Päpstlicher
Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen Unterwegs
VII. Internationaler
Kongress der
Zirkus-und
Schaustellerseelsorge
Rom, Italien, 12.-16. Dezember 2004
Schlussdokument
I. Das Ereignis
Der VII. Internationale Kongress der Seelsorge für die Zirkusleute,
die Schausteller, die im Volkstheater Beschäftigten und die Teilnehmer an den
amerikanischen Autorennen, der vom Päpstlichen Rat der Seelsorge für die
Migranten und Menschen unterwegs einberufen worden war, fand vom 12. bis 16.
Dezember 2004 in Rom statt. Er stand unter dem Thema: „Die Aufnahme der
Zirkusleute und Schausteller – von den Unterschieden zu einer Gemeinschaft
der Verschiedenheiten“. Die National Direktoren dieser spezifischen
Pastoral, die am 12. und 13. Dezember 2003 in Rom versammelt waren, hatten
den ersten Teil des Themas gewählt, weil sie diesen Gedanken als besonders
wichtig ansahen, angesichts der heutigen Situation in der Welt der Zirkusse und
der Volksfeste. Der zweite Teil des Themas hingegen behandelt die diesjährige
Botschaft des Heiligen Vaters zum Tag des Migranten und Flüchtlings. Die
‚Aufnahme’ ist zudem eines der Schlüsselwörter der kürzlich erschienenen
Instruktion Erga Migrantes Caritas Christi (II. Teil. Nr. 34-69) des Päpstlichen
Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs.
Etwa 90 Teilnehmer – Bischöfliche Promotoren, Kapläne, Ordensleute und
Laien – unter ihnen auch einige Künstler aus dem Zirkus und dem Reisenden
Schauspiel, aus fast allen europäischen Ländern, wie auch aus den Vereinigen
Staaten Amerikas, aus Chile und Mexiko, haben in einer offenen und
geschwisterlichen Atmosphäre an den vier Tagen der Reflexion und des Dialogs über
die Gemeinschaft der Verschiedenheiten hinsichtlich der Aufnahme
teilgenommen.
Die Arbeiten des Kongresses begannen mit der Begrüßung seitens Seiner
Eminenz, Kardinal Stephen Fumio Hamao, dem Präsidenten des Dikasteriums der Römischen
Kurie, das im Kontext der menschlichen Mobilität auch die spezifische
Beauftragung für die Zirkusleute, die Schausteller und das Reisenden
Schauspiels hat. Anschließend hat Erzbischof Agostino Marchetto, der Sekretär
des genannten Dikasteriums, das Thema des Kongresses und das Arbeitsprogramm
vorgestellt. Er unterstrich die Bedeutung des Dialogs, Schlüsselwort und
grundlegendes christliches Verhalten, welches auch in seinen verschiedenen
Aspekten den jüngsten Dokumenten des Päpstlichen Rates zugrunde liegt (in
Bezug auf die Notwendigkeit des Dialogs, die dialogiesierende Pastoral, Dialog
und Mission, Heranbildung zum Dialog, Schule, die zum Dialog erzieht, Dialog mit
der einheimischen Bevölkerung, Dialog gegen jede Art von Vorurteil, Rassismus
und Fremdenfeindlichkeit, Dialog im Hinblick auf eine Integration (nicht
Assimilation), Dialog zum Zweck der Eingliederung in die Kultur, Dialog, der
Gegenseitigkeit, Dialog des Lebens, Dialog und Neuevangelisierung, Dialog,
Liturgie, Gebet und Kultorte, Dialog und Ehe, Dialog, der zur Gemeinschaft in
der Verschiedenheit führt und Dialog und kirchliche Disziplin).
Die Kongressteilnehmer sind von den Vertretern des Forums der Christlichen
Organisationen für die Zirkus- und Schaustellerseelsorge und der Europäischen
Schausteller Union sowie von dem Erzbischof von Canterbury (Anglikanische
Gemeinschaft) beim Heiligen Stuhl, begrüßt worden.
Es folgte eine biblische Auslegung zum Thema „Die Sakralität der
Gastfreundschaft in der Heiligen Schrift“, von Msgr. Bruno Maggioni. Dann ging
man über zur Untersuchung des Themas, „Die Aufnahme von Zirkusleuten und
Schaustellern in den katholischen Gemeinden“, dargelegt von Seiner Exzellenz,
Msgr. Lino Belotti.
Am zweiten Arbeitstag hat Pater Dominique Joly OFM, die Situation der
Jugendlichen im Zirkus und Lunapark vorgestellt: "Junge Zirkusleute und
Schausteller – Wegbereiter und Gestalter der Begegnung zwischen Glaube und
Kultur", während Pater Dr. Sergio Ferrero Varela uns ein Bild von der
Familie der Zirkusleute und der Schausteller, als eine Gemeinschaft, die
menschliche und christliche Werte vermittelt, gegeben hat.
An den Nachmittagen des 13. und 14. Dezember fanden zwei Gespräche
am Runden Tisch statt. Der erste Rundtisch war für die National Direktoren des
Sektors bestimmt. Sie haben über die Gastfreundschaft der Teilkirchen
gesprochen, die diese den Zirkusleuten, den Schaustellern, den im Volkstheater
Beschäftigten und den Teilnehmern an den amerikanischen Autorennen
entgegenbringen müssen. Am zweiten Rundtisch haben einige junge Zirkusleute und
Schausteller ihre Lebenserfahrungen mitgeteilt und ausgesprochen, was sie von
den katholischen Gemeinden erwarten. Besonders beeindruckend und anregend waren
für alle die Erfahrungsberichte der Personen, die im Zirkus und Lunapark
leben, wie auch die des Piloten der amerikanischen Autorennen und des Paares,
welches sich ’Zauberer ohne Grenzen’ nennt.
Während der Kongressarbeiten haben natürlich auch nicht Augenblicke des
Vergnügens gefehlt, wofür die Zirkusleute und Schausteller sorgten. Die
Kongressteilnehmer sind außerdem von den Missionaren vom Heiligen Herzen
in deren Kirche empfangen worden, die am Piazza Navona liegt, wo schon eine
vorweihnachtliche Atmosphäre herrschte, und wo auch viele Schausteller in
dieser Zeit ihrer Arbeit nachgehen.
Der Kongress fand seinen Abschluss mit der Audienz beim Heiligen Vater. Er
hat sich mit Worten der Aufnahme und der Ermutigung an die
Kongressteilnehmer gewandt. Zwei berühmte Akrobaten habe bei dieser Gelegenheit
den Papst und die Anwesenden für einige Minuten mit ihren großartigen
Darbietungen ‚Hand in Hand’ erfreut.
II. Schlussfolgerungen
Diese sind hier nachfolgend unter Berücksichtigung der 4 wichtigen
Unterthemen des Kongresses zusammengefasst.
1. Die Aufnahme von Zirkusleuten und Schaustellern in den katholischen
Gemeinden
In der Heiligen Schrift ist die Aufnahme und die Gastfreundschaft ein
wesentliches Merkmal des gläubigen Menschen: seinen Nächsten aufnehmen,
ist gleich Gott aufnehmen. „Abraham blickte auf und sah vor sich drei Männer
stehen….sofort lief er ihnen vom Zelteingang entgegen, warf sich zur Erde
nieder und sagte: Mein Herr, wenn ich dein Wohlwollen gefunden habe, geh doch an
deinem Knecht nicht vorbei!“ (Gen 18,2-3). Die gleiche „Heiligkeit der
Gastfreundschaft“ wird auch im Neuen Testament hervorgehoben: „Wer euch
aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt
hat“ (Mt10,40) – spricht der Herr. Im Lukas-Evangelium erscheint die
Aufnahme (10,42) nicht nur als „Dienst“, sondern auch als
„Aufmerksamkeit“ gegenüber der Person, die man aufnimmt. Und diese Art der Gastfreundschaft
fordert auch Jesus, der umherwandernde Prediger, für sich selbst.
Beim heiligen Paulus wird im Brief an die Römer, Kapitel 15, die
Verpflichtung zur Gastfreundschaft in ihren steigenden Zügen dargestellt und
mit Adjektiven umschrieben. Sie sei also christlich und tief, und gehe vom
Herzen aus („der Gott der Geduld und des Trostes schenke euch die Einmütigkeit,
die Christus Jesus entspricht“: s. 5); sie sei großzügig und selbstlos,
uneigennützig und nicht possessiv („denn auch Christus hat nicht für sich
selbst gelebt ... sondern er ist Diener der Beschnittenen geworden“: s. 3 und 8);
sie sei wohltätig und erbauend („jeder von uns soll Rücksicht auf den
anderen nehmen, um Gutes zu tun und [die Gemeinde] aufzubauen“: s. 2); sie sei
den Schwachen gegenüber aufmerksam („Wir müssen als die Starken die Schwächen
derer tragen, die schwach sind, und dürfen nicht für uns selbst leben“: s.
1). Alles kann in einer Einladung zusammengefasst werden: „Darum nehmt
einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes“ (Röm
15,7).
Die Instruktion des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten
und Menschen unterwegs Erga Migrantes Caritas Christi, spricht in Nr. 39
von der echten und wahren „Kultur der Aufnahme“, die von den Christen
gefördert werden muss: eine Kultur der Aufnahme also, die die authentischen
menschlichen Werte der anderen zu schätzen weiß, nicht der Schwierigkeiten
achtend, die aus dem Zusammenleben mit Menschen, die anders sind als wir selbst,
entstehen können (cfr Pastores Gregis von Johannes Paul II. – Nr. 65).
Weiter entspringt aus dem päpstlichen Lehramt:
a) Das Recht der Gläubigen auf freie kirchliche Integration und folglich auf die
Erhaltung der eigenen Identität, auch im Ausdruck des Glaubens, mit einer
progressiven Integration in die Strukturen, auch in die territorialen der
Ortskirche;
b) Die Achtung jedes Menschen und das Abschaffen der Diskriminierungen, welche die
Würde des Menschen verletzen;
c) Das Offensein für die Migranten und Menschen unterwegs, um ihnen so die
Teilnahme am Leben der Kirche zu ermöglichen.
2. Die jungen Zirkusleute und Schausteller, Protagonisten einer Begegnung
zwischen Glaube und Kultur
Trotz der unterschiedlichen Herkunft, der Konfession und des Glaubens, wie auch
des sozialen Niveaus, kann man sagen, dass die Kultur für diese Jugendlichen,
die kultur ihrer Herkunft ist, eben die der Familien des Schauspiels, die eine lange
Tradition der Umherreisenden und der Seßhaften geerbt haben. Der Lebensraum der
Schausteller und Zirkusleute hat schon immer diese Mischung der verschiedenen
Kulturen begünstigt, und so das für die Welt des reisenden Schauspiels
typische Kolorit geschaffen.
Es ist offensichtlich, dass die „Moderne“ auch die jungen Leute im Zirkus
und Lunapark zeichnet, und dies nicht immer in positivem Sinn. Manchmal, ja
sogar oft, finden sie aber durch einen vertrauensvollen Zeugen im Glauben Hilfe
und ein wertvolles Licht.
Die Verhältnisse sind sicher paradox. Sie sind gekennzeichnet vom
Individualismus – der heute vorherrscht – denn jeder wünscht sich,
„frei“ zu sein, den anderen gegenüber, und manchmal verteidigt man die
eigenen Interessen auch gegen die der andern. Gleichzeitig aber sind die
Verbindungen – in dem in Erwägung gezogenen Umfeld – von tiefer
Gemeinschaftlichkeit, weil jeder die Freuden und Leiden des anderen teilt.
Folgende, den Jugendlichen dieses Sektors eigene Charakteristiken sind in
Betracht gezogen worden:
Das Unterwegssein. Wenn die Jugendlichen Zirkusleute und Schausteller ihr
Leben ‚unterwegs’ akzeptieren, sind sie in vollem Einklang mit dem Aufruf
Gottes und der evangelischen Botschaft, denn Gott begleitet sein Volk in
itinere.
Das Fest. Es gibt uns einen Vorgeschmack von dem Fest des Reiches Gottes. Es ist wichtig für
die jungen Schausteller, mit künstlerischen Animationen einen Geist des Festes
zu schaffen, und vor allem, die prophetische Dimension der Berufung ihrer Arbeit
wahrzunehmen.
Die Freude. Der Clown wir geneckt, belacht, fast so wie Christus verhöhnt
und gedemütigt wurde. Er stellt die verlorene Menschheit dar ... Das Lachen ist
hier jedoch auch als Auferstehung im Alltäglichen zu sehen, es hilft uns,
unsere Grenzen und unsere Unvollkommenheiten anzunehmen: wir müssen fähig
sein, über uns selbst zu lachen.
Die Schönheit. Unter den Gaben dieser Welt, die uns einladen, den Blick
nach oben zu richten, ist die Schönheit. Sie lebt in den nicht endenden Wundern
der Natur... Der Mensch ist sich bewusst, all diese Schönheit zu empfangen,
auch wenn er sie durch sein Handeln zu einem Teil seiner Darbietungen macht.
Jedoch entdeckt und bewundert er sie recht in ihrer ganzen Fülle, nur wenn er
ihren Ursprung entdeckt: die transzendente Schönheit Gottes.
Sich selbst übertreffen. Die Künstler des Zirkus –
Akrobaten, Trapezkünstler, Dompteure, usw. – wollen immer mehr schaffen, sie
wollen ihre Grenzen überschreiten. So antworten sie auf den Wunsch, den Gott in
das Herz des Menschen gelegt hat, immer weiter, noch mehr darüber hinaus zu
gehen.
Das Geschenkte. Dies findet seinen Ausdruck in der Hingabe seiner Selbst,
um den andern Freude zu bereiten. Oft geschieht dies durch eine harte Arbeit und
auch durch ein gewisses Gefühl der Einsamkeit und des Leidens. Doch dieses ihr
Schenken entpflichtet nicht von der Anwendung der sozialen Gerechtigkeit den
Zirkusleuten und Schaustellern gegenüber, denn sie sind schließlich auch
Arbeiter.
Das Gemeinschaftsleben. Im Zirkus sowie im Lunapark, auf den Messen und
Volksfesten, lebt man immer eng zusammen. Die Qualität des Gemeinschaftslebens
ist gewiss nicht nur den Christen vorbehalten, für sie hat es jedoch seine
Wurzeln in Gott, ist Teilhabe am göttlichen Leben in Christus.
3. Die Familie
- Der Mensch hat immer im Haus Schutz gesucht, einen Lebensraum und eine
Verwurzelung, einen ‚häuslicher’ Herd. Im Zirkus und unter den
Schaustellern ist es die Familie. Und die Summe der familiären Verbindungen
stellt den Orientierungspunkt, die Mitte der Identität, Ausgangsort und Ort der
Liebe dar. Der Wohnwagen ist der häusliche Herd, und die Familie ist einer der
kostbarsten menschlichen Werte sowohl im Zirkus wie auch bei den Schaustellern,
dies kann man sagen, ohne utopisch zu werden, denn die Krise der Familie zeigt
sich heute überall (es wurde auch von einem ambivalenten Wert der Familie
gesprochen). Außerdem wandelt sich die traditionelle, patriarchalische Familie,
in eine Kleinfamilie. Stirbt der „paterfamilias“ trennen sich die Kinder
leicht und teilen auch das Gewerbe auf, so gehen Kräfte und Traditionen
verloren.
- In dieser Welt zeigt sich die christliche Familie als vorzüglicher Ort der
ersten Verkündigung des Evangeliums, sie ist Zeugnis lebendigen Glaubens. Es
sind die Eltern und die Großeltern, welche die menschlichen Werte und den
Glauben vermitteln und bei der Vorbereitung auf die Sakramente helfen. Wichtig
ist es auch, dass sich die Familien untereinander treffen.
- Das Unterwegssein, auf der Reise sein und in ihr leben, helfen, die
Heilsgeschichte besser zu verstehen als Weg Gottes zum Menschen, zur
Menschheitsfamilie, und regen dazu an, den umherwandernden Christus als
Vermittler von Freude und Liebe zu sehen, als Lehrer, Freund und Bruder, der uns
sucht, uns begeistert, aber vor allem, der uns rettet.
4. Die Situation des Zirkus und des Lunaparks im Vergleich zur Gesellschaft und
zur Kirche.
-Wir leben in einer Welt, die sich in einem schnellen Wechsel befindet. Die
Denkweise, das gesellschaftliche und religiöse Leben sowie die Politik erleiden
den Einfluss der Wirtschaft, der neuen, immer mehr globalisierten
Erziehungsmittel, der Technologie und des Wohlstandes, der für viele erreichbar
ist, selbst noch in einem Meer von weltweitem Elend.
- Nun stellt das Unterwegssein die Zirkusleute und die Schausteller der
etablierten Gesellschaft als eine
‚andersartige’ Gruppe vor, in gewissem Sinne als eine Randgruppe. Im
allgemeinen erkennt man ihre Arbeit nicht als kulturellen Ausdruck an und man
bewertet sie auch nicht als Notwendigkeit des wirtschaftlichen Unterhalts. So
begegnen sowohl die Zirkusleute, wie auch die Schausteller auf ihrem Weg vielen
Schwierigkeiten, nicht nur wegen der Härte ihres Lebens in Mobilität, sondern
auch wegen der Hindernisse, die selbst verschiedene öffentliche Verwaltungen
ihnen stellen.
- Der Unterschied in der schulischen Ausbildung, ein mehr natürlicher
Lebensrhythmus, die soziale und familiäre Struktur, die multiethnische
Zusammensetzung und im Grunde eine große Toleranz erschweren es den
Zirkusleuten und den Schaustellern, einige Aspekte des heutigen sozialen Lebens
zu verstehen (wie die Bürokratie, Vorsorge, Politik, Gewerkschaft, usw.).
- Innerhalb dieser Realität, sehen sich die Familien der Zirkusleute und
Schausteller, die mit Aufmerksamkeit für ihre Kinder sorgen möchten, für ihre
Erziehung, und ihre Entwicklung, sowie ihre schulischen Fortschritte verfolgen möchten,
großen familiären Schwierigkeiten gegenübergestellt in dieser pluralistischen
Gesellschaft, die über weit größere kulturelle Mittel und einen
wechselseitigen Austausch verfügt. In dieser Perspektive haben die Zirkusse
jedoch in einigen Ländern das Problem des Schulbesuches ziemlich gut gelöst,
weil sie im allgemeinen über Lehrpersonal aus den öffentlichen oder privaten
Schulen verfügen können, welche in ihrem jeweiligen Ortswechsel Unterricht
erteilen und so den Kindern den Schulabschluss ermöglichen.
- Unter den verschiedenen dargelegten Erfahrungen ist ein kulturelles
Bildungsprojekt für Lehrer und Hilfspersonal als sehr interessant
hervorgetreten, es will den Kindern und Jugendlichen des reisenden Schauspiels
die Eingliederung in die Grundschule ermöglichen. Ein Projekt in
Zusammenarbeit mit den öffentlichen Ortsverwaltungen, mit den kirchlichen
Gegebenheiten und mit den Menschen unterwegs.
- Die Verstädterung zwingt zu einer Verlagerung der Strukturen des reisenden
Schauspiels in die Peripherie, in Zonen, die nicht geeignet
sind, ja manchmal sogar in richtige Müllhalden. Dazu kommen die Vorurteile der
einen gegen die andern, die das Phänomen des Ausgeschlossenseins noch mehr
verstärken
- Auch haben die allgemeinen großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der
heutigen Gesellschaft einen negativen Einfluss auf die Arbeit der Zirkusleute
und der Schausteller (die auf das Vergnügen ausgeht), die eben nicht als
unbedingt notwendig eingeordnet wird.
- Während die örtliche Struktur der Pfarrei der christlichen, sesshaften Bevölkerung
hilft, sich in einer Kommunität zu erkennen, wo der Glaube gefeiert und seine
Inhalte vertieft werden, ist es für die Menschen des Lunaparks und besonders für
die Zirkusleute praktisch unmöglich, die Zugehörigkeit zu einer Ortspfarrei
oder einer kirchlich traditionellen Gemeinde‚ zu ‚erleben’.
- Jedenfalls sind aber Werte, wie Familie, Wesentlichkeit und Genügsamkeit,
Freundschaft, Hingabe an die eigene Arbeit, eine gewisse tiefe Volksfrömmigkeit,
für lange Zeit erhalten geblieben, obwohl wir jetzt in etwa ein Nachlassen
feststellen müssen . Die Welt der „Reisenden“ hat jedenfalls der
Gesellschaft und der Kirche ihre Gabe zu bringen, anders ausgedrückt, den Sinn der
Vorsehung und den Solidarität.
- Da die ökumenische Dimension heute grundlegend ist für das ‚Kirche sein’,
sind Zirkus und Lunapark in einer glücklichen Definition als eine „Werkstatt
an der Grenze für einen christlichen Weg in der universellen Brüderlichkeit,
im Ökumenismus und in der Begegnung mit den anderen Religionen“, dargestellt
worden.
III. Pastorale Vorschläge
1. Während des Kongresses ist vorgeschlagen worden, hinsichtlich der Seelsorge die
Einheit des Ortes- wo man arbeitet und wo man wohnt- der Zirkus- und
Schaustellerfamilie zu nützen:
- um diese Einheit in der Kontinuität der Generationen zu erhalten (Großeltern,
Kinder, Enkel);
- um die Familie als eine Kirche im Kleinen zu betrachten, wo die Eltern immer
mehr die Rolle der Evangelisierer übernehmen, und
- um im christlichen Sinn die reale Nachbarschaft zu pflegen, um eine
unerfreuliche Konkurrenz zu vermeiden, sowie Neid, Eifersucht, Spaltungen, und
um eine authentische Solidarität und das gemeinsame Gebet zu fördern.
2. Da in der bunt gemischten Realität des Zirkus und des Lunaparks, wie auch bei
den Volksfestspiele und in der Welt der amerikanischen Autorennen häufig
Menschen anderer Ethnien anwesend sind, sollte folgendes gefördert
werden:
- die christliche Aufnahme dessen, der „anders“ ist,
indem er vollkommen in das Netz der Solidarität eingeschlossen
wird, in einer Offenheit für die Evangelisierung in der Achtung des andern, besonders
durch das Zeugnis der Caritas;
- ein ökumenischer und interreligiöser Dialog.
3. Es wird zweckmäßig sein, sich der menschlichen Mobilität in christlichem Sinn
bewusst zu werden, um:
- das Geheimnis der Präsenz Gottes in jeder Person und an jedem Ort zu pflegen;
- ohne Vorurteile neue Weggefährten aufzunehmen;
- den Etablierten in den Städten die Kirche als pilgerndes Gottesvolk
vorzustellen;
- den Sinn der Vorsehung wach zu halten.
4. Da die Zirkusleute, die Schausteller und die Straßenkünstler für die
Unterhaltung und das Vergnügen der Menschen arbeiten, und deshalb Schöpfer der
Poesie, der Träume und der Erholung genannt werden, ist es zweckmäßig:
- den freudigen Sinn der Kreativität zu pflegen in einem einfachen, klaren,
ehrlichen und großzügigen Stil;
- den Kontakt mit dem Publikum zu begünstigen und jede Gelegenheit aufzugreifen,
um Freude und Friede zu verbreiten;
- den Schwachen den Vorrang zu geben: Kinder, alte Menschen, Behinderte...
- sich als Mitarbeiter Gottes am siebten Tag zu verstehen, um den andern zu
helfen, auch ein wenig Ausspannung zu haben;
- auch nach einer Zeit der Ruhe für sich selbst zu suchen und sie auch zu finden,
um Gott, den Herrn, zu ehren.
5. Wenn der Aufenthalt ein Ort des lebendigen Kontaktes mit der Territorial-Kirche
sein soll,
- ist die Anwesenheit eines Priesters oder wenigstens eines Pastoralassistenten
gefragt, der die Wohnwagen besucht und in unterschiedlichen Zeiten die
verschiedenen Personengruppen trifft. Seitens der Pfarrgemeinde müsste ein
menschlicher Kontakt hergestellt werden und ein Verhalten des Zuhörens und der
Öffnung;
- ist der Gebrauch spezifischen Hilfsmaterials erwünscht, damit die Mütter
selbst ihren Kindern in gewissenhafter Weise den Katechismus lehren können;
- wird der Gebrauch der Kommunikationsmittel als wichtig angesehen, um die Werte
des reisenden Schauspiels bekannt zu machen, und um sich mit den Beteiligten in
Verbindung zu setzen;
- sollte bei der Seelsorge der Einsatz eines regionalen Teams oder eines Teams
der Zone bevorzugt werden, damit ein Kern von pastoralen Operateuren gebildet
werden kann, die an die entsprechenden Kommissionen für die Seelsorge der
Menschen unterwegs gebunden sind;
- sollte auch ein Erfahrungs- und Informationsaustausch unter den
Pastoralarbeitern gefördert werden, wie auch eine einheitliche Seelsorge,
in der Achtung der legitimen Unterschiedlichkeit;
- Schließlich sollte auch daran gedacht werden, eine geeignete Bildung der
Pastoralarbeiter zu schaffen (Priester, Diakone, Ordensleute und Laien), und
auch die sich in der Ausbildung befindenden Seminaristen und Ordensleute für
dieses Thema zu interessieren.
6. Die Zirkusleute und die Schausteller werden eingeladen, eine Politik der
Selbstunterstützung zu fördern:
- es sollten Männer und Frauen in die Berufs-Vereinigungen eingebunden
werden;
- auf nationaler Ebene sollten Sprecher gesucht werden, die sich für die Förderung
dieser Sache einsetzen, dies nicht nur, damit die Kategorie nicht untergeht,
sonder auch um ihr eine Lebensqualität zu garantieren, die die Würde des
Menschen respektiert.
IV. Empfehlungen
1. Die Teilkirchen, die Pfarreien müssen „Häuser werden, die für alle
offen“ sind, „missionarische Pfarreien“, im Dienst des Glaubens auch der
Menschen, die nur vorübergehend da sind, also auch der Zirkusleute, der
Schausteller und der Personen des Volkstheaters.
2. Diese Personen leben die Unannehmlichkeiten eines dauernden Unterwegsseins.
Sie sind aber in der kurzen Zeit ihres Aufenthaltes an einem Ort, in jeder
Hinsicht Mitglieder der christlichen Gemeinde. Diese muss also ihnen gegenüber
eine Haltung und ein Verhalten annehmen, so wie es Jesus von seiner Kirche
fordert, indem Versuchungen und Verlockungen überwunden werden, die mit dem
Evangelium in Kontrast stehen.
3. Weiter wäre es dann auch wünschenswert, dass die Ortskirchen sich für eine
Förderungsarbeit und ein rechtes Verständnis in diesem Sektor der Seelsorge in
der menschlichen Mobilität einsetzten, für eine Kultur der Aufnahme in ihrem
eigenen Gebiet. Auch sollte man an die Übertragung eines spezifischen
Amtes denken, unter Berücksichtigung des Diakonates und der
„Laien-Beauftragung“ im Sinne der Mission.
Rom, 16. Dezember 2004
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