gemeinsam die Stimme zu erheben und die Opfer des Menschenhandels unmissverständlich als ihre Nächsten, als ihre geliebten Brüder und Schwestern anzuerkennen und sich so gemeinsam für ein Ende der modernen Sklaverei einzusetzen.

Gebet

Gnädiger Gott,
sei denen nahe, die Opfer des Menschenhandels werden,
schenke ihnen die Gewissheit, dass du ihre Not siehst und ihre Schreie hörst.
Eine deine Kirche im Mitgefühl und in dem Mut, auf den Tag hinzuarbeiten,
an dem niemand mehr ausgebeutet wird
und an dem alle frei sind und ein Leben in Würde und Frieden führen können.
Darum bitten wir im Namen des dreieinigen Gottes,
der unermesslich mehr tun kann, als wir uns vorstellen oder erbitten können.
Amen.

Die rechte Hand Gottes
hebt in unsrem Land,
hebt den, der hinfiel,
Mensch um Mensch
kennt unsre Namen auch,
von Schande rettet er,
hebt mit seiner rechten Hand selbst uns auf.

 

3. TAG

Euer Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes

Exodus 3,4-10                   Gott befreit die, die von Menschen versklavt werden.

Psalm 24,1-6                      Herr, wir sind diejenigen, die dein Angesicht suchen.

1 Korinther 6,9-20             Verherrlicht also Gott in eurem Leib!

Matthäus 18,1-7                Weh dem Menschen, der zum Bösen verführt!

Viele christliche Kirchen in der Karibik sind angesichts der Pornografie, die insbesondere im Internet verbreitet wird, besorgt. Pornografie wirkt zerstörerisch auf die Menschenwürde, besonders die von Kindern und jungen Menschen. Wie die Sklaverei macht sie Menschen zur Ware, verstrickt jene, die von ihr abhängig werden, und beschädigt gesunde Liebesbeziehungen.

Reflexion

Das Buch Exodus macht Gottes Sorge um jene deutlich, die von Menschen versklavt werden. Gottes Offenbarung an Mose im brennenden Dornbusch ist eine machtvolle Bekräftigung seines Willens, sein Volk zu befreien. Gott hatte ihr Elend gesehen, ihre Klage gehört und stieg herab, um ihnen die Freiheit zu schenken. Auch heute hört Gott die Klage jener Menschen, die versklavt sind, und will sie befreien. Die Sexualität ist eine Gabe Gottes für Beziehungen zwischen Menschen und für das Ausdrücken von Intimität. Der Missbrauch dieser Gabe durch die Pornografie jedoch versklavt und entwürdigt sowohl jene, die an ihrer Produktion beteiligt sind, als auch jene, die sie konsumieren. Gott ist ihrem Elend gegenüber nicht gleichgültig, und die Christen sind berufen, gleichermaßen um sie besorgt zu sein.

Der Apostel Paulus schreibt, dass wir berufen sind, Gott in unserem eigenen Leib zu verherrlichen. Das heißt, alle Bereiche unseres Lebens, einschließlich unserer Beziehungen, können und sollten eine Opfergabe sein, die Gott gefällt. Gemeinsam müssen sich die Christen für eine Gesellschaft engagieren, die die Menschenwürde wahrt und keinen von den „Kleinen“ Gottes zum Bösen verführt, sondern sie vielmehr in die Lage versetzt, in der Freiheit zu leben, die Gott für sie will.

Gebet

Durch deine himmlische Gnade, Gott,
erneuere uns an Leib und Seele.
Schaffe in uns ein reines Herz und einen reinen Geist,
damit wir deinen Namen verherrlichen.
Lass die Kirche einig sein in ihrem Streben,
auf dass dein Volk geheiligt werde
durch Jesus Christus,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Die rechte Hand Gottes
heilt in unsrem Land, heilt,
was zerbrach an Leib und Seel’,
berührt uns wundersam,
und Liebe macht uns reich,
denn mit seiner rechten Hand heilt uns Gott.
 

4. TAG

Hoffnung und Heilung

Jesaja 9,2-7a                      Seine Herrschaft ist groß und der Friede hat kein Ende.

Psalm 34,1-14                    Suche Frieden und jage ihm nach!

Offenbarung 7,13-17         Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.

Johannes 14,25-27             Frieden hinterlasse ich euch.

In der Karibik ist die Gewalt ein Problem, mit dem die Kirchen sich auseinandersetzen müssen. Die Mordrate ist alarmierend hoch, was vor allem auf häusliche Gewalt, Bandenkriege und andere Formen der Kriminalität zurückzuführen ist. Außerdem nehmen in manchen Teilen der Region Selbstverletzungen und Selbstmorde zu.

Reflexion

Das Reich, das Gott verheißen hat, das Reich, das Jesus verkündete und das in seinem Wirken gegenwärtig ist, ist ein Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freude im Heiligen Geist. Was bedeutet diese Frohe Botschaft für jene, die im Dunkel der Gewalt gefangen sind? In der Vision des Propheten strahlt ein Licht über denen auf, die im Land der Finsternis wohnen. Aber wie können Christen denen, die in der Finsternis von häuslicher Gewalt und Bandenkriminalität leben, das Licht Jesu bringen? Welche Hoffnung können Christen anbieten? Es ist eine traurige Realität, dass die Spaltung der Christen ein „Gegen-Zeichen“ aufrichtet, das die Botschaft von der Hoffnung verdunkelt.

Das Streben nach Frieden und Versöhnung zwischen den verschiedenen Kirchen und Konfessionen weist dagegen in die entgegengesetzte Richtung. Wenn Christen in einer Welt voller Konflikte nach Einheit suchen, geben sie der Welt ein Zeichen der Versöhnung. Christen, die sich der Logik von Privilegierung und Status verweigern, die nicht bereit sind, andere Menschen und ihre Gemeinschaften herabzuwürdigen, geben Zeugnis für den Frieden des Reiches Gottes, in dem das Lamm die Heiligen zu den Quellen führt, aus denen das Wasser des Lebens strömt. Das ist der Friede, den die Welt braucht, ein Friede, der denen Heilung und Trost bringt, die unter Gewalt leiden.

Gebet

Gott der Hoffnung und des Trostes,
deine Auferstehung hat die Gewalt des Kreuzes besiegt.
Mache uns, dein Volk,
zu einem sichtbaren Zeichen,
dass die Gewalt der Welt überwunden werden wird.
Darum bitten wir im Namen unseres auferstandenen Herrn.
Amen.

Die rechte Hand Gottes weist in unsrem Land,
weist den Weg, den Gott uns führen will;
so dunkel er auch ist, so leicht wir uns verirr'n,
weist uns Gottes rechte Hand doch zum Ziel.

 

5. TAG

Aus dem ganzen Land höre ich mein Volk verzweifelt schreien.

Deuteronomium 1,19-35   Der Herr, euer Gott, geht euch voran und hat euch getragen.

Psalm 145,9-20                Der Herr stützt alle, die fallen.

Jakobus 1,9-11                Der Reiche wird dahinschwinden wie die Blume im Gras.

Lukas 18,35-43               Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!

Die karibischen Volkswirtschaften konzentrieren sich traditionell auf die Produktion von Rohstoffen für den europäischen Markt und haben deshalb nie selbsttragende Wirtschaftsstrukturen entwickelt. Als Folge hiervon wurde die Aufnahme von Krediten auf dem internationalen Markt zu einem wichtigen Entwicklungsfaktor. Die Bedingungen solcher Kredite erzwingen eine Verringerung der Ausgaben für Verkehr, Bildung, Gesundheit und andere öffentliche Leistungen, was die Armen am härtesten trifft. Die Konferenz der Kirchen in der Karibik hat eine Initiative ins Leben gerufen, mit der sie der gegenwärtigen Schuldenkrise in der Region entgegenwirken und mit Hilfe ihrer internationalen Beziehungen den Armen zu Hilfe kommen möchte.

Reflexion

Wir können uns den Lärm der Menge vorstellen, als Jesus in Jericho einzieht. Viele Stimmen übertönen den Ruf des blinden Bettlers. Er stört und ist peinlich. Jesus aber hört in all dem Tumult die Stimme des Blinden, wie auch Gott in der hebräischen Bibel immer den Schrei der Armen hört. Der Herr, der alle stützt, die fallen, hört nicht nur, er antwortet auch. So wird das Leben des Bettlers radikal verändert.

Die Uneinigkeit der Christen verstärkt bisweilen den Tumult und das Chaos in der Welt. Wie die streitenden Stimmen vor den Mauern von Jericho können auch unsere Spaltungen den Schrei der Armen übertönen. Sind wir aber einig, werden wir in vollerem Maß zur Gegenwart Christi in der Welt, können besser hören, zuhören und antworten. Anstatt die Zwietracht immer lauter werden zu lassen, sind wir in der Lage, wahrhaft zuzuhören und so die Stimmen wahrzunehmen, die dringend gehört werden müssen.

Gebet

Liebender Gott,
du richtest die Armen und Verzweifelten auf
und stellst ihre Würde wieder her.
Höre jetzt unser Rufen für die Armen unserer Welt,
erneuere ihre Hoffnung und richte sie auf,
auf dass dein ganzes Volk eins sei.
Darum bitten wir in Jesu Namen.
Amen.

Die rechte Hand Gottes
hebt in unsrem Land,
hebt den, der hinfiel,
Mensch um Mensch
kennt unsre Namen auch,
von Schande rettet er,
hebt mit seiner rechten Hand selbst uns auf.

 

6. TAG

Achten wir auf das Wohl der anderen

Jesaja 25,1-9         Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat.

Psalm 82                Verhelft den Gebeugten und Bedürftigen zum Recht!

Philipper 2,1-4        Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.

Lukas 12,13-21      Hütet euch vor jeder Art von Habgier!

Die sich verändernden internationalen bankenrechtlichen Vorschriften wirken sich in der Karibik immer noch negativ auf Handel und Gewerbe aus und bedrohen das wirtschaftliche Überleben vieler Familien. Für Menschen aus der Karibik, die im Ausland arbeiten, wird es immer schwieriger, ihren Familien Geld nach Hause zu schicken. Die Kirchen in der Karibik haben die Kreditgenossenschaftsbewegung in der Region eingeführt, die den Armen Finanzierungsmöglichkeiten für wirtschaftliches Handeln eröffnet.

Reflexion

Das Zeugnis der Schrift lautet durchgängig, dass Gottes Option immer vorrangig den Armen gilt: Die rechte Hand Gottes greift zugunsten der Machtlosen gegen die Mächtigen ein. Ebenso warnt Jesus immer wieder vor den Gefahren der Habgier. Trotz dieser Warnungen aber befällt die Sünde der Habgier häufig unsere christlichen Gemeinschaften und mit ihr ein neues Konkurrenzdenken: eine Gemeinschaft will die andere überflügeln. Wir müssen uns immer bewusst sein, welche Folgen es hat, wenn wir keine Alternative zu der Welt und ihrem entzweienden Konkurrenzgeist bieten: Wir hören dann auf, „den Armen Schutz in ihrer Not, eine Zuflucht vor dem Unwetter“ zu sein.

Vor Gott reich zu sein, hat für unsere verschiedenen Kirchen und Konfessionen nichts damit zu tun, wie viele Mitglieder der eigenen Gemeinschaft angehören oder wie viele sie finanziell unterstützen. Es bedeutet vielmehr, in dem Bewusstsein zu leben, dass wir als Christen überall in der Welt zahllose Brüder und Schwestern haben, die über die ökonomischen Gräben zwischen „Nord“ und „Süd“ hinweg zusammengehören. Im Wissen um die Verbundenheit mit diesen Geschwistern in Christus können Christen Hand in Hand für wirtschaftliche Gerechtigkeit für alle Menschen eintreten.

Gebet

Allmächtiger Gott,
gib deiner Kirche Mut und Kraft,
dass sie immer dort Gerechtigkeit verkündet,
wo die einen die anderen beherrschen und unterdrücken.
Wir feiern unsere Einheit in Christus und bitten,
dass dein Heiliger Geist uns dazu fähig mache,
auf das Wohl der anderen zu achten.
Amen.

Die rechte Hand Gottes
streicht in unsrem Land,
streicht aus den Neid, den Hass, die Gier,
die Selbstsucht, böse Lust,
wo Stolz und Unrecht sind,
streicht sie Gottes rechte Hand bei uns aus.
 

7. TAG

Familien fördern, daheim und in der Gemeinde

Exodus 2,1-10   Geburt des Mose

Psalm 127            Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut.

Hebräer 11,23f    Mose wurde von seinen Eltern verborgen,
weil sie sahen, dass es ein schönes Kind war.

Matthäus 2,13-15   Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.

In der Karibik leidet die Familie bis heute unter dem Erbe der Sklaverei sowie unter neuen Faktoren wie der Migration von Eltern, finanziellen Problemen und häuslicher Gewalt. Angesichts dieser Realität leisten die karibischen Kirchen Unterstützung für die Kern- wie für die Großfamilie.

Reflexion

Familien sind von entscheidender Bedeutung für den Schutz und die Erziehung von Kindern. Die biblischen Erzählungen von der Kindheit des Mose und der Kindheit Jesu zeigen, dass beide vom Augenblick ihrer Geburt an in Lebensgefahr schwebten, weil zornige Herrscher den Befehl zum Mord gegeben hatten. Die Bibel macht damit deutlich, wie schnell Kinder durch äußere Faktoren in Gefahr geraten können. Ihre Geschichten zeigen zugleich, dass etwas getan werden kann, um die Kleinen zu schützen. Matthäus stellt uns ein Modell des Vaters vor, der Gottes Gebot in Liebe treu bleibt – gerade in unruhigen Zeiten.

Die Heilige Schrift betrachtet Kinder als Segen und als Hoffnung für die Zukunft. Für den Psalmisten sind sie wie „Pfeile in der Hand eines Kriegers“. Als Christen sind wir gemeinsam berufen, wie in einer Familie zu leben, in der man sich gegenseitig unterstützt. Dabei vertrauen wir auf die Kraft, die der Herr uns für die Aufgabe gibt, starke Gemeinschaften aufzubauen, in denen Kinder sicher sind und gedeihen können.

Gebet

Gnädiger Gott,
du hast deinen Sohn gesandt, in eine ganz normale Familie hineingeboren zu werden,
zu deren Vorfahren Gläubige und Sünder gehörten.
Wir bitten dich, segne alle Familien
in ihren Haushalten und Gemeinwesen.
Wir bitten dich besonders um die Einheit der christlichen Familie,
damit die Welt glaubt.
Darum bitten wir in Jesu Namen.
Amen.

Die rechte Hand Gottes
schreibt in unser Land,
schreibt sich mit Kraft und Liebe ein,
wo Streit herrscht und die Angst,
in Freude und in Leid
schreibt sich Gottes rechte Hand bei uns ein.

 

8. TAG

Er wird die Zerstreuten sammeln von den vier Enden der Erde

Jesaja 11,12f        Efraim ist nicht mehr eifersüchtig auf Juda und Juda ist nicht mehr Efraims Feind.

Psalm 106,1-14.43-48   Sammle uns, damit wir deinem heiligen Namen danken.

Epheser 2,13-19             Er riss die trennende Wand nieder.

Johannes 17,1-12            In ihnen bin ich verherrlicht.

Die Kirchen der Karibik arbeiten gemeinsam daran, die Wunden zu heilen, die die Kolonialisierung dem Leib Christi in der Region zugefügt hat. Versöhnung erfordert oft Umkehr, Wiedergutmachung und die Heilung von Erinnerungen. Ein Beispiel dafür ist die formelle Vergebungsbitte und Wiedergutmachung, die zwischen Baptisten in Großbritannien und in der Karibik vollzogen wurde. Wie das Volk Israel ist auch die Kirche zur Einheit berufen, um ein Zeichen der Versöhnung zu sein und aktiv zur Versöhnung beizutragen.

Reflexion

Durch die gesamte biblische Darstellung der Heilsgeschichte zieht sich ein unverkennbares Motiv: Der Herr ist fest entschlossen, ein Volk zu sammeln, das er sein Eigen nennen kann. Ein solches Volk – das mit Gott in einem heiligen Bund vereint ist – zu schaffen, gehört unlösbar zum Heilsplan des Herrn und zur Verherrlichung und Heiligung des Namens Gottes.

Die Propheten erinnern Israel immer wieder daran: der Bund verlangt von ihnen, dass die Beziehungen zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen des Volkes von Gerechtigkeit, Mitgefühl und Barmherzigkeit geprägt sein sollen. Als Jesus sich bereit machte, den neuen Bund mit seinem eigenen Blut zu besiegeln, bat er den Vater inständig, dass die, die ihm der Vater gegeben hatte, eins seien, wie er und der Vater eins sind. Wenn Christen ihre Einheit in Jesus entdecken, haben sie Anteil an der Verherrlichung Christi in der Gegenwart des Vaters, mit derselben Herrlichkeit, die ihm noch vor der Entstehung der Welt in der Gegenwart des Vaters zu Eigen war. Dementsprechend muss das Bundesvolk Gottes immer danach streben, eine versöhnte Gemeinschaft zu sein – eine Gemeinschaft, die selbst ein wirksames Zeichen für alle Völker der Erde ist, wie ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden gelingt.

Gebet

Herr,
in Demut bitten wir, dass durch deine Gnade
die Kirchen überall auf der Welt
zu Werkzeugen deines Friedens werden.
Lass sie inmitten entzweiter Völker als Zeuginnen und Dienerinnen deiner Liebe, die heilt und versöhnt, gemeinsam handeln
und so deinen Namen heiligen und verherrlichen.
Amen.

Die rechte Hand Gottes
sät in unsrem Land,
sät Freiheit, Hoffnung, Liebe aus.
In unsrem bunten Land
knüpfen wir das Friedensband
und sind vereint durch Gottes rechte Hand.
 

Die ökumenische Situation in der Karibik

Die Karibik ist eine Region, die sich von den Bahamas im Norden bis nach Suriname, Guyana und Französisch-Guayana (Cayenne) auf dem südamerikanischen Festland sowie von Barbados im Osten bis nach Belize im Westen erstreckt. Ihre gemeinsame Identität bezieht die Region aus der Geographie ebenso wie aus ihrer von Kolonialismus, Ausbeutung und dem Widerstand gegen Fremdherrschaft geprägten Geschichte sowie einem gemeinsamen kulturellen Bewusstsein.

Manche Kirchen – etwa die römisch-katholische und die anglikanische – sind schon seit dem Beginn bzw. der ersten Phase der Kolonialisierung in der Region präsent. Weitere Kirchen folgten im Rahmen der Missionsbewegung im 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert. In jüngerer Zeit schließlich breiteten sich die evangelikale und die Pfingstbewegung überall in der Karibik aus. Entsprechend finden sich in vielen Ländern und Gebieten der Region evangelikale Allianzen und Gemeinschaften.

Die Karibische Kirchenkonferenz (CCC) entwickelte sich aus den ökumenischen Aufbrüchen in den 1960er Jahren. Offiziell begründet wurde sie in der soziokulturellen und politischen Umbruchsituation der frühen 1970er Jahre. Damals befand sich die Region in der unmittelbaren postkolonialen Phase, in der viele karibische Staaten ihre politische Unabhängigkeit erlangten. In dieser Zeit war die gesamte Region auf dem Weg zu Selbstbestimmung, Entwicklung und neuen Formen der Selbstentfaltung. Als Reaktion auf und Beitrag zu diesem neuen regionalen Bewusstsein gründeten mehrere Kirchen gemeinsam die Organisation Christian Action for Development in the Caribbean (CADEC; Christliche Aktion für Entwicklung in der Karibik). Diese Organisation war die Vorläuferin der CCC und wurde später zu einer ihrer beiden Hauptabteilungen. Eine zweite Hauptabteilung hieß Agency for Renewal of the Churches (ARC; Agentur für die Erneuerung der Kirchen).

Die Gründungsversammlung der CCC fand 1973 in Kingston (Jamaika) statt. In der Präambel ihrer Verfassung heißt es:

Wir, das christliche Volk der Karibik, schließen aufgrund unserer gemeinsamen Berufung in Christus den Bund einer regionalen Gemeinschaft von Kirchen. In ihr pflegen wir theologische Reflexion, gegenseitige Bereicherung und Beratung und Zusammenarbeit, um die Probleme zu überwinden, vor die Geschichte, Sprache, Kultur, Klassenstruktur und räumliche Entfernung uns stellen. Wir fühlen uns zutiefst verpflichtet, den Frieden und die ganzheitliche Entwicklung der Menschen zu fördern sowie soziale Gerechtigkeit und die Würde aller Menschen zu bekräftigen. Wir geloben, unseren Weg in Christus gemeinsam zu gehen und uns gegenseitig Anteil an unseren Erfahrungen zu geben, um das Reich Gottes in der Welt zu stärken.

Die 33 Mitgliedskirchen der CCC vertreten eine große Vielfalt von Menschen und Kulturen, die sich über zahlreiche Inseln und Festlandgebiete in Mittel- und Südamerika erstreckt. Es werden hauptsächlich vier Sprachen gesprochen: Englisch, Französisch, Niederländisch und Spanisch. Zu dem Gebiet gehören Cayenne (Französisch-Guayana), Kuba, Guadeloupe, Haiti, Martinique und Puerto Rico. Die CCC-Mitgliedskirchen sind davon überzeugt, dass es trotz der langen Kolonialgeschichte und der mit ihr einhergehenden Spaltungen eine alle verbindende echte karibische Identität gibt. Aus dieser Identität erwächst zugleich der Anspruch an die Menschen in der Karibik, zu beschreiben, was Gottes Wille für sie ist, und entsprechend zu handeln.

Die CCC ist eine von insgesamt sechs regionalen ökumenischen Organisationen, unterscheidet sich von den anderen aber durch ihre Geschichte: Sie war die erste regionale ökumenische Organisation, zu deren Gründungsmitgliedern die römisch-katholische Kirche – offiziell vertreten durch ihre Bischofskonferenz – gehört. Dass die Bischofskonferenz der Antillen die CCC mitbegründet hat, wurde im Vorbereitungsdokument – „Lineamenta“ – der Sonderversammlung der Bischofssynode für Amerika 1997 als beispielhaft herausgestellt. In dem Abschnitt „Areas and ways of Communion“ (Bereiche und Möglichkeiten für Gemeinschaft) stellt das Dokument fest: „Ein Beispiel dafür, wie der Dialog mit anderen Konfessionen intensiviert werden kann, ist die Arbeit einiger Bischöfe aus der Karibik, die an der Gründung der einzigen ökumenischen Organisation der Region beteiligt waren.“ (Abschnitt IV, Art. 42) Die CCC besteht jetzt seit 43 Jahren, und in dieser Zeit haben ihre Mitgliedskirchen in den Bereichen Theologie, christliche Bildung, ganzheitliche Entwicklung, Jugend- und Frauenfragen, Familienleben, Menschenrechte und Kommunikation gemeinsam viele Initiativen ergriffen. Zu den besonderen Erfolgen der CCC gehören die Sender „Contact“ und „Caribbeat“, die Monatszeitschrift „Caribbean Contact“ sowie eine Serie zur christlichen Bildung mit dem Titel „Fashion Me a People“ („Schaffe mir ein Volk“).

Im Jahr 1983 wurde der Auftrag der CCC neu formuliert: Sie hat die Aufgabe, „im Gehorsam gegenüber Jesus Christus und in Solidarität mit den Armen die Ökumene und den sozialen Wandel zu fördern“. Auf dieser Grundlage hat die Konferenz einen strategischen Arbeitsansatz entwickelt und ein ganzheitliches Programmkonzept eingeführt, mit dem sie auf die vielen sozioökonomischen Probleme und sozialen Missstände in der Karibik reagiert. Zu diesen gehören chronische Armut, eine große Zahl von HIV/Aids-Infektionen, Drogenhandel und Drogenabhängigkeit sowie die Entwurzelung von Menschen, die aus verschiedenen Gründen – z.B. Naturkatastrophen, Gewalt, Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen – ihre Heimat verlassen mussten.

Zu den Grundsätzen der CCC gehört es, sich um eine engere Verbindung und eine wechselseitige Weggemeinschaft mit den Mitgliedskirchen zu bemühen, und zwar im Rahmen ihrer bestehenden Werke und Institutionen und bis hinunter auf die Ebene der Ortsgemeinden. Die wichtigsten Arbeitsbereiche sind:

  • vorrangige regionale Initiativen (HIV/Aids, Drogen, Gewalt, Familie, Ernährung, Entwurzelung),
  • nachhaltige sozioökonomische Entwicklung (Armutsbekämpfung, Projektfinanzierung, Katastrophenvorsorge),
  • anwaltschaftliche Arbeit (Advocacy) und Kommunikation (Bewusstseinsbildung, Information, Dialog und Austausch),
  • internationale Beziehungen (regionale Integration, Solidaritätsbesuche) und kulturelle Angelegenheiten.

In einigen der genannten Bereiche arbeitet die CCC sehr eng mit den wichtigsten regionalen zwischenstaatlichen Organisationen zusammen, allen voran mit der Karibischen Gemeinschaft (CARICOM). Ebenso hat sie im Lauf der Jahre mit verschiedenen Abteilungen der Vereinten Nationen sowie mit europäischen und nordamerikanischen Regierungen kooperiert.

Über die bereitsgenannten Initiativen hinaus hat die CCC ein regionales Forum nationaler Kirchenräte ins Leben gerufen, um die Vernetzung und gegenseitige Unterstützung dieser Räte in der Region zu fördern. Sie trug damit der Tatsache Rechnung, dass die nationalen Kirchenräte – von denen einige deutlich älter sind als die CCC – in mehreren Teilen der Region eine wichtige Rolle spielen. Das Forum tagte zum ersten Mal 2001 unter dem Motto „Singt ein neues Lied“. Bis 2008 folgten jährliche Tagungen. Wie verschiedene andere Initiativen auch musste das regionale Forum seine Aktivitäten dann jedoch wegen erheblich reduzierter Mittel einschränken.

In jüngster Zeit betont das Sekretariat der CCC im Dialog mit den Mitgliedskirchen das theologische Fundament der Ökumene. Damit soll das grundlegende Thema der Ökumene „koinonia“ (Gemeinschaft/Einheit) stärker in den Mittelpunkt gerückt werden, da man den Eindruck gewonnen hat, dieser Aspekt sei durch die Überbetonung der „diakonia“ ein wenig verdunkelt worden.

Hinzugekommen sind außerdem neue Kontakte der CCC mit anderen ökumenischen Strukturen und Formen, wie etwa der Taizé-Bewegung und der karibischen „Abteilung“ des Globalen Christlichen Forums (GCF). Letzteres ist ein wichtiges Instrument, um auf die evangelikalen und pfingstkirchlichen Bewegungen zuzugehen und mit ihnen in den Dialog zu treten. Die CCC hat die Aufgabe übernommen, das karibische GCF einzuberufen und zu moderieren.

Neben der CCC gibt es in der Karibik noch weitere institutionelle Ausprägungen von Ökumene. Zwei bedeutende Beispiele sind das United Theological College of the West Indies (UTCWI; theologische Hochschule der Westindischen Inseln) in Jamaika sowie der Caribbean and North American Council for Mission (CANACOM; Missionsrat für die Karibik und Nordamerika). Beide sind evangelische Einrichtungen, letztere spezifisch reformierter Tradition. Interessanterweise liegt das UTCWI in unmittelbarer Nähe der römisch-katholischen theologischen Hochschule (ein ehemaliges Priesterseminar). Die Lehrenden und Studierenden beider Institutionen sind seit deren Entstehung durch sehr freundschaftliche, wechselseitig förderliche Beziehungen verbunden.

Auf der regionalen Ebene insgesamt ist weiterhin die Caribbean Association of Theological Schools (CATS; Bund der theologischen Hochschulen der Karibik) zu nennen. Diese Organisation dient der Zusammenarbeit der drei wichtigsten theologischen Hochschulen der englischsprachigen Karibik: UTCWI, Codrington College (anglikanisch, Barbados) und das römisch-katholische Seminary of St. John Vianney and the Uganda Martyrs (Trinidad).

Keine Darstellung der ökumenischen Situation in der Karibik wäre vollständig ohne den Verweis auf den enormen Beitrag, den die Karibik in der Person von Pastor Dr. Philip Alford Potter (1921-2015), dem hochgeschätzten dritten Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), zur ökumenischen Bewegung insgesamt geleistet hat. Dr. Potter (dessen wir dankbar gedenken) war methodistischer Geistlicher und gebürtig aus dem Commonwealth Dominica. Während er Generalsekretär des ÖRK (1972-1984) war, kämpfte er gegen das unmoralische Apartheidsregime in Südafrika. In seine Amtszeit fiel auch der historische Besuch Papst Johannes Pauls II., der auf Einladung des ÖRK dessen Hauptsitz in Genf (Schweiz) aufsuchte. Sein Besuch stellt einen bedeutenden Meilenstein in den ökumenischen Beziehungen zwischen Vatikan und ÖRK dar. Schätzungen zufolge hat der ÖRK aktuell 13 Mitgliedskirchen in der Karibik, denen 1,4 Millionen Gläubige angehören. Auch gegenwärtig gibt es ökumenisch engagierte Personen, die nach dem Vorbild von Pastor Potter wichtige Beiträge in der internationalen Ökumene leisten. Zu ihnen gehört Pastor Neville Callam aus Jamaika. Pastor Callam, amtierender Generalsekretär der Baptistischen Weltallianz (BWA), war über viele Jahre ein hochgeachtetes Mitglied der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung des ÖRK.


 
[1]Hubertus R. Drobner, Augustinus von Hippo. Predigten zum österlichen Triduum (Sermones 218-229/D). Einleitung, Text, Übersetzung und Anmerkungen (Patrologia. Beiträge zum Studium der Kirchenväter, Bd. 16), Frankfurt a.M. 2006, 321.

 

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