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BOTSCHAFT ZUM ENDE DES RAMADAN 'ID AL-FITR, 1420 A.H./2000 A.D
Liebe muslimische Freunde!
l. Sie feiern dieses Jahr 'Id al-Fitr einige Tage nachdem die Christen die Geburt Jesu, das zentrale Ereignis im christlichen
Glauben, gefeiert haben. Für die Christen hat das Jahr 2000 eine besondere Bedeutung, weil wir in ihm die Zweitausendjahrfeier
der Geburt Jesu begehen. Es handelt sich vor allem um ein christliches Fest, aber wir möchten Sie dabei mit einbeziehen. Das ist
der Grund, warum ich mit Ihnen einige Gedanken über die Bedeutung Jesu teilen möchte.
2. Für die Christen ist Jesus das Wort Gottes, das Fleisch geworden ist, geboren von der Jungfrau Maria. Er ist ein Prophet,
aber er ist mehr als ein Prophet. Wie Papst Johannes Paul II. während seiner Begegnung mit jungen Muslimen in Casablanca
(Marokko) am 19. August 1985 erklärt hat: "Die Ehrlichkeit verlangt auch, daß wir unsere Unterschiede anerkennen und
respektieren. Die größte ist selbstverständlich die Sicht, die wir von der Person und dem Werk des Jesus von
Nazareth haben.
Sie wissen, daß - für Christen - dieser Jesus sie zu einer innigen Erkenntnis des Geheimnisses
Gottes und einer kindlichen Teilhabe an seiner Gaben gelangen läßt, so daß sie ihn als Herrn und Retter anerkennen und verkünden". Diese Weise, Jesus zu
verstehen, verstößt in keiner Weise gegen den Monotheismus der Christen. Das Bekenntnis des christlichen Glaubens beginnt in
der Tat so: "Ich glaube an den einen Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge".
Nach christlicher Anschauung wird die Einzigkeit Gottes nicht im Alleinsein gelebt, sondern in einer Gemeinschaft des Lebens
und der Liebe. Es ist das unausschöpfliche Geheimnis der Trinität.
3. Im Hinblick auf Jesus, wie auch auf anderen Gebieten, sind wir - Christen und Muslime -
aufgerufen, die religiösen Überzeugungen des anderen kennenzulernen und zu achten, zu entdecken, was uns eint und was uns unterscheidet. Diese
Überzeugungen zu kennen und zu achten bedeutet deshalb nicht, sie zu teilen. Davon in einer objektiven und achtungsvollen
Weise sprechen zu können, das gehört zu unserem Verhalten als Gläubige. Könnte die soziale und spirituelle Botschaft Jesu
nicht ein gemeinsames Erbe sein?
4. Wir glauben, daß alle Menschen, und besonders die Muslime, mit uns an den Werten teilhaben können, die wir von Jesus
empfangen haben: vö11iger Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes, Zeugnis ablegen für die Wahrheit, Demut im Verhalten,
Zurückhaltung beim Reden, Gerechtigkeit beim Handeln, Barmherzigkeit in den Taten, Liebe zu allen, Verzeihung für begangene
Fehler, Frieden bewahren mit allen Brüdern. Jesus ist der Mann des Schmerzes und der Hoffnung. Wie wir, und mehr als wir,
war er klein, arm, gedemütigt, Arbeiter, unterdrückt, leidend (Vgl. Homilie von Papst Paul VI. in Manila, 29. November 1970).
Ist Jesus nicht ein Vorbild und eine ständige Botschaft für die Menschheit?
5. Zum Zeitpunkt des Eintritts in ein neues Jahrtausend sollen wir alle, Christen und Muslime,
usammen mit den Anhängern anderer Religionen und den Männern und Frauen guten Willens, etwas von der Botschaft Jesu empfangen: eine Botschaft der
Barmherzigkeit und des Verzeihens, der Nächstenliebe und Brüderlichkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens. Das ist so
wichtig für die Zukunft der Welt.
7. In diesem Geiste freut es mich, Ihnen meine Glückwünsche für ein frohes Fest und für ein Leben in Frieden und Ruhe zu
übermitteln.
Kardinal
Francis Arinze Präsident
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