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Päpstlicher Rat der Seelsorge für die
Migranten und Menschen unterwegs
I. Internationales treffen der seelsorge zur befreiung der strassenmädchen
Rom, 20.- 21. Juni 2005
SCHLUSSDOKUMENT
DAS EREIGNIS
Das Treffen fand in den Räumen des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die
Migranten und die Menschen unterwegs statt. Außer den Vorgesetzten des Päpstlichen
Rates haben fünf Mitarbeiter des Dikasteriums, zwei Bischöfe und mehrere
Priester, Ordensleute und Laien, Vertreter der Bischofskonferenzen der 19 europäischen
Länder, teilgenommen. Sie kamen aus: Albanien, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Dänemark
(den Nordischen Ländern), Deutschland, England, Estland, Holland, Irland,
Italien, Montenegro, Polen, Portugal, Schottland, Schweiz, Slowenien, Spanien,
Tschechische Republik, Ungarn. Zählen wir auch die Experten mit, so waren auch
Länder anderer Kontinente, wie die Demokratischen Republik Kongo, Indien,
Nigeryen und Thailand vertreten. Unter ihnen waren Entsandte der Vereinigung der
General Oberen, der Internationalen Vereinigung der General Oberinnen, des
Bischofsrates von Lateinamerika (CELAM), der Internationalen katholischen
Kommission für die Wanderungsfragen (IKKW), der Assoziation “Kommunität
Papst Johannes XXIII.“, der Legion Mariens, sowie Vertreter anderer
Assoziationen, alle im apostolischen Einsatz in diesem Sektor, und mit
ihnen auch ein Vertreter der Caritas Internationalis.
Der Präsident des Päpstlichen Rates, Seine Eminenz Kardinal Stephen Fumio
Hamao, hat alle aufs herzlichste begrüßt und dann in die Arbeiten eingeführt.
Er unterstrich die Bedeutung des zu behandelnden Phänomens, welches die
Aufmerksamkeit und die pastorale Liebe der universalen Kirche, wie auch der
Teil-Kirchen dringend fordert.
Erzbischof Agostino Marchetto, Sekretär des Dikasteriums, hat das Thema der
Begegnung und des Programm vorgestellt und einige Kriterien der Wertbestimmung
dieses Phänomens sowie etliche pastorale Umrisse dargeboten. Der Titel seines
Referates lautete: “Die Straßenmädchen heute, eine pastorale
Herausforderung“. In seinem Referat hat er ein weites und wichtiges Gebiet
des Apostolates hervorgehoben, das auch eine neue Art von Mitarbeitern in der
Pastoral braucht. Mit Besorgnis hat er von den Personen gesprochen, von denen
viele in einer Situation leben, in der nicht einmal die kleinsten persönlichen
Rechte geachtet werden, denn ihr Körper ist Objekt der Ausbeutung und des
Handels.
Die nachfolgenden Beiträge der Teilnehmer haben verschiedene Aspekte der
aktuellen Realität der Straßenmädchen ins Licht gerückt. Die Kirche
schaut auf sie mit Barmherzigkeit und christlicher Aufnahme und lädt dazu ein,
die spirituellen und theologischen Werte zu beachten, die an der Basis eines
pastoralen Einsatzes stehen, der das Wohlwollen Gottes ihnen gegenüber ausdrückt,
und im klaren Bewusstsein aller, dass große, verborgene Tragödien hinter
dieser Erfahrung stehen. Daher die besondere Besorgnis für die dramatische
Situation junger Frauen und Mädchen, die sexuell ausgenutzt werden, und ihrer
werden es immer mehr. Daraus ergibt sich die dringende Notwendigkeit einer
pastoralen Aktion in Synergie, die über die lobenswerten und großzügigen
schon bestehenden Initiativen der Aufnahme hinausgeht und die aktuellen
Schwierigkeit bei der Eingliederung dieser Aktionen in die kirchlichen
Strukturen vor Augen hat.
Frau Mariette Grange, Vertreterin der IKKW, sprach über das Thema “Der
Menschenhandel, mit besonderem Blick auf die Frauen, die für die Prostitution
bestimmt sind“, während Prof. Mario Pollo in seinem Referat, “Gesamtübersicht,
als Resultat einer vorhergegangenen Umfrage“, ein allgemeines Bild der
Situation dargelegt hat, wie es aus den Antworten auf den an die Teilnehmer
versandten Fragebogen hervorgeht. Aus diesen geht ein gewisser Mangel des
spezifischen pastoralen Aspektes hervor. Don Oreste Benzi, der Verantwortliche
der Assoziation “Kommunität Papst Johannes XXIII.“, hat das Thema
vorgestellt “Für eine Pastoral der Rettung und Befreiung“.
An den Gesprächen am Runden Tisch haben sechs Experten teilgenommen, und zwar:
Schwester Eugenia Bonetti, I.S.M.C., von der Vereinigung der General Oberinnen,
Pater Ottavio Cantarello, SC, Direktor der Kommunität “Samuel“, er war von
der Italienischen Konferenz der Superioren benannt worden, Frau Sile Ni
Chochlain, vom Rat der Legion Mariens, Schwester Lalini Gunawardene, SBP,
Schwester Michelle Lopez, SBP, vom “Zentrum Fountain of Life“ und
Herr Dr. Paolo Ramonda, Vize-Präsident der Assoziation “Kommunität Papst
Johannes XXIII.“ Hier ging es darum, die “großen Linien einer
spezifischen Pastoral“ zu umreißen.
Am Schluss des Treffens, nach dem Austausch von Mitteilungen, von pastoralen
Meinungen, Erfahrungen und gründlichen Überlegungen, wurden wichtige
Initiativen untersucht, unter Beachtung der unterschiedlichen Situationen in den
einzelnen Ländern. Man bestätigte das Vorhaben, im Geist der Zusammenarbeit
und mit einer gewissen Koordinierung die in diesen Tagen geleistete Arbeit
fortzusetzen. Die Teilnehmer haben dann noch „Kriterien“ und
„Strategien“ für die Zukunft überprüft, sowie die Methodologie und die
Vorhaben, die in den nachstehenden Schlussfolgerungen und den Empfehlungen
zusammengefasst sind.
ZUSAMMENFASSUNG
Einige Schlüsselpunkte
1. Die Prostitution ist eine Form moderner Sklaverei
Vor allem muss erkannt werden, dass die sexuelle Ausbeutung, die Prostitution
und der Menschenhandel, eine Gewalttätigkeit den Frauen gegenüber ist, und
folglich eine Beleidigung ihrer Würde und eine schwere Verletzung der
grundlegenden Menschenrechte. Die Zahl der Straßenmädchen ist in der Welt
drastisch angestiegen. Die Gründe sind vielfältig, komplexe wirtschaftliche,
soziale und kulturelle Situationen. In einigen Fällen haben diese Frauen
bereits seit ihrer Kindheit pathologische Gewalt und sexuellen Missbrauch
erfahren müssen. Andere haben sich der Prostitution hingegeben, um für sich
selbst und ihre Familien einen ausreichenden Unterhalt zu sichern. Einige suchen
auch die väterliche Figur oder ein Liebesverhältnis mit einem Mann. Auch
übergroße Verschuldung ist manchmal der Anlass. Die Hoffnung, ihrer
Armutssituation im eigenen Land zu entgehen, im Gedanken an eine versprochene
Arbeit im Ausland, um ihr Leben zu ändern. Sicher ist, dass die sexuelle
Ausbeutung der Frauen, eine Tatsache, die das ganze soziale Gewebe der Welt
durchdringt, die Konsequenz vieler ungerechter Systeme ist.
Viele der Frauen, die sich in der sogenannten Ersten Welt prostituieren, kommen
aus der Zweiten, Dritten und Vierten Welt. In Europa und auch anderswo sind
viele von ihnen Opfer des Handels aus anderen Ländern, um der steigenden
Anfrage der “Verbraucher“, entgegenzukommen. Jedoch leben nicht alle diese
Opfer in der Prostitution, und nicht alle Prostituierte sind das Ergebnis des
Menschenhandels. Die menschliche Versklavung ist nichts Neues. Die
Internationale Organisation der Arbeit (OIL – Organizzazione Internazionale
del Lavoro) schätzt, dass jetzt 12,3 Millionen Menschen versklavt in
Zwangsarbeit leben, und dass etwa 2,4 Millionen von ihnen Opfer des
Menschenhandels sind, ein Phänomen, das den Schlepper-Organisationen jährlich
eine Summe – sagen wir – von 10 Milliarden USA-Dollar einbringt.
2. Verbindung zwischen Migrationen, Rechten und Menschhandel.
Die Verbindung zwischen Migrationen, Rechten und Menschenhandel ist stufenweise
aufgedeckt worden und weitere Formen des Handels sind erkannt und analysiert
worden (Verpflichtung wegen Schulden, Sklaverei, sexueller Missbrauch oder
Ausnutzung aus Arbeitsgründen). Die Definition Handel, die im Protokoll der
Vereinten Nationen für die Vorbeugung, die Abschaffung und die Bestrafung des
Menschenhandels, besonders der Frauen und Kinder, gebraucht wird, ist
allgemein anerkannt. Dieses Protokoll, wie auch die Konvention des Europa-Rates
bezüglich der Aktion gegen den Menschenhandel, sieht diesen als schwere
Verletzung der Menschenrechte an und als Beleidigung der Menschenwürde.
Während diejenigen, die auswandern, um die Lebensnotwendigkeiten zu sichern,
und jene, die Opfer der Schmuggler und des Menschenhandels sind, viele Aspekte
der Verwundbarkeit teilen, so bestehen aber auch einschneidende Unterschiede
zwischen der Migration und den Schleppern und den Menschenhändlern. Die Politik
der Makro-Entwicklung lässt die Frauen oft in Schulden und ohne Arbeit. So
wandern sie aus, um einen Lebensunterhalt zu sichern und ihren Familien oder der
Kommunität helfen zu können. In keinem Fall dürfen die Anstrengungen, dem
Schmuggel und dem Menschenhandel entgegen zu treten, nicht dazu führen, den
Wunsch der Frauen auszuwandern, um durch die Emigration ihre Lebensverhältnisse
und die ihrer Familien und ihrer Kinder zu verbessern, im rechten Licht zu
sehen.
3. Die Gründe der Prostitution
Um eine wirksame pastorale Antwort geben zu können –
das ist ja der Zweck dieses Internationalen Treffens – ist es wichtig, die
Faktoren zu kennen, welche die Frauen zur Prostitution treiben, oder sie dazu
anreizen. Bekannt sein müssen auch die Strategien, die von den Zwischenhändlern
und den Ausbeutern benutzt werden, um sie unter Kontrolle zu halten, wie
auch die Wege dieses Verkehrs aus den Herkunftsländern in die Bestimmungsländer
und die institutionellen Ressourcen, um sich den Notwendigkeiten stellen zu können.
Die Internationale Gemeinschaft und viele nicht-governativen Organismen in der
Welt versuchen immer eindringlicher, die kriminellen Aktivitäten anzugehen und
die Personen, die Opfer des Menschenhandels geworden sind, zu schützen.
4. Wer ist das Opfer?
Es ist ein menschliches Wesen, welches in vielen Fällen um
Hilfe ruft, denn seinen Körper auf der Straße feil zu bieten, ist nicht das,
was sie freiwillig gewählt hätten. Die Frau ist verletzt, psychisch und
geistig praktisch tot. Gewiss hat jede dieser Frauen eine andere Geschichte, die
hauptsächlich von Gewalt, Missbrauch, Misstrauen und geringer Selbstachtung
geprägt ist, wie auch aus Angst und eben, weil anderer Möglichkeiten fehlen.
Jede trägt tiefe Wunden in sich, die geheilt werden müssen. Was suchen sie?
Ein Verhältnis, Liebe, Sicherheit, Zuneigung, Bestätigung, eine bessere
Zukunft für sich selbst und für ihre Familien. Sie möchten der Armut und der
Unmöglichkeit, etwas fertig zu bringen, entgehen, und sich eine Zukunft
schaffen.
5. Wer ist der “Kunde“?
Auch
er hat tief verwurzelte Probleme, denn in gewissem Sinn ist auch er Sklave. Ein
Großteil von diesen Männern hat die 40. überschritten, doch jetzt steigt auch
die Zahl der Jugendlichen zwischen 16 und 24 Jahren. Aus den Analysen geht ganz
klar hervor, dass eine immer größere Zahl der Männer die Prostituierten
aufsuchen, mehr um sie zu beherrschen als um der sexuellen Befriedigung wegen.
Denn in den normalen sozialen und persönlichen Verhältnissen erfahren sie in
der Tat, dass ihre Macht und Männlichkeit geringer werden, und es gelingt ihnen
nicht, ein Verhältnis aufzubauen, welches auf Gegenseitigkeit und auf Achtung
basiert. Diese Männer suchen die Straßenmädchen auf, denn hier können sie
eine Frau für eine gewisse Zeit vollkommen beherrschen und kontrollieren.
Der
“Kunde“ muss mehr als nur eine soziale Verurteilung bekommen, er muss sich
voll und ganz der Strenge des Gesetzes stellen. Doch auch ihm soll geholfen
werden seine tiefliegenden Probleme zu lösen und andere Wege zu finden, um
seine persönlichen Dinge in die Hand zu nehmen. Sex kaufen bei einer
Prostituierten ist nicht der richtige Weg, Probleme, die aus dem Alleinsein, der
Frustration oder dem Fehlen authentischer Verbindungen entstehen, zu lösen.
6. Das Verhältnis zwischen Männer und Frauen
Männer
und Frauen stehen nicht in einem gleichen Verhältnis, denn die Gewalt oder die
Gewaltandrohung gibt dem Mann das Privileg und die Macht, durch welche die
Frauen zum Schweigen gebracht werden und ein passives Verhalten einnehmen.
Frauen und Kinder werden oft durch die Gewalt, die sie zuhause seitens der männlichen
Mitglieder der Familie erleiden müssen, auf die Straße getrieben. Die Männer
haben diese Gewalt vollkommen “verinnerlicht“, weil sie ihnen durch die
Ideologie und das Vorhandensein in den sozialen Strukturen praktisch eingeimpft
wurde. Es ist traurig, eingestehen zu müssen, dass manchmal auch Frauen an der
Unterdrückung anderer Frauen und der Gewaltanwendung an ihnen teilhaben, ja
einige werden sogar öfter in den kriminellen Netzverbindungen entdeckt, die mit
dem Ansteigen der Prostitution in Verbindung stehen.
Die Aufgabe der Kirche
7. Die
Kirche hat eine pastorale Verantwortung, um die Würde des durch die
Prostitution ausgenutzten Menschen wieder herzustellen und für seine Befreiung
einzutreten, und auch zu diesem Zweck eine wirtschaftliche, erzieherische und
bildenden Unterstützung zu geben. Die Kirche muss die Verteidigung der
legitimen Rechte der Frauen übernehmen.
8. Außerdem muss die Kirche sich einsetzen, um die pastoralen Bedürfnisse der
Straßenmädchen zu gewährleisten, und prophetisch die Ungerechtigkeiten und
die anhaltende Gewalt ihnen gegenüber, überall, und bei jeder Gelegenheit, wo
sie geschieht, anprangern. Weiter muss die Kirche alle Männer und Frauen guten
Willens dazu aufrufen, sich für die Erhaltung der Menschenwürde einzusetzen,
und der sexuellen Ausnützung eine Ende zu machen.
9. Eine erneute Solidarität in der Kirche und unter
den religiösen Kongregationen, den Laien-Bewegungen, den Institutionen und den
Assoziationen ist notwendig, um eine größere “Sichtbarkeit“ und
Aufmerksamkeit für die Seelsorge der durch die Prostitution ausgenutzten Frauen
zu gewährleisten, ohne die Frohe Botschaft der vollkommenen Befreiung in Jesus
Christus zu vergessen.
10. Im Laufe der Jahrhunderte haben die
religiösen Kongregationen, besonders die weiblichen, sich der Bedürfnisse der
Frauen angenommen. Sie haben ständig mit Aufmerksamkeit die Zeichen der Zeit
beobachtet, und die Vorzüglichkeiten und Besonderheit ihres Charismas in vielen
neuen sozialen Zusammenhängen entdeckt. Die Ordensfrauen in der Welt suchen in
gläubiger Meditation des Wortes Gottes und der Soziallehre der Kirche nach
neuen Arten, um ein prophetisches Zeugnis für die Würde der Frau zu geben. Sie
tun dies indem sie den Straßenmädchen ein weit gefächertes Netz von Diensten
in “draußen gelegenen Einrichtungen“ anbieten, in Aufnahmezentren, in
sicheren Unterkünften und Wohnungen, und Ausbildungs- und Erziehungsprogramme
verwirklichen. Mitglieder der kontemplativen Orden zeigen ihre Solidarität und
Unterstützung durch ihr Gebet und wenn möglich auch durch finanzielle Hilfe.
11. Programme
der Fortbildung für Pastoral-Mitarbeiter sind notwendig, um Kompetenzen und Strategien
zu entwickeln, und so die Prostitution und den Menschenhandel zu bekämpfen. Das
sind wichtige Wege, um Priester, Ordensleute und Laien einzusetzen, um
vorzubeugen und sich für die Reintegration der Opfer einzusetzen. Die
Zusammenarbeit und die Informationen zwischen den Kirchen des Herkunftslandes
und des Landes, für das sie bestimmt sind, werden als äußerst wichtig
betrachtet.
ALLGEMEINE VORSCHLÄGE
12. Der Einsatz der Kirche zur Befreiung der Straßenmädchen
Man muss die Prostitution in einer vielfältigen Dimension angehen. Eine
Umwandlung sei es der Männer wie der Frauen muss in einer Gegenseitig erfolgen,
und die Menschenrechte müssen den Mittelpunkt jeder Strategie bilden. Alle
Christen sind zur Solidarität mit den Frauen aufgerufen, die praktisch
Gefangene der Straße sind. In jedem Fall fällt den Männern eine wichtige
Rolle zu, denn sie müssen dabei helfen, eine Gleichstellung der Geschlechter im
Kontext der Gegenseitigkeit und der rechten Unterschiede zu erreichen. Die
Ausbeuter (meistens Männer), “Kunden“, Schlepper, Sex-Touristen, usw., müssen
umerzogen werden hinsichtlich der Skala der menschlichen Werte, wie der
Menschenrechte. Sie müssen auch von der Kirche, wie auch vom Staat eine klare
Verurteilung ihrer Sünde und der Ungerechtigkeit, die sie begehen, hören.
13. Die Rolle der Bischofskonferenzen
Die Bischofskonferenzen, die sich in einem Staat befinden, der von der
Prostitution, Frucht des Menschenhandels betroffen ist, müssen ihre
Verantwortung übernehmen und diese soziale Plage anzeigen. Andererseits ist es
aber auch notwendig, Achtung, Verständnis und Mitleid zu fördern, und sich
eines Urteils über die Frauen, die in das Netz der Prostitution gefallen sind,
zu enthalten.
Priester und Mitarbeiter in der Seelsorge müssen ermutigt werden, diese
Versklavung aus pastoraler Sicht anzugehen.
14. Die Rolle der religiösen Kongregationen.
Die religiösen Kongregationen werden versuchen
ihre Überzeugungskraft zu nutzen und die Kräfte zu vereinen, um zu
informieren, zu erziehen und zu handeln. Sie werden den Hauptakzent auf den Wert
der gegenseitigen Achtung, der gesunden Familienverhältnisse, der Gemeinde
legen, und auch der Notwendigkeit einer Ausgeglichenheit und Harmonie in den
persönlichen Verhältnissen zwischen Männer und Frauen. Es ist dringend
notwendig, dass die verschiedenen Projekte, die von den religiösen
Kongregationen gefördert werden, um den Frauen, Gefangene der
Prostitution, zur Rückführung in ihre Heimat und bei der sozialen Integration
zu helfen, auch eine angemessene finanzielle Unterstützung erhalten. Zu diesem
Zweck empfiehlt man Begegnungen der religiösen Assoziationen, die sich in den
verschiedenen Teile der Welt für die Erreichung dieses Zieles einsetzen.
Das Miteinbeziehen und die Unterstützung des Klerus sind ebenfalls wichtig,
einmal für die Bildung der Jugendlichen, besonders der männlichen, wie auch für
die Rehabilitation der “Kunden“ des Sexmarktes, und nicht nur das.
15. Zusammenarbeit
a) Eine volle Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Büros ist
notwendig, will man die sexuelle Ausbeutung ausrotten.
b) Ebenfalls ist es wichtig, mit den Kommunikationsmitteln zusammen zu arbeiten, um
eine korrekte Information über dieses Problem sicher zu stellen.
c) Die Kirche muss die Anwendung der Gesetze fordern, welche die Frauen vor der
Plage der Prostitution und des Menschenhandels schützen. Weiter ist es wichtig,
sich dafür einzusetzen, dass wirksame Verordnungen herauskommen gegen die demütigende
Darstellung der Frau in der Werbung.
d) Die christliche Gemeinde muss dazu angeregt werden, mit den nationalen und
lokalen Behörden zusammen zu arbeiten, um den Straßenmädchen zu helfen andere
Ressourcen des Lebens zu finden.
16. Verbindung mit den Opfern und den “Kunden“
a) Für die Opfer ist das Heilverfahren langwierig. Den Straßenmädchen muss
geholfen werden eine Wohnung zu finden, eine familiäre Umgebung, eine Gemeinde
in der sie sich angenommen und geliebt fühlen und wo sie anfangen können, sich
ein neues Leben und eine Zukunft aufzubauen. So können sie wieder Achtung und
Vertrauen in sich selbst gewinnen und die Freude am Leben, einem neuen Leben
ohne dass man mit dem Finger auf sie zeigt.
b) Befreiung und Reintegration brauchen Annahme und Verständnis seitens der
Gemeinde. Der Weg der Heilung muss von einer echten Liebe und dem Anbieten
verschiedener Möglichkeiten begleitet werden, die den jungen Frauen, auf der
Suche nach Sicherheit, Bestätigung und Gelegenheiten für ein besseres Leben
helfen können, ihre inneren Wünsche zu erfüllen. Der Schatz des Glaubens
(vgl. Mt 6,21), wenn er trotz allem lebendig ist oder wiederentdeckt
wird, wird ihnen enorme Hilfe sein, wie auch die Gewissheit der barmherzigen und
großen Liebe Gottes.
c) Die “Kunden“ hingegen brauchen Information und Bildung was das Geschlecht,
die Achtung, die Würde, die zwischenmenschlichen Werte und den vollen Bereich
der Verhältnisse und der Sexualität angeht. In einer Gesellschaft, in der Geld
und Wohlstand die dominierenden Werte sind, sind geeignete Beziehungen und eine
sexuelle Erziehung notwendig für die ganzheitliche Bildung der verschiedenen
Personengruppen. Diese Art von Erziehung kann die echte Natur der
zwischenmenschlichen Beziehungen ergründen, die nicht auf egoistischem
Interesse oder der Ausbeutung basieren, sondern auf der Würde der Person, die doch
als Geschenk Gottes geachtet und geschätzt sein müsste. In diesem Zusammenhang
werden auch die Gläubigen daran erinnert, dass die Sünde eine Beleidigung des
Herrn ist, die mit den eigenen Kräfter und mit der Gnade Gottes gemieden werden
sollte.
17. Erziehung und Nachforschung
a) Mit Blick auf diese Zielgruppe ist es wichtig, das Problem der Prostitution
anzugehen ohne
die christliche Sicht des Lebens zu vernachlässigen: mit Jugendgruppen in den
Schulen, Pfarreien, Familien, um so zu einem korrekten Urteil zu kommen, was die
menschlichen Beziehungen, Geschlecht, Achtung, Würde, Menschenrechte und
Sexualität betrifft. Die Erzieher und Ausbilder müssen natürlich dem
kulturellen Kontext, in dem sie arbeiten Rechnung tragen, sie werden aber nicht
erlauben, dass ein Gefühl der Verlegenheit es ihnen verhindert sich in einem
geeigneten Dialog über dieses Argument zu engagieren und ein Bewusstsein wie
auch eine Besorgnis zu schaffen über den Gebrauch und Missbrauch von Sex und
Liebe.
b) Die Verbindung zwischen Gewalt und patriarchalischer Gesellschaft, und die
Wirkung beider auf die Frauen müssen berücksichtigt und auf jeder Stufe der
Gesellschaft studiert werden, mit besonderem Blick auf ihre Einwirkung auf das
Familienleben. Die praktischen Folgen der “verinnerlichten“ Gewalt müssen
klar herausgestellt werden, und dies gilt sowohl für die Männer, wie für die
Frauen.
c) Das komplexe Phänomen des Aspektes der weiblichen Migration muss so untersucht
werden, dass die Würde und die Rechte der Frauen respektiert werden.
d) Erziehung und bewusstes Wachstum sind lebenswichtig, um die Ungerechtigkeiten in
dem Verhältnis zwischen den Geschlechtern anzugehen und eine Gleichheit
zwischen ihnen zu schaffen in einem Kontext der Gegenseitigkeit unter Beachtung
der rechten Unterschiede. Die Frauen wie die Männer müssen deshalb:
- sich bewusst sein, wie die Frauen ausgenutzt werden, und
- ihre persönlichen Rechte und Verantwortung kennen.
e) Die Männer brauchen in besonderer Weise Initiativen, die folgendes berücksichtigen:
- Gewalt gegen Frauen, Sexualität, HIV/AIDS, Vaterschaft und Familie;
- Achtung und Aufmerksamkeit für Frauen und Mädchen, in einer
Gegenseitigkeit des Verhältnisses, und
- Überprüfung und Kritik der traditionellen Normen, die an die “Männlichkeit“
gebunden sind.
f) Die Kirche muss ihre Moral- und Soziallehre verbreiten, die klare
Verhaltenslinien bieten, und einladen, für die Gerechtigkeit zu kämpfen. Sich
auf verschiedenen Ebenen für die Befreiung der Straßenmädchen einsetzen
– auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene – ist eine Tat wahrer
christlicher Nachfolge, ein Ausdruck authentischer christlicher Liebe (vgl. 1
Kor 13,3).
g) Es ist unbedingt notwendig, das christliche und soziale Bewusstsein der Menschen
zu entfalten durch die Verkündigung des Evangeliums des Heils, durch die
Unterrichtung und durch verschiedene fortbildende Initiativen.
h) Eine Ausbildung der Seminaristen, der jungen Ordensleute und der Priester ist
notwendig, damit sie die Fähigkeit und das notwendige Verhalten haben, um mit
Einfühlungsvermögen auch mit den Frauen, die Gefangene der Prostitution sind,
und mit ihren “Kunden“ zu arbeiten.
18) Dienstleitungen
a) Die Kirche kann den Opfern der Prostitution eine Vielfalt von Diensten anbieten: Unterkunft,
Orientierungspunkte, ärztliche Betreuung, Nottelefone, rechtlichen Beistand,
Beratungsstellen, Ausbildung ihrer Neigung, Erziehung, Rehabilitation,
Verteidigung durch Informations-Kampagne, Schutz vor Drohungen, Verbindung mit
der Familie, Beistand bei der freiwilligen Rückkehr und Wiedereinfügung in das
Heimatland, Hilfe bei der Aufenthaltsgenehmigung, wenn die Rückkehr unmöglich
ist. In jedem Fall ist die Hinführung zu Jesus Christus, der Gute Samariter und
Retter, ein wichtiger Faktor der Befreiung und der Erlösung, auch für die
Opfer der Prostitution (vgl. Apg 2,21; 4,12; Mk 16,16; Röm 10,9; Phil
2,11 und 1Thess 1,9-10).
b) Diejenigen, die direkt mit den Frauen arbeiten, die Opfer des Menschenhandels
zum Zweck der Prostitution waren, brauchen eine spezielle Ausbildung, um sie in
der rechten Weise zu behandeln ohne sie in Gefahr zu bringen.
c) Sich den Frauen und Mädchen der Straße nähern, ist ein komplexes und
anspruchsvolles Unternehmen. In den Herkunfts-, den Durchgangs- und den Zielländern
der Frauen, sollten Aktivitäten gestartet werden, die auf die Vorbeugung, die
Bewusstseinsreife dem Problem gegenüber hinzielen. Reintegrations-Initiativen
sind hingegen erforderlich bei einer Rückkehr in die Herkunftsländer, wenn sie
es wollen. Von Wichtigkeit sind Schutz und Information, wie auch ein
“Verbindungsnetz“.
d) Die rechtlichen Aspekte der Prostitution und des Menschenhandels – Verbot,
Regulierung und Abschaffung – sollen in jedem Land respektiert werden. Man
solle sich an den Beispielen einer guten Praxis inspirieren (z.B. an Schweden).
e) Vielschichtige, kirchliche Projekte würden sichtbare Zeichen des Interessens
und des Einsatzes auf Diözesan- und Pfarrei-Ebene darstellen.
ABSCHLIESSENDE EMPFEHLUNGEN
Für die Bischöfe
19. Bei den visite ad limina sollten die Themen behandelt werden, die die
sexuelle Ausbeutung, das Schlepperhandwerk und den Menschenhandel betreffen.
20. Den Bischöfen wird vorgeschlagen, in ihren Hirtenbriefen zur Förderung und zum
Schutz der Würde der Frauen und der Minderjährigen zu ermutigen.
Für die Ortsgemeinden
21. Es werden Schulen und Pfarreien benötigt, die Erziehungsprogramme anbieten und
das Bewusstsein hinsichtlich der Sexualität, des gegenseitigen Respekts und der
gesunden zwischenmenschliche Beziehungen, besonders zwischen Mann und Frau im
Licht des Wortes Gottes und der Morallehre der Kirche vertiefen.
22. Bildungsprogramme und berufliche Ausbildung für Mitarbeiter in der Seelsorge
sollten festgelegt werden, sie sollen Teil der Vorbereitung für ihr Amt sein.
23. Es ist notwendig, zwischen allen Gruppen, die in diesem Pastoralgebiet engagiert
sind, Freiwillige, Assoziationen, religiöse Kongregationen, nicht-governative
Organisationen, ökumenische und interreligiöse Gruppen, usw., ein
“Verbindungsnetz“ zu schaffen und zu verstärken.
Für die religiösen Kongregationen/ den Diözesan-Klerus/ die nationalen
Konferenzen von Ordenmännern und Ordensfrauen.
24. In den Seminaren und in den Anfangs- und Fortbildungskursen, den religiösen Männer-
und Frauen-Kongregationen sollten Bildungsprogramme eingefügt
werden, die helfen, sich bewusst zu werden, was sexuelle Ausbeutung der Frauen
und Minderjährigen bedeutet.
25. Die nationalen Konferenzen der Ordensleute werden ermutigt, für diesen
Pastoralsektor eine Person zu benennen, die als Verbindungsglied eines
“Netzes“, was innerhalb und außerhalb des eigenen Landes arbeitet,
fungiert.
Für die Gesellschaft im allgemeinen
26. Die sexuelle Ausbeutung der Frauen und der Minderjährigen ist eine
Angelegenheit, welche die ganze Gesellschaft betrifft, und nicht nur die Frauen.
27. Es ist unumgänglich, die Aufmerksamkeit auf den “Kunden“ zu lenken, ist er
doch eines der Elemente des “Konsumsystems“, was an der Basis des Sexhandels
steht.
28. Wichtig ist der Gebrauch einer passenden Sprache und Terminologie, wenn man sich
auf das Phänomen der sexuellen Ausbeutung und der Prostitution bezieht.
29. Die Gesellschaft hat die Pflicht, Alternativ-Ressourcen für den Unterhalt
derjenigen anzubieten, die versuchen, die “Straße zu verlassen“ .
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