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 Pontifical Council for the Pastoral Care of Migrants and Itinerant People

People on the Move

N° 112, June 2010

 

Pastoralbotschaft DES PÄPSTLICHEN RATES DER SEELSORGE FÜR DIE MIGRANTEN UND MENSCHEN UNTERWEGS anlässlich

des Welttags des Tourismus 2009

(27. September 2009)

 

Thema: Der Tourismus, Feier der Verschiedenheit.

 

Das Thema des Welttags des Tourismus 2009, vorgeschlagen von der zuständigen Welt-Organisation, Der Tourismus, Feier der Verschiedenheit, öffnet uns Wege der Begegnung mit dem Menschen in seiner Verschiedenheit, in seinem anthropologischen Reichtum.

Die Verschiedenheit ist eine Tatsache, eine Realität, aber sie ist auch, wie uns Papst Benedikt XVI. erinnert, eine positive Gegebenheit, ein Gut und nicht eine Drohung oder eine Gefahr, ja er geht sogar so weit, dass er dem Willen Ausdruck gibt: „dass die Menschen nicht nur die Existenz der Kultur des anderen akzeptieren, sondern auch eine Bereicherung zu erhalten wünschen“[1]

Die Erfahrung der Verschiedenheit ist typisch für die menschliche Existenz, auch weil die Entwicklung jedes einzelnen in unterschiedlichen Etappen erfolgt, wodurch das persönliche Reifen und Wachsen gefördert wird. Es handelt sich um eine progressive Entdeckung, mit dem und mit was uns umgibt, und uns von der Andersartigkeit des anderen unterscheidet.

In der positiven Bewertung der Verschiedenheit stellt sich ein Paradox heraus: wenn wir einerseits in dieser Zeit der Globalisierung eine immer größere Annäherung der Kulturen und der Religionen feststellen können und in den Herzen aller Kulturen das Aufbrechen eines wahren Wunsches nach Frieden, so bewahrheitet sich andererseits ein Unverständnis, es gibt Vorurteile und tief verwurzelte Missverständnisse, durch die Schranken aufgestellt und Teilungen genährt werden. Es ist die Angst in uns vor dem Andersartigen, dem Unbekannten.

Wir müssen uns also bemühen, Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Voreingenommenheit umzuwandeln in ein gegenseitiges Verstehen und Annehmen, und vorangehen auf dem Weg der Achtung, des guten Benehmens und des offenen, konstruktiven und bindenden Dialogs.

In diesem Bestreben hat die Kirche eine wichtige Rolle, ausgehend von der festen Überzeugung Papst Paul VI., der in seiner Enzyklika Ecclesiam suam, sagt, dass die Kirche in einen Dialog mit der Welt, in der sie lebt eingehen muss. Die Kirche wird Wort, die Kirche wird Botschaft, die Kirche wird Gespräch“[2]. Ein Dialog ist konstruktiv und ehrlich, wenn er, um authentisch zu sein, „vermeidet dem Relativismus und dem Synkretismus nachzugeben und beseelt ist von einem ehrlichen Respekt vor dem andern und einem großherzigen Geist der Versöhnung und der Geschwisterlichkeit“[3].

In diese Perspektive ist der Tourismus auch eine Gelegenheit des Dialogs und des Zuhörens, stellt er doch den Kontakt her mit anderen Lebensmodellen, anderen Religionen und Ansichten der Welt und ihrer Geschichte[4] zu sehen, und lädt dazu ein, sich nicht in der eigenen Kultur zu verschließen, sondern sich zu öffnen, sich auseinander zu setzen mit anderen Denk- und Lebensformen[5]. So darf es nicht verwundern, wenn Extremistengruppen und terroristische Vereinigungen fundamentalistischer Natur, den Tourismus wie eine Gefahr anzeigen und ein Objekt, das zerstört werden muss. Das gegenseitige Kennen lernen wird helfen – so hoffen wir brennend – eine gerechtere, mehr solidarische und geschwisterliche Gesellschaft zu schaffen.

Die anfängliche Erfahrung des Menschen mit der Andersartigkeit, wird heute auch in der virtuellen Welt gelebt, kosmische Megalopolis, die permanent jedem angeboten wird. Dank dieser ersten Form des virtuellen, kinographischen “Tourismus“ wird die Verschiedenheit aus der Nähe betrachtet und erleichtert so das Näherkommen des fernen Andersartigen. Dies ist der erste Tourismus, der die Verschiedenheit heiligt.

Aber es ist vor allem der Tourismus, verstanden als physische Fortbewegung, durch die die natürliche, ökologische, soziale, kulturelle, ökonomische und religiöse Verschiedenheit herausgestellt wird. Sie lässt uns aber auch die gemeinsam geleistete Arbeit entdecken, die Zusammenarbeit unter den Völkern, die Einheit der Menschen in ihrer herrlichen und bewegenden Verschiedenheit ihrer Realisierungen.

In der Entdeckung der Verschiedenheit stellen sich jedoch auch Paradoxe und Grenzen ein: wenn sich der Tourismus ohne eine Ethik der Verantwortlichkeit entwickelt, tritt gleichlaufend die Gefahr in Form der Einförmigkeit und die Schönheit als „fascinatio nugacitatis“ (vgl. Weish 4,12) auf. So geschieht es, zum Beispiel, dass die Einheimischen für die Touristen ihre Tradition  darstellen und so die Verschiedenheit als kommerzielles Produkt anbieten, nur als Erwerbszweck.

Das alles verlangt ein großes Bemühen seitens der Besucher wie auch der  aufnehmenden Einheimischen, eine Haltung der Öffnung, der Achtung, der Nähe, des Vertrauens zu entwickeln, so dass im Wunsch, dem Andern in der Achtung seiner persönlichen, kulturellen und religiösen Verschiedenheit zu begegnen, die Öffnung zum Dialog und zum Verständnis erwächst[6].

Die Verschiedenheit verschmilzt sich im Geheimnis Gottes. Das schöpferische Wort steht am Ursprung des Reichtums aller Arten von Lebewesen, geringer als der Mensch, den er als sein „Abbild und Gleichnis“ schuf. Dieses biblisch poetische Wort ist das der Verschiedenheit, Begründerin der Identität jedes Geschöpfes, denn er, der Schöpfer ist es, der als erster die Schönheit/Güte all dessen, was er gemacht hat (vgl. Gen 1) bewunderte. Gott ist auch die wunderbare Kraft, Anfang der Einheit aller Verschiedenheiten, die ausgedrückt werden, darin, dass „Jedem aber die Offenbarung des Geistes geschenkt wird, damit sie anderen nützt“ (1 Kor 12,7). Beim Betrachten der Verschiedenheit entdeckt der Mensch die Zeichen  des Göttlichen in den Spuren des Menschlichen. Für den Gläubigen öffnet die Gesamtheit  der Verschiedenheit Wege, um sich der unendlichen Größe Gottes zu nähern. Für uns kann als mögliches Phänomen der Heiligung der Verschiedenheit der christliche Tourismus stehen, offener Weg zum kontemplativen Geständnis.

Gott vertraut also der Kirch die Aufgabe an, in Jesus Christus durch den Geist, eine neue Schöpfung zu schaffen, wie er es gnädig im voraus bestimmt hat. Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen und in Christus den ganzen Schatz der menschlichen Verschiedenheit zusammenzufassen (vgl. Eph 1,9-10), den die Sünde in Trennung und Konflikte verwandelt hat[7], damit sie im Pfingstgeist beiträgt zu der Gründung einer neuen Gesellschaft, in der die verschiedenen Sprachen und Kulturen nicht mehr unüberwindbare Grenzen darstellen, wie nach Babel, sondern wo gerade diese Verschiedenheit es möglich macht, eine neue Form der Verständigung und der Kommunion zu verwirklichen[8].

Dies sind Gedanken, welche die ermutigen können, die in dieser spezifischen Seelsorge des Tourismus arbeiten, und sich besonders einsetzen für diejenigen, die durch dieses Phänomen in irgend einer Weise leiden. Es handelt sich ja um ein Zeichen unserer Zeit, das geprägt ist von positiven Aspekten, die wir ja bereits hervorgehoben haben bei der kürzlich begangenen Feier des 40. Jahrestags der Veröffentlichung des Direktoriums Peregrinans in terra.

Möge der Atem Gottes jede Fremdenfeindlichkeit, jede Diskriminierung, jeden Rassismus besiegen und die zusammenführen, die fern von einander sind, in der Kontemplation der Einheit/Verschiedenheit einer von Gott gesegneten menschlichen Familie. Es ist der Geist, der in Einheit und Frieden, in Harmonie und in gegenseitigem Anerkennen vereint. In Ihm ist Ordnung und Güte in den sieben Schöpfungstagen. Trete er ein in diese geplagte Menschengeschichte, dank auch des Tourismus’.

 

Aus dem Vatikan, 24. Juni 2009. 

 

X Antonio Maria Vegliò

Präsident

 

 

 

 X Agostino Marchetto

Erzbischof  Sekretär


 

[1] Benedikt xvi., Botschaft anlässlich des Studientags zum Thema „Kultur und Religion im Dialog“, organisiert vom Päpstlichen Rat für den inter-religiösen Dialog und vom Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Kultur, 3. Dezember 2008: L’Osservatore Romano Nr. 287 (45.027), 9-10 Dezember 2008, S.1.

Auf derselben Linie drückte sich Papst Johannes Paul II. aus: Sich der Realität der Verschiedenheit zu entfremden – oder, was schlimmer ist, zu versuchen - diese Verschiedenheit auszulöschen, bedeutet, sich die Möglichkeit zu verschließen, das Geheimnis des Menschenlebens in seiner Tiefe zu ergründen. Die Wahrheit über den Menschen ist das unabänderliche Kriterium, nach dem alle Kulturen beurteilt werden;  jede Kultur aber hat etwas über die eine oder andere Dimension dieser komplexen Wirklichkeit zu lehren Daher kann die von manchen so bedrohlich empfundene –Verschiedenheit – mit Hilfe eines achtungsvollen Dialogs zur Quelle werden, das Geheimnisses des menschlichen Daseins tiefer zu verstehen (Ansprache an die Generalversammlung der UNO, zum 50. Jahresstag ihrer Gründung, 5. Oktober l995, Nr. 10: Lehren Johannes Paul II.,  XVIII/2 -1995-, Libreria Editrice Vaticana, 1998, S. 738).

[2] Paul vi. Enzyklika  Ecclesiam suam, 6. August 1964, Nr.67 AAS LVI (1964) S.639.

[3] Benedikt xvi., Botschaft anlässlich des Studientags zum Thema „Kultur und Religion im Dialog“, 1c.

[4] Vgl. Päpstlicher Rat der Seelsorge für Die Migranten und Menschen Unterwegs, Instruktion Erga migrantes caritas Christi (Die Liebe Christi zu den Migranten), 3. Mai 2004, Nr. 30 AAS XCVI  (2004) S. 778.

[5] “As children of their own culture, travellers,  tourists, take off for the encounter/clash with children of another culture.

If they start a dialogue with it, they agree to let themselves be questioned by the element that can enrich their intellectual, spiritual and cultural patrimony. This may lead them to put up for question some behaviors,  a priori, considerations and even beliefs that influence their everyday lives. (Päpstlicher Rat der Seelsorge für Die Migranten und Menschen Unterwegs, Schlussdokument des IV. Europäischen Treffens über Tourismus-Seelsorge, 29.-30. April 2009, Nr. 34).

[6] Vgl. Benedikt xvi., Botschaft zum Welttag des Tourismus, 16. Juli 2005, Lehren Benedikt XVI., 1 (2005), S.339.

[7] Vg. Päpstlicher Rat der Seelsorge für Die Migranten und Menschen Unterwegs Instruktion Erga migrantes caritas Christi (Die Liebe Christi zu den Migranten),1.c., Nr 102.

[8] Ebd. Nr. 89.

 

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