In einer Botschaft, deren Schwerpunkt auf der Bedeutung der
nachhaltigen Entwicklung lag, richtete Papst Benedikt XVI. die Aufmerksamkeit
auf die Armut in der Welt: »Für eine authentische, weltweite, organische und
ganzheitliche Entwicklung, die von allen Menschen erstrebt wird, ist es …
erforderlich, die verschiedenen menschlichen Gegebenheiten miteinander in
Zusammenhang zu bringen, die wahren Ursachen des Elends herauszustellen und
konkrete Antworten zu geben, wobei eine entsprechende Ausbildung von Personen
und Gemeinschaften den Vorrang haben sollte. So werden echte Freiheit und
Verantwortlichkeit, die Charakteristiken des menschlichen Handelns sind, zur
Anwendung kommen« (Botschaft von Papst Benedikt XVI. an Jacques Diouf,
Generaldirektor der FAO, anläßlich des Welternährungstages 2005, 12. Oktober
2005; in O.R. dt., Nr. 43, 28.10.2005, S. 6).
Bereits seit sehr vielen Jahren und auch heute noch warten
diejenigen, die in äußerster Armut leben, darauf, daß jene »konkreten
praktischen Maßnahmen zur Anwendung kommen«.
Sie hoffen noch immer auf eine Zukunft, in der die Regierungen
aller Länder, die sich vor 60 Jahren verpflichtet haben, »Official Development
Assistance« (ODA) in Höhe von 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts zu leisten,
ihrer Verpflichtung nachkommen und dieses Ziel erreichen werden.
Die Menschen, die in äußerster Armut leben, warten auf eine
Zeit, in der eine langfristige »debt sustainability« – durch die
hundertprozentige Tilgung der offiziellen multilateralen und bilateralen
Schulden armer und stark verschuldeter Länder und durch einen gleichzeitigen
Schuldennachlaß oder eine Schuldenumstrukturierung für Entwicklungsländer mit
niedrigem oder mittlerem Einkommen – den Weg öffnen wird für Schritte wie den
weltweiten Zugang zu den Gütern, die die Grundbedürfnisse des Lebens und der
Entwicklung decken: unter anderem Trinkwasser, Hygiene, Ernährungsprogramme,
Gesundheitsfürsorge, Erziehung und angemessene Unterkunft, aber auch
Mikrokredit, Mikrofinanz und Arbeitsplätze. In diesem Zusammenhang muß auch
erwähnt werden, wie wichtig es ist, sich dem Problem der bewaffneten Konflikte
zu stellen, infolge derer Länder und Regionen Rückschläge erleiden, anstatt
wenigstens begrenzte Fortschritte zu machen. Bewaffnete Konflikte wirken nämlich
dahin, die Armut zu verstärken. Auch die Auswirkungen von Malaria, HIV/AIDS,
Tuberkulose und anderer Infektionskrankheiten tragen nach wie vor zu diesen
Rückschlägen bei.
Gleichzeitig hoffen die in Armut lebenden Menschen auf eine
Zeit, in der keine Korruption auf den verschiedenen Regierungsebenen oder im
sozialen Bereich mehr verhindert, daß die Entwicklungschancen alle
Gesellschaftsschichten erreichen. Eine Regierung, die wirklich auf die Nöte
ihres Volkes eingeht, ist für die Entwicklung nicht nur eine Notwendigkeit – sie
sollte auch als ein Recht betrachtet werden.
Papst Benedikt XVI. glaubt, daß dies der richtige Moment ist.
Aus diesem Grund hat er entschieden, daß der Heilige Stuhl sich am
Anleiheprogramm der »International Finance Facility« beteilige. Seine Heiligkeit
weiß, daß es notwendig ist, umgehend Gelder zur Verfügung zu stellen, um Armut,
Hunger und dem Mangel an Erziehungs- und Bildungschancen entgegenzutreten und
den andauernden Kampf gegen die Geißel der Malaria und gegen die Ausbreitung von
HIV/AIDS und Tuberkulose zu unterstützen.
Gern spreche ich Herrn Schatzkanzler Gordon Brown, der die
treibende Kraft hinter dieser Initiative war, meinen Dank aus. Durch das
IFF-Programm angeregt, veranstaltete sein Ministerium im Juli 2004 zusammen mit
dem Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden ein Seminar zum Thema
»Globalisierung und Armut«. Damals ermahnte er uns: »Wenn keine Finanzierung
vorhanden ist, dann erscheinen die ›Millennium Development Goals‹ wie eine
weitere Reihe von Versprechungen, die gemacht, wieder und wieder gemacht und
dann nicht eingehalten werden. Daher erfordern unsere Ziele dringendes Handeln,
ja sogar Opfer von seiten der reichsten Länder der Welt.«
Die katholische Kirche zeigt stets ihre tiefe Besorgnis um die
Nöte aller Menschen, besonders derer, die in Armut leben. Papst Benedikt hofft,
daß die Teilnahme der Kirche an diesem Programm andere veranlassen wird, zum
konkreten Handeln überzugehen.
Der Heilige Vater bestimmt, daß diese Gelder nur für Projekte
gebraucht werden, die mit den Standpunkten übereinstimmen, die der Heilige Stuhl
auf den verschiedenen internationalen und UN-Konferenzen in den 90er Jahren
vertreten hat. Papst Benedikt XVI. freut sich, denen, die sich ihm anschließen
möchten, einen Weg zu zeigen, um die in Armut lebenden Menschen zum aktiven
Aufbau besserer Lebenschancen für sich selbst und ihre Familien zu befähigen.