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 Pontifical Council for the Pastoral Care of Migrants and Itinerant People

People on the Move

N° 107 (Suppl.), August 2008

 

 

Schlussdokument 

I.  Das Ereignis

Vom 10. bis 13. September 2007 hat in Lourdes (Frankreich) der 5. Europakongress der Wallfahrtsseelsorge stattgefunden, zu dem regelmäßig die Wallfahrtsleiter und Rektoren der Wallfahrtsorte aus Europa zusammenkommen. Bei dem Kongress waren folgende 19 Länder vertreten: Andorra, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Litauen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweiz, Spanien, Tschechische Republik, Ukraine und Ungarn. Der Kongress wurde vom Päpstlichen Rat der Seelsorge für Migranten und Menschen unterwegs in Zusammenarbeit mit dem Heiligtum Unserer Lieben Frau von Lourdes organisiert und hatte folgendes Thema: Wallfahrten und Wallfahrtsorte, Wege des Friedens, Orte der Barmherzigkeit. Mit dem Thema wollte man die Einladung aufgreifen, für die Sünder zu beten, welche die Unbefleckte Jungfrau bei ihren Erscheinungen in Lourdes aussprach, und zugleich die Botschaft des Heiligen Vaters zum Weltfriedenstag 2007 aufnehmen, der das Thema Der Mensch – Herz des Friedens zum Mittelpunkt hatte. Benedikt XVI. unterstrich darin, dass man in der heutigen Gesellschaft, in der die Menschenrechte ständigen Angriffen ausgesetzt sind (vgl. Nr. 12) und viele Formen der Gewalt eine Spirale der Rache bewirken, ein immer stärkeres Bedürfnis nach Frieden spürt. Frieden kann nur aus Versöhnung erwachsen und Vergebung nur aus Barmherzigkeit - Barmherzigkeit, die man von Gott erbittet und den Brüdern schenkt: “Vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat” (Eph 4, 32).

Der Kongress hatte zum Ziel, die Wallfahrtsleiter und Rektoren der Wallfahrtsorte zu ermutigen, gemeinsam nach Wegen und Mitteln zu suchen, wie diese Dynamik der Barmherzigkeit, die aus dem Glauben kommt, aber auch eine Forderung der Vernunft ist, gefördert und verstärkt werden kann. 

Die Kongressarbeiten waren so formuliert und programmiert, dass die Themen der Gerechtigkeit, der Solidarität, der Wahrheit und der Freiheit, welche die vier Säulen sind, auf denen das Gebäude des Friedens ruht, umfassend und kraftvoll zu Wort kamen. Außerdem wollte man neue Motivationshilfen bieten, wie der Wunsch der Gläubigen gefördert werden kann, dem Antlitz Gottes zu begegnen, und wie die tiefe Beziehung zwischen Gläubigen und dem Heiligen durch Sammlung und Stille neu entdeckt und besser zur Geltung gebracht werden kann.

Zu Beginn der Eröffnungsfeier des Kongresses wurde die Botschaft verlesen, mit der der Heilige Vater den Teilnehmern seinen Segen und seine Glückwünsche sandte. In der Botschaft, die von Kardinal Tarcisio Bertone unterzeichnet war, sprach der Papst den Wunsch aus, dass die Begegnung zu einer immer lebendigeren Betrachtung Christi, des Wortes Gottes, beitrage, um ein wachsendes großmütiges evangelisches Zeugnis zu fördern.

Der Bürgermeister von Lourdes, Jean-Pierre Artiganave, lud in seinem Grußwort die Anwesenden ein, ihren Blick auf die wachsende Entwicklung des Wallfahrtswesens zu einer besseren Organisation zu richten.

Im Anschluss hat S.E. Kardinal Renato Raffaele Martino, Präsident des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, die Teilnehmer in die Kongressarbeiten eingeführt, wobei er zwei Grundzüge des europäischen Kontinents in den Blick nahm: die gemeinsamen christlichen Wurzeln und die wachsende Mobilität der Personen und Ideen. Die Kirche muss die Fähigkeit haben, sagte er, diese beiden Grundzüge zu interpretieren, indem sie Geschwisterlichkeit und Solidarität fördert.

Darauf hat der Kardinal die 150-Jahrfeier der Erscheinungen der Jungfrau Maria in Lourdes, welche am kommenden 8. Dezember beginnt, zum Anlass genommen, um hervorzuheben, wie wichtig es ist, vom Vater ein kindliches Herz zu erbitten, welches die Fähigkeit zur Aufnahme der Frohbotschaft und zu Umkehrbereitschaft bewahrt, was die wichtigste Gnade jeder Wallfahrt ist. Auch das diesjährige pastorale Thema der Heiligtümer von Lourdes lädt in diesem Sinn ein: “Lasst euch mit Gott versöhnen”. Vor diesem Hintergrund muss der geistliche Weg der Wallfahrt für alle zu einer Erfahrung der Liebe und besonders der Vergebung Christi werden. Deswegen ist es wichtig, den Pilgern zu helfen, die richtige Sammlung zu finden, damit sie in Stille und Gemeinschaft miteinander Gott entdecken, der ihren Herzen den Frieden lehrt, nach dem Beispiel des heiligen Franziskus von Assisi, der sich von der Erfahrung des Gottes der Liebe leiten ließ und zu einem Mann des Friedens, der Toleranz und des Dialogs wurde.

In einer Welt, - sagte Kardinal Martino weiter –, in der Krankheit und Schwäche von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, sollen die Wallfahrtsleiter und Rektoren der Wallfahrtsorte zeigen, dass das Herz Gottes vor allen Dingen Barmherzigkeit ist. Doch die Ausübung dieser Barmherzigkeit muss über die Grenzen der geistlichen Werkstätten, welche Wallfahrtsorte und Wallfahrten sind, hinausgehen, damit die Würde eines jeden Menschen im Mittelpunkt unserer Sorgen steht, wie alle Probleme der heutigen Gesellschaft.

Anschließend hat der Bischof von Lourdes, Msgr. Jacques Perrier, die Teilnehmer begrüßt. Seine Ansprache hatte die bevorstehende 150-Jahrfeier der Erscheinungen der Gottesmutter zum Mittelpunkt, auf die sich das Heiligtum vorbereitet. Das Jubeljahr wird 2008 in Lourdes begangen. Ein Jubeljahr ist nach der Bibel ein „Jahr der Gnade“, der Freude, der Befreiung und des Neubeginns. Die Kirche hat diese biblische Tradition fortgeführt und die Päpste haben regelmäßig Heilige Jahre, aber auch außerordentliche Jubeljahre, ausgerufen. Die Erscheinungen in Lourdes erfolgten 1858, das ein außerordentliches Jubeljahr war. Die Erscheinungen bewirkten, was sich der Papst und der Bischof von damals von diesem Ereignis erhofften: Katechese, Gebet und Buße. Obwohl sich die junge Bernadette weder guter Gesundheit noch materiellen Wohlstands erfreute, verströmte sie Freude und Fröhlichkeit. Seitdem erfüllt sich in Lourdes gewissermaßen die Gnade des Jubiläums: “Den Armen wird eine gute Nachricht gebracht,… den Gefangenen die Entlassung verkündet und den Blinden das Augenlicht” (Lk 4,18-19). Lourdes ist ein “ständiges Jubeljahr”.

Das Thema Wallfahrten und Wallfahrtsorte, Orte der Barmherzigkeit wurde eingangs von dem Theologen, Herrn Professor José da Silva Lima von der Katholischen Universität Portugals mit Sitz in Braga, erläutert. Er erklärte, dass Gnade demjenigen zuteil wird, der an einen Wallfahrtsort kommt und sich von Gott überraschen lässt wie Zacharias, der ins “Heiligtum” trat und auf die Stimme der Verheißung hörte. Des weiteren führte der Referent aus, dass im Evangelium das Heiligtum nicht nur in Jerusalem ist, sondern auch in Nazareth, weil Maria voll der Gnade ist und das Wort durch sie Fleisch geworden ist. Seitdem sich dann Maria auf den Weg gemacht hat, wohnt die endgültige Liebe, also die Barmherzigkeit, nicht mehr nur in Nazareth, also an einem einzigen Ort, sondern bei der ganzen Menschheit.

Barmherzigkeit – so der Sprecher weiter – hat keine Heimat, sondern ist überall gegenwärtig; sie hat kein Heim, sondern ist in den Heimen all jener anwesend, die auf das Wort hören und „das Heil einlassen“. Barmherzigkeit ist für immer und für alle Klassen der Gesellschaft. Sie schließt niemanden aus, ist jedoch ganz besonders für die Ärmsten und Bedrücktesten da. Zum Schluss betonte Prof. da Silva, dass Barmherzigkeit nur der erfährt, der innig liebt, zuhört, das Sterben eines Unschuldigen beweint, sein vergossenes Blut trocknet und zum Grab eilt, um den Wohlgeruch der Auferstehung zu atmen.

Darauf war Prof. Jean-Yves Baziou aus der Katholischen Universität von Lille (Frankreich) an der Reihe. Er sprach zum Thema Wallfahrten und Wallfahrtsorte, Wege des Friedens. Nach der Bibel ist Frieden eine Qualität und ein Zweck des Menschen und auch eine Bedingung, damit der Mensch in Einheit mit Achtung vor Unterschieden leben kann. In diesem Sinn hatte die Wallfahrt nach Jerusalem zum Zweck, die Einheit des Volkes Israel und später der Stämme zu wahren, indem sie zu einem Weg gegenseitiger Anerkennung wurde. Jesus präsentierte sich als Friedensbringer und setzte der Gewalt seine Sanftmut entgegen. Mit ihm wird das Heiligtum, in dem Gott wohnt, das Volk Gottes, d.h. eine in Frieden versöhnte Menschheit.                

Gestern wie heute brechen Pilger von ihren Heimatorten auf, um inneren Frieden zu finden und Geschwisterlichkeit zu erleben. An Wallfahrtsorten knüpfen sie, außer christlichen, neue tiefreichende, menschliche Beziehungen an, die ihnen ein neues menschliches Zusammengehörigkeitsgefühl vermitteln. Wallfahrtsorte deuten und nehmen auch den Frieden vorweg, der uns im Jenseits erwartet. Sie sind Orte der Freude in einer häufig von Konflikten gekennzeichneten Welt und fördern das Bewusstsein für die Einheit und Universalität der Kirche. Wallfahrten und Wallfahrtsorte tragen auf drei Ebenen zum Frieden bei: zum Frieden mit sich selbst, zum Frieden mit den anderen, zum Frieden mit Gott.

Darauf wurde den Teilnehmern die Möglichkeit gegeben, den Referenten Fragen zu stellen und sich in Gruppenarbeiten mit den behandelten Themen zu befassen. In die Gruppenarbeiten, welche insgesamt drei Mal stattfanden, führte von Mal zu Mal der Rektor von Lourdes, Pater Raymond Zambelli, ein.

Bei der ersten Podiumsdiskussion, die von P. Francis Goossens, S.M., dem Beauftragten der Wallfahrtsseelsorge in Belgien, moderiert wurde, wurde diskutiert, wie die Gläubigen bei Wallfahrten bestmöglich auf das Sakrament der Buße bzw. der Versöhnung vorbereitet werden können. Zu dem Thema haben folgende vier Sprecher aus Frankreich, Portugal, der romanischen Schweiz und der Ukraine Stellung genommen:

P. Michel Bravais, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Wallfahrtsleiter der französischen Diözesen, erklärte, dass Wallfahrten, als Weg der Umkehr und der Vorbereitung auf das Sakrament der Buße bzw. Versöhnung, eine Einweihung in das christliche Leben sind. Darauf aufbauend hat er einige Aspekte dieser Einweihung illustriert. Dazu ist notwendig, dass man bereit ist, aufzubrechen, um sich auf die Suche nach dem Wesentlichen zu machen, dass man weiter den Anderen akzeptiert und zur Begegnung mit anderen Kulturen und Religionen bereit ist, ja selbst Liebe zu seinen Feinden hat. Was den Gläubigen aber letztendlich ermöglicht, sich zu Gott zu bekehren, ist das Hören der Heiligen Schrift, wie schon das Zweite Ökumenische Vatikanische Konzil erklärt hat. Die Feiern bei einer Wallfahrt ermöglichen schließlich den Gläubigen, Christus zu entdecken.

P. Virgilio do Nascimento Antunes, Direktor des Pilgerdienstes im Heiligtum Unserer Lieben Frau von Fatima (Portugal), hat darauf hingewiesen, dass ein Wallfahrtsort die Pilger zur Versöhnung befähigt, wenn er ihnen im Kontext der Verkündigung des Evangeliums und der Feier der Liturgie die Aufforderung der Gottesmutter zur Bekehrung wiederholt. Als Orte, an denen zahlreiche Einkehrtage, katechetische und theologische Bildungsmaßnahmen sowie individuelle, Familien- und Gruppenwallfahrten stattfinden, erlangen alle Aktivitäten, die an Wallfahrtsorten durchgeführt werden, eine versöhnende Dimension. Die Pastoral der Versöhnung gipfelt in dem Sakrament der Buße, in dem sich die Kraft der Versöhnung der Kirche äußert. Ein Wallfahrtsort ist ein bevorzugter Ort des liturgischen und persönlichen Gebets und fördert deswegen die Gemeinschaft mit Gott, welche die Quelle aller Umkehr und Versöhnung ist. Das Bußopfer für die eigenen Sünden und die der Brüder ist ein zentraler Aspekt der Botschaft von Fatima. Die Bußen, welche sich die Gläubigen selbst auferlegen, wie z.B. die langen Wanderungen zu Fuß oder die kleinen täglichen Opfer für die “armen Sünder”, verleihen der Wallfahrt insgesamt einen Charakter der Buße. Ein Wallfahrtsort ist ein Ort der Bekenntnis des katholischen Glaubens. Das bedeutet, dass dort der Mensch als Kind Gottes anerkannt wird und der Mensch die Heiligkeit Gottes anerkennt.

Der hochw. Kan. Michel-Ambrose Rey aus der Abtei des hl. Mauritius, Beauftragter für Tourismus- und Freizeitseelsorge in der romanischen Schweiz, hat gesagt, dass in seiner Abtei stets ein Priester zum Beichtstuhl gerufen werden kann, wie das in vielen Klöstern der Kapuziner Brauch ist. Außerdem steht eine bestimmte Anzahl von Priestern für Bußfeiern mit individueller Absolution zur Verfügung. Die ganzjährige Wallfahrt zum Heiligtum Notre-Dame du Scex, ca. 20 Fußminuten vom Kloster entfernt, bietet eine besondere Gelegenheit, das Sakrament der Versöhnung zu feiern. In den romanischen Diözesen werden Bergwallfahrten zum Großen St. Bernhard, Einkehrtage auf dem Berg, Wanderwochen und geistliche Wochen organisiert, die von den Kanonikern des Großen St. Bernhard, von den Jesuiten und von Gruppen wie “Eucharistein”, “Béatitudes” und “Verbe de Vie” durchgeführt werden. Auch dies sind Gelegenheiten, bei denen die Jünger Christi im bezaubernden Bergpanorama das Bußsakrament empfangen können. Zu den Heiligtümern von Notre-Dame des Marches, Bourguillon und Vorbourg strömen ebenfalls immer zahlreiche Bußfertige, wo sie sich im Geist der Wallfahrt untereinander und mit dem Herrn versöhnen können.

Der hochw. P. Roman Dutchak, Delegat der Eparchie von Ternopil-Zboriv (Ukraine), hat einen kurzen historischen Rückblick auf das Heiligtum von Zarvanyzia ausgehend vom 12. Jahrhundert gegeben und sich dann näher mit seiner Entwicklung in den Jahren von 1990 bis 1996 befasst. Im Anschluss hat er erläutert, wie die Gläubigen auf die Wallfahrt und das Sakrament der Buße vorbereitet werden. Des weiteren hat er geschildert, wie die Kirche in der Ukraine aus den “Katakomben” herausgekommen ist und das zerstörte Heiligtum wieder aufgebaut hat. Im Jahr 2004 hat eine große ukrainisch-polnische Wallfahrt der Liebe und der Vergebung zum Heiligtum von Zarvanyzia stattgefunden, an der 200.000 Pilger aus den beiden benachbarten Ländern teilgenommen haben. Im Juli kommenden Jahres ist eine Wallfahrt für Familien aus der gesamten griechisch-katholischen Kirche der Ukraine geplant.

Bei der zweiten Podiumsdiskussion, die vom hochw. P. Sebastián Taltavull, Direktor des Sekretariats der Pastoralkommission der Spanischen Bischofskonferenz geleitet wurde, wurde diskutiert, welche seelsorglichen Ansätze an Wallfahrtsorten notwendig sind, um die Pilger zum Sakrament der Buße bzw. der Versöhnung einzuladen. Zu dem Thema haben drei Experten aus Österreich, Frankreich und Spanien Stellung genommen:

P. Robert Bösner, OSB, Sprecher des Österreichischen Arbeitskreises „Wallfahrtsseelsorge“, hat in seinem in drei Teile gegliederten Statement hervorgehoben, welche aktuelle Bedeutung die Unbefleckte Jungfrau und Muttergottes Maria im Kontext dieser zweiten Podiumsdiskussion hat. Diese Bedeutung zeigt sich besonders an der Botschaft von Fatima, die ein Ansporn ist, in der Kirche eine Haltung der Reue und der Buße zu entfalten und mit stärkerer Stimme dazu einzuladen, nicht mehr zu sündigen und sich zu bekehren. Die Anrufung zur Vergebung der Sünden: “O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen”, die Maria selbst formuliert hat und die wir nach jedem Gesätzchen des Rosenkranzgebets sprechen, ist ebenfalls eine große Hilfe, im Geist der Buße und der Bekehrung im Glauben zu wachsen. Zum Schluss hat P. Bösner eine Reihe von praktischen Anregungen vorgetragen, welche die österreichischen Wallfahrtspfarrer ihm für den Kongress mitgegeben haben.

Msgr. Patrick Jacquin, Rektor und Domdekan von Notre-Dame de Paris sowie Vorsitzender  der Arbeitsgemeinschaft der Wallfahrtspfarrer von Frankreich (ARS), hat hervorgehoben, wie wichtig es ist, dass in Frankreich den Pilgern 140 Wallfahrtsorte zur Verfügung stehen. Die Atmosphäre, die an diesen Orten herrscht, die Spuren der Heiligenleben, die Reliquien, die Gegenwart Mariens und ihre mütterliche Zuwendung lassen aus allen Besuchern Pilger werden und tragen dazu bei, dass sie sich als solche auf den Weg der Heiligkeit, der Bekehrung und der Heilung machen. Auch Personen, die sich gewöhnlich von den Sakramenten fernhalten, gehen an Wallfahrtsorten wieder zur Messe und zur Beichte. Junge Menschen entdecken lebendige Feiern, Riten und Brauchtümer wieder, die sie zum Glauben hinführen. In den letzten Jahren ist die Zahl der Besucher von Wallfahrtsorten um eine Million gewachsen, so dass sie heute frankreichweit die stattliche Zahl von 43 Millionen erreicht hat. Wallfahrtsorte sind einer der beiden Lungenflügel kirchlichen Lebens, den anderen bilden die Pfarreien. Besucher und Pilger, gleichermaßen vom Phänomen der menschlichen Mobilität betroffen, brauchen verlässliche Orte, die offen und gastfreundlich sind. Wallfahrtsorte sind wie ein gutes Menschenherz, voll Gnade, Liebe und Barmherzigkeit in Jesus Christus durch Maria.

P. Josep-Enric Parellada, OSB, Direktor der Abteilung für Tourismus-Seelsorge, Wallfahrtsorte und Wallfahrten bei der Pastoral Kommission der Spanischen Bischofskonferenz, betonte, dass Wallfahrtsorte seit jeher Orte sind, an denen der Mensch Gott begegnen kann. Dieses Erlebnis hilft dem Besucher und Pilger, auf sein vergangenes, gegenwärtiges und ganz besonders künftiges Leben aus der Perspektive Gottes zu blicken. Darin ist auch die Bedeutung der Bekehrung enthalten: lernen, nicht mehr mit den eigenen Augen zu sehen, sondern mit den Augen Gottes. Dazu ist zu sagen, dass an einem Wallfahrtsort nicht nur der Mensch Gott sucht, sondern Gott selbst zum Menschen spricht und ihm den Weg zu sich zeigt. Er selbst weist ihm den Weg zur Bekehrung, die durch die sakramentale Feier dieser Begegnung erfolgt. Diejenigen, die an Wallfahrtsorten die Pilger empfangen, müssen Formen und Haltungen finden, wie den Pilgern geholfen werden kann, den Weg zur Bekehrung zu finden. Das bedeutet, dass man imstande sein muss zu verstehen, zu erklären, miteinander zu sprechen und zu beten. P. Parellada betonte weiter die Bedeutung der Glaubenserfahrung, welche Pilger und Besucher an Wallfahrtsorten machen, und schilderte ihr Verhalten bzw. ihre Einstellung, wenn sie zur Beichte gehen. Das Ziel muss einmal mehr der Mensch sein, der Gott sucht, und entdeckt, dass Gott ihn erwartete, dass Gott selbst ein Pilger ist, der ihn Tag für Tag auf seinen Lebenswegen begleitet.

Das Programm sah auch drei Konferenzen mit Experten vor, welche das Kongressthema unter drei Gesichtspunkten, und zwar „Gerechtigkeit“, „Freiheit und Wahrheit“ sowie „Solidarität und Liebe“, beleuchteten. Als Moderator fungierte P. Caesar Atuire, Direktor des Römischen Pilgerwerks (Italien).

Msgr. Richard Mohan, Prior von St. Patrick’s Purgatory (Irland), wies darauf hin, dass die Päpste, besonders Johannes Paul II. und Benedikt XVI., seit jeher betonen, dass die zwei Grundwerte der Gerechtigkeit der Mensch und die Gemeinschaft sind. Vor diesem Hintergrund haben Wallfahrten und Wallfahrtsorte die Aufgabe, die Achtung vor dem Menschen zu fördern und zum Aufbau von Beziehungen beizutragen, die auf Gerechtigkeit und Solidarität gründen. Das Thema der Wüste ist grundlegend bei Wallfahrten und Einkehrtagen. In Lough Derg beim Heiligtum St. Patrick machen die Wallfahrer eine derartige Erfahrung: sie sind von der Welt abgeschnitten und dem Wetter ausgesetzt. So erleben sie Armut, Gleichheit, Hunger, Mühsal und Ohnmacht vor Mächten, über die sie keine Kontrolle haben. Das führt dazu, dass sie sich über Toleranz, Freiheit und Achtung für Andere befragen. Beim Sakrament der Versöhnung und bei der Eucharistie feiern sie ihre Geschwisterlichkeit in Christus und werden von der Frohbotschaft angesprochen. Diese Wallfahrt zum Heiligtum, das jeweils nur einige hundert Pilger beherbergen kann, ist eine intensive persönliche Erfahrung, die dazu führt, dass man mit neuer Kraft Christus folgt. Die Pilger gehen daraus geheilt und gestärkt hervor.

Msgr. Carlo Mazza, Direktor des Nationalbüros für Freizeit- Tourismus- und Wallfahrtsseelsorge (Italien), sagte, dass das Verhältnis zwischen Wallfahrten und Wallfahrtsorten ein sehr tiefes sei. Dieses Verhältnis sei mit der Zeit zu einem strukturellen Verhältnis geworden in dem Sinn, dass die beiden Dinge miteinander verschmolzen sind. Charakteristisches Kennzeichen dieses Verhältnisses ist ein Glaubensweg und eine “Glaubensgeschichte”, die sich auf den Spuren der großen “Heilsgeschichte” entfaltet. Aus dieser Perspektive wolle er in seinem Beitrag untersuchen, wie sich aus dem Zusammenspiel zwischen Wallfahrten und Wallfahrtsorten authentische “Wege des Friedens” entwickeln können, die zum Wohl des Menschen und der Beziehungen zwischen den Völkern, Volksgruppen, Kulturen und Religionen erprobt worden sind bzw. erprobt werden können.

In diesem konzeptionellen Bezugsrahmen erscheint der Gott der biblisch-christlichen Offenbarung als ein Gott, der sich dem Menschen auf seinem Pilgerweg auf Erden mitteilt, indem er ihm das wahre Antlitz von Freiheit und Wahrheit erschließt. Daraus erklärt sich die große Bedeutung der Erfahrung des “Unterwegsseins” in der Wahrheit Gottes, denn erst daraus versteht man in aller Tiefe die Wahrheit über den Menschen, gemäß dem Wort Jesu: “Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht” (Joh 3, 21). Der Gott der biblisch-christlichen Offenbarung offenbart sich zudem als absolute und bedingungslose Freiheit, im Unterschied zum Menschen, der zeitlebens von scheinbar unüberwindlichen Drangsalen gequält wird. Während deswegen Gott gemäß seinem tiefsten Sein frei ist, ist der Menschen lediglich in seiner Sehnsucht nach Freiheit frei. Diese Sehnsucht findet in der Annahme des Anderen als notwendigem Gegenüber Erfüllung. Bei Wallfahrten verfügt die menschliche Freiheit über einen Entscheidungsraum. Erhellt vom Glauben, vollzieht der Pilger den Übergang vom bloßen Wunsch zur Wirklichkeit und befreit sich so von der Sünde durch den Glauben und durch die Glaubenssakramente. Gerade deswegen ist wichtig, dass an Wallfahrtsorten die Bedingungen für eine angemessene Aufnahme sowie Orte zum geistlichen Gespräch angeboten werden, an denen sichtbar wird, dass man einander mit respektvoller Freiheit und mit der Bereitschaft, auf die Bedürfnisse des Pilgers zu hören, begegnet.

Der Mensch muss also „Christus gleichgestaltet“ werden, der vom Vater gesandt wurde, um den ewigen Bund zu schließen und den „messianischen Frieden“ zu begründen. Daraus ergibt sich, dass wir zur Begründung des wahren Friedens dem “Friedensfürst” folgen und im Sinne einer authentischen Bekehrung die vielfältigen Vorurteile abbauen müssen, die unseren Geist und unser Herz verdunkeln. In diesem “Augenblick” der Gnade geschieht “Frieden” als wahres Osterereignis im Sinne des Grußes des Auferstandenen: “Friede sei mit Euch!” (Joh 20, 19). Dieser Friede prägt das Bewusstsein und wird sozusagen im Heiligtum besiegelt, an dem spezifische und neue Koordinaten der persönlichen Existenz sowie neue Beziehungen zu den anderen entstehen, um “wahrhaft frei in Christus” zu sein (vgl. Gal 5,1 f.).

Herr Prof. Antoni Jackowski und Frau Dr. Izabela Sołjan, vom Institut für Geographie und Umweltpflege aus der Jagellon-Universität von Krakau (Polen) mit dem Lehrstuhl für Religionsgeographie, haben ein Referat zum Thema Wallfahrten als Zeichen der Solidarität unter den Menschen gehalten. Wallfahrten, die ihre Wurzeln in Religion bzw. in Glaubensvorstellungen haben, haben den Menschen praktisch in allen Entwicklungsetappen von Kultur und Zivilisation begleitet. Sie haben gewissermaßen einen überkonfessionellen und zeitlosen Charakter. Eine Wallfahrt ist eine Wanderung, die aus religiösen Motiven unternommen wird und mit dem Besuch an einem heiligen Ort endet.

Im Christentum ist die Wallfahrt ein öffentliches und gemeinschaftliches Zeichen der Frömmigkeit. Sie hat ihren Ursprung in der Bibel. Obwohl sie grundsätzlich ein religiöses Phänomen ist, ist sie auch ein soziales und kulturelles Phänomen, aus dem eine besondere „Kultur“ entstanden ist. Fußwallfahrten haben seit jeher unter den Pilgern einen besonderen Gemeinschaftsgeist gefördert. Bei Fußwallfahrten entwickelt sich nämlich unter den Pilgern ein unsichtbares Band des Friedens sowie ein besonderes Gemeinschafts- und Solidaritätsgefühl, das sowohl religiöser als auch sozialer oder nationaler Art sein kann, aus dem schlussendlich ein großer Raum der Solidarität unter der ganzen Menschheit entstehen kann.

Die Referenten haben dies am Beispiel von Polen gezeigt. Polen spielt weltweit eine wichtige Rolle im Wallfahrtswesen. Tatsächlich gehört das Land zu den wenigen, in denen es seit jeher ein intensives Wallfahrtsleben gibt. Schließlich haben Wallfahrten in schweren Zeiten in Polen stets maßgeblich dazu beigetragen, das Nationalbewusstsein wachzurütteln und zu stärken.

Am Schlusstag des Kongresses hat im Verlauf eines sehr angeregten Austausches der Referent, S.E. Msgr. Gérard Defois, Erzbischof-Bischof von Lille (Frankreich), auf Fragen der Teilnehmer geantwortet. Er betonte, dass Wallfahrtsorte in unserer Gesellschaft zeichenhafte Orte der Vergebung und des Friedens sind, an denen man alle Personen ohne Unterschied aufnimmt und den Armen und Kranken einen bevorzugten Stellenwert gibt, während im Gegensatz dazu die Gesellschaft Macht und sogar Gewalt verherrlicht. Zahlreiche Fragen betrafen auch das Sakrament der Versöhnung.

Ein Wort des heiligen Paulus aufnehmend, unterstrich S.E. Msgr. Defois, dass sich der heutige Mensch schwer tut, „das Böse mit dem Guten zu besiegen“. Da es an christlichen Bezugspunkten fehlt, reagiert man auf das Böse mit Unterdrückung, Ausschluss oder Depression, die manchmal sogar zum Selbstmord führt. Im Anschluss zitierte er aus dem Buch Benedikt XVI. Jesus von Nazareth: „Nur der mit Gott und mit sich selbst versöhnte Mensch ist imstande, um sich Frieden zu schaffen.“ Die Liturgie der Versöhnung öffnet die eigentliche christliche Perspektive, d.h. die Perspektive des Heils, das durch das Kreuz Christi und nicht durch unsere bloßen moralischen Anstrengungen erwirkt wird. Gerade deswegen ist für unsere Gesellschaft so wichtig, dass an den Orten der Barmherzigkeit, die Wallfahrtsorte sind, allen die Liturgie der Versöhnung angeboten wird. Das wiederum kann durch einen Priester gewährleistet werden, der die Vergebung, die man durch das Amt der Kirche von Gott empfängt, objektiv versinnbildlicht.

Zum Schluss der oben aufgeführten Referate und Statements haben die Kongressteilnehmer ein Dokument mit den Ergebnissen und Empfehlungen des Kongresses beraten, das wir nachstehend publizieren. 

II.  Ergebnisse

1. Wenn sich der Mensch zum Pilger macht, um Gott zu suchen und Gott zu finden, dürfen wir nicht vergessen, dass nicht nur der Mensch Gott sucht, sondern „Gott in Person zu ihm kommt, um zum Menschen über sich zu sprechen.“[1] Gott gesellt sich zu uns auf unseren Lebenswegen. In diesem Sinn ist ein Wallfahrtsort ein bevorzugter Ort, an dem Gott den Menschen besucht. Gott macht sich selbst zu einem Pilger in dieser Welt, um den tiefen Wunsch der Menschheit nach Frieden zu erfüllen und ihr den Weg dazu zu zeigen.

Unsere grundlegende Überzeugung lautet: “Einst hast du, Herr, dein Land begnadet, hast deinem Volk die Sünden vergeben, all seine Sünden zugedeckt” (Ps 85, 2-3). Gott zieht dem Opfer die Liebe/die Barmherzigkeit vor (vgl. Hos 6,6; Mt 9,13 und 12,7).

2. Wenn Gott die Erde bei Wallfahrten und an Wallfahrtsorten besucht, macht sich die Barmherzigkeit auf den Weg. Die Menschen, die Wallfahrtsorte besuchen, egal ob Pilger oder Touristen, wollen so aufgenommen und angenommen werden, wie sie sind, denn “in erster Linie muss der Frieden in den Herzen aufgebaut werden”[2].

3. Wallfahrtsorte, mit ihrer je eigenen Geschichte, sind vorläufige Zielorte menschlichen Unterwegsseins, an denen jeder einzelne Pilger seinen Jakobsbrunnen finden können soll (vgl. Joh 4, 19-20). Barmherzigkeit braucht ‘menschliches Mitgefühl’, damit die vielen Personen, die heute erdrückt von tausend Fragen, müde und auf der Suche nach Bezugspunkten und Anerkennung – zu uns kommen, sich angenommen fühlen. Wallfahrtsorte sind Stätten des Mitleids (vgl. Hos 11,8). Doch sie können nicht Liebe geben ohne das liebevolle Antlitz, von dem sie ihren eigentlichen Sinn erhalten. Jeder Mensch muss wissen, dass er der Gnade Gottes gewiss ist (vgl. Röm 8, 34). Tatsächlich ist kein Mensch verurteilt, solange er am Leben ist.

4. Wallfahrten und Wallfahrtsorte fördern unter dem Licht Gottes den Frieden mit sich selbst. Das setzt persönliche Veränderungsbereitschaft und die Fähigkeit voraus, negative Aspekte in unser Leben mit hineinzunehmen, um zu einer Seelenruhe zu gelangen, die imstande ist, offen anzuerkennen, dass wir Menschen sind und deswegen Licht und Dunkelheit ständige Begleiter unseres Lebens sind.

5. In Europa wird das Bewusstsein für Gut und Böse immer schwächer, an dessen Stelle haben sich aber die “Schuldkomplexe”[3] vermehrt, welche dem menschlichen Gewissen schwer zu schaffen machen in einer Zeit, in der Bezugspunkte und Werte von den Strömungen der öffentlichen Meinung beeinflusst sind. Bei Wallfahrten und an Wallfahrtsorten hat der Mensch die Möglichkeit zu entdecken, dass die Barmherzigkeit zu ihm kommt, wenn er nur danach fragt. Das kann überraschende Wirkungen haben und so weit gehen, dass der zur Umkehr bereite Mensch, der diesen unaussprechbaren Wunsch in sich trug, sich ändert.

6. Die Qualität der Aufnahme spielt eine wichtige Rolle und kommt zum Tragen durch die Schönheit der Orte (Position, Zeichen, Sprachen …), durch eine sorgfältige Begleitung der Einzelnen und der Gruppen, durch die Pflege des Eigenlebens eines Wallfahrtsortes und durch die Erfahrung einer tiefen Stille, welche die Gemeinschaft mit Gott und den anderen fördert. Von der Art und Weise, wie wir die Besucher aufnehmen, hängt ab, wie sie die Kirche, und durch deren Vermittlung, das Wort Gottes aufnehmen. Deswegen ist es wünschenswert, dass man gegenüber den Besuchern die Tugend der Gastfreundschaft pflegt und in diesem Sinn ihren Rhythmus und die Etappen, die sie zu ihrer Reifung brauchen, respektiert.

7. Wallfahrtsorte und Wallfahrten spielen auch, indem sie zu einem Netz verbunden sind, eine wichtige soziale Rolle, weil sie das friedliche Miteinander der Menschen, die gegenseitige Kenntnis ihrer jeweiligen Geschichte und einen tiefen, wechselseitigen, inneren Austausch fördern. In der Vergangenheit haben Wallfahrten und Wallfahrtsorte zum Aufbau eines Geistes des Friedens ferner dadurch beigetragen, dass rechtliche Schutzmaßnahmen für Pilger festgesetzt wurden.

Bis heute sind Wallfahrtsorte, das gilt besonders für Europa, “ein Ort der Begegnung für verschiedene europäische Völker”[4], an denen man sich bewusst wird, dass “Europa seine christlichen Wurzeln nicht verleugnen kann und darf …, [denn] sie sind ein Ferment unserer Zivilisation auf dem Weg in das dritte Jahrtausend”[5]. Diese Wurzeln können den Weg zur europäischen Einheit durch ihren Beitrag befördern, was um so wichtiger ist, als wir wissen, dass diese Einheit  “in den Köpfen und Herzen der Menschen großenteils noch aussteht.”[6]

8. Wallfahrten und Wallfahrtsorte sind Räume, an denen Glaubenstreue und Glaubensvernunft sich erneuern.

9. Die Werke der Barmherzigkeit (vgl. Mt 25) und das Sakrament der Versöhnung sind Wege, um sich von der Last der Schuld zu befreien, die Freiheit der Kinder Gottes zu erlangen und das Heil zu empfangen, das aus der gemeinsamen Feier der Eucharistie fließt und sich darin erfüllt. 

III.  Empfehlungen

1. Das Sakrament der Versöhnung durch die sichtbare Präsenz von Beichtvätern anbieten, damit es als Wegbegleitung den Pilgern hilft, die Erfahrung der Barmherzigkeit zu leben und zu feiern. Die Vertraulichkeit, Ruhe und Würde dieses Weges am Ort seiner Feier gewährleisten. Besondere Anlässe anbieten, um zur Feier der Vergebung zu sensibilisieren und vorzubereiten.

2. Alle Getauften – Laien, Ordensleute und Priester – zu dieser ständigen geistlichen Erneuerung einladen, die das ganze Leben lang gepflegt werden soll.

3. Sich dafür einsetzen, dass das Sakrament der Versöhnung durch die heute Wallfahrtsorten und Pfarreien eigenen Mittel und Stile eine Neubelebung erfährt.

4. Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Versöhnung“ auf anthropologischer, theologischer, liturgischer, katechetischer, usw., Ebene vor dem Hintergrund der neuen Bewusstseinslage des europäischen Menschen fördern.

5. Die Voraussetzungen schaffen, damit man in Stille den Frieden als Geschenk Gottes empfangen  und ein Klima des Gebetes fördern kann.

6. Die Zusammenarbeit zwischen kirchlichen Stellen und Reisebüros fördern, um den Besuchern zu helfen, die Aufgabe von Wallfahrten und Wallfahrtsorten besser zu verstehen.

7. Dafür sorgen, dass Wallfahrten, Wallfahrtsorte und alle Glieder des diözesanen Lebens miteinander einen Weg in Harmonie gehen.

8. Bei Wallfahrten und an Wallfahrtsorten zur geistlichen und materiellen Solidarität mit katholischen Minderheiten einladen, sowohl europaweit als auch auf nationaler Ebene.

9. Sich darüber freuen, dass sich die Bischofskonferenzen der Bedeutung von Wallfahrten und Wallfahrtsorten in einer sich ständig in Bewegung befindenden Welt bewusst sind, und darum bitten, dass Organe der Zusammenarbeit zwischen Wallfahrtsleitern und Wallfahrtspfarrern für einen besseren seelsorglichen Dienst eingerichtet werden.  

*    *    * 

Wir empfehlen die Ergebnisse unserer Arbeiten und ihre Fortschreibung der mütterlichen Liebe der Jungfrau Maria, der Unbefleckten Empfängnis, Mutter der Kirche, und allen heiligen Patronen unserer Heiligtümer und Wallfahrtsorte in Europa. 


 

[1] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Tertio Millennio Adveniente, 10.11.1994, Nr. 6: L’Osservatore Romano, n. 262 (40.801) vom 14.-15.11.1994, S. 2

[2] Benedikt XVI., Schreiben an S.E. Msgr. Domenico Sorrentino anlässlich des 20. Jahrestages des interreligiösen Treffens zum Gebet für den Frieden in Assisi, 2.09.2006: L’Osservatore Romano, Nr. 204 (44.346) vom 4.-5.09.2006, S.5.

[3] Vgl. Benedikt XVI., Ansprache an die Teilnehmer eines Kurses der Apostolischen Pönitentiarie über das Forum Internum, 16. März 2007: L’Osservatore Romano, Nr. 63 (44.506) vom 17.03.2007, S. 5.

[4] Benedikt XVI., Ansprache bei der Begegnung mit den Autoritäten und dem Diplomatischen Korps in der Wiener Hofburg anlässlich der Apostolischen Reise nach Österreich, 7. September 2007: L’Osservatore Romano, Nr. 205 (44.648) vom 9.09.2007, S.6.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

 

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