Als einer der ersten lenkte Johannes Paul II. die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit
auf die besorgniserregende Lage in Mosambik nach den verheerenden Überschwemmungen
im vergangenen Monat. Bereits am 25. Februar rief der Heilige Vater in Kairo, während
seines Besuchs in Ägypten, zur Hilfe auf für die Bevölkerung in Mosambik,
eines der ärmsten Länder des leidgeprüften afrikanischen Kontinents. Die
Missionare und die Mitarbeiter der Ortscaritas waren die ersten, die – noch
vor der Landesregierung – systematisch eingriffen, weil sie die Menschen
kennen und direkten Kontakt mit ihnen haben; sie setzten sich persönlich ein,
um die in Gefahr schwebenden Menschen zu retten. In Mosambik sind circa 20
Ordensgemeinschaften tätig: Vinzentinerinnen, Paulinerinnen, Schwestern vom
Herzen Mariä, Dominikanerinnen, Missionarinnen der Liebe; Comboni-Missionare,
Missionare vom hlst. Herzen Jesu, Vinzentiner – um nur einige zu nennen.
Es scheint, dass alle Überlebenden jetzt in Sicherheit sind. Mosambik
ist doppelt so groß wie Italien. Weite Gebiete sind in der Regel ohne jegliches
Kommunikationsmittel (Telefon, Radio, usw.), und die Bevölkerung lebt weit
verstreut. Die zwei Millionen Menschen, die von den Überschwemmungen betroffen
sind, wohnen vor allem in der Savanne, aber auch in Städten. Ich besuchte die
Flüchtlingslager in Maputo und Chibuto. Die Menschen machten einen apathischen
Eindruck, zeigten keinerlei Reaktion, waren wie unter Schock. Ich traf ein
Ehepaar, das zwei Kinder verloren hatte; Frauen mit Neugeborenen, Kranke, die um
Arzneimittel gegen Krankheiten, wie Malaria, Cholera usw., Schlange standen.
Die Wassergewalten war unaufhaltsam. Schwester Magdalena, eine
Italienerin, erzählte, sie habe sich nur deshalb vor den reißenden Fluten
retten können, weil einige Jungen sie auf dem Dach des Krankenhauses, wo sie
arbeitet, festhielten. Der Fluß Limpopo erreicht bei Xaixai eine Breite von
12km. Die Stadt mit 40.000–50.000 Einwohnern ist zu 60% überflutet. Man
spricht von 100 Totesopfern. „Diese Tage haben mehr Schock verursacht als all
die Jahre des Bürgerkriegs“, sagte mir eine andere Schwester.
A Chokwe (12.000 – 14.000 Einwohner) besuchte ich das Krankenhaus der
Vinzentinerinnen mit 80 Aids- und Tuberkulosekranken. Als die Flut kam, trugen
die Schwestern alle aufs Dach. Sie
blieben dort drei Tage lang bei ihnen, mitten im Wasser, das immer mehr anstieg.
Gleich zu Beginn der Katastrophe hatte ein spanischer Wohltäter den
Vinzenzschwestern einen Hubschrauber zur Verfügung gestellt. Der gleiche war
schon im Vietnamkrieg im Einsatz gewesen. Die beiden Piloten waren aus Südafrika.
Der Helikopter hatte nur sieben Plätze, aber an einem Tag wurden 45 Menschen
transportiert – mit einem einzigen Flug! Auf diese Art konnten sie in einer
Woche mehr als 500 Menschen das Leben retten. Immer noch werden dringend
Transportmittel benötigt.
Die Leute sind den Missionaren und Schwestern dankbar. Wohl haben einige
Verantwortliche der Ortskirche Vorbehalte gegenüber dieser Invasion von „Fremden“
– auch wenn sie Glaubensbrüder sind. Das kann noch Erbe des Kolonialismus
sein; es herrscht großes Zusammengehörigkeitsgefühl, starkes Stammes- und
Volksbewußtsein. Dieses läßt im „Fremden“ leicht eine Bedrohung sehen.
Auch von manchen Regierungsmitgliedern kann man derartige Äußerungen hören.
Die Vorbehalte betreffen vor allem Südafrika, das am nächsten liegt, und die
USA, die in der Vergangenheit die Oppositionspartei RENAMO (Resistência
Nacional Moçambicana) unterstützt hatten.
Diese wenig wohlwollende Atmosphäre erschwert erheblich das Apostolat
der Missionare und Schwestern, ein wirklich heroisches Unterfangen, das die
Unterstützung von uns allen verdient; wie auch die Mission der Gemeinschaft
Sant‘Egidio, die von den neuen Bewegungen in diesem Land am meisten verbreitet
ist. Vielleicht konnte das Zeugnis der Kirche der Bevölkerung neue Horizonte
der Universalität öffnen und ihre begrenzte Sicht erweitern.
Gerade in dieser Hinsicht machte ich eine Erfahrung. Als Gesandter des
Papstes erfuhr ich von den Leuten eine gute Aufnahme – nicht nur weil ich in
seinem Namen ein Geschenk überbrachte, eine kleine Geste der Solidarität im
Vergleich zu umfangreicheren Spenden von Regierungen des Auslands. Der Papst
wird von den Leuten – und nicht nur von Christen – wie ein Vater gesehen. Er
ist eine fremde und trotzdem nahestehende Gestalt, die Angst- und
Minderwertigkeitsgefühle vergessen läßt. Der Präsident des Landes betonte
dies bei unserer Begegnung ausdrücklich. Das Volk nennt den Katholizismus die
„Religion des Papstes“ und die katholischen Kirchen die „Kirchen des
Papstes“.
Vor aller Not muss sentimentale Verherrlichung der Natur in den
Hintergrund treten. Man kann nicht mit den neuen Mystikern des „New Age“
Hymnen an die „Mutter Erde“ singen. Eine solche Romantik ist fehl am Platz.
In der Heilsgeschichte spiegelt die Natur die Beziehung des Menschen zu Gott
wider – die Flut als Strafe für die Sünden des Menschen und der Regenbogen
als Zeichen der Treue Gottes. Die Erde kann dem Menschen zum Feind werden, der
Kult der Erde ist nicht nur Aberglaube sondern auch wenig realistisch.
Am 10. März nahm ich an einer Versammlung von circa 50 Missionaren und
Vertretern der Caritas von Mosambik teil. Zum Schluß hoben die Anwesenden –
u. a. der Erzbischof von Maputo, Kardinal dos Santos, und Bischof Paulo Mandlate,
der Caritas-Präsident in Mosambik – hervor, wie notwendig weitere Hilfe ist.
Von den verschiedenen katholischen Agenturen sind bis jetzt weltweit circa 2
Millionen US-Dollar gesammelt worden. Äußerst dringend sind zwei Lastwagen, um
Arznei- und Lebensmittel in die entlegensten Orte transportieren zu können,
sowie die Beschaffung von Treibstoff. Danach muss der Wiederaufbau beginnen. So
richte ich nochmals an alle den Appell, zur Unterstützung der Opfer beizutragen.
Geldspenden können gerichtet werden an: